Schwerpunktthemen der Ferienuni 2012 werden sein:
Geplant sind Vorträge, Podiumsdiskussionen, Workshops und Tutorien. Dabei soll Studierenden, Wissenschaftler_innen und Praktiker_innen Erfahrungsaustausch und Vernetzung ermöglicht werden. Mehr Infos dann an hier: 2012.ferienuni.de.
Für die Durchführung der Ferienuni sind wir dringend auf Spenden angewiesen. Spendenkonto:
Wenn gewünscht sind Spendenquittungen erhältlich unter VERSTECKTE EMAIL
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Sozialpsychologie des KapitalismusKongress vom 1. – 4. März 2012 in Berlin
NGfP-Kongress 2012 Programmheft
NGfP-Kongress 2012 Programmflyer
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Samstag, 14. Mai 2011, 19.00 Uhr FU Berlin, Silberlaube, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin, Raum KL 25 / 134
Burkhard Wiebel und Vanessa Lux haben dem Arbeitsbereich zur Einstimmung folgende Texte zukommen lassen, die eine interessante Debatte erwarten lassen können:
Burkhard Wiebel
Subjektwissenschaft und Hirnforschung – Mechanismen psychosozialer Dekonstruktion im Neoliberalismus
„Die Kontrolle der Gesellschaft über die Individuen vollzieht sich nicht nur durch das Bewusstsein oder die Ideologie, sondern auch im Körper und mit dem Körper. Für die kapitalistische Gesellschaft ist es die Biopolitik, die vor allem zählt, das Biologische, Somatische, Körperliche.“ (Foucault, 1977, S. 210) Psychische Faktoren und gesellschaftliche Verhältnisse stehen in einem engen Zusammenhang. Insbesondere der Stand der Produktivkräfte und die Produktionsverhältnisse in einer Gesellschaft haben Indikatorfunktion für die Art psychischer Dispositionen und psychischer Belastungen sowie die Qualität und Quantität psychischer Störungen, die in einer Gesellschaft beobachtet werden. Doch der Mensch steht nicht nur unter jeweils gegebenen Bedingungen, ist nicht nur Objekt, sondern auch zugleich Subjekt, das die Bedingungen, unter denen es lebt, selbst produziert (vgl. Holzkamp, 1987), und zwar in ständigem Zusammenschluss und Austausch mit anderen, sprich als „Beziehungswesen“, eingebettet in ein strukturierendes soziokulturelles System.
In dem vorgesehenen Beitrag soll eine Verbindung zwischen Subjektwissenschaft und Hirnforschung auf kategorialer Ebene versucht werden. Im Ansatz soll dadurch ein tieferer Einblick in Mechanismen psychosozialer Dekonstruktion im Neoliberalismus ermöglicht werden. Neurobiologische Mechanismen der Destruktion in den neuronalen Netzwerken des Gehirns wirken z.B. bei Menschen im Hartz IV – Bezug, mit potenziell generationenübergreifenden Auswirkungen, im Sinne der Produktion der „Überflüssigen“. Aber auch neurobiologische Mechanismen der Konstruktion in den neuronalen Netzwerken sind wirksam, wenn es z.B. über die Schaffung neuer Ausbildungs- und Studienverhältnisse (z.B. die dualen Studiengänge nach den Bologna-Kriterien) darum geht, sich dem Ideal des „Neuen Menschentyps“ nach Peter Hartz (vgl. Haug. 2003) zu nähern.
