Der Beitrag Anpacken 2026 – für eine starke Gesellschaft und Demokratie erschien zuerst auf Amtage bloggt.
]]>Von Hans-Jürgen Amtage
Es ist bequem geworden, den Niedergang auszurufen. Ein Klick, ein Kommentar, ein empörter Satz – und schon ist „alles kaputt“. Doch diese Erzählung ist nicht nur falsch, sie ist gefährlich. Denn wer pauschal behauptet, unsere Gesellschaft gehe den Bach runter, liefert den staatsfeindlichen Agitatoren genau das Futter, von dem sie leben: Angst, Ohnmacht und Zynismus.
Dabei liegt die Wahrheit näher – und sie ist komplexer. Ja, wir stehen vor echten Problemen: steigende Preise, marode Infrastruktur, ein Bildungssystem unter Druck, die Transformation von Wirtschaft und Energie, Migration, Krieg in Europa. Diese Herausforderungen sind real, und sie verdienen Ehrlichkeit. Aber Ehrlichkeit heißt auch: Die große Mehrheit der Menschen in diesem Land lebt sicher, frei und mit realen Chancen. Wir haben Arbeit, soziale Sicherung, Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit. Das ist kein Zufall – das ist das Ergebnis von jahrzehntelangem Anpacken.
Gerade deshalb ist es unerträglich, wenn diejenigen am lautesten vom Untergang sprechen, die im Überfluss leben. Wer „Haus, Pferd, Harley, Boot und Gold im Safe“ besitzt und gleichzeitig behauptet, alles sei verloren, betreibt keine Kritik, sondern zersetzende Stimmungsmache. Diese Rhetorik relativiert echte Not und verhöhnt jene, die tatsächlich Unterstützung brauchen. Sie verschiebt den Diskurs weg von Lösungen – hin zu Ressentiments.
Dem müssen wir widersprechen. Klar, ruhig, faktenbasiert. Anpacken heißt hier: nicht wegsehen, nicht schweigen, nicht alles durchgehen lassen. Wer lügt, muss korrigiert werden. Wer hetzt, muss gestellt werden – nicht mit Gegenhass, sondern mit Argumenten. Das ist mühsam, ja. Aber Demokratie war nie bequem. Sie lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen: im Gespräch am Gartenzaun, im Verein, im Betrieb, in der Schule, online wie offline.
Anpacken heißt auch, die Wirklichkeit nicht schönzureden. Probleme verschwinden nicht, weil man sie leugnet. Doch sie werden lösbar, wenn wir sie gemeinsam angehen. Im Schulterschluss – zwischen Generationen, Milieus, Stadt und Land. Das erfordert Respekt und die Bereitschaft, Kompromisse zu schließen. Es erfordert, zuzuhören, auch wenn es anstrengend ist. Und es erfordert den Mut, zwischen berechtigter Kritik und destruktiver Verachtung zu unterscheiden.
Unsere Demokratie ist stark, wenn wir sie stärken. Sie wird schwach, wenn wir sie schlechtreden. Jede und jeder kann etwas beitragen: sich informieren, sich engagieren, wählen gehen, widersprechen, helfen. Es braucht nicht immer große Gesten. Oft reicht der klare Satz: „Das stimmt so nicht.“ Oder die Einladung zum Mitmachen statt zum Meckern.
Anpacken ist eine Haltung. Sie sagt: Ich übernehme Verantwortung, weil mir dieses Land wichtig ist. Ich lasse mir meine Zukunft nicht von Lauten und Lügnern erklären. Ich glaube an die Fähigkeit unserer Gesellschaft, Probleme zu lösen – weil sie das immer wieder bewiesen hat.
Die Wahl ist klar. Zusehen oder handeln. Abwinken oder anpacken. Für unsere Gesellschaft. Für unsere Demokratie. Also: Packen wir es 2026 an!
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]]>Der Beitrag In Minden reicht ein Döner für Hetz-Tiraden im Netz erschien zuerst auf Amtage bloggt.
]]>Von Hans-Jürgen Amtage
Es ist beschämend, wie tief Hassbotschaften und Alltagsrassismus inzwischen in unseren digitalen Alltag eingesickert sind. Selbst etwas so Banales wie die Neueröffnung eines Döner-Imbisses in Minden – ein Euro pro Döner, hunderte vor allem junge Menschen, gute Stimmung – wird auf Facebook zur Projektionsfläche für übelste Hetze gegen Menschen mit Migrationshintergrund. Was früher Stammtisch war, ist heute Kommentarspalte. Öffentlich, enthemmt, oft feige anonym.
Besonders bitter: Es sind längst nicht mehr nur die bekannten Schreihälse aus dem Umfeld der gesichert rechtsextremen Alternative für Deutschland. Die Grenzen sind fließend geworden. Da kommentieren Menschen, die sich selbst vermutlich als „ganz normal“ bezeichnen würden. Menschen, die tagsüber über knappe Kassen klagen, davon sprechen, dass man angeblich Leergut sammeln müsse, um über die Runden zu kommen – und die abends stundenlang an Glühweinständen und Imbissbuden auf den Weihnachtsmärkten der Region stehen. Das passt hinten und vorne nicht zusammen. Aber es wird mit großer Selbstverständlichkeit behauptet.
