
Auf drei großen Leinwänden im Raum wird die Stadt mittels längerer Abfolgen von Bildern in den Raum reingeholt, manche versehen mit kurzen erklärenden Texten. Es fühlt sich an, wie durch die Stadt zu laufen und zu schauen, was Leute da so an den Wänden kommunizieren und hinterlassen. Für Menschen, die viel in Neukölln unterwegs sind, wird es in jedem Fall das „ah, das kenne ich doch, das ist bei mir gleich um die Ecke“-Gefühl auslösen. Wer verweilen mag, bekommt einen rauschenden Überblick von vielen verschiedenen Hinterlassenschaften im öffentlichen Raum der Jahre 2024 und 2025 in Neukölln zu sehen.

Gerahmt werden die drei Seitenwände der Ausstellung mit Fotos von den Fotokünstlern Jürgen Hohmuth und Maximilian Meisse mit verschiedenen Blickwinkeln auf präsente Graffiti im Stadtraum. Tanja Schnitzler, die dritte Fotokünstlerin, hat sich dem ganzen Thema menschlich genähert. Von ihr sind unter anderem die Foto-Portraits der sieben Künstler*innen und Crews, die in den im Raum stehenden „Kabinen“ näher vorgestellt werden – sie hat mit ihren Fotos die nahbaren Menschen, die in der Anonymität arbeiten, in den Fokus gerückt.

Verteilt im Raum finden sich Kabinen, in denen sieben verschiedene Akteure vorgestellt werden, die Streetart und/oder Graffiti in Neukölln machen, mehr oder weniger lang. Gezeigt werden ein Foto-Portrait – anonymisiert oder mit offenem Gesicht, mehrere Fotos von ihren Interventionen im öffentlichen Raum, einem Objekt, das sie mitgebracht haben und Kernstück sind die Interviewtexte, die aus zum Teil mehrstündigen Interviews geschrieben wurden. Sie bieten konkrete Einblicke in ganz verschiedene Motivationen und Vorgehensweisen, sich im öffentlichen Raum zu äußern. Von Adbustings von DIES IRAE (instagram), über die Unicorns von Roy Draws (instagram), die Korkmenschen auf Straßenschildern von Joy Fox, die Kommentare und Gedanken von faucht! zum Thema Stadt, die mich zum Nachdenken anregen, die konkret abstrakten Vulven auf Fliesen von Frau Bischoff (instagram), bis hin zu den Graffiti der FLINTA*-Crew PMS (instagram) und die weiß-Blauen Hertha-Fußball-Graffiti von HM03.

An der vierten Wand hängt eine persönliche Stadtführung in Fotos von mir durch Neukölln und durch die Zeit, ab 2004.

