2018 – „Schönes Babel. Europäische Literaturen“ mit Jan Wagner
Im Zentrum des forum:autoren 2018 stand die sprachliche Vielfalt unseres Kontinents. Ein besonderes Augenmerk lag auf dem Vereinigten Königreich: Gäste aus England, Schottland und Irland lasen Prosa, Poesie und kamen – auch angesichts des ursprünglich für März 2019 geplantenBrexits – miteinander ins Gespräch. In drei großen Lyriknächten fächerte Wagner die vielfältige zeitgenössische europäische Dichtung auf und bot zudem kleinen Sprachen wie Ladinisch, Sorbisch oder irischem Gälisch ein eigenes Podium. Auch die Kunst der Übersetzung bekam eine Stimme – der literarische Transfer von Sprache zu Sprache sowie zu Film. Der ideale Raum zum kreativen Spiel mit babylonischer Sprachverwirrung fand sich indes gleich um die Ecke vom Literaturhaus München: In nächtlichen Séancen mit Substanzen traten Literatur, Musik und Schnaps in Dialog. „An einem Punkt der europäischen Geschichte, an dem erneut nationalistisches Denken und nationaler Dünkel an Einfluss gewinnen, an dem separatistische Strömungen erstarken, auf regionaler und nationaler Ebene die Versuchung wächst, sich von der europäischen Gemeinschaft zu lösen, ist es an der Zeit, in der Literatur und in den Künsten über die uns verbindenden Ideen nachzudenken“, sagt Jan Wagner, „und vor allem den Reichtum auszustellen, der, bei allen Widersprüchen, Schwierigkeiten und Differenzen, erst durch das Mit-, nicht durch das Gegeneinander sichtbar wird.“

Jan Wagner

Liao Yi Wu
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Liao Yi Wu mit Cecilia Barbetta

Séancen mit Michael Krüger und John Burnside

Séancen mit Substanzen

Iain Galbraith
2017 – „Alles Echt. Alles Fiktion“ mit Doris Dörrie
Ein forum:autoren zwischen Fakt und Fiktion oder wie es Doris Dörrie in ihren Fragen formulierte: „Wer bin ich, wenn mir keiner zuschaut? Wie erinnere ich mich an mich selbst? Wie erfinde ich die Welt? Wie echt bin ich? Und was ist Fiktion?“
Wie wirklich ist die Wirklichkeit? „Wir bewegen uns in einem Paradox“, meint Doris Dörrie. „Unsere Realität wird zunehmend fiktionalisiert, und gleichzeitig sehnen wir uns immer mehr nach dem Wahren, Echten. Das Dokumentarische boomt. Und kaum ist etwas tatsächlich geschehen, taucht es als fiktive Verarbeitung auf. Hauptsache, es ist eine gute Story. Das gilt für die Politik genauso wie für die Presse – und ganz besonders für die sich autobiografisch gebende Literatur.“ Wo also verlaufen die Grenzen zwischen Fakt, Fake und Fiktion? Was bedeuten in einer global vernetzten Welt, in der sich jeder neu erfinden kann, die eigenen Wurzeln? Dürfen sich Schriftsteller_innen die Erzählungen anderer aneignen? Hier setzte das von Doris Dörrie kuratierte forum:autoren an. Alles Echt. Alles Fiktion beleuchtete das Spiel mit Imagination und Wirklichkeit: Internationale Gäste präsentierten ihre Auseinandersetzung mit Herkunft und dem eigenen Ich, mit Erfundenem und Realem. Ein Symposion diskutierte Lüge, Fiktion und Erinnerung, und die thematisch passende Reihe Filme lesen flankierte das forum:autoren mit Filmen und Gesprächen in der HFF. Das eigens eingerichtete Panoptikum im Literaturhaus verwandelte sich tags in eine Hörbar – und nachts zum literarisch-musikalischen Festivaltreff.

Doris Dörrie

Das Panoptikum

Das Panoptikum

Polly Lapkovskaja – friends forever

Andere Bücher braucht das Land
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2016 – „ein wort gibt das andere“ mit Elke Schmitter
„Wir brauchen die Sprache, um über Gott und die Welt und über uns zu reden“, sagt Elke Schmitter. „Sprache entsteht aus dem Miteinander, doch sie hat ihren Eigensinn. Sie scheint ein an-schmiegsames Instrument, aber sie macht, was sie will.“ Unter dem Motto „ein wort gibt das andere“ erkundete die Kuratorin des forum:autoren 2016 Möglichkeiten und Grenzen der Sprache. Gemeinsam mit internationalen Gästen aus Literatur, Poesie, Musik, Theater, Wissenschaft, Journalismus wurden Fragen umkreist wie: Welche Beziehungen bestehen zwischen Sprache, Dichtung und Politik? Wo treffen sich Sprache und Musik? Wie verändert die Digitalisierung den Umgang mit Sprache? Was können Übersetzungen vermitteln? Und wie funktionieren Sprachen ohne Schrift? Entsprechend vielfältig waren die Veranstaltungsformate – angefangen bei Vorträgen, Diskussionen und Lesungen über Sprechgesänge, Performances bis hin zu Konzerten. Judith Kuckart inszenierte ein Theaterprojekt mit blinden Darstellerinnen, ein zweitägiges Symposion durchleuchtete natürliche versus künstliche Sprachen sowie den Mythos Muttersprache, der Übersetzertag lotete das Nicht-Verstehen aus, und abends traf man sich zu Poetry&Vocals in der Bänkelbar.

