ich bin über Deine Kommentare im „netzpolitik.org“-Artikel zum geplanten Prostitutionsüberwachungsgesetz hierher gekommen – und wenn ich einmal da bin, will ich auch mal meinen Senf dazugeben.
Ich habe (als Kunde) auch schon einige Jahre Erfahrung mit der Branche. Ist bei mir berufsbedingt – wenn man von Montagetätigkeit zu Montagetätigkeit geschickt wird und nie weiß, wann man wie lange wo ist, wenn man nur ab und an spontan „nach Hause“ kommt, um den Briefkasten auszuräumen und Wäsche zu waschen, kann man Beziehungen oder gar Familienleben komplett vergessen. Das macht kein (potentieller) Partner länger als ein paar Wochen mit. Welche Optionen bleiben da noch, wenn man einfach mal wieder nicht allein im Bett liegen will? Und nein, da geht es (zumindest mir) noch nicht mal um den „Druckabbau“, sondern schlicht darum, einen anderen Menschen zu fühlen.
Unter den Umständen sind die Möglichkeiten doch ziemlich eingeschränkt.
Andererseits: Es braucht keine Rechtfertigungen á la „Sorry, mir ist kurzfristig etwas dazwischen gekommen.“, „Ich habe Migräne!“ oder „Ich bin heute einfach zu kaputt.“, sondern man besucht einen Club. Entspannen, reden, Spaß haben – und das mit klaren Fronten und ohne Heuchelei. Mir persönlich erscheint das ehrlicher als vieles, was ich in den Beziehungen diverser Mitmenschen erleben „darf“.
Gut, mit den Schattenseiten des Gewerbes (Drogenstrich und ähnliches) bin ich noch nicht in Kontakt gekommen. Aber ich behaupte mal, es gibt viele „ehrliche“ Berufe, bei denen gerade Frauen gezwungen sind, weit mehr Würde aufzugeben als beim selbstbestimmten(!) Sexworking.
Vor allem: Wenn jemand als Politiker oder Jurist gleich seine Seele verkauft, ist das doch auch kein Problem!?
Bei der Gelegenheit:
Eine Frage, die mir bis heute niemand zufriedenstellend beantworten konnte, ist, wie man Prostitution eigentlich sinnvoll definieren oder abgrenzen will:
Die gutbürgerliche Versorgerehe á la „Er schafft das Geld heran, und sie sitzt zu hause und macht bei Bedarf die Beine breit.“ ist doch letztlich auch nichts anderes. Liebe, my dear… Erstaunlich, wie oft sich junge Frauen in reiche alte Männer (vice versa) verlieben – und wie schnell die Liebe verfliegt, wenn das Konto aus irgend einem Grund plötzlich leer ist.
Macht man es am Geld fest? Was ist mit Naturalien? Mit Frauen/Männern, die sich ihre Liebesdienste nicht in bar, sondern mit Sachleistungen, Vergünstigungen oder Beförderungen entlohnen lassen. Das geht ja schon mit solchen Dingen wie in „Die da?“ von den Fanta4 los… Mal übersitzt: Ein Drink oder eine Kinokarte sind ok, aber 20€ für’s Taxi sind Prostitution?
Oder dreht es sich um die Anzahl der Geschlechtspartner? Wird ein Mann zum Sexworker, wenn er seine Frau jeden Abend mit einer anderen betrügt? Eine Frau, die sich auf einer Party mal gehen lässt? Ein Ehepaar, das einen Swingerclub aufsucht?
Lange Rede, kurzer Sinn: Die Politik weiß offenbar selbst nicht, was genau sie eigentlich reglementieren will. Aber gut, Aktionismus á la „Steht nicht einfach nur rum! Verbietet irgendwas!“ hat in diesem Land Hochkonjunktur…
@Anvil: Ja, mit dem Monogamie-Ideal sprichst du einen wichtigen Aspekt an. Aus demselben Grund gibt es in der Queer-Community bspw. Aktivisten, die die Schließung von Darkrooms predigen – weil die ja dem ungehemmten Sex mit Fremden und Seitensprüngen dienen. Die Angst davor ist groß und dementsprechend stark ist die Abwehrhaltung.
