Ein Statement von VENRO-Geschäftsführerin Åsa Månsson zur aktuellen politischen Lage
Die Ergebnisse der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben mich nicht überrascht. Und dennoch schockieren sie: Eine in weiten Teilen rechtsextreme Partei erringt bei einer demokratischen Wahl in einem deutschen Bundesland beinahe die absolute Mehrheit. Es ist der bisherige Tiefpunkt einer Entwicklung, die viele in Deutschland nicht mehr für möglich gehalten haben. Ein Blick über die Landesgrenzen hinaus zeigt jedoch: In vielen Teilen Europas sind rechtsextreme Bewegungen auf dem Vormarsch. In Frankreich greift der Front National nach der Macht, und in Österreich war die rechtsradikale FPÖ schon mehrmals in Regierungsverantwortung. In Schweden, meiner Heimat, fuhren die Schwedendemokraten bei der Wahl am vergangenen Sonntag zwar ein schlechteres Ergebnis als zuvor ein, aber von einer Trendwende möchte ich noch nicht sprechen. Diese Liste ließe sich erweitern. Sachsen-Anhalt ist kein Einzelfall, keine Anomalie, kein Ausrutscher.
Bisher hat sich VENRO als Dachverband der Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe mit einem öffentlichen Engagement gegen den heimischen Rechtsextremismus eher zurückgehalten. Das lag auch in unseren Themen begründet: Wir arbeiten für internationale Solidarität, die Finanzierung globalen Engagements, nachhaltige globale Entwicklung. Dafür haben wir uns bei allen demokratischen Parteien eingesetzt und stark gemacht. Der AfD wollten wir keinen Raum, keine Sichtbarkeit geben. Deshalb waren wir bislang oft still. Diese Stille aber dröhnt in unseren Ohren. Denn wir sind Teil der deutschen Zivilgesellschaft, wir haben Einfluss, werden gehört – und viele Menschen haben Sorgen, haben Angst. Sie verdienen unsere Solidarität und Unterstützung.
Höchste Zeit also, dass wir uns deutlicher und aktiver in die Debatten zur Zukunft unserer Demokratie einbringen und uns noch klarer gegen die menschenrechtsfeindliche, demokratiegefährdende Politik rechtsradikaler Kräfte positionieren. Das liegt schon allein deshalb in unserem Interesse, weil eine AfD-geführte Regierung der internationalen Zusammenarbeit den Rücken kehren und unser Engagement für eine gerechtere Welt untergraben würde.
Zivilgesellschaft schützen, Werte verteidigen
Wir möchten zukünftig sichtbarer herausstellen, wie sehr rechtsextreme Positionen unseren Werten entgegenstehen: Die AfD will eine Politik der Abschottung, wir wollen ein starkes internationales Engagement Deutschlands. Viele Positionen der AfD sind menschenfeindlich, wir kämpfen für den Schutz und die Würde aller Menschen. Die AfD leugnet den Klimawandel, wir setzen uns für den Schutz der Erde und eine nachhaltige globale Entwicklung ein. Die AfD bekämpft die Zivilgesellschaft, weil sie der Partei widerspricht, wir sind Teil dieser Zivilgesellschaft und werden ihr noch viel deutlicher widersprechen.
Wir wollen zudem noch deutlicher machen, wie gesellschaftliche und politische Entwicklungen die Arbeit unserer Mitglieder gefährden: Räume für zivilgesellschaftliches Engagement sind an vielen Orten gefährdet. Angriffe auf die solidarische Zivilgesellschaft nehmen zu. Fördergelder für Bildungs- und Demokratiearbeit werden gestrichen. All das sind reale Konsequenzen, die wir schon jetzt sehen.
Mit jedem weiteren Prozentpunkt, den rechtsextreme Bewegungen bei Wahlen in Deutschland hinzugewinnen, wird klarer: Es braucht einen Schulterschluss aller demokratischen Kräfte in Deutschland. Als großer Dachverband mit vielen Mitgliedsorganisationen wird sich VENRO daran aktiv beteiligen. Wir werden noch lauter für ein demokratisches, solidarisches und weltoffenes Deutschland eintreten.
]]>Nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2016 sind Regionen wie Vorpommern im Landtag fast ausschließlich durch Abgeordnete der AfD vertreten gewesen. Seitdem gibt es in der entwicklungspolitischen Inlandsarbeit kaum einen Austausch, in dem diese fortschreitende Entwicklung keine Rolle spielt. Das sichtbare Einstehen für demokratische Grundwerte hat über die vergangenen zehn Jahre an Vielfalt und Intensität zugenommen.
Was es bislang jedoch nicht gibt, ist eine gezielte Debatte darüber, ob wir als entwicklungspolitischer Teil der aktiven Zivilgesellschaft im Sinne einer wehrhaften Demokratie genug tun – und die richtigen Schwerpunkte setzen. Es wird Zeit, diese Lücke zu schließen.
Die Lücke zwischen Haltung und Handeln
Ausgangspunkt einer solchen Debatte mag die Frage sein, wo wir im Herbst 2026 stehen. Einige persönliche Eindrücke aus den vergangenen Monaten der Demokratiearbeit seien hier benannt.
Am Anfang steht Ratlosigkeit. Und die Furcht vor einem Wahlergebnis, bei dem sich selbst engagierte Menschen fragen, ob sie im Falle seines Eintretens nicht wegziehen würden. Daraus erwächst ein gemeinsamer Aufbruch, organisiert im breit angelegten Bündnis Zusammen bewegen, mit viel Eigenständigkeit in vier Regionen.
Im ländlichen Raum an jeder möglichen Haustür zu klingeln, weil es sonst niemand macht, wird als Zumutung empfunden. Und als Chance. Noch nie hätten sie in so kurzer Zeit so viele Menschen kennengelernt, sagen Beteiligte. Noch nie hätten sie so viel Interesse und Unterstützung von Stiftungen, Organisationen und staatlichen Stellen außerhalb des Landes gespürt.
Es entsteht ein sieben Monate langer Zeitraum mit landesweit fünf bis zehn Aktivitäten pro Woche. Ein Spannungsfeld zwischen dem Anspruch, mit eigenen Positionen für ein weltoffenes Land Gesicht zu zeigen, und der Intention, erst einmal wieder mehr mit Menschen ins Gespräch zu kommen.
