Advertise with Googlier.com aHeadwork https://aheadwork.de Mon, 16 Dec 2013 11:47:28 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.2 https://aheadwork.de/2013/12/16/7527/ https://aheadwork.de/2013/12/16/7527/#comments Mon, 16 Dec 2013 11:47:28 +0000 http://aheadwork.de/?p=7527 Made with Repix (http://repix.it)

Das frustriert mich.

Ich will mein Leben voller packen, aber dann wird es überlaufen und ich werde Teile verlieren, die am Rand vorbei fallen. Vielleicht muss das so sein, dass man immer zu viel zu tun hat; dass man nie ganz hinterher kommen kann, so sehr man auch rennt. Und als wäre das nicht schon genug, stolpert man noch über die eigenen Füße, legt sich lang und kann nicht mal zum Durchatmen kurz liegen bleiben.

Das simple Geheimnis, das mein Leben funktionieren lässt, ist Entschleunigung. Ich nehme mir frei, ich nehme mir Zeit, ich bleibe stehen und warte ein wenig, bis ich wieder zu Atem gekommen bin. Manchmal fällt es mir schwer. Ich habe das Gefühl, alles zu verpassen und nicht mithalten zu können und immer wieder frage ich mich, woher ihr anderen eure Energie nehmt und wie ihr es schafft, immer weiter und weiter zu machen. Wieso müsst ihr euch dem Leben nie entziehen? Wie schafft ihr es, den Tag von morgens früh bis abends spät durchzuhalten, danach noch Zeit für dieses und jenes zu finden und eure Reserven nur durch eine normale Nacht voller Schlaf wieder aufzutanken?

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Virale Inhalte und Memes https://aheadwork.de/2013/12/13/virale-inhalte-und-memes/ https://aheadwork.de/2013/12/13/virale-inhalte-und-memes/#comments Fri, 13 Dec 2013 14:33:02 +0000 http://aheadwork.de/?p=7508 Ein Gif – wenn man es ansieht, bleibt der Blick hängen. Das Bild ist eine Endlosschleife; zu sehen ist ein Mann, der offensichtlich schläft. Mehrere Sekunden passiert nichts, plötzlich wacht er auf und guckt verdutzt in die Kamera. Einige Sekunden vergehen und er fällt wieder zurück in seinen Schlaf.

(via)

Die Szene ist aus dem Film Fight Club, dort steht sie für die Rastlosigkeit des Protagonisten. Das Gif hingegen hat eine ganz andere Ästhetik, es strahlt Ruhe aus. Das Bild ist professionell, außerdem ist es einfach zu konsumieren: Wer es sieht, versteht es sofort. Doch dass dieses Bild so einfach konsumierbar ist, hat mit einer jahrelangen Entwicklung zu tun, die zurückreicht bis in die Internet-Kultur.

Entwicklung in Kurzfassung

Das Bild von Norton hat keinen Untertitel, das heißt, es funktioniert für sich. Bis solche Bilder „akzeptiert“ wurden, haben sie eine Entwicklung durchgemacht. Diese ist zwar zwangsläufig chronologisch (alleine schon, weil das Internet kein einzelner Ort ist, sondern durchaus verschiedene Geschwindigkeiten kennt).

Das „Vorgängermodell“ zur ästhetischen Kino-Inszenierung als Endlosschleife ist ein sogenanntes Reaction-Gif (ein Phänomen, das beispielsweise auf Reddit einen eigenen Subreddit hat). Diese Gifs sind niemals nur zum Gucken schön, sie kommunizieren auch eine Botschaft: die im Namen enthaltene Reaktion. Diese Gifs erlangten im letzten Jahr weltweit besondere Aufmerksamkeit. Auslöser waren unter anderem mehrere Blogs mit dem Titel „When you live in“, gefolgt von einem Städtenamen (Bsp.: Berlin, Köln, New York). In diesen Blogs wurde jeweils ein Spruch, der einen spezifischen Charakterzug einer Stadt betonen sollte, verbunden mit einem entsprechenden Bild.

