Die Pläne hatten sich bereits abgezeichnet – bei der Produktion des Marschflugkörpers Anthem soll es darum gehen, ein kostengünstiges System in großer Zahl schnell herzustellen. Grund dafür ist nicht zuletzt, dass der US-Marschflugkörper Tomahawk der USA zuletzt im Krieg gegen Iran so viel eingesetzt wurde, dass die Bestände der US-Streitkräfte schrumpfen. Zudem soll das Covenant-Waffensystem unter einer Million US-Dollar pro Stück kosten und damit deutlich günstiger als der Tomahawk sein.
Die europäischen Streitkräfte und damit auch die Bundeswehr sind an einer raschen Beschaffung weitreichender Waffen interessiert – und damit rückt auch Anthem in den Fokus, auch wenn es bislang offiziell noch keine Aussagen zu einer möglichen Beschaffung gibt.
Mit der Fähigkeit zu weitreichenden präzisen Angriffen (Deep Precision Strike) soll eine Abschreckung gegenüber Russland aufgebaut werden, über die die europäischen NATO-Mitglieder bislang nur recht eingeschränkt verfügen. So ist die am weitesten reichende Waffe im Arsenal der Bundeswehr der Marschflugkörper Taurus, der aber von einem Flugzeug aus gestartet werden muss und – so weit öffentlich bekannt – eine Reichweite von nicht viel mehr als 500 Kilometern hat.
Aus der Reuters-Meldung:
U.S. defence startup Covenant plans to begin mass production of low-cost cruise missiles in Germany in early 2027 to meet demand from European countries looking to procure long-range weapons to counter what they see as a growing threat from Russia.
Covenant said it had secured one contract for its Anthem missile in Europe so far and is in talks with other potential customers, but declined to specify the countries. It expects first deliveries of the ground-launched missile in early 2027.
„Our aim is to reach 5,000 by 2028, or at least (a) run rate (of) 5,000 during 2028,“ Covenant co-founder and CEO Michael Kaufman told Reuters in an interview, referring to its production facility in the eastern German state of Saxony.
Dabei soll auch eine möglichst weitgehende Unabhängigkeit von internationalen Lieferketten erreicht werden. Nach den Worten von Kaufman betrage der Anteil außereuropäischer Zulieferteile weniger als fünf Prozent.
In einem weiteren Reuters-Bericht werden technische Dertails genannt:
Its missile, called Anthem, is a ground-launched cruise missile carrying a payload of more than 200 kg (441 pounds). In a fight, it would be used in high volumes to work alongside other long-range missiles like the 1,000-mile (1,609-km) range Tomahawk cruise missile produced by RTX’s Raytheon unit and the 600-mile Lockheed Martin Joint Air-to-Surface Standoff Missile-Extended Range (JASSM-ER).
Nachtrag: Am (heutigen) 10. September erhielt ich von der PR-Agentur des Unternehmens eine Pressemitteilung mit Sperrfrist 9. September 15.30 Uhr. Fürs Archiv hänge ich die hier an:
Covenant_Launch EU PM_Deutsch
(Foto: Screenshot der Covenant-Webseite mit dem Marschflugkörper Anthem)
]]>Die USA hatten die Launcher für die Übung Atlantic City 2026 Ende August nach Norwegen verlegt:
On August 27, 2026, the U.S. Navy deployed a four-cell Containerized Launching System to Trondheim, Norway, aboard a U.S. Air Force C-17A Globemaster III as part of Operation Atlantic City 26. The deployment serves to validate strategic inter-theater air mobility, expeditionary advanced base operations, and distributed strike integration in the High North alongside British and Norwegian forces. This exercise tests the command-and-control networks required to coordinate geographically separated long-range missile launchers, such as those capable of firing SM-6 and Tomahawk missiles, within a unified joint kill web.
Am (heutigen) Montag folgte darauf die Reaktion aus Moskau:
Antwort der offiziellen Sprecherin des russischen Außenministeriums, Marija Sacharowa, auf eine Medienanfrage zur Stationierung einer US-Raketenabschussrampe für Mittel- und Kurzstreckenraketen in Norwegen
Frage: Wie bewertet man in Moskau die von den USA vorgenommene Stationierung einer Abschussanlage für Mittel- und Kurzstreckenraketen in Norwegen, auch vor dem Hintergrund des ins Stocken geratenen Dialogs über strategische Stabilität? Ist eine Reaktion darauf geplant? Wenn ja, welche?
