Mehr als vorgesehen ist aus dem Motto eine Metapher geworden. Statt unter einem Dach arbeiten wir derzeit eher unter 170 Dächern. Abstandsregeln und Eindämmungsverordnungen, Vorsicht und Umsicht beim Umgang mit dem unheimlichen Virus verbannen rund 70 Prozent der Mitarbeitenden aus der ersehnten einenden Hülle.
3.800 der rund 5.500 qm sorgsam eingerichteten Flächen sind, zumindest statistisch, verwaist, 21.000 Kubikmeter unvorhergesehenes Raumvolumen verschaffen den Verbliebenen ungeahnt geringe Virenkonzentrationen an den Aerosolen.
Treffen für den kreativen Austausch
Aber wir sind ja gewohnt, Chancen zu nutzen, die wir nicht haben. Und so treffen wir uns mittlerweile eben einfach auf, statt unter dem Dach. Konferenzen, spontane, geplante und inszenierte Treffen für den in unserem Geschäft so elementaren kreativen Austausch von Ideen finden im Innenhof, auf der 80 qm bietenden Terrasse vor dem 6. Stock oder auf dem divers bepflanzten Dachgarten der 7. Etage ihre neuen Plätze.
Das gemeinsame Dach ist schließlich die immer noch wirksame Metapher für den Zusammenhalt, den die Idee taz und ihre publizistische Materialisierung täglich hervorbringt.
Dass dies alles auch unter widrigen Umständen wirkt, haben wir nicht zuletzt den Architekten E2A aus Zürich zu verdanken, die mit der Umsetzung des strukturellen Systems der taz-Hauses als Netz „eine Struktur ohne Hierarchie, in der alle Teile gleichviel leisten und nur zusammen Stabilität erreichen“ ein Gebäude gewordenes „Sinnbild der Organisation“ geschaffen haben. Dafür gebührt ihnen mindestens der Architekturpreis Berlin 2020, der am 1. und 2. Oktober 2020 von einer Jury bestimmt wird.
Auch für den Publikumspreis können Sie noch bis dahin online für das taz-Haus abstimmen: Bitte oben rechts auf dieser Seite den Stern anklicken.
Andreas Bull ist Geschäftsführer der taz. An dieser Stelle erörtert er in loser Folge die wirtschaftlichen Gegebenheiten des linken Medienhauses.
]]>Mit ihrer Spitzenleistung von 29 Kilowatt werden die mit flacher Neigung nach Ost und West ausgerichteten Fotovoltaik-Module pro Jahr laut Prognose rund 27.000 Kilowattstunden Strom produzieren. Diese werden nicht ins Netz eingespeist, sondern komplett im taz-Gebäude selbst verbraucht.
Das führt dazu, dass die Anlage extrem wirtschaftlich arbeitet: Die Investition von rund 45.000 Euro wird sich schon nach etwa 10 Jahren amortisiert haben; die Lebensdauer von Fotovoltaik-Anlagen wird auf 25 Jahre geschätzt.
Von einer Selbstversorgung ist die taz trotz der neuen Solaranlage aber weit entfernt: Der selbst produzierte Strom macht nur rund 5 Prozent des Gesamtverbrauchs im neuen Gebäude aus. Der Rest wird künftig – ebenfalls komplett aus erneuerbaren Energien – von den Elektrizitätswerken Schönau geliefert. Indirekt dient der Strom übrigens auch dazu, das Haus zu heizen – denn das geschieht überwiegend mit der Abwärme von Servern und Kühlräumen der taz-Kantine.
Von MALTE KREUTZFELDT, Redakteur für Wirtschaft und Umwelt
]]>Und je leerer die alten Schreibtische, Schubladen und Regale werden, umso mehr Verborgenes schält sich ans Licht. Das Archiv bekommt längst verloren geglaubte Magazinschätze, vor Jahren entliehen und dann hinter einen Heizkörper gerutscht, zurück. Reihenweise geben die Redakteurinnen auch Löffel ab. An den Kaffeemaschinen läuft auf einmal die Schublade für die Teelöffel über. Der Autor dieser Zeilen kann sich nicht erinnern, jemals etwas anderes als Ebbe vorzufinden. Lag dort ein einsames Rührwerkzeug, war es innerhalb von Minuten verschwunden.