Vanessa Lux
Physiologischer Reduktionismus als methodologische Grundbedingung neurokognitiver Forschung
Die Vermittlung zwischen dem psychischen Erleben und seinen physiologischen Grundlagen hat die Psychologie seit ihrer Begründung als eigenständige wissenschaftliche Disziplin beschäftigt. Insbesondere bildgebende Verfahren aus der Hirnforschung warten nun neuerdings mit dem Versprechen auf, wesentliches zur Lösung dieser Fragestellung beizutragen – und entsprechend boomt die Präsenz von Magentresonanztomographen und Neurowissenschaftlern an psychologischen Instituten. Die Verwendung von Verfahren aus der Hirnforschung für die Erforschung des Psychischen reduziert dieses jedoch notwendig auf neurophysiologisch messbare Korrelate. Dieser methodologisch begründete physiologische Reduktionismus ist nicht neu. Eine besondere Bedeutung erlangt er allerdings dadurch, dass er sich ein in eine derzeit zu beobachtende Verschiebung im biologischen Determinismus einfügt: weg vom genetischen hin zum physiologischen Determinismus. Das dem physiologischen Determinismus zugrunde liegende Menschenbild entspricht dabei nicht zufällig demjenigen des neoliberalen Aktivierungsparadigmas – dem „Fördern und Fordern“ des Dritten Wegs.
Aus der Perspektive einer sich materialistisch verstehenden Subjektwissenschaft kann die Erforschung der physiologischen Ebene allerdings nicht einfach als Biologismus zurückgewiesen werden. Vielmehr bedarf es einer Gegenstands- und Verhältnisbestimmung zwischen der neurophysiologischen Forschung und einer sich transdisziplinär verstehenden Subjektwis- senschaft. Diese ist auch Voraussetzung, um die Bedeutung von Ergebnis aus der Hirnforschung für eine Diskussion über die subjektiven Folgen kapitalistischer Vergesellschaftung sinnvoll führen zu können.
Dr. Vanessa Lux arbeitet im Forschungsprojekt „Kulturelle Faktoren der Vererbung“ am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin; sie Lehrbeauftragte an der Hochschule Stendal; in Kürze erscheint ihr Buch „Bedeutung der Entwicklungen in der modernen Genetik für die psychologische Praxis: Krankheitskonzepte, Rezeptionsweisen und Weiterbildung“
Dr. Burkhard Wiebel arbeitet in der Abteilung Psychologische Medizin des Evangelischen Krankenhaus Lütgendortmund; er ist Lehrbeauftragter an der Universität Bochum und Mitherausgeber des in Kürze erscheinenden Buches „Mechanismen psychosozialer Zerstörung. Neoliberales Herrschaftsdenken, Stressfaktoren der Prekarität, Widerstand“
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14. – 15. Mai in Berlin, Freie Universität, Raum KL29/235
Die Ferienuniversität Kritische Psychologie unter dem Titel „kritik – macht – handlungsfähigkeit“ hat uns vor Augen geführt, dass es nicht am Interesse, sondern eher am Angebot an K/kritischer Psychologie fehlt. Dem möchten wir in Zukunft mit eurer Hilfe Abhilfe schaffen. Damit die Energien, die Neugierde und das organisatorische Wissen aus der Ferienuni nicht einfach im Sande verlaufen, möchten wir euch herzlich zu einem Perspektiven- und Vernetzungstreffen einladen. Wie, wann und wo soll die nächste Ferienuniversität stattfinden? Und was könnte und muss bis dahin passieren? Womit beschäftigt ihr euch gerade und was würdet ihr gerne an kritisch-psychologischen Projekten mit gestalten?
Da die universitäre Verankerung der Kritischen Psychologie genauso wie anderer kritischer Ansätze kaum noch vorhanden ist, wollen wir nach neuen Formen und Aneignungsmöglichkeiten suchen. Auf dem Nachbereitungstreffen zur Ferienuni im November 2010 wurden schon einige Vorschläge gemacht: Studientage für AnfängerInnen, die Wiederbelebung der Theorie-Praxis-Konferenzen, Workshops an verschiedenen Orten, eine Vernetzung von Initiativen, ein Austausch über autonome Seminare – Es gibt viele Ideen und es dürfen gerne noch mehr werden. Wenn ihr aktiv werden wollt, euch an Projekten beteiligen möchtet, eure Tätigkeit vor Ort vernetzen oder die nächste Ferienuni mit organisieren wollt, kommt doch vom 14. bis 15. Mai 2011 nach Berlin. Wir treffen uns am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie der Freien Universität in Raum KL29/235 (Anfahrt).
Neben dem Gedankenaustausch und Organisatorischen wird es abends auch eine inhaltliche Veranstaltung zu neurokognitiver Forschung von der Gesellschaft für subjektwissenschaftliche Forschung und Praxis e.V. geben.
