Dagegen setze ich fiktiven theoretischen (Vitamin B wie) Ballast, vielleicht nicht übler als der reale:
Ich sehe mein planendes Bewusstsein als Legislative seiner Selbst. Es benötigt der Struktur und kann sie selbst besorgen.
Über gesellschaftliche Netze mache ich mir eher negative Gedanken, siehe umtriebig werkelnde Spinnen und gelähmte Fliegen. Haben sie eine Chance abzuwägen? Wohl kaum, darum ist es mir außerhalb des Netzes, als Beobachter, am angenehmsten. Würden sie dahin gucken, sähen sie eben mich. Dann könnten sie womöglich besser entscheiden, was ihnen recht ist und was nicht.
Meine Lebensphilosophie braucht unbedingt noch ein paar Paragraphen, die es mir ermöglichen würden, weniger abwertend auf diese mehr oder weniger natürlichen Menschenwerke, Geflechte und Verflochtene, zu schauen. Ich habe mich oberflächlich damit beschäftigt, aber es ist ein Magen verstimmendes Thema (ich meine die Zivilisationsgeschichte). Und satt wird da auch keiner.
In Schwung bringe ich selten wen, und wenn, so lasse ich ihn mit seiner Schwingung nun lieber allein, anstatt mich tiefer in seine individuelle Sphäre zu mischen.
-> Ich begreife ein Individuum (u. a. mich) von einer Schutzsphäre von einigem Durchmesser umgeben (Beweis: jeder hat eine Vorstellung vom Schimmer seiner Sphäre a.k.a. ‚Lieblingsfarbe‘), solange, bis sie jemand unignorierbar durchschreitet und tatsächliche Auseinandersetzung fordert. Eine Überprüfung seiner Gründe und Rechte folgt natürlich sofort.
*
Was ich eigentlich sagen will, ist, dass jede Geste, Wort und Tat, zuerst bis vor die Instanz der inneren Legislative eines anderen Individuums gelangen muss, bevor etwas Reales, Langfristiges in ihm in Gang gebracht wird. An dieser Stelle setze ich mein Verständnis von der Kunst an, wie sie mir wichtig ist, eher im Sinne von der zu Papier gebrachten Botschaft. Sie kann mehrmals aufgefunden und begutachtet werden, sie kann den Moment treffen, an dem jemandes Schutzbarrieren nicht so robust stehen. Sie kann mit höherer Wahrscheinlichkeit etwas bewirken. Eben wie Werbung.
Außerdem ermöglicht so verstandene Kunst, dass der Addressat nicht ständig Angriffe auf seine innere Festung abzuwehren hat. Ich kann es ihm hinlegen, und er kann es sich anschauen, wenn er will oder auch nicht, wenn er das nicht will, er muss nur überlegen, ob er das denn will – und schon damit ist etwas geschehen.
Dass ich die Tat weiter hinten anstelle, hängt mit der erwähnten Bequemlichkeit zusammen, die ja, ‚verbreitet‘ ist das falsche Wort, ich würde sagen: ‚allerorten‘ … Aber das soll keine Ausrede werden. Es wird sowieso alles irgendwann getan von mehr als genug Leuten. Eile war mir erst fremd, dann zuwider.
Bei aller Eingenommenheit von mir und meinen Worten, gewahre ich die Schwierigkeit alles dessen, und der Außenseiter-Bonus wird auch nicht mehr vergeben, wäre meine Kunst auch vortrefflich. Darum ist mir die Aussicht auf ‚Erfolg‘ (wessen?) nicht mehr als einen Versuch pro Individuum und Angelegenheit wert. Für den Moment. Man muss nichts überstürzen. Außerdem ist Missionieren erbärmlich, das habe ich noch nicht erwähnt, also, man kann es sich kaum vorstellen.
Schwaches Glimmen kann über die Dauer bei sich bietender Gelegenheit (Vernetzung brennbarer Stoffe) den ganzen Wald roden.
Welch lose zusammenhängende Spinnerei von mir hier… Ich gebe zu:
Mein Luftschloss ist zwar auf lange Dauer gebaut,
aber mit Stein kann man da oben wie ehedem nicht arbeiten …
😉
nichts Handfestes also.
*PS: Nicht alles ist Ernst, was schwülstet …
]]>(Das war auch als kleiner Scherz gedacht.)
Vernunftgemäß bin ich vollig deiner Meinung, und erkenne, warum dich diese Art der Rechtfertigung absolut nervt. Ich will aber nicht ganz verheimlichen, dass ich gelegentlich eine Art Schicksalsglauben, oder ein mystisches Gefühl diesen Inhalts, verspüre. Dies soll meiner Argumentation und meinem Leben keine Richtung geben, aber ich glaube, der Einfluss dieser seltenen Momente auf mich ist ungewollt doch recht groß.
Deshalb stimme ich in so einer Diskussion bei einigen Punkten beiden Seiten zu.