Hunde verboten, Blumen erlaubt
Läuft man durch das zunehmend ausgeräumte Haus, erkennt man aber vor allem, wie grün die Redaktion ist: Flamingoblumen, Grünlilien und Kaffeepalmen stehen herum. Nennen wir das Grünzeug in Anlehnung an das Hundethema Bestandsflora. Im Gegensatz zu den Tieren ist für sie im neuen Haus eine Duldungsregelung getroffen worden. Nur: Die Besitzerinnen müssen ihr Grün selbst unter den Arm klemmen.
Mit einer Ausnahme, der Lebensbaum der Auslandsredaktion, ein uralter Ficus, wiegt Tonnen. Was passiert mit ihm? Wir berichten weiter.
Von JÖRN KABISCH, taz-Redakteur
]]>















Aber das ist nicht das Ende der taz, sondern nur der Anfang vom Umzug ins neue Haus gleich hier ums Eck. Es wird ein Aufbruch, vor dem man keine Angst haben muss, solange niemand vergisst, wo wir herkommen.
Deshalb hat die taz in diesem Jahr zurückgeschaut – in das Jahr 1968, in dem vieles begann, was die gesellschaftliche Linke geprägt hat – mit Sonderausgaben zur globalen Revolte im April, zum Pariser Mai, zum Prager Frühling im August und zum Feminismus.
Und es gab auf der werktäglichen Seite 2 mit dem Kalenderblatt 68 einen Blick in die Aktualität vor 50 Jahren. Das Stöbern in den Archiven war schon für die MacherInnen des Kalenderblattes erhellend, weil wir nicht nur lernen konnten, dass die 68er auch in Südafrika oder Uruguay präsent waren, oder dass Themen wie der Kampf gegen Nazis schon damals aktuell waren.
Auch dass die Kulturrevolution der 68er keineswegs ein Selbstläufer war, fiel auf. Zwar gab es einen Künstler, dessen Debütalbum volle 9 Monate auf Platz 1 der Charts stand – eine bis heute nicht mehr erreichte kulturelle Dominanz. Aber es war nicht Bob Dylan oder Jimi Hendrix, es war Heintje.
Ganz im hier und jetzt, lässt sich derweil dank der Neubau-Webcam beobachten, wie rund um den taz Neubau die letzten Handgriffe getan werden, um den Gehweg vor dem Gebäude und das Bauumfeld wieder zu richten.
Von GEREON ASMUTH, Leiter taz Eins
Fotos: Karsten Thielker
]]>Moderne Gebäude, so sagt man, brauchen wenig Energie zur Wärmegewinnung, dafür müsse umso mehr für Kühlung aufgewendet werden. Denn dicke Mehrfachverglasung hält Geräusche und Kälte draußen und lässt die Wärme von drinnen nicht raus. Glas wird gern und viel verwendet, bringt Tageslicht in die Räume, ermöglicht Blicke von innen nach außen und bringt Transparenz für das, was drinnen geschieht, für jene, die draußen sind. Aber wenn die Sonne darauf und hindurch scheint, heizen sich die hinter Glas liegenden Flächen ungehindert auf.
Zwei Möglichkeiten schaffen Abhilfe: Mit Klimaanlagen unter hohem Energieeinsatz Kälte erzeugen, wäre eine. Sonnenschutz vor die betroffenen Scheiben rollen, die andere. Die Gebäudeautomation des taz Neubaus sorgt selbstständig dafür, auch wenn frühmorgens außer der Sonne noch niemand da ist, der die Rollos bedienen könnte. Das ist wichtig, um die Kühle der Nacht im Gebäude zu halten, auch wenn die Ausrichtung der Glasflächen vorwiegend nach Nord, West und Ost das Ausmaß des Problems begrenzt.
Natürliche Lüftung, mechanische Lüftung, Klimaanlage
Die Kühle der Nacht bringt die Energie, die der Baukörper in seinen unverblendeten Betonflächen speichert und tagsüber sanft in die Flächen abstrahlt. Grundsätzlich erfolgen Lüftung und Klimatisierung der Etagen als natürliche „Freie Lüftung“, also durch Öffnung der Türen zu den in die Stahlnetzfassade integrierten Balkonen, die rings um das Gebäude führen, sowie durch Lüftungsflügel, die in bestimmten eigens nach Arbeitsstättenrichtlinie für den Luftaustausch berechneten Abständen zwischen den Glasscheiben angeordnet sind.