ZEICHEN.SPRACHEN.STADTRAUM.
Graffiti und Streetart in Neukölln.
Unter der Leitung von Matthias Henkel, kuratiert von Anika Birker und Lisa Hirsch.
Museum Neukölln
Alt-Britz 81, 12359 Berlin
Das Format MUSEUM IM DIALOG bietet kuratierte Spaziergänge durch Neukölln (mit mir :-)), Führungen durch das Kurator:innenteam und inhaltliche Diskussionsveranstaltungen.
Zwei Streetart- und Graffiti-Führungen stehen an:
Sonntag, 12.04.2026 um 11 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos, aber eine Anmeldung erforderlich über die Webseite der Volkshochschule Neukölln – die Anzahl der Teilnehmenden ist begrenzt.
Sonntag, 10.05.2026 um 11 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos, aber eine Anmeldung erforderlich über die Webseite der Volkshochschule Neukölln – die Anzahl der Teilnehmenden ist begrenzt.
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SAME SHIT – die Normalisierung von Ausgrenzung, Ungleichheit, Gewalt, Hass, Naziparolen, faschistischen Einstellungen, Verschärfung der Migrationspolitik, Abschottung, Abschaffung des Asylrechts, über Bordwerfen grundsätzlicher menschlicher Werte … mir reicht’s und zwar gehörig! Der Rechtsruck der letzten Jahre zeigt seine immer groteskere Fratze und was alles an rassistischen und ausgrenzenden Äußerungen salonfähig geworden ist, da kommt mir das große Kotzen. Gerade mal 80 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz. Wie geschichtsvergessen können wir bitte sein?! Jede’r von uns ist gefragt, eine klare Haltung zu vertreten und das Schweigen zu rechten Sprüchen und ausgrenzenden Verhaltensweisen aufzubrechen.
Ein paar Ideen:
Der Streetart-Künstler LAPIZ (hier zu meinem Interview mit ihm von 2016), zusammen mit Lenas Wonderland, stellt kostenlos Material zur Verfügung, um sichtbar gegen die AfD zu protestieren und die Partei zu entlarven als „same shit„, wie damals 1933: „Die Bundestagswahl steht vor der Tür und so auch die Rechten und ihre Vertreter*innen. Wir möchten dem etwas entgegensetzen und allen die Möglichkeit geben, sich an einem friedlichen, antifaschistischen Protest zu beteiligen. Dafür haben wir Poster- und Stickermotive vorbereitet, die ihr euch zum Selbstausdrucken herunterladen könnt oder die wir euch schicken (dabei fallen nur Verpackungs- und Versandkosten an, damit es sich jeder leisten kann).“ Spenden und Kunstkäufe sind willkommen.
AfD-Verbot jetzt. Eine unterstützenswerte Aktion des Zentrums für politische Schönheit: „Wir haben 2.400 Beweise für die verfassungsfeindlichen Bestrebungen der „AfD“ gesammelt. Damit dürfte der Antrag auf das Parteiverbot erheblich beschleunigt werden. Wir betreiben hier das weltweit umfangreichste Archiv zur „AfD“. “ Was braucht es eigentlich noch, um endlich ein AfD-Verbotsverfahren in die Wege zu leiten?!
Zu Merz, Söder und Co von der CDU… dass sie antifeministisch, LGBTQI*- und menschenfeindlich eingestellt sind, sich nicht für’s Klima einsetzen und fossile Industrien fördern ist nix Neues und ihr ätzendes Gerede auch nicht… aber dass sie jetzt auf die Stimmen der AfD setzen, um politische Ziele zu verfolgen, da ist sowas von einer dicken fetten roten Linie überschritten!
Leute, zeigt euer Gesicht und geht demonstrieren. Überall bundesweit finden Demos statt. In Berlin war eine Großdemonstration unter dem Motto „Aufstand der Anständigen – Wir sind die Brandmauer“ am Sonntag, den 02.02.25 um 15 Uhr auf der Reichstagswiese hin zur CDU-Parteizentrale: „CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz macht gemeinsame Sache mit der AfD: Er setzt im Bundestag seine Abschottungspolitik durch – mit den Stimmen der Rechtsextremen. Doch wir sagen Nein! Mit Zehntausenden Menschen ziehen wir am Sonntag, 2. Februar, vom Reichstag vor die CDU-Zentrale. Gemeinsam bilden wir eine unumstößliche Brandmauer gegen Rechtsextremismus, Hass und Menschenfeindlichkeit.“
Das Thema klare Kante gegen rechts ist ja leider kein neues Thema und viele verschiedene Menschen setzen sich seit vielen Jahren dafür ein. Sichtbaren Protest gibt es auf der Straße in Form von Antifa-Spruchgraffiti und -Stickern, öffentliche Personen wie Jan Böhmermann, Marc-Uwe Kling, Yok Pocketpunk (Quetschenpaua, Tod und Mordschlag, Revolte Springen,…), Sookee, viele Aktivist*innen, manche Politiker*innen und so viele andere Menschen sind nimmermüde linke Themen und Antifaschismus klar zu benennen. Hier ein nachdrücklicher Beitrag von Jan Böhmermann – wen man am 23.02. wählen könnte (instagram). Es gäbe noch viel mehr zu sagen zu diesem Thema … hier im Blog gibt’s auch eine Kategorie „Antifaschismus“.
Und noch ein Hinweis auf die neue Protest-Ausstellung im Jugendmuseum Tempelhof-Schöneberg… in der die Besucher*innen eingeladen werden, sich Gedanken zu machen, welche Themen ihnen am Herzen liegen und wofür sie laut protestieren möchten.


Protest äußert sich vielseitig, bunt und auf so viele verschiedene Weisen. In der Vergangenheit, wie heute.
Die neue Dauer-Ausstellung im Projektspace im Keller des Jugendmuseums Tempelhof-Schöneberg zeigt anhand vieler praktischer Beispiele Äußerungen von Protest. Sie lädt unter dem Titel „Protest. Einmischen. Laut werden. Verändern.“ die Besucher*innen dazu ein, „sich mit den eigenen Ansichten und Anliegen auseinanderzusetzen und die Bedeutung von Protest in der heutigen Gesellschaft zu reflektieren. Gemeinsam können die Jugendlichen neue Perspektiven entwickeln und ihre Stimme für die Themen erheben, die ihnen am Herzen liegen.“

Bei der Konzeption, Recherche von Exponaten und dem Schreiben von Texten im „Kunstraum“, der sich im speziellen Protest-Parolen in Form von Graffiti und Streetart widmet, waren ich und mein Projektpartner als ReclaimYourCity und Archiv der Jugendkulturen beteiligt. Ein spannendes Projekt für mich in 2024 :-)!