Prinzipiell liegen meine Sympathien aber eher bei dem, der ein gesundes Selbstbewusstsein an den Tag legt und sich mutig betätigt, als bei einem jener Gläubigen, bei denen man den Unterschied zwischen (Schicksals-)Gläubigkeit und etwas anderem (Mutlosigkeit, Ängste, Minderwertigkeitsgefühle … und der ganze Katalog), nicht mehr erkennt.
Selbstbewusstsein sollte aber auch von recht fortgeschrittener und laufend weiter betriebener Selbsterkenntnis gestützt sein, sonst ist es nicht gesund.
Soviel dazu. Es war zwar nicht nötig, dich an der Stelle zu rechtfertigen, aber ich fand es interessant darüber zu reden. Übrigens wusste ich eigentlich schon, wie du zu dem Thema stehst, da ich viele Forenbeiträge von dir gelesen habe, in denen das schon wunderbar rüberkam. Hast mich damals schon überzeugt 🙂
Greets!
]]>Inzwischen habe ich auch manche Konsequenz gezogen, ähnlich wie du. Ich würde jedoch nicht schreiben, dass mir Gott ein gewisses Putschmittel eingeflößt hat. Bisher habe ich mich eher für einen „Zwischenmenschen“ gehalten, Provokation und Selbstrechtfertigung vermeiden wollen, aber mein starker Hang in Richtung „Theorie“ (so ungefähr, der Ausdruck ist natürlich schwierig) hat sich unerlaubt dann doch heftig durchgesetzt. Ich schreibe nur noch in Jubelmonaten mal etwas in den allgemeinen Foren, aber in einer anderen Sprache. Ich verlege mich wieder vorrangig aufs Lesen und Vergleichen, wie ich es von klein an getan hab. Wenn Fachgespräche, dann doch eher mit Profis. Obwohl ich im letzten Detail nicht mit denen mithalten kann, bringt das wahrscheinlich allen mehr.
Eine eigene Homepage geht mir auch schon seit einiger Zeit durch den Kopf, aber dafür sind die Ideen noch nicht reif.
Ich bin gern hier auf deiner Seite: ein Ort sowohl zum Verweilen als auch zum Vonlosziehen, es gibt viele Anregungen, die es wert sind sich davon anregen zu lassen. Schön, dass es sie gibt!
(Ich wiederhole mich, das passiert öfter …)
On voit: Il y a toujours des choses
intéressantes à raconter!
Bye, schönes Restwochende!
fatcat
]]>Ich habe inzwischen akzeptiert, dass ich zur sogenannten Bildungselite gehöre. Aber ich verwehre mich gegen den Vorwurf, dass diese Elitenbildung aufgrund einer aktiven Ausgrenzung geschieht. Sie entwickelt sich, vielleicht weil einige Menschen die Kohle und die Synapsen haben, um sich bilden zu können und andere nicht. Das Konzept, das für mich bisher am besten funktioniert hat, war überall nach den Menschen zu suchen, die auf meiner Welle schwimmen, da es überall genau gleich wahrscheinlich ist, auf einen echt sympathischen Menschen zu treffen. Es ist überall ebenso warhscheinlich, dass man den Großteil der Menschen, die einem so begegnen, echt für die Füße findet. Aber daran muß man sich ja nicht festbeißen.
Letztlich kann ich niemanden dafür verurteilen, dass er Anerkennung und Akzeptanz sucht, auch nicht den „Pfuscher“. Das ist nämlich ein ureigenes menschliches Bedürfnis, das ich selbst auch habe. Mir hat Gott nur sosehr ins Hirn gewichst, dass mich irgendwes Anerkennung nicht befriedigt, sondern erst die Anerkennung eines Menschen, dem ich selbst Anerkennung entgegenbringen kann. Das ist eben so.
Und da mir Foren dahingehend zu nervenaufreibend sind und ich ständig das Gefühl habe, mich rechtfertigen zu müssen (was ich nicht angenehm finde), habe ich mir lieber hier meinen Elfenbeinturm geschaffen. Jeder, der sich für mich interessiert, kann mich besuchen kommen, sich mit mir austauschen und beide Seiten können profitieren. Aber niemand ist gezwungen, das zu tun. Das find ich fair.
]]>Es handelt sich aber in unserer zivilisierten Welt nicht nur um passive Schafe. Es gibt viel zu lernen über diese merkwürdige Form der Aktivität, die lieber den zweiten vor dem ersten Schritt tut und so zu einem andauernden Stolpern gerät. Damit meine ich auch – Rückschwenk aufs Thema – literarische Neulinge, die noch kein Buch von innen gesehen haben, sich aber unbedingt demonstrativ eben dort registrieren und auf dreiste Weise behaupten sich zu „beteiligen“, wo Virtuose einen alternativen Betätigungsort abseits der Kulturproduktion ihres Landes finden könnten.
Oder den monetär versorgten Liedtexter: keine Ahnung von gutem Ausdruck, aber sich in einem Gedichteforum die völlig unverdiente Bestätigung abholen wollen. Schon der Denkansatz vieler Forums-Mitglieder ist daneben, nur kann man hierüber leichter ins Fabulieren kommen als bei realen Treffen, da man ja keinen kennt. Doch gerade wenn sich die Beteiligten nicht kennen, sollten die grundsätzlichen Interessen identisch sein und nicht auch noch grundverschieden.
