„Die My Love“ scheint zunächst zu fragen, was ein Baby mit einer Beziehung macht und wie belastend ein Neuankömmling für eine Zweiergemeinschaft wird, im Besonderen für die Mutter, die per Natur das schwerere Päcklein zu tragen hat.
Doch mit der Zeit dreht sich Lynne Ramsays Drama in noch düstere Gefilde, stellt Fragen nach toxischen Beziehungen und inwieweit das Unterdrücken der Bedürfnisse der Frau einen Abstieg in einen regelrechten Wahn verursachen kann. Dadurch ist „Die My Love“ thematisch näher an Jennifer Lawrence anderem Mutter-Film „Mother“ als beispielsweise an „Tully“ mit Charlize Theron. Letzterer stellt zwar ähnliche Fragen, wird dabei aber nie so destruktiv wie Ramsays unerbitterlich realistisches Drama, das darüber hinaus auch keine eskapistischen Ausflüchte wie Aronofskys „Mother“ erlaubt.
Harter Stoff. (5/10)
I’m Still Here (2024, Walter Salles)
auf mubi
Ein Melodram über eine Familie gewickelt in einen politischen Thriller. Walter Salles wendet in seiner Anklage gegen die brasilianische Militärdiktatur das ganze Hollywood-Besteck an, bewahrt aber dank der Entscheidung, die gesamte Geschichte aus den Augen der Ehefrau zu erzählen, seinen Film davor in platte Biopic-Strukturen zu kippen. Den Nachklapp und mindestens den Nachklapp des Nachklapps verstärken den Film nicht zwingend, sondern simplifzieren ihn eher, aber insbesondere die ersten zwei Drittel sind stark. (7/10)
Magic Farm (2025, Amalia Ulman)
auf mubi
Vor allem zu Beginn eine herrlich scharfe Satire über amerikanische Hipster lost in Südamerika.
Das offensichtliche Vorbild dieser TV-Crew auf der Suche nach der nächsten edgy Geschichte ist natürlich die Dokusparte des „Vice Magazine“. Herrlich wie das junge Fernsehteam auf der Suche nach einen Musiker mit einem viralen Hasenohrenhitvideoclip in San Cristóbal landet, nur um dann – sehr langsam! – festzustellen, dass es mehr als ein San Cristóbal in Südamerika gibt und man nun doch im falschen Land aufgeschlagen ist. Doch Geld ist in der neuen Medienökonomie knapper noch als Coolness und so bastelt sich das Team mit den verwunderten Einheimischen einfach ein eigenes, virales Hit-Thema.
Im letzten Akt verliert „Magic Farm“ leider seinen Zug und tröpfelt in verschiedenen Seitenstrang-Erzählungen vor sich hin, die von #metoo über Kulturexploitation das eine oder andere Issue zu viel in den Film wirft, um noch so scharf auf den Punkt zu sein wie zu Beginn.
Dennoch eine schöne Satire über die jungen Medien. (6/10)
The Mastermind (2025, Kelly Reichardt)
auf mubi
Für einen Film der Slow-Cinema-Großfigur Kelly Reichardt ist „The Mastermind“ schon beinah ein Plot-Boiler: eine verkrachte, doch smarte Existenz plant einen letztlich dilettantisch ausgeführten Kunstraub und befindet sich im Folgenden auf der Flucht vor Polizei und missgünstigen Neben-Gangstern.
Natürlich entwickelt Reichardt aus diesen Grundzutaten keinen Coen-esquen Kuriosita-Thriller mit unendlicher Eskalationsschleife, sondern verweilt bei unserem „Mastermind“ und seiner Schluffigkeit, die selbst auf der Flucht vor der Welt nie weggeblasen wird. (6/10)
Predator: Badlands (2025, Dan Trachtenberg)
auf Disney+
Offensichtlich wurde die Entscheidung, einen „Predator“-Film aus Sicht des Predators und mit voller Empathie für den alten Dreadlockwusel zu erzählen, an anderer Stelle (imdb: 7,2) mit mehr Begeisterung aufgenommen als bei mir.
Für mich funktioniert dieser Ansatz leider gar nicht, weil allein schon die Idee, einen gutmütigeren Killer als Sympathieträger im Gegensatz zu den noch niederträchtigeren Jägern zu platzieren, mehrfach humpelt. Einmal, weil ich den Kollegen mit seinen weini-weini-Anlagen nun wirklich nicht als Leitfigur sehe und zweitens weil die „weniger böse als böse ist doch irgendwie nice“ für mich auch nicht aufgeht.
Am Ende dann einfach viel CGI-Gekämpfe in einer Fantasy-Welt. (5/10)
No Bears (2022, Jafar Panahi)
auf mubi
„No Bears“ (3. Platz in Venedig 2022) wurde von Jafar Panahi erneut unter erschwerten Umständen von politischen Repressionen gedreht, aber Panahi entwickelt clevere Wege, sein Quasi-Berufsverbot zu umgehen und landet am Ende bei einem Meta-Film über einen Regisseur (von Panahi selbst gespielt), der unter den erschwerten Bedingungen eines Quasi-Berufsverbots einen Film dreht.
Im Gegensatz zu seinem folgenden Cannes-Gewinner „Ein einfacher Unfall“ ist „No Bears“ der deutlich zurückgenommenere Film, der auch keine solche Plotzuspitzung wie „Ein einfacher Unfall“ auffährt, sondern still und leise von den Unterschieden aus Dorf-Tradition und Stadt-Intellekt erzählt sowie in einer parallelen Film-in-Film-als-Realität-Handlung die Beschwerlichkeiten einer Flucht nach Europa thematisiert. Leiser, aber wie ich finde, besser als „Ein einfacher Unfall“. (6/10)
]]>Das ist nämlich das große Problem des Springsteen-Films, dass die Einsätze des Films so niedrig sind, dass „Deliver Me From Nowhere“ dramaturgisch kaum vorankommt. Jeremy Allen White gibt einen überzeugenden Boss und tatsächlich ist Springsteens „Nebraska“-Album, um dessen Produktion sich der Film dreht, musikalisch auch sein vielleicht bestes, weil er eben die Rauhheit und Intimität seiner Demo-Aufnahmen am Ende doch durchsetzen konnte.
Aber in welcher Welt ist das ein mitreissendes Thema für einen zweistündigen Film? (5/10)
auf Disney+
]]>Keppel spielt das oft geschmähte NNDW-Genre in einer deutlich edgieren Variante Richtung Post-Punk durch. Er spielt wie Levin Goes Lightly mit bowie-esquer Attitude, hat zuweilen die Schroffheit von Messer und Die Nerven (vor allem im besten Song des Albums „Keine Zukunft“) aber auch die Wildheit eines jungen Bilderstürmers.
* Die drei besten Punksongs/-singles?
Absolut tagesformabhängig. Wenn ich hier und jetzt auflegen müsste:
Sheena is a Parasite – The Horrors
Allein – Xmal Deutschland
Jigsaw Feelina – Siouxsie and the Banshees
Ob das nun alles tatsächlich „Punk“ Songs sind, weiß nur Gott.
* Ein Song, der Dich immer zum Tanzen bringt?
Vor kurzem erst gefunden „Elimination Dancing“ von Bow Wow Wow – jedoch ausschließlich die Version auf „See Jungle! Go Join Your Gang Yeah, City All Over! Go Ape Crazy!“, gibts leider nur auf Platte und YouTube.
* Die interessanteste / beste „neue“ Band/Künstler ist?
L’orne aus Rotterdam
Ich hatte die Ehre ein Konzert mit L’orne in Amsterdam zu spielen. L’orne sind leise, laut, zerbrechlich, eine Wand, es macht großen Spaß ihnen zuzuhören. Glücklicherweise konnte ich sie überzeugen für mich auf Tour in Hamburg zu eröffnen. Ich möchte allen ihre neue Single „Whale Cake“ ans Herz legen.
* Deine liebste deutschsprachige Textstelle?
Der Text von „Nichts ändern“ – Levin goes Lightly in seiner kompletten Länge. Es würde sich falsch anfühlen, den Song hier zu zerpflücken, da mich die Zeilen vor allem durch ihre Repetition und den Kontext berühren.
* Der beste Song über Revolte, Aufruhr und Revolution?
Cause von Rodriguez
* Der beste Song, den Du je geschrieben / aufgenommen hast?
Heute fällt meine Wahl auf „Du, mein Soldat“. Ich schreib den Song für all die, die dich mich behüten, ein Leben lang & auf ewig danach. Wenn sie nicht bei mir sind, denke ich sie mir als die Sonne.
* Der beste Film über Musik? Und warum?
Dig! Von Ondi Timoner ist ein Fiebertraum.
* Drangsal, Messer oder Edwin Rosen – und warum?
Alles ganz fantastische Menschen & Musiker. Ich entscheide mich für Messer, mir sagt die rohe Energie ihrer Platten sehr zu.
* Der beste Song letztes Jahr war …?
Ohne nun zu sehr auf den Geese Hypetrain aufzuspringen zu wollen, muss ich sagen, dass mich „Au Pays du Cocaine“ auch bekommen hat.
* Die beste deutsche/deutschsprachige Platte?
Das ist ebenfalls komplett tagesformabhängig. Seit ungefähr einer Woche nehme ich „Wonderful Life“ von Voodoo Beach nicht mehr vom Plattenspieler runter. Die Songs strotzen nur so vor Coolness. Ich stoß mich oft an deutschen Texte und liebe sie umso mehr, wenn sie gelingen. Heike Rädeker ist ein Rockstar.
* Die beste Platte aller Zeiten?
Für mich ist das seit ihrem Release 2022 „Once Twice Melody“ von Beach House.
Das neue Album „Super Sonic Youth“ von Nils Keppel ist zum Jahresbeginn erschienen:
Auf Tour:
18.03.2026 DE Wiesbaden – Schlachthof
19.03.2026 DE Stuttgart – Im Wizemann
20.03.2026 DE München – Strom
21.03.2026 AT Wien – Flucc
25.03.2026 DE Köln – Gebäude 9
26.03.2026 DE Münster – Gleis 22
27.03.2026 DE Dresden – GrooveStation
28.03.2026 DE Berlin – Festsaal Kreuzberg
23.05.2026 DE Beverungen – Orange Blossom Festival
Dieser oscarnominierte Kurzfilm ist eigentlich nur ein längerer Menstruations-Sketch, aber erstens mit Attitude, zweitens wirklich witzig und drittens in allen Rollen mit hervorragendem komödiantischem Timing gespielt.
Der erste Joke steckt natürlich schon im Titel, denn „Period Drama“ ist ja der englische Begriff für „Kostümdrama“, meint hier aber eben das Drama, das die Periode verursacht, wenn sie ausgerechnet im Moment des Heiratsantrags mit ihren Blutschlieren die austen’sche Romantik aushebelt. 12 sehr unterhaltsame Minuten. (7/10)
auf YouTube for free:
Two People Exchanging Saliva (2024, Natalie Musteata, Alexandre Sing)
auf YouTube for free
Ein wunderbar weirder oscarnominierter Kurzfilm, der in einer seltsamen Zukunft spielt. Küssen verboten, Knoblauch-Kaugummi erwüscht und bezahlt werden Waren oder Taxifahrten mit Schlägen ins Gesicht, weswegen blaue Flecken auf der Wange ein schickes Zeichen sind, zu gutbetuchten Kreisen zu gehören. Das alles ist in schönem Schwarz-Weiß gefilmt und trotz seiner Absurdität mit nonchalanter Ernsthaftigkeit gespielt – bis zum tragischen Ende, wenn eben doch das Sehnen nach einem feuchten Kuss größer wird als die Angst vor der tödlichen Bestrafung. (6/10)
auf YouTube for free:
The Singers (2025, Sam Davis)
auf Netflix
Erinnert sich noch jemand an das PUMA-Marketing-Video, in dem eine Gruppe Hools in einer Kneipe „Truly Madly Deeply“ sangen und alle ganz berührt waren von der rohen männlichen Kraft, die für einige Sekunden Verletzlichkeit durchscheinen ließ?
„The Singers“ ist quasi diese Idee als oscarnominierter Kurzfilm. Eine Dive-Bar, grizzlygste Grizzlybarbären sitzen am Tresen, saufen, rauchen, männerfoppen sich hin und her – bis jemand zum Gesangswettbewerb herausfordert und einer nach dem anderen die Hemmungen fallen lässt, seinen zarten Kern zeigt und aufs schönste in den Nebel der Rauchschwaden singt.
Nett und ein wenig touching. (6/10)
Herz aus Glas (1976, Werner Herzog)
auf joyn
„Herz aus Glas“ gehört selbst im großen Werner-Herzog-Werk zu den schwierigsten, seltsamsten Filmen, die er je gedreht hat. Laut Herzog hatte er die komplette Darstellerriege während der Dreharbeiten hypnotisiert, was ihre immer weirde Performances erklärt (natürlich so eine typische Herzog-Geschichte, für die man den Film schon lieben will).
Auch hat „Herz aus Glas“ im Grunde keine Handlung und so war für mich praktisch undurchdringlich, was Herzog hier erzählen will. Dennoch gibt es natürlich genügend Szenen, die für sich genommen stark sind, aber „Herz aus Glas“ sind trotzdem sehr anstrengende 94 Minuten, in denen man andererseits auch genau 28mal Blondies gleichnamigen Hit hören könnte und so womöglich etwas mehr Spaß im Leben hätte. (4/10)
Nackt über Leichen (1969, Lucio Fulci)
auf amazon prime
„Nackt über Leichen“ ist ein früher Film Lucio Fulcis, der den Namen nach (Nackt, Leichen, Fulci) „Giallo“ sagt, aber im Grunde ein Krimi-Drama ist, das auf einen großen Twist hinarbeitet. Entgegen seines Titels hat Fulcis Film von 1969 durchaus ernste Töne, beschreibt das Drama einer Ehe, die in Kälte erstarrt, und die Gewissensbisse des traurigen, aber fremdgehenden Mannes. Zwar sind tatsächlich genügend Nackedeis zu sehen, um den Titel zu rechtfertigen, doch „Leichen“ ist eigentlich eine Übertreibung, tendiert der Bodycount doch gegen 1.
Stilistisch ist Fulci hier in seinem Doppelgänger-„Vertigo“-Versuch in Höchstform, er filmt ein San Francisco in größtem Style. Der des Mordes verdächtige Doktor braust in schönsten Sportwagen und bestsitzenden Anzügen durch die Gegend, dazu spielt Riz Ortolani funky Lounge-Jazz und die Stripclubs bieten künstlerisch hochwertige Performances dar.
Im Grunde hätte der Film seinen Mega-Twist am Ende gar nicht benötigt (der sich zumindest in Teilen auch schon früh abzeichnet). Unsubtil auch wie in einer Schlußrede einer der Protagonisten noch einmal erklärbärig durch den Film führt. Andererseits ist das Ende so kalt und deprimierend wie die Ehe zu Beginn, was „Nackt unter Leichen“ wieder eine Ernsthaftigkeit verleiht, die man ihm vielleicht nicht auf den ersten Blick zutrauen würde. (7/10)
The Unfaithful Wife (1969, Claude Chabrol)
Chabrol in seinem Element – und in Höchstform.
Bei einem bourgeoisen Ehepaar kriselt es, ER vermutet, dass SIE fremdlustiert. Als er einen Detektiv engagiert und einer augenscheinlichen Affäre auf die Spur kommt, überdeckt zunächst Neugier und Höflichkeit den animalischen Besitz-Drang, der sich letztlich doch Bahn bricht. Als es um die Beseitigung des Problems geht, zeigt sich aber doch wieder, dass Status und Wohlstand der Bourgeoisie im Zweifel wichtiger sind als Moral und Anstand – egal welchen Geschlechts der Großbürger letztlich ist. (7/10)
Geister (2024, Hans Henschel)
Könnte durchaus interessant sein: der verstorbene Kumpel kehrt zurück (ob eingebildet oder nicht) und verdiskutiert die Fehlentscheidungen und falschen Abzweigungen seines Lebens. Für mich war die Mischung aus sehr behutsamer Erzählung und doch recht lauten Charakteren schwierig, mehr Nervpotenzial als ich benötigt hätte. (4/10)
]]>* Your three favourite Punk singles/songs?
Kind of depends on you definition of punk but here are a couple of songs that came to mind : )
– Stoics – Enough Of What I Need
– I 5 Monelli – Balbettando
– Dead Moon – Dead Moon Night
* A record that will make you dance?
Chitra & Suky Akkal – Aaja Meri Barbaad Mohabbat
I love the combination of the driving electronic accompaniment with the melancholic beautiful melodies
* Your favourite song lyrics?
Lyrics are usually not my focus when I listen to music but I always loved singing „It’s All Over Now (Baby Blue)“ when I was still playing in a sixties cover band
* The best “new” artist / band right now?
I really like Reymour from Switzerland
Their sound is kinda moody 80’s wave but they bring it in a very refreshing way. Strong melodies and nice low fi production. Sounds very honest to me
* Your favourite song about rebellion/revolution?
Lesley Gore – You Don’t Own Me
* Your favourite song last year?
I kinda re-discovered Björk last year and played her songs Isobel over and over again
* Your favourite movie about music – and why?
Dig! (2004) by Ondi Timoner
Really fascinating characters (The Brian Jonestown Massacre, The Dandy Warhols). She also picked the perfect moment to start filming this documentary because so much stuff started happening for both bands.
* Your favourite Turkish artist/band?
Selda Bağcan. Her 1976 self titled album was my introduction to Turkish folk rock and I’m still blown away by it
* The best song you’ve ever written / recorded?
Altın Gün – Ordunun Dereleri
Not written unfortunately but still of our version of this folk song. Composer is unknown
* Your favourite German song/record?
A very obvious choice maybe but The Man Machine by Kraftwerk is one of my all time favourite records and really shaped me musically. I’ve been listening to that record since I was 6 years old.
A more obscure German favorite of mine is Echo Romeo – Dreams (1986)
* Your favourite record of all time?
To me You’ve Got A Woman by Dutch/German duo Lion is absolute perfection
(Antworten stammen von Jasper Verhulst, Bassist und Ur-Gründer von Altin Gün)
Die neue Platte „Garip“ ist gerade erschienen:
Auf der Bühne:
17. März Köln, Carlswerk
19. März Berlin, Huxleys Neue Welt (ausverkauft)
20. März Berlin, Huxleys Neue Welt (Zusatzshow)
22. März Hamburg, Große Freiheit
13. Mai Fri Son Fribourg (CH)
14. Mai Südpol Luzern (CH)
30 Jahre später sieht die Lage, wenig überraschend, komplett anders aus. Es gibt Belle and Sebastian noch, geradezu mehr denn je, mit weiterhin fünf Mitgliedern von damals. Das Metropol-Theater am Nollendorfplatz ist voll, rund 1200 Leute, am zweiten Abend in Folge. So voll, dass die Thekenschlangen teilweise schon auf der Balkontreppe starten. Am Vortag, als die Band hier ihr Debütalbum „Tigermilk“ in Gänze spielte, als nostalgischen Recap, war es offenbar noch ein kleines bisschen schöner. Hört man jedenfalls als Raunen aus der Menge der vielen, die sich Karten für beide Abende gekauft hatten.
Heute ist „If You're Feeling Sinister“ dran, die Platte, die 1996 exakt am Tag des Telekom-Börsengangs erschien und für die allermeisten die erste Begegnung mit der Band war (weil es „Tigermilk“ damals nur als superrare Privatpressung gab). Und ja, es ist schon lustig, wenn man den Belle-and-Sebstian-Sänger Stuart Murdoch heute als quergestreiften, extrovertierten Entertainer erlebt, der aus dem schönen, alten Selbstzerknirschungs-Madrigal „Get Me Away From Here I’m Dying” so etwas wie die
große Ode zum Frühlingsfest der Indievolksmusik macht: „Think of it this way, you could either be successful or be us.“ Die Ironie, solche Zeilen auf einer Jubiläumstour zu singen, die bald noch quer durch Amerika führen und im September in Japan enden wird, entgeht ihm nicht.
Dass sich hier heute Abend natürlich eine spezifische Popkohorte selbst feiert, in Polka-Dots und bretonischen Fischerhemden, mit Harrington-Jacken und Bubikopf-Haarschnitten, das ist absolut recht und gar nicht mal so billig. Belle and Sebastian und ihre Zeitgenossen stehen ja für den historischen Moment, in dem der frühere Twee-Underground plötzlich zum validen Modefaktor wurde. Als die in den
Achtzigern beschworene „Revenge of the Nerds“ tatsächlich stattfand, zu teilweise allergrößter Überraschung.