Neben Original-Werkzeug, das die antifaschistische Menschenrechts-Aktivistin Irmela Mensah-Schramm zur Entfernung von Nazi-Schmierereien nutzt (im Kasten links), findet sich eine Tischtennisplatte, auf der Platz für Parolen der Besucher*innen ist, ein mit handverlesenen politischen Stickern voll geklebter Mülleimer der BSR, wie er aus dem Stadtbild der meisten Bezirke kaum wegzudenken ist, sowie ein Touchscreen, der (von mir geschriebene) vertiefende Texte sowie Bilder von spannenden Aktionen und Parolen enthält!

In der Doku des Touchscreens finden sich eine Reihe von Protest-Parolen-Beispiele unter dem Titel „Graffiti“, sowie Hinweise auf konkrete Orte in Berlin, an denen legal Graffiti gesprüht werden kann („legale Malorte“), nebst einer Karte, schwerpunktmäßig im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, aber auch über die Bezirksgrenzen hinweg!

Neben dem Screen ist das Symbol der ersten“Der Schlüssel zur Stadt“-Intervention von Rocco und seine Brüder zusammen mit Dies Irae zu sehen, das auf ihre Aktion verweist, bei der sie an verschiedenen Bahnhöfen wie z.B. Innsbrucker Platz, Care-Tüten für obdachlose Menschen verteilt haben, die neben Verpflegung und wärmenden Decken auch den Generalschlüssel zu den U-Bahnhöfen der BVG enthielt.

So…ich verrate natürlich nicht alles Tolle, was es sonst noch in der Ausstellung zu sehen gibt! Aber ich teasere mal an, dass es einen eigenen Raum zu Protest-Plakaten nebst uralter Druckerpresse zum Selbstdrucken gibt… und einen superspannenden Raum zu Protest-Songs, im Ton-Studio die technischen Möglichkeiten selbst Podcasts aufzunehmen, verkleidet Selfies zu schießen,… und richtig coole Schwarzlicht-Graffiti zu malen!

Wer nun Lust auf mehr hat, sei herzlich eingeladen vorbeizukommen im Jugend Museum (Hauptstraße 40/42, 10827 Berlin)
Öffnungszeiten:
Sa bis Do 14–18 Uhr
Fr 9-14 Uhr
Für Schulklassen und Gruppen nach Voranmeldung
Mo bis Do 9–14 Uhr und nach Vereinbarung
Tel. 030–90277-6163 (Sekretariat)


Letzte Woche war es soweit… Hera of Herakut malte das erste Street Art-Wandbild von Kulmbach (Oberfranken) an die 10m hohe Wand des Parkhauses Basteigasse!

Auf Einladung der Initiative liebenswertes Kulmbach hatte ich die künstlerische Leitung übernommen und die international bekannte und gefeierte Hera aus Frankfurt eingeladen. Es war beeindruckend und schön mit ihr zusammen auf dem Hubwagen in luftiger Höhe zu stehen :-).

Den Entstehungsprozess zu begleiten fand ich voll spannend. Hier aus ebenbürtiger Perspektive aus dem Parkhaus heraus.

Einige von Heras Spezialitäten in ihrer Kunst sind die extrem fotorealistisch gemalten lebendigen Augen ihrer Figuren, die die Betrachter*in mit dem Blick überallhin verfolgen…

…und die offensichtliche jahrelange Mal-Erfahrung, sowie großartiges Können, engagierte Botschaften und eine klare Haltung.

Wirklich beeindruckt haben mich die Freihand-Vorskizzen per Teleskopstange und kleiner Farbrolle direkt vor dem Bild an der Wand und das in unglaublicher Geschwindigkeit!

Lokale Jugendliche konnten sich auch beteiligen und haben den Spruch im unteren Teil des Bildes an die Wand gebracht – dazu weiter unten mehr.

Kooperativer Spruch auf Oberfränkisch!

