Natürlich kamen wir wieder erst im Dunklen an.
Da Plage Aglou direkt am Meer liegt, war der Wind recht stark.
Es trat auch ein sehr interessantes Phänomen auf: Der Wind dreht dauernd seine Richtung und damit änderte sich auch schlagartig die Umgebungstemperatur. Kam der Wind vom Meer griff man leicht fröstelnd zum Pulli. Kurze Zeit später kam er wieder vom Land und es war im Pulli zu warm… sehr strange.
Um unsere Zelte gegen den starken Wind zu schützen, bauten wir wieder eine Wagenburg aus den Autos.
Ich krabbelte dann auch bald in meinen Schlafsack. Antje und Tobias schlenderten noch etwas über den Platz zu den anderen aus unserem Tross. Atze kam bei der Gelegenheit auf die Idee, ein Foto, dass Antje vom Team Øltanker geschossen hatte, anzuschauen. Daher gingen die beiden zu den Orgas, wo eine Reporterin von AUTO MUTTI MOTOR und SPORT gerade dabei war auf ihrem Laptop die Fotos der letzten 8 Tage zu sichten und einen kurzen Zwischenbericht zu schreiben. Als die Reporterin das Bild sah, war sie ganz begeistert und fragte, ob sie es für ihren Bericht verwenden dürfte. Dagegen hatte Antje natürlich nichts. Vielleicht hat es ja durch Zufall einer von euch in der passenden Ausgabe gesehen:
Nach ein wenig Plauschen mit dem Rest vom Tross gingen Tobias und Antje dann auch ins Bett.
Da der Wind während der Nacht immer mehr an Stärke zu nahm und auch seine vorherrschende Richtung änderte, so dass unsere Eier keinen Schutz mehr boten, fing Tobias und mein Zelt an im Wind zu knattern und wurde auf uns herunter gedrückt. Gegen 2:30 Uhr war es dann so arg, dass wir aufstehen und das Zelt mit der spitzen Seite in den Wind drehen mussten. Das linderte die Auswirkungen des Windes und wir schliefen wieder mit dem Tosen der Brandung ein.
Wir machten ein paar tolle Fotos, während die Anderen schon oberhalb der Fälle in einem Sammelbecken badeten. Antje trug keine Schuhe, als wir einen mit Scherben und Kronkorken übersäten Innenhof überqueren wollten, um zu den anderen zu gelangen. Ich nahm sie daher huckepack. Dies missviel anscheinend dem Aufseher, welcher uns sehr ärgerlich und laut mit den Worten: „If you want to play, play outside!!“ den Zutritt verwehrte.
Anscheinend ist es im Islam nicht angebracht Freitags Frauen zu tragen…
Einer Erklärung war der Herr nicht zugänglich. So fiel das Bad für Antje und mich leider aus.
Wieder bei den Autos befüllten wir den Saab von Atze und Jan aus unserem Reservekanister. Die Jungs hatten die letzte Tanke vor 150 km verpasst und ihr Auto ging in den Serpentienen in Linkskurven schon immer aus.
Unsere nächste Station, Marrakesch, erreichten wir mal wieder im Dunklen.
Erster Halt war ein riesiges Einkaufszentrum. Während die Anderen gierig den extra abgesicherten Alkoholverkauf aufsuchten, bestaunten Antje und ich die exotische Obst- und Gemüseabteilung. Wir deckten uns mit Orangen, Mandarinen, Paradiesäpfeln und Mangos ein. Lecker!
Dann teilte sich die Gruppe. Die Anderen gingen zu Pizza Hut, um noch ein letztes Mal „westlich“ zu essen, wir hingegen machten uns auf den Weg zum Campingplatz. Dort angekommen stellten wir nach einiger Rangiererei fest, dass der Kühler von Cobra I überkochte!
Ich hatte das bisher nicht bemerkt, da natürlich auf der Seite der Temperaturanzeige die Tachobeleuchtung defekt war.
Während Antje das Abendessen vorbereitete und Tobias die Zelte aufbaute, nahm ich mit Hilfe des Werkstatthandbuchs eine erste Schadensdiagnose vor.
Ich überbrückte den Temperaturschalter mit einem Stück Tüddeldraht am Diagnosestecker und schon sprang der Lüfter an. Damit war der Lüfter als Übeltäter schon mal raus.
Mit diesem beruhigenden Wissen und einer ebenfalls überprüften und augenscheinlich noch dichten Zylinderkopfdichtung verschob ich alles weitere auf morgen. Der schnelle Ritt über Land hatte wohl auch Schlimmeres verhindert. Hungrig machten wir drei uns über das Abendessen her. Es gab Nudeln mit pürierten Tomaten zum selber würzen mit Knoblauch, Pfeffer und Salz. Wenn man wie wir seit Tagen nichts warmes gegessen hat und der Hunger riesig ist, ist auch ein solch einfaches Essen ein Genuss!