Dazu kommen die immer gleichen Parolen: Wir seien „nirgends mehr sicher“, „man dürfe ja nichts mehr sagen“, schuld seien die „Woken“, die angeblich dafür sorgten, dass unsere Gesellschaft den Bach runtergeht. Dieses Gerede ist bequem. Es erspart Nachdenken, Differenzierung, Empathie. Vor allem aber lenkt es davon ab, sich mit den wirklichen Ursachen sozialer Spannungen auseinanderzusetzen.
Hass im Netz ist kein Ventil, er ist Gift. Er vergiftet Debatten, verroht Sprache und senkt die Hemmschwelle, Menschen zu entmenschlichen. Wer sich einmal daran gewöhnt hat, online zu hetzen, wird auch im echten Leben kälter, härter, rücksichtsloser. Das ist keine Meinungsfreiheit, das ist moralische Verwahrlosung.
Gerade jetzt, in der Weihnachtszeit, wäre ein Innehalten angebracht. Weihnachten steht – unabhängig vom persönlichen Glauben – für Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe, für die Idee, dass Würde unteilbar ist. Schaffen wir es wirklich nicht einmal dann, auf Hass und Hetze zu verzichten? Oder ist das Beleidigen, Abwerten und Schuldzuweisen inzwischen so sehr zur Gewohnheit geworden, dass wir es kaum noch hinterfragen?
Ich bin überzeugt: Es geht auch anders. Aber es braucht den Mut, in Kommentarspalten nicht zu schweigen. Den Mut, klar zu widersprechen. Und den Willen, sich selbst zu prüfen, bevor man den nächsten zynischen Spruch tippt. Hass ist kein Naturgesetz. Er ist eine Entscheidung. Und jede und jeder von uns kann sich entscheiden, diesen Kreislauf wenigstens ein Stück zu durchbrechen.
#Hass #Hetze #Netz #SocialMedia #innehalten #Meinungsfreiheit
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]]>Der Beitrag Mensch, Maschine, Erinnerung – mein Kraftwerk-Abend in Bielefeld erschien zuerst auf Amtage bloggt.
]]>Es gibt Konzerte, die hört man. Und es gibt Konzerte, die erlebt man. Der Auftritt von Kraftwerk in der Seidensticker-Halle in Bielefeld gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie. Gut zwei Stunden lang stand ich nicht einfach in einer Konzerthalle, sondern mitten in einer präzise choreografierten Klang- und Bilderwelt – kühl, streng, faszinierend.
Mein erstes Kraftwerk-Konzert liegt mehr als vier Jahrzehnte zurück. Anfang der 1980er-Jahre, Computerwelt-Tour in Kassel. Damals standen plötzlich Roboter auf der Bühne. Keine Geste zu viel, kein Wort zu viel. Für uns war das revolutionär. Elektronische Musik hatte noch etwas Radikales, Unbekanntes. Kraftwerk wirkten wie Boten aus einer Zukunft, von der man noch nicht wusste, ob man sich auf sie freuen oder vor ihr fürchten sollte.
Und nun Bielefeld, 2025. Die Zukunft von damals ist längst Alltag geworden. Computer, Algorithmen, digitale Identitäten – alles selbstverständlich. Umso spannender ist die Frage: Funktioniert Kraftwerk heute noch? Meine Antwort nach diesem Abend: mehr denn je.
Auf der Bühne stehen vier Männer an vier Pulten. Kein Instrument im klassischen Sinn, keine Showgesten, kein Rockstar-Gehabe. Angeführt wird das Ensemble vom inzwischen 79-jährigen Ralf Hütter, dem letzten verbliebenen Gründungsmitglied. Neben ihm: Henning Schmitz, Falk Grieffenhagen und Georg Bongartz. Zusammen bilden sie eine Art Mensch-Maschine-Einheit, unterstützt von LED-Anzügen und einer riesigen Projektionsfläche, auf der Noten, Autobahnen, Raster und Schriftzüge vorbeiziehen.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist diese kompromisslose Reduktion. Kraftwerk erklären nichts, kommentieren nichts, rechtfertigen nichts. Die Musik steht für sich. Und sie funktioniert. Trans-Europa-Express, Die Mensch-Maschine, Das Model, Tour de France – das sind längst Klassiker. Doch sie klingen nicht nach Archiv, sondern nach Gegenwart. Die Beats sind druckvoller, die Flächen breiter, hier und da blitzt House oder Techno auf. Kein Bruch, kein Stilwechsel – eher eine behutsame Weiterentwicklung. Und obendrein gibt es noch eine Hommage an Hütters 2023 verstorbenen Freund, den japanischen Ausnahmekünstler Ryuichi Sakamoto, den Kraftwerk 1981 in Tokyo kennenlernte und der für Radioaktivität den japanischen Songtext schrieb.
Im Publikum sehe ich viele graue Haare – meine eingeschlossen. Aber auch jüngere Gesichter. Und das ist vielleicht die größte Leistung dieses Abends: Kraftwerk verbinden Generationen, ohne sich anzubiedern. Zwischen den Stücken herrscht oft konzentrierte Stille, fast so etwas wie Andacht. Dann wieder brandet Applaus auf, als hätte jemand einen Schalter umgelegt.
Als die Zugabe Die Roboter erklingt, habe ich nicht das Gefühl, ein nostalgisches Wiedersehen erlebt zu haben. Eher das Gegenteil. Kraftwerk erinnern daran, dass ihre Musik nie für den Moment gedacht war. Sie war immer Entwurf, Konzept, Zukunftsmodell. Vielleicht ist genau das der Grund, warum sie auch nach über 50 Jahren noch trägt.