Die Augen und die Knöpfe an der Weste spiegeln die Umgebung – das Haus gegenüber! Der hier auf dem Wandbild dargestellte Mensch trägt die traditionelle Kleidung der Büttner – die Männer, die früher die (Bier-)Fässer aus Holz gebaut haben (Kulmbach hat viele Brauereien und am Bahnhof wurde ich auf einem Schild in der „Bierstadt Kulmbach“ willkommen geheißen). Heute ist vor allem der Büttnertanz davon erhalten geblieben, der zum Auftakt des jährlichen Bierfests getanzt wird. Die Tracht und der Tanz dürfen bis heute nicht von Frauen* getragen und getanzt werden! Hera hat sich entschieden, einen Menschen in dieser Tracht darzustellen, dessen Geschlecht nicht näher definiert ist und damit eine Ansage an die Traditionen ist.

Von der Höhe der Plassenburg aus ist das Mural in der Skyline von Kulmbach fortan gut sichtbar!

Sowas hatte die Stadt bisher nicht gesehen und viele Menschen – jung bis alt – kamen vorbei, um neugierig zu gucken. Die Begeisterung der Leute vor Ort war unisono riesig und das freut mich sehr, denn schließlich leben sie nun in Zukunft mit dem 10m hohen Mural! Es wurde viel über das Wandbild im Radio (hier + hier) und in der Lokalzeitung berichtet.

Das Wandbild wird von drei Textfeldern gerahmt. Einmal steht oben auf Englisch die Frage: „What if old could learn from young could learn from old?“ und links unten auf Hochdeutsch: „Was wäre wenn alt von jung von alt lernen könnten?„und unter’m Bild die Antwort von den lokalen Jugendlichen geschrieben und den älteren Kulmbachern auf Oberfränkisch buchstabiert: „Es wär fei schö, wenn alla vo alla lerna könneran?“ (= Es wäre voll schön, wenn alle von allen lernen könnten).
Heras Kunst zeichnt sich nicht nur durch die charakteristisch gemalten Figuren aus, sondern ebenfalls durch die engagierten Nachrichten, die sie dazu schreibt. Im Interview mit dem lokalen Radio sagt sie dazu: „Ich bin die ganze Zeit unterwegs. In großer Höhe auch. Und darf da als kleiner einzelner Mensch Nachrichten verbreiten. Also, wer hat denn so ne Bühne? Also das ist großartig. Das muss man nutzen, solche Gelegenheiten.“ (sic)
Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass wir mit all der Begeisterung für diese Wandmalaktion noch weitere Streetart-Events in Zukunft in Kulmbach und Umgebung organisieren können!
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Mein persönlicher Ausstellungstipp des Jahres 2024! Voll spannend … kollektiv, partizipativ und im Dialog. Also nix wie hin!!!
Am 25.06.2024 findet die Vernissage statt und die Ausstellung läuft bis zum 15.06.2024 in den Räumen der Galerie neurotitan.
Es findet auch ein reichhaltiges Rahmenprogramm (etwas runterscrollen) statt, das ganz verschiedene Aspekte feministischer Perspektiven auf Stadt beleuchtet.
Hier die offizielle Ankündigung:
„Feministische Künstler*innen gestalten den Stadtraum und malen für eine gerechte und inklusive Stadt. Einblicke in ihre Projekte und Kämpfe zeigt die Netzwerk-Ausstellung
In der Galerie neurotitan entsteht eine begehbare und transformierbare Stadtlandschaft, die feministische Utopien darstellt und damit erfahrbar macht. Das Netzwerk Feminist City Utopia lädt zur partizipativen Ausstellung ein, um gemeinsam Vorstellungen einer feministischen Stadt an die Wände zu malen, zu bauen und zu diskutieren.
Das bestehende Netzwerk ist aus Gruppen der Graffiti- und Urban Art-Kultur hervorgegangen, allerdings wollen wir die Einladung ausweiten auf alle visuellen Aktionen und Aktionsformen im öffentlichen Raum. Wir wollen feministische Ideen der Alltagsgestaltung zeigen, d h. gemeinsame und sich gegenseitig berücksichtigende Praxen hervorheben, dokumentieren und vor Ort erleben.
Das derzeitige Leben an sich ist polarisiert, konfliktreich und von Männerdominanz sowie patriarchaler Gewalt geprägt. Dieser Ist-Zustand spiegelt sich in der räumlichen Gestaltung der Ausstellung wider.
Räumliche Elemente greifen Themen wie Gewalt gegen FLINTA*, fehlende Räume und Infrastrukturen wie auch Ausschlussmechanismen auf. Diesen werden intersektional-feministische Gegenentwürfe, Vorstellungen und Utopien gegenübergestellt. Kunstwerke dienen dabei als Vermittlung und Manifestationen von Optimismus und Empowerment. Andere Städte sind möglich und dies bedeutet im Rahmen der Ausstellungen gerechte und inklusive Städte.
Die Ausstellung ist als Netzwerk-Ausstellung konzipiert. Künstler*innen, Projekte und Einrichtungen sind eingeladen, sich durch Beiträge zu beteiligen. Feministische Sichtweisen bedeuten für uns auch, gemeinsam Spaß zu haben und uns miteinander zu verbinden. Genauso wie es innerhalb der Ausstellung viel Raum für Austausch und miteinander Kunst machen gibt, ist auch das Rahmenprogramm dahingehend ausgelegt, sich über Kunstpraktiken kennenzulernen, Ideen und Vorstellungen zu teilen und gemeinsam in Aktion zu treten. Kommt vorbei!
Die Ausstellung und die geschaffenen Räume sind größtenteils barrierefrei, manche aber auch bewusst sich verengend angelegt, um ausschließende Infrastrukturen aus der realen Welt zu repräsentieren und emotional für die Besuchenden erfahrbar zu machen.