Antwort: Das Auftauchen amerikanischer Systeme in Europa, die zum Abschuss von Mittel- und Kurzstreckenraketen (MK-Raketen) fähig sind, werten wir als einen weiteren Schritt in der endlosen Reihe stark destabilisierender Maßnahmen der NATO-Staaten. Dabei wird bei der Umsetzung der Pläne und konkreten praktischen Maßnahmen zur Stationierung westlicher bodengestützter Mittelstreckenraketen in der Region die Absicht des Nordatlantikbündnisses, sich ein umfangreiches Potenzial für Raketenangriffe tief in das Territorium unseres Landes zu verschaffen, nicht nur nicht verheimlicht, sondern sogar demonstrativ hervorgehoben. Gleichzeitig wird versucht, die ausgedehnten Gewässer der Region „ins Visier“ zu nehmen und sich so die beherrschende Kontrolle über die Seewege zu sichern, die aus militärischer sowie aus Handels- und Transportperspektive von entscheidender Bedeutung sind.
In diesem Zusammenhang weisen wir darauf hin, dass die auf der Basis von Mk-41-Abschusszellen gebauten amerikanischen Raketensysteme, die nach Europa geliefert und diesmal in Norwegen stationiert werden, für den Abschuss von Mehrzweckraketen vorgesehen sind, die sowohl Ziele an Land als auch auf See treffen können. Wir berücksichtigen zudem, dass diese Systeme zum Abschuss von Langstrecken-Marschflugkörpern vom Typ „Tomahawk“ eingesetzt werden können und dass ihre Stationierung in dem genannten nordeuropäischen Land es ermöglicht, einen beträchtlichen Teil des europäischen Teils des russischen Staatsgebiets, einschließlich Moskau, zu „abdecken“.
Somit können diese Raketenwaffen bei aggressiven Aktionen der NATO-Staaten gegen unser Land zur Lösung strategischer Aufgaben eingesetzt werden. In diesem Zusammenhang dürfte es für diejenigen, die in Washington und Oslo die Entscheidung über die Stationierung der genannten Systeme in Norwegen getroffen haben, keine Überraschung sein, dass im Rahmen der russischen Gegenmaßnahmen die Standorte der amerikanischen Komplexe und deren Kommandozentralen sowie die dazugehörige Infrastruktur Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit seitens der strategischen Abschreckungskräfte der Russischen Föderation werden, was die Planung des Kampfeinsatzes entsprechender Angriffswaffen im Falle eines bewaffneten Konflikts einschließt.
Was den in der Frage erwähnten Dialog mit den USA über strategische Stabilität betrifft, möchten wir daran erinnern, dass dieser nicht „ins Stocken geraten“ ist, sondern seinerzeit bereits von der Regierung unter Joe Biden einseitig unterbrochen wurde. Die derzeitige US-Regierung vertritt hingegen die unrealistische Auffassung, dass sogenannte „multilaterale“ Verhandlungen unter obligatorischer Beteiligung Chinas aufgenommen werden sollten, obwohl China wiederholt und ganz klar erklärt hat, dass es gewichtige Gründe hat, sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht an solchen Bemühungen zu beteiligen.
Wir unsererseits haben wiederholt und ausführlich dargelegt, dass die günstigen Voraussetzungen für einen sachlichen und fruchtbaren strategischen Dialog mit den USA nicht gegeben sind. Und Maßnahmen wie die Stationierung amerikanischer bodengestützter INF-Raketen in Europa, die eine Bedrohung für die Russische Föderation darstellen, machen – gelinde gesagt – die Voraussetzungen für einen konstruktiven Dialog mit den USA in strategischen Fragen zunichte.