Am Ende stehen Erfahrungen. Etwa die, einer dörflichen Feuerwehr beizutreten, um als Teil dieser Gemeinschaft zu Demokratie-Aktivitäten einzuladen. Oder die Erfahrung, dass einige Ideen gar nicht ziehen, ein Eisbus auf Tour dagegen hervorragend funktioniert, um mit fremden Menschen in Kontakt zu kommen. Die Erfahrung, dass Beteiligte von Mut, Freude und Lust an Weiterarbeit sprechen. Und auch die Erfahrung, wie sehr entwicklungspolitische Akteure in Bündnissen wie Zusammen bewegen gebraucht werden können.

Was lässt sich daraus für die Bundesebene lernen?
Die ostdeutschen Bundesländer haben seit 2024 Erfahrungen mit der Bildung breiterer Netzwerke anlässlich von Wahlen gesammelt, die es in dieser Form in westlichen Bundesländern nicht gibt. Dort fand die letzte Landtagswahl Ende März in Rheinland-Pfalz statt. 583.000 Stimmen entsprechen 19,5 Prozent für die AfD. In Mecklenburg-Vorpommern würde diese Stimmenanzahl 44,85 Prozent der Wahlberechtigten ausmachen. Welche Überlegungen und möglichen Interaktionen ergeben sich daraus für die bundesweite entwicklungspolitische Verbandsarbeit? Etwa mit Blick darauf, dass in Nordrhein-Westfalen im April 2027 gewählt wird. Oder darauf, dass vorgezogenen Neuwahlen auf Bundesebene nicht auszuschließen sind.
Mit Haltung zeigen, “wieder ins Gespräch kommen” und Bündnisse bilden wird es allerdings nicht ansatzweise getan sein – so sichtbar das Engagement auch ausfallen mag. Die ökologischen, politisch-wirtschaftlichen und sozialen Krisen bis hin zu Gewalt und Krieg bedrohen zusammengenommen unser gesellschaftliches System. Veröffentlichungen wie der Atlas der Zivilgesellschaft spiegeln weltweite Entwicklungen und ihre Folgen für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.
Einer wachsenden Zahl von Menschen wird bewusst, dass jede demokratische Regierung angesichts der globalen Verflechtungen mit der Situation überfordert ist. Spürbar ist auch, dass derzeit selbst von Staatenbünden wie der EU eher selten überzeugende Lösungsbeiträge ausgehen. Hinter der Zukunft internationaler Leitbilder wie den Sustainable Development Goals stehen jede Menge Fragezeichen. Und rechte politische Kräfte betreiben die fundamentale Abwicklung von Entwicklungspolitik. Wird es da Zurückstellen Menschen überzeugen können, die mit Werten wie Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit erreichbar sind, wenn die Bundesregierung humanitäre Hilfe gegenüber wirtschaftlichen Eigeninteressen zurückstellt?
Welche Debatten werden wir als entwicklungspolitisch aktive Zivilgesellschaft angesichts von Enttäuschungen und Perspektivlosigkeit führen müssen, die von demokratisch orientierter Politik in diesen Zeiten immer wieder auszugehen scheinen? Was tragen wir in unsere Netzwerke, um begründet Hoffnung zu stärken?
Mehr experimentieren, mehr wagen!
Vermutlich werden wir auf den verschiedensten Ebenen unserer Arbeit deutlich intensiver experimentieren und handlungs- wie risikobereiter sein müssen. Bündnisse wie Zusammen bewegen haben begonnen, sich hierfür auf den Weg zu machen. Sie sind eine Einladung mit Aufforderungscharakter, die Kernpunkte unserer Existenz berührt. Für nachhaltiges Mitgestalten solcher Bündnisse wäre eine stärker ausgeprägte bundesweite Strategie ein wichtiger nächster Schritt.
Thomas Schmidt ist Fachpromotor Stärkung der entwicklungspolitischen Zivilgesellschaft des Kultur- und Initiativenhaus Greifswald e.V. und engagiert sich im Bündnis Zusammen bewegen (MV).
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Konnte die Verhandlungsrunde nennenswerte Fortschritte erzielen?
Nennenswerte inhaltliche Durchbrüche gab es kaum. Politisch war die Runde dennoch sehr aufschlussreich: Erstmals hatten die Gespräche deutlich stärker den Charakter eines politischen Aushandlungsprozesses als den einer rein fachlichen Debatte über Steuerfragen. Besonders sichtbar wurde dies bei der Frage, wie sich die künftige Konvention zu bestehenden internationalen Steuerabkommen und Institutionen verhalten soll.
Gleich am ersten Verhandlungstag erklärte Irland im Namen der EU, die Konvention solle die bestehende internationale Steuerarchitektur ergänzen, nicht ersetzen, und das maßgeblich unter dem Dach der OECD entwickelte System im Wesentlichen erhalten bleiben. Viele Länder des Globalen Südens – insbesondere die Afrika-Gruppe – fordern jedoch eine grundlegende Reform der internationalen Steuerarchitektur. Ihr zentrales Argument lautet: Die heutigen Regeln wurden maßgeblich von den Industriestaaten entwickelt. Sie weisen vor allem jenen Ländern Besteuerungsrechte zu, in denen multinationale Unternehmen ihren Hauptsitz haben. Die Länder, in denen Rohstoffe gewonnen, Dienstleistungen erbracht, Produkte verkauft und Gewinne erwirtschaftet werden, erhalten dagegen häufig nur einen begrenzten Anteil der Steuereinnahmen.
Der wichtigste Fortschritt bestand also vor allem darin, diesen politischen Grundkonflikt klarer offenzulegen: Soll die UN-Konvention das bestehende internationale Steuersystem grundlegend verändern oder es lediglich ergänzen? Diese Frage wird die kommenden Verhandlungsrunden prägen.
Welche Position haben die Vertreter_innen aus der EU und Deutschland eingenommen?
Die EU trat in New York weitgehend geschlossen auf, und ich würde die deutsche Position daher als Teil eines sehr eng koordinierten Vorgehens der EU charakterisieren. Ein eigenständiges entwicklungspolitisches Profil Deutschlands war dabei kaum zu erkennen.
Das zeigte sich unter anderem bei der Besteuerung sehr vermögender Personen (Artikel 6). Zunächst war vorgesehen, Staaten zu verpflichten, konkrete Maßnahmen, zum Beispiel einen besseren Informationsaustausch zwischen Steuerbehörden, gegen Steuervermeidung und die Verschleierung großer Vermögen zu entwickeln und tatsächlich umzusetzen. Dies wurde im letzten Entwurf durch eine allgemeinere Verpflichtung zur Zusammenarbeit abgeschwächt. Deutschland begrüßte diese Änderung und setzte sich für einen besonderen Schutz der nationalen Steuerhoheit ein.