KÜNSTLER*INNEN
Künstler*innen von Feminist City Utopia zusammen mit:
Alice Dee | Chili con Carne | Eva Kietzmann | Helena Her | HUNita | Julia Nägeli | Lea Greub | Lena Fakler | Lena Stoehrfaktor | Lulia Ghirmay | Petra Kübert | PMS | qnep | Reclaim Your City | Sandra Rummler | Sbrama | Süß-Bande | Vlada und vielen mehr &
REFERENT*INNEN
Christoph May – Institut für Kritische Männlichkeitsforschung | Der Periodenladen | Emanzipatorisches Verhütungskollektiv Leipzig | Feminist Park Collective | Missoir | Susanne Fitzek – Sammlung 1 Berlin, Playboys-Kalender, Hypergraphia Festival“
Galerie neurotitan, Haus Schwarzenberg, Rosenthaler Straße 39, 10178 Berlin (geradeaus bis zum letzten Hof und dort durch die Tür in den 1. Stock die Treppe rauf)
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An der Grenze von Kreuzberg und Mitte auf der Heinrich-Heine-Str. ist ein riesiges an die Hauswand gemaltes Gesicht weithin sichtbar. 2015 hat das Berliner Künstlerduo Various&Gould das 350qm große Bild gemalt. Nun steht es aktuell in Gefahr übermalt zu werden. Im Zuge des Berlin Marathons an diesem Wochenende soll dort ein kommerziell-künstlerisches neues Wandbild im Auftrag einer Berliner Werbemural-Agentur drübergemalt werden. Dagegen wehrt sich das Duo. Auf instagram und per Pressemitteilung sind sie am 20.09.2023 an die Öffentlichkeit gegangen und erfahren rege Unterstützung von vielen Menschen und speziell aus der Streetart- und Kunstwelt.

„(E)s geht uns nicht nur um unser Werk, sondern ganz allgemein um die Gefährdung von Kunst im öffentlichen Raum durch Werbung. Ob wir unser Wandbild noch retten können, wissen wir nicht. Aber indem wir es versuchen, können wir zumindest in der Öffentlichkeit ein breites Bewusstsein dafür schaffen und somit womöglich andere Kunstwerke in der Stadt vor einem ähnlichen Schicksal bewahren. (…)
Soweit wir wissen, darf an diesem Ort kein Werbewandbild entstehen. Ob die geplante Übermalung unseres Wandbildes einen künstlerischen oder werblichen Charakter haben wird, werden wir erst sehen können, wenn es bereits zu spät ist.“ (aus der Pressemitteilung vom 20.09.2023)
Various&Gould arbeiten seit 2005 zusammen und werfen in all ihrem Schaffen wichtige gesellschaftliche und individuelle Fragen auf (mehr zB auf wikipedia). In einem Interview 2015 im Spiegel erklärt Various, worum es bei der Reihe „Face Time“ mit den zusammengesetzten Gesichtern geht: „Um Identitäten, Schönheitsideale und die Frage nach Geschlechtern. Wir versuchen Vorurteile aufzulösen, aber hinterfragen auch das Selbstverständnis von Geschlechtern. Wir kreieren neue Charaktere, die interessant aussehen. Das irritiert meist erstmal – aber daran erkennt jeder für sich, wo er Zuschreibungen macht.“

