In der Bauernhof-Unterkunft hatte ich kein Frühstück gebucht, sodass ich am Morgen schon etwas früher startete. Die ersten zwei Kilometer folgte ich dem Weg, auf dem ich am Abend zuvor von der Dorfkneipe zurücklief. Im Nachbardorf steuerte ich diesmal nicht wieder die Kneipe neben der Kirche, sondern erneut den Bäcker an und diesmal hatte er auch geöffnet. Nachdem ich mich mit Baguette und mega leckerem Süßkram eingedeckt und das zusätzliche Gepäck verstaut hatte, radelte ich wieder zurück an den Radweg am Fluss entlang.

Es dauerte nicht lange, dann kam auch schon eine schattige Parkbank am Wegesrand und ich legte nach gerade mal vier gefahrenen Kilometern meine Frühstückspause ein. Eine Joggerin mit neugierigem Hund, der mein Frühstück beschnuppern wollte, kam vorbei. Obwohl dieser das Kommando „Aus!“ wahrscheinlich noch nie gehört hat, hat er’s wohl verstanden. Der Ton war wohl scharf genug. Oder vielleicht doch der Hund zweisprachig erzogen. Man weiß es nicht…
Aber ansonsten hatte ich den EuroVelo 6 am Morgen mal wieder ganz alleine für mich. Nur mit den Fischreihern und einigen Kühen musste ich mir die Landschaft teilen. Auch das Wetter war bestens. Richtig sonnig, aber nicht zu heiß. Perfektes Radfahrwetter würde ich sagen.

Die ersten paar Tage auf meiner langen Reise habe ich die Fischreiher am Wegesrand ja meist noch fotografiert, weil sie bei uns so selten sind. Aber irgendwann dachte ich nur noch „Ah, schon wieder einer…“. Und die Vögel haben sich wohl auch an die Radfahrer gewöhnt, denn wenn man an ihnen vorbeifuhr, dann flogen sie nicht weg. Anders jedoch, wenn man anhielt. Dann bereiteten sie ihre Flügel aus und wechselten zumindest die Fluss- beziehungsweise Kanalseite.

Kurzvisite und Shoppingtour in Dole
Am Vormittag erreichte ich dann Dole. Mit ca. 23.000 Einwohnern eine Kleinstadt, die aber alles hatte, was man so braucht. Und ich brauchte einen Optiker, bei dem ich Kontaktlinsenreiniger kaufen konnte. Meiner stand nämlich leider zuhause vergessen in Wiesbaden. Es gab zwar keine kleine etwas reisetauglichere Gefäßeinheit, aber ansonsten habe ich genau das bekommen, was ich wollte. Ich hatte allerdings auch vorher nachgeschaut, was „harte Kontaktlinsen“ auf Französisch heißt.

Danach bin ich noch kurz durch die Altstadt geradelt und hab mir danach das echt gut dastehende Bahnhofsgebäude angeschaut. Für SNCF-Verhältnisse fuhren hier sogar recht viele Züge. Gut möglich, dass ich hier sogar schon einmal durchkam, denn der TGV von Paris nach Lausanne in der Schweiz macht hier Station. Und mit dem bin ich vor vielen Jahren einmal mitgefahren.

Beim nächsten Mal nach Dole komme ich dann vielleicht, um hier auf ein Boot umzusteigen. Die Stadt hat einen größeren Hafen und dort machten viele Leihboote fest. Man erkennt diese zum einen am Einheitslook und natürlich an den vielen Bojen rund ums Schiff. Damit Hobbykapitäne, die für eine Fahrt damit keinen Führerschein benötigen, nicht allzu viel kaputt machen können, wie mir am Abend erklärt wurde.
Vom Jura in das Burgund
Kurz hinter Dole trennten sich dann die Wege vom Doubs und Rhein-Rhône-Kanal. Der natürliche Flusslauf mäanderte südlich des Kanals noch 20-25 Kilometer weiter bis er in Verdun-sur-le-Doubs in die Saône floss. Der Kanal hingegen nahm den kürzesten Weg. Auf dem EuroVelo 6 konnte man die meiste Zeit parallel zum Kanal fahren, nur an einer großen chemischen Industrieanlage bei Abergement-la-Ronce, da musste man dem Wasser für kurze Zeit Au-revoir sagen.

Dort, wo der Radweg wieder auf den Wasserweg trifft, dort fand ich die coolste Rastanlage auf der ganzen Tour durch Frankreich. Eine richtige Stromtankstelle mit diversen Ladesteckern und normalen Steckdosen für E-Bikes. Alles ganz neu errichtet. Nur die frisch gepflanzten Bäume an den Sitzgelegenheiten, die müssen noch etwas wachsen bis sie Schatten spenden können.
Kurz nach dem Rastplatz wechselte ich dann abermals das Department. Ich hatte das Jura nun hinter mir gelassen und fuhr für einige Stunden durch das Department Côte-d’Or. Kurz vor dem Zielort wechselte das Department jedoch nochmal. Die Nacht sollte ich in Saône-et-Loire verbringen. Die Kennzeichen der lokalen Autos wechselten im Lauf des Tages also von der Ordnungsnummer 39 auf 21 zu 71. Alle drei Departments gehören seit 2015 jedoch zur Region Bourgogne-Franche-Comté.
Die Qualität der Radwege durch Ost-Frankreich
Da das Anlegen und Instandhalten der Radwege zum Großteil in der Hand der Departments liegen, waren die kleinen „Grenzen“ auch nicht ganz unwichtig. Häufig änderte sich hier auch der Straßenbelag. Und nach den tollen Radwegen durch das Doubs und Jura, folgten in Côte-d’Or nun erst einmal einige Schotterpisten.

Bei Saint-Symphorien-sur-Saône endet der Rhein-Rhône-Kanal dann schließlich. Mein Radweg war nun für einige Kilometer identisch mit dem La Voie Bleue – dem Mosel-Saône-Radweg. Schiffe müssen die restliche Strecke vom Rhein Richtung Mittelmeer auf der Saône zurücklegen. Diese mündet dann bei Lyon in die Rhône, dem zweiten namensgebenden Fluss des Kanals.
Mit dem Pilgerstädtchen Saint-Jean-de-Losne habe ich noch einen größeren Ort passiert. Danach ging es dann knapp 40 Kilometer lang, meist auf kleineren Straßen durch das Burgund. Größere Dörfer oder Dinge wie Supermärkte: hier eher Mangelware. Langsam gewöhnte ich mich auch an die Schotterwege entlang der Saône. Das Rad staubte nun halt etwas ein und man musste ein bisschen mehr auf den Weg gucken, aber ansonsten war auch dieser Abschnitt gut fahrbar. Auf den Landstraßen herrschte fast kein Verkehr. Und wenn doch, dann wurde immer vorbildlich mit sicher zwei Metern Abstand überholt. Dafür vielen Dank liebe Franzosen! ?
Ab Abwegen vom EuroVelo 6
Um zu meiner gebuchten Unterkunft zu kommen, musste ich den offiziellen Radweg für einige Kilometer verlassen. Dieser führt hier nämlich links der Saône entlang, meine Unterkunft lag aber am rechten Ufer und eine Brücke gab es dort keine. Am nächsten Tag bin ich dann morgens wieder zurück auf den Eurovelo 6 gefahren, allerding ohne wirklich mehr Strecke gemacht zu haben. Ich musste ja einfach nur ein paar Kilometer auf der anderen Flussseite zurücklegen.
Wie ich im Gespräch mit Jan, dem Chef des Bed-and-Breakfast-Betriebs lernte, lag seine Unterkunft leider einen Kilometer zu weit weg von der offiziellen Route, sodass seine Unterkunft nicht in den offiziellen Unterkunftsverzeichnissen gelistet wird. Ein Glück, dass ich meine Unterkünfte dort ohnehin nicht gesucht hatte, sondern immer direkt in der Kartenansicht von booking.com bzw. wenn sich darüber nichts fand, dann über GoogleMaps.

Auf den letzten Metern nach Écuelles kam ich nahe dem Dorf Chivres an einem ehemaligen Bahnhof vorbei. Eine willkommene Gelegenheit für einen kleinen Fotohalt und ein bisschen Recherche in der Französischen Wikipedia. Ruckzuck war ein Artikel über die ehemalige Bahnstrecke gefunden. So lernte ich auch, dass ich morgen an einem Kreuzungsbahnhof vorbeikommen würde. Von den ehemals vier Strecken sind heute aber leider alle stillgelegt.

Hilfreich bei der Suche war außerdem immer die Railmap-App, so eine Art GoogleMaps mit aktiven und ehemaligen Eisenbahnstrecken. Außer dem Stationsgebäude erinnerte noch eine „Rue Du Gare“ an den früheren Bahnhof.
Im Vorfeld hatte ich auf diesem Abschnitt über den Fluss und am Bahnhof vorbei etwas Sorge, denn für rund vier Kilometer musste ich auf einer Landstraße fahren, entlang der es keinen Radweg gab. Ich konnte hier nicht abschätzen, wie hoch das Verkehrsaufkommen dort wohl sein mag. Aber die Sorge war eher unbegründet. Mir begegneten gerade mal 2-3 Autos, damit konnte ich gut leben.
Kurz nach dem ehemaligen Stationsgebäude kam dann auch die Abzweigung, an der ich mich links halten musste. Die letzten Kilometer bis zum Etappenziel führten über eine kleinere Gemeindestraße, die ich für mich allein hatte.
Meine Unterkunft für die vierte Nacht beherbergt schon seit 300 Jahren Reisende. Damals als Gasthof, nun frisch renoviert als Bed&Breakfast-Betrieb. Offiziell heißt die Unterkunft zwar nur „Jan‘s place in Burgundy“, aber Jan hätte sie auch „Jan‘s Paradiese“ nennen können.

Der angelegte Garten mit Blick auf das Flussufer war einfach wundervoll. Aber auch der ehemalige Gasthof war wunderbar eingerichtet. Es gab unten sogar ein Musik- und Bücher-Zimmer.
In den zwei Stockwerken darüber findet sich vier thematisch eingerichtete Zimmer. Ich bekam ein Zimmer im Dachgeschoss mit extra großer Dusche. Die Erfrischung hat nach dem warmen und staubigen Tag richtig gut getan. Abends versorgte ich mich dann selbst mit ein bisschen Baguette, Käse und Wein. Einen Supermarkt gibt’s im Dorf allerdings keinen, man muss also etwas vorplanen.

Nach dem Abendessen schaute ich mir noch das Flussufer der Saône an. War ja nicht weit. Direkt an der Dorfkirche gegenüber meiner Unterkunft führte ein kleiner Weg ans Ufer hinab. Lang blieb ich allerdings nicht draußen. Es zogen nämlich recht dunkle Wolken auf und der Wind nahm auch zu. Und nass werden wollte ich nicht unbedingt am Abend.

Jan ist übrigens Niederländer, der neben Englisch, Fanzösisch und Niederländisch auch ziemlich perfektes Deutsch spricht. Beim Frühstück am nächsten Morgen hat er mir ein bisschen über sich erzählt. Früher war er Koch in Amsterdam. Aber das wurde ihm dann irgendwann zu stressig. Nun verköstigt er seine Gäste lieber im Burgund. Mich zwar nur mit einem großen und reichlichen Frühstück, aber auf Anfrage vorab zaubert er auch Mehrgänge-Menüs für seine Gäste am Abend.
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Für Statistik-Fans
| Etappe Nummer 4 | Gesamttour | |
| Geradelte Kilometer | 79,5 km | 334,5 km |
| Im Sattel verbrachte Zeit | 3:55 Stunden | 16:25 Stunden |
| Höhenmeter bergauf | 200 Meter | 1020 Meter |
| Höhenmeter bergab | 240 Meter | 1070 Meter |
Der Tag startete am frühen Morgen aber mit einem kleinen Schrecken. Ich Idiot hatte vergessen meinen E-Bike-Akku über Nacht ans Ladegerät zu stöpseln und zu laden. Zum Glück habe ich es um sechs Uhr morgens bemerkt und konnte so noch rund 3,5 Stunden bis zum Check-out laden. Und ein bisschen entspannter konnte ich auch dadurch sein, dass ich ohnehin zwei Akkus dabei hatte und der zweite fast komplett voll war. Hatte ihn am Vortrag auf den 100 Kilometern nur für die letzten zehn eingesetzt.

Wie weit der Akku reicht, kann man nicht so genau sagen. Es kommt natürlich darauf an, wie hügelig oder bergig es ist. Außerdem spielen Untergrund und Gegenwind eine große Rolle. An Tagen mit Schotterpiste und ordentlich Gegenwind, kann er trotz fehlender Hügel auch schon mal nach 70 Kilometern leer sein.
Eine kleine Info noch zum Laden, weil ich es gefragt wurde: eine besondere Infrastruktur benötigt man dazu nicht. Man muss nur sein Ladegerät mit auf die Reise nehmen und kann dann an jeder Steckdose laden. Von 0% auf 100% benötigt der Ladevorgang mit meinem Ladegerät etwa 4 bis 4,5 Stunden.

Nach einer kurzen aber ziemlich steilen Fahrt vom Hotel in Baume-les-Dames hinunter zurück ans Wasser, war die bewohnte Zivilisation recht schnell verlassen. Wie schon am Tag zuvor führte der EuroVelo 6 auf perfekt ausgebauten Wegen entlang des Doubs immer grob Richtung Westen. Hier muss man den Departments Doubs und Jura echt großes Lob aussprechen.
Eine stille Gegend – herrlich zum Abschalten
Manchmal ging es für kurze Abschnitte aber auch nach Norden oder Richtung Süden, denn der Fluss hatte sich hier recht tief in die hügelige Landschaft eingegraben und durchfloss den Abschnitt mit vielen Kurven. Ein bisschen erinnerte mich die Gegend an das Altmühltal beziehungsweise Ur-Donautal zwischen Dietfurt und Kelheim in Bayern. Nur dass auf dem Radweg durch Frankreich viel weniger los war. An diesem Montag und Nach-Feiertag-Tag begegnete ich außerhalb der Städtchen auf der Etappe kaum Menschen.

Dieser Umstand machte auch die Nahrungsaufnahme etwas schwieriger, denn es gab kaum Cafés entlang der Strecke. Und einige Bäckereien und Läden hatten zudem noch geschlossen, weil der Feiertag auf einen Sonntag fiel und man den Erholungstag ja nachholen muss. Wenn man seinen Proviant aber rechtzeitig besorgt hatte, dann war das alles kein Problem.

