Wie sieht eine KI-gestützte Lernumgebung aus, die nicht nur technisch funktioniert, sondern sich sinnvoll in eine offene Bildungslandschaft einfügt? Welche Rolle können Open Educational Resources darin spielen? Und was braucht es, damit Offenheit, Interoperabilität und Beteiligung nicht erst am Ende mitgedacht werden?
Mit diesen Fragen sind wir als Bündnis Freie Bildung am 30. August 2026 beim OERcamp in den Austausch zum Adaptiven Intelligenten System (AIS) gegangen. Mit AIS entwickeln die 16 Länder derzeit eine gemeinsame KI-gestützte Lehr- und Lernumgebung für Schulen. Das FWU koordiniert die Umsetzung im Auftrag der Länder.
Dass der Gesprächsbedarf groß ist, wurde schnell deutlich. Der Workshop war voll, die Fragen zahlreich und die Diskussion offen – sowohl gegenüber den Möglichkeiten des Systems als auch gegenüber Punkten, die noch geklärt werden müssen.
Genau das war aus unserer Sicht der Wert des Formats: Nicht erst über ein fertiges System sprechen, sondern zu einem Zeitpunkt miteinander ins Gespräch kommen, an dem noch gestaltet werden kann.
Offenheit beginnt nicht beim fertigen Produkt
Für das Bündnis Freie Bildung ist klar: OER in AIS einzubinden, ist ein wichtiger Schritt. Ein offenes Bildungsökosystem entsteht dadurch allein aber noch nicht. Entscheidend ist, wie das System insgesamt gestaltet wird.
Können bestehende offene Inhalte, Werkzeuge und Infrastrukturen angeschlossen werden? Können Materialien zwischen Systemen ausgetauscht und weiterverwendet werden? Werden offene Standards genutzt? Bleibt Raum für unterschiedliche Anwendungen und Formate? Und wie vermeiden wir neue Abhängigkeiten von einzelnen Plattformen oder technologischen Anbietern?
Beim OERcamp wurde genau an diesen Stellen diskutiert. Dabei ging es beispielsweise um offene Schnittstellen, die Verbindung mit bestehenden Lernmanagementsystemen und Repositorien, unterschiedliche Contentformate oder Standards.
Für uns steckt dahinter eine grundsätzliche Frage:
Wie bauen wir digitale Bildungsinfrastruktur so, dass sie Zusammenarbeit ermöglicht, statt neue Silos zu schaffen?
Gerade bei einer öffentlich getragenen Infrastruktur sollte Anschlussfähigkeit kein Zusatz sein. Sie sollte zu ihrem Grundprinzip gehören.
OER bringen mehr mit als offene Lizenzen
Genauso wichtig ist uns ein zweiter Punkt: OER sollten in diesem Prozess nicht auf die Rolle eines zusätzlichen Materialpools reduziert werden.
Hinter OER stehen Arbeitsweisen und Erfahrungen, die für die Entwicklung von AIS relevant sein können: gemeinsames Erstellen und Weiterentwickeln, Nachnutzung und Anpassung, dezentrale Qualitätssicherung, Austausch zwischen Praxis und Fachdidaktik oder der Aufbau gemeinschaftlich getragener Strukturen.
Im Workshop wurde beispielsweise darüber gesprochen, wie Fehler oder didaktisch problematische Aufgaben zurückgemeldet werden können, wie Materialien aktualisiert werden und wie fachliche Expertise dauerhaft eingebunden werden kann. Das sind Fragen, mit denen sich OER-Akteur*innen schon lange beschäftigen.
Die Chance liegt deshalb nicht nur darin, offene Inhalte in AIS hineinzubringen. Sie liegt auch darin, Erfahrungen aus offenen Entwicklungs- und Community-Prozessen für AIS nutzbar zu machen.
Und umgekehrt kann der Aufbau eines Systems wie AIS neue Impulse dafür geben, wie offene Materialien künftig gefunden, kombiniert, weiterentwickelt und in adaptive Lernprozesse eingebunden werden.
Genau diesen Perspektivwechsel fanden wir im Workshop besonders produktiv: nicht nur fragen, was die OER-Community für AIS liefern kann, sondern auch, was AIS von offenen Ökosystemen lernen kann.
Offenheit braucht Mitgestaltung
Technische Standards und offene Lizenzen sind dabei nur ein Teil des Bildes.
Bei einem System, das perspektivisch den Lernalltag von Schüler*innen und Lehrkräften berühren soll, geht es ebenso um pädagogische und gesellschaftliche Fragen: Welche Vorstellung von Lernen liegt dem System zugrunde? Wie werden Lehrkräfte eingebunden? Wie können Schüler*innen beteiligt werden? Werden unterschiedliche Lernvoraussetzungen und Förderbedarfe berücksichtigt? Was braucht es, damit neue digitale Möglichkeiten nicht bestehende Ungleichheiten verstärken?
Auch diese Fragen hatten beim OERcamp ihren Platz. Das zeigt: Offenheit bedeutet für uns auch Offenheit des Entwicklungsprozesses.
Beteiligung sollte deshalb mehr sein als die Möglichkeit, Rückmeldungen zu einem bereits weitgehend festgelegten System zu geben. Gute Beteiligung schafft Möglichkeiten, Anforderungen frühzeitig einzubringen, Entscheidungen nachvollziehen zu können und gemeinsam Lösungen weiterzuentwickeln.
„Mehr als eine Stunde nach dem offiziellen Ende des Workshops war noch ein Dutzend Teilnehmende im Tagungsraum in Diskussionen vertieft – und das an einem Sonntag zur Mittagszeit. Das spricht für das Interesse und das Engagement der Community für offene Infrastrukturen.“ – Jöran Muuß-Merholz, Co-Gastgeber des OERcamps
Gerade die OER-Community kann dazu unterschiedliche Erfahrungen beitragen – aus Schulen und Hochschulen, aus Repositorien und Communities, aus der Entwicklung offener Software, aus Weiterbildung, Fachdidaktik und Bildungsforschung.
Diese Vielfalt ist kein Hindernis, das vereinheitlicht werden muss. Sie ist eine Ressource für die Entwicklung.
Vom Austausch zur Zusammenarbeit
Der Workshop beim OERcamp war dabei nur ein erster Schritt.
Die dort gesammelten Fragen und Anregungen sollen nun in den weiteren Beteiligungsprozess einfließen. Im Herbst ist zunächst ein offener digitaler Auftakt für Bildungsmedienanbieter*innen geplant. Anschließend sollen zwei Fokusgruppen den Prozess längerfristig begleiten – eine mit privatwirtschaftlichen Bildungsmedienanbieter*innen und eine mit der OER-Community.