Positiv war, dass sich Deutschland gemeinsam mit zahlreichen anderen EU-Staaten dafür aussprach, Nichtregierungsorganisationen stärker an den Verhandlungen zu beteiligen. Insgesamt trat die Bundesregierung jedoch eher als Verteidigerin des bestehenden Systems denn als treibende Kraft für ein gerechteres internationales Steuersystem auf.
Weshalb ist dieses Abkommen für die Entwicklungspolitik so relevant?
Internationale Steuerpolitik ist immer auch Entwicklungspolitik. Viele Länder des Globalen Südens verlieren erhebliche Einnahmen, weil multinationale Unternehmen ihre Gewinne in Steueroasen verlagern oder sehr reiche Personen ihr Vermögen grenzüberschreitend verschieben. Dieses Geld fehlt für Schulen, Gesundheitsversorgung, soziale Sicherung und den Klimaschutz.
Die UN-Steuerkonvention bietet erstmals die Chance, Besteuerungsrechte in einem wirklich globalen und gleichberechtigten Verfahren neu auszuhandeln. Entwicklungsländer könnten mehr Steuern einnehmen, wenn Gewinne dort versteuert werden, wo die wirtschaftlichen Aktivitäten stattfinden und Dienstleistungen genutzt werden. Gleichzeitig könnte die Konvention verbindlichere Standards für die Besteuerung sehr vermögender Personen und die Bekämpfung illegitimer Finanzströme schaffen.
Gerade Länder mit niedrigen Einkommen brauchen mehr Möglichkeiten, eigene öffentliche Einnahmen zu mobilisieren. Das stärkt ihre politische Handlungsfähigkeit und verringert die Abhängigkeit von finanzieller Unterstützung und neuen Schulden. Eine ambitionierte UN-Steuerkonvention wäre deshalb ein wichtiger Schritt zu mehr globaler Steuergerechtigkeit – und eine wichtige Voraussetzung dafür, Menschenrechte zu verwirklichen, soziale Ungleichheit abzubauen und nachhaltige Entwicklung aus eigener Kraft zu finanzieren.
Welche nächsten Schritte sind erforderlich, damit das Abkommen zu einem Erfolg werden kann?
Entscheidend ist jetzt, dass sich alle Staaten – insbesondere Deutschland und seine europäischen Partner – konstruktiv auf substanzielle Reformen einlassen. Der Prozess kann nur erfolgreich sein, wenn am Ende ein inklusives und demokratisch legitimiertes Regelwerk steht, das Besteuerungsrechte fairer verteilt – und nicht lediglich eine möglichst schlanke Ergänzung des bestehenden Systems.
Dabei steht auch die Glaubwürdigkeit Europas auf dem Spiel. Die Staaten des Globalen Südens stimmen ihre Positionen zunehmend enger ab und fordern zu Recht, mehr Einfluss auf die Gestaltung des internationalen Steuersystems nehmen zu können. Wenn Europa vor allem als Bewahrer der bestehenden Ordnung wahrgenommen wird, riskiert es, Vertrauen und politischen Einfluss zu verlieren.
Die bestehenden Konflikte dürfen deshalb nicht umgangen, sondern müssen ernsthaft und in gutem Glauben verhandelt werden. Notwendig sind echte Kompromisse, die insbesondere die Interessen der Länder des Globalen Südens stärker berücksichtigen.
Ute Straub ist Mitglied der VENRO-Fachgruppe Internationale Entwicklungsfinanzierung und Referentin Entwicklungsfinanzierung und internationale Finanzpolitik bei Brot für die Welt.
]]>Indo‑German development cooperation stands at a turning point – one that carries both challenges and opportunities. At a roundtable in New Delhi, Indian and German civil society organisations, embassy representatives, and Corporate Social Responsibility (CSR) stakeholders came together to reflect on how partnerships can remain equitable, relevant, and effective in a rapidly changing environment.
This dialogue built on an earlier exchange convened by VENRO in Berlin, where civil society partners discussed new opportunities to strengthen civil society collaboration amid shrinking development aid, increasing geopolitical pressure, and domestic challenges.
The Delhi roundtable was therefore not an isolated event but part of a continuing process of mutual learning, reflection, and coalition‑building. It was held on 15–16 April 2026 under the VANI-VENRO collaborative project Countdown 2030 – Global Goals need Civil Society.
Why this conversation mattered
Indian Civil Society Organisations (CSOs) form one of the world’s most vibrant sectors, contributing to nation-building and socio-economic development. Yet they increasingly operate within a shrinking civic space, marked by depleting resources and complex compliance burdens.
These domestic compulsions and global pressures affect how CSOs engage with international partners and access domestic CSR resources. At the same time, expectations of CSOs from communities and policymakers remain high. India and Germany share a long history of cooperation in the field of industrial, scientific, and social collaborations in which civil society has been central – yet, grassroots organisations increasingly struggle to participate in and fully benefit from these partnerships.
CSOs in transition: From trust‑based to rule‑bound partnerships
Discussions on Day 1 centred on how relationships once shaped by flexibility, trust, and vision are now constrained by shorter project cycles, heightened compliance requirements, and greater administrative burdens. CSR emerged as an alternative funding avenue, but access remains uneven: smaller organisations rooted in remote communities face capacity barriers despite their strong local presence. Participants called for better facilitation between companies and CSOs, and for sustained capacity‑building to ensure more equitable partnership models.
Building a stronger support ecosystem
The second day shifted focus to solutions. Participants proposed that VANI and VENRO act as a bridging platform between German CSOs, German companies, and Indian CSOs, complemented by structured dialogues and greater visibility of civil society’s contributions. Capacity‑building was seen as crucial – particularly in relation to legal frameworks, compliance, reporting, proposal writing, and digital tools, including newer funding mechanisms such as the Social Stock Exchange.
At the same time, participants acknowledged that these efforts must be situated within a wider global context to promote cross-learning and collaborations. Across many countries, common trends can be observed regarding the enabling environment and the absence of support ecosystems. The participants visualised that an important outcome of this collaboration could be the creation of an environment for mutual learning, shared documentation, and the articulation of common knowledge across continents through Countdown 2030 partners.