Tobias ging danach noch duschen, während ich schon in meinen Schlafsack kroch.
Er kam mit den Worten zurück, dass er sich nicht wesentlich sauberer fühlen würde, da die Duschen selbst im afrikanischen Sinne versifft wären.
So schliefen wir erschöpft und schmutzig gegen 01:00 Uhr ein.
Das Essen war echt großartig! Danke für die Idee und die leckere Zubereitung!
Es war ein echt schöner Nachmittag! Toll euch alle mal wieder zu sehen. Schade, dass wir es verbockt haben, länger da zu sein. Aber so wie ich es dem Mailverteiler entnehme, soll es ja nicht das letzte Treffen sein… das nächste mal wird das Wetter auch besser! Bis auf Schneefall kann es ja nicht viel schlechter werden….
Danke nochmal fürs organisieren!
Aber schiebt es nicht mir in die Schuhe, wenn ihr euch anschließend auf Vattis Kreidler Florett auf den Weg machen wollt!
]]>Wir wollten eigentlich um 7 Uhr in Béziers los. Aber wie bisher immer kam eins zum anderen, so dass wir erst nach 8 Uhr mit vollen Tanks starten konnten:
Die heutige Strecke war im Vergleich zum gestrigen Tag sehr kurz. Der Routenplaner hatte aber trotzdem mehr als 10 Stunden Fahrzeit veranschlagt.
Wir sollten sehr bald merken, dass das keine Untertreibung war!
Schon wenige Kilometer hinter Béziers begannen die Serpentinen. Links neben der Straße ging es steil runter ins tosenden Meer und rechts ragte der nackte Fels auf.
Es war der Himmel für jeden, der gerne Auto fährt und ein real gewordener Albtraum für jeden mit Höhenangst! Zoomt zum Beispiel mal auf die Strecke bei „Banyuls-sur-Mer“. Dann wisst ihr, was ich meine! Es vergingen kaum 30 Meter ohne scharfe Kurve oder Spitzkehre und das alles musste in einem Tempo gefahren werden als wenn einem die Hosen in Flammen stehen, weil von hinten die Locals drängelten… Ein Traum!
Natürlich suchten wir uns alsbald eine schöne Stelle, um die ersten Fotos mit Eiern und Meer zu machen:
Doch obwohl der gestrige Sturm bereits abgeklungen war, war der Wind so stark, dass wir Probleme hatten, uns auf den Beinen zu halten:
Bei strahlendem Sonnenschein tobte das Meer mit seiner Gischt gegen die Felsen unter uns an. Es war wirklich beeindruckend!
Immer wieder reihte sich so Serpentine an Spitzkehre an Serpentine. Eine wirklich grandiose Streckenwahl, die mein Bruder da getroffen hatte:
Endlich konnten wir auch unsere Pullis gegen T-Shirts eintauschen. Das Thermometer zeigte über 20 °C:
Als wir eine Möglichkeit zur Mittagsrast suchten, stießen wir auf einen ALDI. Natürlich mussten wir dort nachsehen, ob es auch in Spanien den leckersten „Fleischalat“ (Familienslang) der Welt gibt.
Leider nicht…
Dafür trafen wir aber einen anderen alten Freund wieder:
Schnell war eine Palette „Karlsquell Cerveza“ und „Karlsquell Cerveza Premium“ eingepackt. Als feste Nahrung gab es zwei Baguettes und lokale Eselwurst. Lecker!
In Barcelona umrundeten wir den „Glaspenis“ und verfuhren uns prompt:
Allerdings führte uns gekonntes Raten bald wieder aus der Misere. Die Abenddämmerung verbrachten wir wieder in den Serpentinen Richtung Amposta:
Zwischendurch bedrängten uns noch ein paar Iberer mit Hupe und Lichthupe, weil ihnen Tempo 90 nicht ausreichend erschien. Nur um anschließend dann mit 95 km/h vor uns her zu zockeln… Ein wankelmütiges Volk…
Unser Zielort Amposta ist eine schöne kleine Stadt. In den engen Gassen erforderte die Suche nach unserem Hotel allerdings wieder eine gehörige Portion Raterei. Nach einiger Zeit fanden wir es endlich und konnten nach gut 13 Stunden Fahrzeit recht schnell unsere Zimmer beziehen.
