Als wir nun in Mariazell Verwandte besucht haben, musste ich natürlich sofort die Pirker-Manufaktur besichtigen. Durch einen kleinen Shopbereich geht es über mehrere Stiegen hinunter in die Schau- und Produktionsräume. Jeder Gast erhält seine eigene Probiertasse mit einem Best-Of der Pirker Lebkuchenfamilie. Aufgrund von Corona gibt es derzeit leider keine Führungen und man muss den Lebkuchenpfad alleine erkunden. Es gibt Riechstationen, Schautafeln und eine kleine Rätselrallye für Kinder. Vor allem kann man aber den Lebkuchen über die Schulter schauen, wie sie entstehen, langsam wachsen, rasten und schließlich von Hermine verpackt werden.
Das Eintrittsticket kostet 6.90€/Person beinhaltet aber wie gesagt ein großzügiges Kostprobenpaket.
Als ich nach meiner Tour die Cranberry-Zunge mitnehmen wollte, war sie plötzlich ausverkauft. Zum Glück gibt es ein paar Meter weiter noch eine Filiale, wo mein Gusto erfüllt wurde und es natürlich nicht nur bei dem einen Lebkuchen blieb…..
Zuletzt spazierten wir noch auf den Hauptplatz und dort wurden die Sorten “Lebkuchen” und “Honig-Zimt” probiert, herrlich anders und sehr erfrischend.
Seit 1846 ist die Geschichte der Familie Pirker mit der Produktion von Lebkuchen, Schnäpsen, Likören und Bienenwachskerzen verbunden. Die Leidenschaft und Liebe, die dahintersteht merkt man auch. Das Personal ist extrem freundlich, berät ausgezeichnet und kennt die Produkte von A bis Z. Und das ist wirklich eine Herausforderung, umfasst das Sortiment doch über 400 in Handarbeit hergestellte Spezialitäten.
Also, Ihr Lebkuchenfans da draußen, bei der nächsten Gelegenheit in Wien, Salzburg oder Mariazell in die Pirker-Filiale einfallen und echte Lebkuchen abseits des Supermarkt-Mainstreams genießen. Welcher schmeckt Euch am besten?
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Musikfans von Klassik bis Jazz werden zum Beispiel bei den Livestreams der Wiener Staatsoper und vom Porgy&Bess musikalisch versorgt.
Die Museen sind ebenfalls ins Netz übersiedelt, verweisen auf ihre bestehenden Onlinedatenbanken (z. B. internationale Museumslinks zusammengestellt von Geo), schaffen wie das MUMOK MINI, das Museum Niederösterreich oder das Zoom Kindermuseum Anreize für kleine Kulturfans oder bieten sogar Führungen an wie das Belvedere oder die Kunsthalle. Im hauseigenen YouTube-Channel des Kunsthistorischen Museums Wien gibt es neben Werkbeschreibungen einzelner Highlights auch Vorträge und Artist Talks. MitarbeiterInnen des Naturhistorischen Museums fordern zur Vogelbestimmung auf, erklären die Mondphasen oder stellen Rezepte aus der Bronzezeit vor. Neben diesen Museumsflagschiffen widmen sich auch kleinere Häuser dem Medium Online-Museumsrundgang wie das Urgeschichtemuseum MAMUZ oder das Museum Carnuntinum.
Theaterbesucher können sich täglich eine Lesung des Burgtheaterensembles gönnen, im MuTh mit dem kleinen Prinzen auf Reisen gehen oder täglich den Online-Spielplan im Volkstheater konsumieren. Einen Theatergenuss der besonderen Art bietet das Münchner Marionettentheater mit Mozarts “Zauberflöte” oder Siegfried Böhmkes “Die Abenteuer des kleinen Bären”.
Man kann die Zeit auch nutzen, um sich wieder mal ein gutes Buch zu Gemüte zu führen. Die Wiener Büchereien sowie die Niederösterreichischen Büchereien haben zwar geschlossen, aber bieten allen, unabhängig von Benutzerkarte oder nicht, ein Gratisangebot an e-books. Man muss einfach nur ein Mail hinsenden. Außerdem haben einige Autoren “Corona-Lesungen” via Podcast, YouTube etc. auf der Seite der Wiener Büchereien verlinkt.