Wir begrüßen diese Öffnung ausdrücklich. Jetzt wird es darauf ankommen, den begonnenen Dialog zu verstetigen: Rückmeldungen sichtbar aufzugreifen, Entscheidungen transparent zu machen und Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Akteur*innen tatsächlich gemeinsam an Lösungen arbeiten können.
Als Bündnis Freie Bildung wollen wir uns daran beteiligen und zugleich weitere Menschen aus der OER-Community dazu ermutigen, ihre Erfahrungen und Perspektiven einzubringen.
Danke für die Offenheit
Dass dieser Austausch so stattfinden konnte, ist nicht selbstverständlich. Deshalb zunächst ein großes Dankeschön an das OERcamp, das den Raum für diese Diskussion geschaffen und unterschiedliche Akteur*innen zusammengebracht hat.
Ebenso danken wir dem FWU und dem gesamten AIS-Konsortium für die Offenheit im Workshop. Viele Fragen waren konkret, einige kritisch, manche noch nicht abschließend zu beantworten. Dass diese Fragen Raum bekommen haben und nicht der Anspruch bestand, bereits auf alles eine fertige Antwort zu haben, war für den Austausch wichtig.
Daran möchten wir anknüpfen. Der Dialog hat begonnen. Jetzt geht es darum, aus ihm Zusammenarbeit und gemeinsame Gestaltung zu machen.
]]>Um eine tragfähige politische Agenda zu entwickeln, schuf Laurin Hagemann auf der „OER im Blick 2026“ einen besonderen Denkraum: Mittels einer geführten Meditation begaben sich Teilnehmende aus Community, Politik und Verwaltung auf eine Reise vom Ist-Zustand hin zu einer gemeinsamen Vision.
In einem ersten Schritt deckten die Teilnehmenden Sichtbarkeitslücken und strukturelle wie finanzielle Hürden auf.
Weiterhin bestehende Lücken in der Bekanntheit von OER-Projekten und den dahinter stehenden Konzepten wurden dementiert. Auch wurde kritisiert, dass OER als reines Endprodukt im Vordergrund stehe, statt den Entwicklungsprozess und die damit verbundenen offenen Bildungspraktiken in den Fokus zu rücken. Die Präsenz des Bündnisses betreffend wurden strukturelle Hürden wie starre Methoden, teils exklusive und unflexible Infrastrukturen, die Innovation eher hemmen als fördern, kritisch betrachtet. Die Ressourcenfrage, den Übergang von finanzierten Projekten hin zum Ehrenamt betreffend, wurde als prekär beschrieben. Das BFB müsse hier seine eigene Organisationsform hinterfragen, um handlungsfähig zu bleiben.
In einem zweiten Schritt entwarfen die Teilnehmenden das Bild einer idealen Zukunft, in der Bildung nicht mehr entfremdet, sondern gemeinschaftlich gestaltet wird.
Eine Lernwelt der Zukunft, in der offene, transformative Bildung – angelehnt an reformpädagogische Ansätze –- als grundlegende Haltung etabliert ist. Verbunden mit einer Kultur des Teilens basierend auf einem OER-Ökosystem, in dem der freie Austausch von Ressourcen und Praktiken so selbstverständlich ist, dass das Individuum wenig geben muss, um durch die Gemeinschaft ein Vielfaches zurückzuerhalten.
In einem nächsten Schritt wurde vom BFB künftig mehr aufsuchende Arbeit und politische Schlagkraft erwartet. Das Bündnis sollte als „Netzwerk der Wirksamen“ agieren.
Sensibilisierung und Qualifizierung für Lehrkräfte und Schüler*innen solle direkt in allgemeinbildende und berufsbildende Schulen getragen werden. Auch der Wunsch nach dem Aufbau eines „Netzwerkes der Wirksamen“, das bestehende Netzwerke und Austauschformate zusammenbringt, um politische Schlagkraft zu generieren, wurde geäußert. Das Bündnis sollte progressiv auftreten, provokante Thesen formulieren und den Diskurs aktiv mitgestalten, um politisch wirksam zu bleiben. Dabei müssten aktuelle technologische Entwicklungen mit Offenheit verknüpft und die Forderung verteidigt werden, Erkenntnisse aus KI-Prozessen zwingend gemeinfrei zu veröffentlichen.
Um diese Ziele zu erreichen, setzt das Bündnis weiterhin auf Vernetzung, möchte jedoch auch neue Formate etablieren.
Kooperationen mit Akteuren wie dem Forum Bildung Digitalisierung, der Open Knowledge Foundation, Creative Commons, der OSB Alliance, D64, Schule im Aufbruch oder Bits & Bäume sollen wieder intensiviert oder neu geknüpft werden. Dabei geht es nicht nur um Infrastrukturanbindung oder Finanzierungsmöglichkeiten, sondern auch um den Aspekt des voneinander Lernens und der Frage danach, wie sich andere Netzwerke erfolgreich strukturieren.
Der nächste Schritt des BFB ist kein klassisches Strategiepapier, sondern eine Einladung zur Selbstreflexion. Unter dem Motto „Community Care statt Management“ lädt das Bündnis zu einem Inspirations-Call ein.
Anstatt starrer Formate möchten wir zukünftig auf Methoden setzen, die strukturelles Loslassen und Visionieren ermöglichen. Wir wollen hemmende Strukturen abbauen, damit das Bündnis Freie Bildung weiterhin ein Raum für Entdeckung und Innovation bleibt. Ein Raum, der den Paradigmenwechsel in der Bildung durch politische Wirksamkeit und eine klare Haltung zur Offenheit aktiv vorantreibt.
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Bereits 2019 haben wir darauf hingewiesen, dass Digitalisierung zu kurz greift, wenn sie primär als Infrastrukturprogramm verstanden wird, und gefordert, Pädagogik, Technik und Offenheit konsequent zusammenzudenken. Mit dem Digitalpakt 2.0 und der laufenden Umsetzung der OER-Strategie bietet sich nun die Chance, genau das einzulösen:
Digitalisierung ganzheitlich zu gestalten als Infrastruktur-, Praxis- und Gerechtigkeitsprojekt zugleich und im laufenden Prozess, auch wenn neue Technologien das Lehren und Lernen verändern.
Offene Bildungsressourcen waren nie Selbstzweck. Sie stehen für eine Kultur des Teilens, der Kollaboration und heute ist klar: Es geht nicht nur um Materialien, sondern um offene Bildung – also um Strukturen, Praktiken und Haltungen, die Teilhabe ermöglichen und Abhängigkeiten reduzieren.