Das Selbstbewusstsein, das allen Beteiligten in der Zwischenzeit gewachsen ist, steht den alten Songs dabei überaus gut. „Me and the Major“ klingt im Metropol wie eine rasende Dustbowl-Zugfahrt, aus dem Dramolett „Judy and the Dream of Horses” machen Murdoch und seine sechsköpfige Kollegenschaft eine herrliche, gigantische Oper. Im Zugabenblock inszeniert Murdoch dann zum „Boy With The Arab Strap“ (wie schon am Vorabend) eine Bühneninvasion für die erste Reihe, weniger schüchtern geht es kaum. Nur Alexandra Klobouk will nicht nach oben, die legendäre „Catastrophe Waitress“, die der Sänger im Publikum entdeckt und immerhin kurz interviewt. Klobouk hat inzwischen einen brillanten, völlig unkatastrophalen Ruf als Illustratorin und Autorin. Noch eine, deren Dödeljahre längst vorbei sind. Einen einzigen Song gibt es an diesem Abend zu hören, der jünger als 23 Jahre ist: „Little Lou, Ugly Jack, Prophet John“ von 2010.
Es bleibt die nachhallende, kaum zu lösende Denksportaufgabe: Wenn Belle and Sebastian heute einerseits ihre großen Alben viel besser spielen können als damals, warum schaffen sie es dann gleichzeitig nicht mehr, auch nur annähernd ähnlich gute Songs zu schreiben? Vielleicht ist die Erkenntnis am Ende schlecht für die Kunst. Vielleicht vergeuden sich die meisten auch einfach zu schnell. Oder, dritte Option: Vielleicht sind gar nicht die Platten von Belle and Sebastian über die Jahrzehnte schlechter geworden – sondern unsere Ohren besser. Es ist nichts Ehrloses daran, vor allem zu guten Erinnerungen zu tanzen, solange einem halbwegs klar ist, was man da tut. Die Realität hatte einen ja auch nach dem grandiosen Monopol-Konzert wieder, schnell genug.
(Text: Joachim Hentschel,
Bilder: Christian Ihle vom Vorabend)
]]>* Die drei besten Punksongs/-singles?
** Ramones – Sheena is a Punkrocker
** The Stooges – Search and Destroy
** Distillers – City of Angels
* Ein Song, der Dich immer zum Tanzen bringt?
Primal Scream – Movin‘ on Up
* Die interessanteste / beste „neue“ Band/Künstler ist?
Geese: Frischer Sound, frisches Songwriting. Schön verspielt. Erinnert mich an Radiohead, nur eben
in 20-20er Jahren.
* Deine liebste deutschsprachige Textstelle?
Wenn es nicht so platt und ungesund wäre, würde ich eventuell schon in Erwägung ziehen, einen erschreckenden Satz an die Wand zu sprühen, damit ihn jeder, wirklich jeder von allen liest und hasst. – aber wozu?
Der Nino Aus Wien – Urwerk
* Der beste Song über Revolte, Aufruhr und Revolution?
The Clash – Guns of Brixton
* Der beste Song, den Du je geschrieben / aufgenommen hast?
Es tut mir leid
* Der beste Film über Musik? Und warum?
Aktuell: Jonny Greenwood – One Battle after Another
* Nino Aus Wien, Voodoo Jürgens oder Faber – und warum?
Mit Nino zum Fußball, mit Voodoo in die Kneipe und mit Faber in den Urlaub
* Dein liebster österreichischer KünstlerIn/Band ever?
Max Payer
* Der beste Song in diesem Jahr ist …?
FairPlay (Steiner & Madlaina)
* Die beste deutsche/deutschsprachige Platte?
Die Toten Hosen – Kauf mich!
* Die beste Platte aller Zeiten?
Bob Dylan – Blood on the Tracks
Das Album „Gehts noch“ erscheint am 27.02.2026
Auf der Bühne:
20.03.26 Erfurt, Museumskeller
21.03.26 Hannover, Lux
22.03.26 Hamburg, Knust
26.03.26 Nürnberg, MUZ
27.03.26 Plauen, Malzhaus
28.03.26 Esslingen, Kulturzentrum Dieselstraße
29.03.26 Bad Kötzting, Bahnhof
09.04.26 Görlitz, Kühnhaus Görlitz
10.04.26 München, Milla
11.04.26 Magdeburg, Moritzhof
17.04.26 Köln, Wohngemeinschaft
Ein Kind der Counter Culture Ära, aber nicht einfach „nur“ ein Teensploitation-Streifen über die wilde LSD-Zeit am Sunset-Strip, sondern eine politische Denkübung zum demographischen Wandel. Was wäre denn, wenn sich die Teenager wirklich vereinen und sich interessieren würden? Was, wenn sie alle mit einer politischen Stimme sprächen und dank ihrer Mehrzahl (der Film erzählt von 52% Teenagern, die nun 1968 in den USA leben) auch ihre Meinung durchsetzen könnten? Wie würden die Alten reagieren?
„Wild In The Streets“ exerziert diese Idee radikal durch und überzeugt auch bis zu seinem Ende, wenn er etwas entgleist und sich eine Teenager-Herrschaft als faschistoide Bande imaginiert, was vorher nun wirklich nicht begründet wurde – aber gut, das ist vielleicht das Zugeständnis, das man machen musste, damit „die Alten“ auch so einen Film produzieren.
Jedenfalls tolle 60ies Atmosphäre, gelebte Gegenkultur im wirklichen Wortsinn und natürlich ein fantastischer Soundtrack, der der eigentliche Grund war, warum ich den Film schon ewig sehen wollte. Die Hauptfigur ist nämlich der Sänger einer fiktiven, irre populären Band, die aber besten Garage-Rock spielt. „The Shape Of The Things To Come“ ist trotz dessen, dass es die Band Max Frost & The Troopers gar nicht gibt, nämlich ein erstklassiger Kracher der Nuggets-Zeit, der sich vor keinem „echten“ Single-Wonder dieser so gloriosen Musikära verstecken muss:
P.S.: angeblich ist das Refused-Album „The Shape Of Punk To Come“ ja ein Wortspiel zu Ornette Colemans Album „The Shape of Jazz to Come“. Aber eigentlich liegt die Thematik von „Wild in the Streets“ so nah an Lyxzens revolutionärem Impuls, dass es mich fast wundern würde, wenn der Max-Frost-Hit hier nicht eigentlich Lyxzens Referenz war. (7/10)
Wild in the Streets (1968, Regie: Barry Shear)
Leider nur als Import-DVD erhältlich, soweit ich sehen kann.
Masha Qrella (feat. Andreas Spechtl) – Maschinen:
Would have loved to have seen a really dramatic video here, this is either by someone who grew up with post rave electronica first hand or has just discovered it for the first time and wants to make it. Some nice changes mid song could be gotten to much quicker with some edits to make it more radio friendly. But maybe they did not want that?
Die Heiterkeit – Was passiert ist
I kind of like the intro of the organ and how it falls into place and I really like the video, it’s all simple but cosmic enough, I wasn’t expecting the chorus to go that poppy as I was getting into the groove of the verses which are more commanding to the ears, good song length too.
International Music – Farbiges Licht
This seems to be a popular group, sonically it sounds a bit retro and like everyone playing in the same room.
I really like this because I can hear everything and it has lots of interesting bits and sound a bit Kosmische in the breakdown part and turns heavier until the end, lots of different production parts to hold ones interest.
Malaria! – Kaltes Klares Wasser
This is my favourite and I think I have heard this before, post punk art school diy??
this sounds like an original and of that time. I love the slightly out of tune ESG-esque bass and rhythm
I am sure there’s a lot of people who hold this record close to their heart.
Tocotronic – Die Erwachsenen
In contrast to the previous track this sounds very slickly produced /bigger budget and imagine got played on the radio a lot as the chorus is very poppy, its alternative rock that’s dreamy, it’s perfectly pleasant it kind of reminds me of Pulp from the UK, I am sure when they play live it would sound a lot more raucous and the crowd would be punching the air and hugging etc.
Das neue Album von Jane Weaver, ‚The Fallen By Watch Bird‘ 15th Anniversary Edition, ist Ende Januar erschienen
Die Leipziger Band um Fiona Lehmann ist trotz Debüt hier im Popblog keine Unbekannte, hatten wir doch bereits 2022 ihre EP wärmstens empfohlen und auch schon als Support der Fast-Weltweit-Legenden JETZT! live für gut befunden.
Und doch ist das gerade erschienene, erste komplette Album „Trost & Trotz“ noch einmal eine allerschönste Überraschung, haben Fiona & Band doch ihre Idee von chasonesquem Kneipenpunk weiterentwickelt und gehören jetzt hinsichtlich Tresen-Lieder direkt neben Regener und Bamborschke ins Triumvirat der heimischen Musik. Neben den offensichtlichen Geschwistern im Geiste von Isolation Berlin schaut nun aber auch immer ein rösingerhafter Schalk in diesen Songs vorbei, erinnern Frau Lehmanns Lieder aufs Beste eben an die Lassie Singers und Britta, gerade wenn zwischen all den getrunkenen Bieren auch die Fragen des Herzens (oder einmal auch: trockener Vulva) & des Frauseins mit bester Nonchalance besungen werden.
Wenn das alles noch nicht für eine Empfehlung mit Sternchen reichen würde, hat Fiona Lehmann zudem die nach meinem Wissen beste deutschsprachige Lyrics-Stelle über den ungarischen Meister-Regisseur und Arthouse-Giganten Bela Tarr im Gepäck:
„Gestern schien die Sonne / Doch es hat mich nicht gejuckt /
Ich stand auf einer Brücke / und hab hinabgespuckt /
Ich ging gestern ins Kino / Programmkino na klar /
Die anderen Leuten wollten Fun / Ich wollte Bela Tarr“
* Die drei besten Punksongs/-singles?
SCHGRAMPF – Anarchisten weinen nicht (die Version von Gülleschiss ist auch nicht zu verachten)
Hans-A-Plast – Für ’ne Frau
Knochenfabrik – Glücklich
* Ein Song, der Dich immer zum Tanzen bringt?
NOFX – All Outta Angst und Elton John – Yellow Brick Road
* Die interessanteste / beste „neue“ Band/Künstler ist?
Joanna Sternberg:
„This is not who I want to be“ war mein Einstieg und hat bei mir durch die radikale Verletzlichkeit ohne jegliche Selbstinszenierung sofort Resonanz erzeugt. Gegen Trauma hilft mehr Trauma und das ist hier mit dem Umfang an Authentizität erfüllt, nach dem ich in Musik immer suche.
* Deine liebste deutschsprachige Textstelle?
Es gibt nur cool und uncool und wie man sich fühlt
…oder jede andere Zeile von Tocotronic
* Der beste Song über Revolte, Aufruhr und Revolution?
Nina Simone – Ain’t got no, I got Life
* Der beste Song, den Du je geschrieben / aufgenommen hast?
Melancholia, da hab ich selber ein bisschen gestaunt
* Der beste Film über Musik? Und warum?
Detroit Rock City (1999) weil der Lust auf Rockmusik macht, zumindest bei mir, als ich 12 war. Oder Inside Llewyn Davis (2013), der zeigt, wie schmerzhaft und gleichzeitig erfüllend ein Leben als Musiker:in ist. Oder aber Glenn Gould – Jenseits der Zeit (2006), der die transzendentale Kraft von Musik sehr intensiv erfahrbar macht.
* Isolation Berlin, Element of Crime oder Acht Eimer Hühnerherzen – und warum?
Alles gute Bands, aber Isolation Berlin sind mir am nächsten. Die Texte sind poetisch, aber dennoch sehr direkt und ungekünstelt. Auch hier ist es die Authentizität, die ich erfahre, die ausschlaggebend ist für mich.
* Dein liebster KünstlerIn/Band aus Leipzig ever?
Johann Sebastian Bach oder Gründe Gegen KindA, schwierig sich dazwischen zu entscheiden.
* Der beste Song im letzten Jahr war…?
24/7 Diva Heaven – L.O.V.E. FOREVER
* Die beste deutsche/deutschsprachige Platte?
Christiane Rösinger – Lieder ohne Leiden
* Die beste Platte aller Zeiten?
Lieber würde ich sterben, als diese Frage endgültig zu beantworten. Aber ich greife wahllos aus einer Million Optionen: Moondog – H’art Songs
Die neue Platte von Frau Lehmann ist gerade erschienen:
Caroline Kox (aka „Koxi“) aktualisiert radikal einen Jelinek-Text aus den 70ern. Instagram und TikTok beherrschen die Figuren genauso sehr wie Misanthropie und Kapitalismus. Johanna Wokalek wirft sich ganz in ihre schwierige Rolle, die sie als Gebeutelte der Markt- und Machtstrukturen zeigt, aber auch als selbst höchst egozentrische Frau, die im Zweifel nicht minder über Leichen geht.
Wie oft bei Jelinek-Verfilmungen ist auch in „Liebhaberinnen“ der Nervfaktor auf Anschlag gedreht, was durch den immer wieder durchscheinenden Humor nicht vollends erträglich gemacht wird.
Etwas ganz Besonderes (Eva Trobisch)

Der internationale Titel „Home Stories“ bildet den Film besser ab, zeigt Eva Trobisch in „Etwas ganz besonderes“ doch ein ganzes Panorama von Geschichten einer Großfamilie, in der jedes Mitglied sein eigenes Problemsäckchen zu tragen hat. Das fühlt sich vor allem im Verhältnis der getrennten Eltern von Lea echt an, voll von Verletzungen, die die gemeinsamen Jahre geschlagen haben. Die nächste Explosion, der kommende Streit steht immer nachvollziehbar vor der Tür.
Am schwächsten ist dagegen der Erzählstrang um die Hauptfigur, Teenager-Tochter Lea, die in einer Casting-Show auftritt und von Szene zu Szene ein anderer Mensch zu sein scheint. Mal überschüchtern und empathisch, mal Partytier und Ego-Arschloch.
Als ganzes aber ein gelungenes Portrait einer Familie, die über alle Generationen hinweg verzweifelt gegen das Auseinanderfliegen kämpft, aber diese zentrifugalen Kräfte nicht mehr beherrschen kann.
Animol (Ashley Walters)

Kompetentes Jugendknastdrama, das dem Genre nicht viel Neues beifügen kann. Gut gespielt, aber mit zu wenig Raum für Stephen Graham, der in seinen wenigen Szenen natürlich wieder beeindruckt.
17 (Kosara Mitic)