Speziell für Harry Potter-Fans und solche, die es noch werden wollen gibt es bei “Harry Potter at home” gratis Bücher zum Download sowie diverse andere Goodies, um in das Hogwarts-Imperium einzutauchen.
Anhänger spitzer Zungen und des Kabaretts werden beim Player von Josef Hader fündig, ebenso wie beim Player des Globe Wien, der neben Kabarett auch Theaterstücke anbietet.
Sogar auf Kirchenbesuche muss man nicht verzichten, so wird z.B. täglich um 8h die Morgenmesse mit Kardinal Christoph Schönborn per Livestream übertragen.
Man sieht also, das Kulturprogramm ist reichlich – vor allem weil die Liste hier keineswegs vollständig ist und die Plattformen ihr Angebot permanent erweitern.
Dank dieses Potpourries lässt sich die Heimquarantäne sicherlich leichter überstehen.
Ich hoffe, dass, sobald Kinos, Theater, Museen &Co wieder öffnen dürfen, man sich für diese Gratisangebote erkenntlich zeigt, indem man fleißig Eintrittskarten kauft und zum regelmäßigen, zahlenden Kulturkonsumenten wird. Und natürlich hoffe ich auch, dass sich möglichst viele bei ihrem Wienurlaub von einer erfahrenen Fremdenführerin begleiten lassen, da die ausländischen Touristen wohl noch lange auf sich warten lassen werden (Stadtexpedition).
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Blogbeiträge 2018 & 2019
Entsprechend der privaten Situation ist die Anzahl der Blogbeiträge im Vergleich zu den Vorjahren weiter geschrumpft. 2018 waren es 18 und 2019 sogar nur 2 Blogbeiträge (2015: 70 Blogs; 2016: 38 Blogs; 2017: 27 Blogs). Nach dem Rekordjahr 2017 sind die Webseiten-Zugriffe 2018 und 2019 wieder auf dem Niveau der vorangegangenen Jahre. Das belegt, dass das Textarchiv so interessant ist, dass die Leser mir trotz fehlender Neuigkeiten treu geblieben sind.
Aus Zeitgründen wurde statt dem Verfassen von Blogbeiträgen auf die Verbreitung von Kurznachrichten an die Facebook-Community gesetzt, die derzeit aus 269 Abonnenten besteht (2015: 102 Fans, 2016: 183 Fans, 2017: 229 Fans) Mit 53% ist der Anteil der männlichen Fans gegenüber den weiblichen mit 47% weiterhin leicht angestiegen.
Facebook 2018
Unter den 92 Postings des Jahres 2018 (2015: 116 Postings; 2016: 104 Postings; 2017: 112 Postings) waren drei Witzbilder zu #Archäologenhumor jene mit der meisten Reichweite. Eines zur Zeitumstellung kam auf 1.500 Zugriffe, ein Bild zu römischen Kleidergrößen auf 955 Zugriffe und eines zum Mithraskult auf 498 Zugriffe.
Hinsichtlich der Verlinkung von archaeologos-Blogbeiträgen sind 400 Zugriffe auf ein Erlebnisrestaurant, 225 Zugriffe auf die beiden Römerfeste in Klosterneuburg und Carnuntum und 163 Zugriffe auf Napoli Sotterranea zu verzeichnen.
Die meisten Zugriffe bei Kurzposts waren die Entdeckung meines Adelphius-Kinderbuches bei Thalia in Wien Mitte (490 Zugriffe), das Geocaching-Event anlässlich des Museumsfrühlings 2018 im Schloß Traismauer (451 Zugriffe) und die Adelphius-Lesung im Eulennest St. Andrä-Wördern (378 Zugriffe).