Damit haben wir eine neue Ebene – Text. Gleichzeitig haben wir eine Ebene verloren – die der Ästhetik. Denn Reaction Gifs sind nicht so sauber geschnitten wie die Kino-Gifs von if we don’t, remember me – der Tumblr „features animated Gifs based on classic films, in which only part of the image moves, and only in a brief, continuous loop“ (via McCracken, Harry). Die Übergänge sind gebrochen, man sieht einen klaren Schnitt. Reaction Gifs stehen auf der Skala der Professionalität einen Schritt unter Kino. Konsumierbar, aber nicht schön.

Noch einen Schritt weiter nach unten führt die Meme-Kultur: Die Fokussierung ausschließlich auf ein Bild und Text. Hier zu betonen, ist die schwere Konsumierbarkeit, wie wir sie von den Awkward Animals kennen. Bild und Text, in der Wirkung ähnlich wie Reaction Gifs, eben nur nicht animiert. Doch das wäre theoretisch zu kurz gegriffen. Denn was bei den Animals wichtig wird, ist der Kontext. Reaction Gifs stellen diesen durch den Text her, die Kinobilder brauchten keinen Kontext, da sie einfach nur über die Ästhetik funktioniert haben. Jetzt aber sind wir an einem Punkt, an dem die Bilder erklärt werden müssen. Wofür steht ein Pinguin? Man muss wissen, dass es bei diesem Tier immer und ausschließlich um Situationen geht, in denen der Protagonist sich komisch benimmt. Die Hand heben will, um ein Highfive zu geben, stattdessen der Person gegenüber ins Gesicht klatscht.

 

A close look at particular examples of Internet “memes” or “viruses” highlight the ways they have mutated as they have traveled through an increasingly participatory culture.

(via Henry Jenkins et al (2010): “If it doesn’t spread it’s dead”)

Unterschied: „viral“ oder „Mem“?

Diese Bildkultur ist formal gesehen genau die gleiche, wie die des schlafenden Mannes. Genauer gesagt: Ohne Animals keine Animation, keine Entwicklung, kein Verstehen. Der als socially awkward bekannte Pinguin ist ein sogenanntes „advice animal“ – „featuring a penguin lacking both social skills and self esteem. The text typically narrates uncomfortable life situations, highlighting an exceptionally clumsy or inelegant response.“ (via knowyourmeme) – aber wie wurde er zum Mem?

Ursprünglich fotografiert von George F. Mobley für die National Geographic’s Wild Animal, ging er im Mai 2009 über 4chan in die Internet-Communities, ehe er über die Plattform hinaus zum Mem wurde. Der Blog Fuck Yeah Socially Awkward Penguin entstand, der Pinguin wurde über Sub-Boards von 4chan verteilt und fand im September schließlich auch seinen Weg zu Reddit. 2010 gestaltete Buzzfeed einen Post mit Bildern des Pinguins, kurz darauf folgten Smosh und Street Couch. (vgl. knowyourmeme)

Der Unterschied zwischen „Viralem“ und „Memes“ ist denkbar simpel: Während virale Inhalte statisch sind und beim Weiterreichen an andere Personen gleich bleiben, ist ein Mem eine sich wandelnde Idee.

Both terms seek to explain the process of cultural transmission but do so in such a way they strip aside the social and cultural contexts in which ideas circulate, and the human choices which determine which ideas get replicated.

Talking about memes and viral media places an emphasis on the replication of the original idea, which fails to consider the everyday reality of communication — that ideas get transformed, repurposed, or distorted as they pass from hand to hand, a process which has been accelerated as we move into network culture.