An diesem Tag waren es eher die kleinen Dinge, über die ich mich freute. Das erste fahrende Schiff auf der Route. Eine Eisenbahnstrecke durch das felsige Tal und ich konnte sie mit kurzer Wartezeit sogar mit Zug fotografieren. Die schon erwähnten steil aufsteigenden Hänge im Flusstal oder verlassene Fabriken vor meiner Kameralinse. Und natürlich daran, doch noch einen geöffneten Biergarten gefunden zu haben.

Kurzzeitig unterbrochen wurde die Stille im Tal nur durch die Französische Luftwaffe. Zwei Kampfjets übten am Himmel irgendwelche Abfang-Manöver und flogen minutenlang in engen Kurven und Sturzflügen hintereinander her.

Kurzer Stadtbesuch in Besançon
Auf etwa der Hälfte meiner dritten Etappe lag Besançon, dessen Zitadelle hoch über einer Flussschleife des Doubs thront. Die etwas unterhalb davon gelegene Altstadt wird komplett vom Fluss umrundet, der hier für tolle Aussichten und große Grünanlagen in der Stadt sorgt. Das Stadtzentrum wurde zusammen mit dem Wiederaufbau des Straßenbahnnetzes vor einigen Jahren komplett modernisiert. Viel Platz für Fußgänger, Radfahrer und die Straßenbahnen. Sehr wenig Platz für Autos. So müsste das eigentlich überall sein.



Kanaltunnel unter der Zitadelle von Besançon
Außerdem hat Besançon natürlich noch ein ganz besonderes Highlight zu bieten. Unter der Zitadelle führt ein Kanaltunnel hindurch. Auf diesem kürzen die Schiffe auf der Wasserstraße die komplette Altstadt-Schleife des Flusses ab. Auf dem Treidelweg neben dem Rhein-Rhône-Kanal können hier auch Fußgänger und Radfahrer die Route abkürzen. Reisenden auf dem EuroVelo 6 empfehle ich aber nach dem „Abkürzen“ der Route trotzdem dringend einen Abstecher ins Stadtzentrum. Mein aufgezeichneter Routenverlauf sieht an der Stelle aus, als hätte ich mich dreimal verfahren. War aber genauso beabsichtigt! ?

Das Ziel der Etappe nach rund 90 Kilometern
Nach dem kurzen Sightseeing-Aufenthalt am Mittag in Besançon, radelte ich nochmal 40 weitere Kilometer flussabwärts bis ich am späten Nachmittag an meiner reservierten Unterkunft in Audelange ankam. Bei der „Ferme d’Audelange“ handelt es sich um eine Art Bed-and-Breakfast-Betrieb in einem sehr alten Bauernhofgehöft. Mein Zimmer und das Badezimmer waren sehr stilvoll eingerichtet. Nur die Treppe ins Obergeschoss war ein wenig gewöhnungsbedürftig, da sie recht steil und jede Stufe unterschiedlich hoch war.
Mein Fahrrad konnte ich im Pferdestall unterstellen, man musste nur aufpassen, dass man es nicht unter einem Schwalbennest parkte, aber die weißen Flecken auf dem Boden waren ein guter Indikator, wo es nicht stehen sollte. Die Wirtin sprach zwar nur Französisch, aber wenn einem eh alles gezeigt wird, dann versteht man das auch ohne Sprachkenntnisse.

Die Suche nach einem Abendessen
Etwas schwieriger gestaltete sich die Suche nach einer Mahlzeit am Abend. In Audelange selbst, einem 272 Einwohner-Dorf, gab es nichts. Also machte ich mich auf einem kleinen Wanderweg auf ins Nachbardorf. War mit rund 3 Kilometern ja nicht weit nach Rochefort-sur-Nenon. Hier sollte es laut GoogleMaps eine Bäckerei, einen am Abend wohl schon geschlossenen Supermarkt sowie eine Bar und ein Restaurant geben. Doof war, dass die Bäckerei zu hatte, weil der Feiertag nachgeholt wurde. Und beim Supermarkt hatte Google recht, ich kam zu spät und stand vor verschlossener Tür.
Blieben noch das Restaurant und die Bar. Das Restaurant hatte erst ab 19:00 Uhr geöffnet und ich musste noch eineinhalb Stunden überbrücken. Also warum nicht in die Bar gehen, die hatte geöffnet, einen fast günstigen Bierpreis und Sitzplätze draußen. Ein älteres Schweizer Ehepaar mit Hund tat es mir gleich, denn auch sie wurden am Restaurant nochmal weggeschickt.

Obwohl auch Rochefort-sur-Nenon nur 670 Einwohner hat, herrschte reger Betrieb am Abend in der Kneipe. Nur lange blieben die meisten Gäste nicht, häufig nur 20-30 Minuten. Auffällig waren die vielen Handwerker-Autos, die rund um den Dorfkneipe parkten. Es erinnerte mich ein wenig an meine Zeit auf dem Camino-del-Norte durch Spanien. Auch dort hing ich immer wieder mal in Dorfkneipen ab und auch dort war es üblich, dass Handwerker und Monteure in der langen Mittagspause ein Gläschen Wein tranken. So war es auch in Frankreich, nur dass es hier schon ein Feierabendgläschen war. Aber wer weiß, vielleicht waren sie mittags auch schon da.
Ansonsten sorgten noch eine Begegnung von Schulbus und großen LKW auf der „Hauptstraße“ in der engen Kurve vor der Dorfkneipe für etwas Abwechslung. Kurz danach musste noch ein Traktor zurücksetzen, weil ihm ein noch größerer und überbreiter Traktor entgegen kam. Nebenbei postete ich Bilder und Videos vom dritten Tag in meine Instagram-Story. Es soll ja Freunde und Bekannte geben, die am Vorabend stets ungeduldig auf die Story gewartet haben. Und wehe ich habe die Story mal 1-2 Stunden später gepostet.

Die Essenssuche ging übrigens so aus, dass ich mich nach zwei Bieren in der Kneipe dazu entschied, doch nicht mehr ins Restaurant zu gehen. Das Hungergefühl war irgendwie weg. Und falls es in der Nacht wiederkommen sollte, hatte ich notfalls noch zwei Müsliriegel.
Der Rückweg zu meinem Bauernhofgehöft führte mich unten am Fluss entlang, sodass meine kleine Wanderung sogar einen Rundweg ergab. Hier am Weg gab es viele kleine Wochenendhäuschen, die alle liebevolle Gärten hatten. Ansonsten sind keine weiteren Vorkommnisse für den Abend und die Nacht notiert.

Zum Blogpost des vierten Tages geht es hier entlang. Sobald er geschrieben ist.
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Für Statistik-Fans
| Etappe Nummer 3 | Gesamttour | |
| Geradelte Kilometer | 90,7 km | 255,0 km |
| Im Sattel verbrachte Zeit | 4:20 Stunden | 12:30 Stunden |
| Höhenmeter bergauf | 270 Meter | 820 Meter |
| Höhenmeter bergab | 350 Meter | 830 Meter |
Wir schreiben Sonntag, den 1. Mai 2022. Der Tag der Arbeit ist auch in Frankreich ein Feiertag, aber da er auf einen Sonntag fiel, machte es keinen großen Unterschied. Wobei: bei einer Sache hätte es einen gravierenden Unterschied gemacht. Landesweit bleiben an diesem Tag alle Linienbusse und Straßenbahnen in den Depots und auch Züge fahren kaum welche. Insofern hatte ich Glück, dass mein einziges Verkehrsmittel heute das Fahrrad sein sollte.

In der Nacht habe ich zwar recht gut geschlafen, aber beim Einschlafen habe ich schrecklich gefroren. Nach einiger Zeit habe ich auch rausbekommen warum. Eins der beiden Fenster in meinem Zimmer ließ sich nicht spaltfrei schließen. Ihr erinnert euch an das alte Haus, das ich euch im ersten Artikel beschrieben hatte. Irgendwie hatte sich wohl das Fenster verzogen. Aber ich hatte eine Heizung im Zimmer und so habe ich eben die angestellt, so ließ es sich – mit Sweatshirt an – dann auch gut einschlafen.
Meine Mahlzeiten in Frankreich
Morgens gabs ein herzhaftes Frühstück mit Rauchfleisch und Co, was ich als fast Vegetarier ja nicht so prall fand. Aber Marmelade und Baguette waren auch am Start, damit sollte ich klarkommen. Im Grund genommen habe ich mich in Frankreich sowieso zu 70% von Baguette ernährt. Irgendwann hatte ich auch eine perfekte Möglichkeit gefunden, meine frisch gekauften Baguettes am Rad zu verstauen. Aber mehr dazu in einem der späteren Blogposts.
Zurück zum 1. Mai: ab dem späten Mittag war ich froh, dass ich eine ordentliche Menge gefrühstückt hatte. Denn offene Bäckereien oder Restaurants zu finden, das war am Tag der Arbeit gar nicht so einfach in einem dünn besiedelten Landstrich. Tankstellenshops kennt man in Frankreich auch eher nicht. Meist hat man einfach nur SB-Tankstellen, die außer den Zapfsäulen und einem Automaten nicht viel Ausstattung haben. Häufig noch nicht einmal ein Dach.

Ich hatte mir glaub beim Frühstück sogar 1-2 Scheiben Brot eingesteckt. Für alle Fälle, wenn ich keine Bäckerei finden sollte. Etwas Brotaufstrich vom ersten Tag, ein Glas Marmelade von meiner Schwester und einige kleine Dosen mit Honig und Nutella hatte ich noch von den Hotels meines letztens Trips in Slowenien im Gepäck.
Ohnehin war wahrscheinlich die Kategorie Essen und Trinken, die, für die man in Frankreich am meisten Geld ausgeben hätte können. Aber tagsüber habe ich mich mit Leitungswasser begnügt und mittags habe ich meistens Vesperpause gemacht. Fast immer an einem wunderschönen Rastplatz irgendwo mitten in der Natur. Ab dem folgenden Tag hatten dann ja auch die Läden wieder offen und ich konnte Verpflegung nachkaufen. Weil man in Frankreich die vegetarischen Brotaufstriche, die es in Deutschland inzwischen in jedem Supermarkt und Discounter gibt, noch nicht wirklich kennt, lief es meistens auf Käse raus. Und Baguette natürlich. Abends dafür häufiger mal im Restaurant.

Der Start in den Tag
Um 9:50 Uhr war es dann soweit. Ich aktivierte die Aufzeichnungsfunktion der Route mittels Strava auf meiner Apple Watch und stieg aufs wieder beladene Fahrrad. Und sicherheitshalber auch immer nochmal in einer zweiten App (komoot) auf dem Smartphone. Anders als am Abend zuvor wählte ich nicht den direkten Weg zurück zum Rhein-Rhône-Kanal, sondern bin einen kleinen Schlenker über das Nachbardorf Dannemarie gefahren.
Dort war die Dorfmitte hübsch geschmückt für ein bald startendes Festchen, aber leider keine Bäckerei geöffnet. Dafür hätte ich am Vormittag des Feiertags überall Maiglöckchen kaufen können. Immer wieder saßen kleine Mädchen oder Omas am Straßenrand, die welche verkauften. In unserem Nachbarland gelten sie als Glücksbringer und werden für diesen Tag extra gezüchtet. Wer mehr über den Brauch wissen will, findet Infos dazu im Reiseblog meinFrankreich.com.

Ein paar Sätze zum Kanalsystem in Frankreich
Nach diesem kurzen Abstecher führte dann meine Route wieder runter an den Kanal. Der Rhein-Rhône-Kanal beziehungsweise Canal du Rhône au Rhin wie die Franzosen ihn nennen, wurde von 1784 bis 1833 erbaut und kann Schiffe der Freycinet-Klasse aufnehmen. Wikipedia sagt dazu, dass das einer Schiffsgröße von maximal 38,5 Meter Länge und 5,05 Meter Breite entspricht. Bei einem Tiefgang von höchstens 1,80 Meter, macht das eine maximale Ladekapazität von 250 Tonnen. Für dieselbe Menge brauchte man damals richtig viele Pferdfuhrwerke.
Der Name des Kanals täuscht ein wenig. Der Kanal führt eigentlich nur bis zur Saône, einem größeren und schon schiffbaren Fluss, der dann in die Rhône mündet. Und das andere Ende trifft auch nicht auf den Rhein, sondern auf den Rheinseitenkanal. Also eigentlich müsste er Rheinseitenkanal-Saône-Kanal heißen. War aber wohl allen zu kompliziert und deswegen heißt er so, wie er heißt.

Recht kompliziert war auch die Erbauung des Kanals im heutigen Department Haut-Rhin (Ober-Elsass), denn vom Rheintal hoch zur Wasserscheide müssen 110 Höhenmeter aufwärts überwunden werden. 40 Schleusen braucht es dafür. Und gleich 13 davon findet man in der Schleusentreppe von Valdieu-Lutran. Das 3 Kilometer lange Bauwerk sieht schon vom Boden beeindruckend aus, noch coolere Fotos hätte man wohl aus der Luft machen können, aber eine Drohne hatte ich nicht dabei.
Mein Radweg, der EuroVelo 6 führte auf dem sogenannten Leinpfad immer parallel zum Kanal am Wasser entlang. Auf diesem haben früher Pferde oder Ochsen die noch motorlosen Schiffe gezogen. Heute verläuft darauf der Radweg. In den allermeisten Abschnitten in Ostfrankreich ein piekfeiner Asphaltbelag, auf dem man sogar Rennradfahrer antraf.

Und es gibt noch einen weiteren Vorteil: dadurch, dass die Schiffe ja auch unter Brücken für Eisenbahn und Co hindurch getreidelt werden mussten, findet sich unter den allermeisten Brücken genug Platz um den Radweg kreuzungsfrei drunter durch zu führen. Also die ersten paar hundert Kilometer – ungefähr bis zur Mündung in die Saône – können auch Kinder perfekt auf dem EuroVelo 6 durch Frankreich radeln.
Aber 95% des Tages hatte ich den Radweg die nächsten zwei Wochen echt für mich allein. Bis zur Loire waren Anfang Mai kaum andere Fernradler unterwegs. Nur an den Vormittagen am Samstag und Sonntag waren häufiger mal Rennräder unterwegs. Ansonsten begegneten einem auf dem Weg eigentlich nur noch ab und an Traktoren mit Mähwerken, die dafür sorgten, dass das Gras entlang der Wege geschnitten wurde. Aber sobald die Fahrer mich bemerkten, wurde sofort das Mähen pausiert, mich sicher passieren gelassen und danach weiter gemacht. Echt vorbildlich, liebe VNF! So heißt die zuständige Wasserstraßenverwaltungsbehörde in Frankreich.