The participants also expressed the need to develop a positive public narrative of the CSOs by documenting the challenges and achievements. VANI’s ongoing work resonated strongly – like developing compendiums, updates and support literature on compliance, and hand‑holding support for grassroots organisations. Participants encouraged VANI to expand this foundation through local resource centres, overcoming regional language barriers and producing popular literature like newsletters and booklets with the ultimate aim of reaching those who need it most.
Looking ahead
The most significant outcome was that the roundtable did not end with conclusions but opened a wider process of reflection, coalition‑building, and future collaboration. The recommendations will now guide the next phase of Indo‑German partnership engagement. In this sense, the dialogue was both a reflection on the present and a deliberate step towards the future – a turning point at which civil society can seize opportunities for innovation, solidarity, and constructive engagement.
Crucially, as civic space continues to shrink worldwide, Indo‑German cooperation offers a pathway to counter these pressures by reinforcing openness, building resilience, and ensuring that civil society remains a vital force for justice and sustainable development.
Subhashini Prabhaker works as Programme Officer at our Indian partner VANI.
Civil society actors play a key role in strengthening and shaping sustainability discourses about the future of the 2030 Agenda at the multilateral level. As part of the Countdown 2030 project, VENRO, together with development and humanitarian networks from Brazil (ABONG), Ethiopia (CCRDA), and India (VANI), seeks to shape these debates and help strengthen sustainability issues in multilateral processes. Learn more about our joint project here.
]]>Die deutsche humanitäre Hilfe verändert ihren Kurs – und zwar nicht zum Besseren. Der im Juni veröffentlichte Bericht der Bundesregierung über die deutsche humanitäre Hilfe im Ausland 2022 – 2025 zeichnet ein deutliches Bild: Deutschland richtet humanitäre Hilfe stärker an politischen Interessen aus, kürzt die Finanzierung trotz wachsender Bedarfe und verliert an Glaubwürdigkeit bei der Verteidigung des humanitären Völkerrechts.
Interessengeleitet statt prinzipienorientiert: Deutschland entfernt sich von humanitären Grundsätzen
Bereits das erste Kapitel des Regierungsberichts macht deutlich, dass humanitäre Hilfe nicht länger aus ihrer eigenen Logik heraus begründet wird, sondern ausdrücklich als „Teil des integrierten Ansatzes der Außen- und Sicherheitspolitik“ beschrieben ist. Humanitäre Hilfe erscheint zunehmend als Baustein strategischer Außenpolitik – verknüpft mit deutschen Interessen, etwa in der Fluchtursachenbekämpfung, Terrorismusprävention und Geopolitik. Die offensichtlichen Spannungen zwischen einer unabhängigen humanitären Hilfe und einer interessengeleiteten Außenpolitik wischt der Bericht mit dem Hinweis beiseite, beide Ansätze ergänzten sich gegenseitig.
Tatsächlich aber birgt die Politisierung humanitärer Hilfe erhebliche Risiken für ihre Wirksamkeit. Es ist essenziell, dass politische Agenden nicht darüber bestimmen dürfen, wo Menschen welche Unterstützung erhalten und wo nicht. Auch die Initiative Good Humanitarian Donorship, in der Deutschland Mitglied ist, formuliert dies eindeutig: Humanitäre Hilfe soll sich ausschließlich am Bedarf orientieren und unabhängig von politischen, wirtschaftlichen oder militärischen Interessen erfolgen. Je stärker humanitäre Hilfe als Instrument nationaler Interessen verstanden wird, desto größer ist die Gefahr, dass Menschen nur nach ihrer geopolitischen Relevanz unterstützt werden.
Deutlich wird dieser Kurswechsel auch in der Neuorganisation des Auswärtigen Amts: Die humanitäre Projektarbeit wurde in die politischen Regionalabteilungen integriert. Künftig soll ein hochrangiges Fördermittelgremium die strategischen Weichen für die humanitäre Mittelvergabe stellen. Offen ist allerdings, wie dort dauerhaft humanitäre Fachkompetenz sichergestellt werden soll. Die Sorge liegt nahe, dass außen- und sicherheitspolitische Prioritäten künftig stärker darüber entscheiden, welche humanitären Krisen im Auswärtigen Amt Aufmerksamkeit und Finanzierung erhalten. Deutschland sollte zu seinen humanitären Grundsätzen zurückkehren.
Immer größere Krisen, immer kleinere Budgets: Deutschland schrumpft sich aus der Verantwortung
Die Bundesregierung beschreibt klar, wie sich die humanitäre Lage weltweit im Berichtszeitraum verschärft hat: Kriege, bewaffnete Konflikte und die Klimakrise treiben Hunger, Vertreibung und humanitäre Not auf immer neue Höchststände. Umso erstaunlicher sind die finanziellen Schlüsse, die die Bundesregierung aus dieser Diagnose zieht. Denn sie hat die für humanitäre Hilfe bereitgestellten Mittel im betrachteten Zeitraum um rund zwei Drittel gekürzt. Während 2022 noch rund 3,3 Milliarden Euro zur Verfügung standen, waren es 2025 nur noch 1,06 Milliarden Euro. Dennoch zieht der Bericht eine positive Bilanz.
Tatsächlich verabschiedet sich Deutschland jedoch von seinem Anspruch, zu den weltweit führenden humanitären Geberländern zu gehören. Während Deutschland viele Jahre zweitgrößter Geber war, liegt es im aktuellen Global Humanitarian Assistance Report nur noch auf Platz sechs.
Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Bundesregierung trotz ihrer klaren Analyse, die Zahl und Schwere humanitärer Krisen nähmen weltweit immer weiter zu, an dem niedrigen humanitären Budget festhält – wie der aktuelle Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 zeigt. Die Bundesregierung sollte diesen Kurs dringend korrigieren und sich klar zu ihrer internationalen Verantwortung als eine der größten Volkswirtschaften der Welt bekennen.
Glaubwürdigkeit kennt keine Doppelstandards: Deutschland legt ungleiche Maßstäbe beim humanitären Völkerrecht an
Der Bericht wirft zudem grundsätzliche Fragen nach der Glaubwürdigkeit der Bundesregierung als Verteidigerin des humanitären Völkerrechts auf. Während der Vorgängerbericht dem „Einsatz Deutschlands für den humanitären Raum“ noch ein eigenes Kapitel widmete, behandelt der aktuelle Bericht das Thema erstaunlich knapp und anekdotisch. Zwar wird weiter betont, die Bundesregierung habe sich „nachdrücklich für die Einhaltung und Durchsetzung des humanitären Völkerrechts“ eingesetzt. Dennoch hätte es Anlass für eine deutlich kritischere Auseinandersetzung gegeben.