Mein Fazit dieses Abends: Kraftwerk sind keine Band im klassischen Sinn. Sie sind ein Zustand. Und dieser Zustand ist erstaunlich stabil.
#Kraftwerk #MultimediaTour #RalfHütter #DieRoboter #Autobahn #ElectronicMusic
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]]>Der Beitrag Mut zur neuen „Schlagde“ – denn Wasser ist Leben erschien zuerst auf Amtage bloggt.
]]>Die Schlagde war in Minden lange Zeit ein Ort mit großem Potenzial – und zugleich ein Sinnbild für eine verpasste Chance. Direkt an der Weser gelegen, an einem der attraktivsten Plätze der Stadt, diente dieser exklusive Raum über Jahrzehnte hinweg in erster Linie als Parkplatz. Wo Wasser, Weite und Aufenthaltsqualität möglich gewesen wären, bestimmten abgestellte Autos das Bild. Nicht Bewegung, nicht Begegnung, nicht Verweilen – sondern Blech.
Genau hier setzt die Neugestaltung der Weserpromenade an. Sie korrigiert nach langen Planungen und zig Gutachten eine Entwicklung, die den Fluss zwar in Sichtweite ließ, ihn aber faktisch vom städtischen Leben abkoppelte. Die Weser war Kulisse für parkende Fahrzeuge, nicht Mittelpunkt eines öffentlichen Raumes. Mit der Umgestaltung wird dieser Missstand nun behoben: Aus einer reinen Abstellfläche wird ein Ort mit Struktur, Atmosphäre und Aufenthaltsqualität. Wege, Sitzbereiche und klare Raumkanten ordnen den Bereich neu, öffnen den Blick auf das Wasser und laden dazu ein, diesen besonderen Ort bewusst zu nutzen – ja, zu erleben.
Für eine Stadt wie Minden ist dieser Schritt von besonderer Bedeutung. Die Lage an der Weser ist kein Zufall, sondern Teil der Identität. Flüsse waren immer Lebensadern – wirtschaftlich, kulturell und sozial. Heute kommt eine weitere Dimension hinzu: Wasser ist Leben. Es sorgt für Abkühlung, für Ruhe, für Ausgleich. Gerade in Zeiten zunehmender Verdichtung und sommerlicher Hitze sind frei zugängliche Uferbereiche ein unschätzbarer Wert für die Lebensqualität. Dass Minden diesen Wert nun stärker in den Mittelpunkt stellt, ist ein klares Signal für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung.
Natürlich ist das Projekt nicht ohne Kritik geblieben. Der Wegfall von Parkplätzen, die Sorge vor Einschränkungen und die Diskussion um Kosten haben Teile der Bevölkerung verunsichert. Diese Einwände sind legitim und gehören zur Debatte. Umso höher ist der Mut der Verantwortlichen zu bewerten, die sich dennoch entschieden haben, diesen Schritt zu gehen. Erheblich finanziell unterstützt vom Land Nordrhein-Westfalen. Denn Stadtentwicklung bedeutet auch, Prioritäten zu setzen – und dabei nicht jedem kurzfristigen Wunsch nachzugeben, wenn langfristig ein Mehrwert für die gesamte Stadt entsteht.
Einen der schönsten Orte Mindens weiterhin als Parkplatz zu nutzen, wäre letztlich die bequemere, aber auch die mutlosere Lösung gewesen. Die Entscheidung für die Weserpromenade ist das Gegenteil davon. Sie gibt den Raum den Menschen zurück und rückt den Fluss wieder ins Zentrum des städtischen Erlebens.
Am Ende wird sich zeigen, wie richtig dieser Weg ist – nicht in Diskussionen, sondern im Alltag. Wenn Menschen an der Weser sitzen, spazieren gehen, verweilen und ihre Stadt neu erleben, dann wird deutlich: Die Schlagde ist nicht länger Abstellfläche, sondern Lebensraum. Minden nutzt damit seine größte Stärke – die Lage am Wasser. Denn Wasser ist Leben.
#weser #schlagde #minden #fluss #wasseristleben #zukunft #stadtentwicklung #lebensqualität #lebenamfluss
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]]>Der Beitrag Obermarktpassage – wie lange lässt sich Minden noch hinhalten? erschien zuerst auf Amtage bloggt.
]]>Die Obermarktpassage ist seit Jahren das sichtbarste Symbol dafür, wie eine Innenstadt an Strahlkraft verlieren kann. Wo früher Menschen einkauften, ins Konzert gingen oder andere Veranstaltungen besuchten, dominiert heute der Eindruck einer Dauerbaustelle: entkernte Flächen, verhüllte Rolltreppen, Berichte über stechenden Uringeruch.
Dass die Situation schwierig ist, bestreitet niemand. Umso größer waren die Hoffnungen, als 2020 die AIM Center GmbH aus Passau unter Geschäftsführer Robert Maier die Obermarktpassage übernahm – mitsamt der Aufgabe, aus dem Schandfleck wieder einen Magneten zu machen. Kino, Bowling, Hotel, Lebensmittler, Studentenwohnungen, Seniorenwohnen: Die Liste der angekündigten Nutzungen ist lang und bunt. Fertig sein sollte das Ganze ursprünglich „Mitte bis Ende 2022“, dann im Herbst 2024, zuletzt war von Herbst 2025 die Rede. Jetzt haben wir fast Winter, das Jahr geht zu Ende – und: nichts.