Die OER-Strategie des Bundes hat hierfür wichtige Grundlagen gelegt und Offenheit strukturell verankert. Entscheidend ist nun, dass diese Dynamik nicht in Einzelprojekten endet, sondern dauerhaft wirksam bleibt.
Der Digitalpakt 2.0 ist ambitionierter angelegt als sein Vorgänger. Er verbindet:
Gerade der dritte Handlungsstrang ist zentral: Hier geht es um innovative Lehr-Lern-Konzepte, Qualifizierung von Lehrkräften und die pädagogische sowie technologische Transformation mittels KI.
Doch entscheidend wird sein, ob und wie die drei Stränge tatsächlich ineinandergreifen:
Offenheit darf kein Add-on sein. Sie ist das verbindende Element.
Die OERcamp-Konsultation 2025 zu Open Educational Practices (OEP) hat deutlich gemacht: Die Community denkt längst weiter als in Materialkategorien. OEP umfasst offene Lehr- und Lernformate, kollaborative Entwicklung von Inhalten und eine partizipative pädagogische Haltung.
Zugleich wurde deutlich: OEP ist kein einheitlich definierter Begriff. Wenn er im Rahmen von Förderprogrammen – etwa im 3. Handlungsstrang des Digitalpakts – eine Rolle spielen soll, braucht es klare Kriterien, Zielbeschreibungen und Evaluationsmaßstäbe.
Offene Praxis muss zum Standard werden, wenn sie strukturelle Wirkung entfalten soll.
Spätestens mit dem zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Bildung wird deutlich, warum das so wichtig ist. KI wirkt wie ein Lackmustest für Offenheit. KI macht deutlich, dass digitale Infrastruktur, Inhalte und pädagogische Praxis nicht getrennt betrachtet werden können. Ohne offene Standards, transparente Systeme und gemeinwohlorientierte Strukturen drohen neue Abhängigkeiten, technisch wie didaktisch.
Gerade deshalb müssen die drei Handlungsstränge des Digitalpakts zusammengedacht werden. KI-Kompetenzförderung bleibt unvollständig, wenn Infrastrukturentscheidungen proprietäre Lock-ins erzeugen. Und die Unterrichtsentwicklung verliert an Gestaltungsspielraum, wenn offene Materialien und Praktiken nicht systematisch gefördert werden.
KI ist damit kein Zusatzthema,sondern ein Prüfstein für digitale Souveränität im Bildungssystem.
Die OER-Strategie sollte nicht als zeitlich begrenzte Initiative verstanden werden, sondern als dauerhafte Strukturkomponente. Sie kann:
Gerade im Zusammenspiel mit dem Digitalpakt 2.0 kann sie Offenheit jenseits einzelner Modellprojekte systemisch absichern. –
Auch das Bündnis Freie Bildung selbst hat sich verändert. Es arbeitet heute stärker verteilt, weniger zentral koordiniert – mit regelmäßigen Calls, Austauschformaten und der Möglichkeit, Aktivitäten sichtbar zu machen.
Viele Mitglieder setzen sich weiterhin stark ein für eine offene, gerechte und zukunftsgewandte Bildung. Die zentrale Frage bleibt: Wird Offenheit strukturell zum Prinzip des Systems? der bleibt sie Engagement einzelner Akteur*innen?
Damit Digitalpakt 2.0 und OER-Strategie ihr Potenzial entfalten, braucht es:
Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie entscheidet darüber, wie gerecht, zugänglich und souverän unser Bildungssystem künftig ist.
Das Bündnis Freie Bildung möchte diesen Prozess weiterhin begleiten – vernetzt, kritisch und konstruktiv.
Sie möchten mehr über die Bündnisarbeit erfahren oder sich aktiv einbringen? Schreiben Sie Ihre Anfrage an info@buendnis-freie-bildung.de
Offenheit und Bildungsdigitalisierung braucht Freiheit statt Abhängigkeit
Mit dem Koalitionsvertrag 2025 hat die neue Bundesregierung zentrale Weichen für die Digitalisierung Deutschlands gestellt. Doch aus Sicht des Bündnis Freie Bildung (BFB) bleibt der Koalitionsvertrag inhaltlich vage und markiert einen Wendepunkt, an dem zehn Jahre Aufbauarbeit verloren gehen. Statt einen zukunftsgerichteten, offenen und souveränen Bildungsraum zu gestalten, setzt der Vertrag auf vage Digitalisierungsversprechen und verpasst die Chance, bewährte offene Strategien fortzusetzen.
Rückschritt dort, wo längst der Sprung nach vorn möglich wäre
Im Koalitionsvertrag steht kein Wort über Open Educational Resources (OER) und Open Educational Practices (OEP), obwohl seit Jahren in zahlreichen Bundesprojekten ihre Wirkung, Effizienz und Skalierbarkeit belegt wurde. Durch den Koalitionsvertrag von 2013 und den Koalitionsvertrag von 2018 konnten solide Förderstrukturen wie die OER-Strategie des Bundes aufgebaut werden. Zahlreiche Modellprojekte und Länderkonzepte haben rechtliche Standards, technische Plattformen und didaktische Kompetenzen über die letzten 12 Jahre vorangebracht. Dass der neue Koalitionsvertrag dies ignoriert, bedeutet nicht nur Stillstand, sondern den unausweichlichen Verlust von Strukturen. Digitale und offene Bildung braucht in einem wenig agilen Bildungssystem Kontinuität, Expertise und politische Rückendeckung. Wenn diese Grundlagen ausbleiben, muss wieder bei null begonnen werden. Und das in einem internationalen Umfeld, das in den Bereichen Bildung, Innovation und Digitalisierung längst weiter ist.
Digitalisierung ohne Richtung ist ein Risiko
Die allgemeine Nennung von „digitaler Infrastruktur“ beim DigitalPakt 2.0 (Z. 2332) oder „offenen Schnittstellen“ (Z. 2172) ist zu wenig. Digitalisierung bedeutet mehr als Technik. Ein Vorantreiben reicht nicht aus; ohne klare Verpflichtung zu Offenheit, Souveränität und Nachhaltigkeit besteht vor allem im Bildungsbereich die Gefahr, in alten Abhängigkeiten stecken zu bleiben oder in neue zu geraten – von proprietären Plattformen, geschlossenen Ökosystemen und kommerziellen Interessen. Zwischen den Zeilen steht, was im Koalitionsvertrag fehlt: Ein klares politisches Commitment zu offener Bildung. Zentrale Forderungen der Bildungscommunity bleiben ungehört: Freie Lizenzen, offene Bildungsressourcen, Verankerung offener Bildungspraktiken in der Lehrkäfteausbildung, Sichtbarkeit und Anerkennung für OER-Akteur*innen. Damit bricht die Koalition mit den positiven Ansätzen früherer Regierungen und verpasst die Chance, die digitalen Bildungsstrukturen in Deutschland nachhaltig, souverän und gerecht weiterzuentwickeln.