Wer am Perspektiven- und Vernetzungstreffen teilnehmen möchte, meldet sich bei Marcel Thiel (antargo_marc@web.de) an.
Wer einen Schlafplatz braucht oder die Fahrkosten nicht alleine zahlen kann, meldet sich bei Leonie Knebel (leonie_knebel@web.de).
Mit schönen Grüßen,
Leonie Knebel
im Namen des Vorbereitungsteams der Ferienuniversität Kritische Psychologie 2010
]]>Im Zusammenhang mit Konzeption und Auswertung von Interviews habe ich mir die Frage gestellt, unter welchen Kategorien Lebenskonzeptionen von Individuen zu betrachten seien¹. Dieselbe Frage erweist sich mir ebenso als grundlegend, seit ich einige Praxistätigkeit – nach langer Zeit wieder – aufgenommen habe. Ich verstehe mich als „subjektwissenschaftlich“ orientiert. Dies beinhaltet für mich die Devise:
Von der betreffenden Person selbst (Klient, Patient oder was auch immer) ausgehen, keine äußeren Maßstäbe an sie herantragen, keine „Diagnosen“, keine Schubladen, keine „man sollte doch…“ usw.! Maßgeblich sind nur die Prämissen, unter denen die Person ihr Leben führt. Also: Psychologische Praxis heißt zunächst: Ich muss eruieren, wie das Subjekt die Welt sieht, und dabei nach Möglichkeit davon absehen, wie ich die Welt sehe.
Holzkamp hat diesen Gedanken m. E. treffend (wenn auch ein wenig zu kognitiv) in seiner Relativierung des Begriffs des „Rationalen/Irrationalen“ charakterisiert (Pullover-Beispiel).
Unter dieser Prämisse: „den Standpunkt der Ersten Person einnehmen!“ ist mir nun allerdings die Kategorie der verallgemeinerten Handlungsfähigkeit (vH) fragwürdig geworden. Wenn ich einen Anderen unter dem Gesichtspunkt betrachte, ob er verallgemeinert oder eher (nur) restriktiv handlungsfähig sei, so mag das so oder so zutreffen, aber: Bin ich dann wirklich bei ihm oder bin ich nicht eher bei meinem (eventuell gesellschaftstheoretisch durchaus zutreffenden) Weltbild?
Beispiel: Herrn X geht es psychisch schlecht, und ich sehe: sein Chef (oder sein Lebenspartner oder wer sonst) verhält sich unterdrückerisch, ich erkenne sein Verhalten also als „restriktive Handlungsfähigkeit“. Aber was ist, wenn Herr X das durchaus nicht so sieht? Er ist überzeugt, dass seine Lebensbedingungen durchaus in Ordnung sind und dass sein Leiden aus ihm selbst kommt. Also: die Kategorie der vH bringt uns nicht weiter. Genauer: ob ich die Kategorie vH nutzen kann, hängt davon ab, welchen Sinn die Person X selbst der vH (faktisch) gibt. Fazit: die Kategorie der vH ist eine gesellschaftstheoretische oder eine „emanzipatorische“ Kategorie, aber eben nicht eine „subjektwissenschaftliche“.
Unter diesem Aspekt möchte ich das holzkampsche Apriori: „Niemand kann sich bewusst selbst schaden“, dem ich dem Gehalt nach voll und ganz zustimme, umformulieren, nämlich in: „Niemand kann ohne subjektiven Sinn handeln“.
Diese Überlegungen stellen allerdings eine Grundannahme der Kritischen Psychologie in Frage. Gehört zum Wesen des Menschen wirklich das Bedürfnis nach Verfügung über die eigenen Lebensbedingungen („Kontrollbedarf“), das ja dem Konzept der vH zugrunde liegt? Anders gefragt: Arbeitet ein Mensch, der diesen Kontrollbedarf nicht verspürt und nicht realisiert oder gar negiert, wirklich gegen sich selbst? Wenn dem so wäre, so müsste man etwa einem Buddhisten, der nach der Erleuchtung strebt und jede politische Intervention verabscheut, die vH und somit die volle Realisierung der Potenz des Menschseins absprechen. Nein! Mein Buddhist handelt subjektiv sinnvoll – mit „vH“ kann man ihm nicht beikommen.