Die Glasscheiben selbst eignen sich aufgrund ihres hohen Gewichts nicht als öffenbares Fenster. In der trockenen Sprache des Haustechnikers: „Die sich einstellenden Raumtemperaturen wurden anhand einer thermischen Simulation und dem sommerlichen Wärmeschutz ermittelt und entsprechen den gesetzlichen Vorgaben.“ Basta.
Zusätzlich wurde eine mechanische Lüftungsanlage installiert, die ihrerseits über in die Hohlraumböden der Etagen eingelassene Kanäle frische Luft in die Büroflächen leitet. Der Luftauslass dieser Kanäle befindet sich in Hunderten von Brüstungsgeräten, die unter allen Außenscheiben installiert sind. In ihnen verbergen sich Wärmetauscher, die im Winter als Heizung und im Sommer als Kühler eingesetzt werden. Durch sie läuft in einem hermetisch geschlossenen Kreislauf ein unendlicher Strom normales unkonditioniertes Wasser, 30.000 Liter pro Stunde.
Im Sommer soll das Wasser möglichst 19 Grad Vorlauftemperatur betragen, im Winter etwa 28 Grad. Kleine geräuschlose Lüfter bewegen die vom Wärmetauscher beeinflusste Lufttemperatur in die Büroflächen.
Doch woher bekommt das Wasser seine Temperatur? Hier kommen wir zum Herzstück der Klimatisierungsanlage im neuen taz Haus: drei mächtige Türme, jeweils 1,50 m breit, 2,50 hoch und 5 Meter lang mit einer Kälteleistung von je 45.000 Watt sind im Dachgeschoss untergebracht. Diese Kälteleistung wird durch Verdunstung von Wassertropfen erreicht, die auf ein System großflächiger dünner Röhrchen gesprüht werden, durch die jene 30.000 Liter Kühlwasser gepumpt werden, auf dass es bei einer Feuchtkugeltemperatur von 17 Grad mit 19 Grad Temperatur zu den Wärmetauschern in den Büroetagen gelangt. Metergroße Ventilatoren sorgen für den Luftstrom, der den Verdunstungsprozess beschleunigt und damit die gewünschte Kälteleistung erzeugt. Adiabatische Kühlung ist der physikalische Begriff dafür.

Ach ja, im Winter soll dasselbe Wasser ja mit 28 Grad als Medium der Heizung dienen. Diese Wärme nimmt das Wasser bei der Kühlung der Server unseres Rechenzentrums auf. Das müsste reichen, um nicht zu frieren, für den Notfall sorgt die Fernwärme aus der Kraft-Wärme-Kopplung des Berliner Kraftwerksystems für Abhilfe. Hauptsache: Keine Energie verschwenden!
Reichen diese Vorkehrungen aus, um auch bei so einem so deutlich vom Durchschnitt abweichenden Hochsommer wie in diesem Jahr ein behagliches oder zumindest erträgliches Raumklima zu gewährleisten? Wir werden sehen, für bestimmte Grenzfälle haben die Klimaplaner unserer Architekten eine kleine konventionelle Klimaanlage vorgeschaltet, die dem adiabatisch gekühlten Wasserkreislauf helfen soll, die nötige Vorlauftemperatur zu erreichen.
Dieser Fall könnte eintreten, wenn der Wert der Temperatur der sogenannten Feuchtkugel die für den Erfolg des adiabatischen Prozesses kritische Marke von 17 Grad überschreitet. So wie zur Zeit des Verfassens dieses Textes: Berlin 8.8.18, 18:00, Temperatur: 32,5 Grad, Luftdruck: 1.004 hPa, Luftfeuchtigkeit: 29 %, Feuchtkugeltemperatur: 20 Grad.