Natürlich hat die Branche erschwerte Bedingungen: Baukostenexplosion, Zinswende, verändertes Konsumverhalten. Dass Zeitpläne wackeln, ist nachvollziehbar. Aber es macht einen Unterschied, ob ein Projekt um Monate oder um Jahre aus dem Takt gerät – und wie offen ein Investor damit umgeht. In der Öffentlichkeit entsteht der Eindruck eines immer gleichen Musters: neue Präsentation, neue Visualisierungen, neue Eröffnungsdaten – doch vor Ort bleibt der Fortschritt für die meisten Mindenerinnen und Mindener schwer erkennbar. Die Tiefgarage wurde zwar teilweise wieder in Betrieb genommen, aber das große Versprechen eines belebten, modernen Stadtbausteins ist weiterhin Zukunftsmusik.
Hinzu kommt: Robert Maier ist kein klassischer „Shoppingcenter-Mann“, sondern kommt aus der Energie-, Freizeit- und Immobilienwelt, hält Beteiligungen etwa an Bädern und Hotels wie dem Wonnemar-Resort in Wismar und diversen Projektgesellschaften.
Das ist nicht per se ein Problem – aber gerade dann wäre maximale Transparenz nötig: Wo hat AIM ähnliche Revitalisierungen größerer Bestandsimmobilien bereits erfolgreich abgeschlossen? Welche konkreten Finanzierungs- und Partnerstrukturen stehen hinter der Obermarktpassage? Auf diese Fragen gibt es bislang öffentlich nur bruchstückhafte Antworten.
Mindestens genauso kritisch ist das Agieren der Stadt. Seit Jahren ist bekannt, dass die Obermarktpassage in ihrem Zustand der gesamten Innenstadt schadet. Gleichzeitig hat Minden sich strukturell von einem einzigen Investor abhängig gemacht: Stadthalle verkauft, Eigentümerstruktur bereinigt, Baurecht mit Blick auf dessen Pläne weiterentwickelt – immer mit Blick auf die große Lösung aus einer Hand.
Das kann sinnvoll sein. Aber es verlangt ein anderes Niveau an Steuerung, Kontrolle und öffentlicher Kommunikation. Spätestens jetzt müsste der Grundsatz gelten: Nicht mehr nur vertrauen, sondern verbindlich einfordern.
Denn auch das gehört zur Wahrheit: Die Obermarktpassage war schon vor AIM eine unendliche Geschichte wechselnder Eigentümer und großer Versprechen. Die Stadt darf nicht noch einmal den Fehler machen, auf Sicht zu fahren, während ein zentrales Filetstück der Innenstadt brachliegt.
Die Geduld der Bürgerschaft dürfte nach all den Jahren weitgehend aufgebraucht sein. Wer täglich an der abgewrackten Baustelle vorbeiläuft, dem helfen keine PowerPoint-Präsentationen mehr, sondern nur sichtbare Ergebnisse. Dass Robert Maier in politischen Gremien erneut um „Rückendeckung“ wirbt und zugleich Zeitpläne weiter nach hinten schiebt, verstärkt das Gefühl, hingehalten zu werden. Darum braucht es jetzt einen Kurswechsel:
Die Obermarktpassage ist zu wichtig, um sie weiter allein der Hoffnung auf einen Heilsbringer aus Passau zu überlassen. Minden muss vom Bittsteller zum Gestalter werden – sonst bleibt die Passage auch in den nächsten Jahren das, was sie heute ist: ein Mahnmal kommunaler Ohnmacht mitten in der Stadt.
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]]>Der Beitrag Das stereotype Vokabular der AfD-Klientel erschien zuerst auf Amtage bloggt.
]]>Wer sich durch Kommentarspalten klickt, in den sozialen Netzwerken unterwegs ist oder Diskussionen auf kommunaler Ebene verfolgt, stößt immer wieder auf ein erstaunlich einheitliches Arsenal an Schlagwörtern: „BRD“, „Staatsmedien“, „Altparteienkartell“, „Systemlinge“, „Globalisten“. Es sind Begriffe, die so klingen, als stammten sie aus einer düsteren Mischung aus Kaltem Krieg, Reichsbürger-Milieu und Verschwörungshandbuch – und doch fungieren sie im Kosmos der AfD und ihrer digitalen Echokammern als selbstverständliche Alltagssprache. Immer häufiger lässt sich das gerade auch auf Facebook bei Kommentatoren feststellen, die auf Posts oder Reels mit einem Bezug zu Minden reagieren.
Auffällig ist dabei weniger der Inhalt dieser Kampfbegriffe als ihre völlige Austauschbarkeit. Denn wer sich die Mühe macht, auf die konkreten Argumente hinter diesen Vokabeln zu schauen, stellt schnell fest: Es gibt sie kaum. Das Vokabular dient als Platzhalter, als Identitätsmarke, als Signal – aber nicht als Ausgangspunkt eines inhaltlichen Diskurses.
Der Rückgriff auf Begriffe wie „BRD“ ist nicht harmlos nostalgisch, sondern ideologisch. Die bewusste Vermeidung von „Deutschland“ oder „Bundesrepublik“ spielt mit revisionistischen Untertönen, die suggerieren, die Bundesrepublik sei lediglich ein Provisorium, ein „System“, das überwunden werden müsse. Es ist ein rhetorisches Werkzeug, das die Legitimität demokratischer Institutionen infrage stellen soll.
