Zwar bin ich an sich nicht begeistert von unserer Konsumgesellschaft und überlege mir sehr wohl, ob ich ein Marketing-Trendwort verwende oder nicht. Aber der Internetsuchdienst Google und die VoIP-Software Skype gehören nicht zu denen, denen ich aus Überzeugung unbedingt sprachliche Repression angedeihen lassen muß.
Ich kann mir Skype z.B. kostenlos herunterladen und dann meine Schwiegereltern in den USA über IP anrufen. Ich zahle dann kein Auslandsgespräch, sondern lediglich die Kosten für die laufende Internetverbindung. Außerdem kann ich mein Video mitschicken. Oma und Enkel können sich dann beim Telefonieren auch gleich noch sehen und zuwinken. Ohne Skype-Werbung machen zu wollen – ich finde das großartig. Da breche ich mir doch keinen ab, skypen zu sagen, anstelle von: über IP kostenlos von Computer zu Computer videotelefonieren mit Hilfe der Sofware Skype.
Dass die Deutschen Fremdworte nun schneller adaptieren als ausgerechnet die Franzosen, könnte daran liegen, dass sie weniger muttersprachverliebt sind, dass es ihnen aus historischen Gründen an dem nötigen Nationalstolz mangelt, um ihre Landessprache mit Händen und Füßen zu verteidigen und vielleicht sind sie ja auch einfach weltoffener als die Franzosen oder wollen sich durch ihren Sprachgebrauch zumindest so darstellen.
]]>Sicher steht derjenige, der nicht weiß, was skypen, googlen und voipen ist, demjenigen, der es weiß, in diesem Punkt an Bildung nach. Was nicht heißt, dass er generell ungebildet wäre. Genausowenig ist aber genrell sprachunsensibel, wer Handy und downloaden in seinem aktiven Wortschatz führt. Ob ihr es glauben wollt oder nicht, man kann sich mit diesen Worten tatsächlich sinnvoll verständigen und es kommt keinem sprachlichen Sittenverfall gleich, es zu tun.
Es geschieht nicht aufgrund politisch motivierter Gedankenmanipulation, dass wir diese Worte benutzen, sondern ist, wie schon erwähnt, gesellschaftlich gewachsen. Skypen, googlen und voipen beziehen sich auf technische Erfindungen, die es vorher so nicht gab. (Ebenso mußte das Telefon einen Namen kriegen, als es erfunden wurde.) Die übrigen Wörter sind aus einer sogenannten Weltsprache entlehnt. Eine Kritik im Sinne des LTI halte ich deshalb für inakzeptabel und fehl am Platze.
]]>Sprache ist, auch das ist nicht neu, ein Spiegel unseres Denkens. Deshalb ist vollkommen klar, dass sie auch politische oder wirtschaftliche Dimension hat. Wenn mir die Idee hinter einer Vokabel nicht paßt, dann nutze ich sie nicht und eventuell beklage ich, dass diese oder jene Institution so starken Einfluß auf den Sprachgebrauch hat. Aber ich stelle mich nicht hin, wie Herrn Lischka, und beweine den allgemeinen Sprachverfall.
Es hat nichts mit einem schlampigen Gebrauch des „Kulturgutes“ Sprache zu tun „downloaden“ zu sagen. Es hat, wie du richtig bemerkst, etwas mit Sozialisierung und kultureller Identifikation zu tun. Ich mag muttersprachlich deutsch verankert sein, aber der kulturelle Einfluß, den die zunehmende Technisierung unserer Gesellschaft bewirkt, ist ebenfalls ein nicht wegzudiskutierender Teil meiner Sozialisierung. Ich skype mit einem Buddy aus Brasilien, google die URI eines französischen Podcasts und poste einen Issue in ein Supportforum – natürlich auf Englisch, damit auch jene Member, die nicht deutsch sprechen, eine Chance haben, mich zu verstehen. Das ist die Kultur, in der ich lebe und in der ich mich sprechend bewege. Ich sehe keinen Grund für Unmut und Klage über kulturellen Verfall.
]]>Zweierlei dennoch: Was „natürliche Sprachentwicklung“ ist werden wir erst in größeren Abständen wissen. Wer weiß denn,
ob es in 5 Jahren überhaupt noch eine Firma Google gibt und wir dann nicht möglicherweise anfangen zu „millern“ statt zu „googlen“?
Den Winkelementen, der Brigadeversammlung, dem Telespargel, dem Rahmenkollektivvertrag
aus DDR-Zeiten hat die Geschichte den Garaus gemacht – im Tempo der Globalisierung wird anderen Begriffen ein weit kürzeres Leben beschieden sein. Es ist jetzt schon absehbar, dass in zehn Jahren kaum noch einer weiß, was eine Diskette ist.
Insofern bin ich sehr vorsichtig damit, jeden Trend gleich als etwas Natürliches zu beschreiben. Hinter den Begriffen stehen oft nur politische oder wirtschaftliche Interessen. Verankern werden sie sich langfristig nur dann, wenn sie mit echten Bedürfnissen der Menschen einhergehen.
Zum Thema Nationalstolz – damit meine ich mitnichten irgendeine politische Dimension.
Also nicht die Frage, ob ich mich mit dem politischen System der Bundesrepublik identifiziere. Sondern schlicht die Tatsache, dass mich als muttersprachlich deutsch veranktertem und kulturell in erster Linie in diesem Sprachraum sozialisiertem Mensch immer wieder ein gewisser Unmut überfällt, wenn ich den schlampigen Umgang mit dem Kulturgut Sprache betrachte, der einem vielfach zugemutet wird.