Die “stringent systematisch gegliederte Studie”, zeige, so der Rezensent, “wichtige Wechselwirkungen zwischen den politischen Standpunkten der beteiligten Akteure und der rechtlichen Regulierung des Aktionärsschutzes bzw. der Offenlegungsverpflichtungen.”
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Entwicklung des Anteils weiblicher Wirtschaftsprüfer seit den frühen 1930er Jahren
Zwischen 1932 und 1980 stieg der Anteil weiblicher Wirtschaftsprüfer (WP) quantitativ und relativ nur leicht an. In der NS-Zeit waren weniger als 10 Frauen als WP tätig. Ihr Anteil lag daher unter 1 Prozent der Berufsangehörigen. Noch 1970 machten weibliche WP (49 Frauen) weniger als 2 Prozent der Berufsgruppe aus. Diese Marke wurde 1980 (82 Frauen) knapp überschritten. Zur Jahrtausendwende lag der Anteil dann bei 8 Prozent.1 Im Vergleich dazu lag der Anteil weiblicher Anwälte und weiblicher Steuerberater Ende der 1990er Jahre bei etwa 24 Prozent.2
Qualitative Aspekte
Welche Vorbildung hatten die Wirtschaftsprüferinnen? Welche Art der Berufsausübung – selbstständig oder angestellt – bevorzugten sie? Übernahmen sie Aufgaben in den Organisationen des Berufs, dem 1932 gegründeten Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW e.V.) und der 1961 konstituierten Wirtschaftsprüferkammer (WPK), oder waren sie Delegierte in internationalen Berufsgremien?
Situation um 1960
1960 gab es 23 weibliche Berufsangehörige – die Berufsbezeichnung „Wirtschaftsprüferin“ gab es damals noch nicht. Die Hälfte hatte einen wirtschaftswissenschaftlichen Studienabschluss, 12 Frauen waren promoviert. 50 Prozent der Frauen waren auch als Steuerberater zugelassen. Eine eigene Praxis betrieb etwa die Hälfte der Prüferinnen.3
Das IDW, in dem damals etwa 90 Prozent aller Berufsangehörigen Mitglied waren, hatte, neben Organen und regionalen Landesgruppen, zahlreiche Fachausschüsse. Zudem entsandte der Berufsverband Delegierte in die, vom IDW in den frühen 1950er Jahren mitbegründete, Union Européenne des Experts Comptables Economiques et Financiers (U.E.C.) 1960 war lediglich eine einzige Prüferin Mitglied im „Allgemeinen Fachausschuss für Betriebswirtschaft“ und im „Ausschuss für betriebswirtschaftliche Fragen der Mechanisierung und Automation“ des IDW. Dies war Dipl.-Kaufmann Dr. rer. pol. Maria Schmidtberg, die 1953 in Köln zu einem Bilanzthema promoviert hatte und in Solingen eine eigene WP-Praxis betrieb.
Das WP-Verzeichnis des Jahres 1960 nannte drei Wirtschaftsprüferinnen, die bereits 1940 als WP tätig waren: Dipl.-Kaufmann und Steuerberater Dr. rer. pol. Anne Bitterich aus Heidelberg, Julie Ott(-Möllen) sowie Emmy Stikel, beide aus Stuttgart. Bitterich hatte 1932 in Frankfurt zum Lombardgeschäft promoviert. Alle drei Prüferinnen betrieben eine eigene Praxis. Ott, die in den späten 1920er Jahren Mitglied im Verband Deutscher Bücherrevisoren (VDB) gewesen war, praktizierte damals mit ihrem Vater, dem Handelsschulrat Theodor Möllen; in späteren Jahren mit ihrem Ehemann Jürgen Ott.4
Situation um 1970
1970 gab es 49 weibliche Berufsangehörige.5 Etwa zwei Drittel der Frauen hatten wirtschaftswissenschaftliche Abschlüsse, ein Drittel war promoviert.6 Fast 70 Prozent der Frauen waren auch zum Steuerberater zugelassen; bei den Männern waren es etwas weniger als 60 Prozent. Weibliche WP waren in etwas geringerem Umfang (38 Prozent) als männliche WP ausschließlich in eigener Praxis tätig und etwas häufiger (30 Prozent) als angestellte WP tätig.7 Sie waren auch in geringerem Umfang Mitglied im Wirtschaftsprüferverband IDW.8 Unter den 49 Frauen gab es eine einzige Wirtschaftsprüferin, die in beiden deutschen Berufsvertretungen, dem IDW und der Pflichtorganisation WPK sowie in der U.E.C. ehrenamtliche Aufgaben wahrnahm: Dr. jur. Maria Röver war Mitglied im 23-köpfigen Hauptfachausschuss des IDW, des wichtigsten Fachgremiums des Prüferverbandes und Mitglied im 26-köpfigen Beirat der WPK. Außerdem vertrat sie als eine von sechs deutschen Delegierten den Berufsstand in der Assemblée des Délégués der U.E.C. Röver hatte in Berlin eine eigene Praxis.