Glücklicherweise ergab sich des Nachts zuvor bei 24 Grad und gleichem Luftdruck bei einer Luftfeuchtigkeit von 44 % mit einer Feuchtkugeltemperatur von 16 Grad eine geradezu ideale Arbeitsbedingung für unsere adiabatischen Klimageräte. Bitte konsultieren Sie für solche Werte die Daten der Wetterstationen und das Mollier h,x-Diagramm, das Ihnen zeigt, wie sich aus Druck-, Luftfeuchtigkeits- und Temperaturwerten die Feuchtkugeltemperatur ergibt. Zumindest theoretisch.
Und falls Ihnen das jetzt zu technisch war: Wikipedia hilft, Stichwort „Feuchtkugeltemperatur“.
ANDREAS BULL, Geschäftsführer der taz
Bautagebuch und Webcam zeigen den Fortschritt des taz Neubaus.
]]>Die Oberfläche wird dafür besonders schön. Das Pflaster ist geschliffener Großsteingranit, den auch die Nachbarn für ihr Teilstück des Weges verwenden und der die Oberfläche des Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platzes vor der Akademie des Jüdischen Museums Berlin fortsetzt. Im Moment sind die etwa 6 Meter der minimal ansteigenden Rampe zum Nachbarn hin fertig gestellt.
Eine Baulücke für genossenschaftliches Wohnen?
Auch an der Friedrichstraßenseite des taz Hauses wird gebaut. Hier wird der Fußweg wieder instand gesetzt und erfährt dabei leichte Änderungen zum Bestand von vor Beginn unserer Bautätigkeit. Eine alte Gehwegüberfahrt ist zu beseitigen und am Südende wird eine Gehwegerweiterung mit einer sogenannten Nase in die Straße hinein gebaut. Hier befindet sich der Eingang, über den die Mitarbeitenden ihre Fahrräder in den Keller transportieren, die Müllbehälter aus dem Keller für die Berliner Stadtreinigung zum Abtransport bereit gestellt werden sowie die Anlieferung für den taz shop, das taz Café und das „Kantine“ genannte Restaurant erfolgt. Für die Fußgänger ist für die Zeit der Bauarbeiten ein Weg mit Baken über die Straße abgesperrt.
Rechts, also südlich vom taz Gebäude befindet sich übrigens eine Baulücke, die ein vom Kauf zurück getretener Investor hinterlassen hat. Gegenwärtig ist das noch die Baustelleneinrichtungsfläche mit den Baucontainern der für die taz tätigen Firmen. Ab Ende August wird sie geräumt und bietet dann Platz für die „Bauhütte“, ein Gemeinschaftsprojekt der Baugruppen des Kunst- und Kreativquartiers Südliche Friedrichstadt und der taz, in der Stadtteil- und Nachbarschaftsinitiativen die Entwicklung des Gebiets voranbringen und den Betrieb der Neubauten mit den anderen Bewohnern und Gewerbetreibenden vernetzen wollen.
Und eines Tages könnte in dieser Baulücke auch ein Neubau für genossenschaftliches Wohnen unter anderem für taz-Mitarbeitende entstehen. Aber das ist ein anderes Thema …
ANDREAS BULL, Geschäftsführer der taz, beaufsichtigt den Fortgang der Bauarbeiten am taz Neubau.
]]>Nun soll das Grundstück in einem Konzeptverfahren neu ausgeschrieben werden – was bedeutet, dass neben dem Grundstückspreis auch das Nutzungskonzept eine wichtige Rolle spielt. Mir fallen natürlich sofort ein paar sinnvolle Nutzungen ein. Bekanntlich werden in Berlin dringend günstige Wohnungen gebraucht.
Könnte nicht die taz-Genossenschaft, nachdem sie ihre eigene Standortsicherung mit der Unterstützung vieler taz-GenossInnen erfolgreich betrieben hat, für die Mitarbeitenden günstigen, genossenschaftlichen sozialen Wohnraum schaffen? An dieser Stelle in der Friedrichstraße?
Die Preise haben sich seit 2014 , als die taz ihr Grundstück kaufte, mehr als verdreifacht. Statt bei 2 Millionen liegt der Verkehrswert des Baulückengrundstücks heute bei 7,5 Millionen Euro. Kann man da noch günstig bauen, um günstige Mieten zu realisieren? Viele Fragen, die man eigentlich mal klären müsste.