Elke Schmitter

Raoul Schrott

Brigitte Hobmeier

scolloconcello – Etta Scollo

Literaturparty im Oskar Maria Graf mit konnexion BALKON
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2015: front:tex mit Albert Osertmaier
Aus der Hölle durchs Fegefeuer ins Paradies: In seiner vor 700 Jahren im Exil entstandenen Göttlichen Komödie beschreibt der italienische Dichter und Philosoph Dante Alighieri eine Reise, die heute Tag für Tag Tausende von Menschen antreten. Dem Schrecken des Bürgerkriegs oder der Verfolgung in ihren Ursprungsländern entkommen, sehnen sie sich nach Arkadien. Viele von ihnen landen indes im Schattenreich. Und plötzlich wirkt die verlorene Heimat wie der Garten Eden. Ein Garten, dessen Pforte auf ewig verschlossen scheint.
Albert Ostermaier stellte beim forum:autoren 2015 engagierte und politische Literatur in den Mittelpunkt. Ein wichtiges Ziel seines Programms front:text war es, mit Flüchtlingen in den Dialog zu treten und ihre Geschichten über Texte und Bilder neu zu vermitteln. Zu Gast waren Autor_innen, Journalist_innen, Künstler_innen und Musiker aus Krisen- und Bürgerkriegsgebieten sowie solche, die in Deutschland im Exil leben und schreiben. In Lesungen, Gesprächen und auf einem Symposion berichteten sie über persönliche Erfahrungen, erörterten Probleme der aktuellen Asylpolitik sowie mögliche Lösungen.Menschen aus aller Welt performten ihre beim front:text-Schreibworkshop entwickelten Texte, und bekannte Münchner Freizeit- und
Profifußballer trafen sich gemeinsam mit Bunt kickt gut zum internationalen Freundschaftsspiel. Dort, auf dem Fußballplatz, gilt Ostermaier zufolge dasselbe wie für das gesellschaftliche Miteinander: „Wir sollten weiter daran glauben und darauf bauen, dass Integration, Toleranz, Gemeinschaft und Respekt die Schlüssel zum Erfolg sind.“

Albert Ostermaier

Bunt kickt gut

Herbert Grönemeyer mit Albert Ostermaier

Zeruya Shalev

Umberto Eco
2014: In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod mit Clemens Meyer
Unter dem von Alexander Kluge und dem Dichter Friedrich von Logau inspirierten Motto rief Clemens Meyer die radikale Moderne aus: Der Leipziger Schriftsteller und Künstler entwarf fürs forum:autoren 2014 ein grenzensprengendes Programm, das auf die Auseinandersetzung mit Extremen und Provokationen zielte. Acht von ihm konzipierte Inszenierungen und Performances sollten Literatur, bildende Kunst, Theater, Film, Musik verbinden. Die Inszenierungen waren so konzipiert, dass sie Raum für spontane Interventionen des Publikums oder weiterer anwesender Schriftsteller, Schauspieler, Künstler liessen. Zentrale Spielstätte war das Mixed Munich Arts (MMA) im ehemaligenHeizkraftwerk mitten in München. Wesentlicher Bestandteil des kuratorischen Gedankens war ausserdem die Zusammenarbeit mit dem Leipziger Uwe-Karsten Günther. Der Initiator des Laden für Nichts fungierte als Schnittstelle zur bildenden Kunst und ihren Protagonisten; er konzipierte den temporären Festivalraum sowie einige Bühnenbilder. Meyer sah sich selbst weniger als Kurator denn als Regisseur, der die einzelnen Abende, Themen und Stücke inszenierte und schlussendlich zu Kunstwerken vernetzte. 2014, das waren happenings, die sich bis tief in die Nacht fortsetzten: Nach den Veranstaltungen ging´s für die Festivalgäste und das Publikum nämlich weiter im Laden für Nichts.