(via Henry Jenkins et al (2010): “If it doesn’t spread it’s dead”)

Dem entsprechend sind Memes langlebiger, da sie immer neue Verwendungsmöglichkeiten anbieten, während z. B. viral gegangene Videos irgendwann von gefühlt allen gesehen wurden und höchstens noch eine Anknüpfung in Form von beispielsweise Reaction-Videos o. ä. stattfinden kann.

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Entstanden in Zusammenarbeit mit Hakan Tanriverdi von sueddeutsche.de, der zusammen mit Ole Reißmann von Spiegel Online zum Thema „Netzkultur ohne niedliche Katzen: die dunklen, seltsamen und verstörenden Ecken des Web“ auf dem Zündfunk-Netzkongress referierte.

(Ursprünglich erschienen auf The End of Theory)

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Symboliken in Stephen King Romanen https://aheadwork.de/2013/12/10/symboliken-in-stephen-king-romanen/ https://aheadwork.de/2013/12/10/symboliken-in-stephen-king-romanen/#comments Tue, 10 Dec 2013 21:08:47 +0000 http://aheadwork.de/?p=7498 Letztens las ich einen Artikel über die Symboliken in Romanen von Jack Kerouac, Ray Bradbury und anderen, die von einem (damals) Schüler dazu befragt wurden, ob sie diese Symboliken bewusst oder unbewusst in ihre Texte eingebaut haben. Bei beispielsweise Kerouac ist das natürlich eine ganz und gar dumme Frage, weil er – im Gegensatz zu den meisten der anderen befragten Autoren – keine wirkliche Fiktion schreibt.

“Symbolism is alright in ‘fiction’ but I tell true life stories simply about what happened to people I knew.”

(vgl. Reilly, Lucas 2013)

Ich glaube, das löst in mir diese fast schmerzhafte Sehnsucht aus, sobald ich seine Bücher lese: Dieses Wissen, dass er seine eigene Wahrheit niedergeschrieben hat und es so oder so ähnlich tatsächlich war und passiert ist, aber natürlich nie wieder sein kann, sodass ich es nie erleben kann. So geht es mir mit den meisten Autoren der Beat-Literatur, die ein Bild der Welt zwischen 1950 und 1970 zeichnen – eine Zeit, in der ich so unglaublich gerne gelebt hätte.

Aber um zurück zu Stephen King zu kommen: Er verwendet unglaublich viele – speziell wiederkehrende – Symboliken in seinen Büchern, die (alles andere würde mich wirklich überraschen) bewusst eingesetzt und strapaziert werden. Er hat dieses Talent, sie so selbstverständlich einzubauen, dass man nicht einmal merkt, dass es sich um einen Teil der Fiktion handelt. Die meisten seiner Städte existieren nicht oder nicht ganz und das, obwohl sie sich so echt anfühlen, wenn er die Figuren hindurch wandern lässt, als gäbe es Straßenkarten, an denen er sich orientiert.

„I began to turn the idea over in my mind, and it began to coalesce into a possible novel. I thought it would make a good one, if I could create a fictional town with enough prosaic reality […]“

(King, Stephen 1980)

Ein wahrscheinlich gar nicht so geheimes Geheimnis von King ist eines, das er mit vermutlich unglaublich vielen Schreibern teilt: Er recherchiert nicht gerne. Für seinen Roman Der Anschlag lässt er sich die Informationen von seinem höchst eigenen Researcher Russ Dorr zusammentragen. Das heißt für ihn natürlich nicht, dass er auf das Anlesen von Informationen verzichten kann, es heißt aber definitiv, dass sein Researcher eine Vorauswahl für ihn trifft, an der er sich orientieren kann und die es u. a. auch bedingt, dass er eben nicht die Randstücke liest – die Sachen, die vielleicht nicht wichtig sind, es nie ins Buch schaffen, sich aber später niederschlagen in Aussagen wie „King kommt ganz eindeutig mit den Fakten nicht zurecht. Je näher sein Roman zeitlich an den Tag des Attentats heranrückt [..], desto hölzerner arbeitet sich Der Anschlag an den recherchierbaren […] ab.“ (Schröder 2012:2) Ist natürlich völliger Schwachsinn: Natürlich kommt King mit den Fakten zurecht, er erlaubt sich aber eine gewisse Faulheit, die ihm bei fiktiven Städten wie Castle Rock und Derry bzw. fiktiven Geschichten jeder nachsehen wird, bei einem Recherche-Epos wie Der Anschlag aber einfach ins Gewicht fällt.