(übersetzt mit deepl.com)
(wird ggf. ergänzt)
]]>Das Netz der Verwaltung der Hauptstadt war schon vor einiger Zeit gehackt worden, und die Täter hatten Lösegeld gefordert – was offensichtlich nicht gezahlt wurde. Als Reaktion darauf sollen jetzt, so berichtet der Berliner Tagesspiegel* am (heutigen) Freitag, erbeutete Daten im so genannten Darknet gelandet sein. Und da wird es dann auch aus militärischer Sicht interessant:
Unter den abrufbaren Daten befinden sich auch Inhalte, die für die Sicherheit der Bundesrepublik und der Hauptstadt relevant sind. Darunter sind Daten zum Zivilschutz und Listen mit Objekten, Immobilien, Betrieben und Einrichtungen, die im Verteidigungsfall besonders geschützt werden müssen. Unter den Objekten mit „Bedeutung für die zivile Verteidigung“ sind Heizkraftwerke für Krankenhäuser, Tanklager, Notstromanlagen und Umspannwerke. Zu finden sind auch geheime Dokumente zu Rüstungsunternehmen, die besonders gefährdet sind.
Mit anderen Worten: Das betrifft längst nicht mehr nur das Land Berlin. Mal schauen, wie das weitergeht.
Nachtrag, da geht es offensichtlich durchaus um recht sensible Daten:
*Deutsche Verlagswebseiten werden hier i.d.R. nicht verlinkt; in diesem Fall scheint – erneut – eine Ausnahme gerechtfertigt.
]]>Die neuen Einrichtungen sollen Soldaten und Soldatinnen Zeit und lange Wege ersparen, werden aber die übliche Kleiderkammer noch lange nicht ersetzen können: Bislang ist das System nur für einen 1:1 Tausch in gleicher Größe vorgesehen, warnt das Unternehmen. Voraussetzung ist eine vorherige Anmeldung in einem gesonderten Kundenportal.
Ansonsten unterscheidet sich die Paketstation kaum von den bekannten Angeboten der großen Lieferdienste: Abholcode per E-Mail, nummerisch oder als QR-Code, und der passende Scanner an der Station selbst gehören dazu. Und, wie es sich für einen Tausch gehört, kann die Retoure auch gleich dort eingeliefert werden.
Nur in einem Punkt ist die Bw Bekleidung sehr viel großzügiger als die kommerziellen Mitbewerber: Bei denen geht ein nicht abgeholtes Paket nach einer Woche zurück – die Bundeswehr-Kleiderkammer gibt bis zu zwölf Tagen Zeit.
(Foto: Paketstation der Bw Bekleidung in der Kurmark-Kaserne in Storkow)
…
]]>
Diese Aussagen machten Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Außenminister Johannes Wadephul am (heutigen) Dienstag in Berlin. Was die deutschen Reaktionen konkret bedeuten, insbesondere was die Schattenflotte angeht, blieben die Details allerdings offen.
Aus Zeitgründen hier erstmal nur der Mitschnitt ihres Statements, nach dem keine Fragen zugelassen wurden:
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Über eine bevorstehende offizielle Regierungsaussage zum Drohnen-Angriff in Leipzig berichtet unter anderem der Spiegel:
Die Bundesregierung sieht einen russischen Geheimdienst als Urheber des versuchten Sprengstoffanschlags Anfang August auf den Leipziger Flughafen.
Nach SPIEGEL-Informationen haben sich die Erkenntnisse über eine oder mehrere mutmaßlich an der Tat beteiligte Personen im Zuge der Ermittlungen so weit verdichtet, dass die Bundesregierung beabsichtigt, diese Details noch am Dienstag öffentlich zu verkünden und den Anschlagsversuch einem russischen Geheimdienst zuzuordnen.
Nach Medieninformationen soll es gegen 17.30 eine gemeinsame Aussage dazu von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Außenminister Johannes Wadephul geben. Bedeutsam wird dabei dann nicht nur die Benennung von Verantwortlichen für den Angriff – sondern auch die Frage, was die Bundesregierung als Konsequenzen ankündigt.