Situation um 1980
1980 gab es 82 weibliche Berufsangehörige; die Hälfte von ihnen hatte bereits 1970 praktiziert.9 Von den 41 hinzugekommenen Prüferinnen waren nun 90 Prozent auch als Steuerberater zugelassen und sogar über 90 Prozent hatten einen wirtschaftswissenschaftlichen Abschluss. Promoviert hatte jedoch nur gut ein Viertel dieser Frauen. Ebenfalls nur noch ein Viertel dieser weiblichen Berufsangehörigen war ausschließlich in eigener Praxis tätig, jedoch arbeiteten 50 Prozent ausschließlich als angestellte WP. Die Quote derjenigen, die sich im IDW organisiert hatten war auf 85 Prozent gestiegen. Es liegt hier also das bemerkenswerte Ergebnis vor, dass trotz quantitativer Zunahme der Qualifikationen (Hochschulabschluss, Steuerberaterzulassung) dennoch weniger der (vermutlich) jüngeren Frauen selbständig tätig waren.
Als Folge der Konstituierung der Wirtschaftsprüferkammer wurde auch das Wirtschaftsprüferexamen neu organisiert. Die Kandidaturen und Prüfungen wurden nun von Zulassungs- und Prüfungsausschüssen vorgenommen, die die WPK in ihren sechs regionalen Landesgeschäftsstellen (LGS) eingerichtet hatte. Lediglich die Ausschüsse in zwei LGS hatten weibliche Wirtschaftsprüfer als Mitglieder. Dies waren Dipl.-Kaufmann Annemarie Alsleben und Dipl.-Volkswirt Dorothea Schneider im Zulassungsausschuss der LGS Berlin sowie Lieselotte Lange-Heussner im Prüfungsausschuss der LGS Berlin.
Dipl.-Kaufmann und Steuerberater Käthe Alff-Eickhoff aus Goslar war Mitglied im Prüfungsausschuss der LGS Norddeutschland, die die Länder Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein umfasste. Alff-Eickhoff praktizierte schon seit mindestens 1960, sie war Geschäftsführerin der Alff-Eickhoff Revisions- und Treuhand GmbH.10 Die WPK übernahm auch die Berufsaufsicht für alle Wirtschaftsprüfer. Entsprechend waren am (damaligen) Sitz der WPK in Düsseldorf Berufsgerichte eingerichtet: eine Kammer beim Landesgericht sowie ein Senat beim Oberlandesgericht. Ferner gab es einen Senat beim Bundesgerichtshof. Mitglied in der Kammer am Düsseldorfer Landgericht war Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Dr. Eva Hardell aus Berlin. Im Beirat der WPK war keine Frau mehr vertreten.
In der nationalen Facharbeit des IDW zeigte sich das gleiche Bild wie zehn Jahre zuvor: lediglich der Hauptfachausschuss hatte mit Dr. Maria Röver ein weibliches Mitglied. Die internationale Facharbeit war in den 1970er Jahren um die International Federation of Accountants (New York) und das International Accounting Standards Committee (London) erweitert worden. Doch nur in der U.E.C. war mit Röver eine weibliche Berufsangehörige vertreten.