Ich bin eine Fan von ihren Arbeiten! Für mich ist dieses Wandbild eine echte Wegmarke, für die ich manchmal einen Umweg auf meinem Fahrrad fahre. Immer wieder fallen mir neue Aspekte in diesem Gesicht auf. Und seit einigen Jahren darunter die Feuerlöscher-Signatur von 1UP. Dass genau dieses ikonische Wandbild im Auftrag einer Muralagentur auf einer riesigen Fläche Werbung oder kommerzieller Kunst weichen soll finde ich schrecklich. Diese Art von Wandmalerei ist schon so präsent in den Straßen Berlins, also ist es umso wichtiger dieser Überrepräsentierung etwas entgegenzusetzen. Auch wenn bis heute Abend das Wandbild nicht übermalt wurde und vielleicht aufgrund des Protests erstmal nicht zum Marathon übermalt wird. Gesichert ist es deswegen noch nicht!

Da ich bereits bei der Buchpräsentation bei Erscheinen im Feburar 2023 war, kann ich es nur allen unbedingt empfehlen, sich mit dem Berlin Buster Social Club (BBSC) auf sehr unterhaltsame Art und Weise und mit Köpfchen mit der ziemlich effizienten Form des politischem Aktivismus Adbusting zu befassen. Historische Einordnung inbegriffen. Wirklich unbedingt empfehlenswert.
Hier habe ich etwas über das Buch geschrieben.
Und hier sind die Veranstaltungs-Ankündigungen auf den Webseiten der B-Lage und des DFG-VK.
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Am 16. März 2023 findet ab 18-21 Uhr die Vernissage zur Ausstellung MYSTIKA statt (ACHTUNG, ursprünglich stand hier irrtümlicherweise 14.03.!). Bis 15. April 2023 werden Maja Hürsts Kunstwerke in der kleinen aber feinen Mauer Gallery in der Harzer Str. 112 in Neukölln zu sehen sein.