Clemens Meyer, Uwe-Karsten Günther, Holger von Wägen

Jonathan Meese

DER LADEN FUER NICHTS

Morten Søndergaard, Clemens Meyer und Klaus Q

Clemens Meyer
2013: Dagmar Leupold Stadt Land Fluss: Geschichten von der Gegenwart
Das Motto des forum:autoren 2013 war zugleich dessen Spielregel: Die Suche nach eindrücklichen Geschichten über die heutige globalisierte Welt führte in alle
Himmelsrichtungen; in Megacitys und Metropolen, in Vorstädte und Provinzen, in friedliche Landstriche, aber auch in Krisen- oder Kriegsgebiete. Als Kreuzungspunkte im imaginären Koordinatensystem fungierten Raum und Zeit – wobei der Schwerpunkt der Kuratorin 2013 auf der Gegenwart lag: Über 50 internationale Autorinnen, Autoren, Künstlerinnen, Künstler, Architekten sowie Journalistinnen, Journalisten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler lud die „leidenschaftliche Zeitgenossin“ Dagmar Leupold nach München ein, um mit ihnen in Lesungen, Gesprächen, Diskussionen verschiedene reale und fiktive Lebenswelten zu erkunden. „Literatur vermag es als Einzige, den sinnlichen Erfahrungsraum aufzumachen“, sagt Dagmar Leupold. „Sie ist eine ganz
besondere Auskunft, eine Mischung aus Nicht-Antizipierbarkeit und Wiedererkennen. “ Das forum:autoren 2013 war eine literarische Variation von „Stadt Land Fluss“, ein forum:autoren, bei dem es nicht darum ging Wissen abzufragen, sondern neue (Lebens-)Welten, Orte und Perspektiven zu öffnen

#denkzettel beim forum:autoren 2013

Dagmar Leupold und Udo Wachtveitl

Henning Mankell

Teju Cole
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2012: Thea Dorn Hinaus ins Ungewisse!
Thea Dorn nahm sich in ihrem forum:autoren Programm vor, das Leben wieder als das zu entdecken, was es im Kern geblieben ist: ein unvorhersehbares, teils beglückendes, teils schmerzliches Abenteuer. In einer Welt, in der unser Denken und Tun durch die beiden großen „K“, Kausalität und Kontinuität bestimmt wird, wandte sie sich den „Romantikern“ unseres Zeitalters zu. Denn wenn die Zeitläufte einmal entgleisen, stehen wir ohne sie entsetzt, nackt, ratlos da. Schriftsteller, Musiker, Philosophen sind heute noch Abenteurer des Geistes und des Herzens, kurz: Romantiker. Sie zeigen uns, dass es auch im 21. Jahrhundert mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt, dass Liebe, Hoffnung, Wagemut,Phantasie, Hingabe an den Augenblick mehr für unser Seelenheil zu tun vermögen als der ausgeklügeltste Versicherungsapparat.

Thea Dorn

Cornelia Zetzsche und Thea Dorn bei der Eröffnung

Thea Dorn

„Andere Bücher braucht das Land“ im Literaturhaus
2011: Matthias Politycki Die Welt auf Deutsch
Das forum:autoren unternahm im Jahr 2011 eine Standortbestimmung der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur: eine Erkundung dessen, was wirklich wichtig ist, was Stil hat, Haltung, Relevanz. Dazu hatten wir über 50 Schriftstellerinnen und Schriftsteller eingeladen, allesamt Meister ihres Fachs, die stellvertretend für uns hinaus in die Welt reisen oder zumindest wachen Auges blicken, um Erfahrungen und Stoffe zu sammeln: die ganze Welt auf Deutsch. Wir waren stolz auf unsere Auswahl, weil jeder einzelne der eingeladenen Autoren für etwas stand, unverwechselbar mit seiner Stimme, seinen Figuren und Plots, seinem Ton. Auf die zahlreichen Lyriker unter ihnen hatten wir ein besonderes Augenmerk gelegt – wir wollten zeigen, dass man sich von Gedichten nach wie vor begeistern, ja, mitreißen lassen kann. Dementsprechend beschwingt wurde dann jeden Tag nach der letzten Lesung im »Salon der lebenden Schriftsteller« angestossen!

Matthias Politycki und Michael Lentz

Michael Lentz und Bas Böttcher

Matthias Politycki

„Salon der lebenden Schriftsteller“
2010: Iljja Trojanow lokal:global
Die Stadt München hatte sich Ilija Trojanow gewünscht, und der
Schriftsteller erfüllte sein Amt mit Leidenschaft. Für das erste Literaturfest München
entwickelte er ein spannendes Konzept, lud Kolleginnen und Kollegen ein, die ihm am
Herzen liegen und die unseren Geist beflügeln sollten. Wie viele seiner Lieblingsautor/innen lebt Ilija Trojanow im Spannungsfeld von soziokultureller Verwurzelung und globaler Orientierung. Und so stellte er das Kosmopolitische ins Zentrum seines Programms, die Vielstimmigkeit und die Mehrsprachigkeit. Zwischen dem 17. und 25. November 2010 begegneten sich rund 60 Vertreter_innen der zeitgenössischen Weltliteratur in mehreren Veranstaltungsreihen darunter auch echte Weltstars: Die Nobelpreisträgerin Herta Müller kam ebenso an die Isar, wie Umberto Eco, Nurudin Farah, Yang Lian oder Ranjit Hoskoté.

Hans-Georg Küppers und Ilija Trojanow

Heike Braun, Ilija Trojjanow und Eva Schuster

Literaturfestfest in der Muffathalle

Umberto Eco im Literaturhaus
Moving picture: Andy Ammer. Editing & graphics: Aron Roos
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