Ein Servicetechniker steht vor der Maschine, das Wartungsintervall ist längst überschritten. Die Anleitung liegt als PDF irgendwo im Ordner ab – den Bezug zur Displayanzeige muss der Techniker selbst herausfinden. Genau diese Lücke zwischen Dokumentation und Maschine lässt sich schließen, wenn man PDF nicht mehr als einziges Ausgabeformat betrachtet, sondern Inhalte so aufbereitet, dass sie sich mit den Betriebsdaten des Produkts verknüpfen lassen.
Dieses gezielte Verknüpfen von generischen, anleitenden oder beschreibenden Inhalten und individuellen Betriebsinformationen des dokumentierten Produkts kann dabei über verschiedene Formate laufen. HTML ist ein guter Weg, wir haben aber ebenso Projekte mit JSON, Markdown und unterschiedlichen XML-Formaten, u.a. mit DITA realisiert.
Am Ende geht es darum, geeignete Platzhalter im Content auszuliefern, die sich dynamisch mit Werten füllen lassen, oder identifizierbare Informationseinheiten auszuliefern, die sich vom dokumentierten Produkt aus gezielt ansprechen lassen. Damit bewegen wir uns in Richtung digitaler Zwilling, auch wenn wir hier bewusst mit kleinen, machbaren Schritten anfangen.
Wir sprechen also – wie so oft – von Metadaten. Hier sind drei Beispiele aus der Praxis:
Wenn die Hilfe mitdenkt
Fangen wir mit dem an, was vermutlich jede und jeder schon mal genutzt hat, meist ohne groß darüber nachzudenken: der klassischen F1-Hilfe. Mit „F1“, gedrückt in einer fast beliebigen Windows-Anwendung, öffnet sich eine mit dem aktuellen Dialog verbundene Anleitung im Hilfefenster. Früher lag da das proprietäre HTMLHelp-Format dahinter (ja, das gibt es tatsächlich noch – aber Faxgeräte und Pferdedroschken ja auch), heute wird in der Regel eine HTML-Seite aufgerufen.
Der Vorteil: Es steht sofort die im aktuellen Arbeitskontext benötigte Information zur Verfügung.
Der Aufwand: Entwicklung und Technische Redaktion müssen sich auf eine Abbildung zwischen Elementen der Benutzeroberfläche einerseits und Informationseinheiten andererseits einigen. Das übliche Mittel der Wahl ist eine Hilfe-ID, die in der Software erfasst und im Redaktionssystem als Metadatum dem passenden Topic zugewiesen wird. Kombiniert mit dem passenden ISO-Sprachkürzel lässt sich der Hilfeaufruf ohne großen Mehraufwand dann auch sprachabhängig einrichten.
Wenn die Maschine selbst um Wartung bittet
Übertragen wir das Konzept von der Softwareoberfläche auf eine Maschinensteuerung. Anstelle der Hilfe-ID ordnen wir dem Topic, das einen Wartungsvorgang beschreibt, die ID eines Datenpunkts an der Maschine zu – etwa den Zähler für die Betriebsstunden seit der letzten Wartung.
Außerdem bringt das Topic die Information mit, aus wie vielen Stunden sich das Wartungsintervall zusammensetzt. Diesen Wert wertet die Maschinensteuerung aus. Nähern sich die Betriebsstunden diesem Grenzwert, wird den Bediener:innen automatisch die anstehende Wartung als Anleitung angezeigt.
Der Vorteil: Die Maschine kann die anleitende Information selbstständig einem Zustand oder Ereignis zuordnen und im richtigen Moment bereitstellen.
Der Aufwand für die Technische Redaktion ist kaum höher als im Beispiel mit der Hilfe-ID – es muss nur ein weiteres Metadatum gepflegt und mit ausgegeben werden.
Vom Handgriff zum Protokoll
Die Integration von Anleitung und Maschine lässt sich jetzt noch weiterentwickeln, indem man tiefer in die Details des Topics einsteigt und weitere Prozesse einbezieht. Jeder Handlungsschritt im Topic lässt sich einzeln nach dem Ausführen interaktiv bestätigen, und am Ende entsteht automatisch ein Wartungsprotokoll auf Basis der bereitgestellten Anleitung.
Umgekehrt lassen sich aktuelle Betriebsdaten wie Druck, Temperatur oder Drehzahl an sinnvollen Stellen der Handlungsanweisung als Platzhalter erfassen und direkt auf der Maschine live anzeigen: „Achten Sie darauf, dass die Temperatur des Moduls bei diesem Schritt nicht über 80 °C liegt. Aktuelle Temperatur: 82 °C.“
Der Vorteil: Durch die Integration von Anleitung und Protokoll entsteht für die Nutzenden ein Effizienzgewinn. Doppelter Pflegeaufwand entfällt, und eine mögliche Fehlerquelle verschwindet, wenn beide Dokumente sonst voneinander abweichen würden.
Der Aufwand, einen solchen Prozess abzustimmen und einzurichten, ist je nach Anzahl und Vielfalt der zu synchronisierenden Objekte natürlich nicht zu unterschätzen. Aber auch hier kann man mit einzelnen, wichtigen Punkten beginnen und nach und nach darauf aufbauen.
Das „Tada“ in Metadaten
Viele Technische Redaktionen arbeiten tagtäglich standardisiert, modular und klassifiziert mit Metadaten, Textbausteinen und einem ausgefeilten Variantenmanagement. Das heißt: Um die oben beschriebenen Möglichkeiten umzusetzen, sind die benötigten Grundlagen oft bereits vorhanden. Richtig eingesetzt, können Metadaten einen Überraschungseffekt liefern, wenn aus stumpfen Inhalten plötzlich lebendiger, kontextsensitiver Content wird.
Und dann produziert man PDFs, die Details bleiben im Silo, und all die Präzision zerfließt in einem graugrünen Informations-Smoothie, der einen irgendwie an Rosenkohl denken lässt. Dabei steckt das „Tada“ doch bereits in den Daten – man muss es nur noch herauslassen.
Uns geht es darum, Ihnen Denkanstöße zu geben, wie Sie nicht nur Ihre Technische Redaktion, sondern Ihr ganzes Unternehmen digital weiterbringen. Denn Digitalisierung ist selten eine Frage der Technik allein – sie beginnt damit, dass Menschen miteinander reden: Technische Redaktion, Entwicklung, Service. Genau dieser Austausch entscheidet auch darüber, was mit Ihren Metadaten möglich wird. Welche davon könnten schon heute mehr leisten, als nur PDF-Seiten zu befüllen? Wir sprechen gerne mit Ihnen darüber.