Facebook 2019
Die Reichweitenverteilung der 82 Postings im Jahr 2019 zeigt, dass wieder das kulturell-wissenschaftliche Interesse überwog. Ein Posting über einen neuen Tempel in Aguntum brachte es auch 932 Zugriffe, ein Witzbild auf 969 und ein Zeitungsartikel zum Haus der Geschichte auf 331 Zugriffe.
Unter den wissenschaftlichen Inhalten liegt die Publikation von Adelphius auf Esperanto auf Platz 1 (247 Zugriffe), ein Bericht über Römerfunde im Burgenland auf Platz 2 (213 Zugriffe) und die Entschlüsselung von Papyri aus Herculanum mit 197 Zugriffen auf Platz 3.
Da es nur 2 Blogbeiträge im Jahr 2019 gab, ist diese Statistik zu Zugriffen auf Blogbeiträgen wenig relevant (Herr Herrmann mit 228 Zugriffen).
Twitter 2018 & 2019
Sowohl auf Facebook (2015: 116 Posts; 2016: 104 Posts; 2017: 112 Posts; 2018: 92 Posts; 2019: 82 Post) als auch auf Twitter ist die Beitragsintensität gesunken. Die 71 Tweets aus 2018 erreichten eine Reichweite von 30.878 bzw. die 47 Tweets aus 2019 26.467 Impressionen und haben mittlerweile eine Leserschaft von 300 Followern. Auch hier war also feststellbar, dass es zwar nur wenige ausgesendete Kurznachrichten waren, die Impressionen jedoch nicht so drastisch gesunken sind. Qualität geht also vor Quantität und schlägt sich auch in der Erweiterung der Fangemeinde nieder.
Ausblick 2020
Realistischerweise muss ich eingestehen, dass die Zeit zum Verfassen von umfassend recherchierten Blogbeiträgen in nächster Zeit nicht mehr werden wird. Daher werde ich 2020 auf kürzere Blogbeiträge setzen, mit knappen, spannenden Infos. Wer mehr wissen möchte, der besucht einfach eine meiner Führungen, buchbar über die Stadtexpedition-Webseite.
Herzlichen Dank an meine Leser-Community, die mir trotz der geringen Bloganzahl beständig die Treue hält. Auf Archäologie Online belege ich mit einer Bewertung von 9,25 derzeit den 4. Platz der Top-10-Einträge im Archäologie Online-Guide. Ein großer Erfolg für mich, auf den ich sehr stolz bin, aber natürlich will man immer höher hinaus und so freue ich mich über weitere fleißige Voter (hier bewerten).
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Korrespondenzkarte aus Villach (Foto Wikimedia Commons, Josef Moser)
Ein weiterer Vorteil neben der Kostenersparnis liegt in der Notwendigkeit, sich kurz halten zu müssen ob des Platzmangels. Daher könnten lästige Anreden und überschwängliche Grußworte unterbleiben. Der Zweck der Korrespondenzkarte lag in der raschen, unkomplizierten Übertragung von Kurznachrichten zu Informationszwecken. Sie war also eine „prähistorische“ Form von Twitter.
Schon im Herbst 1869 erschienen die ersten Korrespondenzkarten und Herrmann wurde ein bekannter Mann. Bald wurde seine Urheberschaft allerdings bezweifelt, hatte doch ein Preuße schon 1865 eine solche Nachrichtenkarte namens Postblatt vorgeschlagen. Diese hätte aber vor Versenden mit einer normalpreisigen Briefmarke beklebt werden sollen. Das wäre also keine Neuerung gewesen und deshalb gilt weiterhin Emanuel Herrmann als der Erfinder der Postkarte. So ist es auch auf seinem Grabstein am Meidlinger Friedhof (Abteilung E, Reihe 7, Grab Nr. 113) verzeichnet.