Klassenfahrt from Hell! Toxische Jungmännlichkeit trifft auf weibliche Bitchyness in dieser mazedonischen Ausflugsfahrt einer Abschlussklasse. Insbesondere den Männern wird keinerlei Einhalt geboten, was ihr unangenehmes Verhalten nur noch verstärkt. Laut Anfangstitel beruht dieser Film auf wahren Begebnissen, aber es ist kaum vorstellbar, wie sehr diese jungen Männer jegilche Norm negieren. Die ersten zwei Drittel sind dabei eine starke Beobachtung dieser Dynamiken, der letzte Akt kommt zum Stillstand und zeigt in kaum auszuhaltender Länge dann noch eine verheimlichte Schwangerschaft bzw. ihr Ende durch eine selbst durchgeführte Geburt. Harter Stoff, schwer zu ertragen.
Anymart (Yusuke Iwasaki)

Der Horror der Lohnarbeiterschaft. In seiner ersten Hälfte stellt „Anymart“ schön die ewige Monotonie des Tagesjobs dar, hier am Beispiel einer Supermarkt-Bedienung. Die Regeln, die erzwungene Freundlichkeit, das stupide Ein-und-Aus jeden Tages.
Je länger der Film dauert, desto stärker schiebt sich ein surrealer Wahnsinn ins Bild, der immer wieder in sehr trockenen Gewalteruptionen endet. Beispielhaft dafür, wenn sich ein Supermarktmitarbeiter über den frisch insolvent gegangenen, süssen „Quiche“-Laden gegenüber lustig machen will, und für ein Selfie vor der Schließungsnotiz posiert – aber genau in diesem Moment vom per Dachsprung Selbstmord begehendenen Quiche-Inhaber erschlagen wird.
]]>Von Manchester nach Amerika. Das Leben ist trist, die Tiefschläge hart, doch die religiöse Ekstase bleibt.
Mona Fastvold, die gemeinsam mit Bradley Corbet das Drehbuch sowohl für „The Testament Of Ann Lee“ als auch für „Der Brutalist“ geschrieben hat, erzählt die Lebensgeschichte der Gründerin des religiösen Shaker-Movements, einer christlichen Freikirche, die sich vor allem durch in die Ekstase gesteigerte Gottesdienste auszeichnete.
Die große Stärke des etwas überlangen Films sind genau diese Szenen der reinen Ekstase, die in unendlichen, hackeligen Rundbewegungen fantastisch choreographiert und noch besser musikalisch instrumentiert sind. Daniel Blumberg (of YUCK*-Fame), Oscar-Gewinner für „Brutalist“, transformiert die simplen Shaker-Lieder in hymnische Klatsch-und-Schrei-Orgien, die wie ferale Versionen des Arcade-Fire-Debüts klingen. Jede dieser Szenen ist ergreifend, mitreissend, ja eben: ekstatisch! Bitte gleich noch einen zweiten Oscar hinterher für Blumberg!
Leider ist aber die zwischen diesen Momenten stattfindende Lebenserzählung der Ann Lee das Gegenteil von wild. Ein Biopic von Wiege zu Wiege, das brav alle wichtigen Stationen abhakt, aber nur von Amanda Seyfrieds großen Augen lebt, in denen sich so viel mehr abspielt als die Leinwand zu zeigen vermag.
* finde Blumbergs Werdegang immer wieder erstaunlich, war seine kleine feine Brit-Indie-Band doch eine schön krachige Pixies-Verbeugung, die man seinen Soundtracks nicht mehr wirklich anhört:
The Only Living Pickpocket in New York (Noah Segan)
Jeder Film, der mit einer NYC-Montage zu LCD Soundsystems „New York I Love You But You’re Bringing Me Down“ beginnt, hat mein Herz schon gewonnen. Noah Segans „The Only Living Pickpocket in New York“ bleibt auch im Folgenden eine einzige Liebeserklärung an den Schmelztiegel Amerikas, an seine Aufstiegsversprechen, die enttäuschten Hoffnungen und zerplatzen Träume.
John Turturro als alternder Taschendieb, der mehr und mehr am Hang der Menschen zu bargeldlosem Zahlen verzweifelt, lässt alle Traurigkeit der Welt in seinen Augen ablesen, aber auch immer noch den Schalk des ewigen Stehaufmännchens durchblitzen. Wenn die moderne Welt nun wie eine Faust auf ihn niederfährt, akzeptiert er sein Schicksal, stattet den wichtigsten Stationen seines Lebens einen Besuch ab und hat einen letzten Taschenspielertrick auf Lager, mit dem er zum Abschied noch einmal alle Register zieht.
Ein berührender Film, der weniger wie anfänglich angedeutet als Thriller wirkt, sondern als wehmütiger Abschied ans alte New York und an ein Leben verpasster Chancen. Ein NYC-Film wie „Uncut Gems“ der Safdie-Brüder, doch statt der dortigen ADHS-Dosis hier mit aller Ruhe in wunderbar konzisen 88 Minuten erzählt.
Mein liebster Film der Berlinale.
New York, I love you
But you’re bringing me downLike a death of the heart
Jesus, where do I start?But you’re still the one pool
Where I’d happily drown
Sad Girlz (Fernanda Tovar)

Der Gewinner der Jugendfilmreihe der diesjährigen Berlinale erzählt von der innigen Mädchenfreundschaft zwischen Maestra und Paula, die ins Wanken gerät, als auf einer Party aus Paulas Flirt mit einem Jungen Sex ohne Einwilligung wird. Am interessantesten ist, wie Paula zunächst selbst begreifen muss, dass ihr eine Vergewaltigung widerfahren ist. Erst langsam sinkt das ganze Ausmaß der Tat in ihr Bewusstsein.
]]>„The Ballad Of Judas Priest“ packt so viel Stoff – und unterhaltsame britische Charaktere – in seine 100 Minuten Laufzeit, dass selbst ohne jegliches Interesse oder gar Vorliebe für ihre Musik diese Dokumentation ihre handwerklich brave Ausführung transzendiert.
Der Stolz der britischen Working Class, die quasireligiöse Verbrüderung der Heavy Metal Community, Homosexualität in uber-heteronormativem Umfeld, der Kampf um die Meinungsfreiheit, frühe Culture Wars, eine von Tom Morello organisierte Talkrunde mit Billy Corgan von Smashing Pumpkins und Darryl McDaniels von Run-DMC im Rainbow in L.A. und ein letzter Auftritt von Ozzy Osbourne als Demenzbruder des Priest-Gitarristen Glenn Tipton, „A Ballad Of Judas Priest“ ist ein Geschenk, das gar nicht mehr zum Geben aufhören mag.
Saccharine (Natalie Erika James)
Natalie Erika James Debütfilm „Relic“ war eine gelungene Horror-Allegorie auf Demenz. In „Saccharine“ spielt James nun das elevated Horror – Ding in Richtung Body Positivity bzw. den Wahn der Schönheitsideale. Eigentlich wissen es alle, und doch fallen wir immer wieder alle, alle darauf rein, auf die Pillen, auf den Doktor, auf die Klinik. So auch Hana, eine queere Medizinstudentin, die es besser wissen sollte und dann doch zu den nicht von der Gesundheitsbehörde freigegebenen Abnehmpillen greift, um der Fitness-Trainerin zu gefallen.
Auf dieser Ebene funktioniert „Saccharine“ durchaus, aber als Horror eben leider nicht. Wenn Hana erste Visionen in den Spiegelungen ihrer Löffel entdeckt, dann ist das visuell eigentlich toll gemacht, aber die Nonchalance mit der sie das hin- und ihre Pillen weiternimmt, so irritierend, dass sich gar kein Horror auf den Zuschauer übertragen kann. Je weiter „Saccharine“ in seiner Erzählung schreitet, desto mehr verlagert sich der Schwerpunkt auf den Horror-Aspekt und damit eben genau auch auf den Teil des Films, der nicht wirkt.
Ähnlich wie im thematisch verwandten Sensationserfolg „Substance“ ist auch hier der Genre-Kern des Films das Problem. Die Oberfläche dagegen schimmert schön. Eigentlich ein Treppenwitz angesichts dessen, was diese beiden Filme transportieren wollen.
Dust (Anke Blondé)
Belgischer Film über einen großen Firmenskandal, Insolvenz, Aktienwertvernichtung, kannstedirnichtvorstellen.
Was wie ein spannender Business-Krimi beginnt, entwickelt sich zu einem phänomenal drögen Blick auf den letzten Tag in Freiheit der beiden CEOs. Was genau ist der Punkt dieses Films?
William Friedkins „Sorcerer“, aber zu Fuß.
Die große Depression. Ethan Hawke als brillanter Mechaniker und Weltkriegsveteran, der als alleinerziehender, herzensguter Vater wegen eines Fehltritts in eine Arbeitskolonie muss. Dort erhält er vom Aufseher (ein herrlich knarziger Russell Crowe) das Angebot, seine Gefängnisstrafe zu verkürzen, wenn er Goldbarren durch ein wildes Waldgebiet schmuggelt.
Wacklige Brücken, unstete Gemüter, Habgier und Eigennutz sind die verschiedenen Zutaten, die diesen Plotboiler zum Überkochen bringen. Padraic McKinley erzählt hier eine im besten Sinn klassische Abenteuergeschichte, die auf einer Erblinie von John Hustons „Der Schatz der Sierra Madre“ über Clouzots „Lohn der Angst“ bis natürlich Friedkins „Sorcerer“ liegt. Aber dank Hawkes Charakter dieser alten Räuberpistole noch eine zusätzliche Ebene des nachvollziehbaren Sehnens verleiht. Denn Ethan Hawke ist der einzige, der gar nicht mehr will, sondern nur zurück: zurück zur Tochter, zurück zum Leben.
Toll.
Matapanki (Diego „Mapache“ Fuentes)

Ein kleiner, wilder Punkfilm in grobkörnigstem Schwarzweiß. „Matapanki“ erzählt eine augenzwinkernde Geschichte über einen Punk mit Superheldenkraft, der gegen Imperialismus und die USA kämpft. Am Ende sogar im Faustkampf gegen den amerikanischen Präsidenten.
Frech und knackig.
Queen At Sea (Lance Hammer)

Fortgeschrittene Demenz gehört sicherlich zu den unangenehmsten Geschichten, von denen das Kino erzählen kann. Es ist ein langer, gradueller, aber unaufhaltsam fortschreitender Abstieg. Kein Thema, das nach Leinwand schreit. Umso erstaunlicher, wie es Lance Hammer in dem von ihm geschriebenen und gedrehten „Queen At Sea“ gelingt, nicht nur die Krankheit selbst angemessen darzustellen, sondern zu Beginn gar erfolgreich eine Krimi-Spannung einführt, wenn die Tochter (Juliette Binoche) annimmt, dass der Stiefvater (Tom Courtenay) mit ihrer Mutter Beischlaf vollzieht, ohne dass sie dazu Consent geben kann. Doch „Queen At Sea“ bleibt nicht bei dieser Frage stehen, sondern entwickelt sich zu einem generationenübergreifenden Drama weiter, das vor allem die Unmöglichkeit richtiger Entscheidungen im Angesicht dieser alles zerstörenden Kraft zeigt und auf einer so tristen, traurigen Note endet, die mitnimmt.
]]>Auch wenn Regisseur Karim Aïnouz aus Brasilien stammt, so ist dank des alten Lanthimos-Drehbuchschreibers Efthimis Filippou der Einfluss der Greek Weird Wave auf diese Neuverfilmung von
Marco Bellocchios „Fists In The Pocket“ (1965) nicht zu übersehen. „Rosebush Pruning“ nimmt sich eines „Saltburn“-esquen Milieus an, lässt seine Figuren Pop wie Mode zitieren als wäre man in der deutschen Popliteratur der frühen 90er gefangen, versieht das aber mit soviel absurder Weirdness dass sich Aïnouz Film schon weit aus den üblichen Vergleichsmodellen herauskatapultiert. Da alle durchgeknallten Charaktere in dieser dysfunktionalen Familienaufstellung so weit draußen sind, dass man zu wirklich niemandem mehr irgendeinen menschlichen Bezug herstellen kann, bleibt unter der schönen Oberfläche und der wilden, vor allem auch sexuellen, Provokation des Films wenig Kern übrig, zu dem ein Zuschauer vordringen könnte. Dafür aber vorbildlicher, mehrfacher Einsatz der alten, besten Pet Shop Boys B-Seite „Paninaro“ in ohrenbetäubender Lautstärke, also kann ich andererseits auch nicht klagen. (6/10)
Ich verstehe Ihren Unmut (Kilian Armando Friedrich)
Das Leben in einer Putzkolonne. Heike hat zwar das Glück, immerhin noch Team-Managerin zu sein, aber dennoch ist ihr Tag nur Stress, Arbeit, noch mehr Stress und Kunden, die für Niedriglohn Höchstleistungen erwarten.
Zwar werden die ökonomischen Grundlagen nicht immer nachvollziehbar herausgearbeitet und mancher Dissens nie ganz klar, aber „Ich verstehe ihren Unmut“ ist bewusst ein sozialrealistisches Kino der Überforderung. Zwischen Ken Loach und den Dardenne-Brüdern, aber von noch weiter unten erzählt, ohne jede schönfärberische Eleganz. (6/10)
Wolfram (Warwick Thornton)

Outback-Western, der vor allem den Rassismus der weißen Goldgräber sowie ihre Ausbeutung der indigenen Bevölkerung thematisiert. Warwick Thorntons neuer Film, der hier an seinen „Sweet Country“ von 2017 anknüpft, arbeitet aber die Motivationen seiner Charaktere wenig heraus und verfällt zu stark in klischeebezogene Typisierungen. Auch die wenigen Actionmomente sind kaum mitreissend inszeniert. (4/10)
Isabel (Gabe Klinger)