Städte entlang der Etappe
Größere Städte gab es auf der knapp 100 Kilometer langen Etappe keine. Nach Belfort hätte ich einen kleinen Abstecher machen können, aber weil die Etappe schon sehr lang war, hab ich den weggelassen. Aber durch Montbéliard bin ich durchgekommen. Das war auch ein schönes Städtchen, mit einem 1397 von den Württembergern erbauten Schloss auf einem Felsen über der Stadt. Unten am Fluss Allan liegt auch ein richtig schöner Park, in dem ich meine Pause am Mittag verbrachte. Sonst ging es aber eher beschaulich zu am Feiertag.
Beim Blick ins Höhenprofil der zweiten Etappe sieht man recht leicht, dass der Scheitelpunkt des Kanals schon kurz nach der Schleusentreppe erreicht war. Von nun an ging es für das Wasser Richtung Rhône und Mittelmeer nur noch bergab. Kurz vor der Stadt überquerte der Kanal auf einer Brücke den Fluss. Solche Bauwerke gab es einige auf der Route und ich fand sie jedes Mal aufs Neue faszinierend.

Wenige Kilometer hinter nach Montbéliard mündete der Fluss Allan dann in einen etwas größeren aus der Schweiz kommenden Fluss – den Doubs. Dieser ist außerdem auch namensgebend für das zweite Department, durch das ich radelte. Auch die nächsthöhere Verwaltungseinheit – die Region – hatte sich geändert: auf das Grand Est folgte die Region Bourgogne-Franche-Comté. Wenn man ein Department mit einem Landkreis gleichsetzen würde, dann wären die französischen Regionen wohl so etwas wie ein Bundesland, sind sie aber natürlich nicht.
Aber nicht nur die Region der Verwaltungseinheit änderte sich, im Laufe des Nachmittags änderte sich auch die Landschaft sehr. Ich folgte jetzt nicht mehr einem meist geraden in das platte Land gegrabenen Kanal, sondern einer Wasserstraße, die einem natürlichen Flusslauf folgte. Wie ihr auf dem Foto sehen könnt, hatte sich der Doubs stellenweise sehr tief und kurvenreich ins Felsmassiv eingegraben.

Unterwegs im Doubs-Tal Richtung Südwesten
Auf den meisten Abschnitten im Doubs-Tal gab es keinen separaten Kanal mehr. Die Schiffbarkeit wurde über viele Staustufen mit kleinen Schleusen hergestellt. Aber auch hier kann ich mich nur wiederholen. Eine wunderschöne Gegend, die manche von euch auf einer Autofahrt ans Mittelmeer schon gestreift haben, aber ansonsten fast keiner in meinem Bekanntenkreis kannte.
Die Gegend ist auch recht dünn besiedelt, es war gar nicht so einfach hier immer Unterkünfte an der richtigen Stelle zu finden. Zur genauen Planung meiner Reise aber in einem späteren Blogpost mehr. Industrie gab es früher wohl einmal mehr, einige einsame und halbeingefallene Fabrikruinen erinnerten noch daran.

Das war auch auf der weiteren Reise auffällig: um einsturzgefährdete Gebäude einfach eine kleine Absperrung drum rum machen und den Rest dem Zahn der Zeit überlassen. Wahrscheinlich hat es in Deutschland versicherungstechnische Gründe, dass bei uns immer alles gleich abgerissen werden muss.
Ziel meiner Etappe war dann am Abend Baume-les-Dames. Wie versprochen endlich ein Französisch klingender Ortsname. Wie weit ich am zweiten Tag geradelt bin, da waren sich meine beiden Apps nicht ganz einig. Strava sagte genau 100 Kilometer, komoot hingegen meinte es seien nur 99,6 Kilometer gewesen. Meinem richtigen Ziel, dem Atlantik, bin ich jedenfalls ein gutes Stück nähergekommen. Aber es lagen immer noch gute 1.600 Kilometer vor mir.

Die Übernachtung in Baume-les-Dames
Meine Unterkunft für die zweite Nacht war ein zu einem Restaurant gehörendes kleines Hotel. Bezahlt habe ich für die Übernachtung im Hôtel Le Bambi mit Frühstück 57 Euro. Nur die Checkin-Zeiten waren etwas schwierig, denn Personal war erst ab 18:30 Uhr vor Ort. Wir hatten zwar am Morgen noch telefoniert, auf Französisch, und man wollte mir einen Schlüssel in die entsprechende Box hinterlegen. Ja sogar den PIN-Code hatte ich mir richtig notiert, aber dann hatte die Chefin im morgendlichen Stress vergessen den Schlüssel in die Box zu deponieren. So musste ich halt eine halbe Stunde auf dem Parkplatz warten, bis es 18:30 Uhr war und jemand auftauchte.
Für den Fehler hatte sie sich aber vielmals entschuldigt. Und war ja auch kein großes Ding. Ich hatte kurz zuvor in einem der wenigen Biergärten Frankreichs eine etwas längerer Pause am Flussufer eingelegt und dort ein Belohungsbier (7 Euro für 0,5 Liter) in der Abendsonne getrunken.

Apropos Wetter: ich hab’s ganz vergessen zu erwähnen. Aber an Tag 2 war es komplett trocken. Morgens schon sonnig, am Vormittag nochmal etwas bewölkt, aber ab dem Mittag bis in den Abend hinein wunderschönes Wetter und strahlend blauer Himmel. Die Temperatur lag bei so etwa 22 Grad. Also perfektes Radfahrwetter. Komischerweise hatte bisher nicht mal meine Pollenallergie etwas zu meckern.
Im Restaurant des Hotels gab es für mich dann abends noch eine Pizza. Als einziger Gast wollte ich abends gegen 20 Uhr unbedingt auf der schattigen Terrasse sitzen. Aber drinnen war mir einfach zu voll. Da war mir die Gefahr einer Ansteckung mit Corona zu hoch. Lieber frieren als Corona war mein Motto. Ins Bett ging es dann auch wieder recht früh. ?
In den nächsten Artikeln will ich dann auch mal ein paar allgemeinere Themen einfließen lassen. Das wären dann zum Beispiel die Planung der Route, die Buchung der Unterkünfte, meine Packliste, ein paar Worte zur Ausrüstung. Wenn euch noch was fehlt, schreibt es gerne ins Kommentarfeld.
Zum Blogpost des dritten Tages geht es hier entlang. Sobald er geschrieben ist.
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Für Statistik-Fans
| Tag Nummer 2 | Gesamttour | |
| Geradelte Kilometer | 99,5 km | 164,3 km |
| Im Sattel verbrachte Zeit | 4:47 Stunden | 8:00 Stunden |
| Höhenmeter bergauf | 370 Meter | 550 Meter |
| Höhenmeter bergab | 380 Meter | 480 Meter |
Aber zunächst ein kleiner Absatz vorweg. Ziel meiner vierwöchigen Tour mit dem Rad durch Frankreich sollte der Atlantik sein. So setzt sich auch mein wahnsinnig kreativ gewählter Hashtag #radlantik zusammen. Gefolgt bin ich auf meiner Tour weitgehend dem europäischen Fernradweg EuroVelo 6, der vom Atlantik bis ans 3.650 Kilometer entfernte Schwarze Meer führt.

Wenn ich es durchhalte, dann werdet ihr hier die nächsten Tage, Wochen oder vielleicht Monate für jeden der 30 Reisetage einen Blogpost mit einer Auswahl an Bildern finden. So viel schon einmal vorweg: ich habe das Meer, mein Ziel erreicht, nur ob ich beim Bloggen genauso gut durchhalten werde, wie beim Radfahren. Mal schauen.
Eine Sache noch: bevor hier irgendeiner dumm kommentiert, weil er auf einem der Fotos einen Akku am Fahrrad erkennt – hier gleich mal transparent vorweg – ich bin mit meinem E-Bike gereist. Mit allen Umwegen, zum Beispiel zu dem ein oder anderen Schloss im Loire-Tal, kam ich so auf rund 2.000 Kilometer.

Die Anreise in den Breisgau mit dem Zug
Los ging die Radtour jedenfalls im badischen Heitersheim, das etwa 30 Kilometer südlich von Freiburg liegt. Ich hätte auch zuhause in Wiesbaden starten können, aber das Rheintal auf dem EuroVelo 15 kannte ich ja schon von verschiedenen anderen Touren. Also wählte ich als Startort ursprünglich mal Müllheim (Baden). Bereits im Zug sitzend bemerkte ich dann aber, dass der Bahnhof keine Aufzüge besitzt und ich an einem Mittelbahnsteig ankommen werde. So stieg ich einfach einen Halt früher aus und konnte starten, ohne das schwer bepackte Rad über irgendwelche Treppen schleppen zu müssen. Die Tagesetappe verlängert sich dadurch um rund 10km, aber ich hatte für den ersten Tag ohnehin eine kurze Strecke geplant.
Meine planmäßige Ankunft am Startort sollte gegen 12 Uhr sein, aber ich wollte auf der sicheren Seite sein, falls bei der Anreise mit der Deutschen Bahn nicht alles klappt und ich vielleicht erst um 14 Uhr hätte starten können. Zunächst gings mit der S-Bahn, die am Samstagmorgen schön leer war, von Wiesbaden zum Frankfurter Hauptbahnhof. Dort erfolgte dann der Umstieg in einen gebuchten und reservierten ICE, der mich und mein Rad bis Freiburg bringen sollte. Und dann noch eine kurze Strecke in einem Regionalzug. So war der Plan.

Am Vorabend der Reise brachte mir dann mein ganzes Bahnwissen eine sehr unruhige Nacht. Ich wusste nämlich schon vorab, dass es bei meinem ICE am nächsten Tag einen Fahrzeugtausch geben wird. Alle anderen wird es gefreut haben, dass der ICE nun einen Waggon länger war, mich hat es kaum schlafen lassen. Es ist nämlich so, dass der Gleis 9 in Frankfurt meistens so angefahren wird, dass richtig lange Züge wie meiner, gar nicht komplett an den Bahnsteig passen. Und dreimal dürft ihr raten, welcher Wagen, dann nicht am Bahnsteig steht.
Richtig, der Wagen mit den Fahrradplätzen. Bei Zügen auf der Linie, die planmäßig so lang sind, sind dann Fahrradplätze dann gar nicht von oder nach Frankfurt buchbar. Bei meinem geschah es ja außerplanmäßig, ich hatte also eine Reservierung, aber keine Ahnung, ob ich auch einsteigen können würde. Notfalls hätte man vielleicht auch noch das Fahrrad durch 1-2 Wagen schieben können, aber gern gesehen ist das wohl eher nicht und schön ist auch alles andere. Zumal ich vier Taschen Gepäck hatte und alleine war.
Der Fahrdienstleiter von Frankfurt hatte aber wohl mitgedacht und den ICE Richtung Freiburg so an den Bahnsteig geleitet, dass der komplette Zug an den Bahnsteig gepasst hat. Als ich das gesehen hab, fielen mir jedenfalls schon mal zwei Steine vom Herzen. Es ist kompliziert zu erklären, aber es wird wohl nicht immer so gemacht, weil es mehr Fahrstraßen blockiert, wie die andere Einfahrtsvariante. Jedenfalls viel zu viel Wissen in meinem Kopf, das mich hat kaum schlafen lassen.

Das Beladen des Rades ging dann recht einfach, ich war der erste im Zug. Wobei recht einfach und schweres E-Bike in die Radhalterung an der Decke wuchten nicht so ganz zusammenpassen. Der ICE startete pünktlich und neben mir freuten sich 7 weitere entsprechend bepackte Radfahrer über den nun beginnenden Urlaub. Nur in Mannheim hatten wir dann auf einmal 10 statt 8 Räder im Zug und das darf halt nicht sein. Da hat die Zugchefin sehr genau darauf achtet. Weil die zwei Typen ohne Reservierung nicht aussteigen wollten, wurde noch die Bundespolizei geholt. Ende vom Lied. Sie stiegen doch aus, aber der ganze Zug hatte jetzt wegen zwei Idioten 14 Minuten Verspätung. Für den Umstieg in Freiburg bereitete es mir aber keine Probleme und so war der Rest der Fahrt dann auch recht entspannt.
Die ersten Kilometer auf dem Rad
Mit langer Hose und Jacke bekleidet begann der richtige Teil der Reise dann fast pünktlich im badischen Heitersheim. Gut 60 Kilometer hatte ich nun noch zu radeln bis zur ersten Unterkunft. Die ersten Meter mit schwer gepacktem Rad sind immer ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber das wusste ich ja schon von meinen vorherigen Radtouren. Hinten habe ich je eine große Tasche links und rechts sowie dazwischen eine dritte auf dem Gepäckträger. Und vorne montiert habe ich nur meine kleine Fototasche am Lenker. Inkl. Wasser dürften die Taschen zusammen ca. 25 kg haben. Bereits am zweiten Tag hatte ich mich aber immer an das etwas andere Fahrgefühl gewöhnt. So war es auch diesmal.

Die ersten Kilometer führten über örtliche Radwege und Feldwege vorbei an Spargelfeldern und Erntehelfern, die in 40 Jahre alten ehemaligen Linienbussen herangekarrt wurden. Die Vogesen westlich und den Kaiserstuhl östlich von mir durch die oberrheinische Tiefebene bis nach Neuenburg. Dort wechselte ich dann die Rheinseite und war nach etwa 20 Kilometern in Frankreich angekommen. Von Ottmarsheim ging es dann schnurstracks geradeaus durch ein Forstgebiet um so schnell wie möglich auf EuroVelo 6 zu kommen. Dieser kommt von Basel und sollte von nun an mein stetiger Begleiter Richtung Atlantik werden.

Mein Mittagessen am Waldrand auf einem tollen Rastplatz für Wanderer und Radfahrer konnte ich noch trocken zu mir nehmen. Danach zogen dann allerdings recht dunkle Wolken auf. Für die Taschen am Rad habe ich entsprechende Regenhüllen, die waren schnell aufgezogen. Meine blaue Regenjacke hatte ich ohnehin schon an, weil es am ersten Tag noch recht kühl war und für den Fahrradhelm besitze ich noch ein unglaublich sexy aussehendes Regenkondom. So war ich gewappnet und konnte weiterradeln.