Fazit
Obgleich (seit den 1990er Jahren) etwa die Hälfte der wirtschafts- und der rechtswissenschaftlichen Studierenden weiblich sind, liegt der Anteil der Frauen in den „wesentlichen freien“ Berufen – neben dem Wirtschaftsprüfer zählt dazu der Steuerberater und der Rechtsanwalt – heute zwischen 17 (WP) und 35 Prozent (Anwälte, Steuerberater). Frauen sind überdies bevorzugt als Angestellte und eher in Großstädten als in ländlichen Gebieten tätig. Als Grund für die geringere weibliche Beteiligung an diesen Berufen wird vermutet, dass die Vereinbarung von Beruf und Familie für die Berufswahl (und das Engagement in Berufsorganisationen) ausschlaggebend sei. Bei WP kommt zusätzlich eine hohe Reisetätigkeit hinzu. Allerdings ist – beispielsweise bei den Anwältinnen – die „deutsche“ Quote auch im Vergleich zum europäischen Ausland noch gering: in Großbritannien, Frankreich, Polen und Griechenland stellen Frauen heute zwischen 50 und 63 Prozent der Berufsangehörigen der Anwaltschaft dar.11
Die historische Entwicklung und der aktuell noch immer geringe Anteil weiblicher Berufsangehöriger im WP-Beruf werfen – nicht zuletzt mit Blick auf den Vergleich der freien Berufe in Deutschland und im internationalen Raum – Fragen auf und beinhalten zugleich reichhaltiges Forschungspotential. Eine Berufswahl kann nicht allein auf eine private Entscheidung zurückgeführt werden. Es ist auch danach zu fragen, welche sozialen Verhältnisse Frauen daran hindern, den Beruf des Wirtschaftsprüfers zu ergreifen: Welche Rolle spielen die Sozialisierung, die Situation in wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen oder das Frauenbild in den Institutionen des WP-Berufes? Wie verläuft die Karriere angestellter Wirtschaftsprüferinnen in WP-Gesellschaften?
Moderner Kapitalismus: Wirtschafts- und unternehmenshistorische Beiträge, hrsg. von Jan-Ottmar Hesse; Christian Kleinschmidt; Roman Köster; Tim Schanetzky; Tübingen 2019, Festschrift zum 65. Geburtstag des Wirtschaftshistorikers Werner Plumpe; rezensiert von Peter Kramper, Universität Bielefeld.
Werner Plumpe: Das kalte Herz. Kapitalismus: Die Geschichte einer andauernden Revolution, Berlin 2019, rezensiert von Ines Prodöhl, Universität Bergen.
rezensiert von Jan Ruhkopf, Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde.
“Nina Verheyen erzählt in ihrer schlanken, wunderbar leicht geschriebenen Studie die Geschichte der Leistung und kommt zu einem Ergebnis, das man sich immer wieder bewusstmachen sollte: Leistung ist keine gesetzte Kategorie, sondern historisch gewachsen und damit „genuin sozial“ (S. 206f.). Abwägend und differenzierend einerseits, mit gegenwartsbezogenen Pointen versehen andererseits, bietet dieses Buch Erkenntnisgewinn und Freude in einem.”
]]>rezensiert von Stefan Breuer, Universität Hamburg.
Den Rezensenten überzeugt “besonders die Aufmerksamkeit für die Bedeutung des Ehrbegriffes im Selbstverständnis wie in der Propaganda der Alldeutschen…. In der Sensibilität gegenüber diesen, wenn man so will: mentalitätsgeschichtlichen Aspekten, die übrigens bereits den einleitenden Überblick über die Entstehungsgeschichte des ADV auszeichnet, liegt die Stärke des Buches,…”
]]>rezensiert von Julian Köck, Universität Bern.
“Thomas Vordermayer hat eine wichtige Studie zu drei rechten Autoren vorgelegt, deren Nachlässe in diesem Umfang und mit dieser Genauigkeit bisher noch nicht untersucht worden sind.”
