Die letzte Etappe nach Santiago führte über rund 33 Kilometer direkt zur Kathedrale. Nach dem Ankommen auf dem großen Platz und dem obligatorischen Foto folgte der Gang zum Pilgerbüro. Da der Camino Torres nicht offiziell gelistet ist, wurde die Distanz auf Basis des Camino Mozárabe berechnet. Mit einer bescheinigten Strecke von etwa 1.400 Kilometern ist mein sechster Camino damit nun offiziell abgeschlossen.
Der Aufenthalt in Santiago begann im Hotel Virxe da Cerca. Da das erste Zimmer im Untergeschoss sehr unruhig war, ermöglichte das Personal nach einer kurzen Reklamation den Wechsel in ein deutlich ruhigeres Zimmer in den oberen Etagen. Es ist ein bemerkenswerter Zufall, dass die Reise damit genau so endet, wie sie in Almería begonnen hat: mit einem Zimmerwechsel für eine erholsame Nacht. Nach den vielen Kilometern auf dem Weg ist nun die Zeit gekommen, nach Hause zurückzukehren.
]]>Heute Morgen startete ich etwas träger. Nach einem stärkenden spanischen Frühstück machte ich mich erst gegen 8 Uhr auf den Weg. Kurz hinter der Stadt zweigt der Variante Espiritual links vom Central-Weg ab. Ich hatte gehofft, es würde leerer sein, doch leider war dem nicht so. Auch hier sind jede Menge „Tagesrucksäcke“ unterwegs, die einem die dringend benötigten Plätze in den Herbergen wegnehmen.
Und ja, es regnete auch heute wieder. Zum Glück aber nicht annähernd so heftig wie gestern, als sich meine Füße anfühlten, als stünde ich dauerhaft in einem Swimmingpool.
Hinter Combarro führte der Weg in einer gemäßigten Steigung hinauf bis auf 400 Meter nach Armenteira. Angesichts dessen, was ich schon hinter mir habe, war das keine große Herausforderung, und ich ließ die meisten meiner Mitstreiter hinter mir. Dort angekommen, ergatterte ich als dritte Person gerade noch ein Bett.
Das Prinzip „First come, first served“ gilt hier in der Albergue, aber ich war irritiert: Auch hier standen bei meiner Ankunft Rucksäcke herum, die von Transportdiensten für die Tagestouristen vorausgeschickt worden waren. Es ist einfach nur noch frustrierend, wie sehr der Konsum den Jakobsweg in die Hand genommen hat.
Mit dieser Meinung stehe ich nicht allein da. Mein heutiger Pilgerkollege Manfred, der den Weg bereits 2015 gelaufen ist, sah das genauso. Wir saßen eine ganze Weile bei ein paar Bierchen zusammen und beobachteten, wie der Vorplatz immer mehr zu einem Taxistand mutierte. Dort stiegen die „Tagesrucksäcke“ ein und aus wie auf einem Jahrmarkt.
Kurz vor dem Alto da Portela, der höchsten Erhebung des Central-Weges, legte ich eine kurze Bar-Pause ein. Dort beobachtete ich eine Kanadierin, die ihren Regenponcho anzog, obwohl es trocken war. Ich fragte sie, ob das eine gute Idee sei, da es bald steil bergauf gehe, aber sie meinte, es mache ihr nichts aus. Also ließ ich sie ziehen.
Der Alto da Portela beginnt sanft, wird aber ab einem bestimmten Punkt steil und anstrengend. Ich erinnerte mich, dass ich vor zwei Jahren dort mehrere Pausen einlegen musste, während mein damaliger Partner Eduardo den Anstieg ohne Halt bewältigte. Nun, dieses Mal war ich an der Reihe! Ich schaffte es ohne Pause!