Der ins Wasser gefallene Stadtbummel in Mülhausen
Mülhausen oder richtigerweise Mulhouse: die erste größere Stadt auf meiner Tour hätte ich eigentlich schon letzten Dezember besucht, aber aufgrund der hohen Corona-Inzidenzen habe ich den Zweitages-Tipp unter anderem ins Französische Eisenbahnmuseum ausfallen lassen. Wird aber irgendwann noch nachgeholt. Der Ministadtbummel diesmal fiel auch eher ins Wasser, denn bei strömenden Regen mit der Kamera zu hantieren macht auch nicht so viel Spaß.
Vor der Weiterfahrt zog ich noch meine Regenüberschuhe an und dann konnte die Fahrt weitergehen Richtung Gommersdorf. Die hatte ich mir kurz vor Beginn des Urlaubs extra noch gekauft. Kaum übergezogen, ließ auch der starke Regen wieder nach. Ab dem späteren Nachmittag war es dann wieder trocken. Meine Radwege in die Stadt rein und wieder raus waren übrigens außerordentlich gut ausgebaut und sehr kreuzungsarm. Da kann sich Mainz auf dem Verlauf des Rheinradweges mal eine dicke Scheibe von abschneiden.

Entlang vieler Kanäle Richtung Meer
Wasser von oben hatte ich zum Glück nur an zwei Tagen, aber auf Wasser geschaut habe ich jeden Tag. Im 18. Jahrhundert wurden im damals zu Deutschland gehörenden Elsass, aber auch dem restlichen Frankreich überall Kanäle für Lastkähne gebaut. Und diese gibt es heute immer noch. Aber Güter werden schon lange keine mehr darüber transportiert, dafür sind die Schleusen viel zu klein und zu zahlreich. Aber für Urlauber auf Booten, die dort füherscheinfrei entlang schippern können, hält man seit einigen Jahren alles wieder intakt. Mehr dazu aber in einem der nächsten Blogposts.

Die Kanäle sehen auch nicht so aus, wie man sich vielleicht ein künstliches Gewässer vorstellt. Die Natur hatte 200 Jahre Zeit und so fährt man heute entlang prächtiger Alleen und merkt kaum, dass es gar kein echter Flusslauf ist.

Meine erste Unterkunft
Gute 40 Kilometer nach Mülhausen musste ich dann aufpassen, dass ich am Kanalradweg nicht meine „Abfahrt“ verpasse ins 2km vom Kanal abseits gelegene Gommersdorf. Hier hatte ich mir ein Zimmer für die erste Nacht gebucht. Das Gasthaus dürfte schon viele hundert Jahre ein solches sein. Überall musste ich mit meinen knapp 1,90m ein bisschen den Kopf einziehen. Aber es hatte Charme. Und der Flammkuchen war super. ?

Bezahlt habe ich für die Übernachtung in der „Auberge Du Tisserand“ (Einzelzimmer mit Frühstück) 64 Euro. Der Flammkuchen beim Abendessen war günstig, nur das Bier, das hatte schon Französische Preise. Ich glaub das 0,5er-Glas hat knappe 6 Euro gekostet.

So konnte ich mich gut gestärkt und nach einem kleinen Spaziergang nochmal runter an den Kanal und die idyllische Schleuse ins Bett legen und den Schlaf nachholen, der mir in der Nacht davor gefehlt hat.
Zum Blogpost des zweiten Tages geht es hier entlang.
Nützliche Links
Für Statistik-Fans
| Tag Nummer 1 | Gesamttour | |
| Geradelte Kilometer | 64,8 km | 64,8 km |
| Im Sattel verbrachte Zeit | 3:21 Stunden | 3:21 Stunden |
| Höhenmeter bergauf | 180 Meter | 180 Meter |
| Höhenmeter bergab | 100 Meter | 100 Meter |
Das Durchschnittsalter in der Gruppe hab ich mit meinen zarten 36 Jahren zwar fast halbiert, aber dafür sehe ich die schon immer gemochten Häuser jetzt nochmal mit ein paar anderen Augen. Ich lass einfach einmal die Bilder für sich sprechen.


Los ging die Tour an der Ringkirche, um die herum das komplette Rheingauviertel innerhalb kurzer Zeit von 1902 bis 1908 entstand. Dies war die Zeit, als Wiesbaden seine Blütezeit als Weltkurstadt erlebte und jedes Jahr im Mai der Kaiser mit Gefolge zur Kur anreiste.


Wiesbaden zählte damals die meisten Millionäre Deutschlands und es gab ein enormes Bevölkerungswachstum. Die Einwohnerzahl explodierte förmlich von ca. 33.000 Einwohnern im Jahre 1870 auf über 109.000 Einwohner 1910. Und das war wirklich ein echtes Wachstum, nicht nur Wachstum auf dem Papier, denn Eingemeindungen der umliegenden Dörfer und Städte wie Biebrich erfolgten erst ab 1926.


Neben ausgedehnten Villengebieten im Norden und Osten der Altstadt im Historischen Fünfeck entstanden entlang der Ringstraße – dem heutigen Ersten Ring – nacheinander drei große Viertel mit geschlossener Wohnbebauung.
Zuerst wurde ab 1895 im Nordwesten das Feldherrenviertel gebaut, danach folgte ab 1902 das Rheingauviertel und als drittes folgte zwischen Schiersteiner Straße und dem Hauptbahnhof im Südosten der Stadt kurz darauf das Dichterviertel.

Die Dotzheimer Straße trennt das Rheingau- und das Feldherrenviertel. Letzteres wird auch Äußeres Westend genannt, im Gegensatz zum Inneren Westend rund um die Wellritzstraße. Die Wohnungen wurden im Feldherrenviertel noch nicht ganz so groß und luxuriös angelegt wie im später entstandenen Rheingau-Viertel. Das Viertel war früher einmal voller Handwerker und vieler Hinterhöfe, die als Werkstatt oder Lagerraum dienten.


Rund um den Blücherplatz
Den Mittelpunkt des Feldherrenviertels, dessen Straßen alle nach Namen verdienter Generäle der Preußischen Armee und bedeutender Schlachten benannt sind, bildet die Blücherschule. Man sieht es auf meinem Foto nicht richtig, aber achtet bei dem Gebäude besonders auf das Dach.



Bis in die 1970er und 1980er-Jahre müssen viele Häuser noch so oder schlimmer ausgesehen haben erzählte die Stadtführerin. Erst danach begannen die Wiesbadener und Wiesbadenerinnen sich wieder für ihre schönen Viertel aus der Gründerzeit und aufwendige Restaurationen begannen.


Infos: entdeckt hatte ich die Stadtteilführung eher zufällig in einer Facebook-Gruppe. Eigentlich war dort auch eine ganz andere Veranstaltung des Volksbildungswerkes Bierstadt geworben, aber so kam ich auf deren Homepage und fand die interessante Führung. Einen neuen Termin für die von mir besuchte Führung gibt es aktuell leider keinen.
Aber die Gelegenheit den schicken blauen Europa-ICE ausnahmsweise mal abseits seiner Stammstrecke Frankfurt – Köln – Brüssel sowie Frankfurt – Köln – Amsterdam in meiner Heimatstadt ablichten zu können, konnte ich mir ja nicht entgehen lassen.

Zuerst entdeckte ich gestern Abend, dass der Früh-ICE um 7:33 Uhr von Wiesbaden nach Stuttgart mit dem Europa-ICE gefahren wird und ich war kurz davor den Wecker zu stellen. Aber dann entdeckte ich, dass der Zug um 16:33 Uhr noch ein zweites Mal in die Stadt kommt. Aus Gründen entschied ich mich für den Nachmittag. Auch das Wetter spielte nach vielen grauen Tagen in den letzten Wochen mal wieder mit.

Als ICE 3 der Baureihe 406 mit Zulassung für Belgien und die Niederlande wird der Europa-ICE meist auf den Strecken ins Ausland eingesetzt. Das hat einen einfachen Grund: ICEs mit Zulassung und Einsatzfähigkeit für die beiden nordöstlichen Nachbarländer hat die Deutsche Bahn nur eine Hand voll. Gut, das war ein bisschen untertrieben: genau genommen waren es einmal 17 Triebzüge von denen 16 noch im Betrieb sind.

Durch die zusätzlich notwendige Gleichstromtechnik für die Nachbarländer sind die Züge leider recht störanfällig und sollen daher auch bereits Ende 2025 ausgemustert werden. Früher durfte ein Teil der Baureihe 406 sogar mal nach Frankreich fahren. Aber für die Verbindungen nach Paris setzt die Deutsche Bahn inzwischen einen anderen Fahrzeugtyp ein. Mehr dazu im Wikipedia-Artikel vom ICE 3 Velaro D, BR 407.

Mit welchem Tool findet man überhaupt raus, wo welcher ICE fährt?
Bei meinem letzten Fotobesuch am Hauptbahnhof war ich noch auf einen Insider bei der Deutschen Bahn angewiesen, inzwischen ist es einfacher. Mit der Webseite regenbogen-ice.de wurde eine nette Webseite von @AdriDoesThings_ und @PhilippIRL programmiert, die prominent über die aktuell geplanten Fahrten des Regenbogen-ICE informiert.
Zusätzlich gibt es auf der Webseite aber auch ein Suchfeld, in dem nach den Zugnamen der anderen ICE-Fahrzeuge gesucht werden kann. Tippt man dort „Europa“ ein, erhält man die geplanten Fahrten des blauen ICEs. Das System kann immer nur einen Tag in die Zukunft schauen, dafür gibt es unten noch eine Historie, wo der entsprechende Zug die letzten Wochen unterwegs war. Dort sieht man sogar, dass der Europa-ICE die letzten Wochen ein paar Mal in Wiesbaden war.

Von den besonderes lackierten ICE, fehlt mir also nur noch der „Bundesrepublik Deutschland ??“-ICE. Aber den werde ich hoffentlich auch noch in Wiesbaden erwischen. Am 17.02. hätte ich ihn morgens um 5:23 Uhr hier angetroffen, aber da kannte ich die Webseite noch nicht.

Weitere seltene Gäste in Wiesbaden
Apropos seltene Gäste in der Kurstadt: es gibt noch zwei Nahverkehrslinien, die nur im Berufsverkehr nach Wiesbaden Hbf fahren. Und das jeweils nur mit einzelnen Fahrten mit Ankunft am Morgen und Rückfahrt am frühen Abend.
Die eine Linie ist die S6 Rhein-Neckar-S-Bahn, die aus Mannheim, Worms, Nierstein und Mainz nach Wiesbaden kommt. Den Tag über ist der Triebwagen von 09:00 bis 16:30 Uhr im Gleisvorfeld der Landeshauptstadt abgestellt. Fahrzeugnot scheint im Mannheimer Netz also nicht gerade zu herrschen.

Obwohl die S6 große Teile ihres Streckenverlaufs durch Rheinland-Pfalz fährt, beglückt das Stuttgarter Verkehrsministerium seine Nachbarbundesländer mit dem gelb-weißen Landesdesign. Und natürlich auch mit WLAN in den Zügen.

Die andere seltene Linie ist die RB33, die Wiesbaden einmal am Tag aus Idar-Oberstein im Nahetal erreicht. Abends geht es wieder zurück. Allerdings inzwischen über Mainz Hbf und nicht mehr direkt nach Mainz-Mombach. Der zeitliche Gewinn der Direktverbindung ist also nicht mehr so groß. Die ebenfalls blauen Züge, deren Muster an das alte viva-Logo erinnern werden von vlexx betrieben.

Die Beschilderung der RB33 am Hauptbahnhof ist auch ein wenig verwirrend. Wer Idar-Oberstein oder Bad Kreuznach auf dem Zugzielanzeiger sucht, der wird nicht fündig werden. Dort wird nur “ RB 33 nach Mainz Hbf“ angegeben. Am Zug selbst dann der Hinweis, dass die Fahrt nach Mainz noch weitergeht.
Der Regenbogen-ICE fährt seit 9. Juli 2021 quer durch Deutschland und ist als Botschafter für Vielfahrt und Toleranz unterwegs. Seine erste Fahrt führte ihn von Berlin zum Christopher Street Day nach München. Statt des verkehrsroten Banners unterhalb der Fenster ziert den ICE (3. Generation, Baureihe 403, Triebfahrzeug „München“) nun auf ganzer Länge eine Regenbogenflagge. Und ich finde, das rot-orange-gelb-grün-blau-violette Band steht dem Zug richtig gut!


In ganz Deutschland gibt es nur einen Regenbogen-ICE. Dieser darf dafür auf unbestimmte Zeit in seiner Beklebung durchs Land fahren. Das frühe Aufstehen hat sich also gelohnt. Wer weiß, wann er das nächste Mal in Wiesbaden sein wird? So viele ICE3 fahren Wiesbaden auch ohne die Nahezu-Vollsperrung des Bahnhofs wegen der Salzbachbrücke nicht an.
Aktuell ist es nämlich so, dass kaum noch Züge den Wiesbadener Hauptbahnhof anfahren können. Schuld daran ist eine einsturzgefährdete Autobahnbrücke in der Bahnhofszufahrt. Unter dieser darf bis zu ihrer Beseitigung kein einziger Zug drunter durchfahren. Inzwischen wird die Sprengung der doofen Brücke vorbereitet.

Dass der ICE712 nach Köln überhaupt noch fährt liegt daran, dass seine Strecke wie die Ländchesbahn vor der Autobahnbrücke abzweigt und nicht unter dieser hindurchmuss. Nach Niedernhausen pendeln stündlich die Regionalbahnen. Eine Bahn ist weiter unten im Blogpost noch zu sehen. Die andere freie Strecke führt nach Köln. Aber auf dieser ist die Nachfrage leider so gering, dass auch planmäßig nur vier Züge pro Tag, jeweils zwei pro Richtung, auf ihr verkehren. Aber auch nur von Montag bis Freitag. Ich sag lieber nicht, wie viele Fahrgäste ich heute früh um kurz nach 6 Uhr durch die Scheibe gezählt hab, sonst stellt die Deutsche Bahn diese Verbindung auch noch ein.
Zwei dieser Züge verkehren auch während der Streckensperrung. Damit diese überhaupt in den Bahnhof kommen, muss der ICE morgens sehr früh von Frankfurt als Leerfahrt bis Limburg Süd fahren, von dort geht es dann zurück bis Medenbach, wo schließlich rechts nach Wiesbaden Hbf abgebogen wird. Der Gegenzug am Abend wird genauso umständlich und mit großem Umweg wieder aus dem Hauptbahnhof ins Frankfurter ICE-Werk heraus „rangiert“.