„Staatsmedien“ wiederum ist kein analytischer Begriff, sondern ein Kampfwort. Es ignoriert bewusst die Unabhängigkeit öffentlich-rechtlicher Strukturen, um pauschal Misstrauen zu säen – ohne Belege, ohne Differenzierung, aber mit maximaler Wirkung in der eigenen Blase. Dass die tatsächliche Medienlandschaft in Deutschland plural, vielfältig und häufig gerade regierungskritisch ist, spielt dabei keine Rolle.
Und beim „Altparteienkartell“ handelt es sich um die vielleicht bequemste Ausrede in der politischen Diskussion: Wer jedes Gegenargument, jede demokratische Entscheidung und jede kritische Frage als Teil eines angeblichen Kartells diffamiert, muss sich mit deren Inhalt nicht auseinandersetzen.
Es wäre falsch zu behaupten, alle AfD-Sympathisanten seien uninformiert. Aber viele, die dieses Vokabular nutzen, zeigen ein bemerkenswert stereotyperes Kommunikationsverhalten: Sie reproduzieren Formulierungen, die im AfD-Umfeld kursieren, als wären es automatisierte Textbausteine.
• „Ich habe ja nur Fragen“ – gefolgt von längst widerlegten Behauptungen.
• „Man wird ja wohl noch sagen dürfen“ – nachdem man genau das gesagt hat.
• „Die Medien verschweigen…“ – obwohl man die Information gerade aus den Medien hat.
Diese Sätze ersetzen keine Position. Sie behaupten lediglich, eine zu haben.
Das Muster ist klar: Statt einer eigenen Analyse wird die Sprache einer Partei übernommen, die selbst kaum politische Lösungen formuliert, sondern vor allem Ressentiments bedient. Die Vokabeln sind damit weniger politische Begriffe als identitäre Marker. Wer sie benutzt, zeigt Zugehörigkeit – nicht Überzeugung.
Man könnte all das als Stilblüte des digitalen Zeitalters abtun. Doch Sprache prägt Wahrnehmung. Wer permanent von „Staatsmedien“ spricht, wird demokratische Institutionen irgendwann tatsächlich als illegitim erleben. Wer Deutschland als „BRD“ bezeichnet, spielt mit anti-demokratischen Narrativen. Wer eine demokratische Parteienlandschaft als „Kartell“ diffamiert, lehnt im Kern die parlamentarische Demokratie ab.
Die Wiederholung dieser Begriffe – oft unreflektiert, oft nur nachgesprochen – wirkt wie eine ständige Erosion politischer Normalität. Es ist nicht die Lautstärke der AfD-Sprachwelt, die gefährlich ist, sondern ihre Penetranz und Gleichförmigkeit.
Gerade weil viele Nutzerinnen und Nutzer dieser Sprache keine eigenen Inhalte formulieren, ist das Vokabular so entlarvend:
Es zeigt eine politische Haltung, die sich nicht auf Ideen, Werte oder Visionen stützt, sondern auf Abgrenzung, Misstrauen und das Nachbeten vorgefertigter Erregungswörter.
In einer demokratischen Debatte braucht es Meinungsverschiedenheit, Streit, Reibung – aber es braucht auch Substanz. Wer nur stereotypische Schlagworte reproduziert, verweigert diese Substanz. Damit entzieht er sich dem demokratischen Gespräch und stabilem politischen Denken.
Das AfD-Vokabular ist kein politisches Werkzeug, sondern ein rhetorisches Beruhigungsmittel: Es gibt das Gefühl, informiert und widerständig zu sein, ohne sich der Mühe eigener Reflexion hingeben zu müssen. Doch Demokratie lebt davon, dass Menschen eigenständig urteilen – und nicht davon, dass sie sprachliche Schablonen wiederholen.
Je öfter die Schlagwörter der AfD-Klientel ohne Widerrede stehen bleiben, desto stärker normalisieren sie ein Weltbild, das auf Ablehnung statt auf Argumenten basiert. Es wird Zeit, diesen sprachlichen Automatismus nicht nur zu durchbrechen, sondern öffentlich als das zu benennen, was er ist: Ein Echo ohne Inhalt.
#NoAfD
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]]>Der Beitrag Gebt Peter Kock eine Chance erschien zuerst auf Amtage bloggt.
]]>Mit Peter Kock (SPD) hat Minden einen neuen Bürgermeister gewählt – und selten zuvor war ein Amtsantritt mit so viel Erwartung, aber auch so viel politischer Notwendigkeit verbunden. Denn Kock übernimmt nicht nur ein Amt, sondern ein strukturelles Problem: ein Machtvakuum, das sich über rund 25 Jahre hinweg im Rathaus gebildet hat. Die letzten drei Bürgermeister – aus unterschiedlichen Gründen geschwächt oder in die Defensive abgetaucht – konnten dieses Vakuum nicht füllen. Die Folge: Andere sprangen ein. Stadtkämmerer Norbert Kresse, inzwischen Beigeordneter, verstand es mit bemerkenswerter Geschicklichkeit, die Lücke zu besetzen. Die Bezeichnung „heimlicher Bürgermeister“ kam nicht von ungefähr.
Doch solche informellen Machtverschiebungen dürfen nun nicht den Ton bestimmen. Kock muss die Führung dorthin zurückholen, wo sie laut Verfassung hingehört: ins Büro des gewählten Bürgermeisters. Genau darin liegt seine historische Möglichkeit.