Auf halber Strecke traf ich Andreas aus der Pfalz, mit dem ich ein Stück lief. Er erzählte, dass dies sein erster Weg sei, den er in Porto gestartet hatte – wie die meisten, die hier unterwegs sind. Es war sehr angenehm, sich mal wieder in der Muttersprache unterhalten zu können, da die Kommunikation sonst nur auf Englisch stattfand. Erschreckenderweise merkte ich, dass mir manchmal die deutschen Wörter fehlten. Zum Beispiel wusste ich plötzlich nicht mehr, dass Bunkbed im Deutschen Etagenbett heißt. Eigenartig!
In der Herberge angekommen, empfing uns Verena, die Eigentümerin, die abends auch für uns kochte. Es war das erste Mal seit Ewigkeiten, dass ich mit so vielen Menschen (wir waren 12) zusammensaß. Und genau da begann das Problem: Ich bin es einfach nicht mehr gewohnt, so viele Leute zu treffen und mich auszutauschen.
Die Gespräche drehten sich zudem nur um Blasen und Kinkerlitzchen – Themen, auf die ich absolut keine Lust mehr hatte. Verena warnte uns, dass es abends im Dorf laut werden könnte, da eine Bühne aufgebaut war. Schon den ganzen Tag plärrte aus den Kirchenlautsprechern Musik, die an Werbespots und Kinderspielshows erinnerte – grausam! Wir gingen alle um 21 Uhr ins Bett. Ich habe fast durchgeschlafen und bin heute früh um 6:30 Uhr als Erster losgelaufen. Es hätte zwar Frühstück gegeben, aber ich war nicht scharf darauf, die grandiosen Unterhaltungen des Vorabends fortzusetzen.
Heute lief ich dann bis nach Mos – 37 Kilometer! Das ist mein neuer persönlicher Rekord, auf den ich wirklich stolz bin, und das, obwohl es ständig regnete. Als ich in der Rezeption der Herberge ankam (die sich in der benachbarten Bar befindet), warteten bereits zwei Italiener auf den Check-in. Dummerweise lief ein Fußballspiel, und wir wurden gekonnt ignoriert. Nach zehn Minuten ging ich an die Bar und machte den Kellnern klar, dass drei Pilger warteten und ob das ihr Ernst sei. Danach ging alles sehr schnell. Seltsamerweise sogar ohne Registrierung unserer Namen und Pässe (nur falls das mal jemand von der Guardia Civil lesen sollte ).
Heute Morgen schlich ich mich förmlich aus der Unterkunft, da die meisten meiner Mitpilger noch tief in ihren Betten röchelten. Nur Jorge und Paula waren schon wach. Wir verabschiedeten uns mit herzlichen Umarmungen und der Hoffnung auf ein Wiedersehen in Santiago. Die beiden werde ich die nächsten Tage wirklich vermissen.
Gestern Abend waren wir noch zusammen essen, und Jorge erklärte mir die Bedeutung der zwei kleinen Anhänger, die Paula mir als Geschenk aufs Bett gelegt hatte: eine offene Hand und eine Zipfelmütze. Die offene Hand kannte ich schon, da ich sie bereits letztes Jahr von einem Pilger geschenkt bekommen hatte, aber die Zipfelmütze?
Sie steht für die Campinos, eine Reitertruppe aus der portugiesischen Region Tejo, die Bullen hütet und treibt. Sie leben die meiste Zeit bei den Tieren, bewachen und behüten sie und holen sich nur einmal pro Woche die nötigsten Vorräte aus dem Dorf. Diese Jungs gelten als stark, mutig und geschickt. Paula schenkte sie mir, weil sie meint, ich verkörpere all diese Werte. Da sage ich doch: Danke
(Endlich sieht das mal jemand!
). Aber im Ernst, das hat mich Eisklumpen schon etwas berührt.
Jedenfalls schlich ich mich hinaus, kippte in der erstbesten Bar einen Kaffee und brach frohen Mutes in die Welt auf. Kurz vor der Stadtgrenze traf mich der erste Regentropfen. Pipikram, dachte ich, weiter! Heute liegen schließlich 36 Kilometer bis nach Ponte de Lima vor mir. Scheiß drauf!