Gähnende Leere im Bahnhof
Nur noch die Regionalbahn RB21 von und nach Niedernhausen verkehrt aktuell im Wiesbadener Hbf, alle anderen Gleise sind verweist. Keine S-Bahnen nach Frankfurt, Mainz oder zum Flughafen. Ebenso keine Regionalbahnen nach Darmstadt, Mainz oder in den Rheingau und auch alle ICE nach Dresden müssen ausfallen. Seit 18. Juni ist das nun schon so. Und es wird wohl auch noch eine Weile so bleiben. Die Sprengung der Brücke ist für Mitte September geplant. Mehr zum Hintergrund der Streckensperrung gibt’s bei der Hessenschau.

Wo ist der Regenbogen-ICE gerade? (Update des Blogposts vom 22.02.2022)
Nach längerer Werkstatt-Unterbrechung (Anfang Dezember bis Mitte Februar) ist der Regenbogen-ICE seit 22. Februar 2022 wieder unterwegs. Und es gibt inzwischen sogar eine Webseite, die seinen aktuellen Fahrtverlauf und Historie verrät. Die Url kann man sich ganz leicht merken: regenbogen-ice.de
Vielen Dank an @AdriDoesThings_ und @PhilippIRL für das nette kleine private Projekt.


Beim Hotelbuchen war ich schon ein bisschen aufgeregt. Nach über einem halben Jahr endlich mal wieder auswärts schlafen. Und dieses Mal galt es ja auch ein paar Dinge mehr zu berücksichtigen. Unter anderem den Corona-Schnelltest, der nicht zu alt sein durfte. Seit dem 12. Mai erlaubt die Corona-Verordnung in Rheinland-Pfalz wieder touristische Reisen mit Übernachtungen in Hotels, sofern das Frühstück nicht drinnen in Gemeinschaftsräumen stattfindet und der Landkreis dabei stabil unter der 100er-Inzidenz liegt. Im Rhein-Lahn-Kreis lag sie die Woche davor und an meinem Wochenende etwa bei 50.

Meine Route auf dem Lahnwanderweg
Der Lahnwanderweg, den ich mir ausgesucht hatte, folgt der Lahn in vielen Schlaufen lang von der Quelle im Rothaargebirge über die Städte Marburg, Gießen, Wetzlar und Limburg bis zur Mündung in den Rhein in Niederlahnstein – unweit von Koblenz. Vom Tourismusverband Lahntal wurde der knapp 300 Kilometer lange Fernwanderweg in 19 Etappen unterteilt. Für meine dreitägige Wanderung habe ich mir den letzten Abschnitt von Mündung bis Limburg vorgenommen und bin dabei flussaufwärts gewandert. Um ein paar Kilometer bis zum ersten Etappenziel in Bad Ems mehr zu machen, bin ich bereits in Braubach gestartet und hab noch ein paar Kilometer auf meinem Lieblingswanderweg vor der Haustür, dem Rheinsteig mitgenommen.

Von den Höhenmetern und steilen Anstiegen her könnte man den Lahnwanderweg auf dem Abschnitt von der Mündung bis Balduinstein auch guten Gewissens als Lahnsteig bezeichnen. Ihr seht das auf den nachfolgenden Fotos glaub auch recht gut. Aufgrund dessen, dass noch nicht alle Unterkünfte entlang des Flusses bereits wieder offen haben, musste ich ein klein wenig improvisieren, ich habe nämlich zweimal in Bad Ems übernachtet und deshalb zweimal den Zug zur Hilfe genommen. Aber der Reihe nach….
Etappe 1: Braubach – Bad Ems (24,5 Kilometer)
Los ging die Reise am Freitagmorgen am Wiesbadener Hauptbahnhof. Von dort fuhr ich umstiegsfrei durch den Rheingau nach Braubach im Mittelrheintal. Zu meiner Freunde war die Regionalbahn am frühen Morgen am Brückentag nach Himmelfahrt sehr leer. Gegen halb zehn schließlich kam ich in Braubach an. Einige wenige Touristen saßen auf dem Wohnmobilstellplatz schon vor ihren Campern und frühstückten in der Morgensonne, ansonsten war die Gegend wie ausgestorben.

Erster markanter Punkt auf meiner Route war die Marksburg. Einen kurzen Blick durch das Burgtor konnte ich erhaschen, aber mehr Besichtigung war leider noch nicht drin. Danach folgte wieder sehr viel wunderschöne Landschaft. Fotos davon habt ihr ein bisschen weiter oben schon gesehen. Auf kleinen Pfaden durch den Wald, entlang von herrlich grünen Wiesen auf der Hochebene und auch über einen kurzen Klettersteig direkt über schroffe Felsen.
Wenn ich mich richtig erinnere, begegnete ich erst gegen Mittag den ersten anderen Wandernden. Und das bei bestem Wetter an einem Brückentag. Trauten wohl viele dem Wetter nicht so ganz. Mit Lahnstein auf der Höhe und Friedland (unten im Tal) wurden auf der Tagesetappe nur zwei Ortschaften passiert – seinen Proviant sollte man also besser im Rucksack haben. Die wenigen Biergärten entlang der Strecke waren auch noch geschlossen.

Kurz nachdem man das merkwürdige und alleine auf weiter Flur stehende Hochhaus in Lahnstein auf der Höhe passiert hat, kann man an einem netten Plätzchen mit Bank zur Rast das erste Mal einen tollen Ausblick in das Lahntal erhaschen. Diesen kannte ich von meiner damaligen Rheinsteig-Etappe schon. Danach geht es etwa 100 Höhenmeter hinab zur Lahn, die man auf einem alten Eisensteg quert.
Unten im Lahntal merkt man auch recht schnell, dass die Lahn schiffbar ist. Am Flussufer liegen an vielen Anlegern kleine Bötchen und man kann die Schleusentechnik aus vergangener Zeit bestaunen. 24 kleine Schleusen auf 120 Flusskilometern wurden nämlich zwischen 1809 und etwa 1859 errichtet, als das Herzogtum Nassau die Lahn für den Gütertransport schiffbar machte. Hauptsächlich soll wohl in der Region um Weilburg abgebautes Erz darüber transportiert worden sein. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Schifffahrt dann durch die neu gebaute und weitaus schnellere Eisenbahn zunächst ergänzt und dann immer weiter abgelöst. Heute wird die Lahn nur noch von Freizeitschiffen und Kanus befahren.
Durch die Ruppertsklamm…

Direkt nach dem Überqueren der Lahn wartet dann die Ruppertsklamm auf einen. Hier traf ich auf meiner Wanderung dann auch auf die offizielle Markierung des Lahnwanderwegs, der eigentlich in Niederlahnstein beginnt. Durch die enge Schlucht führen Rheinsteig und Lahnwanderweg auf derselben Route auf kleinen Tritten und entlang mehrerer Eisenseile. Danach trennen sich die beiden Wanderwege wieder.
In Times of Corona bittet die Stadt Lahnstein in der Klamm um Einbahnverkehr, man soll also nur aufwärts durch sie wandern. Für mich passte das gut, denn das war ohnehin meine gewünschte Richtung. In diesem Abschnitt hatte ich eigentlich mit viel mehr Menschen gerechnet, aber selbst hier sah ich nur etwa sechs andere Personen.
Je nach Regenmenge in den Tagen vor eurem Besuch in der Ruppertsklamm braucht ihr entsprechendes Schuhwerk. Ein paar Schritte im Ruppertsbach sollten sie schon aushalten. Weiße Sneakers würde ich auch nicht empfehlen. Sie werden danach schlicht nicht mehr weiß sein. An manchen Stellen ist es nämlich ein bisschen schlammig. An einigen Stellen muss man ein bisschen über Eisentritte klettern.

Das feuchte Klima in der Schlucht scheinen auch Feuersalamander zu mögen. Ein sehr fotogenes Tierchen begegnete mir hier im oberen Abschnitt. Bis ich mit Fotografieren fertig war, blieb er mitten auf dem Weg stehen. Nach der Klamm und dem dritten Anstieg auf den ersten zehn Kilometern der Tagesetappe, wanderte ich nun einmal ein paar Kilometer ohne Höhenmeter auf angenehmen Waldwegen parallel zum Bergkante. Das tat auch mal ganz gut.
Auf diesem Weg überraschte mich am frühen Nachmittag dann auch der erste Regenschauer der Dreitageswanderung. Kaum spürte man drei Regentropfen, goss es auch schon wie aus Eimern. Ein bisschen zu schnell um noch rechtzeitig den Rucksack in seine Schutzhülle zu packen und meine Regenjacke anzuziehen. Besonders lange regnete es aber auch nicht und so war ich eigentlich recht flott wieder trocken. So gegen 16:30 Uhr erreichte ich dann auch meine zuvor gebuchte Unterkunft, das Aktivhotel Alter Kaiser in Bad Ems. 55 Euro mit Frühstück kostete hier eine Nacht im gebuchten Einzelzimmer, das aber ein Doppelzimmer wurde.

Ausnahmsweise hatte ich hier ja sogar zwei Nächte gebucht. Nach der zweiten Etappe fuhr ich mit der Bahn wieder zurück nach Bad Ems. Diese Strecke fuhr ich dann am dritten Tag wieder in die andere Richtung. Den einen Tag habe ich das Frühstück aufs Zimmer bekommen und den anderen Tag saß ich alleine auf der Terrasse. Ich weiß nicht genau, wie hoch die Auslastung war, aber außer dem Hotelwirt bin ich keinem begegnet. Alles in allem ein sehr kontaktarmer „Urlaub“.
Weil die Füße am Abend noch nicht müde genug waren und außerdem nochmal richtig schön die Sonne rauskam, machte ich noch einen ausgedehnten Spaziergang durch den Kurpark, am Spielcasino vorbei zum Grand Hotel und wieder zurück.

Seine Glanzzeit erlebte die Stadt – ähnlich wie meine Heimatstadt Wiesbaden – im 19. Jahrhundert als „Weltbad“ und Sommerresidenz zahlreicher europäischer Monarchen und Künstler. Neben Kaiser Wilhelm I. waren auch die Zaren Nikolaus I. und Alexander II. von Russland sowie der Komponist Richard Wagner gern und häufig gesehene Gäste. Die Geschichte als großer europäischer Kurort prägt das Stadtbild bis heute. An das historische Kurviertel schließen sich ehemalige Hotels und Logierhäuser beidseitig der Lahn an. Zum Abendessen gab es für mich dann noch eine leckere Pizza to Go, die ich im Kurpark auf einer Bank gegessen hab.
Auf dem Rückweg zum Hotel stattete ich dem Bahnhof im Kurviertel und der Talstation der Malbergbahn noch einen kurzen Besuch ab. Die Standseilbahn liegt seit etwa 42 Jahren im Dornröschenschlaf. Mit Inbetriebnahme der neuen Standseilbahn wurde die alte leider stillgelegt.

Seit einigen Jahren kümmert sich aber ein Verein um die alte Standseilbahn. Die Talstation, in die das Café Eckstein einzog, erstrahlt bereits in neuem Glanz. Ich war leider nicht drin, aber die Fotos auf der Homepage sehen vielversprechend aus. Außerdem kann man seinen Kaffee und Kuchen sogar in der restaurierten Bahn genießen. Nur fahren tut sie leider noch nicht wieder.
Ohne Corona-Zwangspause wäre ich abends vielleicht noch in die Emser Therme. Dort war ich vor einigen Jahren schon einmal nach einer Rheinsteig-Etappe im Winter die müden und durchgefrorenen Knochen wieder aufwärmen. Das besondere am Thermalbad und dessen Sauna ist, dass es eine Sauna-Insel mitten im Flussbett der Lahn gibt.
Etappe 2: Bad Ems – Laurenberg (30,6 Kilometer)
Am zweiten Tag ging es gut gestärkt nach dem Frühstück im Hotel erst einmal auf den Parkplatz vom Drogeriemarkt dm. Ich benötigte nämlich für die zweite Übernachtung noch einen neuen Schnelltest. Mein erster, der schon vom Vorvortag war, war nicht mehr gültig. Den neuen Test hatte ich am Tag zuvor online gebucht und er war wie immer innerhalb von 60 Sekunden erledigt. Das Ergebnis kam eine Viertelstunde später per E-Mail und wurde von mir an das Hotel weitergeleitet. Schon war alles wieder im grünen Bereich.

Die ersten eineinhalb Kilometer führt die Wanderstrecke eigentlich wieder durch den Kurpark. Aber weil ich den Tags zuvor schon angeschaut hatte, wählte ich nun die Promenade auf der gegenüberliegenden Lahnseite. Hier hatte man auch nochmals einen schönen Blick auf die mondänen Gebäude im Kurviertel rund um Kurhalle und Grand Hotel.
Aus der Kurstadt raus war der Weg etwas verwirrend ausgeschildert. Ich sollte nämlich in ein Parkhaus rein wandern. Nach einem kurzen Blick aufs Handy mit der Karte war dann aber klar: ja, der Weg geht wirklich durch das Treppenhaus des Parkhauses. Zuerst ging es ohne Aufzug hoch bis ins fünfte Stockwerk und dort über eine Brücke in den Hang dahinter wieder raus.

Von nun an führt der sogenannte Felsenweg mit einigen schöne Panoramablickstellen auf die Kurstadt hoch zum Condordia-Turm. An diesem findet man auch ein Restaurant. Vom höchsten Punkt führt der Lahnwanderweg über einige Wiesen und Wälder wieder hinab ins Örtchen Dausenau an der Lahn. Kurz vor dem Ortseingang ergoss sich der zweite Regenschauer über mich.
Aber dieses Mal war ich besser vorbereitet. Mein Rucksack und ich waren schon von Tourstart an gut eingepackt. Nur die Regenhülle um die Kamera musste ich noch schnell überziehen. Hier hab ich einfach die Regenhülle meiner Fahrradlenkertasche umfunktioniert.