Völlig offen ist bislang, ob ein weiterer, aktueller Vorfall damit in Verbindung steht: Auf das Kraftwerk Jänschwalde im Süden Brandenburgs soll es einen Anschlag gegeben haben, wie die Märkische Allgemeine (MAZ)* berichtet:
Beschuss mit Raketen: Versuchter Anschlag auf Umspannwerk Jänschwalde
Das Kraftwerk Jänschwalde war am Dienstag mit seinem vorgelagerten Umspannwerk Ziel eines mutmaßlichen Anschlags.
Nach MAZ-Informationen wurde eine wichtige Anlage nahe des Kohlekraftwerks mehrfach beschossen. Einsatzkräfte sollen vor Ort weitere Raketen entschärft haben. Zu einem Stromausfall kam es nach ersten Erkenntnissen nicht.
Insofern: weiter nach Entwicklung, was auch immer heute noch passieren mag.
1. Ergänzung: In Deutschland weitgehend unbeachtet blieb ein Anschlag auf ein polnisches Rüstungsunternehmen, das die Ukraine beliefert – aus der Mitteilung der polnischen Nationalen Staatsanwaltschaft vom (gestrigen) Montag:
31.08.2026
Brand in Skarżysko-Kamienna
Ein Staatsanwalt der Außenstelle für Kleinpolen der Abteilung für organisierte Kriminalität und Korruption der Nationalen Staatsanwaltschaft in Krakau hat heute ein Ermittlungsverfahren wegen Beteiligung an Aktivitäten eines ausländischen Geheimdienstes gegen die Republik Polen und wegen Begehung einer terroristischen Straftat eingeleitet, die darin bestand, am 31. August 2026 auf dem Gelände des Unternehmens WB ELECTRONICS S.A. in Skarżysko-Kamienna durch das Anbringen einer Ladung mit brennbaren Materialien vorsätzlich einen Brand zu verursachen. Infolge des Brandes wurden Lagerräume zerstört, und der entstandene Schaden beläuft sich auf mindestens 15 Millionen Złoty.
*Links zu deutschen Verlagswebseiten finden hier i.d.R. nicht statt; dieser Vorfall rechtfertigt eine Ausnahme
]]>Die bislang jüngste Meldung dazu kam am (gestrigen) Freitag von der Nachrichtenagentur Reuters:
U.S. defence company Covenant plans to begin producing intermediate-range missiles near Leipzig from 2027, sources told Reuters on Friday, as Germany searches for affordable cruise missiles that can be deployed in large numbers.
The missiles would have a range of more than 1,500 kilometres and production capacity could reach up to 1,000 units a year, the sources said.
While Covenant is a U.S. company, most components for the planned production are expected to be sourced from Germany and other European countries, they added.
Wie schon gegenüber Reuters wollte das Verteidigungsministerium auch am (heutigen) Samstag diesen Bericht nicht kommentieren; es handele sich um eine Frage der Industrie.
Nun ist über das Unternehmen Covenant vergleichsweise wenig bekannt, das Startup mit Wurzeln in Israel und den USA scheint jedoch prominente Finanziers zu haben, wie die Jerusalem Post erst vor zwei Wochen berichtete:
Covenant was founded in 2024 by Michael Kaufman, an American investor and entrepreneur operating out of Israel. The company, which has subsidiaries in Israel and Germany, has so far maintained an exceptionally low public profile and has no official website. That has not prevented it from raising hundreds of millions of dollars from major Silicon Valley funds, including Founders Fund and Andreessen Horowitz.
Nach einem Bericht des Informationsportals Politico vom Juni hatte das deutsche Verteidigungsministerium angesichts der Aussicht auf Verzögerungen bei der Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern unter anderem bei Covenant angefragt; und auch Politico hatte ein bisschen mehr zum Hintergrund des Unternehmens:
Company information reviewed by POLITICO describes Covenant as a U.S.-Israeli-linked firm founded in 2024, with plans to build a sovereign European supply ecosystem and production lines in Germany and the United Kingdom.
Its investors include U.S. venture capital firms Founders Fund, led by German-American tech investor Peter Thiel, Andreessen Horowitz, led by Marc Andreessen and Ben Horowitz, as well as Lux Capital and Lightspeed Venture Partners.
Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob die im Zusammenhanbg mit einem Drohnen-Unternehmen geäußerten Bedenken von Verteidigungsminister Boris Pistorius gegen den Investor Peter Thiel in diesem Fall von Bedeutung sind. Wichtiger scheint allerdings, dass Covenant mit seinem Marschflugkörper Anthem als kostengünstiger Alternative zum Tomahawk Fortschritte macht. Aus dem oben verlinkten Bericht der Jerusalem Post:
American start-up Covenant Industries successfully conducted a live launch of its innovative new Anthem cruise missile last week in the Tan Tan area of southern Morocco, as part of a joint military exercise involving the US military and the Moroccan Armed Forces. (…)
As part of the wave of defense tech companies, Covenant focuses on developing advanced warfare technologies at relatively low cost. Anthem is intended to be its flagship product, offering a cheaper alternative that is easier to mass produce than heavy and expensive cruise missiles such as the US Tomahawk, while maintaining long range capabilities and precision strike capacity.
Und daran sind natürlich auch die US-Streitkräfte interessiert, deren bisherige Munitionsbestände als Folge des Angriffskrieges gegen Iran bedenklich niedrig werden. Nicht ohne Grund dürfte der jüngste Test vor wenigen Wochen auf dem gemeinsamen Africa Multidomain Training and Experimentation Center der USA und Marokkos gelaufen sein.
(Foto: Vorbereitung für den Test eines Marschflugkörpers in Tan Tan in Marokko; ob es sich bei dem abgebildeten System um den Anthem-Marschflugkörper von Covenant handelt, wird im Bildtext der US-Streitkräfte ausdrücklich offengelassen:
Defense-industry partners prepare a cruise missile for a live-fire demonstration at the Africa Multidomain Training and Experimentation Center in Tan-Tan, Morocco, Aug. 5, 2026. The demonstration was held to support regional defense capabilities and joint training interoperability (U.S. Army photo by Capt. Jordan Beagle) This photo was altered for security purposes by blurring out defense industry names and logos.)
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Die Zahlen nannte bitkom-Präsident Ralf Wintergerst bei der Vorstellung der jährlich zusammengestellten Wirtschaftsschutzstudie seines Verbandes am (heutigen) Mittwoch in Berlin. Bei den staatlichen Akteuren führe die Spur immer weiter nach Osten, sagte Wintergerst. Neben Angriffen vor allem aus China und Russland sei inzwischen Iran erstmals als ernsthafter Akteur in Erscheinung getreten, auf den neun Prozent der Unternehmen einen Angriff zurückführten.
Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Sinan Selen, bezeichnete die Zunahme staatlicher Angriffe auf Unternehmen in Deutschland als Besorgnis erregend. Inzwischen gehe es nicht mehr nur um Einzelangriffe, sondern um ganze Angriffsflächen. Dabei zeige sich eine Agenda, die Deutschland insgesamt bedrohe.
Informationen zur Wirtschaftsschutzstudie mit mehr Einzelheiten gibt es hier; außerdem zum Nachhören die komplette Pressekonferenz mit Wintergerst und Selen (bei Minute 00:31:25 stelle ich die Frage, ob künftig vielleicht zu befürchten ist, dass der Staat nicht mehr alle Schwachstellen in IT-Systemen offenlegt und ggf. einzelne für seine eigene Nutzung zurückhält – die Antwort von Selen ist interessant):
(Foto: Sinan Selen, l., Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), und Ralf Wintergerst, Bitkom-Praesident, stellen in der Bundespressekonferenz die Wirtschaftsschutzstudie 2026 vor – Thomas Trutschel/photothek.de)
]]>Gambit ist nach Darstellung von Stark für den Nah- und Nächstbereioch als vergleichsweise kleines unbemanntes System für Aufklärung, elektronische Kriegführung und eben auch für kinetische Angriffe vorgesehen. Die mit einem Gefechtskopf von bis zu zwei Kilogramm ausgerüstete, als Gambit Strike bezeichnete Variante soll bei einer Einsatzdauer von bis zu 25 Minuten eine Reichweite von 25 Kilometern haben und kann sowohl über Funk als auch über Glasfaser gesteuert werden, bei Bedarf in der Endphase aber auch autonom agieren.