Ministerium neu, Verantwortung unklar
Neu ist in der Regierungsstruktur ein eigenes Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung. Doch mit der Aufwertung der Digitalpolitik geht eine dramatische Degradierung der Bildungspolitik einher: Die Auflösung des Bildungsministeriums und die Eingliederung der Bildung ins Familienressort schwächen die Sichtbarkeit und strategische Kohärenz der Bildungsfragen erheblich. Bildung und Digitalisierung gehören zusammen gedacht. Wer die strukturelle Verbindung kappt, zementiert genau die Fragmentierung, unter der Bildungsdigitalisierung in Deutschland schon heute leidet.
Appell an die neue Bundesregierung
Die geplante Schaffung neuer Zuständigkeiten für Digitalisierung (vgl. Koalitionsvertrag, Abschnitt „Digitales“) bietet Chancen, erfordert aber auch Verantwortung. Wir rufen das künftige Digitalministerium sowie das Bildungsressort auf, jetzt nachzusteuern: Wer über digitale Bildung spricht, darf über offene Software und offene Inhalte nicht schweigen. Das Bündnis Freie Bildung fordert eine verpflichtende Berücksichtigung von Open Source Software bei der Beschaffung digitaler Bildungsinfrastruktur sowie die gesetzliche Verankerung, dass öffentlich finanzierte Bildungsinhalte standardmäßig als OER veröffentlicht werden. Ebenso sollte die Befähigung von Lehrenden und Lernenden hin zu einer kritisch reflektierten Mediennutzung stärkere Beachtung finden, indem gezielt Schulungen und Weiterbildungen ermöglicht werden, die Offenheitskompetenzen vermitteln und eine Kultur des Teilens unterstützen. Denn technische Mittel müssen in einen pädagogischen Rahmen gebettet sein, um zielgerichtet zu wirken. Die OEP stellen dafür eine bewährte methodische Rahmung zur Verfügung, um die Digitalisierung und Öffnung der Bildung wirkungsvoll zu entfalten.
Bündnis Freie Bildung
In diesem politischen Spannungsfeld positioniert sich das Bündnis Freie Bildung als Stimme für Offenheit. Seit über zehn Jahren bringen wir zivilgesellschaftliche, wissenschaftliche und bildungspraktische Perspektiven im deutschsprachigen Raum zusammen. Auch in Zukunft werden wir konstruktiv, kritisch und lösungsorientiert politisch Verantwortliche an ihre Versprechen erinnern, unsere Expertise in konkrete Umsetzungsprojekte einbringen, Offenheitskompetenzen durch neue Allianzen und Bildungsangebote stärken und uns für verbindliche rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen einsetzen.
Fazit
Digitale und offene Bildung ist die Voraussetzung für Selbstbestimmung, Teilhabe und Innovationsfähigkeit. Sie schafft Zugang, senkt Hürden und fördert gemeinwohlorientierte Wissenspraktiken. In einer Zeit, in der gesellschaftliche Resilienz und digitale Mündigkeit zentral sind, ist es fahrlässig, diesen Weg zu verlassen. Der Koalitionsvertrag 2025 ignoriert jedoch bewährte Entwicklungen, vernachlässigt Offenheit als Schlüsselprinzip und reduziert Digitalisierung auf Hardware und Breitband. Wir stehen bereit, unsere Expertise einzubringen, um digitale Mündigkeit und Bildungsgerechtigkeit zu fördern.
]]>Wir sprechen von einer Dringlichkeit, Bildung inklusiver und zukunftsfähiger zu gestalten und sozialer Spaltung entgegenzuwirken. Wegbereitend dafür ist die Idee, Bildung so zu gestalten, dass sie eine offene Bildungspraxis gezielt fördert und in der Breite praxistauglich macht.
Als Bündnis Freie Bildung beschreiben wir in unserem neuen Positionspapier anhand von rahmensetzenden und praxisorientierten Maßnahmen, wie der Weg auf Basis bestehender Strategien und Konzepte aussehen kann. Wir adressieren dabei bildungspolitische Entscheidungsträger*innen von Bund und Ländern.
Bündnis Freie Bildung_Positionspapier_2025”
Grundvoraussetzung für die Öffnung von Bildung in der Praxis ist, dass bei öffentlich geförderten Projekten und Initiativen in allen Bildungsbereichen die Ergebnisse offen lizenziert sein müssen. Unsere Kernforderung lautet daher, dass Bildungsmaterialien öffentlicher Einrichtungen regulär offen lizenziert werden und allen Bürger*innen zur freien Nutzung und Weiterverwendung zur Verfügung stehen müssen. Ebenso sollte die Nutzung offener Lizenzen bei Ausschreibungen obligatorisch sein.
Zudem ist eine zukunftsgerichtete Kompetenzentwicklung bei Lehrenden und Lernenden essentiell. Offenheitskompetenzen sind ein wichtiger Bestandteil dieser und in bestehende Curricula und Schulungen zu integrieren, da sie u.a. den Umgang mit Lizenzen und Quellen bei der Materialerstellung und -verwendung vermitteln, wie es auch bei der Analyse von KI-Anwendungen relevant ist.
Offene Bildungspraxis erfordert Anerkennung und Zeit als Teil der Arbeitszeit. Lehrende und Lernende sollen für Materialentwicklung und Kompetenzaufbau nicht auf ihre Freizeit ausweichen müssen.
Nicht zuletzt ist ein zielgerichteter Transfer dieser Schritte in die Bildungspraxis begleitet von einer rahmensetzenden Politik notwendig. Diese sollte sowohl bestehende Strategien, wie die bundesweite OER-Strategie und Förderrichtlinien des Bundes berücksichtigen, als auch den gezielten Versuch unternehmen, eine anschlussfähige Strategieentwicklung in den Bundesländern herzustellen. Daher braucht es eine darauf zugeschnittene Bund-Länder-Vereinbarung, die im Austausch zwischen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft zur Ausarbeitung und Umsetzung von länderspezifischen und -übergreifenden OER-Strategien auf Landesebene hinwirkt.
Das erfordert seitens Bund und Ländern einen flächendeckenden Ausbau von offenen, digitalen Infrastrukturen und langfristige Finanzierungsoptionen für Initiativen, Projekte und Community-Engagement, da diese in erster Linie für den Transfer in die Praxis verantwortlich sind und dazu beitragen.