Zunächst ziehen aber neue Nachbarn in die Baulücke. Wenn die taz ihre Baulogistik und Container abräumt, wird die „Bauhütte Südliche Friedrichstadt“, ein gemeinsames Projekt aller Baufelder des Kunst- und Kreativquartiers, die Fläche zwischennutzen.
Von KARL-HEINZ RUCH, Geschäftsführer der taz
]]>Der Bauprojektmanager SMV kam über die Eventagentur, die das Event geplant hat, auf uns zu, um dort eine Wand live zu bekleben.
(Anmerkung der Redaktion: Das Event war die Kickoff Party für den taz Neubau Ende Januar)

In der Gestaltung waren wir eigentlich komplett frei und haben uns von dem Stahlgerüst der Fassade inspirieren lassen. Da wir wussten dass es eine Abendveranstaltung wird, wollten wir was mit Neonfarben machen, das pinke Tape leuchtet unter Schwarzlicht extrem gut.
Tape ist ein neues Medium an dem wir immer Neues für uns entdecken können. Vergänglich ist relativ, da man auch Tape-Art-Kunstwerke ewig haltbar machen kann. Für Veranstaltungen dieser Art und temporäre Installationen ist es natürlich perfekt, da man es eben, anders als Farbe, problemlos wieder abbekommt. Wir haben damit kein Problem, ein Maler ärgert sich ja vielleicht auch mal, dass er nicht einfach STRG-Z machen kann, wenn ihm ein Strich nicht gefällt, der bleibt dann da. Wir können alles was wir machen, einfach entfernen und wieder was Neues machen.
Der harte Kern von Tape That besteht aus sechs Leuten: Thomas Meissner, Stephan Meissner, Nikolas Lawin, Stefan Busch, Adrian Dittert und My Lan Nguyen. Drumherum kommen dann noch Bekannte, Freunde und Helfer, die immer mal wieder dabei sind.
Die Mitglieder von Tape That haben sehr unterschiedliche Hintergründe, aber grundsätzlich interessieren wir uns alle sehr für Street Art. Es sollte schon immer einen guten Grund für uns geben, mit Tape zu arbeiten. Auf der Straße oder Outdoor ist Tape Art nicht unbedingt gut geeignet, weniger wegen der Witterung, sondern weil Tapen meistens länger dauert als Sprayen. Außerdem will man ja gerade bei Street Art oft, dass es nicht wieder ab geht.
Nein, auf keinen Fall. Was haben wir denn mit denen gemeinsam? Es klingt einfach gut, aber es gibt keine besondere Geschichte zu dem Namen.
Ich kann nicht für die anderen sprechen, aber klar kenne ich irgendwie die taz und lese auch ab und zu mal einen Artikel. Bei der Veranstaltung ging es ja um die Eröffnung des neuen Gebäudes. Wir haben im Prinzip einfach mit der Architektur von dem Gebäude gespielt und daraus ein abstraktes Bild gemacht. Die Gestaltung der Brandwand gefällt uns gut.
Wir machen wirklich sehr unterschiedliche Projekte. Neben Projekten, wie das für SMV, machen wir noch unsere freie Kunst und Ausstellungen – 2016 haben wir die Tape Art Convention organisiert und kuratiert. Da die Tape Art Szene noch recht überschaubar ist haben wir uns gedacht, dass es toll wäre, wenn wir die bekanntesten Künstler mal in Berlin versammeln und eine Gruppenausstellung auf die Beine stellen. Da waren dann Künstler aus London, Philadelphia, Melbourne und Amsterdam dabei. Wir haben uns eine Woche in die Neurotitan Galerie eingeschlossen und gezeigt, was man künstlerisch so aus dem Alltagsgegenstand Klebeband rausholen kann. Die nächste Convention ist momentan übrigens in Planung und findet vielleicht schon im Sommer statt.
Ein weiteres laufendes Projekt nennen wir „Tape Art around the World“. Wir verstehen uns als „Tape Art-Botschafter“. Klebeband kann in fast jedem Haushalt auf der Welt gefunden werden. Was die Wenigsten wissen: Das ist alles was nötig ist, um kreativ zu werden! Man braucht weder teure Farben, noch teure Leinwände – nur herkömmliches Klebeband. Wir sind von diesem Open Source Ansatz, Kunst zu erschaffen, fasziniert und versuchen, diesen Gedanken mit dem Projekt „Tape Art Around the World“ in die kulturell unterschiedlichsten Regionen der Welt zu tragen. Bisher konnten wir dies in Ägypten, Bulgarien, China, Estland, Großbritannien, Indien, Jerusalem, Kambodscha, Katar, Montenegro, Namibia, in den palästinensischen Gebieten, Peru Portugal, Russland, Saudi Arabien, USA, Schweden, Vietnam und Weißrussland tun. Es wäre schön, wenn die Tape Art im neuen Haus bleiben würde oder wir ein neues Bild bekämen.