Zuerst habe ich ihren mysteriösen Namen TIKA als Gesicht-Schriftzug auf den Straßen Berlins entdeckt… dann irgendwann den Menschen dahinter getroffen und Bilder gesehen, von dem riesigen Spinnaker-Segel, das sie bemalt hat und tolle Wandbilder in Riesengröße weltweit…wir saßen zusammen auf der Bühne bei einer Podiumsdiskussion über Frauen und Graffiti… soweit meine ersten Erinnerungen. Maja Hürst ist eine vielseitige und dynamische Künstlerin, die auf unterschiedlichsten Materialien malt, klebt, graviert, einbrennt,…, Dinge baut und (er-)schafft, Musik auflegt und die Welt bereist, mit Menschen zusammenkommt, sich gerne und viel an selbstverwalteten Orten aufhält und sich mit emanzipativen Themen beschäftigt… eine beeindruckende Powerfrau! Mir gefallen in ihrer Malerei die grafischen Elemente, die farblich und stofflich virtuos verflochten werden und die Tiere die darin vorkommen. Bin gespannt auf die Ausstellung!
Hier ein Auszug des offiziellen Ausstellungstexts und die Künstlerinnen-Biografie:
„Maja Hürsts Einzelausstellung MYSTIKA beschäftigt sich mit dem Unterbewussten als eine mystische Landschaft und proklamiert, dass dieses Unterbewusste nicht nur der menschlichen Psycho, sondern der Erde als kollektives Gebilde von allen Daseinsformen zu Grunde liegt. Mit verschiedenen Materialien erforscht Hürst in ihrem künstlerischen Schaffen die Verbindungen der Erdtiefen, dem menschlichen Geist und individualisierten Emotionen.
Die Schlange begreift sie dabei als Symbol der Verknüpfung dieser Elemente, durch den wiederkehrenden Verweis auf die drei Anteile in ihren verschiedenen gotthaften Darstellungen.
Der Titel MYSTIKA steht für die künstlerische Auseinandersetzung mit bildhaften Darstellungen der Mystik durch die eigene Bildsprache TIKA.
Schlangen ringen um die Krallen eines riesigen um sich schlagenden Hahns.
Schlangen winden sich um ein zu Stein gewordenes Selbstportrait.
Schlangen verschlungen und mit Lötkolben in Holz gebrannt.
Schlangen detailliert und kontrastreich mit Tusche als Buchstaben.
Schlangen als Ouroboros auf dünnem Tuch für um den Hals.
Schlangen mit deinen Valuables im Bauch um deinen Oberkörper geknotet.
Schlangenschuppen überziehen den ganzen mystischen Raum. (…)“
„Maja Hürst verfolgt seit 2003 eine visuelle Auseinandersetzung mit Fragen, die sich in den Spannungsfeldern von Klimakrise und Artenvielfalt sowie Technologisierung und Tradition bewegen. Dabei sind Emanzipatorische Bewegungen, die aus diesen Schnittstellen hervorgegangen sind, und die Beschäftigung mit Verbindungsmomenten im Alltäglichen für Hürst eine maßgebliche Inspiration. Ihr visuelles Universum findet sich in der eigenen Bildsprache: TIKA – abgeleitet von Antibiotika, weil das Medikament der Künstlerin mehrfach das Leben rettete. TIKA ist kein Pseudonym, sondern Hürst’s geometrische Ausdrucksform welche sich in bis zu gebäudeumgreifend großen Wandbildern zeigt. Ein hoher formaler Wiedererkennungswert zeigt sich in den figurativ abstrahierten Darstellungen in ihren Arbeiten. Maja Hürst arbeitet in ihren Ateliers in Berlin, Steinmauer und Zürich mit verschiedenen Materialien wie Holz, Ton, Papier, Stoff, Metall und Pflanzen. Die verschiedenen Standorte sind Ausdruck einer Arbeitsweise, welche ihre Inspiration aus der Bewegung zwischen Orten und Kontexten bezieht. Schon ihre Kindheit und Jugend hat sie in Kairo und Köln verbracht. Die Zeit in Ägypten hat Maja Hürst maßgeblich in ihrer Beschäftigung mit Farben und Texturen geprägt. Mitte der 90er Jahre in Köln kam sie erstmals in Kontakt mit Hip Hop und Graffiti. Wiederständige Bewegungen und ihre eigenständigen Ausdrucksformen sind für Hürst von besonderem Interesse in den Verbindungen von Leben und künstlerischem Schaffen.
2004 schloss sie den Fachbereich visuelle Kommunikation an der Zürcher Hochschule der Künste mit Nominierung zum Förderpreis ab. Bis 2016 reiste Maja Hürst intensiv für Projekte, Residencies, Ausstellungen und Gigs als dj Chiri Moya um die Welt und lebte in besetzten Häusern.
In Bewegung zu sein und dabei dennoch nachhaltig und eng mit der Natur zu leben sind für sie entscheidende Faktoren im privaten und in ihrer Arbeit – sie hat ihren eigenen Gemüsegarten, reist nur noch auf Schienen und lebt vegan.
Maja Hürst’s Arbeiten waren unter anderem in der Bundeskunsthalle Bonn, dem Museumsquartier Wien, dem Bangkok Art & Culture Center und in diversen Galerien weltweit zu sehen.“
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Am Dienstag, 07.02.2023 findet ab 20 Uhr im großen Saal in den Mehringhöfen das Bookrelease des neuen Adbusting-Buches des Berlin Busters Social Club statt – in Kooperation mit dem Buchladen Schwarze Risse.
Damit ein gutes Adbusting seine kritische Wirkung auf die vorbeilaufenden Menschen entfalten kann, muss es nicht nur visuell als solches wahrnehmbar, sondern auch klar in der Aussage sein. Ansonsten besteht die Gefahr, dass es von denjenigen vereinnahmt wird, die eigentlich mit dem Adbusting kritisiert werden sollten. Letzteres ist eine beliebte Strategie unter anderem der Bundeswehr-Werbe-Abteilung. Das neue Buch des Berlin Busters Social Club versammelt viele ausdrucksstarke Beispiele spezifischer Adbustingaktionen, in denen Polizei, Geheimdienste und Militär kritisiert werden (um nur ein paar Themen zu nennen: Antimilitarismus, Kritik an Rassismus, Sexismus, Nationalismus in den behördlichen Strukturen, mangelnder Einsatz für Klimaschutz und Menschenrechte,…). Es zeichnet ebenfalls den Weg nach, wie diese Aktionsform durch zähes Engagement heute weitgehend entkriminalisiert ist und dokumentiert beispielhaft historische Adbusting, u.a. aus der NS-Zeit. Mir gefällt die gute Mischung aus aussagekräftigen Fotos und wirklich informativen Texten (danke für das Rezensionsexemplar :-)!). Ich freue mich auf noch mehr Hintergrundinformationen beim Bookrelease!