Wir appellieren an die Politik, an die Lebendigkeit der OER-Strategie anzuknüpfen, dass jetzt der Schritt mutig gegangen werden muss, offene Bildung in der Bildungspraxis der Länder zu verankern.
Das kann nur gemeinsam erfolgen: Daher laden wir bildungspolitische Entscheidungsträger*innen seitens Bund und Ländern ein, mit unserem Bündnis-Netzwerk, unter Einbezug von Stakeholdern der Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft, gemeinsam die Umsetzung einer Bund-Länder-Vereinbarung konkret zu machen.
Wir sind gesprächsbereit, diesen Prozess mit anzustoßen, interessierte Entscheidungsträger*innen an einen Tisch zu bringen, beratend zu begleiten und mit unserer Expertise aus Bildungspraxis und -politik zu unterstützen.
]]>Durch das Scheitern der Ampelkoalition steht Deutschland für das Jahr 2025 ohne beschlossenen Haushalt da. Eine vorläufige Haushaltsführung bringt erhebliche Unsicherheit mit sich, da unklar ist, ob Förderprojekte aus Bundesmitteln wie angekündigt finanziert werden. Mit einem gesicherten Haushalt ist erst nach Neuwahlen und Regierungsbildung, also erst Mitte nächsten Jahres, zu rechnen.
Wir appellieren daher an alle Parteien, das Wohl der Zivilgesellschaft nicht dem politischen Kalkül zu opfern. Deutschland braucht innovative und freie Bildungsinitiativen mehr denn je, um den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein. Ein politischer Stillstand darf nicht dazu führen, dass die Arbeit engagierter Bürgerinnen und Bürger, die sich tagtäglich für eine gerechtere und zukunftsfähige Bildung einsetzen, existenziell bedroht wird.
Der nun einsetzende Stillstand im Haushalt trifft zivilgesellschaftliche Initiativen, die das deutsche Bildungssystem zugänglich, partizipativ und demokratisch gestalten wollen. Während andere Länder Bildung als Schlüssel für den gesellschaftlichen Fortschritt begreifen und fördern, machen wir hierzulande einen ungewollten und gefährlichen Rückschritt.
Es müsste darum gehen, wie Engagement für offene Bildung nachhaltig gefördert und strukturell abgesichert werden kann. Stattdessen stehen viele engagierte Menschen und zivilgesellschaftliche Organisationen vor einer unsicheren Zukunft.
Für zivilgesellschaftliche Organisationen und Initiativen, die auf Bundesförderungen aufbauen, ist diese politische Krise existenzbedrohend. Ohne die Möglichkeit, neue Förderprojekte zu starten, stehen viele dieser Organisationen vor dem Aus. Die potentiellen Konsequenzen: Mitarbeiter*innen müssten gekündigt werden, Strukturen und Kompetenzen, die über Jahre hinweg aufgebaut wurden, drohen unwiederbringlich verloren zu gehen. Hier trifft der politische Stillstand diejenigen, die sich täglich für eine gerechtere, digitale und zukunftsfähige Bildung einsetzen – eine Grundvoraussetzung für gesellschaftlichen Fortschritt, den die Ampelkoalition selbst als Ziel formuliert hatte.
Das Bündnis Freie Bildung fordert die politischen Akteure eindringlich auf, sich der Verantwortung gegenüber zivilgesellschaftlichen Organisationen und deren unermüdlichem Einsatz für Bildung bewusst zu werden. Es braucht schnelle, pragmatische Übergangslösungen, die es ermöglichen, dringend notwendige Fördermittel bereitzustellen und so die Handlungsfähigkeit zivilgesellschaftlicher Organisationen im Bildungsbereich zu sichern. Die zuständigen Ministerien sollten daher gemeinsam mit dem Parlament und anderen relevanten Akteuren einen Notfallplan entwickeln. Dies würde nicht nur die Finanzierung sichern, sondern auch das Vertrauen der Zivilgesellschaft in die Handlungsfähigkeit der Politik stärken.
Das Bündnis Freie Bildung setzt sich für eine freie, offene und innovative Bildungslandschaft in Deutschland ein. Mit zahlreichen Mitgliedsorganisationen und Unterstützer*innen fördern wir die Entwicklung und den Zugang zu freien Bildungsressourcen und stehen für eine digitale und chancengerechte Bildungszukunft.
]]>Das Bündnis Freie Bildung ist ein Zusammenschluss von Organisationen und Personen, die sich dafür einsetzen, dass Bildung gerechter, inklusiver und offener gelingen kann. Das Bündnis ist Impulsgeber, Diskussions- und Vernetzungsforum. Wie wirkt es genau? Konstruktiv kritisch, unabhängig, im Sinne des Collective Impacts. Was ist die Besonderheit? Das Bündnis verbindet eine Vielzahl an Perspektiven und fungiert als bildungspolitisches Sprachrohr der Open Education Community.
Das Bündnis setzt sich für eine offene Bildung in unserer Gesellschaft ein, damit alle Menschen unabhängig von Herkunft, Alter, Einkommen, geografischer Lage und anderen Voraussetzungen die Möglichkeit erhalten, am analogen und digitalen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und dieses aktiv mitzugestalten.
Offene Bildung bezieht sich dabei nicht nur auf offene Materialien (Open Educational Resources) und Bildungsangebote, sondern auch auf pädagogische Praxis (Open Educational Practises) sowie auf Praktiken/Kulturen der Zusammenarbeit, frei zugängliche Informationen, frei verfügbare Daten, offene Technologien (Open Source) wie z.B. die Verwendung quelloffener Software sowie Vernetzungsinfrastrukturen.
Es folgt ein kompakter Einblick in ausgewählte Themen und Formate, die in den letzten 10 Jahren durch das Bündnis umgesetzt, maßgeblich vorangebracht und ausprobiert wurden:
Mit dem Forum Open Education wurde der Austausch zwischen Zivilgesellschaft, Bildungspraxis und politischen Entscheidungsträger*innen intensiviert und die Debatte um zeitgemäßes Lehren und Lernen sowie freie Lehr- und Lernmaterialien von 2018-2021 vorangebracht.
Das Forum war ein offenes Format des Austauschs und der Kooperation. Es zielte darauf ab, die Zusammenarbeit zwischen Politik und Praxis zu stärken. Gemeinsam wurden Strategien erarbeitet, um langfristig zur Förderung von offener Bildung, Kompetenzen in Bereichen wie der politischen Bildung beizutragen oder dem souveränen Umgang mit dem Netz zu vermitteln. Dadurch sollten soziale Bildungsungleichheiten verringert und gesellschaftliche Partizipation gestärkt werden. Dort erarbeitete und diskutierte Konzepte fanden Einzug in politische Positionspapiere und Strategien des Bundes.