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Der internationale Kongress des Jahres 1938
Organisation
Der in Berlin stattfindende „International Accountant Congress“ war der 5. dieser Art überhaupt, der 3. in Europa und der 1. in Deutschland. Zuvor hatten die Kongresse in St. Louis (USA 1904), Amsterdam (Niederlande 1926), New York (USA 1929) und London (Großbritannien 1933) stattgefunden.1 Die Tagung war als propagandistisches Großereignis geplant: Die Schirmherrschaft der Konferenz übernahm der „Reichsführers des NSRB2 und Präsident der Akademie für Deutsches Recht, Reichsminister“ Dr. Hans Frank. Dem „Ehrenausschuss des Kongresses“ gehörten vier Reichsminister (Funk/Wirtschaft, Goebbels/Propaganda, Gürtner/Justiz, von Ribbentrop/Auswärtiges) und drei Staatssekretäre an (Brinkmann/Wirtschaft; Reinhardt/Finanz; Körner/Preußisches Staatsministerium, Vierjahresplanbehörde, Aufsichtsratsvorsitzender der Reichswerke für Erzbergbau und Eisenhütten „Hermann Göring“).3
Das Kongress-Präsidium wurde gebildet aus dem NSRB-Funktionär und Vorsitzenden des Wirtschaftsprüferverbandes “Institut der Wirtschaftsprüfer” (IDW), Dr. Otto Mönckmeier, einem stellvertretenden Präsidenten und sechs Vizepräsidenten. Der stellvertretende Präsident, Dr. Wilhelm Voss, war ein renommierter Wirtschaftsprüfer und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Revisions- und Treuhand AG, einer großen staatseigenen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Voss stand kurz vor dem Ausscheiden aus dem Wirtschaftsprüferberuf, da er im Juli 1938 Mitglied des Vorstandes der Reichswerke für Erzbergbau und Eisenhütten „Hermann Göring“ geworden war. Er hatte den Kongress nach Deutschland geholt. Als Vertreter des IDW und Mitglied des international besetzten Komitees zur Kongressvorbereitung, das im Juli 1936 in London tagte, hatte Voss die ausländischen Berufskollegen davon überzeugt, den 5. „Internationalen Accountants Congress“ in Berlin stattfinden zu lassen. Die Veranstaltung in Deutschland abzuhalten, war schon bei früheren Konferenzen erwogen worden. Der 5. Kongress war ursprünglich in Rom geplant, doch kamen die italienischen „Berufskameraden“ den deutschen „verständnisvoll[es] und freundschaftlich[es]“ entgegen.4
Die Organisation der Tagung lag in den Händen von fünf Kongressausschüssen, denen die angesehensten deutschen Wirtschaftsprüfer und auch einige ausländische Berufskollegen angehörten. Moderne Kommunikationsanlagen boten Simultanübersetzungen in den vier Sprachen deutsch, englisch, französisch und italienisch.5. Die Tagung fand in der Kroll-Oper statt, einem 1844 eröffneten imposanten Gebäudekomplex, in dem über Jahrzehnte Theaterstücke und Opern aufgeführt worden waren. In der NS-Zeit wurde ein großer Saal für Reichstagssitzungen genutzt.
Teilnehmende und Programm
Von etwa 2.200 angemeldeten Teilnehmern erschienen rund 1.900, darunter gut 100 Pressevertreter. Aus 27 Ländern kamen etwa 300 ausländische Teilnehmer, vorrangig aus europäischen Staaten sowie den USA, Kanada, Mexiko und Chile, ferner aus Japan, der Südafrikanischen Union (heute: Republik Südafrika) und Britsch-Indien (heute: Indien, Pakistan, Myanmar). Von den etwa 1.100 deutschen Wirtschaftsprüfern nahmen 580 teil. Grund der Abmeldungen dürften die Befürchtungen kriegerischer Aktionen anlässlich der sogenannten „Sudetenkrise“ gewesen sein.6 In der Tagungswoche wurden neben neun Fachvorträgen mit „Generalbericht“ und „Aussprache“ zahlreiche gesellige und kulturelle Veranstaltungen, Besichtigungen und Ausflüge für die Tagungsteilnehmer geboten. Die ausländischen Gäste wurden mehrmals empfangen: von Vertretern der Reichsregierung, dem „Reichsrechtsführer“, dem Berliner Oberbürgermeister und Mitgliedern der Akademie. Es fand auch ein spezielles „Damenprogramm“ statt. Am Samstag, dem 24. September 1938 begann eine viertägige „Gesellschaftsfahrt über die Reichsautobahn nach Nürnberg und München“.7 1939 erschien eine vierbändige Kongressdokumentation im Umfang vom etwa 2.700 Seiten, in der sämtliche Ansprachen, Vorträge, Berichte und Diskussionen abgedruckt waren.8
Berichterstattung in der Tagespresse
Der Berliner Lokal-Anzeiger, das Berliner Tageblatt und die Deutsche Allgemeine Zeitung berichteten zwischen dem 17.9. und dem 24.9. 1938 jeweils an mehreren Tagen über die internationale Konferenz. Die Berichterstattung zu den acht Fachthemen: Allgemeine Berufsfragen, Unternehmensplanung, Bilanzierung, Aktienrecht, Konzernprüfung, Steuerprüfung, Beratungstätigkeit und Grundsätze der Kalkulation und Preiskontrolle, teilten sich die Zeitungen auf. Hingegen berichtete jede Zeitung über die Reden des Reichsministers Frank und des Staatssekretärs aus dem Reichswirtschaftsministerium, Brinkmann. Frank führte vor dem internationalen Publikum aus, dass die Selbstverwaltungseinrichtungen der Wirtschaft, dazu zählte auch der Wirtschaftsprüferverband, sich den „Führungsaufgaben des Staates“ unterzuordnen haben. Staatssekretär Brinkmann aus dem Reichswirtschaftsministerium betonte, dass der Wirtschaftsprüferberuf ein staatsnaher Beruf sei, der seine Tätigkeiten „im Dienste der übergeordneten Gesamtheit“ ausübe.