Und Möglichkeiten hat er viele. Nicht nur, weil mit Peter Wansing (SBM) und Lars Bursian (Bau) zwei erfahrene und als verlässlich geltende Köpfe im Verwaltungsvorstand sitzen, die trotz mancher Zurückhaltung als stabile Säulen gelten. Die „Jungs“ müssen einfach mal aus der Deckung kommen. Nicht nur, weil mit Daniela Giannone eine neue Erste Beigeordnete antritt, deren parteigrüne Herkunft ihr verziehen sei, solange sie fachlich überzeugt. Und sie scheint kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Und nicht nur, weil der neue Schul- und Kulturbeigeordnete Rainer Printz als erfahrener Verwaltungsmann sich entwickeln und einfinden wird.
Die wahre Stärke liegt tiefer – in der zweiten und dritten Reihe der Verwaltung.
Genau dort wird seit Jahren übersehenes Potenzial vermutet. Einige dieser Mitarbeitenden wurden damals unter Bürgermeister Michael Buhre in Verantwortung gebracht – nicht immer waren das die bestmöglichen Besetzungen. Ja. Aber: Sie sind da. Sie tragen Verantwortung. Und vor allem: Sie haben Fähigkeiten, die nie richtig genutzt wurden.
Wer mit Leuten aus der Verwaltung spricht, hört immer wieder das Gleiche: Diese Mitarbeitenden wollen gestalten. Sie wollen Verantwortung übernehmen. Sie wollen zeigen, was sie können – und sie warten seit Jahren darauf, dass jemand sie lässt. Dass jemand sie ernst nimmt. Dass jemand sie führt und stärkt, statt sie in starren Hierarchien verkümmern zu lassen.
In dieser Ebene sitzen Fachleute, die den Apparat in- und auswendig kennen. Projektkoordinatoren, Sachgebietsleitungen, erfahrene Verwaltungsprofis – Menschen, die Prozesse verstehen, die Schnittstellen beherrschen, die oft die eigentliche Arbeit stemmen. Menschen, die frustriert wurden, weil ihre Ideen abprallten, weil mutige Entscheidungen zurückgeschreckt wurden, weil vermutlich niemand Verantwortung delegierte, sondern sie lieber verwaltete.
Genau dort liegt Kocks größter Schatz.
Wenn es ihm gelingt, diesen Mitarbeitenden echtes Vertrauen entgegenzubringen, ihnen Spielräume zu geben, Entscheidungsbefugnisse, Wertschätzung – dann entsteht eine Dynamik, die die Verwaltung von innen heraus erneuern kann. Gerade diese Ebenen können ein machtvolles Instrument werden, wenn sie aktiviert werden. Denn sie verbinden Fachwissen mit Praxisnähe. Sie kennen die Stadt, die Akten, die Probleme – und häufig auch die Lösungen.
Peter Kock hat also nicht nur eine Chance. Er hat viele.
Er hat ein Team, das auf Aufbruch wartet.
Er hat Mitarbeitende, die nur darauf hoffen, endlich zeigen zu dürfen, was in ihnen steckt.
Er hat eine Verwaltung, die – wenn man sie lässt – ein kräftiger Motor sein kann.
Geben wir ihm diese Chance.
Und geben wir der Verwaltung die Chance, endlich durchzustarten.
Minden braucht es dringend.
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]]>Der Beitrag Wenn Schwäche zur Gefahr wird erschien zuerst auf Amtage bloggt.
]]>Ein Kommentar von Hans-Jürgen Amtage
Es ist eine Entscheidung, die mehr über den Zustand der Mindener CDU verrät, als der Partei lieb sein kann: Die Wahl von Konrad Winckler zum neuen Fraktionsvorsitzenden – und das demonstrative Ausbooten von Kathrin Kosiek. Was nach einem internen Personalvorgang aussieht, ist in Wahrheit ein Symptom tieferer struktureller Probleme: einer Partei, die inhaltlich wie personell ermüdet wirkt, orientierungslos agiert und im Rat zunehmend nur noch verwaltet, statt zu gestalten.
Dass Kosiek in dieser Runde chancenlos blieb, sagt weniger über ihre Kompetenz aus, als über die Kräfteverhältnisse innerhalb der Union. Wer moderne kommunalpolitische Positionen besetzt, wer Konflikte nicht scheut und Verantwortung sichtbar übernimmt, gilt in dieser CDU offenbar eher als Unruhefaktor denn als Zukunftsfigur. Das Ergebnis: Stillstand, Absicherung, Rückzug – und die trügerische Hoffnung, dass Ruhe schon Stabilität bedeutet.
Doch diese Ruhe ist brandgefährlich. Eine schwache CDU ist längst kein internes Problem mehr. Sie ist ein Risiko für die demokratische Kultur dieser Stadt. Denn wo die politische Mitte erodiert, wo Führung fehlt, wächst der Raum für politische Kräfte, die demokratische Institutionen missachten und Spaltung betreiben: die AfD.
Auffällig ist dabei die strategische Selbstverwandlung der AfD in Minden. Frank Dunklau, bislang eher durch provokante und teils entgleisende Wortmeldungen bekannt, gibt sich neuerdings betont sanft, sachlich, verständnisvoll – ein Schmusekurs, der Bürgerlichkeit simulieren soll. Doch die Maske bleibt dünn.
Ein Dunklau auf leisen Sohlen ist immer noch ein blau-brauner Wolf im Schafspelz.
