Schöne Sammlung.
]]>Allein die Formulierung „… der schlechteste aller Zeiten…“ klingt so sehr nach Donald Trump, dass sie sich von selbst entwertet. Dass es bei der gleichzeitigen Ausübung von Vorstandsämtern beim DKV und bei der GEMA derzeit einen gewaltigen Interessenkonflikt gibt, finde ich offensichtlich. Wer das offen benennt, ist nicht feige, sondern zeigt Mut – wie die heftigen Reaktionen belegen.
]]>ich habe deinen Vortrag nun mehrfach gelesen, und ich mag es ja auch,
gegen den Strom zu schwimmen und Unerwartetes, Ehrliches, Mutiges vorzutragen.
Leider haben wir dein Leid damals unterschätzt, und wir waren auch noch nicht
so reif, uns geschlossen gegen einen Kittstein zu stellen, der dich und Markus regelmäßig
malträtiert hat. Hat ja auch jeder mitbekommen. Und zudem gab es in unserer
Klasse ja noch zwei andere, die auch auf unseren Klassentreffen nie wieder aufgetaucht
sind, und die dich auch ebenso regelmäßig auf dem Kieker hatten. Oft hast du gute
Miene zum bösen Spiel gemacht, aber ich erinnere genauso dein ernstes Gesicht bei
dem Versuch, diese beiden abzuwehren.
Ich fand es jetzt sehr gut, wie den Bogen zum allgemein Menschlichen am Ende deines
Vortrages geschafft hast, dass eben auch Tyrannen womöglich, meiner Lebenserfahrung
nach mit absoluter Gewissheit, selber mal grausam behandelt wurden und es eben an
Schwächeren, wie sie selbst mal welche waren, ausließen und so die Rollen umkehren
konnten (spätestens seit Alice Miller kein Geheimnis mehr, dass man anderen blind
und empathielos nur das antun kann, was man selbst als Trauma erfahren hat,
verdrängen musste, weil einem niemand zur Seite stand. Leider sehen wir das gerade
auf der großen Weltbühne, deren Wahnsinn sich jeden Tag steigert!)
Du schriebst, und ich bin auch immer kritisch oder ein bisschen Widerständler,
oder sogar sehr, du gingest gerne an Grenzen. Dieser Teil, wo ich nun das Gefühl
hatte, du hast ein paar kleine Grenzen in deinem Vortrag überschritten, stieß
mir nun etwas auf. Aber es ist nunmal so, dass wir, wenn wir verletzt sind, uns
da, so wie du, nun rückblickend emotional in etwas hineinbegeben, wir selten
in der Mitte bleiben und überziehen.
Für mich war die eine Grenze die mit den Spitznamen, die du mit strenger
Konsequenz, überall angeführt hast. Bei Herrn Kaiser hast du es gleich mal
relativiert, also zurückgenommen im selben Absatz. Aber: Sein Spitzname
verweist nunmal, gemein wie Schüler und Kinder sein können, auf ein
„körperliches Defizit“, für das er nichts konnte, sein Aussprache. Schlimmer
fand ich, während „Der Dicke“ und „Strullala“ etc. ja harmlos waren, den Spitznamen
von Frau Baumann, den ich nicht kannte, und ich hatte sie auch nie im
Unterricht. Es gibt leider Schimpfworte und Begriffe, die sind zeitlos gemein!
Stell dir also vor (um welches Event es ging, weiß ich gar nicht), die ganzen Erwähnten
hätten im Publikum gesessen! Ich persönlich bin in einem „Lebensstadium“, wo ich es
für das Beste halte, nicht unnötig schlechte Gefühle zu erzeugen. Und genau die Erwähnten
außer Kittstein hatten dir oder uns ja nie was angetan. Warum also sie mit einem Spitznamen
„konfrontieren“? Wie gesagt: unnötig. Aus meiner Sicht.
Die andere Grenze, die ich hier überschritten fand, war nun die, die man ganz klar
benennen kann: Die zwischen Vor- und Nachnamen! Einfach die Nachnamen weglassen,
und unsere positive Erwähnung hätte keinen leichten Beigeschmack gehabt.
Auch für andere, zum Beispiel deine Angebetete, hätte ich mir das gewünscht,
wo es eben um mehr geht, als etwas ganz Allgemeines, dass jemand voll in Ordnung
war, sonders etwas durchaus Privateres. (Du wirst es zwar mit der Angeteten vielleicht
irgendwann abgeklärt haben, aber hätte sie im Publikum gesessen … ich weiß es
nicht.)
Mir persönlich ist gar nicht mal soviel peinlich, würde ich sagen. Und wir müssen
unnötige Bandagen und Ketten, Konventionelles abwerfen. Und ich bin auch oft
undiplomatisch, weil mir Small-Talk oder Verlogenes auf die Nerven gehen kann
und häufig geht. Mein gelegentlicher Hand, eine Fassade einzureißen oder etwas
zu sprengen, hat aber sicher auch mit meiner Biografie und meiner Kindheit
wiederum zu tun. – Also muss ich lernen, etwas auch mal stehen zu lassen,
letztlich aber ändern wir uns nie wirklich und grundsätzlich.
Ansonsten, meine Hochachtung, dass das Ganze so hinter dich gebracht hast,
wie du es dir vorgenommen hattest. Sicher nicht einfach, es so durchzuziehen,
und die Stelle mit der Turnhalle (die sogar nach deinem Peiniger benannt wurde;
diese Vorgeschichte habe ich jetzt auch nochmal recherchiert) war ein richtiger
Knaller-Kern des Ganzen und eine tragische Ironie der Geschichte. „Turnhalle“ und „Turnhölle“
liegen nah beieinander, und für dich wurde das leider identisch.
Ebenso für Markus.
Leider erinnere ich, wie auch ein der anderen, mit denen ich heute sprach,
Dinge, die du schilderst, doch recht konkret. Wir waren also und leider bei
vielen Dingen Zeuge, und man bleibt versucht, sich in ein „Das war doch alles
nicht so schlimm!“ zu flüchten. – Wir waren leider keine Helden, aber ich habe
da auch keinerlei Vorwurf von deiner Seite herausgelesen.
Mein Hobby erinnerst du ja, es ist bis heute gleich geblieben, aber es gab auch
zusätzich noch das Thema Filmmusik, die wir mit dir teilten, wie auch mit noch einem
anderen nicht genannten Freund. – Bei John Williams muss ich immer an dich
denken, insbesondere, nachdem ich ihn nochmal neu 2019 schätzen lernte, als ich
mit Verspätung seine Musik zu STAR WARS – THE FORCE AWAKENS entdeckt
und lieben gelernt hatte. (STAR WARS-Fan per se war ich ja nicht, und habe
die Filme nicht weiter verfolgt).
So, damit möchte ich schließen, und ich freue mich für dich, dass du dich
in deiner damals neuen Klasse so wohlfühlest. (Ich persönlich glaube schon,
dass nur große Defizite und Missgeschicke zu großer Kreativität und großen
Einfällen führen; das mag aber nicht jeder so sehen.)
Viele liebe Grüße,
Oliver