Das humanitäre Völkerrecht wird in zahlreichen Konflikten missachtet. Zivilist_innen und humanitäre Helfer_innen werden gezielt angegriffen, humanitäre Zugänge systematisch verweigert. Gleichzeitig bleiben Verstöße meist ungeahndet. Auch Deutschland steht stark in der Kritik, bei Völkerrechtsverstößen mit zweierlei Maß zu messen, abhängig davon, wer sie begeht. Während der völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf die Ukraine im Bericht klar als solcher bezeichnet wird, bleiben die Äußerungen zur humanitären Katastrophe im Gazastreifen oberflächlich. Weder die systematische Behinderung humanitärer Hilfe noch die zahlreichen Vorwürfe schwerer Völkerrechtsverstöße – auch durch die israelische Regierung – werden benannt.
Gerade weil die Bundesregierung den Anspruch erhebt, die regelbasierte internationale Ordnung zu verteidigen, sollte sie den universellen Maßstab des humanitären Völkerrechts achten und es künftig wieder konsequent verteidigen – unabhängig vom politischen Kontext oder den beteiligten Akteur_innen.
Wir stehen vor einer Richtungsentscheidung
Der Bericht macht deutlich: Die deutsche humanitäre Hilfe befindet sich im Wandel. Mehr politische Interessen, weniger Finanzierung und eine inkonsequente Verteidigung des humanitären Völkerrechts markieren einen Richtungswechsel. Noch ist dieser Kurs nicht unumkehrbar. Ob Deutschland seinem humanitären Anspruch gerecht wird, zeigt sich nicht erst im nächsten Vierjahresbericht, sondern in den politischen Entscheidungen von heute.
Weitergehende Empfehlungen sind in der VENRO-Stellungnahme zur öffentlichen Anhörung des Bundestagsausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe zu den „Herausforderungen für das internationale humanitäre System und dessen Reform“ sowie in der VENRO-Analyse zum Bundeshaushaltentwurf 2027 zu finden.
Im September 2027 kommt die Weltgemeinschaft zum Nachhaltigkeitsgipfel (Sustainable Development Goals Summit, SDG Summit) der Vereinten Nationen in New York zusammen, um die Weichen für die Zukunft der Agenda 2030 zu stellen. Dort wird darüber beraten, wie die internationale Nachhaltigkeitsagenda nach 2030 ausgestaltet werden soll. Bisher fällt die Bilanz der Agenda gemischt aus: Zwar haben die Nachhaltigkeitsziele weltweit wichtige Fortschritte angestoßen, jedoch wird ein Großteil der Ziele bis 2030 voraussichtlich nicht erreicht werden.
Durch die Agenda 2030 haben sich die Lebensbedingungen vieler Menschen weltweit verbessert. Laut SDG-Bericht 2025 gab es vor allem in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Energie bedeutende Fortschritte. Seit 2015 sind die Einschulungs- und Abschlussquoten gestiegen. 110 Millionen zusätzliche Kinder und Jugendliche, insbesondere Mädchen, gehen zur Schule. Zwischen 2015 und 2023 sank die weltweite Müttersterblichkeit von 228 auf 197 Todesfälle je 100.000 Lebendgeburten, die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren ging im gleichen Zeitraum um 16 Prozent zurück. Der Zugang zu Elektrizität erreichte im Jahr 2023 92 Prozent der Weltbevölkerung.
Trotz dieser Erfolge ist abzusehen, dass die Ziele für nachhaltige Entwicklung bis 2030 nicht gänzlich erreicht werden. Laut jüngstem Fortschrittsbericht des UN-Generalsekretärs verzeichnen nur 36 Prozent der Ziele angemessene Fortschritte. Bei fast der Hälfte der Ziele sind die Fortschritte lediglich gering oder stagnieren.
Vermächtnis der Agenda 2030 geht über Zielerreichung hinaus
Gleichzeitig sollte der Erfolg der Agenda 2030 nicht allein an der Umsetzung ihrer Ziele gemessen werden. Denn bereits jetzt hat sie wichtige Grundsätze etabliert, die auch eine Agenda nach 2030 prägen sollten. Allein die Einigung auf ein gemeinsames globales Rahmenwerk war ein wichtiger Meilenstein.
Ebenso bedeutsam ist ihr universeller Anspruch: Erstmals verständigte sich die Weltgemeinschaft darauf, dass globale Nachhaltigkeitspolitik nicht nur die Aufgabe einzelner Länder ist. Vielmehr tragen alle Staaten die Verantwortung, globale Herausforderungen wie Armut, Hunger, Ungleichheit oder die Klimakrise gemeinsam zu bewältigen und eine sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltige Zukunft für alle zu gestalten.
Darüber hinaus hat die Agenda 2030 das Bewusstsein für Nachhaltigkeitsthemen und globale Nachhaltigkeitspolitik weltweit gestärkt und politische Prozesse angestoßen. Verschiedenste Akteur_innen wie die Zivilgesellschaft, Regierungen, die Wissenschaft oder die Privatwirtschaft arbeiten gemeinsam an der Umsetzung.
Deshalb sollte sich die Bilanz der Agenda 2030 nicht allein an der Zielerreichung orientieren. Ebenso wichtig sind ihr universeller Anspruch, das Zusammendenken von sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit, die gemeinsame Verantwortung aller Staaten sowie die Einbindung unterschiedlichster Akteur_innen.
Beyond 2030: Auf den Stärken der Agenda aufbauen
Diese Errungenschaften zeigen, dass die Idee eines gemeinsamen globalen Nachhaltigkeitsrahmens nicht gescheitert ist. Umso mehr gilt es nun, diese Stärken in ein Rahmenwerk für die Zeit nach 2030 zu überführen, das nicht hinter der Agenda zurückfällt.