Unten im Tal musste ich die Lahn wieder überqueren und von nun an ging es 250 Höhenmeter am Stück hoch. Mit 850 Höhenmeter insgesamt war der zweite Tag auch der hügeligste. Am ersten Tag hatte ich 760 und am dritten Tag nochmal 590 Höhenmeter zu bewältigen. Das Wetter zog am Vormittag etwas stärker zu und es wurde etwas ungemütlich.
Weil lange keine Hütte und kein Unterstand kam, musste die Mittagspause am Samstag etwas nach hinten geschoben werden. Dafür war der Regen unter den dicht belaubten Bäumen total schön. Manchmal höre ich beim Wandern im Regen ja Podcasts, aber hier verbot sich das. Hier wollte ich nur der Natur in Dolby Sound 999.1 lauschen.

Am Panoramapunkt oben mit Blick auf Dausenau und die letzten 4 Kilometer Wanderweg konnte ich dann zumindest eine kurze Pause einlegen. Als es wieder zu nieseln begann, brach ich lieber wieder auf. Bei Regen und nasskalten 15-16 Grad bleib ich lieber in Bewegung.

Der nächste Ort auf der Tour war nach etwa 10 Kilometer der Tagesetappe dann Nassau. Ein schönes kleines Städtchen mit einem Schloss und ein paar schönen Fachwerkhäusern im Stadtkern. Hier war es sogar kurz mal sonnig. Bekannt ist der Städtchen außerdem für seine Kettenbrücke. Erbaut wurde die an Kettensträngen hängende Fahrbahn um das Jahr 1821. Im zweiten Weltkrieg wurde sie allerdings zerstört und danach wieder aufgebaut. Die heutige Brücke wurde 2002/2003 nach historischem Vorbild komplett neu erbaut.
Hinter Nassau wurde es dann abermals nass und ordentlich felsig. Mehrmals war der Weg auf kürzeren Abschnitten mit Drahtseil und Geländern abgesichert. Zum Glück macht mir meine Höhenangst auf solchen Wegen aber keinerlei Probleme. Als zusätzliche Sicherheit auf den etwas rutschigen Felsen dienten mir meine Trekkingstöcke. Auf meine Mehrtageswanderungen nehme ich die inzwischen immer mit. Besser für die Knie mit dem etwas schwereren Rucksack. Und wenn ein Schuh doch mal etwas wegrutscht, hab ich so auch schneller wieder festen Halt.

Apropos Schuhe. Am Wegesrand kurz vor Obernhof hatte ein Wandersmann seine alten Schuhe entsorgt. Oder zu einem Biotop umgewandelt. Je nachdem wir man es sehen mag. Solche kleinen „Denkmäler“ sah man entlang des Jakobswegs in Spanien auch immer wieder mal.
In Obernhof hatte ich dann die Qual der Wahl. Steig ich nach 24 Kilometer Tour ab zum Bahnhof und fahr zum Hotel zurück nach Bad Ems oder zieh ich weitere 8 Kilometer bis zum nächsten Bahnhof in Laurenburg durch. Weil sich in den Beinen alles noch gut anfühlte, der 12 Kilo schwere Rucksack sich auch nicht bemerkbar machte und ich noch nicht genug hatte, wurde es die längere Variante.

Ich hab die XL-Variante dann allerdings um knapp zwei Kilometer abgekürzt, weil es doch schon recht spät wurde am Abend. Mit der Abkürzung bekam ich noch die Regionalbahn um 19:02 Uhr. Sonst hätte ich die 30-minütige Rückfahrt erst um 20:02 Uhr antreten können.
Durch die Abkürzung hab ich einen Steigabschnitt weggelassen und bin dafür durch das verträumte Örtchen Dörnberg gewandert. So wie ich dort angeschaut wurde, kommen dort am Abend bei Regen wohl nicht so häufig Wanderer mit großen Rucksack durch. Der Ort liegt auf der Lahnhöhe oben und durch die knallgelb blühenden Rapsfelder ergab sich mit den dunklen Regenwolken ein schöner Kontrast auf meinen Fotos.

Da die Bahnstrecke unten im Tal verläuft, musste ich irgendwann aber auch mal wieder absteigen von der Höhe. Das geschah kurz vor Laurenburg. Der Lahnwanderweg verlief dabei zusammen mit einem kurzen Rundweg namens „Grubenwanderweg“. Und dieser hat seinen Namen natürlich nicht von ungefähr. Auf dem Weg ins Tal passierte man mehrere ehemaligen Erzgruben, Geröllhalden und Stollen. Unten im Tal fand sich unweit des Bahnhofs auch noch ein kleines Denkmal, das an die Bergbauzeit an der Lahn erinnerte.

Von Bahnhof Laurenburg fuhr ich nach der 30-Kilometer-Etappe am zweiten Tag müde, ein bisschen nass aber glücklich zurück in mein Hotel. Ein richtiges Abendessen habe ich ausfallen lassen. Ich war wohl zu müde dazu und hatte noch zwei Brötchen vom Mittag.
Etappe 3: Laurenburg – Limburg (25,2 Kilometer)
Mein dritter und letzter Tag im Lahntal startete natürlich auch wieder in Bad Ems. Dieses Mal aber mit Frühstück auf der hoteleigenen Terrasse und nicht im eigenen Zimmer. Aber auch draußen war ich recht einsam. Nur ein paar Regentropfen gesellten sich gegen Ende zu mir. Nach dem Auschecken machte ich mich wieder zum Westbahnhof in Bad Ems.
Um 9:43 Uhr kam meine Regionalbahn und brachte mich – als einzigen Fahrgast – durch das verregnete Lahntal zurück nach Laurenburg, wo ich meine Wanderung am Vortag beendet hatte. Die ersten paar Minuten musst ich noch mit leichtem Nieselregel vorlieb nehmen, aber als ich dann das Tal verlassen hatte, wurde es wieder heller. Ja sogar die Sonne kam raus und ein blauer Himmel zeigte sich.

Nach den 30 Kilometern am Vortrag machte sich auf der dritten Etappe leider das linke Knie ein bisschen bemerkbar. Vor allem, wenn es steil bergab ging oder ich Treppen laufen musste. Aber ganz so bergig wie gestern sollte die Etappe ja nicht mehr sein und hinten raus ab Diez bis Limburg war es die letzten 7-8 Kilometer dann fast eben. Oberhalb von Diez weitet sich das Lahntal vorübergehend sehr.
Zwischen Limburg und Wetzlar wird es dann wieder enger, aber diesen Abschnitt kenne ich bisher nur von der Mitfahrt in der Eisenbahn. Vielleicht nehme ich die nächsten 80-90 Kilometer ja bald mal in Angriff. Und wenn nicht zu Fuß, dann auf jeden Fall mal mit dem Fahrrad. Durch das Lahntal führt nämlich ein wunderbarer und ziemlich beliebter Radweg. Und die dritte Möglichkeit, die man noch hat, die klingt auch nicht schlecht. Man kann entlang der Lahn ähnlich wie auf der Altmühl an vielen Stellen ein Kanu ausleihen, ein paar Kilometer flussabwärts paddeln und sich dort wieder einsammeln lassen oder auch übernachten. Links mit Details dazu findet ihr ganz am Ende des Blogposts.

Regenjacke an, Regenjacke aus, Regenjacke an. So zog sich das den ganzen Tag durch. Aber wenn dann doch mal die Sonne rauskam, dann war es auch sofort 5 Grad wärmer, sodass es mir mit Jacke einfach zu warm war. Rechts auf dem Foto steht ihr übrigens meine Kamerahalterung am Rucksack. Bin jetzt mehrere hundert Kilometer damit gelaufen. Das System kann ich uneingeschränkt empfehlen!
Am Gabelstein-Ausguck…
Zur Mittagsrast diente mir die Hütte am Gabelstein. Ein markanter Punkt im steilen Felsen, von dem man beste Sicht über das Lahntal hat. Die nächsten beiden Fotos sind von der Hütte aufgenommen. Während ich da so saß und mein Vesper auspackte, konnte man in der Ferne schon gut beobachten, wie sich die nächste Regenfront näherte. Diesmal sollte es mir egal sein, ich hatte ja ein Dach über dem Kopf.
Als die Regenfront dann durchzog, sah man kaum noch was. Alles war nur noch grau in grau. Das Dörfchen Cramberg auf dem Bergrücken im folgenden Foto zum Beispiel war kaum noch zu erkennen.

Aber wie all die Regenschauer zuvor, dauerte auch dieser nicht lange und danach zeigte sich ein faszinierendes Naturschauspiel. Es bildete sich ein Regenbogen „unter“ mir. Das hab ich noch nie zuvor gesehen. Der Regenbogen spannte sich vom Cramberger Eisenbahntunnel über das Cramberger Wasserwerk und die Lahn. Etwa vier Minuten lang war er zu sehen, danach existierte er nur noch auf meinen Fotos.
Vor ein paar Tagen hab ich das Foto bereits getwittert und über seltsame Wege, wie sie meine Tweets eben häufiger mal nehmen, erreichte das Foto einen Reporter der Lokalzeitung im Rhein-Lahn-Kreis. Hab es ihm natürlich gerne zugeschickt. Nun wird es die nächsten Tage in der Rhein-Lahn-Zeitung als Leserfoto abgedruckt.
Das Wasserkraftwerk bezieht sein Wasser übrigens aus einem 1927 unter dem Berg hindurchgegrabenen kurzen Stollen – ebenfalls aus der Lahn. Der eigentliche Flusslauf nimmt die große Schleife um Cramberg herum. Mit dem Höhenunterschied zwischen Stolleneingang und Lahnpegel am Stollenausgang gewinnt das Laufwasserkraftwerk seinen Strom. Rund 3.300 Kilowatt beträgt die Leitung laut Betreiber SÜWAG. Umweltfreundlich seit fast 100 Jahren.

Das zweite Foto mit Blick auf das Lahntal habe ich ebenfalls am Gabelstein aufgenommen. Ab und zu habe ich auf meiner Wanderung vielleicht ein bisschen gewartet, bis ein Zug durch meine Fotos fuhr. Hier wurde das Warten gleich doppelt belohnt, es gab nämlich sogar gleich zwei Züge auf einmal. Eine Viertelstunde zuvor hätte ich durch die Regenwand gar nicht weit genug blicken können, aber so entstand dann doch noch ein ganz nettes Foto.

Nach der Pause am Gabelstein führte der Weg an Schloss Schaumburg und der Burgruine Balduinstein vorbei. Zuvor hatte ich aber noch eine lustige Begegnung mit einem anderen Wanderer. Obwohl die ganze Gegend nahezu ausgestorben war, kam mir doch tatsächlich Harald Schmidt’s Ex-Sidekick und nun Wanderautor Manuel Andrack entgegen. Vielleicht verrät er ja in seiner nächsten Podcastausgabe, ob er auch auf dem Lahnwanderweg oder doch auf dem Lahn-Camino unterwegs war.

Die zwei Bilder über und unter diesem Absatz sind in Balduinstein aufgenommen. Wenn man die Etappen des Lahnwanderwegs nicht wie ich ein wenig anders aufgeteilt hätte, würde man hier eine Übernachtung einplanen. Richtig schön idyllisch und ruhig gelegen. Am liebsten wäre ich ja mal in die Lahn gesprungen, aber dafür war’s dann vielleicht doch noch ein paar Grad zu kühl.

Seinen Weg mittels Stempeln in einem speziellen Pass nachzuweisen kannte ich bisher nur vom Jakobsweg. Dort habe ich es natürlich auch gemacht. Aber auch auf dem Lahnwanderweg hätte es die Möglichkeit dazu gegeben. Nur leider hatte ich keinen entsprechend Vordruck oder Pass mit dabei, in den ich meine Stempel hätte unterbringen können. Ich hoffe, ihr glaubt mir auch so, dass ich den Weg von der Mündung bis Limburg auch wirklich gewandert bin.

Auf der dritten Etappe von Laurenburg in die Domstadt Limburg nutzten mein ausgeschilderter Wanderweg und der Lahn-Camino sehr häufig dieselbe Route. Und immer wenn meine Augen blau-gelbe Jakobsmuscheln sehen, dann freuen sie sich. Wie die Homepage über den Lahn-Camino verrät, wurde dieser zusammen mit dem Rhein-Camino erst im Jahr 2001 (neu) markiert.
Ich hab alle Jakobsweg-Tafeln kontrolliert – sie waren alle richtig abgebracht. Die Muschelrinnen stehen nämlich für die vielen verschiedenen Wege, die alle nach Santiago de Compostela führen. Und weil alle in Santiago zusammenlaufen, gibt dies auch die Richtung an. Pilger stehen im fotografierten Wegzeichen also einen Pfeil nach rechts. Aber in Deutschland darf man sich darauf nicht immer verlassen. Manchmal sind die Schilder auch einfach falschrum angebracht. Dann zeigt der imaginäre Pfeil auch gerne mal nach oben, unten oder eben in die falsche Richtung.

Kurz vor Diez durchquerte ich dann noch eine herrliche Streuobstwiese. Leider ist dies auch das letzte Foto mit Sonne. Ab dem Nachmittag wurden die Regenpausen immer kürzer. Auf den letzten Metern abzubrechen war aber natürlich überhaupt keine Option. Nur den Schlenker durch die Limburger Altstadt und zum Dom, den hab ich mir geschenkt.

Ein Stadtbummel bei strömenden Regen macht nämlich keinen so richtigen Spaß, wie ich bereits in Diez feststellen durfte. Aber nach Diez muss ich ohnehin noch einmal zurück. Die Kleinstadt ist doch der nördliche Endpunkt der Aartalbahn und diesen Abschnitt will ich ja auch noch dokumentieren. Da warten ja auch viele Blogleser*innen bereits darauf.
Vor ein kleines Rätsel stellte mich das nächste Foto. Ich fragte mich nämlich zunächst, wie viele Züge es insgesamt wohl gibt, von denen an diesem Bahnübergang „2 Stück“ ein Signal geben. Aber wahrscheinlich ist das Schild anders gemeint. Es fehlt hinter „Vorsicht 2 Züge“ ein Punkt oder Ausrufezeichen. Dementsprechend bedeutet es, dass immer zwei Züge in kurzem Abstand hintereinander die Stelle passieren und kein einziger davon ein Warnsignal gibt. Die Querungsstelle liegt an der Unterwesterwaldbahn (Limburg – Montabaur – Siershahn) und der Oberwesterwaldbahn (Limburg – Altenkirchen – Siegen) und kurz hinter dem Bahnübergang verzweigen sie sich.

