Als ich das erste Mal von der Sonanten-Hauptsatz-Form hörte, konnte ich mir nicht vorstellen, dass irgendeine Kunst nach einem künstlerischen Plan entsteht. Das fand ich völlig absurd. Inzwischen kann ich historische Kontinuitäten viel besser überblicken und finde es eher absurd anzunehmen, die Künstler hätten über Jahrhunderte hinweg einfach nur Glück gehabt (oder musischen Beistand). Woher hätte Shakespeare wissen sollen wie ein Sonett funktioniert, wenn er nicht Dante und Petrarca studiert hätte? Rhetorik gehörte lange Zeit zum Grundschulkanon und jeder Lateinschüler hat sich mit Fragen des Satzbaus beschäftigt. Es mag viel Intuition bei der Entstehung eines Gedichtes im Spiel sein; man muß auch nicht bis fünf zählen, um einen Pentameter zu schreiben, weil man das fühlt, wenn eine Silbe fehlt oder an der falschen Stelle betont wird. Aber wie jeder Handwerker verfeinert auch ein Dichter mit der Zeit seine Technik, und zwar in dem er sich bewußt macht, was er mit seinem Werkzeug anstellt, in dem er reflektiert, was er zustande bringt. Und dies beeinflußt natürlich sein zukünftiges Arbeiten.
Kenntnis darüber haben wir oftmals sogar von den Künstlern selbst, die in Essays wie „Die Philosophie der Komposition“ (E.A. Poe/“The Raven“) über die Entstehung ihrer Kunst reflektieren und das ist natürlich auch Teil der geisteswissenschaftlichen Forschung.
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