Plöpp, Plöpp, Plöpp und Wusch
Ein schneller Blick auf die Wetter-App: Bus! Die Regenwolken standen genau über meinem Gebiet und bewegten sich keinen Millimeter. Es gab keine Chance, das noch 28 Kilometer entfernte Ziel trockenen Fußes zu erreichen. Nach einem zweiten Kaffee am Stadtrand von Prado beschloss ich, einen Bus zu suchen.
Ich fragte zwei Leute: Nummer eins konnte das Wort „Bus“ im Zusammenhang mit Ponte de Lima anscheinend nicht zuordnen. Nummer zwei war da schon weiter und erklärte mir in perfektem Englisch, wo ich die nächstgrößere Bushaltestelle finden würde.
An der Haltestelle fragte ich vorsichtshalber noch zwei Damen. Die eine stürmte sofort mit mir in den benachbarten Kiosk, befragte die Verkäuferin, stürmte wieder heraus, zeigte mir die Abfahrtspläne und suchte und fand dann sogar noch den richtigen Bus für mich.
Zehn Minuten später saß ich drin und fuhr durch den Regen, der auch Stunden nach meiner Ankunft immer stärker zu werden schien. Ich vertrieb mir die Zeit und lief zur Herberge hinter der berühmten, ursprünglich von den Römern erbauten Brücke, welche sich über den Fluss Lima spannt. Natürlich war die Albergue noch zu und öffnete erst um 15 Uhr.
Hinter mir tauchte eine ältere Dame auf und fragte gehemmt: „Which Language“ ich spreche. Ich musste nicht lange überlegen, woher sie kam, und antwortete direkt: „Deutsch“.
„Puh, Gottseidank!“ war ihre Antwort. Hätte ich gewusst, was als Nächstes kommt, hätte ich wohl besser auf Suaheli geantwortet. Stattdessen kaute sie mir anderthalb Stunden lang das Ohr ab, hörte sich dabei aber am liebsten selbst reden. Mir schoss durch den Kopf: Tolle erste Begegnung nach Wochen der Einsamkeit!
Als das nicht enden wollende Gesabbel einfach nicht aufhörte, reservierte ich kurzerhand ein Zimmer über Booking und sah zu, dass ich schnellstmöglich verschwand.
Einsamkeit kann eben auch wunderschön sein.
Für morgen gibt es keine Ausreden, da ich bereits in der Pilgerpause in Fontoura vorreserviert habe. Wegen des Namens und der deutschen Telefonvorwahl nehme ich an, dass die Betreiber wohl deutschstämmig sind. Ich dachte, das könnte witzig werden, und die Kilometer passen auch gut. Es wird Zeit, dass ich mal wieder in die Gänge komme. Außerdem ist die morgige Route eine schöne Strecke, die ich bereits vor zwei Jahren gelaufen bin.
An der Station angekommen, suchte ich nach dem richtigen Bus oder einer Information. Plötzlich tauchte der Name meines Ziels auf der Windschutzscheibe eines Busses auf. Also, nichts wie rein und los! 45 Minuten später spuckte mich das Gefährt an der Endstation wieder aus.
Dort angekommen, blickte ich auf einen Monitor und sah, dass um 9:35 Uhr ein FlixBus nach Braga fuhr. Es war 9:25 Uhr. Kurze Überlegung, zweite Entscheidung: Ich steige sofort ein!
Ich kaufte schnell ein Online-Ticket und war 30 Minuten später in Braga. Dort vertrieb ich mir die Zeit, bummelte durch die Stadt, sammelte Stempel in der fälschlicherweise für die Kathedrale gehaltenen Basilika und holte mir dann auch den Stempel der richtigen Kathedrale. Ich wartete darauf, dass es 14:30 Uhr wurde, denn dann sollte endlich die Casa de Roda öffnen – eine Art Herberge, die wohl eher ein Heim für schwer erziehbare Jugendliche ist.