Und Dunklau ist in Minden keineswegs allein. Noch gefährlicher für die politische Kultur ist das Wirken von Thomas Röckemann, ebenfalls AfD-Ratsmitglied – und bundesweit bekannt als enger politischer Vertrauter von Björn Höcke. Röckemann war Landesvorsitzender der NRW-AfD, trat wiederholt mit extremen Positionen hervor und gilt als einer der Knotenpunkte der radikal-nationalistischen Strömung innerhalb der Partei. Dass ein solcher Höcke-Vertrauter nun im Mindener Rat sitzt, ist ein Warnsignal erster Güte.
Denn wo Dunklau versucht, sich taktisch zu mäßigen, steht Röckemann offen für eine Linie, die der Verfassungsschutz bei Höcke als gesichert rechtsextrem einstuft. Mit ihm im Rat ist klar: Die AfD in Minden ist nicht bloß eine Protestpartei – sie ist ein Teil der radikalen, ideologisch geschlossenen Höcke-Schule, die Demokratie aushöhlt und spalten will.
Gerade deshalb darf sich die demokratische Mitte keine Schwäche leisten. Wer die politische Bühne räumt oder in internen Machtspielen versinkt, überlässt das Feld jenen, die es zerstören wollen. Wenn die Mindener CDU ihre Konflikte nicht klärt, wenn sie mutige Stimmen marginalisiert und Führung mit bloßer Selbstverwaltung verwechselt, trägt sie ungewollt zur Stärkung der AfD bei. Und das ist nicht nur ein Problem der Union – es betrifft die Zukunft dieser Stadt.
Demokratie lebt von Klarheit, Haltung und handlungsfähigen Parteien. Der Rat der Stadt Minden braucht eine Union, die wieder gestaltet statt zaudert. Denn zu viel steht gerade jetzt auf dem Spiel.
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]]>Der Beitrag 9. November: Wir erinnern uns – und wir widersprechen erschien zuerst auf Amtage bloggt.
]]>Von Hans-Jürgen Amtage
Der 9. November ist ein Datum, das Deutschland verpflichtet. Es erinnert uns an die Pogromnacht von 1938 – an brennende Synagogen, geplünderte Geschäfte, geschändete Friedhöfe, an Verletzte, Verschleppte, Ermordete. Dieser Tag ist nicht nur ein Eintrag im Kalender; er ist ein Prüfstein dafür, ob wir heute begreifen, was damals geschah – und ob wir bereit sind, daraus Konsequenzen zu ziehen. Wer heute gedenkt, muss zugleich handeln: gegen Antisemitismus, Rassismus, Menschenfeindlichkeit – und gegen ihre neuen, lauten wie leisen Formen in unserer Mitte.
Gerade in Minden und im Kreis Minden-Lübbecke erleben wir, wie gesichert rechtsextreme Kräfte wie die #AfD, die bei uns im Mühlenkreis in weiten Teilen dem faschistischen Höcke-Umfeld zugerechnet werden kann, wieder salonfähig werden wollen: im Netz, auf der Straße – und auch in kommunalen Gremien. Die Kommunalwahlen im September haben die Räte und den Kreistag neu zusammengesetzt; Mehrheiten sind brüchiger geworden, der Ton rauer, das Klima konfrontativer. Wer dort Verantwortung trägt, muss diese Verantwortung jetzt sichtbar wahrnehmen – nicht nur in Sonntagsreden, sondern in Abstimmungen, in Anträgen, in klaren Abgrenzungen. Demokratie bewährt sich im Alltag der Kommunalpolitik.
Besonders bedrückend ist die Verrohung im digitalen Raum. Unter Berichten über den Holocaust, über Auschwitz, über die Namen und Gesichter der Ermordeten tauchen lachende Emojis auf – ein kalter Hohn, der die Würde der Opfer verletzt und die Hemmschwelle weiter senkt. Das sind keine „dummen Späße“. Es ist kalkulierte Entmenschlichung in Kleinformat, tausendfach wiederholt, bis sie normal wirkt. Wo demokratische Parteien in unserem Kreis gemeinsam gegen rechtsextreme Anfeindungen und Hetze Stellung beziehen, ist das kein Symbolakt, sondern gelebte Brandmauer – und die braucht es.
Wir müssen außerdem über die Sprache sprechen. Worte sind kein Nebenschauplatz; sie sind Vorfeld und Versuchsanordnung der Tat. Wer Menschen systematisch entwertet – Jüdinnen und Juden, Geflüchtete, politische Gegner –, wer mit Gewaltfantasien spielt oder „nur“ mit ihnen kokettiert, verschiebt Grenzen. 1938 begann der Pogrom nicht aus heiterem Himmel; ihm waren Jahre der Hetze, der Herabsetzung, der gesetzlichen Diskriminierung vorausgegangen. Deshalb gilt: Ob Drohungen von rechts, Verharmlosungen des Nationalsozialismus oder widerwärtige „Witze“ über Gaskammern – all das ist kein Meinungssport, sondern ein Angriff auf die Menschenwürde und auf die Grundpfeiler unserer Ordnung. (Dass es solche Entgleisungen in der deutschen Debatte 2025 gibt, ist belegbar – und in jeder politischen Richtung inakzeptabel. Entscheidend ist, dass Demokratinnen und Demokraten sie überall und ausnahmslos zurückweisen.)
Was folgt daraus – konkret, hier vor Ort?