Virtuose und unreifer Reimschmeißer (meist zugleich Anti-Ästhet) passen nicht zusammen, und es ist auch nicht nötig diesen Konflikt offen auszutragen (in einem Forum), denn eine Kommunikation zwischen den beiden ist sehr ineffektiv bis unmöglich, soweit ich das bis jetzt beobachtet habe. Zum Glück gibt es auch noch Zwischenmenschen, sie sind für das Bestehen einer künstlerischen Plattform ziemlich wichtig.
Abschließend meine ich, man sollte einen Blick für diese diversen Auswüchse haben, um wenigstens für sich selbst den Weg zu den Wurzeln, dem, was wichtig ist, verfolgen zu können.
PS: Der Background und das bestimmende Rot gehen ästhetisch in Ordnung (und ich kann am Monitor alles lesen/erkennen), nur sie verführen eben manchmal zum Untergründigen. Was ja nicht schlimm ist.
bye
]]>Ganz ehrlich, im Paradies würde ich auch nicht leben wollen, denn dort gibt es ja nichts mehr, für das es sich zu kämpfen lohnt. Und wozu sollte man dann morgens noch aufstehen…?
Also, nicht den Kopf hängen lassen und glauben, es wäre alles viel schlechter als früher. Wir haben doch schon eine Menge erreicht, die Menschheit bleibt in Bewegung und wir leben in spannenden Zeiten. Was kann man eigentlich noch mehr wollen?
ps.: Ach so, sorry, wegen des dunklen Backgrounds. Ist eigentlich nicht meine Art und auch nicht vorteilhaft für die Lektüre am Rechner. Aber dieses Design war das einzige, das meinen sonstigen Ansprüchen halbwegs gerecht werden konnte.
]]>PS: Ich merke, dass ich mich in deinem blog öfter und freimütiger zu meiner irgendwie überflüssigen Menschenwahrnehmung äußere, als sonst irgendwo, frage mich, wieso. Vermutlich ist es der dunkle Hintergrund deiner Homepage oder du vertrittst für mich, was mit den Texten zusammen hängt, ein hoch stehendes Interesse. Versuche bald wieder themengebunden zu kommentieren, wie man’s erwarten würde.
]]>Meine Einstellung zu Foren hat sich generell auch geändert. Ich habe keinerlei Erwartung mehr, dass regelmäßig etwas Besonderes und Tolles geschieht. Sollte sich jedoch etwas Nennenswertes ereignen, bin ich in Bereitschaft daran mitzuwirken (solange es kein Geld kostet).
Auf der Straße finde ich ebenfalls viel Lärm um Nichts, neben den gelangweilten Lustwandlern vor allem beschäftigte Typen ohne Ende, Angestellte und Ausrichter, die viel anstellen und wenig ausrichten. Weder Pferde noch Diebe.
Ah, siehst du, das ist der Überblues gegen den Überdruss.
Gruß,
fatcat
]]>Ich vermute, dass das seltene Talent, verbunden mit dem seltenen Perfektionswillen, eine insgesamt zu seltene Kombination darstellt, um sich in großformatigen Foren würdig vertreten lassen zu können. Schon das Mehrheitsstreben einer demophilen Gesellschaft spricht dagegen, frech ausgedrückt.
Aus diesem Grunde kann man sich sicher sein, dass in einer Diktatur die ‚wahren Virtuosen‘ viel einfacher dingfest gemacht, diskutiert und gepriesen werden könnten, weil dort ohnehin ein Trieb zur Einzelautorität herrscht. Nach künstlerisch-qualitativen Kriterien will ich die beiden Systeme hier nicht untersuchen, darum geht es nicht – ich will lediglich den Gedanken einflechten, dass die von dir, LeV, beschriebene Unzufriedenheit eine nicht unbedingt zu verdammende Notwendigkeit, aufgrund der Begleiterscheinungen des sozialen Trends ist (hier gemeint sowohl in kleinen Dimensionen: „Mode“, als auch in größeren: „politische Lage“, als auch in allgemeinen: „der status quo dieses Ausschnitts der Menschheit“).
Das Forum gibt, stellt dar, überzeichnet, verdeckt, nur was es kann: die Benutzeridentitäten, die sind.
Daher nehme ich, trotz ebenso unbefriedigender Erfahrungen im Forumsbetrieb, das alles möglichst locker, denn ich lebe nur jetzt, und es gibt Momente, die für andere entschädigen – vor dieser Erkenntnis muss leider manchmal erst der Rauch des Zorns verfliegen, zugegeben.
Hier meldete sich in gewohnter „Spätlese“-Manier gerne zu Wort:
fatcat
Optimistischen Gruß!
]]>edit: Kommentar wegen Werbeinhalten von der Administration entfernt.
Viel Inspiration wünscht
Martina Merks-Krahforst – ETAINA-Verlag
]]>