Reiner Seidel hat bei Klaus Holzkamp promoviert und sich bei ihm habilitiert. Wissenschaftlich tätig war er an der TU und an der FU Berlin. Dort wurde er 2006 als Professor im Arbeitsbereich Subjektwissenschaft und Kritische Psychologie „zwangsberentet“. In den letzten Jahren beschäftigt er sich mit Lebenskonzepten (Interviews). Zur Zeit schreibt er an einem Buch „Grundbegriffe der Psychologie“, in dem er natur- und geisteswissenschaftliche Psychologie zusammenbringen will.
¹Seidel „Das existentielle Interview“, Journal für Psychologie 2005, S. 255-2722
]]>Jochen Kalpein: Begriffe und Konzepte der Kritischen Psychologie (OGG | MP3)
Morus Markard, Christian Küpper, Vanessa Lux, Christina Kaindl, Gisela Ulmann: Geschichte und Gegenwart Kritischer Psychologie (OGG | MP3)
Thede Eckart, Christoph Kehl: Gedächtnis- und Hirnforschung — Teil 1 (OGG | MP3)
Thede Eckart, Christoph Kehl: Gedächtnis- und Hirnforschung — Teil 2 (OGG | MP3)
Lotte Huniche, Sigrid Graumann, Vanesssa Lux: Genetik und Lebensführung — Teil 1 (OGG | MP3)
Lotte Huniche, Sigrid Graumann, Vanesssa Lux: Genetik und Lebensführung — Teil 2 (OGG | MP3)
Morus Markard, Mario Candeias, Irene Dölling, Christina Kaindl: Menschen in Gesellschaft (OGG | MP3)
Frieder Otto Wolf: Struktur und Handlung bei Marx (OGG | MP3)
Martin Fries, Christina Kaindl, Morus Markard, Stefan Meretz: Kategorien der Kritischen Psychologie — Teil 1 (OGG | MP3)
Martin Fries, Christina Kaindl, Morus Markard, Stefan Meretz: Kategorien der Kritischen Psychologie — Teil 2 (OGG | MP3)
Morus Markard, Ralf Quindel, Sheary Bleiberg, Christian Küpper: In memoriam Erich Wulff (OGG | MP3)
Michael Sonntag: Beratung und Therapie im Kapitalismus (OGG | MP3)
Ariane Brenssell, Ulrike Eichinger, Christoph Vandreier: Möglichkeiten in Therapie und Beratung (OGG | MP3)
Ariane Brenssell: Kritisch-psychologisch feministische Praxis (OGG | MP3)
Jochen Kalpein: Entwicklungs- und Stagnationsfigur (OGG | MP3)
Sylvia Siegel: Kritisch Psychologische Aspekte in der Gestalttherapie (OGG | MP3)
Sylvia Siegel, Michael Sonntag, Ulrike Eichinger, Christoph Vandreier, Jochen Kalpein: Emanzipatorische Therapie und Beratung (OGG | MP3)
Lorenz Huck, Ines Langemeyer, Gisela Ulmann, Josef Held: Praxiswidersprüche (OGG | MP3)
Ines Langemeyer: Selbstbestimmtes Lernen (OGG | MP3)
Josef Held: Subjektwissenschaftliche Rechtsextremismusforschung (OGG | MP3)
Janek Niggemann, Nancy Wagenknecht: Implizite Herrschaftstechnologien (OGG | MP3)
Michael Sonntag, Vanessa Lux, Christina Kaindl, Dennis R. Fox, Tove Soiland: Subjekte in der Krise? (OGG | MP3)
]]>Wer möchte, kann uns eine E-Mail schicken an VERSTECKTE EMAIL oder hier einen Kommentar zur Ferienuni hinterlassen.
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Liste der Artikel (wie uns bekannt sind):
Kritische Psychologie in politischen Bewegungen?
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