Ehrenhalber gewidmetes Grab am Meidlinger Friedhof (Foto: Wiki Commons)
Josef von Copertino (1603–1663) war ein italienischer Minorit. In seiner Kindheit hatte er nicht nur mit gesundheitlichen, sondern auch mit schulischen Problemen zu kämpfen. Er trat in ein Kapuzinerkloster bei Tarent ein, wurde aber wegen seines Unvermögens entlassen. Dennoch gab er nicht auf und versuchte mehrmals wieder, in Klöster aufgenommen zu werden, was ihm schließlich gelang. In der südostitalienischen Stadt Poggiardo machte er durch verschiedene Wundertaten schnell von sich reden und zog zahlreiche Pilger an. Seine starke Lernschwäche hatte er durch intensives Beten überwunden, sodass er auch als Schutzpatron der Prüflinge fungiert. Ein praktischer Heiliger also für mich, denn mit Beharrlichkeit kommt man ans Ziel. Ihn findet man beispielsweise in der Minoritenkirche in Tulln.
Statue in der Minoritenkirche Tulln (Wikimedia Commons, Foto: BSonne)
Die Heilige Rita von Cascia lebte zwischen 1381 und 1447 im italienischen Umbrien. Als junge Frau wollte sie schon Nonne werden, jedoch zwangen sie ihre Eltern zu einer Heirat. Der Ehe mit einem gewalttätigen Gatten entsprangen zwei Söhne. Nach einigen Jahren wurde ihr Mann ermordet und ihre Söhne starben an der Pest. Von diesen familiären Bindungen befreit folgte sie nun ihrem ursprünglichen Plan und trat in das Augustinerinnen-Kloster von Cascia ein, nachdem auch sie zuvor mehrmals abgewiesen wurde. Eines Tages bat Rita, die knapp vor ihrem Ableben stand, um eine Rose aus dem Garten. Es war ein eisiger Wintertag, aber dennoch blühte eine Rose im Garten. Seither wird Rita in aussichtslosen Situationen verehrt sowie auch in Prüfungsnöten. Ihr Gedenktag ist der 22. Mai, an dem Rita-Rosen verteilt werden, die den Gläubigen Hilfe zuteilwerden lassen sollen. In der Wiener Augustinerkirche – übrigens „die“ Hochzeitskirche der Habsburgerfamilie – befindet sich ein kleines Altargemälde.
Noch ist der Termin fern und ich glaube natürlich, mich gut vorzubereiten. Aber wer kennt das nicht, je näher der Termin rückt, desto nervöser wird man und das zu erreichende Ziel rückt in unvorstellbare Höhe, der Lernstoff wird immer mehr und man wird nervöser und nervöser…
Altarbild in der Augustinerkirche Wien (Quelle: Wiener Zeitung, Foto: Johann Werfring )
Der Heilige Vitus oder auch Veit lebte im 4. Jahrhundert nach Christus und war der Sohn eine römischen Senators. Seine Kinderfrau soll ihn zum Christentum bekehrt haben, sodass er von Kaiser Diokletian verfolgt wurde. Er wurde Löwen vorgeworfen, die sich aber treu zu seinen Füßen legten statt ihn zu zerfleischen. Auch der Versuch, ihn in siedendes Öl zu tauchen scheiterte, weil er von Engeln gerettet wurde. Veit gilt als Schutzpatron der Stummen und Gehörlosen – sowohl Zuhören, um die Frage zu verstehen, als auch Reden ist bei einer mündlichen Prüfung von immensem Vorteil. Noch dazu gibt es ein volkstümliches Gedicht, dass ihn als Schutzpatron gegen das Verschlafen anruft – ebenfalls praktisch, weil meine nächste Prüfung um 8:30h beginnt: “Heiliger St. Veit, / wecke mich zur rechten Zeit; / nicht zu früh und nicht zu spät, / bist die Glocke . . . schlägt.”
Wo diese Assoziation herkommt ist ungeklärt. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass sein Gedenktag der 15. Juni ist, also Sommersonnenwende. Ober St. Veit im heutigen Wiener Gemeindebezirk Hietzing ist übrigens nach ihm benannt. Die dortige Kirche trägt ein Altarbild von Fra Agostino a San Luca.