Literarisch betrachtet lässt aber nicht nur Der Anschlag das Herz eines jeden Literaturwissenschaftlers höher schlagen, sondern auch die Gesamtheit von Kings Werken. Während Nora Roberts mit dem Schema „drei Männern und drei Frauen stehen in einer beliebigen (aber meist romantisch-kitschigen) Beziehung zueinander“ in einer Trilogie arbeitet, John Irving immer wieder das Lebensbild mutterabhängiger und zugleich -verstoßener Jungs mit Schreibambitionen zeichnet und sich beides anfühlt, wie eine mehr oder minder gut verpackte Wiederholung von Mustern, arbeitet Stephen King werkübergreifend. In Der Anschlag taucht nicht nur der serienmordende Clown aus Es auf, der als Großfigur jedem King-Leser bekannt sein dürfte, sondern auch kleinere Figuren wie Beverly Marsh und Richie Tozier, die dort in den 50er Jahren auf einer Wiese tanzen. Und ich bin mir fast sicher, dass in dem böse und lebendig wirkenden Tunnelschacht in Derry Randall Flagg lauert, der schon Larry Underwood in The Stand zugesetzt hat. Flagg, der mich wirklich über alle Maßen ängstigte und dafür sorgte, dass ich einige Nächte meines Lebens mit eingeschaltetem Licht schlafen musste, taucht seinerseits wieder in anderen Büchern auf, wie z. B. in Die Augen des Drachen oder Atlantis, aber auch in der Saga um den Dunklen Turm.

Um aber auch nur annähernd deutlich zu machen, was ich meine, gibt es hier eine Visualisierung der Vernetzung innerhalb von Stephen Kings Romanen (ohne Berücksichtigung der Dunklen Turm Saga). Es gibt auch noch eine Version, die die Dunkle Turm Saga enthält – spätestens dort sollte ersichtlich sein, wie umfangreich diese Vernetzungen wirklich sind.

Generell erfüllt Stephen King viele der Faktoren, die laut Delayed Gratification notwendig sind, um „ein gutes Buch“ zu schreiben. Dazu wurde übrigens eine hübsche Infografik erstellt.

Plot-lines

(via)

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061213 https://aheadwork.de/2013/12/06/061213/ https://aheadwork.de/2013/12/06/061213/#respond Fri, 06 Dec 2013 17:29:18 +0000 http://aheadwork.de/?p=7483 Wenn es etwas gibt, was ich an dieser Stadt wirklich lieben gelernt habe, dann ist es der Winter. Der Schnee fällt in so dicken Flocken vom Himmel, dass er an fliegende Wattebäusche erinnert; unter den Schuhen knirscht es leise und über der ganzen Stadt liegt diese eigentümliche Stille, die nur Schnee mit sich bringen kann. Heute Nacht wachte ich auf und alles war voll von dieser Stille, die so laut war, dass ich nicht wieder einschlafen konnte. Selbst jetzt kann ich sie noch hören, obwohl vereinzelt Autos vorbei rauschen und sich selbst der ein oder andere Bus den Berg hoch quält, während die Schneeflocken ihren endlosen Tanz tanzen. Klirrknistern an den Fensterrahmen, sobald man es wagt, die Kälte einzuladen und die Heizungswärme die Luft flimmern lässt, wie der Sommer über dem Asphalt zittert. An solchen Tagen zieht es mich nach draußen, obwohl neben der Heizung so – viele – Bücher darauf warten, gelesen zu werden.