Sympathischer Slice Of Life – Film aus Sao Paolo, der den Geist des französischen Kinos atmet. Eine Feier des Weins, des Selbstwasmachens, des No-Fuck-Gebens. (6/10)
]]>Charli xcx popkulturerschütterndes Album „Brat“ erhält seine Mock-Documentary-Behandlung.
„The Moment“ erzählt fiktionalisiert, wie Charli xcx vom Ruhm überrannt wird und an den Begehrlichkeiten des Business verzweifelt. Um ein „This Is Spinal Tap“ des zeitgenössischen Electro-Pop zu werden, fehlt „The Moment“ zwar die Entschlossenheit, seine Hauptperson auch der Lächerlichkeit preiszugeben, dennoch wirft ihr Film ein schönes Schlaglicht auf den Wahnsinn des Pop-Musik-Business.
Auch wenn Charli xcx mit „Brat“ ungeahnten Erfolg hatte, so ist sie keine Übernacht-Entdeckung (wir hatten sie hier in einem Artikel von 2012 bereits als Tipp für next big thing, just sayin!). Im Gegensatz zu vielen anderen KünstlerInnen ihrer Sphäre hat sich Charli immer eine coole Edgyness bewahrt, die sie vor zu großer Gefälligkeit schützt. Und genau hier setzt der Film an: durch den einen Sommer beherrschenden Erfolg ihrer Platte wachsen die Begehrlichkeiten des Business, wo verzweifelt überlegt wird, wie aus der giftgrünen Zitrone noch mehr herauszupressen* wäre. Eine Brat-Kreditkarte, klar. Ein Brat-Konzertfilm, sowieso.
„The Moment“ erzählt nun von der versuchten Domestizierung der Charli xcx. Wie versucht wird, aus ihr eine mainstreamtaugliche Taylor zu machen, ihre Konzerte coldplayisiert werden könnten, wie man sie aus dem dunklen Club zerren kann, um sie lieber auf Amazon Prime zu verwursten. Das alles kulminiert vor allem in der Figur von Alexander Skarsgård, der aufs herrlichste seinen Charakter quasi als Jim Carrey, der einen blasierten Konzertfilmregisseur spielt, anlegt.
„The Moment“ ist fast berührend, wird hier doch für eine junge Generation die alte Sell-Out-Diskussion der Punk-Ära noch einmal aufgeführt. Nur dass es hier keine politischen Ideale zu verraten, sondern schlicht die Coolness zu verlieren gibt. Aber wenigstens führt Charli xcx überhaupt noch einen inneren Kampf darum, was sie bedeuten mag und ab wann sie von der Masse aufgefressen wird. Gut, 1 Million Pfund verbrennen wäre sicher ein deutlicheres Statement, aber hey, für Pop in 2026 ist man auch darum schon froh. (7/10)
* es gilt eben auch für Charli xcx der ewige Satz der Plattenfirma an Dr Randfichten von Holzmichel-Fame:
„Was ihr macht, das ist sehr schön, aber da ist viel mehr Saft in der Zitrone, und die würden wir gern mit euch auspressen“.
Die Blutgräfin (Ulrike Ottinger)
Die in der Zwischenzeit 83jährige deutsche Regisseurin Ulrike Ottinger holt noch einmal zu einem großen Alterswerk aus. „Die Blutgräfin“, ihre Erzählung der schön häufiger verfilmten Geschichte der Elisabeth Báthory (unter anderem in einer völlig misslungenen Version von Julie Delpy mit Daniel Brühl, 2009 auf der Berlinale), ist dem Vernehmen nach mit einem Budget von 8 Millionen Euro und einigem Starpotenzial dank Isabell Huppert, Birgit Minichmayr und Lars Eidinger ein erstaunlich großer Wurf. Ottinger gibt sich ganz der Campness ihrer Vampirgeschichte hin, vermeidet dabei aber jedes Abgleiten in Trash-Gefilde. Wie erfrischend es ist, mal einen Film sehen zu dürfen, der handwerklich guter Camp ist! So gut, dass ich selbst eine Conchita Wurst – Performance in einem Wiener Grab anrührend fand (ein Satz, von dem ich niemals dachte, dass ich ihn schreiben würde). Darüber hinaus ist Ottingers „Blutgräfin“ auch eine Hymne auf das alte Wien, seinen Untergrund und nicht zuletzt auf die Buchteln im Café Hawelka. (7/10)
Heysel 85 (Teodora Ana Mihai)
Es ist eine der größten Katastrophen des europäischen Fußballs: das Europapokal-Finale 1985 zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool im baufälligen Heysel-Stadion zu Brüssel. 39 Menschen starben vor Ort, das Spiel wurde dennoch angepfiffen, Juventus zum Sieger gekürt.
„Heysel 85“ spielt in leicht geraffter Echtzeit und verdichtet so die vielen Fehlentscheidungen zur irgendwann unausweichlichen Tragödie. Im Gegensatz zur zeitgenössischen Reaktion, die einen einfachen Sündenbock in den damals (durchaus zu recht) berüchtigten englischen Hooligans fand, zeichnet Regisseurin Teodora Ana Mihai ein breiteres Bild, zeigt die Ignoranz und Eitelkeit der Verantwortlichen vor dem Spiel und ihre völlige Überforderung im Moment des Eskalation. Auch die bis heute große Frage, ob dieses Spiel angesichts der Leichenberge hätte angepfiffen werden sollen, wird in ausgiebigen, uns Zuschauer beinah wahnsinnig machenden, Schuldzuweisungsdiskussionen zwischen den Bürokraten verhandelt.
Ein starker, wuchtiger Film. (7/10)
]]>Biopic über den Jazzmusiker Bill Evans, das sich um drei Schicksalsschläge in seinem Leben gruppiert. Sein Bandmitglied Scott LaFaro stirbt wenige Tage nach einer gemeinsamen, legendären Aufnahme, sein an Schizophrenie leidender Bruder erschiesst sich, seine Lebens- und Heroinfreundin springt vor den Zug.
Grant Gee, der sich bisher einen Namen als Regisseur von Radiohead- und Joy Division-Dokumentationen gemacht hatte, fängt diesen Kampf gegen die Widrigkeiten des Lebens in kühlem Schwarz-Weiss ein (bis auf einige spätere Szenen in grobkörnigem, farbsaturiertem 70ies Look) und dreht so einen toll aussehenden Film, der sich vor allem auf seine drei zentralen Schauspielleistungen stützen kann: Joachim-Trier-Stammschauspieler Anders Danielsen Lie in der Hauptrolle, Valene Kane als verdammte Freundin und – in einem überraschend szenenstehlenden Auftritt – Bill Pullmann als einfacher, trinkfreudiger Working Class Vater des heroinsüchtigen Jazz-Stars.
Für seine 102 Minuten Spielzeit hat „Everybody Digs Bill Evans“ allerdings dann doch zu wenig zu erzählen, konzentriert sich Gee doch über weite Strecken auf einen cold turkey Entzug im elterlichen Haus auf dem Land in Florida. Etwas mehr verrauchtes, verruchtes New York hätte dem Film wahrscheinlich gut getan, damit auch everybody „Everybody Digs Bill Evans“ diggen könnte.
Salvation (Emin Alper)
Eine Geschichte zweier Dörfer: das eine, oben am Hügel, mit einfachen Bauern, das andere, unten im Tal, mit Kaufleuten. Auch wenn „Salvation“ in der Jetztzeit spielt, ist es doch durchzogen von einem archaischen, hierarchischen, patriarchalischen Leben, dessen Leitlinien Religion wie Aberglauben geben. Eine Mischung aus Eifersucht, Tratsch, Neid, Wunden der Vergangenheit und aktuellen ökonomischen Sorgen verführen die Männer zu immer harscheren Reaktionen gegen das Nachbardorf bis es im Wahn zur Katastrophe kommt.
Emin Alper erzählt „Salvation“ wuchtig und alttestamentarisch, neigt aber dazu, sich in manchen Stilmitteln zu verlieren. Auch wenn der Aberglaube natürlich inhärenter Bestandteil der Geschichte ist, wirkt die xte „oh es war nur ein Traum!“-Sequenz dann doch, als würde er einen allzu leichten Weg wählen, um Spannungsspitzen zu setzen. Unnötig, hat die Erzählung selbst doch genug Kraft.
Sleep No More (Edwin)
Volle Kanne Midnight Madness, aber wirklich nicht meine Tasse Tee. Von Beginn an zu nonchalant hinsichtlich seiner Dämonenakzeptanz, konnte ich dieser Kapitalismus-Horror-Allegorie wirklich gar nichts abgewinnen. Nähedtet Verwandter ist wohl noch Sion Sonos Bizarro-Film „Exte“, doch Edwins „Sleep No More“ dreht die Regler noch weiter auf, aber ohne Sonos Gefühl für verstörende Atmosphäre.
Nightborn (Hanna Bergholm)

Postnatale Depression als Horror. Nicht der erste Film, der auf die Idee kommt, die Geburt und ihre Folgen allegorisch zu Ende zu deuten – und auch nicht der Beste.
Am stärksten ist „Nightborn“ in seiner ersten Hälfte, wenn die Anstrengungen des Elternseins, die physischen Härten wie die psychischen Zehrungen deutlich werden, ohne dass bereits ausformuliert wird, wie weit wir hier ins Horror-Terrain wandeln.
Am Ende ist Hanna Bergholms Film – die in ihrem Debüt „Hatching“ bereits Coming-Of-Age in einer (etwas gelungeneren) Horrorallegorie verarbeitete – zu repetitiv und unsubtil, um wirklich zu überzeugen.
]]>Harter Stoff im neuen Film des „Rickerl“-Regisseurs Adrian Goiginger: zwei tote Kleinkinder, eine zerstörte Lebenspartnerschaft und eine überlebende Ehefrau, die irgendwie versucht, dieses unendlich tiefe Loch in ihr zu stopfen. Sie versucht es mit Erinnern, mit Flirten, mit Heulen, mit Lebenbejahen, mit Zusammenbrechen, mit Feiern und letztlich mit dem immer verzweifelter werdenden Versuch, ein weiteres Kind zu bekommen. Lou Reed hatte schon recht in „Like A Possum“: „I got a hole in my heart the size of a truck / It won’t be filled by a one-night fuck“. Valerie Pachner wirft sich ganz in diese Rolle und ohne ihre beinah sture Weiterkämpferei würde dieser Film nicht so viele Schläge (im besten Sinn) landen.
Rose (Markus Schleinzer)
Am Ende des Dreßigjährigen Krieges. Rose versucht sich eine Erbschaft zu erschleichen, will sich niederlassen, sich etwas aufbauen. Der einzige Weg dazu: ein Mann sein. Also ist Rose ein Mann, als sie in das kleine Dörfchen kommt, um in der Rolle des gefallenen Kameraden eine Erbschaft zu beantragen. Nach erster Skepsis überzeugt Rose durch harte Arbeit, gut bestellte Felder und einen Kampf gegen einen Bären. Sie wird zu einem der starken Männer des Dorfes. Doch dann kommt die Gier. Rose will mehr. Mehr Länder, mehr Auskommen, mehr Leben. Sie stimmt zu, sich zu diesem Zwecke mit der Tochter eines anderen Grundbesitzers zu verheiraten. Doch nun? Die Ehe muss vollzogen werden, der Nachwuchs muss sprießen.
Markus Schleinzer inszeniert diese von wahrer Historie inspirierte Trans-Köpenickiade in strengem Schwarz-Weiß und so naturalistisch, dass beim Zusehen der Feldarbeit schon Schwielen an den Händen entstehen. Sandra Hüller brilliert in der Hauptrolle, gerade weil sie die falsche Männlichkeit gar nicht ausstellt, sondern in die Introspektive arbeitet, ins Schweigen. Ebenso stark ist Caro Braun als Ehefrau, die zunächst kindliche Naivität versprüht, aber mit jeder weiteren Minute andeutet, dass doch mehr Eigenwille und Sturheit in ihr steckt als Zuschauer – und Dorfbewohner – vermuten. Unerwartet erzeugt Schleinzer immer wieder Momente des Humors in all der Tragik und weckt manchmal Erinnerungen an Herzogs 70er-Jahre-Filme circa „Kaspar Hauser.
Ein starker Film, dem sowohl das Einleben in das Damals gelingt als auch über seine Geschichte deutlich genug politische Signale an das Jetzt sendet, vom glass ceiling des weiblichen Aufstiegskampfes bis zu Diskussionen über die Binarität von Geschlechtern. Das alles in knackigen 90 Minuten erzählt, in einem großen Bogen von Beginn bis Ende.
Der beste Film des Berlinale-Wettbewerbs bisher.
Staatsschutz (Faraz Shariat)

Eine junge Staatsanwältin mit asiatischem Migrationshintergrund wird von Nazis bei einem Brandanschlag verletzt. Ihre eigene Behörde verschleppt aber die Ermittlungen, so dass sie sich gezwungen sieht, auch mit illegalen Mitteln gegen die Nazi-Bande vorzugehen.
Sein Herz hat Faraz Shariats Film sicher am rechten bzw. linken Fleck, aber sein Film ist mehr laute Anklage als subtile Erzählung. Viel wird in „Staatsschutz“ ausformuliert und die Zeichnung aller Charaktere ist in heftigstem Schwarz-Weiß gehalten. Das applaudierende Gerichtssaal-Publikum nach wertigen Reden kann hier als Illustration für fehlende Subtilität dienen. Sicher gut gemeint und zurecht auf die Strukturen wütend, aber dem Zuschauer nun wirklich nicht viel eigene Meinungsbildung zutrauend.
Chronicles From The Siege (Abdallah Alkhatib)

Mehrere sich verschränkende Kurzgeschichten einer Stadt unter Belagerung.
Zerbombte Häuser, Hunger, Schwarzmarkt. Solidarität unter Leidenden gibt es ebenso wie den Kampf Jeder gegen Jeden ums Überleben.
Abdallah Alkhatib wirft einen Blick auf die unmenschlichen Verhältnisse, die eine im Krieg eingeschlossene Stadt und ihre Bewohner durchleben müssen. Nach ziemlich anstrengendem Beginn, der den Film auf mehreren Ebenen ans kaum Erträgliche bringt, gewinnt sein Film in der Mitte dank einer Geschichte beinah eine gewisse Leichtigkeit, wenn ein Casanova verzweifelt versucht, unter widrigen Umständen doch noch zum Stich zu kommen: „Sex & The Siege“, sozusagen. Die letzte Episode wirft dann wieder zurück in die härtesten Härten, wenn ein viel zu schlecht ausgestattetes Krankenhaus verzweifelt versucht, irgendein Menschenleben zu retten und am Ende sogar Blut von frisch Verstorbenen zapft, um es den Lebenden zu geben.
Was, wenn sich der nigerianische Prinz zurückverliebt? „Paradise“ erzählt eine verschachtelte Geschichte um zwei Welten. Eine im Westen, eine in Afrika – und wie sie sich überschneiden. Dabei taucht Regisseur Jérémy Comte tief in die Scammer-Szene Ghanas ein, hat aber einige überraschende Wendungen in petto (und eine sehr schöne Szene, die rassistische Vorurteile des Zuschauers vorführt, wenn ein junger Weißer von einem Ghanaer durch verwinkelte Gassen vorgeblich zur Polizei gebracht wird. Denn was passiert? Er zeigt ihm wirklich einfach den Weg zur Polizei!). Immer wieder kippt sein Film in (alb-)traumhafte Szenerien ab, die einen erstaunlichen Gegensatz zum sonst realistischen Blick auf das Leben in Ghana ergeben. Überzeugend.
Enjoy Your Stay (Dominik Locher & Honeylyn Joy Alipio)

Enjoy Your Stay wirft einen Blick auf die unwürdigen Arbeitsbedingungen illegaler Philippinos als Reinigungskräfte in einem Schweizer Bergressort. Als sich die Situation zuspitzt, muss eine dieser Arbeiterinnen, die verzweifelt versucht, Geld für die junge Tochter daheim zu verdienen, eine Entscheidung treffen: moralische Bedenken über Bord werfen, um der Tochter womöglich ein besseres Leben verschaffen zu können – oder loyal zu ihren Kolleginnen sein und gegen das sie alle unterdrückende System kämpfen? Leider erzählen die beiden RegisseurInnen Dominik Locher & Honeylyn Joy Alipio ihre Geschichte doch recht konfus, dass man als Zuschauer nicht immer recht die Hintergründe einschätzen kann. Das macht – gerade in diesem soziorealistischen Kontext – den Film nicht besser, sondern schwächt seine Kraft.
Don’t Come Out (Victoria Linares Villegas)

Krude Mischung aus queerer Coming-Of-Age-Erzählung und Horrorfilm, der mit einer platten Metapher das homophobe Establishment von Eltern bis Polizei in der Dominikanischen Republik anklagt. Als Horrorfilm zu lachhaft, als Coming-Of-Age-Drama nicht mit der nötigen Tiefe.
Red Hangar (Juan Pablo Sallato)
Die Nacht von Pinochets Militärputsch gegen Allende an einer Militärakademie. Der Allende-Ally & Kommandant ist zerrissen zwischen Loyalität zum fallenden Regime und Überlebensdrang, soldatischer Korrektheit und Menschlichkeit. In strengem Schwarz/Weiss gefilmt, ist Red Hangar ein weiterer Film, der aktueller wirkt als er sein sollte und die bedrohlichen Kipppunkte einer Gesellschaft ins Zentrum rückt. Gegen Ende vielleicht zu soldatisch-kühl, um emotional zu treffen.
]]>Sam Rockwell als Penner aus der Zukunft reist in die Gegenwart, um in einem Diner eine Kampfestruppe gegen die Vernichtung der kommenden Welt durch Handys, KI, Teenager oder whatever zusammenzustellen (so genau weiß das der Film auch nicht, jedenfalls GEGEN DIE MODERNE WELT!).
„Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ schafft es zugleich, ein origineller Weirdo-Trip zu sein, aber das doch immer auf die plattest denkbare Weise. Wie das Internet-Meme, das gestern der letzte Schrei war und morgen von deinem unlustigen Kollegen in der Arbeits-WhatsApp-Gruppe geteilt wird. Das ist sehr oft sehr nervig, ganz selten ein bisschen lustig, zugegebenermassen zwischendurch auch ein wenig originell, aber am Ende auch nicht mitreissender als die letzte schlechte Stephen-King-Verfilmung.
How do you do, fellow kids?
¯\_(ツ)_/¯
(4/10)
A Prayer For The Dying (Dara Van Dusen)
Es beginnt mit einem toten Hund am Wegesrand und geht abwärts von hieran für die nächsten 90 Minuten. Dara van Dusens Depri-Western suhlt geradezu im beeindruckend aufgetragenen Schmutz, den Krankheiten, dem Blut und dem Niedergang bis selbst eine Feuerwalze schon wie Erlösung wirkt. Lässt man sich auf diesen Abstieg in die Hölle ein, ist „A Prayer For The Dying“ durchaus intensiv in seinem Insistieren, immer noch den nächsten Tiefschlag zu setzen. Lediglich das Ende, das ins Phantasmagorische gleitet, zu einem Apocalypse Past wird, entgleitet van Dusen dann doch. Irgendwann hat man genug Elend beobachtet, dass man nicht einmal mehr die Welt brennen sehen möchte. (6/10)
Gelbe Briefe (İlker Çatak)
Das Private ist politisch, na klar, doch das Politische zieht auch ins Private: Ein progressives Ehepaar aus der Kuenstler- und Intellektuellen-Szene Ankaras – er Theaterautor & Professor, sie Buehnenstar – trifft die volle Wucht eines autoritaeren Regimes, nachdem beide die ueblichen Gefaelligkeiten verweigern, zu Demonstrationen gehen und sich auf Social Media aeussern. Stuecke werden abgesetzt, Professorenstuehle entzogen und letztlich gar mit einer Anklage wegen Anstiftung zu Terrorismus gewedelt. Was macht das mit dem Binnenkonstrukt einer Beziehung? Wie sehr vermag ein autoritaerer Staat einen Keil auch in das innigste Verhaeltnis zu treiben, selbst wenn man sich politisch doch einig ist? Das ist die interessante Frage, die Ilker Catak in seinem ersten Film seit dem auslandsoscarnominierten Erfolg „Das Lehrerzimmer“ stellt. Zwar benoetigt er lange und nicht unbedingt notwendige zwei Stunden zur Verhandlung dieses Punkts, doch gerade die letzte halbe Stunde ueberzeugt in ihrer Dringlichkeit, in diesem vor allem von Özgü Namal stark gespielten Film. (6/10)
]]>Kabul, kurz vor der Übernahme der Taliban. Die patente Naru lebt in Trennung von ihrem Mann und arbeitet beim Fernsehen. Doch sie will mehr: mehr vom Leben, mehr vom Job. Sie arbeitet sich hoch im Beruf und begegnet dort auch einer möglichen romantischen Zukunft. Doch dann ziehen die USA ihre Truppen ab, die Taliban übernehmen und alle Hoffnungen auf ein besseres Leben, auf einen guten Mann kommen in Gefahr. Shahrbanoo Sadats dritter Spielfilm ist (mal wieder) eine seltsame Wahl für eine Berlinale-Eröffnung. Zwar ist der politische Backdrop interessant, doch spielt „No Good Men“ größtenteils wie eine harmlose RomCom, Vibrator-Scherze unter Freundinnen inklusive. Nett, aber auch egal? (5/10)
My Name (Chung Ji-young)
Einerseits eine Geschichte über Mobbing an der Schule, andererseits über die Traumata einer Mutter. Wie die beiden Erzählstränge zusammenpassen? War für mich auch am Ende des Films nicht klarer. Das Anliegen des Films liegt sicher in der Anklage vergangener Verbrechen in der koreanischen Geschichte, überzeugender ist aber die Schulszenerie, die seltsame Hackordnungsrituale und Schlägereien unter den Teenagern einfängt. (4/10)
Raging (Ryan Machado)
Das stumme Schreien. Wohl noch kein Film mit dem Titel „Raging“ war so still und in sich selbst versunken wie dieser philippinische Film über einen jungen Mann, der eine Vergewaltigung erlitten hat. Er läuft durch Wälder, stiert auf Meere, schweigt die Umgebung an. Selbst die späte Eskalation glimmt mehr als dass sie brennt.
Wenig überraschend führt das auch zu keinem Film, der in irgendeiner Art sich dem Zuschauer vermitteln oder den Schmerz transportieren könnte, auch weil die Schauspieler auf einem Ton spielen und ihren Figuren kaum Tiefe geben. Ryan Machado findet schon einige gute Bilder, aber fehlt ihm beispielsweise eine weitere Ebene, die jemand wie Apichatpong Weerasethakul in seinen ja nicht minder ruhigen Film immer andeutet. (3/10)
]]>1. Streets Of Minneapolis – Bruce Springsteen
2. Hallelujah – Case Oats
3. Seven Degrees – Friko
4. Frühstück bis Zehn – Ansa Sauermann
5. Melancholia – Frau Lehmann
6. Slumber Party – Brigitte Calls Me Baby
7. Schwer – Jule
8. Hair On Coffee – Cousines Like Shit feat. Farce
9. Ich habe nichts gemacht (außer weiter) – Die Sterne
10. Back To The Country – Pyncher
11. Keine Zukunft – Nils Keppel
12. Automate Me – Speed Week
13. Täglich grüßt die Monarchie – S3xverbot
14. Gong Show – Night Court
15. Schmetterlinge Im Bauch – Oska Wald
16. Blackbirds – Naked Lunch
17. Au Pays Du Cocaine – Geese
18. No Whiskey – Matching Outfits
19. Niemand – Kapa Tult
20. Sex And The City – Audrey Hobert
21. Down So Bad – Tyler Ballgame
22. There’s no such thing as england – Pollyfromthedirt
23. Zärtlich werde ich dich verlassen – Oehl feat. Die Heiterkeit
24. Time Will Make You Change – Enola
25. Ghosts Haunting – Twins In Colour
26. Life At The Hollywood Bowl – Fortuna Ehrenfeld
27. Wiener Tauben – Churro64 feat. Luisa Schweig
28. (Es ist) Grau überm Hermannplatz – Das Lunsentrio
29. Adam & Steve – Man/Woman/Chainsaw
30. T Shirt – David Byrne
31. Venus In Furs – Hairpin
32. Deutsches Kino – AUGN
33. Niets Gaat Verloren – Maria Iskariot
Die Fine Young Cannibals wurden aus der Asche der britischen Ska-Band The Beat geboren. Bassist David Steele und Guitarist Andy Cox gründeten 1984 gemeinsam mit Sänger Roland Gift Fine Young Cannibals. Die New Wave – Einflüsse waren ihnen immer anzuhören und doch brachte Roland Gift eine Soul-Note ein, die FYC in ihren besten Momenten zum besten Amalgam aus Pop, Soul, New Wave und 80ies-Sound machten.
Selbst ihre Buzzcocks-Coverversion „Ever Fallen In Love“, vor der ich früher einen regelrechten Horror hatte, habe ich in der Zwischenzeit in ihrer trockenen 80ies-Funk-Idee liebgewonnen!
Hoch erfreut jedenfalls, dass mit Roland Gift einer meiner 80ies-Helden nun hier in diesem kleinen Fragebogen gastiert:
* Your three favourite Punk singles/songs?
** “Complete Control” – The Clash,
** “Ever Fallen in Love with someone you shouldn’t have” – The Buzzcocks,
** “God save the queen” – The Sex Pistols
* A record that will make you dance?
“Teardrops” – Womack and Womack
* Your favourite song lyrics?
“Sign ‘O’ the Times” – Prince
* Your favourite song about rebellion/revolution?
“Power to the people” – John and Yoko
* Your favourite movie about music – and why?
Amadeus, great music.
* Dexys Midnight Runers, Style Council or The Housemartins – which one do you prefer and why?
Dexys Midnight Runers, they’d be the best fighters.
* Your favourite artist/band from Birmingham ever?
Dexys Midnight Runers
* The best song you’ve ever written / recorded?
“Top of the World”
* Your favourite german song/record?
“Trans Europe Express” – Kraftwerk
* Your favourite record of all time?
“Try a little tenderness” – Otis Redding
Das Best Of Album „FYC40“ von FINE YOUNG CANNIBALS ist bereits erschienen:
Schön stylish und mit einem guten Nine Inch Nails – Score gesegnet hat „Tron: Ares“ im Gegensatz zu anderen Action-Blockbustern schon Vorzüge, spielt aber letztlich doch einfach zu viel in der realen Welt. Zudem hatte ich nie den Eindruck, dass der Film seine eigenen Regeln ernst nimmt. Alles wirkt wie wie eine Reihe von McGuffins, damit sich eben der Plot nach vorneschlängelt und Jared Leto in stylishem Anzug gegen andere TypInnen in stylishen Anzügen kämpfen kann.
Nicht dass der Ur-„TRON“ jetzt ein Grundwerk der abendländischen Philosophie gewesen wäre, aber „Ares“ hat nun wirklich gar kein Interesse an all den anderen Layern seiner Geschichte, so lang nur das Krach Bumms Bäng stylish aussieht. Schade, denn heute wäre eine tiefere Betrachtung über virtuelle vs echte Welt, Programme mit Intelligenz & der Frage, was Leben wirklich ausmacht, doch sogar noch notwendiger als 1982. (5/10)
The Rip (2026, Joe Carnahan)
Netflix
Ein Cop-Thriller der alten Schule. Zu Beginn wird eine Polizistin ermordet und die eigene Abteilung fragt sich, ob hier womöglich korrupte Kollegen im Spiel sein könnten. Als überraschend ein „Stash House“ mit Millionen an verstecktem Drogengeld gefunden wird, scheint „The Rip“ zunächst einen „Assault On Precinct 13“-Dreh zu entwickeln, also die alte Geschichte des Häufleins Aufrechter gegen die von außen anstürmenden böswilligen Massen erzählen zu wollen. Doch dann stellt „The Rip“ auch die Gemeinschaft innerhalb des Hauses in Frage und sucht dort nach Verrätern. Diese ersten zwei Drittel sind spannend und für einen Netflix-Actionfilm mit erfreulich wenig Augenzwinkern gedreht. Leider entgleitet Joe Carnahan sein großer Showdown am Ende, wenn nun endlich enthüllt wird, wer hier die ganze Zeit eigentlich gegen wen arbeitet, und versandet so im Beliebigen.
Aber dennoch einer der besseren Action-Filme der letzten Zeit. (6/10)
Dust Bunny (2025, Bryan Fuller)
Kinostart 19.2.
Der erste Ausflug auf einen Kino-Regie-Stuhl für Bryan Fuller, der sich als Creator von „Hannibal“ bis „Star Trek: Discovery“ einen Fernsehnamen gemacht hatte.
Das erfreuliche an „Dust Bunny“ ist, wie bereitwillig er sich zwischen die Stühle setzt. Auftragskiller, Kinderfilm, Monstermovie. Alles drin, in einem Style der „Amelie Wick“, gedreht von Zach Snyder, sagt.
Leider kommen die verschiedenen disparaten Elemente aber nie wirklich zusammen, so dass die Monster nicht grauslig, die Actionszenen nicht spannend und die Kinderszenen nicht familygerecht genug sind. (5/10)
Ein einfacher Unfall (2025, Jafar Panahi)
im Kino
Durchaus bemerkenswert wie gut Jafar Panahis verboten, guerillastyle gedrehter Film aussieht. Würde man die Vorgeschichte nicht kennen, es wäre nicht zu bemerken. Aber auch hinsichtlich der Bewertung der Güte des Films scheint mir, dass die Vorgeschichte hier seinen Part dazu beiträgt. Denn natürlich hat Panahi ein starkes Anliegen und ist gerade jetzt das Aufbegehren gegen Unterdrückung im Iran wichtig. Doch so wirklich kommen die Einzelteile in „Ein einfacher Unfall“ nicht wirklich zusammen, stört mich der leise Humor im Mittelteil und sind mir einige Charaktere zu schrill.
Die letzte Minute ist allerdings wirklich meisterlich. Selten hat ein Film seinem Ende mit so wenig so viel Ambiguität aufgeladen! (5/10)
Hidden Agenda (1990, Ken Loach)
amazon prime
„Hidden Agenda“ von 1990 ist ein ungewöhnlicher Eintrag in Ken Loachs Filmographie. Zwar klar politisch, aber diesmal nicht als Drama des Sozialrealismus, sondern als Verschwörungsthriller.
Loach beleuchtet einerseits den Irland-Konflikt (und schlägt sich eindeutig auf die Seite der grünen Insel) und erzählt zweitens von einer größeren Verschwörung im Hintergrund, die tatsächlich auf realen Tatsachen beruht und aus heutiger Sicht beängstend an Trumps Weg zur zweiten Präsidentschaft erinnert.
Man merkt Loach schon an, dass er nicht zwingend für das Genre des Polit-Thrillers geboren wurde, so dass „Hidden Agenda“ manchmal etwas mehr Zug vertragen könnte, aber dennoch ein interessanter Blick auf die „troubles“. (6/10)
The United States of Leland (2003, Matthew Ryan Hoge)
auf Joyn
„The United States of Leland“ beruht in seiner Grundstruktur auf „Der Fremde“ von Camus, handelt also von einem jungen Mann, der einen motivlosen Mord begeht. Wie in „Der Fremde“ ist der Kern auch von „The United States of Leland“ das Sich-selbst-Befragen des Warums. Nur spielt dieser frühe Ryan-Gosling-Film wie eine Teenie-Emo-Version des Camus-Klassikers, was ja erstmal nicht ganz fehlplatziert sein könnte, denn „Der Fremde“ dürfte sicher zu jenen Büchern gehören, die gerade dem orientierungslosen und am Sinn von Leben & Welt zweifelndem Teenager ein steter Begleiter sind.
Fragwürdiger ist aber, dass „…Leland“ das Fragen und Suchen von Camus auf eine simple „Traurigkeit im Leben aller“ herunterdimmt und damit die Idee des Buch doch arg simplifiziert. Unabhängig von der Vorlage gesehen schlägt das durchaus dennoch seine emotionalen Haken, aber lässt auch leicht unbefriedigt zurück. Zudem erweitert „…Leland“ die problematische Wirkung des Mordes sogar noch (die ja durchaus auch in der Vorlage schwierige Untertöne anklingen ließ, siehe die Missverständnisse, die The Cures „Killing An Arab“ hervorgerufen hat), indem ich die Tat eigentlich gar nicht anders als „Euthanasie aus Empathie“ interpretieren kann, eine Haltung die sich der Film am Ende zwar nicht zueigen macht, aber emotional durchaus als nachvollziehbar präsentiert. (5/10)
Das Verhör (1981, Claude Miller)
zur Leihe
Eine Silvesternacht, zwei tote Mädchen, drei Menschen in einem Verhörraum.
Mehr benötigt Claude Miller nicht, um ein Kammerspiel um erloschene Liebe und Tod zu bauen.
Bis auf einige wenige Szenen spielt „Das Verhör“ in einem Raum des Kommissariats, doch Miller schneidet für wenige Sekunden kurze, stille Szenen von außen ein, während sich Polizei und Verdächtiger umkreisen. Ein Leuchtturm in Wind, eine Leiche am Strand. Nicht mehr. Und doch so effektiv.
In der zweiten Hälfte nimmt „Das Verhör“ eine überraschende Wendung, womit ich nicht einmal einen Plottwist meine, sondern mehr die gnadenlose Traurigkeit, die sich über die Szenerie legt, wenn der Verdächtige von der Leere in seiner Beziehung spricht. Miller blendet einen einsamen Gang ein, an dessen Ende das Licht durch eine verschlossene Tür schimmert.
Liebe ist kälter als der Tod, wie ein anderer Regisseur einmal so treffend formulierte. (7/10)
]]>A brief and incomplete list of places where you can expect to hear Small Talk by Whitney: Hotel lobbies. Hotel elevators. Your local CVS in 10 years. A restaurant that sells three tacos for $25 and serves them on a stainless steel zigzag. A Spotify mix titled “Chill Vibes Indie Road Trip” between a song by an AI-generated classic rock band and “Home” by Edward Sharpe and the Magnetic Zeros. Antidepressant commercials. (…) Maybe that’s unfair — Whitney’s personality-free soft rock isn’t just a soundtrack for asking your doctor if this medication is right for you; it could just as easily sell orange juice or laundry detergent. Who says Whitney lack range? (…)
In its best moments, Small Talk is pleasant background noise. “In the Saddle” and “Evangeline” are pretty enough. The latter barely taps the potential of guest vocalist Madison Cunningham, leveling the playing field of the duet and leaving Cunningham’s normally dynamic voice sounding shallow and unmemorable. (…) Each track sways into the next at a similar tempo and with similar intensity, which is to say none. (…) Small Talk is as unobjectionable as music can be, but to call it “inoffensive” would be spiritually false: I will be offended when I’m in a public place and one of these songs is foisted on me at the mercy of some vibes-forward algorithm—that is, if I can recognize what’s playing.“
(Review von Grace Robins-Somerville bei Pitchfork)
]]>Aber auch auf ihren eigenen Platten sind HEALTH mit ihrer ganz eigenen Mischung aus stampfenden Drums, treibendem Rhythmen und krachenden Gitarren immer wieder aufs Neue faszinierend. Wir haben HEALTH eine handvoll deutschsprachige Songs vorgespielt:
Brutalismus 3000 – Die Liebe kommt nicht aus Berlin
B3K are probably my fav artist right now so I’ve heard this chune before. Ive never seen a music video of them before doe.
Voodoo Beach – Meine Seele
2023 seems to be a good year for German synth pop + post punk inspired musics. The last revival we were around for had very bad production sound…all this stuff sounds very good.
Gewalt – Schwarz Schwarz
Feeling the music video it’s got a naughty aughties (00s) throwback vibe and the main riff being really reminiscent of Daft Punk’s „Da Funk“ (not from the 00s but very relevant for that time). I assume this is all intentional.
Die Selektion – Zeuge aus Licht
I’m noticing a trend of these German videos having high production value and excellent title FX.
Nils Keppel – Wellblech
You can get handguns in Germany? Guys being dudes I suppose.
(Antworten: Johnny Famiglietti / Bass, Keys, Programming)
Das neue Album von HEALTH, „Conflict DLC“, ist Ende Dezember erschienen
Frühere Ausgaben von German Blind Date:
– WHITNEY
– Hidden Cameras
– ASH
– Saint Etienne
– Big Special
– We Are Scientists
– Herman Dune
– Hot Chip
– die Wave Pictures
– Adam Ant
– Maximo Park
– The Stranglers
Park Chan-Wook bleibt einer der einfallsreichsten Stilisten des Kinos weltweit: wieviele überraschende Übergänge, kreative Kamerafahrten und tolle Tableaus der Südkoreaner hier baut! Ein Feuerwerk kreativer Ideen. Da verblasst die Geschichte des Films dagegen, eine kapitalismuskritische Farce, die nach langsamen Beginn immer grotesker wird. „Parasite“ mag inhaltlich ein naheliegender Referenzpunkt sein (nicht nur aufgrund der südkoreanischen Herkunft, die beiden Filmen hinsichtlich ihres Blicks auf die Gesellschaft eingeprägt ist), doch Parks „No Other Choice“ franst mehr aus. (7/10)
The Strangers: Chapter 1 (2024, Renny Harlin)
auf Amazon Prime
„Chapter 1“, der dritte Teil von „The Strangers“ ist, wie der Titel schon andeutet, eher ein Re-Start und damit Beginn einer neuen Trilogie (wer immer das bestellt hat?).
Wobei Re-Start, Remake, Sequel, Whatever ja gerade beim „The Strangers“-Grundkonzept an sich schon absurd ist, liegt der Kern der Strangers-Geschichte doch gerade in seiner Nicht-Geschichte. Was den originalen Home-Invasion-Slasher von 2008 damals so unglaublich effektiv und nervenzerreissend spannend gemacht hatte, war ja gerade der völlig fehlende Rahmen, in dem seine Grausamkeiten stattfinden. Dadurch wurde „The Strangers“, zumindest im ersten Versuch, auf ein existentialistisches Moment zurückgeworfen, das jegliche Traumata zur Begründung von Täter- und Opfer-Handlungen ausgelacht hätte. „The Strangers“ war ein maskentragender Mittelfinger der elevated Horror – Idee gegenüber.
Die pure Bösartigkeit seines Ansatzes hat zwar den ersten Aufschlag so effektiv ins Feld gebracht, aber ergibt natürlich bei jedem Folgeversuch weniger Punktgewinne. So bleibt „The Strangers: Chapter 1“ auch bestenfalls ein vom alten Fährensmann Renny Harlin ganz ordentlich inszenierter 08/15-Slasher, dem jegliches Mehr fehlt. Dass Harlin zudem die meisten Jump Scares schlicht aus „jetzt ist er da! jetzt ist er weg! jetzt ist er dort“-Inszenierungen gewinnt, die man beim ersten Mal vielleicht noch erschreckend (Duschszene!), aber bei jeder weiteren Verwendung zunehmend ärgerlich findet, mindert auch das rein handwerkliche Lob, wenn man das mal so nennen will. (5/10)
Blutige Seide (1964, Mario Bava)
auf Amazon Prime
Ein farbenprächtiger Giallo und zugleich Gründungswerk des Genres. Mario Bavas Thriller von 1964 legt bereits all die Grundsteine, auf denen das Giallo-Genre die nächsten 15 Jahre fußen wird: Ein lederhandschuhter Serienkiller, eine Riege an mysteriös schauenden Verdächtigen, absurde Plotwists, Blut und Brüste.
Vor allem stilistisch ist „Blutige Seide“ vielen seiner Nachfolgern überlegen, hat dank Bavas Händchen für Farbkombinationen einen prächtigen Look, den vielleicht nur Argento in diesem Genre noch übertroffen hat. Im Gegensatz zu späteren Giallo-Filmen ist die Sleazyness noch nicht so weit im Vordergrund, aber dafür wirkt „Blutige Seide“ eben auch nicht wie ein billig heruntergedrehtes Serienkillerfilmchen, sondern fast schon opulent. Die Spannungsschraube hätte Bava zwar für mein Gefühl mehr andrehen können, aber dennoch bleibt „Blutige Seide“ eine Empfehlung. (6/10)
The Last Horror Film aka Maniac 2 (1982, David Winters)
auf Amazon Prime
„The Last Horror Film“, der in den USA unter dem treffenden Titel „Fanatic“ und in Deutschland unter dem unsinnigen Namen „Maniac 2“ vermarktet wurde, ist ein recht faszinierender Früh-80er-Slasher, der vor allem durch seine guerillastyle gedrehten Backdrop-Szenen während des Cannes-Filmfestivals eine weitere Ebene gewinnt, die ihn doch recht einzigartig machen.
Im Zentrum der Geschichte steht Vinny, ein New Yorker Taxifahrer, der so gern Horror-Regisseur wäre. Besessen von der Idee, die Schauspielerin* Jana Bates zu überzeugen, in seinem nichtexistenten Film mitzuspielen, fährt er nach Cannes und belästigt Agenten, Produzenten, Schauspieler bis er gänzlich durchdreht. Joe Spinell (aus „Maniac“, daher der deutsche Titel) brilliert hier, weil er den verschwitzten Wahnsinn seiner Figur so greifbar macht. Hier ist nichts außerweltlich oder mysteriös, sondern Spinell einfach ein lebendiges Bild ans Ende gedachter menschlicher Obsession, die sich dank der Demütigungen des Alltags in wilden Wahnsinn zuspitzt. (7/10)
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* herrlich ist die kurze Szene der Cannes-Jury-Sitzung, die einen Horrorfilm anschaut, und folgend sich auf einer Stimmkarte zwischen „Jana Bates“ und Meryl Streep für beste Schauspielerin des Festivals entscheiden muss.
Im Schatten von Roubaix (2019, Arnaud Desplechin)
in der ARTE Mediathek
Sieht nicht nur aus wie eine überlange TV-Folge einer beliebigen Fernseh-Krimi-Serie, „Im Schatten von Roubaix“ ist auch ähnlich elanlos erzählt. Dass sich die anfangs noch halbwegs interessante Verschränkung verschiedener Storylines am Ende schlicht in einem sehr sehr langen, repetititven Austausch zwischen Polizei und einem verdächtigen Paar erschöpft, mag vielleicht mit gutem Willen als realistische Abbildung von Polizeiarbeit angesehen werden, zur Unterhaltung oder irgendeinem anderen filmischen Mehrwert trägt das nicht bei.
Zusätzlicher Malus-Punkt: die fürchterliche Erkan&Stefan-Synchronisation der deutschen Fernsehfassung, die alle Figuren mit migrantischem Hintergrund schlimm radebrechen lässt. (3/10)
The Wanderers (1979, Philip Kaufman)
auf Amazon Prime
Mehr Needle Drops als in „American Graffiti“!
„The Wanderers“ erzählt über das Vehikel von Gang-Streitigkeiten vom Erwachsenwerden in den frühen 60ern und durchsetzt die immer etwas comichaft überzeichnete Grundthematik mit großer Nostalgie für eine verloren gegangene Zeit, die sich vor allem dank der 60ies-Jukebox-Hits von Dion bis The Angels ins Herz bohrt.
Doch Generation um Generation bleibt es dabei, dass irgendwann die Harschheit des Erwachsenwerdens eintritt und die wilde Unbekümmertheit der Jugend an den Nagel gehangen werden muss wie die formschöne Jacke deiner Teenie-Gang. Zuweilen übertreibt es Philip Kaufman mit der Karikatur des Ganglebens, aber in den einzelnen Figuren steckt schon genug individuelles Sehnen nach einem guten Leben, dass sein Film am Ende trotzallem genügend schwermütige Noten anschlägt, um ernst genommen werden zu können.
P.S.: in meinem Kopf waren „The Wanderers“ und „The Warriors“ immer der gleiche Film. Jetzt erst gemerkt, dass beide im gleichen Jahr mit ähnlichem Titel und auf ersten Blick gleichem Sujet erschienen sind, aber doch zwei grundverschiedene Werke sind. (6/10)
Kompromat (2022, Jérôme Salle)
auf Amazon Prime
Klischeebeladener, aber auf einem wahren Fall beruhender „Unschuldiger kommt ins Gefängnis“-Film, der hier den besonderen Twist hat, dass das Gefängnis in Russland liegt und der Unschuldige Franzmann ist.
Bei all seiner Vorhersehbarkeit effektiv genug gemacht, um ordentliche Genre-Kost zu sein. (6/10)
]]>* Your three favourite Punk singles/songs?
Not sure if these count as pure punk but
** Janitor by Suburban Lawns,
** Waiting Room by Fugazi, and
** KKK Took My Baby Away by The Ramones.
* A record that will make you dance?
My prized possession is a pressing of Fela Kuti’s Afrodisiac. You can’t help but move! I don’t know why it’s not played at every party.
3. Your favourite song lyrics?
“Suzanne” by Leonard Cohen.
There are heroes in the seaweed, there are children in the morning
They are leaning out for love and they will lean that way forever
While Suzanne holds the mirror
* The best “new” artist / band right now?
It’s probably cliché to say by now, but Geese is really exciting. The sounds they’re pulling from and the energy they have when the play together…it’s palpable. And the writing is dark and playful and holds the weight of their humanity.
* Your favourite song about rebellion/revolution?
I still think the Beatles’ “Within You, Without You” is as revolutionary today as it was in the 60’s. East meets West. The insanity of the ego. Most people live their whole lives within the framework of their own ego and never actually see anything or anyone.
* Your favourite song this year so far? (or of last year)
I love Alex G’s “Afterlife”. It’s so infectious and is such a natural step in his career. I play it over and over. I’m a big fan.
* Your favourite movie about music – and why?
There’s a great documentary from 1979 called “From Mao to Mozart” in which American violinist Isaac Stern goes to China immediately after the cultural revolution. The way he speaks about music and shows how universal its themes are is beautiful! Music is sacred and always a bridge!
* Roy Orbison, Baby Huey or Smokey Robinson – which one do you prefer and why?
Roy Orbison! He had such a sad life and you can feel it instantly. He uses so many colors on his palate and his writing is so unique. Some of THE great songs and performances.
* The best song you’ve ever written / recorded?
I’m very proud of my debut record. “For The First Time, Again” seems to reach a lot of people when we play it live.
* Your favourite German song/record?
Mozart’s Queen of the Night Aria from the Magic Flute. Does that play on solid gold oldies radio in Germany?
* Your favourite record of all time?
Joanna Newsom’s Milk Eyed Mender. She’s a master of her craft and her imagination is unbound.
„For The First Time, Again“, das Debütalbum von Tyler Ballgame, ist gerade erschienen
Die Dokumentation von Chris Smith erzählt die Geschichte der Band relativ straight, aber informativ, und widersteht dem sicher uncontrollable urge genauso cookie wie die Band selbst sein zu wollen. Das mag manchmal vielleicht zu ambitionslos für ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk wie DEVO wirken, lässt aber andererseits eben die Band und all ihre verrückten Ideen für sich sprechen.
Smith gelingt so auch, die durchaus politischen Ambitionen der Band freizulegen, die zwar einerseits ja immer offen ausgesprochen waren („Devolution“!), aber irgendwie unter diesen Plastikhüten und der nerdy Quirkiness in der Wahrnehmung verschütt gegangen sind. Das visuell so überzeugende Konzept der Band arbeitete manchmal gegen ihre eigenen Ambitionen, was die Dokumentation hier wieder explizit nach vorne bringt.
]]>Besser als das letzte Gervais-Special, das nicht etwa wegen seiner Provokationen problematisch gewesen wäre, sondern mehr weil die Hälfte von „Armageddon“ klang, als würde Ricky die Bühne des Auftritts nur nutzen, um widerspruchsfrei mit seinen Twitter-Trolls streiten.
Immer noch ist er hinsichtlich Free Speech etwas zu diktatisch, was natürlich in 2025 bei einem Ricky-Gervais-Special auch wirklich überflüssig ist, denn das ist nun wirklich standup to the converted.
Im letzten Drittel dann amüsant, wenn Gervais Backgroundstories zu seinen legendären Golden-Globe-Moderationen erzählt.
Versöhnlicher als vor 2 Jahren, aber auch keine Schenkelklopfer-Parade. (6/10)
Abigail (2024, Tyler Gillett & Matt Bettinelli-Olpin)
auf Prime
Ein Film, der komplett in zwei Teile zerfällt. Der erste Part ist ein schöner Entführungskrimi mit oceanseleviger Bandenbesetzung, der zweite Teil leider Vampirquatsch. Hat für mich überhaupt nicht zusammengepasst, könnte vielleicht noch etwas besser funktionieren, wenn man den Twist nicht erwarten würde, was aber dank Marketing & Filmbildern unmöglich war. (5/10)
Cerro Torre: Schrei aus Stein (1991, Werner Herzog)
auf JOYN
Ein oft vergessener, wenig geliebter Herzog-Spielfilm, der in seiner Filmographie schon allein deshalb eine Sonderstellung einnimmt, weil Werner hier ein fremdes Drehbuch verfilmt. Sein langjähriger Kompagnon Walter Saxer war hauptsächlich für das Script verantwortlich, nach einer Idee von Reinhold Messner. Herzog war aber wohl unglücklich über das Drehbuch, denn er hat sich auch später darüber beschwert, dass er inhaltlich nicht genug ändern durfte.
Gerade der Mittelteil dieser Geschichte um zwei Extrem-Bergsteiger im Wettkampf um Gipfel und Frau zieht sich doch sehr, wirkt ganz ziellos. Aber Herzog gelingen im letzten Drittel wirklich faszinierende Bilder, wenn die beiden Hauptfiguren auf den Kampf gegen die Natur zurückgeworfen werden. Was Herzog gerade gegen Ende filmt, gehört zum Besten des Bergfilms.
P.S.: Bemerkenswert ist auch die kuriose Besetzung des Films. Neben Hollywoodstars wie Donald Sutherland und Brad Dourif spielt der deutsche Freeclimber Stefan Glowacz quasi eine extreme Version seiner selbst und das italienische Kantgesicht Vittorio Mezzogiorno* seinen Gegenspieler um das Herz der „Lifeforce“-Sexbombe Mathilda May. Und Amelie Fried moderiert die Talkshow dazu.
* Mezzogiorno gewann den Hauptpreis in Venedig für seine Performance (6/10)
Die Kammer der toten Kinder (2007, Alfred Lot)
auf Prime
Heftige Giallo-Vibes in diesem Bizarro-Thriller aus Frankreich!
In seiner ersten Hälfte, wenn der Film zwei zunächst nicht zusammenhängende Geschichten über eine Kindesentführung und eine Autofahrt mit tödlichem Ausgang erzählt, ist „Die Kammer der Toten“ auch dank einer äußerst präsenten Mélanie Laurent wirklich überzeugend.
Als der Giallo-Lederhandschuh über die Geschichten zu streicheln beginnt, war ich noch feuerflammiger als zuvor. Doch dann verliert sich Alfred Lot mit seinem Film in wirklich zu vielen Subplots, die immer absurder werden, und manchmal (Babymord!) dann auch Grenzen überschreiten, die nicht nötig gewesen wären, um seinen Film zum Ende zu bringen. (5/10)
Martin (1977, George A. Romero)
auf Prime
Äußerst ungewöhnlicher Vampir-Film vom Zombie-Großmeister George A. Romero.
„Martin“ ist mehr eine atmosphärisch bedrückende Geschichte über einen älteren Teenager, der keinen Zugang zu Menschen, Liebe oder Sex findet. Ob Martin nun wirklich ein Vampir ist oder sich nur selbst dieser Illusion hingibt, um so als Anderes Ich einen Drang ausleben zu können, den er in seinem normalen Selbst nicht auf gesunde Weise erleben kann, bleibt lange im Ungefähren. Gespiegelt wird dies durch seinen Onkel, der selbst einem Vampirjagd-Wahn erlegen ist und mit Kirche, Kreuz und Knoblauch die Umtriebe des Enkels zu bannen sucht.
Vielleicht wird „Martin“ am Ende doch etwas zu eindeutig, um gänzlich im Ungefähren zu bleiben – was mir lieber gewesen wäre, denn das letztliche Ende der Geschichte hätte doch weit mehr Kraft, wenn der Wahn und nicht der Vampir real gewesen wäre? (7/10)
Edgar Wallace – Das Rätsel des silbernen Halbmonds (1972, Umberto Lenzi)
auf Prime
Zwar offiziell noch der als letztes gedrehte Edgar-Wallace-Film aus der Rialto-Ära, aber sowohl inhaltlich als auch stilistisch ein klassischer italienischer Giallo von Umberto Lenzi. Da blitzen die Messer im Gegenlicht, fuchteln die Lederhandschuhe im POV! Als Zugeständnis für die deutschen Edgar-Wallace-Ecke darf dafür aber Uschi Glas die Hauptrolle bekleiden. Zwar hat „Das Rätsel des silbernen Halbmonds“ deutlich mehr Style, Sleaze und Nacktheiten als die betulich-kuriosen deutschen Edgar-Wallace-Filme, aber so richtig spannend ist dieser Ausflug vom nebligen London ins sonnendurchflutete Rom auch nicht geraten, auch wenn das Urteil des Lexikon des internationalen Films dann doch zu hart ist: „Langweiliges Trivialkino ohne Witz und Tempo.“ (5/10)
Kinjite: Forbidden Subjects (1989, J. Lee Thompson)
auf Prime
Nicht so herrlich durchgeknallt wie die 1983er Bronson-Thompson-Kollaboration „10 to midnight“, aber immerhin unterhaltsamer als ihre sehr öde „Death Wish 4“-Zusammenarbeit. Die Actionszenen leiden natürlich wie schon im zwei Jahre zuvor gedrehten „Death Wish“-Sequel darunter, dass Bronson in der Zwischenzeit als 69jähriger selbst für einen 80ies-Faustkampf zu gerontig wirkt, so dass „Kinjite“ hinsichtlich Schauwerte wirklich nichts liefert.
Es gibt allerdings Untertöne, die den Film unangenehm machen können. Den Rassismus gegenüber Asiaten nehme ich mal dahingehend hin, dass er im Film selbst thematisiert wird und, zumindest für Bronson-Verhältnisse, gar am Ende als überwunden gelten darf. Doch der bizarre Dialog zwschen Bronson und einem Pfarrer, der doch recht deutlich zwischen den Zeilen tendenziell pädophile Inzest-Neigungen bespricht, ist schon, eh, eigen für den Helden eines Films. (5/10)
Damit ist die Sache für mich erledigt (1979, Jean-Jacques Annaud)
Es gibt verhältnismäßig wenig Spielfilme aus dem Fußball-Umfeld.
Jean-Jacques Annaud, später Weltruhm dank „Der Name der Rose“, drehte 1979 „Damit ist die Sache für mich erledigt“ über einen Spieler von Trincamp, dem durch Machenschaften seines eigenen Präsidiums eine Vergewaltigung untergeschoben wird.
Natürlich spielt das als Komödie (Frankreich!). Tonal wirklich oft befremdlich und nicht einmal mit ‚aus der Zeit gefallen‘ begründbar. Positiv bleiben eigentlich nur zwei Aspekte zu vermerken: die Fußballszenen sind mit ihrer angenehmen End70er-Fußball-Patina gelungen gefilmt und Hauptdarsteller Patrick Dewaere überzeugt als Hitzkopf with a cause. (4/10)
]]>Gewalt: Limiter
this kind of reminds me of The Fall when they discovered electronic equipment. The opening of the video also looks like it could’ve been filmed somewhere on the outskirts of Manchester. Very well trained horse.
Die Nerven: Barfuss durch die Scherben
This is the only band I’m somewhat familiar with. Love the classic 2010s indie rock vibe twinned with German language and krautrock themes.
Friends Of Gas. Ewiges Haus
This one scared me a little bit.
Trying to think of a sonic comparison but it’s so weird that I can’t.
I like how the raspy vocals end up so intense.
Messer: Taucher
the singer really sounds like a German David Byrne which is obviously epic. This video must have been crazy to film… surely it wasn’t in Germany?
Human Abfall: Überkatze
this is cool it reminds me of a heavier version of Blumfeld (my favourite German band). The drums almost sound like they were recorded in a different building to everything else which gives a nice lo-fi edge.
Tolerantes Brandenburg: Es regnet Kaviar
I thought this song was gonna sound something like Ween for some reason because the title made me laugh. I love the way this is recorded, honest and punky and lovely.
(Antworten: Gitarrist Eddie Green)
Das neue Album von Shame ist bereits erschienen:
Mehr von Shame:
* My Favourite Records
In der Hauptrolle channelt Hazel O’Connor als Punksängerin stilistisch nicht nur Siouxsie & Nina Hagen, sondern wirkt zuweilen wie ein Blueprint für den Daryl-Hannah-Look aus dem zwei Jahre später entstandenen „Blade Runner“.
Ein interessanter Brückenschlag der Generationen findet durch die Besetzung der zweiten Hauptrolle statt: Phil Daniels, der junge wilde Mod aus „Quadrophenia“, versteht zwar als Musikmanager-in-waiting Punk weder als Musik noch Bewegung der nächsten Generation, aber sieht eben durchaus ihr Potenzial. So wieselt er sich mit der Band in genau jene Strukturen, die ihnen zwar Breitenwirkung versprechen, sie aber letztlich auch zerbrechen werden.
„Breaking Glass“ ist so ein vielschichtiger Snapshot eines Punkts in der Zeit, der aber – wie überraschend viele ernsthafte Punk-Filme der frühen 80er – bei aller Wildheit doch eine große depressive Note anklingen lässt.
Breaking Glass, UK 1980
Regie: Brian Gibson
zu sehen: bei Amazon Prime
Mehr als zwei Millionen Platten hat die Essener Band bis heute verkauft. Neue Alben („Hate über alles“, schöner Titel!), ein Dokumentarfilm („Hate & Hope“) sowie eine Biographie („Your Heaven, My Hell„, geschrieben von Mille Petrozza mit dem ehemaligen Spex-Chefredakteur Torsten Groß als Co-Autor. Wo bleibt hier „Hate“ im Titel?? Inkonsequent!) vervollständigen die Kreator-Festspiele der jüngsten Vergangenheit. Gerade ist ihr sechzehntes Studioalbum „Krushers of the World“ erschienen.
* Die drei besten Punksongs/-singles?
** Dead Kennedys – California über Alles,
** Misfits – Skulls,
** Slime – Etikette tötet
* Ein Song, der Dich immer zum Tanzen bringt?
Misfits – Last Caress
* Sodom, Tankard oder Accept – und warum?
Accept – Die letzte Metal Band aus Deutschland
* Die interessanteste / beste „neue“ Band/Künstler ist?
Witch Club Satan
* … und was ist so großartig an dieser Band/Künstler?
Musste dir mal anhören.
* Deine liebste deutschsprachige Textstelle?
„Mein Freund, der Baum“ von Alexandra
* Der beste Song über Revolte, Aufruhr und Revolution?
Buffalo Springfield: „ For what it´s worth“
* Der beste Song, den Du je geschrieben / aufgenommen hast?
„Krushers of the World“
* Der beste Film über Musik? Und warum?
Control. Unter anderem wegen seiner dunklen Atmosphäre.
* Das beste Buch über Musik?
Please Kill Me von Legs McNeil
* Der beste Song in diesem Jahr ist …?
„Never Enough“ von Turnstile
* Die beste deutsche/deutschsprachige Platte?
Ideal – „Ideal“
* Die beste Platte aller Zeiten?
Fields of the Nephilim – „The Nephilim“
Das neue Album von Kreator ist am 16.1.26 erschienen:
Nachdem 18 Jahre zwischen dem zweiten und dem dritten Teil der „28 … Later“-Reihe lagen, sind es diesmal gerade sechs Monate. „The Bone Temple“ knüpft auch inhaltlich direkt an „28 Years Later“ an, als unser junger Held von einer Gruppe weirder Jimmy-Saville-Lookalikes gerettet und belästigt wurde. Parallel dazu erzählt „The Bone Temple“ auch die Geschichte des Architekten des Menschenknochen-Memorials weiter. Später im Film werden sich diese beiden Storylines bei einem wahrlich wahnsinnigen Showpiece zu Iron Maidens „The Number Of The Beast“ kreuzen, das selbst für „28 Years Later“-Verhältnisse so weit drüber ist, dass es schon die Grenze zur Selbstparodie überschreitet.
Dennoch ist dieser neue „28“-Film deutlich unangenehmer als seine Vorgänger, weil bis auf den kleinen Jungen hier nun wirklich niemand mehr zu sehen ist, der nicht vom Wahnsinn befallen ist. Insbesondere die Saville-Gang sitzt in ihrem lauten Sadismus so unangenehm, weil sie natürlich anfangs durchaus noch als Identifikationsangebot dient bis der Zuschauer dann einigen Häutungen (im wörtlichen Sinn) später in seiner Sympathie doch zum durchgeknallten Doktor-Knochentempel-Architekten wandert.
Im Grunde greift „The Bone Temple“ damit auf das Ur-Thema von „28 Days Later“ zurück: homo homini lupus est. Schlimmer als die Zombies ist nur der nächste Mensch, den du triffst. Tödlich sind beide, doch der Mensch hat noch seinen sadistischen Spaß im Moment deines Endes. (6/10)
Sentimental Value (2025, Joachim Trier)
im Kino
Kernelement von Joachim Triers Filmograpie ist die Lostness seiner Figuren im Älterwerden. Diese Verlorenheit in den Jahren 20ff fängt Trier in vielen seiner Filmen so punktgenau ein wie kein anderer Regisseur der letzten Jahre. Von „Auf Anfang“ über „Oslo, 31. August“ bis zu seinem großen Durchbruch „Der schlimmste Mensch der Welt“ drehen sich seine Filme immer wieder um diese Orientierungslosigkeit, die fehlenden Anker und das Nichts in einem selbst.
Zwar ist auch in „Sentimental Value“ eine junge Frau mit Anfang 30 im Zentrum der Geschichte, aber erstmals fokussiert Trier sich nicht ausschließlich auf diese Perspektive, sondern wirft gleichberechtigt einen Blick auf ihren Vater und formuliert hier einen Hintergrund zu den ständigen Fragen nach dem Warum aus seinen Filmen.
„Sentimental Value“ spielt dabei mehr wie eine Sammlung von kleinen Episoden aus zwei Leben und wie diese eine emotionale Wechselwirkung erzeugen, die beide Figuren in gegenseitiger, ungewollter Abhängigkeit zeigen. Dabei wirkt Trier diesmal versöhnlicher, was für mich die emotionale Wirkung etwas verringert, und sind vielleicht zu viele Motive im Film aufgenommen, die sich nicht alle stringent durch diese Momente ziehen. (7/10)
Sirāt (2025, Oliver Laxe)
zur Leihe
Ein älterer Vater sucht mit seinem vielleicht 12jährigen Sohn die auf ihren Wegen ins Hippie-Techno verschwundene erwachsene Tochter. Die beiden ziehen verzweifelt von Event zu Event, um sie wiederzufinden. Als sie den Tipp bekommen, dass sie vielleicht auf einem Wüsten-Rave tanzen könnte, schließen sie sich einer Karawanen-Kommune an und fahren ins heiße Nichts.
Lange geschieht wenig in diesem Film, der sich der hypnotischen Eintönigkeit des Techno auch in seinen Bildern und Geschichte hingibt. Doch wenn der Bass droppt bzw. das erste Leben fällt, erschüttert das bis ins Herz. Von hier an, gut eine Stunde im Film, hört Oliver Laxe mit „Sirat“ nicht mehr auf, die Szene eskalieren zu lassen bis zu einem Ende im Nichts, in dem selbst die Bewegung, der Tanz und die Euphorie nur noch Explosion und Tod bedeuten können.
In seiner existentialistischen Leere und Gnadenlosigkeit fühlt sich „Sirat“ an, als hätte Antonioni ein „Lohn der Angst“-Remake mit Techno-Hippies gedreht. Ein phänomenaler Film, einer der besten des Jahres. (8/10)
Presence (2024, Steven Soderbergh)
Neben „Black Bag“ drehte Steven Soderbergh im letzten Jahr noch einen zweiten Genre-Riff. Während ersterer geschickt die Doppeltäuschungen des Agentengenres zu Beziehungsaufstellungen nutzte, arbeitet „Presence“ sich nun am Haunted-House-Film ab, um Trauma und Familienzusammenhalt zu bespielen (was natürlich im Grunde praktisch jede Horrorfilm dieser Tage versucht). „Presence“ hat zudem den Gimmick, diese Familiengeschichte ausschließlich aus der POV des Geistes zu erzählen (Kamera übrigens auch Soderbergh unter seinem alter ego Peter Andrews).
Wirklich stark wird sein Geisterfilm aber eigentlich durch die realen Ereignisse des Films, die von Bullying und Machtwahn unter Jugendlichen erzählen und auf überraschende Art eskalieren. (7/10)
Soldaten des Lichts (2025, Julian Vogel & Johannes Büttner)
in der ZDF-Mediathek
Eine im Cinema-Verité-Stil gedrehte Dokumentation über Wellness-Influencer aka Schlangenöl-Scharlatane.
Die Regisseure Büttner/Vogel lassen alle Szenen unkommentiert laufen, haben aber natürlich dank der Insta-erfahrenen Protagonisten sowieso Menschen vor der Linse, die mit großer Selbstverständlichkeit ihren absurden Schmonz absondern. Tragisch dagegen die armen Seelen zu sehen, die diesen Menschenfängern in die Arme laufen.
Eine Stärke des Films ist auch zugleich seine Schwäche: für mich war oft unklar, wie diese verschiedenen Szenen nun ein größeres Netz ergeben, wie die Reichsbürger mit den Ultra-Veganern zusammenhängen und wo noch mal der Crypto-Bro herkommt. Andererseits wird so auch subtil gezeigt, wie ein Einstiegstor in diese Welt genügt, um sich auch in all dem anderen Wahnsinn zu verlieren. (6/10)
Der Fremde (2025, François Ozon)
im Kino
Obwohl Albert Camus einer der bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts ist, sind Verfilmungen seiner Werke dünn gesät. Aber nicht ohne Grund: beim Großmeister der existentialistischen Literatur geht es meist um innere Prozesse, um das Sich-selbst-Befragen der Akteure, was sich nur schwer visualisieren lässt. Das gilt auch für seinen berühmtesten Roman „Der Fremde“, auch wenn dieser auf den ersten Blick eigentlich ja ausreichend Plotpunkte bieten würde: eine heiße Affäre, ein kalter Mord, eine Gerichtsverhandlung, ein Urteil. Aber das ist nur die Oberfläche der Geschichte, die der Hauptfigur Meursault den Rahmen bietet, um über Fragen der Sinnhaftigkeit von diesem oder einem anderen Leben nachzudenken.
Auch Ozon scheitert letztlich daran, diese Ebene genug zu ergründen. Während die erste Hälfte des Films, die uns in ein paar Tage im Leben des jungen Meursalt entführt, ziemlich gelungen die heiße Stadt und den erfrischenden Strand sowie Meursaults dortiges, antriebsloses Dahinleben zeigt, das aber mehr aus einer philosophischen Konsequenz denn aus simplem Slackertum entsteht, scheitert die zweite Hälfte von Gerichtsverhandlung bis letztlichem Ende daran, Meursaults Zweifeln an Gott, der Welt und dem Sinn die nötige Tiefe zu geben.
Eben die zärtliche Gleichgültigkeit der Welt auch in Bilder zu übersetzen.
I can turn and walk away, or I can fire the gun
Staring at the sky, staring at the sun
Whichever I choose, it amounts to the same
Absolutely nothing
Bugonia (2025, Yorgos Lanthimos)
zur Leihe
Mit seiner zunächst recht geradlinigen Geschichte um die Entführung einer Pharmazie-Firmenchefin scheint „Bugonia“ der zugänglichste aller Filme von Yorgos Lanthimos, des Großmeister der Greek Weird Wave, zu sein.
Doch natürlich gibt sich Lanthimos nicht mit einer Coen-esquen Geschichte um zwei Trottel zufrieden, die sich an ihrem Masterplan heillos verheben. Denn „Bugonia“ ist auch politischer Kommentar zur Jetztzeit, dem Verschwörungswahn und den Rabbit Holes des Internet. Aber noch viel stärker wirkt er als Analyse des Neokapitalismus und wie entmenschlicht dieser hinter seiner aalglatten Atmosphäre wirkt, wirft man durch Lanthimos Augen einen Blick darauf.
Die Performances sind mit die besten des Jahres: der eh immer gute Jesse Plemons spielt sich hier in Philip Seymour Hoffman – Höhen und Emma Stone ist in der Genauigkeit ihrer Ausdrucksfähigkeit kaum minder faszinierend.
Dennoch hat mich „Bugonia“ weder so richtig gepackt noch genug verstört, verdient aber sicher auch noch einen zweiten Blick. (6/10)
Hollywood 90028 (1973, Christina Hornisher)
auf mubi
Ungewöhnliche Mixtur aus Exploitation und Liebesmelancholie. Der Porno-Kameramann mit Kindheitstrauma flaniert durch die dunkelsten Ecken von Los Angeles und ermordet bei den Liebeleien seine Partner. In zwei längeren Sequenzen sehen wir Mark und die beiden respektiven Flirts einen schönen Tag miteinander verbringen und bei emotionaler Annäherung zu, doch dass am Ende Mark eben nur Morden statt Lieben vermag.
Diese Gleichzeitigkeit aus Sex, Porno, Tod und schönen, in ausgiebiger Länge beobachteten Flirts ist wirklich anders, weil die Sleaze-Komponente so gar nicht zur liebevollen Annäherung in den Tagesmomenten passen mag. Das verstört durchaus, hat aber auch seine Längen.
Das Ende von „Hollywood 90028“ ist allerdings dann in der letztlichen Akzeptanz der eigenen Unmöglichkeit wirklich maximal trostlos (positiv gemeint). (5/10)
]]>Gut fünf Jahre hat es von der ersten EP bis zum Debütalbum gedauert (erstmals haben wir auch schon 2022 über die Band und ihren Liveauftritt „als wär Morrissey Frontmann von New Order“ geschrieben & sie in unsere Jahres-Best-Of-Playlist aufgenommen), aber vor allem die beiden Songs, die das Album eröffnen und beschließen, waren die lange Wartezeit wert. Opener „Dipped“ hat die angesprochene Lässigkeit von Casablancas-esquen-Vocals und „Colt“ ist ein schöner Lovers on the run – Track.
* Your three favourite punk singles / songs?
** Title Fight – You Can’t Say Kingston Doesn’t Love You
** The Jam – In the City
** The Saints – Stranded
* A record that will make you dance?
Nelly Furtado – Loose
* Your favourite song lyrics?
Neil Diamond – Solitary Man (though the Johnny Cash version is better)
* Your favourite song about rebellion / revolution?
Radio Birdman – New Race
* Your favourite song this year so far? (or of last year)
2hollis – Two Bad
* Your favourite Australian artist / band ever?
Divinyls
* The best song you’ve ever written / recorded?
Best and Fairest
* The Strokes, The Smiths or New Order – which one do you prefer & why?
The Smiths. Even though Morrissey is a pain, they created something odd and unique in the best way. They evoke a whimsical sadness no other band can touch.
* The best ‘new’ artist / band right now?
Tongue Dissolver:
Raw, expressive, uncompromising Australian rave-punk. Their notorious live performances and energy are insane.
* Your favourite movie about music – and why?
DIG! An obvious choice, but it was hugely inspiring as a kid. It’s wild seeing how often the most dysfunctional, cooked people make the most amazing music. (And obviously: team BJM — the Dandys are mid.)
* Your favourite German song / record?
Amon Düül – Wolf City (the clarinet solo on “Jailhouse Frog” is mind-melting)
* Your favourite record of all time?
The Velvet Underground (self-titled)
(Antworten: Luke Scott und Rory Trobbiani)
Das selbstbetitelte Debütalbum von HighSchool ist bereits erschienen:
Weder als Aufarbeitung der RAF-Eskalation noch als Charakterdrama überzeugend, aber dank seiner Grundgeschichte und dem manchmal wirklich fehlgeleiteten Willen, verschiedenste disparate Elemente in einen großen Mixer zu werfen, auf seltsame Art durchaus unterhaltsam – wenn das denn der Anspruch für einen Film über Stammheim sein kann.
Lilith Stangenbergs Gudrun Ensslin ist als einzige Figur überzeugend. Bei Bader tritt Regisseur Niki Stein in die alte Falle, ihn nur als rauchenden Macho-Trottel mit offenem Hemd und wallendem Brusthaar zu zeigen, was natürlich jegliche Faszination, die ja von ihm ausgegangen sein muss, für den Zuschauer völlig rätselhaft werden lässt. Die bizarrste Entscheidung ist wohl, Ulrike Meinhof als fetthaariges Mauerblümchen darzustellen, bei der weder ihr intellektueller Anspruch noch ihre Präsenz als wichtige Figur der radikalen Linken nachvollziehbar wird.
Will man irgendwie verstehen, wie und warum die 70er in Deutschland so waren, dann hilft „Stammheim – Zeit des Terrors“ noch weniger weiter als Uli Edels Hochglanzgangsterpistole „Baader Meinhof Komplex“ (beide übrigens mit Stefan Austs Mitwirkung geschrieben).
Hierzu bleibt immer noch der Blick von außen der Maßstab: „Une Jeunesse Allemande – Eine deutsche Jugend“ des französischen Regisseurs Jean-Gabriel Périot. (6/10)
Der Tiger (2025, Dennis Gansel)
amazon prime
Was wie „Das Boot“ in einem Panzer beginnt (und in seiner Begeisterung für den Weltkriegsfilmmeilenstein sogar soweit geht, mit dem tonnenschweren Kriegsgerät eine Tauchfahrt durchzuziehen), endet als Reise in die Fisternis und letztlich die erlösenden Flammen. Als „Apocalypse Now“ an der Ostfront, als phantasmagorischer Albtraum. Dadurch gewinnt Gansels Film doch noch mal eine zusätzliche Qualität, die ihn von einem nur gut gemachten Kriegsfilm abhebt und mehr überzeugt als noch zu Beginn gedacht. (7/10)
Cover-Up (2025, Laura Poitras & Mark Obenhaus)
Netflix
Ich weiß nicht so recht, warum ausgerechnet Laura Poitras wohl so etwas wie die neue Errol Morris geworden ist: eine politische Dokumentarfilmerin, die auch in Arthouse-Zirkeln hoch geschätzt wird (Hauptpreis in Venedig, Oscar, regelmäßig bei Sight & Sound platziert).
Denn wie schon ihre beiden großen Erfolge zuvor über Edward Snowden („Citizenfour“, noch ihr bester) und Nan Goldin („All The Beauty & The Bloodshed“) erzeugt auch ihr neuer Film über den Enthüllungsjournalisten Seymour Hersh ständig das Gefühl, dass hier eine viel interessantere Geschichte versteckt wäre, würde sich Poitras mehr fokussieren und nicht immer zu viel in ihren Film packen. Im besten Fall kann man die vielen Themen in „Cover-Up“ noch als Statement in sich sehen, dass sich die Vertuschung der Autoritäten ständig wiederholen und Hersh eben immer wieder das nächste versteckte Fass aufmachen musste.
Aber war die erste halbe Stunde, als Hersh konzentriert von seinem großen ersten Coup erzählt – der Enthüllung des Massakers von My Lai während des Vietnamkriegs – nicht viel interessanter als die späteren Sprünge durch ein Hersh’sches Leben? (5/10)
Criminal Squad 2: Pantera (2025, Christian Gudegast)
Netflix
Auch die Fortsetzung von „Criminal Squad“ liefert solide Action, die viele der üblichen Fehler des Genres vermeidet. Keine allzu große Oneliner-Huberei, nicht zu viel Testosteron-Geschube, kein allzu behämmerter Plot.
War das Original von 2018 ein ziemlicher „Heat“-Rip-Off, der am Vergleich mit dem großen Vorbild natürlich scheitern musste, ist „Criminal Squad 2“ eigenständiger und hat als Centerpiece einen elaborierten Heist. Gerard Butler als charismatisches Rauhbein überzeugt so weit, dass man ihm selbst die innere Zerrissenheit als Undercover-Cop abnimmt, der sich fragt, ob nicht vielleicht doch die andere Seite seine natürliche Heimat wäre. (6/10)
Roofman (2025, Derek Cianfrance)
zur Leihe
Ein Feelgood-Film, der doch zugleich ein Feelsad-Film ist. Selten wurde ein Verbrecher warmherziger gezeichnet als in Derek Cianfrances „Roofman“, der die wahre Geschichte eines Einbrechers erzählt, der McDonald’s-Schuppen überfällt, später aus dem Gefängnis flüchtet, sich heimlich in einem Toys’R’Us einnistet und dort Spielsachen klaut, um sie an die Kinder einer nahegelegenen Kirche zu verschenken.
Channig Tatum verzichtet hier auf seine Sexsymbol-Ausstrahlung und gibt überzeugend in einer karrierebesten Performance den wohlmeinenden, auf die falsche Spur gekommenen Everyday Joe. Was „Roofman“ von einer Kleingangster-Geschichte abhebt, ist die durchwegs berührende Sehnsucht nach einer Familie, die Tatums Charakter durch den Film leitet. Vom Versuch, seinem eigenen Kind einen schönen Geburtstag zu bereiten und dafür in McDonald’s-Filialen einzusteigen, bis zur körperlich spürbaren Enttäuschung, wenn durch die folgende Inhaftierung seine Familie den Kontakt abbricht. Diese Telefonate schmerzen wie nichts anderes in diesem Kinojahr und begründen zugleich die zweite Hälfte des Films, wenn das Sehnen nach einer Ersatzfamilie sowohl Diebstahl wie die letztliche Dummheit, die zur Ergreifung führt, verständlich macht.
Schön, dass Derek Cianfrance 15 Jahre nach dem berührenden „Blue Valentine“ noch einmal so die Herzensglocke klingen lässt. (8/10)
Warfare (2025, Ray Mendoza & Alex Garland)
zur Leihe
In „Warfare“ versucht Alex Garland einen neuen Blick auf Krieg, indem er strikt aus der Situation von verzweifelt um ihr Leben kämpfenden, eingeschlossenen Soldaten erzählt. „Warfare“ zielt auf eine „Assault On Precinct 13“-Klaustrophobie, will das Eingeschlossensein und die verzweifelten Versuche, die Verletzten zu evakuieren, körperlich spürbar machen. Das erzeugt einerseits durchaus eine große Intensität, aber so sehr unterscheidet sich Garlands Ansatz dann am Ende eben doch nicht von den Heldengeschichten anderer Kriegsfilme.
Seltsam und im Ton fehlplatziert ist das Ende, das einige Making-Of-Szenen zeigt, die von den realen Soldaten beaufsichtigt werden, und gleitet hier in eine Bro-Kumpelei ab, die so gar nicht zum Film passen will. (6/10)
Oddity (2024, Damian McCarthy)
zur Leihe
„Oddity“ ist ein Horrorfilm mit – wie im Titel versprochen – vielen Merkwürdigkeiten, die manchmal nicht ganz zum gleichen Ziel führen, aber auf diesem Weg erstaunlich viel Wirkung zeigen.
Die vereinzelten Jump Scares sind wirklich erschreckend, die Atmosphäre ist durchgängig düster-weird, die Twists überraschend. Da nickt man auch die völlige Nonchalance ab, mit der die Charaktere es akzeptieren, dass eine golemhafte Holzfigur per Post zugeschickt und in der Folge einfach an den Wohnzimmertisch gesetzt wird – sowie die sich dadurch natürlich abzeichnende, folgende Holzfiguren-Eskalation, die dann „Oddity“ doch etwas zu arg ins Overthetoppity-Terrain führt.
Dennoch: einer der beunruhigendsten Horrorfilme des Jahres. (8/10)
Jay Kelly (2025, Noah Baumbach)
Netflix
Noah Baumbachs „Wilde Erdbeeren“, nur halt mit George Clooney als Hollywoodstar auf Lebenserinnerungsreise in die Toskana statt wie bei Bergman Victor Sjöström als Professor durch Schweden.
So ungefähr fühlt sich auch der Unterschied zwischen Bergmans heftigem Ewigkeitsfilm und Baumbachs eitler Soft-Variante an. Dank Clooney ist das alles nicht ohne Charme, aber wegen Clooney ist auch kaum Fallhöhe zu entdecken. Was sind denn die großen Lebensverfehlungen, die dieser schöne Mann auf seiner Reise innerlich zu bewältigen hat? Bei einem Vorsprechen besser gewesen, zu viele Filme gedreht, die gemeinsame Therapiesitzung mit der Tochter bei deren durchgeknalltem Schamanen nicht durchgestanden?
Baumbach findet in diesem Melodram nie die richtige Tiefe, um – wie bei Bergman – den Zuschauer selbst in tiefste Zweifel zu stürzen, ob wirklich das richtige Leben gelebt wurde, ob man Schuld auf sich geladen hat und welche Menschen auf dem eigenen Weg verletzt wurden. Und ob all die Verfehlungen und Weggabelungen nicht vielleicht doch letztlich einem Sinn ergaben oder zumindest eben ein Leben gefüllt haben. Clooneys Charakter sitzt dagegen am Ende bei einem Filmfestival in der Toskana im Kino, um einer Montage seiner eigenen Hits zuzusehen. (5/10)
]]>