Vorstellungsfilm „Bildungspolitik ko-kreieren!“
Seit vielen Jahren berät das Bündnis Freie Bildung zu freien Bildungsmaterialien und -praktiken und hat Empfehlungen für die Umsetzung einer bundesweiten OER-Strategie kontinuierlich ausgesprochen.
Im September 2020 wurde ein umfassender Vorschlag für die Strategie ausgearbeitet. Es wurden konkrete Maßnahmen für verschiedene Aktionsfelder formuliert, die dabei helfen, Open Education – offene Bildungsmaterialien, Praktiken und Infrastrukturen – ganzheitlich und nachhaltig anzubieten und so Bildung allen zugänglich zu machen. Des Weiteren haben wir konkrete Forderungen gestellt und Empfehlungen abgegeben, die dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Zuge der “Runden Tische” 2021 eingebracht wurden. Das Ergebnis? Mit der bundesweiten OER-Strategie, die im Juli 2022 veröffentlicht wurde, möchte das BMBF Entwicklungsperspektiven und zukünftige Förderbereiche für die weitere Etablierung offener Bildungsmaterialien und -praktiken im Kontext digitaler Bildung aufzeigen und bereits bestehende Initiativen und Maßnahmen der Bundesregierung verknüpfen.
Ein guter nächster Schritt: Jetzt braucht es einen Plan und ein klares Signal der Politik und Verwaltung, die Umsetzung der veröffentlichten OER-Strategie auf Bundes- und Landesebene voranzutreiben. Dies sollte über die veröffentlichten Förderrichtlinien hinausgehen.
WirLernenOnline ist eine vom Bündnis Freie Bildung, dem Wikimedia Deutschland e.V. und dem edu-sharing Network e.V. gemeinschaftlich initiierte Mitmach-Plattform. Die OER- und Open Source Community bündeln ihre Kräfte, um frei nutzbare Bildungsinhalte zu sammeln und die gemeinsame Sammlung, Kuratierung, Bearbeitung und Nutzung von Open Educational Resources (OER) zu fördern.
WirLernenOnline erschließt seit 2020 länder- und plattformübergreifend Inhalte für Lehrende und Lernende für den digital gestützten oder den Präsenzunterricht. In Fachportalen werden von Community-Redaktionen ausgewählte Inhalte qualitätsgesichert zusammengestellt. Offenheitskompetenzen
Offenheit bzw. Openness ist in Bildungs- und Wissenschaftskontexten ein zentraler Aspekt, wenn es um Lernen und Lehre in der digitalisierten Welt geht. Häufig werden dazu Forderungen aufgestellt, dass sich die hochschulische Bildungspraxis stärker öffnen soll. Auch wenn prinzipiell die Bereitschaft groß ist, fehlen häufig die konkreten Ideen für die ersten Schritte zur Umsetzung. Deshalb haben engagierte Vertreter*innen der Bildungspraxis und des Bündnis Freie Bildung ein Modell zu Offenheitskompetenzen für Lehrende und Lernende entwickelt.
Das vom Bündnis Freie Bildung entwickelte Modell der Offenheitskompetenzen für Lehrende und Lernende ist der erste dezidierte Kompetenzrahmen mit einem Fokus auf Offenheit. Er soll die bestehenden digitalitisierungsbezogenen Kompetenzrahmen der Kultusministerkonferenz (KMK) und der European Commission sinnvoll ergänzen sowie einen konkreten Impuls für eine offene Bildungspraxis und -politik liefern.
Aufgrund der komplexen Dynamik gesellschaftlicher Entwicklungen benötigen Bildungsakteure besondere Handlungskompetenz für den Umgang mit neuen Herausforderungen aber auch der Nutzung ihrer Potentiale. Schlüssel zur Erlangung dieser Kompetenzen ist eine offene Bildungspraxis, die von Bildungsakteuren erlernt, angewendet, kontinuierlich erweitert und weitergegeben werden kann.
Um die dafür notwendigen bildungspolitischen Rahmenbedingungen zu schaffen, braucht es das Bündnis Freie Bildung! Das bedeutet, dass das Bündnis sich auch in den kommenden Jahren dafür einsetzen wird, bildungspolitische Bremsklötze zu überwinden und offene Bildung in der Bildungspraxis zu verankern.
Das Netzwerk, die Expertise, die Erfahrungen und Ideen der Bündnismitglieder werden unerlässlich bleiben, offene Bildungspraxis sichtbar zu machen. Wir schaffen Raum für Vernetzung innerhalb der Open Education Community und darüber hinaus stärken den Dialog zwischen Zivilgesellschaft und Bildungspolitiker*innen.
Wir sind motiviert und startklar, uns als Bündnis weiter zu entwickeln. Wir sind überzeugt, dass offene Bildung entlang der Herausforderungen unserer Zeit -der sozial-ökologischen Krise, im Angesicht von Demokratieskepsis und mangelnder Bildunsgerechtigkeit – hilfreiche Lösungsansätze bieten kann, von denen alle Menschen profitieren.
Ihr möchtet euch für offene Bildung engagieren? Schreibt an: info (at) buendnis-freie-bildung (dot) de!
]]>Das OERcamp im März 2024 war und bleibt ein zentraler Vernetzungs- und Austauschs-Hub der Open Education Community. Wir haben die Chance genutzt, das Bündnis als Netzwerk zu präsentieren, unsere Projektarbeit vorzustellen und über die Bedarfe der Community zu sprechen. Darüber hinaus haben 10 Thesen für die nächsten 10 Jahre Open Educational Resources (kurz: OER) zu formulieren und mit der Community zu diskutieren.
Ein Teil unserer Basisarbeit zielt weiterhin darauf ab, eine Kultur des Teilens und Open Education als Bildungsstandard zu etablieren:
“In den nächsten 10 Jahren sollte sich noch stärker eine Kultur des Teilens entwickeln und OER raus aus der Nische rücken. Gerade im Hinblick auf die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz, die das Potential hat, uns als Lehrkräften einige Arbeit abzunehmen, ist es wichtiger als je zuvor, gemeinsam Materialien, Ideen, problematisierende und auch Impulsfragen zu entwickeln und zu teilen. Niemand muss in unserer vernetzten Welt ein*e Einzelkämpfer*in sein.” (Mandy Schütze, ZUM)
“Offenheit als Grundidee und Mindset wird einen Wandel der Bildungskultur in Deutschland anstoßen. Das Thema Open Education ist kein Randthema mehr, sondern wird durch Policies und Strategien immer stärker als Bildungsstandard etabliert. Das wird eine Transformation, insbesondere in Bezug auf die Rolle von Lehrkräften, mit sich bringen. Denn der Umgang mit offener Software, der Workflow beim Entwickeln, Teilen, Überprüfen und Ergänzen von offenen Bildungsressourcen sowie das Praktizieren offener Pädagogik erfordern andere Kompetenzen, wie beispielsweise Offenheitskompetenzen.” (Celestine Kleinesper, OESA e. V.)