Die TDW-Mutter MBDA verwies in ihrer Mitteilung dazu auf die Nutzbarkeit durch Infanterie:
TDW Gesellschaft für verteidigungstechnische Wirksysteme mbH
hat den erforderlichen militärischen Effekt des Gefechtskopfsystems für die neue Loitering Munition „Gambit“ von STARK im Versuch demonstriert. Damit ist eine zentrale Voraussetzung für die
Lieferung des Systems erfüllt.
Das von TDW entwickelte Wirksystem umfasst sowohl den Gefechtskopf, als auch die zugehörige Zünd- und Sicherungseinrichtung. Diese wurde bereits in einem beschleunigten Verfahren in das Gambit-System integriert. In der Sprengung am Standort in Schrobenhausen wurde nachgewiesen, dass der tragbare Quadcopter „Gambit“ leicht gepanzerte Ziele erfolgreich bekämpfen kann. Der Multi-Effekt-Gefechtskopf ist qualifiziert und bereits in der NATO eingeführt. (…)
„Gambit gewährleistet maximale Einsatzfähigkeit bei minimalem logistischem Aufwand,“ sagt Johannes Schaback, CTO von STARK. „Dank des faltbaren Designs lässt sich ein System oder mehrere
Systeme von einem abgesessenen Soldaten leicht transportieren, innerhalb kürzester Zeit einsetzen und flexibel an unterschiedliche Einsatzszenarien anpassen. Über eine modulare Erweiterung ist ein
Umschalten der Steuerung per Glasfaserkabel auch unter Gefechtsbedingungen möglich.”
(Foto: Gambit-Drohne – Foto Stark/TDW; Grafik: Screenshot der Stark-Webseite)
]]>Der am (heutigen) Dienstag in Genf veröffentlichte gemeinsame – erneute – Appell von UN und IKRK zielt darauf ab, bei der nächsten Überprüfungskonferenz der Konvention über bestimmte konventionelle Waffen (Convention on Certain Conventional Weapons, CCW) im November formale Verhandlungen über Beschränkungen für autonome Waffensysteme zu beginnen. Bislang haben nur Experten aus verschiedenen Staaten die möglichen Instrumente für den Umgang mit solchen Waffensystemen debattiert; zu Verhandlungen über ein mögliches Regelwerk kam es bisher nicht.
Allerdings hat die Expertendebatte bereits dazu geführt, dass die kontextabhängige menschliche Kontrolle (Meaningful Human Control) für autonome, insbesondere von Künstlicher Intelligenz (KI) gesteuerte Waffensysteme als wichtiger Bestandteil angesehen wird – konkret hat das zum Beispiel Eingang in die KI-Konzeption der Bundeswehr gefunden.
Grund für eine dringend nötige internationale Regelung sei die technische Entwicklung autonomer Waffensysteme und die drohende Gefahr, dass solche Systeme eigenständig über die Tötung von Menschen entscheiden könnten. Bislang richte sich der Einsatz solcher Systeme gegen militärische Objekte und nicht gegen Menschen selbst, sagte Laurent Gisel von der Rechtsabteilung des IKRK. Mit zunehmender Autonomie werde die menschliche Kontrolle des Waffeneinsatzes gegen Menschen immer mehr reduziert.
Das IKRK und die Vereinten Nationen betonten, bisher gebe es keine bestätigten Fälle, in denen vollständig autonome Systeme ohne menschliches Zutun Menschen getötet hätten. Einen aktuellen Bericht der New York Times über einen möglichen solchen Fall wollten Vertreter beider Organisationen nicht kommentieren. Allerdings laufe die derzeitige technische Entwicklung genau darauf zu.
Der Appell von Vereinten Nationen und Internationalem Roten Kreuz im Wortlaut (in der vom IKRK veröffentlichten deutschen Fassung):
Vor drei Jahren haben wir die Staaten dazu aufgerufen, spezifische Verbote und Beschränkungen für autonome Waffensysteme festzulegen. Heute erneuern wir diesen Appell mit noch größerer Dringlichkeit. Die grundlegenden Bedenken bleiben unverändert, doch die Risiken haben zugenommen. Wir befinden uns jetzt gefährlich nahe daran, eine moralische rote Linie zu überschreiten: Die autonome Zielerfassung von Menschen durch Maschinen.