Detail des Hochaltarbildes (Foto: Wolfgang Sauber)
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Ihr Grundstein wurde von König Ottokar II. Premysl (ca. 1232–1278) gelegt und damit gehört sie zu den ersten gotischen Kirchen Ostösterreichs. Seinen Tod fand Ottokar in der legendären Schlacht auf dem Marchfeld 1278 gegen den Habsburger Rudolf I. Im Streit um die Krone des Heiligen Römischen Reiches hatten sich die Wiener auf die Seite des ungarischen Ottokars gestellt. Zur Demoralisierung der Bevölkerung wurde Ottokars Leichnam daher 30 Wochen lang im Kapitelsaal des Klosters ausgestellt. Dies sollte den Wiener deutlich vor Augen führen, dass sie sich dem falschen Herrscher angeschlossen hatten und gleichzeitig den Beginn der Habsburgerherrschaft in Österreich zementieren.
Obwohl es sich bei den Minoriten um einen Bettelorden handelt, weist die Kirche repräsentative Details auf, wie beispielsweise einen Turm statt einem einfachen Dachreiter. Auch das Innere erinnert an französische Kathedralarchitektur.
Heute untersteht die Kirche dem Patrozinium „Maria Schnee“ und gehört der Italienischen Kongregation. Dies erfolgte 1784, nachdem die Minoriten die Kirche 1782 aufgrund der Reformen von Joseph II., Sohn von Maria Theresia, das Kloster verlassen mussten.
Blickt man sich im Inneren der Kirche um, so fällt einem sofort die Mosaikkopie von Leonardo da Vincis letzten Abendmahl auf, das sich an der nördlichen Langhauswand befindet. Sie wurde ursprünglich für Napoleon angefertigt, aber erst nach seinem Sturz beendet. Daher kaufte sein Schwiegervater Kaiser Franz II/I. das Mosaik und überließ es der Minoritenkirche, nachdem es für den ursprünglichen Anbringungsort im Belvedere zu groß war.
Ein temporär ausgestelltes Kunstwerk ist die sizilianische Weihnachtskrippe. Italienische Krippen (Presepi) zeichnen sich durch immense Detailverliebtheit aus. Kostbare Stoffe, bewegliche Figuren und porträthafte Gesichtszüge versetzen den Betrachter in Staunen. Eingebettet in diverse Alltagsszenen sind die Heilige Familie in einer Höhle zu sehen. In der Mitte schlendert ein Paar auf den markt zu, wo Verkäuferinnen Obst und Gemüse feilbieten. In den Häusern wird gekocht, Feuerstellen knistern vor sich hin und eine Frau lässt einen Korb vom Balkon herunter. Bis Maria Lichtmess (= 2.2.2019) ist die Krippe noch aufgestellt und es zahlt sich wirklich aus, dieses einmalige Kunstwerk am Wiener Minoritenplatz zu besuchen (weitere Fotos).
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Mitte des 19. Jhs. lebten in Wien rund 500.000 Menschen, Anfang des 20. Jhs. bereits über 2 Millionen (Quelle). Die von Joseph II. angelegten Friedhöfe reichten nicht mehr aus und so wurde 1863 beschlossen, einen Zentralfriedhof anzulegen. Er war als konfessionsloser Friedhof gedacht, bei dem jede Glaubensrichtung eine eigene Abteilung erhalten sollte und so eine Einweihung explizit untersagt wurde.
Kurz vor Eröffnung waren die Proteste jedoch so intensiv, dass der Wiener Erzbischof, Kardinal Othmar von Rauscher, einen Tag vor der Eröffnung am 31.10.1874 unter Ausschluss der Öffentlichkeit heimlich eine Einweihung vornahm.
Aufgrund der Abgelegenheit und der Trostlosigkeit des Areals war der Friedhof anfangs unbeliebt und kaum jemand wollte sich dort bestatten lassen. Daher folgte 1881 ein unglaublich kluger Schachzug. Man legte eine Ehrengräberanlage an, um berühmte Verstorbene von ihren Friedhöfen auf den Zentralfriedhof zu transferieren. Beethoven lag beispielsweise ursprünglich am Währinger Friedhof, Josef Strauß auf dem St. Marxer Friedhof.