Offenheit bzw. Openness ist in Bildungs- und Wissenschaftskontexten in aller Munde. Häufig werden dazu Forderungen aufgestellt, dass sich die Bildungspraxis stärker öffnen soll. Die Bereitschaft ist groß, jedoch fehlen häufig die konkreten Ideen für die ersten Schritte zur Umsetzung. Deshalb haben André Hermes und Ronny Röwert zusammen mit engagierten Vertreter*innen der Bildungspraxis und des Bündnis Freie Bildung das Modell Offenheitskompetenzen für Lehrende und Lernende entwickelt.
Es ist der erste dezidierte Kompetenzrahmen mit einem Fokus auf Offenheit und soll die bestehenden digitalitisierungsbezogenen Kompetenzrahmen der Kultusministerkonferenz und der European Commission sinnvoll ergänzen sowie Impulse für Bildungspraxis und -politik liefern, wie in den Begleitinformationen zum Kompetenzrahmen skizziert.
Hier geht es zum offenheitsbezogenen Kompetenzrahmen für Lehrende als auch Lernende mit Umsetzungsempfehlungen auf allen Ebenen des Bildungssystems: Offenheitskompetenzen
In Zusammenarbeit mit OERinfo unterstützt das Bündnis Freie Bildung im Austausch mit der erweiterten Open Education Community die Weiterentwicklung und den geplanten Relaunch der OER World Map.
Im Herbst 2023 haben sich OERinfo, das Bündnis Freie Bildung und Intevation in einem gemeinsamen Arbeitstreffen mit der Open Education Community über die Zielsetzung und damit verbundene funktionale, datenspezifische und community-bildende Möglichkeiten der OER World Map ausgetauscht. Aufbauend darauf wurden die Ergebnisse in Use-Cases übersetzt/überführt und beim OERCamp im März 2024 präsentiert. Auch wurden weitere Spezifika der Personen- und Policy Datenbank sowie eines jährlich geplanten Reports diskutiert. Die Einbindung der Community-Bedarfe für die Nutzung der OER World Map soll dadurch möglichst umfassend und in einem offenen Prozess erfolgen.
Bereits im Februar haben die ersten Lightning Talks zum Thema “Ist es nur digital oder auch offen? Bildungskultur im Wandel?” mit den Impulsgeber*innen und Matthias Kostrzewa (Universitätsverbund digiLL), Nadine Linschinger (Universität Graz) und Celestine Kleinesper (OESA e. V.) stattgefunden.
Das nächste Impulsformat wird am 7. Mai erfolgen. Bündnismitglieder Tobias Feitkenhauer (Schule im Aufbruch), Nele Hirsch (eBildungslabor) und André Hermes (Gymnasium Ursulaschule und Geodidaktik Uni Osnabrück) werden unter dem Titel “Offene Lernformate: Konzepte, Praxis und Kompetenzen” Einblicke in Konzepte wie Freiday, weitere praxisnahe Lernformate sowie die Offenheitskompetenzen bieten, um mit Interessierten aus der Bildungspraxis in den Austausch zu treten. Nähere Infos dazu werden via OERinfo zu finden sein. Eine Vorabanmeldung oder Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Weitere Formate werden folgen. Wir sind auch für thematische Vorschläge und Wünsche zu Impulsvorträgen im Kontext von Open Education offen.
WirLernenOnline (kurz: WLO) wurde mit Beginn der Pandemie im Bündnis Freie Bildung initiiert, um adhoc und community-basiert digitale Bildungsinhalte für geschlossene Schulen zu sammeln. Mindestens 5 Inhalte je Lehrplanthema waren das erste gesteckte Ziel. In wenigen Monaten wurden mehr als 200.000 OER und andere frei zugängliche Inhalte gesammelt. Es entstanden ca. 30 Fachportale mit je 100 bis 200 Lehrplanthemen.
Das Projekt ist ein Schulterschluss deutscher OER- und Open Source-Akteur*innen. Technologien und Ansätze, wie das OER-Hörnchen (die erste OER-Suchmaschine) und edu-sharing wurden dafür miteinander kombiniert und skaliert, um die Redaktionen zu unterstützen. Es entstand ein Open Edu Hub, der Inhalte erschließt, kuratiert, zu Lehrplan- und Themensammlungen aggregiert und verbreitet. Die entwickelte Software der Plattform ist Open Source und wird über die weit verbreitete edu-sharing-Software gepflegt.
Aktuell wird WLO bildungsbereichsübergreifend ausgebaut. WLO baut ein Redaktionsnetzwerk auf und sucht je Fach- und Lehrplanthema engagierte Community-Mitglieder, die gute offene Bildungsinhalte und -angebote sammeln, bzw. Künstlicher Intelligenz beibringen, das weitmöglichst automatisch zu tun.
Communitys und Anbietende können außerdem eigene Redaktionsumgebungen erhalten, um OER für ihre Zielgruppen zu sammeln, zu erstellen und über den HUB zu verbreiten. So gelangen die Inhalte in die OER-Statistik, in Bildungssuchmaschinen, angeschlossene Lernplattformen und in Mein Bildungsraum.
Mittlerweile hat sich vieles sowohl in technologischer als auch in praxisnaher Hinsicht und den damit verbundenen Bedarfen in der Bildung weiterentwickelt. Wir möchten aufbauend auf unseren Erfahrungen, Erkenntnissen und unserer Expertise ein aktualisiertes, neues Positionspapier in 2024 entwickeln, welches sich daran orientiert. Unser Ziel ist es, zu vermitteln, wie wir Open Education als Bildungsstandard etablieren können, welche Wege wir dafür gehen müssen und welche nächsten politischen Schritte dafür notwendig sind.
Im September 2024 werden in den Bundesländern Sachsen, Thüringen und Brandenburg neue Landtage gewählt. Im Vorfeld möchten wir bildungspolitisches Agenda-Setting betreiben, für offene Bildung argumentieren und Openness in der Bildungspraxis fördern. Wir wollen mit einem aktualisierten Positionspapier auf unsere Themen aufmerksam machen, indem wir aufzeigen, wie offene Bildung helfen und konkrete Ansätze liefern können, um Probleme in der Bildung lösen kann.