Ob es sich dabei um eine Verlängerung oder Weiterentwicklung der Agenda 2030 oder um eine Fokussierung auf bestimmte Themen handelt, wird im weiteren Prozess entschieden, der beim Nachhaltigkeitsgipfel im kommenden Jahr offiziell angestoßen wird. Ein Nachfolgeabkommen sollte auf den Stärken der Agenda 2030 aufbauen, statt grundlegende Einigungen erneut zur Verhandlung zu stellen. Ein politischer Neustart würde nicht nur wertvolle Zeit kosten, sondern könnte auch bereits erzielte Fortschritte gefährden.
Unsere Vorschläge für die Ausgestaltung eines Nachfolgeabkommens und welche Prinzipien uns dabei besonders wichtig sind, formulieren wir in einem gemeinsamen Standpunkt mit unseren Partnernetzwerken ABONG, CCRDA und VANI.
Karoline Krähling arbeitet bei VENRO als Referentin im Bereich Globale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung.
]]>What is the most important aspect for the Agenda 2030 follow-up process?
From Ethiopia’s perspective, the most critical priority for the Agenda 2030 follow-up process is the effective localization and contextualization of the Sustainable Development Goals (SDGs) within fragile, climate-affected, and resource-constrained settings.
While the SDGs are universally relevant, their implementation must be anchored in national realities. In Ethiopia’s case, this requires a deliberate alignment of SDG follow-up mechanisms with peacebuilding efforts, humanitarian response, and long-term structural economic transformation. The convergence of climate shocks, socio-economic vulnerabilities, and recent conflicts has underscored the necessity of adopting a nexus approach—one that bridges emergency interventions with resilience-building and sustainable development.
Equally important is ensuring that the follow-up process is not merely a reporting exercise, but a transformative accountability framework that strengthens institutional coordination, empowers local actors, and enables evidence-based policymaking. Without meaningful localization, the global ambition of Agenda 2030 risks remaining disconnected from the lived realities of communities most at risk of being left behind.
Which principles should be included in the next Agenda?
Building on the lessons learned from Agenda 2030, the next global development framework should be guided by a set of interlinked and forward-looking principles:
Leaving No One Behind (LNOB) and Equity: This principle must remain central, with stronger operational mechanisms to reach the most marginalized, including those in conflict-affected and climate-vulnerable areas.
Integration of Peace, Development, and Humanitarian Action: Sustainable development cannot be achieved without peace; therefore, the next Agenda must explicitly recognize and operationalize the peace-development-humanitarian nexus.
Climate Justice and Environmental Sustainability: Beyond resilience, there is a need for a justice-oriented approach that recognizes differentiated responsibilities and supports green and inclusive transitions in developing countries.
Inclusive and Transformative Economic Growth: Structural transformation, decent job creation, and support for domestic industries should be prioritized to reduce dependency and foster self-reliance.
Gender Equality and Social Inclusion: A rights-based and intersectional approach is essential to ensure meaningful participation and empowerment of women, youth, and marginalized groups.
Digital Transformation and Innovation: Bridging the digital divide and leveraging technology for development should be recognized as a key enabler across all sectors.
Sustainable and Equitable Financing: The principles of the Addis Ababa Action Agenda should be reinforced, with stronger commitments to fair, predictable, and accessible financing for developing countries.
Decoloniality, Participation, and Transparency: The next Agenda must be shaped through inclusive, bottom-up processes that genuinely reflect the voices and priorities of the Global South, moving beyond tokenistic engagement.
Together, these principles should guide the transition toward a more just, resilient, and future-oriented global development architecture.
What are your demands for policymakers and governments regarding the Agenda 2030 follow-up process?
Ethiopia’s key demands for policymakers and governments center on enabling an equitable and enabling global environment that supports nationally driven development pathways.
First, there is an urgent need for enhanced, predictable, and accessible development finance. This includes scaling up concessional financing, addressing debt vulnerabilities, and ensuring that financial flows align with national priorities. For countries like Ethiopia, sustainable development cannot be achieved without addressing structural financing gaps.
Second, climate finance must be significantly increased and delivered in a fair and transparent manner. Ethiopia and many African countries contribute minimally to global emissions yet bear a disproportionate burden of climate impacts. Access to adaptation and mitigation financing must therefore be simplified and scaled up to support green growth transitions.
Third, we emphasize the importance of policy space and national ownership. Global frameworks should enable countries to design and implement context-specific solutions without undue external constraints, while also strengthening domestic institutional and technical capacities.
Fourth, there is a strong call to operationalize the humanitarian-development-peace nexus within the follow-up process. This includes investing in resilience-building systems that reduce vulnerability to recurrent shocks.
Finally, from a regional perspective, Africa calls for a rebalancing of global governance structures to ensure fair representation and voice in decision-making processes related to development finance, climate policy, and global economic governance.
These priorities have been consistently echoed in regional and global platforms, including recent African and international development forums, and reflect a shared aspiration for a more equitable, inclusive, and accountable global development system.
Dr. Nigussu Legesse is Executive Director of our Ethiopian partner network Consortium of Christian Relief and Development Association (CCRDA). Find out more about our partners and our common project ‚Countdown 2030‘ here.
]]>Auf der diesjährigen Hamburg Sustainability Conference (HSC) wurde die Entwicklungspolitische Nord-Süd-Kommission gelauncht. Den Vorsitz übernehmen die ehemalige Präsidentin Costa Ricas, Laura Chinchilla, und der frühere Bundeskanzler Olaf Scholz.
Die Erwartungen an die Kommission sind hoch. Sie soll neue internationale Partnerschaftsmodelle entwickeln, Impulse für die Zukunft der Agenda 2030 geben und Empfehlungen für globale Struktur- und Entwicklungspolitik erarbeiten. All das geschieht in einem schwierigen internationalen Umfeld: Der Multilateralismus ist massiv geschwächt, Mittel für Entwicklung, Klima und humanitäre Hilfe werden historisch gekürzt, zudem prägt aggressive Machtpolitik zunehmend die internationalen Beziehungen.
Damit die Kommission tatsächlich Wirkung entfalten kann, kommt es jetzt auf drei Punkte an.
Klares Mandat und enge Anbindung an multilaterale Ebene
Die Mitglieder der Kommission werden derzeit von den beiden Co-Chairs ausgewählt. Sie sollen keine amtierenden Regierungsvertreter sein, sondern unterschiedliche Sektoren, Hintergründe und Perspektiven abbilden. Anschließend muss sich die Kommission eine klare Richtung und vor allem einen realistischen Arbeitsauftrag geben.