Mit rund 330.000 Grabstellen mit rund 3 Millionen Verstorbenen auf 2.5 km² ist der Wiener Zentralfriedhof nach dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf der zweitgrößte Europas. An Allerheiligen werden bis zu 300.000 Friedhofsbesucher am Zentralfriedhof verzeichnet. Aber auch unterm Jahr kommen Angehörige, Sportler, Spaziergänger und auch Touristengruppen auf das Gelände.
Nach einer Fiakerfahrt oder einer Friedhofsführung kann man sich im 2018 eröffneten Kaffeehaus beim Tor 2 niederlassen, mit herrlichem Blick über das Gelände in Richtung Karl-Borromäus-Kirche und Alte Arkaden. Sehr empfehlenswert ist übrigens das Bestattungsmuseum, in dem man mehr über „die schene Leich“ und den Hang der Wiener zu pompösen Begräbnissen erfährt.
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Das Gebäude
Die Müllverbrennungsanlage gilt mittlerweile als Wiener Wahrzeichen, sieht man ihre goldene Kuppel doch von vielen Plätzen der Stadt – so z. B. vom Schwedenplatz. Gestaltet wurde sie von Friedensreich Hundertwasser, nachdem das ab 1969 errichtete Gebäude bei einem Brand 1987 zerstört wurde. Hundertwasser für dieses Projekt zu gewinnen, war gar nicht so einfach, war er doch für Müllvermeidung und wollte daher mit so einer Anlage nichts zu tun haben. Unter gewissen Auflagen und nach einem Jahr Bedenkzeit stimmte er aber schließlich zu. Unter die Bedingungen fiel auch der Einbau einer modernen Rauchgasanlage, deren Filter die Schadstoffe fast vollständig aus der Luft entfernt. Dass dieses Projekt gelungen ist, zeigt eine Turmfalkenfamilie, die sich unter der goldenen Kugel eingenistet hat. Turmfalken sind ein guter Ökozeiger, weil sie bei schlechten Luftverhältnissen sofort flüchten.
Müllverbrennungsanlage Spittelau (Foto: L. Riebling, Wikimedia Commons)
Abseits der fröhlichen und künstlerischen Gestaltung ist die Müllverbrennungsanlage Spittelau aber eine hochtechnische Anlage. Pro Jahr werden rund 250.000 Tonnen Hausmüll (= etwa ein Drittel des Wiener Restmülls) verbrannt. Diese erzeugen 120.000 Megawattstunden Strom, 500.000 Megawattstunden Fernwärme, 6.000 Tonnen Eisenschrott und 60.000 Tonnen Schlacken, Aschen und Filterkuchen. Durch die Verbrennung wird der Müll auf etwa ein Zehntel reduziert.
Die Effizienz dieser Anlage gilt als internationales Vorbild, sodass Experten aus aller Welt unsere Spittelau besuchen, um diese Technologie in ihren Ländern umzusetzen. Die „Mop“ Maishima Müllverbrennungsanlage in Osaka beispielsweise wurde auch von Friedensreich Hundertwasser umgesetzt.
Führungen
Im Zuge einer zweistündigen Gratisführung kann man die Müllverbrennungsanlage erkunden und sieht die genauen Abläufe und Stationen unseres Hausmülls (Führungsangebote). Der Geruch ist gewöhnungsbedürftig, aber bis auf eine kurze Station aushaltbar. Empfehlen würde ich irgendein Duftöl mitzunehmen und bei Bedarf eine kleine Menge unter die Nase zu streichen. Bis auf diese 5 Minuten Mief ist es wirklich kein Problem, selbst im Hochsommer als ich dort war. Wer noch tiefer in die Spittelau eintauchen will, der kann sich die Gratis-App besorgen und die Anlage mit VR-Brille besichtigen.
Durch die dort betriebene Aufklärungsarbeit habe ich meine „Müllproduktion“ evaluiert und konnte sie noch mehr reduzieren. Wenn man die Vorgänge dahinter versteht, dann kann man deutlich effektiver vorgehen.