Aus der Ankündigung auf der Website des BBSC: „Der Berlin Busters Social Club verspricht Spektakuläres in der Ankündigung zum neu erscheinenden Buch „Mega Unerhört: Adbusting mit Polizei und Militär“: „Das Buch zeichnet mit vielen Hochglanz-Aktionsbildern nach, wie Adbustiungs ihren Weg vom Terrorabwehrzentrum und den DNA-Laboren der Polizei in vom Hauptstadtkulturfonds bezahlte Ausstellungen und Museen nahm“ erklärt Adbustian Bustewka, Comedian und Kühlschrankwart*in des Clubs. „Gab es 2018/19 noch Hausdurchsuchungen wegen Adbusting, so ist das Kapern von Werbevitrinen mit eignen Postern heute weitgehend entkriminalisiert.“

Die Geschichten und Mythen, wie es der Berliner Kommunikationsguerilla-Szene mit einer ungewöhnlichen Mischung aus rotzfrecher Öffentlichkeitsarbeit, parlamentarischen Anfragen und wilden Aktionen gelang, trotz Hausdurchsuchungen, Terrorabwehrzentrum und DNA-Analysen Adbusting weitgehend zu entkriminalisieren, bilden den Hauptteil des Buches.

Dank Material aus dem Bundesarchiv in Koblenz, aus dem Museum Berlin-Karlshorst und aus der Gedenkstätte Deutscher Widerstand gelang es dem Berlin Busters Social Club, eine Adbusting-Aktion der „Roten Kapelle“ aus dem Jahr 1943 zu rekonstruieren. „Gerade Polizei- und Gerichtsakten sind neben Tageszeitungen eine wichtige Fundgrube für unser Archiv“ freut sich Carolin Überklebdenstuss, Chef-Historiker*in im Berlin Busters Social Club über die Funde.

(…) Weitere Kapitel beschäftigen sich mit Kommunikationsguerilla-Aktionen im weiteren Sinne. Eines untersucht die Wirkung von ironischen Fake-Schreiben, ein weiteres betrachtet unautorisierte Umgestaltungen von Denkmälern.

„Und für den Fall, dass wer den Schlüssel zu seiner Werbevitrine im Wohnzimmer oder im Vereinsheim verbummelt hat, haben wir anlässlich der Veröffentlichung des neuen Buches mit anderen Kollektiven gemeinsam im Internet eine interaktive Karte erstellt, in der man nachschauen kann, mit welchen im Baumarkt erhältlichen Rohrsteckschlüsseln die Werbevitrinen bei einem zu Hause nochmal aufgehen“ freut sich Boris „Ad“ Buster.“
Book Release: „Mega Unerhört: Adbusting mit Polizei, Militär und Geheimdiensten“
am 07.2.2023 um 20h
Großer Saal in den Mehringhöfen
Gneisenaustraße 2a, 2. Stock

Im 3. Teil der neuen Serie von ARD-Kultur komme ich auch zu Wort :-). Meine Serien-Empfehlung für die Feiertage:
URBAN ART – Wem gehört die Stadt? Eine Produktion von ARD-Kultur in 3 Teilen in der 1. Staffel.
„Die Doku-Reihe erhellt die gesellschaftliche Dimension von Urban Art: Welches Protestpotenzial steckt in der Szene? Und was passiert, wenn Urban Art plötzlich in Galerien hängt oder Stadtviertel verändert?“

Folge 1: Re:volte – Zwischen Protest und Vandalismus (S01/E01)“ Graffiti war von Beginn an rebellisch. Doch muss politischer Ausdruck immer mit Vandalismus einhergehen? Wofür oder wogegen protestieren Urban-Art-Künstler:innen heute? Antworten gibt u. a. das Künstlerduo Innerfields.“
Folge 2: Re:new – Zwischen Alltagskultur und Ausstellungen (S01/E02) „Urban Art ist längst in Galerien, Museen und im Kunstmarkt angekommen – und dringt durch AR und NFTs auch in digitale Sphären vor. Welche Chancen und Zwänge dadurch entstehen, schildert unter anderem die Künstlerin Hera.“
Folge 3: Re:claim – Zwischen Kunst und Kommerz (S01/E03) „Urban Art verändert Lebensräume. Doch treibt sie auch die Gentrifizierung voran? Ist jede kommerzielle Kooperation per se schlecht und wie können solche Projekte gelingen? Dazu äußert sich unter anderem Case MaClaim.“ …und ich äußere mich auch in dieser Folge :-)!
Und hier bin ich noch mitten im Interview auf dem Gelände des Urban Spree auf dem RAW-Gelände zu sehen: