Advertise with Googlier.com Kommentare zu: Die rhetorische Periode http://abgedichtet.org/?p=163 Das private Weblog von LeVampyre Fri, 06 Jun 2014 21:21:58 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Von: Klaus Krebs http://abgedichtet.org/?p=163#comment-754 Mon, 01 Aug 2011 05:58:12 +0000 http://abgedichtet.org/?p=163#comment-754 Sehr schön herausgearbeitet. Zu der Frage ob Goethe solche rhetorischen Stilmitteln bewusst eingesetzt hat, kann man bedenkenlos ja sagen. Alleine Faust 2 ist eine Fundgrube von bewusst eingesetzten stilmitteln.

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Von: LeV http://abgedichtet.org/?p=163#comment-381 Thu, 24 Apr 2008 20:50:34 +0000 http://abgedichtet.org/?p=163#comment-381 Ich finde es eigentlich sehr plausibel, dass heute wie früher Dichter zu der Erkenntnis gelangen, dass sie ein Sprachwerk durch Formung und Selektion ihrer Sprache in seiner Wirkung beeinflussen können, denn das ist ja sehr naheliegend. Im zweiten Band der von Norbert Miller und Harald Hartung herausgegebenen „Theorie der modernen Lyrik. Dokumente zur Poetik“ geben Zeitgenossen wie Durs Grünbein u.a. daüber Auskunft. Aber wie man die Rädchen und Schrauben, an denen man als Dichter so dreht, letztlich nennt, ist eigentlich total nebensächlich. Dass man sie benennt, macht nur die Verständigung darüber einfacher und sensibilisiert die Sprachwahrnehmung.

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Von: Sebastian http://abgedichtet.org/?p=163#comment-380 Thu, 24 Apr 2008 19:46:22 +0000 http://abgedichtet.org/?p=163#comment-380 Klar, über Sonett und Pentameter habe auch ich was in der Schule gehört (an einem ganz normalen Gymnasium). Was du hier in deinem Post beschreibst, geht aber darüber weit hinaus. Wahrscheinlich müsste man heutige Künstler fragen, ob sie sowas bewusst einsetzen, denn über die Vergangenheit kann man letztendlich nur rätseln.

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Von: LeV http://abgedichtet.org/?p=163#comment-378 Sun, 20 Apr 2008 16:11:32 +0000 http://abgedichtet.org/?p=163#comment-378 Schön paraphrasiert, Frederik. Um Muster überwinden zu können, muß man sie aber verstehen. Wenn ich ein Muster begriffen habe, wird es mir langweilig und ich schaffe es, es loszulassen. Aber viele Muster sind, obwohl sie naiv betrachtet sehr oberflächlich sind, doch irgendwie unergründlich und das macht sie einfach interessant für mich. Die Gesetze der Sprache gehören dazu.

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Von: Frederik Weitz http://abgedichtet.org/?p=163#comment-377 Sun, 20 Apr 2008 12:34:14 +0000 http://abgedichtet.org/?p=163#comment-377 Muster sind auch etwas absolut sinnvolles. Letzten Endes ist ein Muster immer eine Art Begriff (und sei es ein nonverbaler). Die Beherrschung eines Musters ist notwendig, um zu dem zu kommen, was das Muster nicht beherrscht. Mit anderen Worten: Muster sind Wegsteine auf dem Pfad der Sensibilisierung. Wegsteine wohlgemerkt, nicht Endstationen. Aber wer Muster ablehnt, hat (immer, so jedenfalls meine Erfahrung) schon Muster im Kopf, die er durchsetzen möchte. Und wer Muster benutzt, ist immer schon einen Schritt über das Muster hinaus.
Auch ich bin ein Fan von Mustern. Je mehr ich sie links liegen lasse, umso mehr komme ich mit ihnen zurecht.

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Von: LeV http://abgedichtet.org/?p=163#comment-376 Sat, 19 Apr 2008 09:37:35 +0000 http://abgedichtet.org/?p=163#comment-376 Als ich das erste Mal von der Sonanten-Hauptsatz-Form hörte, konnte ich mir nicht vorstellen, dass irgendeine Kunst nach einem künstlerischen Plan entsteht. Das fand ich völlig absurd. Inzwischen kann ich historische Kontinuitäten viel besser überblicken und finde es eher absurd anzunehmen, die Künstler hätten über Jahrhunderte hinweg einfach nur Glück gehabt (oder musischen Beistand). Woher hätte Shakespeare wissen sollen wie ein Sonett funktioniert, wenn er nicht Dante und Petrarca studiert hätte? Rhetorik gehörte lange Zeit zum Grundschulkanon und jeder Lateinschüler hat sich mit Fragen des Satzbaus beschäftigt. Es mag viel Intuition bei der Entstehung eines Gedichtes im Spiel sein; man muß auch nicht bis fünf zählen, um einen Pentameter zu schreiben, weil man das fühlt, wenn eine Silbe fehlt oder an der falschen Stelle betont wird. Aber wie jeder Handwerker verfeinert auch ein Dichter mit der Zeit seine Technik, und zwar in dem er sich bewußt macht, was er mit seinem Werkzeug anstellt, in dem er reflektiert, was er zustande bringt. Und dies beeinflußt natürlich sein zukünftiges Arbeiten.

Kenntnis darüber haben wir oftmals sogar von den Künstlern selbst, die in Essays wie „Die Philosophie der Komposition“ (E.A. Poe/“The Raven“) über die Entstehung ihrer Kunst reflektieren und das ist natürlich auch Teil der geisteswissenschaftlichen Forschung.

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Von: Sebastian http://abgedichtet.org/?p=163#comment-375 Fri, 18 Apr 2008 19:45:56 +0000 http://abgedichtet.org/?p=163#comment-375 Ich frage mich, ob Goethe & Co. solche Techniken bewusst eingesetzt haben oder ob sie es unbewusst richtig gemacht haben. Gibt es dazu Forschung bzw. Erkenntnisse?

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Von: LeV http://abgedichtet.org/?p=163#comment-374 Thu, 17 Apr 2008 09:25:44 +0000 http://abgedichtet.org/?p=163#comment-374 Ich bin ja, das muß ich schon zugeben, eigentlich ein großer Fan von Mustern. Aber natürlich wird ein Marschrhythmus langweilig, wenn er über stupides ram-ta-taa nicht hinaus kommt. Die Sprache bietet so viele Möglichkeiten der Musterbildung, auf verschiedensten Ebenen, mit verschiedensten Mitteln. Man kann sich das als Dichter gar nicht häufig genug vor Augen führen. Meist fühlt man ein sprachliches Muster, bevor man es entdeckt, bevor man ihm einen Namen geben kann. Die Rhetorik, das ist das Witzige, hat für die meisten Entdeckungen schon Namen parat, weil sie sie lange vor mir gemacht hat.

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Von: Frederik Weitz http://abgedichtet.org/?p=163#comment-373 Tue, 15 Apr 2008 06:04:05 +0000 http://abgedichtet.org/?p=163#comment-373 Wundervoll!
Die Rhetorik, häufig belächelt und noch häufiger verfemt, bietet Textwirkungen, die man eben doch genießen kann, auch wenn man dann kritisch zu ihr stehen darf.
Besonders im lyrischen Bereich. Es ist eben immer noch das Muster, von dem aus man die Abschweifungen lieben lernen kann. Solange man das Muster nicht für besser hält als die Abschweifung.

Und dass du Friederike Mayröcker zitierst, lässt mich einmal mehr aufblühen. Eine meiner Lieblingsschriftstellerinnen.

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