Fazit: Tagungen des Revisions- und Treuhandwesens in Demokratie und Diktatur
Tagungen von privatrechtlich organisierten Prüferverbänden fanden seit dem Beginn des 20. Jahrhundert statt. Der älteste Verband des deutschen Revisions- und Treuhandwesens, der Verband Deutscher Bücherrevisoren e.V. (Berlin, Leipzig), veranstaltete seit 1905 deutschlandweit Jahrestagungen und stand mit ausländischen Berufsverbänden, vor allem aus Mittel- und Nordeuropa, im Austausch. An den Veranstaltungen nahmen, vor allem in den 1920er Jahren, Vertreter von Behörden der lokalen, der Landes- und der Reichsebene als Gäste teil. Der seit 1932 bestehende Wirtschaftsprüferverband IDW e.V. erhielt im Mai 1933 die staatliche Anerkennung als „allein maßgebliche Standesvertretung“; im Juni 1934 ordnete das Reichswirtschaftsministerium die Pflichtmitgliedschaft aller Wirtschaftsprüfer im IDW an.9 Die Prüfertagungen der Jahre 193410, 193611 und 1938 fanden unter intensiver Beteiligung nationalsozialistischer Politiker und Organisationen statt.
rezensiert von Daniel Watermann, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Der Rezensent resümiert, “dass die Stärke des Sammelbandes nicht nur darin liegt, dass er gängige Verfallsgeschichten des Bürgertums überzeugend hinterfragt, sondern zugleich Angebote für eine weitere Erforschung des Untersuchungsgegenstandes offeriert. Zudem gelingt es, … die einzelnen Beiträge in einen plausiblen Diskussionszusammenhang zu stellen. Der Band leistet daher einen wichtigen Beitrag zur Bürgertumsgeschichte…”
]]>“…ein Plädoyer dafür, die Geschichte des Bürgertums weiterzuschreiben – vor allem mit Blick auf das 20. Jahrhundert und über den deutschen Tellerrand hinaus…. Fragwürdig ist allerdings, dass ausgerechnet in einem Aufsatzband zur Geschichte des Bürgertums – mit einer Ausnahme – nur männliche Historiker zu Wort kommen. … Immerhin schmückt den Bucheinband Caspar David Friedrichs Hochzeitsreisebild „Kreidefelsen auf Rügen“, auf dem Caroline Friedrich prominent sichtbar ist.”
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Wie alles begann
Seit dem Jahr 2006 beschäftige ich mich mit der Historie der Wirtschaftsprüfung, einem kaum erforschtem Segment der Geschichtswissenschaft. Den Anfang machte meine Magisterarbeit: Unter dem Titel „Bilanzkritik nach der Bankenkrise“ analysierte ich den von der staatlichen Deutschen Revisions- und Treuhand AG (Treuarbeit) geprüften Jahresabschlusses der Dresdner Bank für das Jahr 1932. In meiner 2013 veröffentlichten Dissertation „Wirtschaftsprüfung im Nationalsozialismus“ stand die Treuarbeit mit ihrer Tätigkeit in der Zeit von 1933 bis 1945 im Mittelpunkt. Und in den Jahren 2007 bis 2013 recherchierte und textete ich für Jubiläumsfestschriften des Wirtschaftsprüferverbandes „Institut der Wirtschaftsprüfer“ in Düsseldorf, der Wirtschaftsprüferkammer in Berlin und der Bayerischen Treuhandgesellschaft (KPMG) in München sowie des Spezialversicherers für die Berufshaftpflicht der Wirtschaftsprüfer „Versicherungsstelle Wiesbaden“ (seit 2018 VSW – Die Versicherergemeinschaft für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer). Meine aus diesen Arbeiten zusammengetragenen, umfangreichen Kenntnisse wollte ich gerne dauerhaft der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Außerdem wollte ich über meine aktuellen Forschungen berichten. Auf dem Historikertag 2016 in Hamburg nahm ich an einer Einführung zum Bloggen teil. Mareike König und Charlotte Jahnz erklärten den Teilnehmenden das Bloggen auf „Hypotheses“ – ein Blogportal für Geistes- und Sozialwissenschaften. Das war das Richtige für mich! Ich beantragte ein Blog – und wurde aufgenommen.