Im ersten Quartal haben wir uns intensiv mit der Weiterentwicklung des Bündnisses und Strategien für mehr offene Bildung befasst. Auf Basis dessen wird es ab 2025 Änderungen in der Fortführung der Bündnisarbeit und -koordination geben.
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Neben der ohnehin ungewissen Zukunft des Digitalpakts II, stellt sich die Frage, wie bereits anlaufende Förderrichtlinien, wie die OE_COM im Rahmen der bundesweiten OER-Strategie, davon betroffen sein werden. Ziel ist es, dass noch in diesem Jahr Förderbescheide vergeben werden und die ausgewählten Projekte im Frühjahr 2024 starten. Bleibt es dabei?
Weiter gedacht: Wie wirkt sich die aktuelle Haushaltssperre auf die OER-Strategie und weitere Förderrichtlinien insgesamt aus?
Fragen über Fragen. Es wird sich zeigen, wie das ausstehende Haushaltsgesetz 2024 aussehen wird. Daher ist es uns wichtig jetzt zu betonen, dass Einsparungen bei Bildung und insbesondere Open Education nicht erfolgen dürfen, damit der Gestaltungsspielraum für die Verbesserung von Bildung nicht eingeschränkt wird und wir diese zukunftsfähig gestalten können.
Open Education ist kein Selbstzweck, sondern ein essenzieller Schlüssel, um auf dynamische Veränderungen in der Praxis angemessen reagieren zu können. Ob dies die einzelne Lehrkraft bei der Unterrichtsvorbereitung betrifft oder den barrierefreien Zugang zu freien Bildungsmaterialien für Lernende. Open Educational Resources (kurz: OER) und Open Educational Practices (kurz: OEP) sind eine nachhaltige Investition in die Widerstandsfähigkeit und Innovationskraft unseres Bildungssystems, die vor allem in finanziell angespannten Zeiten für Kontinuität im Bildungsbereich sorgen.
]]>In unserem Oktober-Bündnis-Call hat unser Gast Dr. Patrick Bronner erläutert, wie sich generative KI in das Unterrichtsgeschehen einbetten lässt und wie sie das Lehren und Lernen, ob in Physik, Mathematik oder bei der Projektarbeit, unterstützt. Insbesondere, weil Schüler*innen und Lehrkräfte lernen, diese Technologien gezielt anzuwenden und kritisch zu reflektieren.
Das bedeutet, sich beispielsweise über folgende Fragestellungen bei Anwendung von KI im Klaren zu werden: Auf welche Daten greift die von mir angewendete KI zurück? (Wie) Soll ich die Ergebnisse einordnen oder gar hinterfragen? Wie steht es rechtlich gesehen um die Nachnutzung des jeweiligen von KI generierten Werks?
Wir haben im Zuge dessen diskutiert, inwieweit KI und Bildung unter dem Aspekt von Offenheit zusammen gedacht werden können, insbesondere welche Chancen und Herausforderungen dies birgt. KI sollte nicht allein als Produktionsmaschine für Open Educational Resources (kurz OER) verstanden werden, wenn es um Offene Bildung geht. Generative KI kann mehr als ein Tool sein und als prozesshaftes Experimentierfeld dienen, in dem individuelle Open Educational Practices (kurz OEP) geübt werden (Mehr zum Verhältnis von OER und OEP auf OERinfo). Zudem ist anzumerken, dass die Existenz von generativer KI auch bereits nun nach knapp einem Jahr Dynamiken in Gang setzt, die beispielsweise die Prüfungskultur an (Hoch-) Schulen in Frage stellt.
Fragen, die beim Einsatz von KI für OEP aufkommen, sind: Wie setze ich KI ein, um was (Bild, Text etc.) zu produzieren? Was ist mein Anteil an dem Schaffensprozess der KI? Kann ich das Material unter einer offenen Lizenz nachnutzen, ohne Urheberrechtsverletzungen zu begehen?
Das sind nur einige von vielen Fragen, die das Bündnis Freie Bildung rund um KI und Offene Bildung beschäftigen. Unser weiterer Gast Regina Schulz hat den daran anschließenden Austausch in der Gruppe weiter abgerundet und ihre Thesen folgendermaßen zusammengefasst, wie OER und OEP in puncto KI kurz- bis langfristig angegangen werden könnten:
Darüber hinaus haben wir übergeordnete Themen angerissen, die bei generativer KI und offener, zeitgemäßer Bildung eine Rolle spielen sollten: Inklusion (Welche Daten trainieren KI? Wer nutzt KI?), Verantwortung (Wer besitzt oder verantwortet KI und deren Ergebnisse?), Verlässlichkeit (Welche Teile der Ergebnisse sind wahr und belegbar? Welche sind es nicht) und Sicherheit, Privatsphäre und Datenschutz (Welche Daten trainieren KI? Wie schütze ich meine personenbezogenen Daten vor KI?), Transparenz (Wie agiert, funktioniert KI?), um nur einen Ausschnitt wiederzugeben. Es gibt viele Fragen, die nicht einfach beantwortet werden können. Umso wichtiger ist es, sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit den Fragen zu befassen, um KI besser zu verstehen und so einzusetzen, dass digitale Kompetenzen von Lehrenden und Lernenden im Sinne einer Offene Bildung sowie der 21st-Century-Skills gefördert werden.
Abschließend folgte ein kompakter Input dazu von Bündnismitglied Sandra Schön. Sie berichtete davon, dass sie an der TU Graz einen ganzen MOOC mit generativen KI-Tools erstellt haben. Eine Möglichkeit der offenen Lizenzierung des beteiligten Rechtsexperten wurde beispielhaft angeführt.
KI birgt ein großes Potenzial, Lern- und Lehrkonzepte zugänglicher zu machen und den Planungsprozess von Bildungsformaten kreativ zu gestalten. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Probleme, Fragen und Herausforderungen, die in diesem Beitrag genannt wurden. Klar ist, dass es nicht ohne Politik und Richtlinien für generative KI gehen wird. Mit dem Europäischen AI Act wird eine KI-Regulierung auf den Weg gebracht, die möglicherweise helfen kann, zukünftig relevante Risiken und Verantwortungen auszuloten.
Gleichzeitig braucht es den Dialog mit der Zivilgesellschaft. Wir möchten und werden den aktuellen Diskurs zu KI und offener Bildung aktiv mitgestalten. Wir, als Bündnis Freie Bildung, setzen uns mit unterschiedlichen KI-Praxisbeispielen auseinander oder wenden diese an. Uns ist es wichtig zu eruieren, wie KI und die Prinzipien Offener Bildung künftig so ineinandergreifen können, dass sie einen ganzheitlichen Kulturwandel hin zu mehr Offenheit in der Bildung ebnen.
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