Als ich mich langsam auf den Weg machte, traf ich um die Ecke meine alten Freunde Paula und Jorge! Was für ein unerwartetes Wiedersehen . Wir gingen kurz zusammen essen und redeten darüber, wie ich es so schnell bis nach Braga geschafft hatte.
Dritte Entscheidung des Tages: Ich habe den Rückflug gebucht. Keine Sorge, die Reise ist noch nicht vorbei, aber ein wenig Planung muss sein. Mein Flieger geht mit ausreichend Puffer am 22. Mai 2025 zurück ins gute alte Deutschland. Dann sind fast genau zwei Monate vergangen, seit ich in Almería aufgebrochen bin. Das ist eine enorme Zeit, die ich erst einmal verarbeiten muss. Aber noch ist es nicht so weit.
Aufgrund dieser Informationsbasis und da der gestrige Tag bereits ziemlich von Straße und Kopfsteinpflaster geprägt war, traf ich die Entscheidung, mich mittels Uber ein wenig chauffieren zu lassen. Nur circa 10-11 km bis nach Lixa. Ab hier wanderte ich dann weiter nach Felgueiras, wo ich bereits ein Zimmer reserviert hatte. Bereut habe ich die Entscheidung nicht, denn auch die gelaufenen Kilometer gingen gnadenlos durch Häusersiedlungen und auf Straßen. Auf den letzten Metern oder besser Kilometern habe ich das Gefühl, dass der Torres etwas einfallslos wird und überlege bereits, ob ich nicht einfach direkt bis nach Braga fahre und dann nach Ponte de Lima laufe, um endlich auf den portugiesischen Weg zu kommen. Entschieden ist bislang noch nichts, aber ich überlege.
Oben auf dem Cha de Arcas war erst mal eine Pause angesagt.
Beim Abstieg stand ich dann vor einer kniffligen Entscheidung: Ein offizielles Zeichen (gelbes Dreieck mit zwei Punkten) zeigte nach links. Etwas weiter, genau dort, wo mein GPX-Track den Weg verortete, wies jedoch ein Schild mit einem durchgestrichenen Kreuz () in die Richtung. Was nun?
Ich wusste, dass es auf dieser Etappe eine Stelle gibt, an der man den Pfeilen bewusst nicht folgen soll – aber die sollte erst viel später kommen. Also entschloss ich mich, den offiziellen Schildern zu vertrauen. Ein Fehler, der mich heute etwa 5 Kilometer extra kosten sollte. Fluchend und wütend darüber, dass man sich anscheinend auf nichts mehr verlassen kann, kam ich nach einem riesigen Bogen wieder auf den Camino zurück.
Nach etlichen Kilometern auf Asphalt – einer kleinen, kurvenreichen Straße, auf der die Portugiesen wie die Bekloppten um die Ecken heizten – erreichte ich die Stelle, an der man angeblich nicht den offiziellen Schildern, sondern der Beschreibung von caminotorres.com folgen soll. Das tat ich dann auch. Passte mir ohnehin gut, da an der Abzweigung ein Restaurant lag, in dem ich etwas Ordentliches essen und mich um meine Unterkunft kümmern konnte.
Ich rief die Jugendherberge Casa da Juventude Amarante an, um nach einem Bett zu fragen. Die Dame am Telefon sprach Englisch und bat mich, eine E-Mail zu schicken – auf deren Antwort ich übrigens immer noch warte.
Da der Weg hinter dem Restaurant plötzlich wieder steil bergauf und über übelsten Untergrund führte, beschloss ich, von der Route abzuweichen und auf die Landstraße auszuweichen, bis ich wieder auf den Originalweg traf. Pfeile oder Symbole suchte man hier ohnehin vergeblich. Als ich dann gefühlt dreimal fast über den Haufen gefahren wurde, war Schluss. Ich fragte in einer Bar nach einem Taxi, das mich zur Jugendherberge brachte. Dort angekommen, teilte man mir mit: Natürlich kein Bett frei!