Die Weiterentwicklung von Waffentechnologien ist in Rekordtempo vorangeschritten, was rechtliche Rahmenbedingungen zunehmend unter Druck setzt. Seit unserem letzten Appell hat sich die Kluft zwischen technologischen Fähigkeiten und regulatorischen Grenzen ausgeweitet. Der Einsatz hochentwickelter Technologien auf dem Gefechtsfeld erhöht das Risiko, Zivilpersonen und zivile Infrastruktur zu schädigen sowie das Leid der Zivilbevölkerung in bewaffneten Konflikten zu verschlimmern.
Die Entwicklung und der Einsatz autonomer Waffensysteme stellen eine weitere Eskalationsstufe dar, die die menschliche Kontrolle über den Einsatz von Gewalt verringert. Autonome Waffensysteme sind nicht Teil einer weit entfernten Zukunft – ein Wettlauf hin zu immer größerer Autonomie in Waffensystemen ist längst im Gange. Zugleich haben Wissenschaftler:innen sowie Ingenieur:innen und Ingenieure, die ebendiese Systeme entwickeln, selbst Alarm geschlagen. Wenn die Architekt:innen dieser Technologien selbst Grenzen fordern, können es sich Staaten nicht leisten, passiv zu bleiben.
Dieses Jahr muss einen Wendepunkt markieren.
Staaten haben durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen und die Gruppe von Regierungssachverständigen im Rahmen des Übereinkommens über bestimmte konventionelle Waffen wichtige Grundlagen geschaffen. Bedeutende Fortschritte wurden auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis darüber erzielt, welches Maß an menschlichem Urteilsvermögen und menschlicher Kontrolle erforderlich ist und welche Maßnahmen notwendig sind, um die Einhaltung des humanitären Völkerrechts zu gewährleisten, ethischen Bedenken Rechnung zu tragen und menschliches Leid zu mindern.
Staaten müssen politischen Mut beweisen und über die schrittweise geführten Diskussionen hinausgehen, um entschlossen zu handeln. Verhandlungen müssen jetzt beginnen, um ein rechtsverbindliches Instrument zur Regulierung autonomer Waffensysteme mit klaren Verboten und Beschränkungen, zu verabschieden.
Ein Versäumnis schnell und entschieden zu handeln wird Menschenleben kosten. Es wird dazu führen, dass künftige Generationen eine Welt erben, in der das Fehlen klarer und konkreter Verbote und Beschränkungen für diese Waffen die Tür für Praktiken öffnet, die jene Schutzmaßnahmen untergraben, die durch das humanitäre Völkerrecht gewährleistet werden sollen. Eine Welt, in der Rechenschaftspflicht zunehmend schwer durchsetzbar wird, da sich Verantwortung für Fehler und Verstöße gegen geltende Regeln immer schwieriger feststellen lassen.
Staaten tragen eine Verantwortung gegenüber jenen, die bereits heute unter den Folgen der gegenwärtigen Konflikte leiden, sowie gegenüber jenen, die die Welt erben werden, die derzeit gestaltet wird. Künftige Generationen werden fragen, ob die politischen Entscheidungsträger:innen gehandelt haben, als noch die Möglichkeit bestand, Grenzen zu setzen, bevor die Verbreitung dieser Waffen außer Kontrolle geriet. Die bevorstehende Siebte Überprüfungskonferenz des Übereinkommens über bestimmte konventionelle Waffen im November bietet Staaten den derzeit klarsten Weg, um zu beschließen, Verhandlungen über ein rechtsverbindliches Instrument aufzunehmen. Die mühevolle Arbeit der letzten drei Jahre bildet die ideale Grundlage für solche Verhandlungen darf nicht verloren gehen.
Wir rufen Staaten dazu auf, diesen entscheidenden Moment zu nutzen.
Die weitere Entwicklung von Waffensystemen die Kriegsführung erleichtern, wird unsere gemeinsamen Bemühungen für eine friedlichere Welt nur untergraben.
Der Weg ist klar. Der Handlungsbedarf ist dringend. Innovation muss der Menschheit dienen – nicht sie gefährden.
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