Es ist sehr positiv zu bewerten, dass bereits feststeht, dass die Zukunft der Agenda 2030 hier eine zentrale Rolle einnehmen soll – neben verschiedenen anderen weitreichenden Beschlüssen der G20 oder dem Pact for the Future. Da der Verhandlungsprozess über die Nachfolge der Agenda 2030 mit dem SDG-Gipfel im September 2027 in die heiße Phase geht, bleibt nicht viel Zeit.
Zivilgesellschaft in Zeiten zunehmender Repression beteiligen
Neben einem nationalen Begleitkreis sind im Rahmen der Kommissionssitzungen in verschiedenen Ländern auch sogenannte Outreach-Formate geplant. Dies bietet eine wichtige Chance, denn gerade angesichts eines weltweiten Backlashs gegen Menschenrechte, nachhaltige Entwicklung und multilaterale Zusammenarbeit muss die Zivilgesellschaft systematisch einbezogen werden.
Vor dem Hintergrund immer stärkerer Angriffe auf zivilgesellschaftliches Engagement weltweit ist es von zentraler Bedeutung, jene zu beteiligen, die in ihren Ländern beschränkt, kriminalisiert oder unterdrückt werden, weil sie sich beispielsweise für LGBTQI-Rechte, Klimagerechtigkeit oder indigene Landrechte einsetzen.
Alte Kategorien überwinden, neue Antworten finden
In den Gesprächen rund um die Gründung der Kommission wurde immer wieder betont, dass es „den Globalen Süden“ und „den Globalen Norden“ in dieser Form nicht mehr gebe. Die heutige Weltordnung ist offensichtlich widersprüchlicher und komplexer als zur Zeit der ersten Nord-Süd-Kommission unter Willy Brandt. Entsprechend ist es auch die Herausforderung, heute multilaterale Lösungen zu finden.
Gleichzeitig bringt der Name der neuen Kommission jene Kategorien erneut in die Debatte zurück. Das birgt die Gefahr, globale Ungleichheiten zu vereinfachen oder alte Denkmuster fortzuschreiben. Umso wichtiger ist der Anspruch, neue internationale Partnerschaftsmodelle zu entwickeln.
Diese dürfen jedoch nicht bei allgemeiner Partnerschaftsrhetorik stehen bleiben. Notwendig ist eine offene Auseinandersetzung mit Interessenkonflikten, kolonialen und neokolonialen Kontinuitäten sowie der Verantwortung für wachsende globale Ungleichheiten – etwa in den Bereichen Finanzierung, Klima, Ressourcen und wirtschaftliche Abhängigkeiten.
Youth participation is not a peripheral ideal, it is a cornerstone of inclusive governance, effective policymaking, and sustainable development. With young people aged 15 to 24 representing approximately 1.2 billion people globally, their role in shaping present and future societies is both significant and unavoidable – particularly in developing regions, where youth populations are even larger. Yet, despite their numbers and stake in the future, young people remain systematically underrepresented in formal decision-making spaces.
For governments and non-governmental organizations (NGOs), this is not just a gap, it is a missed opportunity. Investing in meaningful youth participation is not merely a normative or ethical obligation; it is a strategic imperative that strengthens institutional legitimacy, improves policy outcomes, and drives innovation in addressing complex global challenges.
Youth participation can be defined as the active, inclusive, and sustained engagement of young people in shaping decisions, policies, and processes that affect their lives and societies. Crucially, it moves beyond symbolic consultation or one-off engagement toward shared decision-making power, co-creation, and leadership. It positions young people not as passive beneficiaries, but as equal stakeholders and strategic partners in development.
Why does youth participation matter?
Youth participation is fundamental to effective governance and sustainable development because young people are not merely beneficiaries of policies and programs, but key stakeholders and strategic partners in shaping them. As one of the largest and most dynamic population groups globally, youth bring lived realities, contextual knowledge, and innovative perspectives that are essential for designing responsive and future-oriented solutions. Their meaningful engagement strengthens democratic legitimacy, improves policy relevance, and fosters social ownership, ensuring that interventions are not only inclusive but also sustainable.
This is particularly evident in the achievement of the United Nations Sustainable Development Goals (SDGs), where youth participation acts as a cross-cutting enabler across sectors such as education, employment, climate action, governance, and many others. Young people actively contribute to advancing the SDGs through advocacy, community mobilization, innovation, and accountability efforts, often driving progress where traditional systems fall short. Without their meaningful inclusion, SDG implementation risks being disconnected from present realities and future needs, ultimately undermining its effectiveness and sustainability.
Engaging youth, therefore, is not a symbolic gesture or a favor extended to them, it is a deliberate and strategic investment in better development outcomes. Given that young people will inherit and sustain the results of today’s decisions, their participation is both necessary and urgent. Recognizing youth as equal partners ensures that development processes are grounded in reality, driven by innovation, and capable of delivering long-term impact.
NGOs must take action: The time is now!
For non-governmental organizations, the time to move beyond symbolic engagement toward institutionalized, meaningful youth participation is now. In an increasingly complex and rapidly changing world, organizations that fail to integrate youth voices risk designing interventions that are misaligned, short-lived, and disconnected from the realities they seek to address. Youth participation should not be treated as an optional add-on or a visibility tool, it must be embedded as a core principle of organizational governance, programming, and decision-making.
NGOs are therefore called upon to take deliberate and structured action: to create formal spaces where young people hold influence, to allocate resources that sustain their engagement, and to ensure that youth contributions genuinely shape outcomes. This means moving beyond consultation toward co-creation and shared power, where young people are recognized and engaged as strategic partners with valuable expertise and agency. Institutionalizing youth participation in this way not only strengthens the relevance, legitimacy and impact of organizational work, but also contributes directly to more inclusive and sustainable development outcomes.
The question is no longer whether youth participation is important, but whether organizations are willing to act intentionally and systematically to make it meaningful. NGOs that embrace this shift position themselves at the forefront of responsive, future-oriented development, while those that do not risk being left behind in addressing the challenges of today and tomorrow.
Careen Samatemba is an Economist and Youth Participation Advocate for our member organization Brot für die Welt.
]]>Zum Haushalts- und Zuwendungsrecht gibt es ein geflügeltes Wort: „Es ist einfacher die zehn Gebote zu ändern als die Bundeshaushaltsordnung.“ Damit wird die seit vielen Jahren wahrnehmbare Abwehrhaltung des Bundesfinanzministeriums bezeichnet, sich mit Vereinfachungen in jenem Rechtsgebiet zu beschäftigen, das die öffentliche Förderung regelt.