Genervt lief ich zum gegenüberliegenden Des Arts Hostel. Die junge Rezeptionistin war eifrig in ein Telefonat mit einem spanischen Gast vertieft. Da Spanier bekanntlich die Angewohnheit haben, für alles gefühlt zehn Sätze mehr als nötig zu verwenden, zog sich das Gespräch entsprechend in die Länge. Zehn Minuten später war ich endlich an der Reihe (wobei die Dame absolut nicht in der Lage war, ihren Gesprächspartner mal charmant abzuwürgen).
Ich fragte ohne Umschweife nach einem Einzelzimmer.
Tipp, tipp, tipp, tipp…
„Can I have your ID please?“ – „Yes, of course.“
Tipp, tipp, tipp, tipp…
„It costs 51 Euro including breakfast!“ – „Yes, fine!“
Tipp, tipp, tipp, tipp…
„Oh, I’m sorry…“ (Sie tuschelte mit einer Kollegin, die aussah, als würde sie eigentlich in der Küche arbeiten, aber dafür deutlich mehr Ahnung von dem Job haben als sie selbst) „… it costs not 51 Euro. It costs 59 Euro.“ – „Ok!“
Tipp, tipp, tipp, tipp…
„Oh, I need your ID again please.“ – „Really? Ok! “
„Oh no, sorry! The price is 51 Euro.“
Ich: „Before I pay: Do you have a stamp for me?“ (Für den Pilgerausweis).
„Äh. No, sorry, we don’t have a stamp, but you can go to the tourist office…“ (Es folgte eine epische Suche auf der Stadtkarte, um mir zu zeigen, wo genau die Touristeninformation liegt).
Am Ende reichte es mir. Das ganze Prozedere hatte bereits eine halbe Stunde verschlungen. Ich machte den beiden unmissverständlich klar, dass Pilger nicht die Zeit haben, den halben Tag an einer Rezeption zu stehen, nur um endlich den Zimmerschlüssel zu bekommen.
Das half! Danach ging es noch fix zum Friseur, den Stempel holte ich mir in der nahegelegenen Kirche am Infostand – und endlich, endlich war ich im Urlaubsmodus!.
6.30 Uhr. Aufstehen. Die Habseligkeiten zusammensammeln, noch schnell einen Kaffee schlürfen und ein Zigarrettchen rauchen und dann los.
Oh Wunder! Der Himmel ist blau und die Sonne lässt sich auch schon erkennen. Heute ist ein guter Tag zum Sterb… äh, Wandern!
Es ging für mich heute nach Mesao Frio. Laut caminotorres.com schlappe 28 km. Also normal… dachte ich zumindest. Gleich zu Beginn wurde mir bewusst, dass meine Schuhe über keinerlei Traktion mehr verfügen. Ich schlitterte und rutschte die gesamte Zeit, wenn ich den Straßenbelag gegen Feldwege austauschte. Insbesondere bei den steilen Bergabpassagen wurde es zum Teil recht kritisch, da der Regen der letzten Tage die Steinfindlinge mit Schmiere überdeckt hat. Also Stöcker raus und vorsichtig hinweg gleiten.
Vor einem Dörfchen, Valdigen, kam dann das erste Oha-Erlebnis in Form einer wunderschönen Schlucht, die es zu überqueren galt.
Im Anschluss weiter nach Peso da Régua, wobei die Stadt direkt an einem Flüsschen liegt, von dem auch Hotelboote ablegen. Hier verzehrte ich einen kleinen Imbiss und weiter.