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Natürlich ist ein gewisser Anteil in Privatbesitz, dennoch sind immerhin 31 Prozent des Stadtgebiets öffentlich zugängliche Grünflächen (73% Wald- und Wiesenlandschaft, 19% Parklandschaft, 4% Feldlandschaft, Quelle).
Für jeden Geschmack findet sich also in Wien das passende Fleckerl Grün – denken wir an die Hundezonen, Kinderspielplätze, Wasserspielplätze, Parks mit Spezialangeboten wie Slackline, Sportgeräten, Disc Golf, Tischtennistischen, Volleyballplätzen, Skaterparks etc.
Daneben gibt es urtümliche Gebiete wie die Lobau, den Grünen Prater, den Lainzer Tiergarten und natürlich zahlreiche Parkanlagen wie englische Landschaftsgärten oder strenge Barockgärten.
Über 990 Park- und Grünanlagen werden vom Wiener Stadtgartenamt betreut. Das sind rund 480.000 Bäume, 1 Million Blumenzwiebelpflanzungen im Frühling, 650.000 Blumen und Stauden und 19.000 Parkbänke, um nur einige Zahlen zu nennen. Dank den 900 regulären bis zu 1.500 MitarbeiterInnen in Spitzenmonaten ist Wien so schön bunt, fröhlich und gepflegt wie wir es kennen und lieben.
Von den etwa 230 Wiener Parks sind 5 im Besitz der Österreichischen Bundesgärten. Es sind dies der Augarten, Belvederegarten, Burggarten, Volksgarten und der Schlosspark Schönbrunn. Sie sind dem Land- und Forstwirtschaftsministerium unterstellt und stehen seit 1999 als historische Gartenanlagen unter Denkmalschutz.
Der Burggarten beispielsweise wurde beispielsweise Anfang des 19. Jhs. unter Mitwirkung des “Guten Kaisers Franz” Franz II./I. angelegt. Wie jeder Habsburger hatte auch Franz einen “richtigen” Beruf erlernt und hat sich dem Gärtnern verschrieben. Als Gartenarchitekten tätig waren Franz Antoine der Ältere und Ludwig Remy, die neuartige und exotische Pflanzen einbrachten. Letzterer ließ auch zwei Glashäuser errichten, die fremdländischen Pflanzen, Vögeln und Affen als Heimat dienten. Das heutige, sezessionistische Glashaus wurde um 1900 von Friedrich Ohnmann errichtet und beherbergt neben einem Café das Schmetterlingshaus. Etwa zur gleichen Zeit erfolgte auch die Umgestaltung in einen englischen Landschaftsgarten mit Teich (Herkulesbrunnen). Bis zum Ende der Monarchie war der kaiserliche Privatgarten für die Öffentlichkeit unzugänglich, heute ist er im Besitz der Republik Österreich und zählt zu den beliebtesten Gartenanlangen Wiens – wobei sich im Burggarten halt auch das Mozartdenkmal befindet.
Ebenfalls seit Ende der Monarchie in Staatsbesitz ist der barocke Belvederegarten. Zwischen 1700 und 1721 ließ Prinz Eugen von Savoyen auf den erworbenen Grundstücken Schloss und Gärten anlegen. Nach seinem Tod kaufte es Maria Theresia, schließlich war es Residenz des Thronfolgers Franz Ferdinand. Besonders erwähnenswert ist der älteste Alpengarten Europas mit über 4.000 Gewächsen auf 2.500 m2 Fläche. Die zum Teil bedrohten Pflanzen wurden von Erzherzog Johann, Bruder von Franz II./I., auf seinen Reisen durch die Kronländer gesammelt und symbolisieren die Flora Austriaca.
Neben einer niedrigen Kriminalitätsrate, einem gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsnetz und einem vielfältigen Kulturangebot sind diese Erholungsflächen ausschlaggebend dafür, dass Wien bereits seit 9 Jahren den 1. Platz unter den lebenswertesten Städten der Welt belegt. Bei der jährlichen Mercer-Studie zur Lebensqualität werden weltweit 231 Städte unter Berücksichtigung von 39 Kriterien bewertet.
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