Aber stimmt das eigentlich? Und muss die Bundeshaushaltsordnung tatsächlich geändert werden?
Das Bündnis für Gemeinnützigkeit, in dem VENRO sich gemeinsam mit anderen Verbänden der Zivilgesellschaft für gute Rahmenbedingungen für den gemeinnützigen Sektor einsetzt, hat im Jahr 2025 Expert_innen in einer Arbeitsgruppe zusammengebracht, die dieser Frage nachgegangen sind. Tatsächlich gab es viele Jahre zurückliegende Forderungspapiere aus Bündnissen und der Wissenschaft, aus denen deutlich wurde, dass sich auf der Ebene der Förderung durch den Bund an vielen Stellen nichts Wesentliches getan – geschweige denn verbessert – hatte.
Trotz dieser eher frustrierenden Ausgangslage machte sich die Arbeitsgruppe daran, die bestehenden Handlungsspielräume im Haushalts- und Zuwendungsrecht zusammenzutragen. Dabei zeigte sich: Die Förderpraxen verschiedener Bundesministerien, die Reformvorhaben vieler Bundesländer sowie ein Blick auf die Förderpraxis der Europäischen Union eröffneten eine ganze Reihe von Möglichkeiten – der Handlungsspielraum erschien nun doch deutlich größer als angenommen.
Ein partnerschaftliches Zuwendungsrecht ist möglich
Die Beispiele guter Förderpraxis und gelungener Reformen zeigen für viele Probleme, denen Antragssteller_innen in Förderprogrammen begegnen, Lösungen auf: Diese erstrecken sich vom vorzeitigen Maßnahmenbeginn über mehrjährigen Projektzyklen sowie der Anerkennung von ehrenamtlicher Arbeit als Eigenanteil bis hin zur Festbetragsfinanzierung als Regelfall.
Viele dieser Themen beschäftigen Menschen in Nichtregierungsorganisationen ebenso wie die Zuwendungsgeber – und oftmals gibt es Möglichkeiten der Vereinfachung, Verbesserung und Entbürokratisierung. Diese wurden in einem Arbeitspapier mit Vorschlägen zur Vereinfachung und Modernisierung des Zuwendungs- und Haushaltsrechts im Bund zusammengetragen. Eine spannende Erkenntnis: Für die allermeisten dieser Vorschläge ist es gar nicht notwendig, die Bundeshaushaltsordnung zu verändern.
Die meisten Vorschläge sind realisierbar durch
Beispiele aus Bund, Ländern und EU zeigen: „Geht nicht, gibt’s nicht!“
Für VENRO und seine Mitgliedsorganisationen sind einige der Vorschläge bereits gelebte Förderpraxis. So kennen wir aus Projekten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und des Auswärtigen Amtes mehrjährige Projektlaufzeiten und längere Fristen für die Mittelverwendung im Ausland. Von solchen Bedingungen träumen einige Akteure in der Inlandsarbeit, die sich von Jahr zu Jahr wieder um ähnliche Förderungen bemühen müssen.
In unserem Bereich wiederum sind Festbetragsfinanzierungen bislang weitgehendunüblich: Fast alle Organisationen sehen sich mit Herausforderungen im Umgang mit nach Bewilligung hinzutretenden Spenden und anderen Zuwendungen konfrontiert, die aktuell noch die Förderung mindern.
Der Koalitionsvertrag macht Hoffnung auf eine Vereinfachung
Die aktuelle Legislatur erscheint erstmals vielversprechend für Veränderungen in diesem Rechtsgebiet: Auch wenn es angesichts der aktuell überall präsenten massiven Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit, humanitären Hilfe und anderen Förderbereiche absurd erscheinen mag, sind entsprechende Reformansätze fest im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD verankert.
Im Kanzleramt wurden die Vorschläge des Bündnis für Gemeinnützigkeit zum Haushalts- und Zuwendungsrecht jedenfalls bereits aufgenommen und fließen in Diskussionen mit anderen Bundesministerien über die Vereinfachung des Förderwesens ein. Sowohl die neu eingerichtete Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt als auch das neue Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung können hier eine unterstützende Rolle. Es bleibt zu hoffen, dass wir zum Ende der Legislaturperiode an einige der Vorschläge einen Haken setzen können.
Von der Kontroll- zur Ermöglichungskultur
Derweil sammeln wir bei VENRO Bedarfe für spezifische Verbesserungen im Bereich der Förderung im Ausland, denn Praktiker_innen berichten immer wieder, dass die Förderbedingungen der Bundeshaushaltsordnung in der grenzüberschreitenden Projektarbeit Schwierigkeiten bereiten.
Unter den Vorschlägen des Bündnis für Gemeinnützigkeit findet sich schließlich auch eine visionär anmutende, zugleich aber logische Veränderung der Förderkultur: Die Rede ist von einer partnerschaftlichen Förderpraxis im Sinne einer Ermöglichungskultur, bei der sowohl zivilgesellschaftliche als auch den staatlichen Partnern daran arbeiten, eine gemeinsam intendierte Wirkung zu entfalten.
Wir wissen, dass ein solcher Kulturwandel viel länger dauert als die Änderung einer Verwaltungsvorschrift oder einer Förderleitlinie. Dennoch setzen wir uns gemeinsam mit den Kolleg_innen aus anderen Verbänden weiter dafür ein.
Das Arbeitspapier des Bündnis für Gemeinnützigkeit finden Sie hier zum Download.
Über den Autor:
Jan Wenzel leitet bei VENRO den Bereich Stärkung der Zivilgesellschaft. Er vertritt den Verband im Bündnis für Gemeinnützigkeit und ist einer der drei Co-Sprecher_innen.
Über das Bündnis:
Das Bündnis für Gemeinnützigkeit (BfG) ist ein Zusammenschluss der großen Spitzen- und Dachverbänden aus dem gemeinnützigen Sektor. Zusammen mit unabhängigen Organisationen, bundesweiten Netzwerken und ausgewiesenen Expert:innen repräsentiert das BfG die Vielfalt, Bedeutung und Kompetenz des gemeinnützigen Sektors in Deutschland und setzt sich im Dialog mit Politik, Wirtschaft und Verwaltung dafür ein, bestmögliche Rahmenbedingungen für die Zivilgesellschaft zu schaffen. Mehr zum BfG
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