]]>In der Öffentlichkeit wird nie dargestellt, wie normal so ein Sexklub ist. Die Frauen dort sind nicht übertrieben aufgetakelt, sondern junge, hübsche Mädels, die Männer sind meist ganz normale Typen, die sich das Vergnügen leisten können.
In den vielen Klubs, die ich besucht habe, wurde auch nie aggressivies oder brutales Verhalten geduldet.
Ich denke, dass die Gesellschaft Angst hat vor der Tatsache, dass es ein Liebesleben außerhalb der monogamen Zweierbeziehung gibt.
]]>Du durchbrichst ihr Rollenbild (Ware Frau, Armutsprostitution, etc.), das es so einfach macht, eine klare Meinung über Prostitution zu haben und diese deshalb zu verteufeln. Bei Dir funktioniert das einfach nicht. Du bietest eine Dienstleistung an, für die es sich nicht gehört, gekauft zu werden, aber ein Markt besteht.
Was ich bei Dir cool finde, ist die Verbindung von Intelligenz, Stil und Kinkyness. Das ist Emanzipation von den klassischen Clichés oder Rollen, von alten Rollenbildern wie der treuen Ehefrau/Liebhaberin, aber auch von modernen. Keep on fighting.
]]>@Kommentor: Ich hab’s für dich ergänzt.
@jabadabidoo: Zumindest weiß ich nicht, ob wir alles, was wir begehren undbedingt in ein und demselben Menschen suchen und finden müssen. Zwischenmenschliche Beziehungen sind so facettenreich. Warum müssen wir sie immer in vorgefertigte Korsagen wie „Ehe“, „Liebespaar“, „Affaire“, „Ex“, „Friend-Zone“ zwängen? Warum können wir ihnen nicht freien Lauf lassen, sich zu entfalten, sich ungezwungen zu entwickeln, ganz individuell, wie die Menschen, die an ihnen beteiligt sind?
]]>Ich finde Deinen Kampf für Sexworkerinnen bemerkenswert, weil er auch aufzeigt, welche Moralvorstellungen wir in der Gesellschaft bzgl. Liebe und Sexualität haben. Die perfekte Beziehung, wo Liebe, Alltagsverträglichkeit, tiefes Verständnis und gleiche Sexualität zusammen kommt, gibt es wohl äusserst selten, bzw. gar nicht.
Vielleicht wären Partnerschaften langfristig besser aufgestellt, wenn wir gewisse Dinge trennen würden und nicht im nächsten Abenteuer den Kick suchen. Das Neue ist immer spannender, da unbekannt.
Gruss
jabadabidoo
]]>In dem Artikel gibt es Punkte, die krass falsch sind und uns Männer betreffen:
1. Wir betrachten Huren nicht als Objekte
Natürlich nicht. Es ist einfach schön, mit einer attraktiven und lieben Frau Sex zu haben, das gehört zu den angenehmsten Momenten im Leben. Die Hure ist eine Frau und kein Objekt.
2. Der Mann macht was er will mit der Frau
Absolut nicht. Die Frau hat einen Service, hat Grenzen und der Mann das zu respektieren. Das klappt meist ganz gut, in den Klubs, in denen ich verkehre, wird ein Mann mit Hausverbot belegt, wenn er Gewalt gegenüber den Frauen ausübt.
zu den Techniken: Oral hatte ich noch mitgenommen, das gehört einfach dazu. Aber alles danach aufgezählte ist speziell und für Minderheiten interessant. Den meisten Männern reicht der ungezwungene Standardsex mit Küssen, Blasen, Zärtlichkeit und Verkehr mit Kondom.
]]>@Kommentor: Wait… let me google that for you.
Wiesbaden ;)
]]>> Die Linke Stadtverordnete, Manuela Schon, ist eine glühende
> Prostitutionsgegnerin.
Stadverordnete welcher Stadt? Vielleicht sollte das noch in den Satz mit rein.
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