Interview: Désirée Fischbach, Online-Anzeigen und Datenanalyse bei der taz
]]>„Toys from the sky“, kurz TFTS, so nennt sich das Künstlerkollektiv aus Bremen und Hamburg, welches in dieser Woche durch die taz beauftragt wurde, am neuen taz-Haus eine künstlerische Intervention vorzunehmen. Dank der Baulücke neben dem taz.neubau, welche noch für einige Jahre unbebaut bleibt, bietet sich die komplette Brandwand als Leinwand für die Crew von „Toys from the sky“ an: „Wenn du vor der Wand stehst, kannst du spüren, wie sie in der Umgebung wirkt und den Raum um sich beeinflusst“, erklärten die Vertreter des Kollektivs bei der Vorstellung der ersten Entwürfe am vergangenen Dienstag in der taz-Morgenkonferenz.
Die Künstler übertragen die Idee der Architekten Wim Eckert und Piet Eckert für die Außenfassade des taz.neubaus, ein prägendes Geflecht aus Stahl, in ein die komplette Wandfläche füllendes und auseinanderstrebendes Raster aus Dreiecken, die mit zahlreichen Farben und Grautönen versehen werden.
Der Entwurf bricht die Massivität der Wand auf, die Fläche entwickelt prozesshaft ein wandelbares Eigenleben, das mit der Umgebung wächst. Die Brandwand soll lebendig und veränderbar sein und beispielsweise das zeitliche Geschehen reflektieren. Die Farbflächen können bei Ereignissen angepasst werden, politische Banner in dafür vorgesehene Flächen eingearbeitet werden. Lichtinstallationen könnten Farben verschwinden lassen oder diese verwandeln. Aus vielen kleinen Formen entstehen neue diverse Formen und Farbräume. Genau wie in der taz selbst besteht das große Ganze aus vielen individuellen Einzelteilen.
Streetart für den guten Zweck
Visuelle Erkennungszeichen der taz wird das Bildnis hingegen bewusst nicht tragen: „Wir wollten darauf verzichten, eine tazze oder die taz-Farben zu verwenden. Der Neubau sticht sowieso aus seiner Umgebung raus, wie die Zeitung an sich“, erläutert das Team von TFTS. Beguckt man sich die Entwürfe, erinnert das reizvolle Spiel mit den Formen und Farben zuweilen an Picassos und Braques kubistische Avantgarde oder die Werke des holländischen Konstruktivisten Piet Mondrian. Das war vom TFTS Kollektiv hingegen nicht beabsichtigt.
Und noch einen interessanten Akzent überlegen „Toys from the sky“ zu setzen: Im unteren Bereich der Brandwand könnte Raum gelassen werden für Streetart, die im Kreuzberger Umfeld voraussichtlich sowieso von ganze alleine wachsen wird. Einen mittleren fünfstelligen Betrag erhält das sechsköpfige Kollektiv für seine Arbeit. Geld, welches TFTS investieren wird: 2018 reisen „Toys from the sky“ nach Indien, um vor Ort Streetart-Projekte mit Jugendlichen zu realisieren.
… und was sagt die taz dazu?
Zwar vermissten manche einen Ausbruch aus den rein geometrischen Formen, die den Neubau prägen. Im Großen und Ganzen stießen die Entwürfe in der Morgenkonferenz aber zunächst auf breite Zustimmung. Richtig Fahrt nahm die Debatte wenig später dann im taz-Intranet auf, wo viel gelobt, aber auch viel kritisiert wurde. Ich würde mich, was das betrifft, allerdings dem Wortbeitrag eines Kollegen anschließen: „Demokratische Kunst war schon immer die schlechteste aller Künste.“
Foto: Manuel Schubert
]]>