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London, Fernweh https://aheadwork.de/2013/12/04/london-fernweh/ https://aheadwork.de/2013/12/04/london-fernweh/#respond Wed, 04 Dec 2013 17:28:11 +0000 http://aheadwork.de/?p=7477 Bei Marco habe ich super schöne Fotos von „13 von Londons vergessenen Underground Stations“ gefunden und wie immer packt mich bei sowas direkt das Fernweh. Londons U-Bahnen sind gigantisch. Sie sind so groß, dass es verschiedene Autoren gibt, die dort eine ganze Stadt hinein geschrieben haben und von der „Uralten Metropole“ sprechen – wer einmal dort unten war, weiß, dass es dafür gar nicht so viel Fantasie braucht.

Als ich damals die Rolltreppen runterfuhr, hatte ich Angst. Ich konnte das Ende nicht sehen, es ging immer tiefer in die Erde und irgendwann konnte ich mir nicht mal mehr einreden, dass ich jede Sekunde wieder Himmel sehen könnte. Unten auf den Bahnsteigen sind mehr Menschen, als ich sie aus anderen Städten kenne. Vielleicht doppelt so viele, wie einen auf der Hohe Straße in Köln erwarten.

1024px-Hohe-strasse-2008(© Superbass / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons))

Ich bin immer ganz gefangen zwischen Fernweh und nicht-weg-wollen. Manchmal denke ich darüber nach, einfach irgendeinen Flug zu buchen und für ein paar Tage zu verschwinden, aber meistens kommt mir der Gedanke dann so verwegen vor, dass ich zu feige bin, ihn umzusetzen. Dabei sind inzwischen genug meiner Freunde ausgewandert, um hier und da Unterschlupf zu finden und nicht mal ein Hotel zu brauchen. Ich frage mich, warum ich zu feige bin, etwas zu tun, was erstmal relativ simpel und einfach klingt.

 

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Ein Guéridon ist kein Dessertlöffel https://aheadwork.de/2013/12/03/ein-gueridon-ist-kein-dessertloeffel/ https://aheadwork.de/2013/12/03/ein-gueridon-ist-kein-dessertloeffel/#respond Tue, 03 Dec 2013 12:37:25 +0000 http://aheadwork.de/?p=7463

Warum riecht der Winter so oft nach Funken, die auf nasses Holz gefallen sind?

8629_33(via Polaroidmedchen)

Staubhusten auf den Korridoren, klackernde Schritte und Klangwirren, das sich durch die Türen drängt. Dieses Gebäude erstickt mich. Meine Augen fühlen sich an, als wären sie seit Tagen geöffnet, mit Sandpapier ausgelegt und Eiswürfeln gefüllt. Machen es die anderen mir nicht leicht oder mach ich es mir nicht leicht? Ich will nicht mit dir diskutieren, wenn du die Grundlage nicht kennst und du bist zu alt, als dass du ein Anrecht darauf hättest, die Grundlage erklärt zu bekommen.

Viel zu viel dreht sich darum, gemocht zu werden. Ich versuche höflich zu sein; ich versuche es wirklich. Am höflichsten bin ich, wenn ich schweige. Schweigen war nie meine Paradedisziplin. Ich plappere lieber. Ich denke, wenn ich lese, wenn ich arbeite und schreibe. Wenn mein Mund sich öffnet, möchte ich nicht auch noch denken müssen, dabei sollte ich es wohl gerade dann.

Vier Mexikaner spielen im Fernsehen Instrumente. Klingt wie der Anfang eines schlechten Witzes. Ich lache trotzdem. Lachende Menschen wirken sympathisch oder wahnsinnig. Im Endeffekt trifft beides zu –  mal mehr und mal weniger.

Ein Guéridon ist kein Dessertlöffel.