1. Klare Kante in Räten und Ausschüssen. Keine gemeinsamen Anträge, keine Koalitionen, keine Hinterzimmer-Deals mit Rechtsextremen. Die Brandmauer ist kein Zierband; sie ist Statik. Wer sie aufweicht, übernimmt Mitverantwortung für den Schaden.
2. Konsequente Moderation und Gegenrede im Netz. Kommunen, Vereine, Medien und Zivilgesellschaft brauchen Regeln und Routinen gegen hetzerische Kommentare: dokumentieren, melden, löschen – und vor allem: widersprechen. Schweigen normalisiert.
3. Erinnern als Gegenwartskultur. Gedenkveranstaltungen, Stolperstein-Biografien, Besuche von Zeitzeugnissen, Kooperationen von Schulen, Kirchen, Vereinen: Wer Namen nennt und Geschichten erzählt, macht die Würde der Opfer wieder hörbar – und immunisiert gegen die Enthemmung.
4. Schutz für Betroffene – Haltung für alle. Wer angefeindet wird, darf nicht allein gelassen werden: antisemitische, rassistische, antidemokratische Vorfälle müssen erfasst, angezeigt und öffentlich thematisiert werden. Gleichzeitig müssen wir den Vielen den Rücken stärken, die sich engagieren: in Initiativen, Kultur, Sport, Jugend- und Bildungsarbeit.
5. Politische Bildung – nicht als Nische, sondern als Infrastruktur. Schulen brauchen Zeit, Materialien, Fortbildungen; Städte brauchen Partnerschaften mit Gedenkstätten und Museen; Vereine und Kirchengemeinden brauchen verlässliche Förderung für Projekte, die Haltung üben. Demokratie ist kein Naturzustand. Sie ist ein Handwerk, das man lernt – oder verlernt.
Der 9. November zwingt uns, beides zusammenzusehen: das Erinnern und das Entscheiden. Es reicht nicht, Kränze niederzulegen und Kerzen anzuzünden, wenn wir gleichzeitig zulassen, dass Menschenfeindlichkeit im Alltag Hof hält, sich in Räten wie in Minden einrichtet, in Kommentarspalten Beifall bekommt. Wir brauchen die Empathie der Einzelnen – und die Robustheit der Institutionen. Wir brauchen die leise Zivilität im Umgang – und die laute, deutliche Grenze gegenüber Verächtern der Menschenwürde.
„Nie wieder“ oder „Niemals vergessen“ sind keine Sätze über die Vergangenheit. „Nie wieder“ ist Gegenwartsarbeit. Hier. Heute. In Minden und im Mühlenkreis. Und sie beginnt mit einem einfachen, schwerwiegenden Wort, das jede und jeder von uns sprechen kann – im Rat, im Verein, im Netz, am Stammtisch: Nein!
Der Beitrag 9. November: Wir erinnern uns – und wir widersprechen erschien zuerst auf Amtage bloggt.
]]>Der Beitrag Stichwahl in Minden: Bekenntnis zur Mitte der Gesellschaft erschien zuerst auf Amtage bloggt.
]]>In Minden stehen sich am kommenden Sonntag mit Kathrin Kosiek (CDU/29,6%) und Peter Kock (SPD/40,4%) zwei Pädagogen in der Stichwahl um das Bürgermeisteramt gegenüber – ein Gewinn für die demokratische Kultur der Stadt, könnte man meinen. Doch in den sozialen Medien zeigt sich eine andere Seite: Vor allem Anhängerinnen und Anhänger der AfD und einer eigentlich bedeutungslosen freien Wählgemeinschaft versuchen, die Kompetenz beider Kandidaten pauschal infrage zu stellen.
Dass der Kandidat der AfD, ein Verwaltungsbeamter, nicht in die Stichwahl gekommen ist, wird dort als verpasste Chance bedauert. Er sei unabhängig und könne in Minden aufräumen, heißt es. Doch solche Narrative sind gefährlich: Denn hinter vermeintlicher Unabhängigkeit steht eine Partei, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft ist. Wer hier von Aufräumen spricht, meint oft nicht konstruktives Gestalten, sondern ein ideologisch motiviertes Zerstören demokratischer Strukturen und mühsam erarbeiteter Kompromisse.
Es ist das gute Recht (und eine Pflicht), die Kandidaten kritisch zu befragen und ihre Fähigkeiten zu diskutieren. Aber es ist eine bewusste Verzerrung, Lehrerinnen und Lehrern pauschal politische Kompetenz abzusprechen und sie als „Schulmeisterchen“ zu diskreditieren. Denn die an Schulen tätigen Pädagogen sind angesichts der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung der vergangenen drei Jahrzehnte häufig viel dichter an der Lebenswirklichkeit dran, als ein Sachbearbeiter in seinem Verwaltungsbüro. Gerade wer jahrelang in Schule Verantwortung trägt, wie das bei beiden Kandidaten der Fall ist, Konflikte löst und Generationen bildet, bringt Fähigkeiten mit, die in einer Stadtspitze gefragt sind: zuhören, vermitteln, führen.
Die Stichwahl ist keine Bühne für die Selbstinszenierung einer rechtsextremen Partei und ihrer Mitläufer, sondern eine Entscheidung darüber, wem die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Minden ihre demokratische Zukunft anvertrauen. Und das ist mehr als eine Randnotiz in sozialen Netzwerken – es ist ein klares Bekenntnis zur Mitte der Gesellschaft.
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