Kurz nachdem ich die Stadt verlassen hatte, begann der heftige Aufstieg. 260 – 300 Höhenmeter auf einer Länge von 2 km trieben mir den letzten Tropfen Schweiß aus dem Körper. Endlich oben angekommen, erwartete mich dann das nächste Übel in Form einer rasant befahrenen Landstraße. Wie bereits erwähnt, glaubt anscheinend jeder Portugiese, dass er als Rennfahrer auf die Welt gekommen ist, und genauso fahren sie dann auch auf den sehr engen und kurvigen Bergstraßen. Für Fußgänger, geschweige denn Pilger, ist dabei kein Platz. Musik hören habe ich mir verkniffen, da ich lieber die Autos schnellstmöglich hören wollte, wenn eines um die Kurve kommt. In Oliveira hatte ich dann aber genug davon. Ich ging in ein Restaurant und fragte, ob es einen Bus geben würde. Leider wurde dies verneint. Ich nahm mein Bier und ging nach draußen. Gerade als ich mir den Stuhl zurechtrückte, sah ich ein Taxi an einem Haus stehen, das vorher noch nicht da gewesen war. Ich ging hinein und fragte die einzige Person im Raum, ob es ihr Taxi wäre. Sie nickte, und wir einigten uns darauf, dass sie mich in 20 Minuten abholen könnte. Und so wurde es dann auch gemacht. 16,50 € später und nach einer rasanten Fahrt landete ich in Mesao Frio im Zentrum. Ich lief zur Feuerwehr und sprach den ersten Feuerwehrmann an, der mir über den Weg lief. Dieser brachte mich zum Chef, der allerdings auch nur Portugiesisch sprach, mir aber alles Mögliche erzählte. Ich fand das so lustig, dass ich ihm dann einfach in Deutsch antwortete und so viel sagte wie: „Wir können uns auch gerne so weiter unterhalten, das wird sicherlich sehr interessant für uns beide.“
Letztlich gab er auf und übergab mich an eine Mitarbeiterin, die mir alles zeigte und mir noch half, mein Bett herzurichten.
Den restlichen Tag habe ich noch mit meiner Ausrüstung verbracht. Ich habe meine Shirts durchgewaschen und mir in der Apotheke Natron besorgt, um den Gestank aus meiner Regenjacke zu bekommen, die seit dem ersten Regentag nach altem moderigen Lappen stinkt. Ekelhaft. Die Rückseite meines Rucksacks und meine Schuhe habe ich damit ebenfalls gleich behandelt. Ich hoffe, es hat geholfen.
Somit war dann auch der Tag etwas unspektakulär, bis zu dem Moment, als das Navi etwas anderes sagte als die Pfeile. Es stellte sich heraus, das die Pfeile Blödsinn anzeigten. Auf einem Obstfeld sollte ich nach rechts abbiegen, obwohl der Weg geradeaus verlief. Keine Ahnung warum, aber im ersten moment steht man da und fragt sich: Ja, was denn jetzt!?
An einer zweiten Stelle, die gleiche Verunsicherung. Navi sagt: Nach rechts, Pfeil sagt nach links. Ich lief nach den Pfeilen. Ich würde gerne wissen ob das nicht ein Fehler war, da das Ergebnis, endlose Aufstiege beinhaltete, die einfach nicht aufhörten um endlich bis nach Lamego zu gelangen.
Bereits heute morgen schwor ich mir zum großen „M“ zu laufen um mir einen schönen fetten Mc Royal reinzuballern. Der Camino spuckte mich aber an anderer Stelle in der Stadt aus und Google sagte: 9 Min. bis zum „M“ Umweg. Egal, dafür bin ich hergekommen. Scheiß auf 9 Min.. Nach meinem Mc Menue inkl. Extra Cheeseburger, stand ich vor dem „M“ und es goss wieder aus Kübeln. Ich versuchte einen Uber zu bekommen, aber nada. Ich rief dann letztlich ein Taxi an, das mich in die Stadt fuhr.