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021213 https://aheadwork.de/2013/12/02/021213/ https://aheadwork.de/2013/12/02/021213/#comments Mon, 02 Dec 2013 13:05:44 +0000 http://aheadwork.de/?p=7461 Man würde meinen, es sei nicht so schwierig, mit einem Bus zu fahren – so viele Probleme kann es da immerhin nicht geben. Man steigt ein, setzt sich, fährt ein Weilchen und steigt wieder aus. Das System würde ganz wunderbar funktionieren, wenn die Welt nicht voller Menschen wäre.

Da ist der Kerl, dessen Kopfhörer größer sind als sein Kopf. Er starrt die offene Tür mit einer milden Faszination an, als wollte er nicht nur ihr mechanisches Prinzip verstehen, sondern zusätzlich auch noch die Probleme dieser Welt lösen wollen. Seine Augen sind schon ganz glasig vom vielen Denken und trotzdem braucht er drei Aufforderungen, seinen Körper aus der Lichtschranke zu heben, ehe er endlich versteht, wieso die Tür nicht zu geht.

Noch lieber sind mir aber die kichernden Mädchen, die grundsätzlich in jedem Bus zu sein scheinen und ihr Wochenende für so interessant halten, dass sie es lautstark jedem erzählen, obwohl sie nach außen hin natürlich nur mit ihrer Freundin sprechen. Eine Viertelstunde lang kann sie sich darüber auslassen, was sie getrunken und wer wen geküsst hat. Luft holen muss sie nicht. Wäre aber ohnehin nicht möglich, weil der Bus inzwischen so voll ist, dass keine Atemluft mehr übrig ist. Vermutlich sind das die gleichen noch rest-alkoholisierten Mädchen, die kurze Zeit später ausgerechnet die Seminare bevölkern, in denen ich auch sitze und die alle paar Minuten nutzen, um aufs Klo zu gehen. Manchmal frage ich mich, wieso ich mit diesen Wesen nicht klar komme. Wenn ich weniger anecken würde, wäre meine Grundstimmung ausgeglichener.

Die alte Oma wartet natürlich, bis der Bus sich wieder leert, um dann zielstrebig auf mich zuzusteuern und meinen Sitzplatz zu verlangen. Es sind andere Plätze frei. Sogar der liebste Oma-Platz vorne beim Fahrer ist frei. Das interessiert sie aber nicht, sie will meinen Platz und ich wette mit euch, sie will ihn deswegen, weil er nicht frei ist. Hätte ich einen Gehstock, würde ich auch jede noch so kleine Möglichkeit nutzen, ihn als Drohung zu verwenden.

Ich freue mich darauf, alt zu sein und einen Gehstock zu besitzen. Wahrscheinlich hab ich dann auch wieder Zeit und Inspiration genug, um dann und wann mal etwas zu bloggen – das wird großartig werden.

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„Joyland“ – Stephen King https://aheadwork.de/2013/06/19/joyland-stephen-king/ https://aheadwork.de/2013/06/19/joyland-stephen-king/#comments Wed, 19 Jun 2013 10:41:19 +0000 http://aheadwork.de/?p=7453 Stephen King hat mit Joyland wieder einen gewohnt guten Roman geschrieben, gleichzeitig aber auch verschiedene Diskussionen ausgelöst, die weniger mit dem Inhalt zu tun haben, als vielmehr damit, wie er sein Buch verlegen ließ. Schlug er mit seiner Romanserie The Plant noch den Weg der eBooks ein, scheint er den mit Joyland wieder verlassen zu wollen, zumindest was den amerikanischen Markt angeht: Er erinnert sich gerne an seine Zeit zurück, als er für ein paar Cent Taschenbücher gekauft hat, die er dann zusammengeklappt in seinen Hosentaschen mit sich rum trug, bis sie zerlesen waren. Sein Fazit daraus: „Joyland will be coming out in paperback, and folks who want to read it will have to buy the actual book.“