Da ich mir schon seit zwei Tagen (zu Recht) Bemerkungen über den Gestank meiner Socken anhören durfte, habe ich sie kurzerhand aus dem Hotelfenster auf die Hauptstraße geworfen. Trotz Dosenbier brachte mir diese Rock-Star-Aktion aber überraschenderweise nicht die erhoffte Anerkennung, sondern nur Kopfschütteln…
Tag zwei hatte direkt unsere längste Tagesetappe parat. Nach unruhiger Nacht erwachten wir in Hohberg. Man hatte uns verraten, dass es ab 6:30 Uhr noch ein kostenloses Frühstück geben würde. Das griffen wir als gute Lipper natürlich ab. Im Morgengrauen rollten wir dann um 7:20 Uhr mit vollen Mägen aber leeren Tanks vom Hof gen Frankreich:
Unser Ziel war es, den Preisunterschied zwischen D und F auszunutzen, und erst hinter der Grenze zu tanken. Wie aber bei all unseren bisherigen Plänen war auch dieser „ambitious but rubbish“.
Nach ca. 130 km, kurz hinter Mulhouse, meldete Antje per Funk, dass Cobra IIs Motor stottern würde und Sekunden später rollte sie auf dem Standstreifen aus. Nach kurzer Diagnose packten wir Opas Abschleppseil aus und schleppten mit Cobra I Cobra II zur nächsten Abfahrt:
Dort stellten wir sie ab und suchten mit Cobra I eine Tankstelle. Kaum hatten wir die Tanke gefunden, sprang Cobra II mysteriöser Weise auch wieder an und fuhr problemlos bis zur Zapfsäule. Da es allerdings Sonntags war, gab es nur die Möglichkeit des „sedelns“ mit einer Kreditkarte. Natürlich nahm der Automat Tobias VISA-Karte nicht, weil sie keinen „Chip“ besaß….
Ein ausgesprochen freundlicher Franzose ließ uns aber zum Glück über seine Kreditkarte tanken und wir gaben ihm dann das Bargeld:
Komisch war auch, dass Cobra IIs Tank nicht komplett leer gewesen zu sein schien. Zumindest passten nicht so viele Liter rein, wie das Handbuch an Fassungsvermögen propagandierte. Komisch. Zum Abschied wünschte der Franzose uns „Gottes Beistand“ für unsere Reise. Was ein Ohmen…
Nachdem der Schrecken dieser dämlichen Panne verdaut war, machten wir uns wieder auf den Weg. Da wir reichlich Kilometer vor uns hatten, aber entgegen vieler anderer Teams keine Mautstrecken benutzen wollten, sahen wir kurz darauf zum letzten Mal für Tage ein anderes Rallye-Fahrzeug.
Es folgten nun endlos lange Stunden der Kilometer-runter-reißerei. Als die Dunkelheit herein brach, wollte Tobias Cobra II nachtanken. Damit uns nicht nochmal der Sprit ausgeht, hatten wir bei der Panne auch den Diesel-Kanister von Antjes Vater voll gemacht. Diesen Sprit wollte Tobias nun in Cobra II umfüllen. Da der Kanister aber 33l fasste, gestalte sich das Gießen als sehr kompliziert. Selbst meine spontan als Trichter geopferte Wasserflasche brachte nicht den erhofften Erfolg. Nun schlug die Stunde der von Tobias gekauften Siphon-Pumpe:
Sie funktionierte zwar, aber ihre Förderleistung war eher bescheiden. Nach ca. 5l und fast einer geschlagenen Stunde gaben wir auf und Tobias betankte Cobra II an einer Tankstelle.
Antje hatte in der Zwischenzeit den leuchtenden Jesus fotografiert, der die ganze Zeit über unserer Aktion gewacht hatte:
Der weitere Ritt durch die Nacht verlief ereignislos. Es reihte sich Kilometer an Kilometer.
Erst als wir die Pyrenäen erreichten, wurde es nochmal spannend, als erst dichter Schneeregen und oberhalb von 1000m auch Schneetreiben einsetzte.
Als wir später mal wieder einen Fahrerwechsel durchführten (alle 4 Stunden wurde getauscht), konnten wir auf dem Parkplatz diese wunderschön angeleuchtete Eisenbahnbrücke bewundern:
Nach 15 Stunden Fahrt erreichten wir schlussendlich unser Hotel in Béziers. Wir waren völlig erschöpft und wollten nur noch ins Bett.
Leider funktionierte aber das Code-System am Eingangstor nicht richtig. Zumindest reagierte es nicht auf Tobias Buchungscode. Wir machten uns also in der Dunkelheit auf die Suche nach einem alternativen Eingang. Dabei scheuten wir auch nicht davor zurück, uns durch das Unterholz neben dem Hotel zu schlagen. Antje stürzte hierbei in einen Entwässerungsgraben. Zum Glück war er trocken.
Nachdem wir so keinen anderen Eingang gefunden hatten, kehrten wir zum Tor zurück, um es noch einmal zu probieren. Während Tobias zum X-ten mal seinen Code von der Buchungsbestätigung eingab, lehnte ich mich entmutigt und resigniert gegen das Tor, welches, wie im Film, unter meinem Gewicht einfach auf sprang. Das hätten wir also auch einfacher haben können…
Ab Mitternacht schliefen wir alle gut und tief.