Die Domstadt Limburg an der Lahn, gleichzeitig der Endpunkt des Lahn-Caminos und Etappenziel meiner Dreitageswanderung, war dann gegen 18 Uhr am Abend erreicht. Kurz drauf saß ich schon in der Regionalbahn Richtung Heimat. Nach etwa eine Stunde Fahrzeit hatte Wiesbaden mich dann wieder. Und meine Heimatstadt empfing mich so, dass sich das Kleidertrocknen in der Dusche auch so richtig gelohnt hat.
Aber über die SmartHome-Funktion, konnte ich die Heizung im Wohnzimmer und im Badezimmer über das Handy schon ferngesteuert aus dem Zug aktivieren. Darüber muss ich vielleicht auch mal noch bloggen…
Nützliche Links rund um die Wanderung:
Wenn euch die Tour gefallen hat oder euch eine Info fehlt, hinterlasst gerne einen Kommentar. Wenn ihr sie nachwandern wollt, dann findet ihr alle Daten dazu in der komoot-Collection, in der alle drei Etappen enthalten sind.
Es läuft gerade übrigens eine Abstimmung vom Wandermagazin für „Deutschlands schönsten Wanderweg 2021„. Hierbei steht der Lahnwanderweg auch zur Auswahl bei den Mehrtageswanderwegen. Meine Stimme hat er nun. Wobei ich aber auch sagen muss, dass die Wahl immer ein bisschen fies ist, denn die anderen neun Nominierten kenne ich noch gar nicht und sie sind bestimmt auch alle toll. Letztes Jahr wurde ich durch die Abstimmung auf den DonAUwald-Weg aufmerksam. Es lohnt sich also, die Kandidaten dort ein wenig genauer anzuschauen. Die Vulkaneifel zum Beispiel würde mich auch sehr reizen.
Da auch diese Strecke am Bahnhof Wiesbaden Ost beginnt, starte ich meine Reise wieder dort. Die meisten meiner Fotos entstanden bereits im November 2020. In den goldenen Herbsttagen entstanden auch meine Fotos vom ersten Abschnitt auf der Aartalbahn. Recherchiert habe ich zusätzlich anhand alter Karten sowie Luftbildaufnahmen aus dem Geoportal der Stadt Wiesbaden sowie der OpenRailway-Map. Alle Quellen sind am Ende des Artikels aufgelistet und verlinkt.
Wie immer gilt: haltet gebührend Abstand von den Gleisen der noch aktiv befahrenen Abschnitte! Das sind auf dieser Reise die Strecken zwischen Wiesbaden Ost und dem Erbenheimer Abzweig.

Die ersten Kilometer ab dem Bahnhof Wiesbaden Ost
Den Beginn der ehemaligen rund 8 Kilometer langen Eisenbahnstrecke kann man im Bahnhof Wiesbaden Ost am nördlichen Ende des Bahnsteig 3 / 4 am besten einsehen. Trotz ihrer Kürze gibt bzw. gab es relativ viele Brückenbauwerke auf der Strecke. Einige davon ist noch tagtäglich im Wiesbadener Stadtbild zu sehen, anderes ist sehr versteckt. Den meisten wird es aber nicht großartig auffallen.
Auf dem Bahnsteig entstand das nachfolgende Bild. Direkt vor mir liegt der Streckengleis der S-Bahn von Wiesbaden Hbf nach Mainz-Kastel, aber links davon am Kilometerstein 0,1 und der Kilometertafel 0,2 – dort beginnt die Strecke zum Flugplatz Erbenheim.

Noch ein Stückchen weiter links verläuft auf der beginnden Dammlage die Aartalbahnstrecke und ganz links zu sehen ist die Rechte Rheinstrecke Richtung Rheingau und Koblenz. Zum Großteil fahren dort nur Güterzüge, da die meisten Personenzüge über den Hauptbahnhof fahren und dort Kopfmachen. Nur die RE-Linie 9 (Frankfurt – Rüdesheim ohne Wiesbaden Hbf) und einige rechtsrheinisch verkehrende Fernverkehrszüge nehmen die Kurve im Personenverkehr mit.

Das nächste Mal in Erscheinung tritt die Strecke dann in der Mainzer Straße unweit des Amöneburger Kreisels. Über die höchste und schönste Brücke verlief ab ca. 1905 die Spange vom Biebricher Ostbahnhof zur Ländchesbahn in Richtung Erbenheim. Ganz genau datieren lässt es sich anhand der mir zur Verfügung stehenden Karten nicht. Ich nehme aber an, dass die Bauwerke alle zusammen mit der Zufahrt und Trassierung zum neuen Wiesbadener Hauptbahnhof entstanden sind. Dieser ging im Jahr 1906 in Betrieb. Über die hinterste Brücke mit den türkisenen Geländern verläuft die Autobahn A671. Die Brücke genau dazwischen dient den drei Streckengleisen von und zum Hauptbahnhof, über die tagtäglich zum Beispiel die S-Bahnlinien S1, S8, S9 und die Regionalbahnlinien RB10 sowie RB75 fahren.
Das auffälligste Bauwerk der kurzen Eisenbahnstrecke im Wiesbadener Stadtgebiet dürfte aber das nun folgende sein. Auch diese Brücke führt nochmal über die Mainzer Straße, nun aber am Stadteingang von der Autobahn kommend. Unmittelbar nach der Brücke steht das Ortsschild der Landeshauptstadt Wiesbaden. Auch hier fallen wieder die schönen gusseisernen Geländer ins Auge. Wann genau über diese Brücke zum letzten Mal ein Zug fuhr kann ich nicht genau sagen. Wenn ihr Informationen dazu habt, schreibt es gerne in die Kommentare. Es muss wohl vor dem Jahr 2003 gewesen sein.

Das Anschlussgleis zu den Wiesbadener Stadtwerken
Kurz hinter der Brücke über die Mainzer Straße war einst ein Abzweig zu den Stadtwerken. Foto davon habe ich leider keins, denn dieser Bereich ist nicht zugänglich. Das links abzweigende Gleis unterquerte die vom Hauptbahnhof kommende Ländchesbahn und führte ab ca. 1905 aufs Gelände der Stadtwerke. Genauer gesagt zum Städtischen Gaswerk mit Kokerei, zu den Städtischen Elektrizitätswerken und zum Städtischen Bauhof sowie zur Gartenbauzentrale. Ein ganz seltenes Archivfoto von 1908 haben mir die Stadtwerke zur Verfügung gestellt.

Neben Koks zur Gasgewinnung und nach der Stilllegung der Kokerei 1968 wahrscheinlich auch Gas in Kesselwagen wurden dementsprechend auch Erden und Dünger per Eisenbahn angeliefert. Ein Teil des großen Areals ist auch heute noch ESWE-Betriebsgelände. Ausgesprochen übrigens Äs-Weh, wie S W für Stadtwerke Wiesbaden. Auf dem nördlichen Teil steht inzwischen das Justiz- und Verwaltungszentrum und statt der Bahngleise führt inzwischen die Konradinerallee durch das Areal. Für die Durchfahrt mit dem Auto ist die Straße gesperrt, aber zu Fuß kann man durchlaufen. Aber wie gesagt, von den Eisenbahnanlagen konnte ich nichts mehr entdecken. Lediglich auf der anderen Seite des ehemaligen Bahnübergangs am Siegfried-Ring, da lassen sich im Gestrüpp noch Gleise erahnen, quasi hinter meinem Rücken im nächsten Foto.

Ich habe viele Luftbilder aus den unterschiedlichen Jahrzehnten studiert. Letztmalig erkennbar waren die Gleisanlagen auf dem Gelände der Stadtwerke im Jahr 1987. Zwei Jahre später waren dann schon Bagger und Erdbewegungsarbeiten auf den Luftbildern festgehalten. Aber auch ansonsten ist das Gelände des ehemaligen Gaswerks im Vergleich zu 1966 kaum wieder erkennbar. Sämtliche Gastanks und Industrieanlagen waren Ende der 80er-Jahre längst verschwunden.

Um das Jahr 1929 findet man auf Karten des Stadtvermessungsamtes sogar eine Verlängerung des Firmenanschlussgleises über die heutige Hohenstaufenstraße runter bis zur Mainzer Straße. Das Gleis endete auf Höhe des heutigen Gebäudes vom Fahrradladen „Lucky Bike“ und führte über eine Spitzkehre noch ein paar Meter an der Straße entlang Richtung Süden und endete schließlich auf der gegenüberliegenden Straßenseite in der Höhe vom heutigen „McDonald’s“. Auf dem Gelände von „McDonalds“ sowie dahinter befand sich einmal die Wiesbadener Germania Brauerei. Das letzte Mal Bier abgefüllt wurde dort jedoch schon 1973, abgerissen wurde das Areal dann 1983. Mitte der 50er-Jahren war diese Gleisverlängerung laut Karte aber schon wieder Geschichte. Falls der Gleisanschluss einst der Brauerei diente, so waren es nur wenige Jahre.
Als das Gebiet östlich der Stadtwerke noch unerschlossen war, verlief dort die heutige, in der Form nicht mehr existierende, „Kriemhildenstraße“. Von dieser gibt es heute nur noch ein kurzes Stück südlich des Siegfriedrings am Südfriedhof entlang – im Bild oben verläuft sie durch das „NC“ der CC-Lizenz. Früher verlief diese Straße einmal diagonal runter bis zur Mainzer Straße auf den ehemaligen und noch viel älteren Bahnanlagen, die vor 1906 von Erbenheim kommend zum Hessischen-Ludwigs-Bahnhof führten. Der Bahnhof war einer der drei Vorgänger des heutigen Hauptbahnhofs. Auf dem runtergerockten real-Parkplatz (insbesondere im Luftbild) lassen sich auch heute einige Überreste der Straße erkennen. Zwischen 1954 und 1960 wurde das ganze Areal rund um die heutige Hasengartenstraße neu trassiert. Die Straßen in diesem Gebiet verlaufen seither alle parallel bzw. im rechten Winkel zur Mainzer Straße.
Die Tengelmann-Zentrale in Wiesbaden
Für einiges Kopfzerbrechen sorgte bei mir das im Luftbild von 1987 gut sichtbare Gleis zum heutigen Areal von „HIT Markt“ und „Media Markt“. Weil ich im Netz nichts dazu finden konnte, habe ich wieder den Joker gezogen und in der „Du weißt, du kennst Wiesbaden, wenn du früher…“-Facebook-Gruppe nachgefragt. Dort dauerte es nur wenige Minuten und ich wurde überhäuft mit Informationen und Bildern. Laut einer Zeitzeugin in der Facebook-Gruppe wurden darüber auch die Fleisch-, Obst-, und Gemüselager der Tengelmann-Zentrale via Schiene beliefert. Vielen Dank hierfür!
Neben der Zentrale der Tengelmann-Gruppe fand man dort auch einen zur Gruppe gehörenden „Grosso“-Supermarkt und „OBI“-Baumarkt sowie die bereits erwähnten Lager im Untergeschoss. Im Verwaltungshochhaus über dem heutigen „HIT-Markt“ hatte der Tengelmann-Chef oben drin sogar eine Penthouse-Wohnung. Da wüsste ich ja auch gerne mal, was aus der geworden ist.
Das Gleis in Richtung des Gebäudes war aber auch 1966 im Luftbild schon erkennbar und somit bereits vor der Erweiterung des Tengelmann-Firmengeländes Anfang der 70er-Jahre existent. Wahrscheinlich diente es also ursprünglich zusammen mit der westlich davon liegenden Halle der Wartung und Unterbringung der Lokomotiven. Aber weil es eben schon da war, wurde es gleich sinnvoll mitbenutzt. Diese Wartungshalle gibt es heute nicht mehr, in den 80er-Jahre wurde sie aber noch durch das THW weitergenutzt.
Eisenbahnstrecke vom Abzweig Mainzer Straße bis nach Erbenheim
Folgte man am Abzweig Mainzer Straße nicht dem linken Gleis Richtung Stadtwerke, sondern dem rechten, so gelang man an das Streckengleis der Ländchesbahn vom Hauptbahnhof kommend in Richtung Erbenheim. Diesem folgte das Gütergleis nun bis zum Abzweig in Erbenheim immer parallel. Eine Weichenverbindung am westlichen Endpunkt konnte ich zwischen den beiden Strecken aber in keinem Jahr ausmachen. Nur am östlichen Ende am Erbenheimer Abzweig gelang man vom Gütergleis auf die Gleisanlagen der Ländchesbahn Richtung Niedernhausen.
Heute sieht es dort durch die zweigleisige Neubaustrecke zur ICE-Trasse von Frankfurt nach Köln überall ein bisschen anders aus. Am besten sieht man den Unterschied wohl an den übereinander gelegten Luftbildern von 1998 und 2011. Seit dem Neubau nutzen die Züge auf der Ländchesbahn vom Hauptbahnhof nämlich die neue zweigleisige Trasse bevor sie dann an der Anschlussstelle Wiesbaden-Kinzenberg eingleisig aus der ICE-Trasse ausfädeln.

Wie im Luftbild von 1998 links gut erkennbar ist, wurde die Brücke des Anschlussgleises Richtung Stadtwerke schon ein paar Jahre zuvor mit heller Erde verfüllt. War höchstwahrscheinlich billiger als eine Brücke, über eine Strecke, die nicht mehr gebraucht wird, weiterhin zu warten.
Anders als beim Fotografieren letztes Jahr noch gedacht habe, war der Abschnitt der Ländchesbahn also nicht zweigleisig ausgebaut, sondern es lagen zwei parallelführende Eisenbahnstrecken nebeneinander. Heute ist davon nur noch ein Gleis übrig. Das südliche Gleis ist komplett abgebaut. Alle Brücken in diesem Abschnitt und natürlich auch die Trasse sind breit genug für eine zweigleisige Strecke. Wenn man der Strecke mit dem Rad folgt, kann man das von den beiden Brücken über die Ländchesbahn sehr gut sehen. Vielleicht wird die Strecke in diesem Abschnitt durch ein steigendes Zugangebot ja irgendwann mal „richtig“ zweigleisig ausgebaut.

Abmontiert wurde das Gütergleis auf dem Parallelabschnitt laut den Luftbildern um das Jahr 2003 herum. Im selben Jahr wurde das Gleis vom Flughafen Erbenheim kommend nochmal neu an die Ländchesbahn Richtung Hauptbahnhof angeschlossen. Rund 15 Jahre bestand diese Verbindung noch, bevor sie zwischen 2017 und 2020 wieder ausgebaut wurde. Das Gleis zum Flughafen ist seither also endgültig tot.