Während seine letzten Veröffentlichungen im dystopischen Bereich angesiedelt waren, scheint ihn in Joyland nicht nur hinsichtlich der Veröffentlichungsform die Nostalgie gepackt zu haben: Statt Zeitreisen (Der Anschlag) oder futuristischer Magnetfeld-Endzeitszenarien (Die Arena, Puls) greift King in der Geschichte auf „alte“ Gruselformen und Schreibtechniken zurück, die man so bei ihm lange nicht versammelt sah: Ein Mord, ein Geheimnis, ein Geist in ausgerechnet einer Geisterbahn und die Ich-Form als Erzählperspektive.

Stephen Kings Protagonist trägt den Namen Devin Jones, ist 21 Jahre alt und arbeitet einen Sommer lang im Joyland, einem Vergnügungspark, dessen Maskottchen ein Hund ist, den Devin nur allzu oft spielen darf. Devins Gedanken sind in diesem Sommer von drei Dingen bestimmt: Seiner Freundin Wendy, die ihn verlassen hat, dem Mord in der Geisterbahn und der grünen Villa am Strand, in der eine Mutter mit ihrem Sohn lebt, der Geister sehen kann. Klingt jetzt erst mal nicht spannend, aber wer King kennt, weiß, dass der Plot meistens relativ simpel ist.

Joyland ist kein Psycho-Horror wie z. B. Wahn oder Das Spiel. Es ist auch kein Weltuntergangsszenario wie The Stand oder Puls. Vielmehr lässt es sich mit den älteren Geschichten von King vergleichen, die die Charakterstudie einer Figur darstellen und einen mitten hinein ziehen in die Welt des Protagonisten. Obwohl das Buch, wie eigentlich immer, ein hohes literarisches Niveau hat, kommt der Gruselfaktor zu kurz und beinah wirkt es, als wäre er nur nachlässig eingefügt, um die Geschichte von Devin Jones zu erzählen, der nicht wirklich in das Genre von Stephen King passt. Hätte er sich auf dessen Geschichte beschränkt, wäre es ein gutes Buch geworden, so wirkt es eher unfertig und zusammen geschustert, sodass ich mich frage, ob er vielleicht ein wenig zu sehr mit dem Recherche-Meisterwerk Der Anschlag beschäftigt war, um nebenbei noch Zeit für Joyland zu finden.

Preis vs Leistung:
[rating:30]
19,99€ sind für ein gebundenes Buch zwar inzwischen der Normalpreis, lohnen sich in dem Fall aber nicht. Vielleicht lieber auf das Taschenbuch warten.

Schreibstil:
[rating:96]
Es ist Stephen King. Muss man da wirklich was zum Schreibstil sagen?

Story/Idee
[rating:51]
Die Idee ist super, die Umsetzung wirkt ein wenig lieblos und wie nebenbei gemacht.

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Verschwende deine Jugend https://aheadwork.de/2013/04/08/verschwende-deine-jugend/ https://aheadwork.de/2013/04/08/verschwende-deine-jugend/#comments Mon, 08 Apr 2013 08:01:10 +0000 http://aheadwork.de/?p=7443 Die Sonne geht auf und Mascara liegt schlafend in meinen Augenwinkeln. Ich bin so welt- und menschenfremd, dass ich nicht Fuß fassen kann. Ich komme nicht an, finde mich nicht hinein, passe nicht dazu.

Der Kerl hört nicht auf, mich anzustarren. Ich spiegle mich in seinen riesigen Pupillen, ganz klein im glänzenden Schwarz, während er nicht müde wird zu beteuern, dass er nicht drauf ist. Er ist so nah, dass wir uns immer wieder kurz berühren. Ich kann nicht aufhören, in seine Augen zu starren und sage es ihm. Er fragt, ob ich ihn hübsch finde, aber ich finde ihn nur gruselig. Ich glaube, das verletzt ihn.