Chronologie und Bibliografie zur Geschichte des Wirtschaftsprüferberufes
Herzstücke des Blogs sind die Chronologie und die Bibliografie. Die Chronologie umfasst einen Zeitraum von etwa 100 Jahren; sie reicht von der Gründerkrise des Jahres 1873, in deren Folge die Forderung einer jährlichen Bilanzprüfung durch externe Revisoren aufkam, bis zum Jahr 1986, in dem das Bilanzrichtliniengesetz in Kraft trat, das die Anforderungen an die Bilanzierung und deren Publikation deutlich veränderte. Die Bibliografie enthält zeitgenössische Monografien und Artikel, Festschriften zu Firmen, Institutionen und Personen, Forschungsliteratur und Quelleneditionen, englischsprachige Forschungszeitschriften und Firmenfestschriften sowie weitere Zeitschriften, Jahrbücher und Sammelbände. Ferner habe ich eine Liste mit Institutionen erstellt, die Quellenmaterial zur Geschichte der Wirtschaftsprüfung bereit halten.
Blogartikel
Mein Ziel war es, jeden Monat einen selbst erstellten Artikel zu veröffentlichen und außerdem auf thematisch passende Literatur (Rezensionen) sowie Tagungen und Tagungsberichte aufmerksam zu machen. Seit dem Beginn meiner Blogaktivitäten im Oktober 2016 bis zum Januar 2021 sind 4 Jahre und 4 Monate vergangen. In diesem Zeitraum publizierte ich 140 Beiträge, davon 55 eigene Artikel (inklusive dieses Jubiläumsartikels). Die meisten meiner eigenen Artikel finden sich in der Kategorie „Biografie“ und betreffen vor allem meine Forschungen zu Dr. Wilhelm Voss (1896-1974), einem führenden Funktionär des Revisions- und Treuhandwesen der 1920er und 1930er Jahre, der in der NS-Zeit in die Führung der Reichswerke „Hermann Göring aufstieg und in den frühen 1950er Jahren als Rüstungsberater in den Dienst der ägyptischen Regierung trat. Zudem publizierte ich Beiträge zu unterschiedlichen Aspekten des Wirtschaftsprüferberufes, stellte zeitgenössische Literatur vor und erörterte den Forschungswert verschiedener Quellenmaterialien.
Resonanz
In den vier vollen Jahren von 2017 bis 2020 hat sich die Anzahl der Besuchenden von 2.715 auf 6.142 mehr als verdoppelt; die Anzahl der Besuche stieg von 7.344 auf 24.399 und hat sich damit sogar mehr als verdreifacht. Die Verweildauer der Besuchenden erhöhte sich von 1,6 Minuten auf 14 Minuten pro Besuch.
Fazit
Ich schätze das Bloggen sehr. Denn mit diesem Medium kann ich einzelne Fragen bearbeiten sowie Bücher und Quellen in kurzen Artikeln präsentieren. Bei der freundlichen und hilfsbereiten Redaktion fühle ich mich gut aufgehoben.
]]>rezensiert von Sandra Zimmermann, Darmstadt.
“Geyer untersucht… verschiedene „Leitthemen, die in zentrale Felder der politischen, sozialen und kulturellen Konfliktgeschichte der Zwischenkriegszeit führen“ (S. 18). Wie unter einem Brennglas führt der Fall Barmat in zeitgenössische Debatten über Demokratie, Kapitalismus, Korruption, moralisches und wirtschaftliches Handeln sowie Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit.”
]]>rezensiert von Christopher Kopper, Bielefeld.
“Auf der Grundlage sehr umfassender Recherchen in staatlichen und verbandseigenen Aktenbeständen präsentiert” die Autorin “eine umfassende Studie, die sich vor allem mit der Mediatisierung des Sparkassenverbands durch die Zwangseingliederung in das zentralistische System der Reichsgruppen und Wirtschaftsgruppen beschäftigt, die der Aufsicht und der Anleitung durch das Reichswirtschaftsministerium unterstanden.”
]]>“Die Habilitationsschrift… rekonstruiert nicht nur die Sozialgeschichte einer aufstrebenden ökonomischen Elite in der alten Bundesrepublik. Die Studie liefert vielmehr eine Untersuchung sich wandelnder ökonomischer Leitbilder, die sich in Führungskonzepten, Bildungspraktiken, Organisationsstrukturen und Public-Relations-Strategien manifestierten.”
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