Überbleibsel der Verzweigung ist nun nur noch eine viel zu breite Brücke über die Bundesstraße B455 kurz vor der Autobahnanschlussstelle Wiesbaden-Erbenheim. Da an dieser Stelle parallel zur Eisenbahn noch ein Wirtschaftsweg die Bundesstraße überquert, kann man sich das alles problemlos anschauen.
Der Bahnhof Erbenheim und das ehemalige Dywidag-Firmengelände
Schaut man sich die Gleisanlagen in Erbenheim auf alten Luftbildern an, so kommt man recht schnell zur Feststellung, dass nur noch ein mickriger Rest davon übrig geblieben ist. Noch auf dem Luftbild von 1989 sind im Westteil des Bahnhofs ca. 10 parallelverlaufende Gleise erkennbar. Auch die Brücke über die B455 ist links nochmal mit im Bild. Damals noch mit all ihren Gleisen.

Heute ist nur noch eins davon übrig und der Bahnhof ist längst zum Haltepunkt ohne Ausweichmöglichkeit auf der eingleisigen Strecke degradiert worden. Das große Gleise-Demontieren fand hier ebenfalls um das Jahr 2003 herum statt.
Wofür all die Gleise nördlich der durchgehenden Strecke einmal dienten, kann ich nicht genau sagen. Müssen wohl Abstellgleise gewesen sein. Nur für was? Südlich der Strecke sind noch einige Stumpfgleise erkennbar, diese endeten an Laderampen und dienten dem Be- und Entladen von Güterzügen.

Zwischen der Strecke zum Flugplatz und dem Bahnhof Erbenheim lag einst ein großes Areal, das der Dywidag (Dyckerhoff & Widmann AG) gehörte. Auf dem Firmengelände wurden mit dem bei Dyckerhoff in Amöneburg hergestellten Zement Fertigbauwerke wie zum Beispiel Kanalrohre erstellt. Mehr zur Geschichte der Firma im Wiesbadener Stadtlexikon. Aktuell wird dieses Areal als Baugebiet Erbenheim-Süd erschlossen.
Aber auch Bauteile eines der aufsehenerregendsten Bauwerke des frühen 20. Jahrhunderts – der Jahrhunderthalle in Breslau – stammen zum Beispiel aus Wiesbaden. Die Kuppel der Halle war zum Zeitpunkt der Fertigstellung (1911/1912) mit einer freien Spannweite von 65 Metern im Durchmesser die größte dieser Art im damaligen Deutschland.

Selbstverständlich führten auch mehrere Ladegleise auf das große Areal. Doch ab Ende der 1970er-Jahre wurde das Erbenheimer Werk dann stufenweise stillgelegt. 1989 sieht man auf dem Luftbild noch ziemlich viele Baukräne und andere Baufahrzeuge stehen. Im Luftbild von 1998 wirkt dann alles recht verlassen. Im Jahr 2003 dafür kehrte neues Leben ein und scheinbar wurden auch wieder Betonfertigteile hergestellt. So sah es dann rund ein Jahrzehnt lang aus bis um das Jahr 2019 alles platt gemacht wurde. Leider habe ich es verpasst vor dem Abriss noch selbst Fotos anzufertigen.

Vom Abzweig Erbenheim zum Flugplatz Erbenheim
Auf den restlichen knapp zwei Kilometern Strecke zum Flughafen führt das Gleis südlich des Dywidag-Firmengeländes entlang und unterquert danach die Landstraße an der kleinen Erddeponie. An der Stelle fiel mir ein viel zu groß geratene Brückenmauer ins Auge. Um rauszufinden, was das einmal war, musste ich wieder die Luftbilder Jahr für Jahr durchgehen. 1977 deutete sich schon an, dass dort einmal eine Straße verlief und 1966 wurde es dann ganz deutlich. Damals unterbrach noch ein großer Verteilerkreisverkehr bei Erbenheim den Rhein-Main-Schnellweg, die heutige A66.

Der Verteilerkreis ist längst verschwunden und durch die weiter westlich liegende und autobahnkreuzähnlich ausgebaute Anschlussstelle Wiesbaden-Erbenheim (A66 / B455) ersetzt worden, aber die Brücke über die Güterstrecke zum Flughafen, die hat überlebt. Den linken Ast nutzt heute die Landstraße Richtung Delkenheim. Und den rechten Ast, auf den der orangene Pfeil zeigt, das war die zu große geratene Brückenmauer. Hat Spaß gemacht hier als Ortsfremder ein bisschen Detektiv in der Vergangenheit zu spielen.
Interessant auf dem alten Luftbild auch die zusätzliche Anschlussstelle kurz vor dem großen Kreisel. Heute unterquert die Rennbahnstraße an der Stelle die Autobahn nur noch. Die Flächen sowohl südlich als auch nördlich der Autobahn wurden längst bebaut. Der Name der Straße deutet übrigens auf die frühere Nutzung des Flugplatz-Geländes hin. Wie das Landesgeschichtliche Archiv Hessen weiß, wurde das Areal im Jahr 1910 als Pferderennbahn erschlossen. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg erfolgten auf der Pferderennbahn Starts und Landungen von Flugzeugen. Einen Bahnanschluss gab es damals noch nicht. Auch 1925 ist noch keiner in der Karte verzeichnet.

Von der Pferderennbahn zum Europa-Hauptquartier der US-Armee
Um das Jahr 1928 wurde die Rennbahn dann Flugplatz umgebaut. Dieser erhielt den offiziellen Namen Wiesbaden-Mainz und wurde für einige Jahre auch für zivile Passagierflüge genutzt. Laut einem Artikel im Wiesbadener Kurier von 2009 gehörte der Flugplatz zu den ersten, den die Besatzermächte nach dem Ersten Weltkrieg im besetzten Rheinland wieder erlaubten.
Die zivile Luftfahrt nahm am Flugplatz aber ein schnelles Ende. Bereits 1936 beschlagnahmte die deutsche Luftwaffe den Flugplatz und funktionierte ihn in einen Militärstützpunkt um. Während des Zweiten Weltkrieges sollen von hier aus Bombenangriffe auf London geflogen worden sein. Ich vermute, dass mit der militärischen Bedeutung im Dritten Reich dann auch die Eisenbahnstichstrecke ab Erbenheim gebaut wurde. Genau kann ich es aber nicht sagen, da im Geoportal der Stadt Wiesbaden keine Karten im Zeitraum von 1925 bis 1954 verfügbar sind. Zuvor gabs keine Anbindung, danach war die Strecke gebaut und eingezeichnet.
Eine Anfrage per E-Mail an die Administration der US-Armee führte leider zu keinem Erfolg. Man habe leider keine Aufzeichnungen über den Bahnanschluss und dessen Nutzung antwortete man mir.

Seit 1945 befindet der Flugplatz und etliche Hektar des Geländes drum herum im Besitz der US-Arme, die den Flugplatz heute unter dem Namen „Wiesbaden Army Airfield“ betreibt. Anders als viele andere Standorte der US-Armee in Deutschland wurde Wiesbaden nicht geschlossen, sondern zum Hauptquartier der US Army in Europa (USAREUR) ausgebaut. An den verschiedenen Stützpunkten in Wiesbaden sind aktuell ca. 20.000 Soldat*innen und Angehörige stationiert.
Die letzten Züge der Eisenbahnstrecke
Seit 2002 verläuft parallel zur Autobahn außerdem noch die zweigleisige Zubringertrasse zur ICE-Schnellfahrstrecke. Stand heute verkehren dort leider nur zwei Züge pro Tag! Morgens ein ICE nach Köln und abends einer von Köln über Wiesbaden nach Stuttgart zurück. Mit dem Ausbau der Wallauer Spange wird sich das hoffentlich ändern. Nach Herstellung der neuen Verbindung sollen schnelle Regionalzüge Richtung Darmstadt und Fulda die Strecke mit nutzen. Das ist bisher nicht möglich, weil Züge am Ende der Zubringerstrecke bisher nur links Richtung Köln abbiegen können. Die Rechtsabbiegerspur Richtung Flughafen fehlt noch.
Die Unterquerung der Autobahn A66 sowie der Eisenbahn-Zubringertrasse sind dann auch die letzten größeren Bauten auf der Strecke zum Flugplatz. Zusammen mit einem kleinem Bachlauf, der besser kein Hochwasser führen darf, passierte das kleine Anschlussgleis hier die großen Verkehrstrassen nahezu unsichtbar. Seit ca. 2011 liegen in diesem Bereich unter den Brücken schon keine Gleise mehr. Die Stelle ist über die Barbarossastraße relativ gut erreichbar. Bevor die Autobahn gebaut wurde, war die Straße auch keine Sackgasse.


Was mich doch ein bisschen verwundert ist, dass man hier beim Bau der neuen ICE-Trasse um das Jahr 2001 herum noch Rücksicht auf das Anschlussgleis nahm. Es muss ja wohl schon absehbar gewesen sein, dass das Gleis nicht mehr lange in Betrieb sein wird. Aber wahrscheinlich wurde die ICE-Trasse ja zehn Jahre zuvor geplant und die US-Army wird auch nicht wirklich Bescheid gesagt haben, dass das Gleis bald obsolet sein wird.
Bei meiner Suche, wann der Betrieb zum Flugplatz denn nun genau eingestellt wurde, fand ich leider kein genaues Datum. Aber ein paar nette Details. Auf dem Luftbild von 2003 kann man nämlich sogar einen Zug auf freier Strecke erkennen. Ich bin mir nur nicht sicher, ob die V90-Diesellok den einzelnen Wagen vor sich her schiebt und gleich ein Auto auf dem Bahnübergang rammt oder hinter sich her zieht und das rote Auto sehr schnell vorgerückt ist.

Zwar hängt gerade nur ein Wagen an der Lok, aber auf den Ladegleisen im Militärgelände kann man beobachten, wie gerade an der Panzerrampe etwa 17 Waggons mit Militärfahrzeugen beladen werden. Ganz genau lässt es sich nicht abzählen, weil der Zug halb im Schatten der Lagerhallen steht. In der Spitzkehre im hinteren Bereich der Gleisanlagen stehen noch fünf weitere leere offene Waggons (hier mit im Bild) sowie vier Kesselwagen auf dem Retourgleis der Spitzkehre.

Auf den Luftbildern von 2006 wirkt alles noch betriebsbereit, die Gleisanlagen quer über das Gelände wurden auch noch nicht als Parkplatz genutzt, aber Wagenmaterial konnte ich in dieser Momentaufnahme keins mehr sichten. Auf den Bildern aus dem Jahr 2008 war dies genauso.

Dieser Zustand ändert sich dann jedoch in den Aufnahmen von 2011 schlagartig. Auf dem Militärgelände wirken die Gleise längst nicht mehr so gut in Schuss gehalten und werden teils auch schon zum Parken umfunktioniert. Vor den Toren der Kaserne hat das Demontieren der Gleise gerade begonnen. Ungefähr bis zur alten Verteilerkreisbrücke, die ich oben im Luftbild markiert hatte, fehlen die Gleise nun. Überbleibsel auch hier: nur noch der betonierte Schienenübergang an der Straße und die beiden Signalanlagen.
Das erste Mal auf die ehemalige Bahnstrecke aufmerksam wurde ich am „70 Jahre Berliner Luftbrücken“-Fest als rund ein dutzend Rosinenbomber an Pfingstmontag 2019 als Stargast ihre Runden über das Flugfeld zogen. Das war auch das bisher einzige Mal, dass mich die Amerikaner in ihr Militärsperrgebiet an der Airbase gelassen haben. Beim großen Jubiläumsfest fuhren Shuttlebusse ab Wiesbaden bis nach Erbenheim und den letzten Kilometer musste man laufen.
Der Fußweg führte entlang der ehemaligen Eisenbahntrasse. Am Gestrüpp unweit der Gartenbaufirma Gramenz steht am ehemaligen Gleis noch das Überbleibsel einer Signalanlage. Das Foto habe ich weiter oben schon eingebettet. Ein paar Meter weiter auf freier Flur stand bis Mitte März 2021 ein weiteres Signal. Die Zaunanlagen auf der linken Seite halten ungebetene Gäste vom Militärgelände sowie von der Start- und Landebahn fern.

Wie ich dann Ende März bei einer Radfahrt rund um Wiesbaden aber feststellen musste, wurde entlang des Flughafen-Zauns alles platt gemacht und die letzten Reste der Eisenbahnstrecke sowie deren Gleisbett beseitigt.

In diesem Bereich sind nun nur noch die ehemaligen Bahnübergänge Nahe des Erbenheimer Friedhofs sowie die Schottertrasse unmittelbar vor der Zufahrt auf das US-Kasernengelände erhalten. Auf die Airbase selbst lassen mich die US-Soldaten an der Pforte wohl erst bei der nächsten großen Flugzeugschau zur 100 Jahr Feier. Auf den Luftbildern von 2020 kann man aber gut erkennen, dass entlang der ehemaligen Ladegleise viel umgebaut wurde und außer den Bahnübergängen nichts mehr von der Strecke erhalten ist. Im Bereich des ehemaligen Gleises für die Kesselwagen findet man jetzt nur noch einen großen Parkplatz. Das Schicksal des Gütergleises vom Wiesbadener Ostbahnhofes zum Flugplatz dürfte damit endgültig besiegelt sein.

Über weitere Hinweise zur Strecke und gegebenenfalls auch Richtigstellungen zu Details, die ich in meinem Artikel trotz intensiver Recherche nicht richtig wiedergegeben habe, freue ich mich natürlich. Schickt sie mir gerne in den Kommentarbereich. Wer noch mehr Eisenbahngeschichte rund um Wiesbaden erlesen will, dem empfehle ich meine beiden Artikel über die Aartalbahn. Ich habe diese unterteilt in die Abschnitte Stadtgebiet und Taunusquerung bis Bad Schwalbach. Die restliche Strecke bis Diez fehlt noch.
Meine Quellen:
Hinweis zu den Luftbildern und Karten sowie der verwendeten CC-Lizenz
Alle aus dem Geoportal der Landeshauptstadt Wiesbaden verwendeten Karten und Luftbilder stehen unter CC BY-NC-SA 4.0-Lizenz. Die genauen Bedingungen sind hier einsehbar.
Leider ging mir am Ende ein wenig die Lust aus zu bloggen. Die Artikel sind also noch nicht geschrieben worden. Wenn ihr hart genug mit mir schimpft in den Kommentaren, werde ich die noch fehlenden Artikel noch schreiben. Die Notizen, meine Erinnerung und natürlich die Fotos sind noch da…
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