Aus allen Ecken riecht es nach Drogen. Licht, Nebel und Rauch fließen durch die Luft und immer mehr und mehr Menschen schließen sich dem an. Verschwende deine Jugend. Schwarz auf Pink steht der Schlachtruf meiner Generation auf dem Armband an meinem Handgelenk und ich frage mich, wie viel mehr ich noch verschwenden soll, wie viel noch übrig ist, was ich verschwenden könnte. Das hier ist so sehr nicht meine Welt, dass ich mich in dem Gefühl nicht einmal verlieren kann. Die Ecken und Kante passen nicht aufeinander. Alles kratzt und juckt. Edgy.

Die Musik ist zu laut, um sich zu unterhalte. Ich weiß auch nichts zu sagen. Ich erkenne keinen Sinn (mehr) in all dem. So bin ich nicht, so will ich nicht sein. Vermutlich ist das mein Problem.

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Schweineschwänzchen und Königin https://aheadwork.de/2013/03/12/schweineschwanzchen-und-konigin/ https://aheadwork.de/2013/03/12/schweineschwanzchen-und-konigin/#comments Tue, 12 Mar 2013 20:08:08 +0000 http://aheadwork.de/?p=7435 Die Katze liegt so nah an meiner Haut, dass ich nicht weiß, ob ihr oder mein Herz mir bis zum Hals schlägt. Und ich frage mich, ob sie sich das auch fragt. Ich entscheide, ihr von dem Tag zu erzählen, an dem ich klein und unbedeutend neben zwei Freundinnen die Treppe zum Pausenhof runter stürmte und seine quäkende Stimme mich aufhielt.

Er hatte diesen näselnden, froschigen Ton, der ihn zu Unrecht versnobt und arrogant hätte wirken lassen, wäre er es nicht tatsächlich gewesen. Seine Haare lagen in kleinen Locken um seinen Kopf und ringelten sich wie Schweineschwänzchen auf seiner runden Stirn. Das erkläre ich der Katze und frage mich kurz, ob sie das für den Anfang einer seltsamen Liebesgeschichte hält.

Die Katze schnurrt.

Die gesamte Grundschulzeit über schwebte die Hand der Klassenlehrerin griffbereit über seinem Nacken, aber er ließ sich nie genug zu Schulden kommen, als dass sie zugepackt hätte. Er nutzte jede Gelegenheit, um ein bisschen gemein zu werden und war clever genug, seine Tyrannei in kleinen Portionen zu verteilen, für die man nicht bestraft wurde.
Ich rannte mit den zwei Mädchen an meiner Seite die Treppe runter und ihre Haare flogen goldblond gelockt hinter ihnen her, nur meine blieben störrisch glatt. Der Schweineschwänzchen-Junge war nicht weit vor mir und sprach mit der Klassenkönigin[1. Perfekte Noten, perfekte Kleidung, perfekte Familie und jeder Junge wollte mit ihr Händchen halten. Sie war eines dieser Mädchen, das soweit über allem stand, dass ich heute nicht mehr sicher weiß, ob sie überhaupt je jemanden bemerkte, der nicht sie selbst war.] und als sich beide zu mir umwandten, wusste ich, er hatte wieder eine Portion Gemeinheit verteilt, die mir galt. Die Klassenkönigin lachte. Der Schweineschwänzchen-Junge sagte, er habe die Königin nur informiert, dass ich auch gerne Locken hätte, damit ich so schön sein kann wie sie, aber selbst mit Locken wäre ich noch zu dick. Danach kräuselten sich seine Lippen zu einem abwartenden Lächeln: Hat’s weh getan? Ja. Hat es. Ich weiß nicht, woher er die Wahrheit kannte, aber ich weiß, dass ich nie wollte, dass die Königin sie kennt.

Abwartend sehe ich die Katze an.

Sie schnurrt.

Ich seufze.

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