Deutsche Endjahrescharts Singles
Interessant: gleich zwei heimische Acts in den Top 3 mit Oimaras Kinderfasching/Karneval/Apres-Ski-Hit „Wackelkontakt“ und Zartmann. Das mehr als 600.000mal verkaufte „Wackelkontakt“ war sechs Wochen auf Platz 1 und ist der erste Nummer-1-Hit in Bairisch seit „Skandal im Sperrbezirk“ der Spider Murphy Gang 1982 (eine schöne Analyse des Liedes findet sich hier in der FAZ: „Die Avantgarde kommt heute aus dem Après-Ski„).
„Mr Brightside“ der Killers erfreut sich nun, wie auch schon seit Veröffentlichung 2003 in England, eines langen Lebens und ist 22 Jahre nach Veröffentlichung tatsächlich der 51. erfolgreichste Song des Jahres.
1 Oimara: Wackelkontakt
2 Rosé / Bruno Mars: APT
3 Zartmann: Tau mich auf
4 Alex Warren: Ordinary
5 Huntr/X / Ejae / Audrey Nuna / Rei Ami / KPop Demon Hunters Cast: Golden
6 Linkin Park: The Emptiness Machine
7 Jazeek: Akon
8 Gracie Abrams: That’s So True
9 WizTheMc x Bees & Honey: Show Me Love
10 Lola Young: Messy Island
…
11 Lady Gaga & Bruno Mars Die With A Smile
14 Billie Eilish: Birds Of A Feather
17 Lady Gaga: Abracadabra
26 Tom Odell: Another Love
27 Linkin Park: In The End
43 Linkin Park: Numb
51 The Killers: Mr Brightside
71 David Guetta & Alphaville & Ava Max: Forever Young
Deutsche Endjahrescharts Album
Leicht bizarr ist die deutsche Vorliebe für Linkin Park, die man so weder in UK noch in ihrem Heimatland USA sieht. Gleich zwei Linkin Park – Alben finden sich unter den zehn meistverkauften Platten des Jahres.
Mit Kontra K, Ayliva und Jazeek sind drei heimische Acts in den Top 10 vertreten.
Nirvana (#41) und Arctic Monkeys (#64) sind weiterhin Longseller, insbesondere bei den Arctic Monkey verwundert das hierzulande doch, hatten sie doch selbst bei Veröffentlichung von „AM“ nie die Größe wie in UK. Überraschend tauchen die Dire Straits mit ihrem 85er-Album „Brothers In Arms“ in den Top100 auf und Fleetwood Mac erleben weiterhin eine Renaissance.
Bemerkenswert noch, dass Kraftklub mit ihrem Ende November erschienen neuen Album „Sterben in Karl-Marx Stadt“ sogar in die Top50 vorstoßen konnten.
1 Taylor Swift: The Life Of A Showgirl
2 Linkin Park: From Zero
3 Soundtrack KPop Demon Hunters
4 Billie Eilish: Hit Me Hard And Soft
5 Kontra K: Augen träumen Herzen sehen
6 Linkin Park: Meteora Warner Music
7 Gracie Abrams: The Secret Of Us
8 Ayliva: In Liebe
9 Taylor Swift: The Tortured Poets Department
10 Jazeek: Most Valuable Playa
…
11 Lady Gaga: Mayhem Interscope
14 Linkin Park: Hybrid Theory
15 Roland Kaiser: Marathon
41 Nirvana: Nevermind
47 Kraftklub: Sterben in Karl-Marx Stadt
64 Arctic Monkeys: AM
77 Dire Straits: Brothers In Arms
83 The Cure: Songs for a lost world
89 Linkin Park: Minutes To Midnight
94 Florence & The Machine: Everybody Scream
97 Fleetwood Mac: Rumours
100 Sabaton: Legends
Fleetwood Mac sind in Großbritannien gleich mit vier Songs in den Top 100 des Jahres 2025 vertreten. Im Jahr der Oasis-Tour finden sich zwar auch die beiden großen Hits der Manchester-Brüder in den Top100, aber man hätte jene fast höher erwartet als #86 und #88. „Mr Brightside“ pflichtgemäß mit #31 weiterhin enorm beliebt. Positive Überraschung: späte Wiedergeburt von „Feel Good Inc“ der Gorillaz (#92, nur knapp hinter Oasis „Wonderwall“!). Kopfschütteln über „Naive“ der Kooks auf Platz 71 – wo kommt das denn nun wieder her?
1 Alex Warren: Ordinary
2 Lola Young: Messy
3 Chappell Roan: Pink Pony Club
4 HUNTR/X/EJAE/AUDREY NUNA/REI: Golden
5 Rose & Bruno Mars: Apt
6 Gracie Abrams: That’s So True
7 Benson Boone: Beautiful Things
8 Ravyn Lenae: Love Me Not
9 Olivia Dean: Man I Need
10 Lady Gaga & Bruno Mars: Die With A Smile
…
11 Billie Eilish: Birds Of A Feather
31 The Killers: Mr Brightside
37 Fleetwood Mac: Dreams
45 Kendrick Lamar: Not Like Us
48 Fleetwood Mac: Everywhere
54 Coldplay: Viva La Vida
56 Billie Eilish: Wildflower
59 Coldplay: Yellow
60 Kendrick Lamar & SZA: All The Stars
62 Fleetwood Mac: The Chain
64 Radiohead: Creep
71 Kooks: Naive
85 Police: Every Breath You Take
86 Oasis: Wonderwall
88 Oasis: Don’t Look Back In Anger
89 Kings Of Leon: Sex On Fire
92 Gorillaz: Feel Good Inc
94 Fleetwood Mac: Go Your Own Way
95 Coldplay: The Scientist
97 Florence & The Machine: Dog Days Are Over
99 Tears for Fears: Everybody Wants To Rule The World
In den Albumcharts macht sich das Year Of Oasis deutlicher bemerkbar: gleich zwei Alben in den Top 10, dazu noch das Debüt auf #24. Erfreulich die Langlebigkeit von „Romance“ der Fontaines DC auf #41 wie auch eine Platzierung der Smiths auf #64 – deutlich vor Cure (#99), knapp hinter Beatles (#60).
1 Taylor Swift: The Life Of A Showgirl
2 Sabrina Carpenter: Short N Sweet
3 Ed Sheeran: + – = DIVIDE X – TOUR COLLECTION
4 Oasis: Time Flies 1994-2009
5 Fleetwood Mac: Don’t Stop
6 Weeknd: The Highlights
7 Oasis: What’s The Story Morning Glory
8 Sabrina Carpenter: Man’s Best Friend
9 Alex Wareen: You’ll be alright kid
10 Sam Fender: People Watching
…
20 Fleetwood Mac: Rumours
22 Arctic Monkeys: AM
24 Oasis: Definitely Maybe
41 Fontaines D.C.: Romance
52 Green Day: God’s Favorite Band
60 Beatles: 1967 – 70
64 The Smiths: The Sound Of
66 David Bowie: Legacy
69 Radiohead: OK Computer
70 Arctic Monkeys: Whatever People Say I Am That’s What I Am Not
83 Nirvana: Nirvana
86 Amy Winehouse: Back To Black
88 Beatles: 1962-1966
90 Rolling Stones: Forty Licks
93 The Killers: Rebel Diamonds
99 The Cure: Greatest Hits
Die Auswirkungen von Streaming kann man in den US-Single-Charts am stärksten beobachten, in der Hinsicht wie sich dadurch die Beweglichkeit der Charts verlangsamt und alles statischer wird. Der dritterfolgreichste Song des Jahres „A Bar Song“ war bereits im letzten Jahr auf Platz 2, Vorjahressieger „Lose Control“ von Teddy Swims ist auch in 2025 noch auf Platz 4 zu finden. Ansonsten sieht man schön, dass Kendrick Lamar in den Vereinigten Staaten nicht nur Kritikerliebling ist, sondern auch kommerziell enorm erfolgreich (#2, #15, #17, #20, #21!). Ähnliches gilt, auf kleinerem Level, auch für Tyler The Creator, der immerhin zwei Tracks in den Jahres-Top-100 platzieren kann.
1 Lady Gaga & Bruno Mars: Die With A Smile
2 Kendrick Lamar & SZA: Luther
3 Shaboozey: A Bar Song (Tipsy)
4 Teddy Swims: Lose Control
5 Billie Eilish: Birds Of A Feather
6 Benson Boone: Beautiful Things
7 Alex Warren: Ordinary
8 Post Malone Featuring Morgan Wallen: I Had Some Help
9 ROSE & Bruno Mars: APT.
10 Chappell Roan: Pink Pony Club
…
15 Kendrick Lamar feat. Lefty Gunplay: TV Off
17 Kendrick Lamar: Not Like Us
20 Kendrick Lamar: Squabble Up
21 SZA feat. Kendrick Lamar: 30 for 30
41 Tyler The Creator: Sticky
53 Kendrick Lamar: peekaboo
62 Tyler The Creator: Like Him
Auch bei den Alben gilt obiges für Kendrick & Tyler. Auffällig ist hier sicherlich, wie kommerziell erfolgreich der konservative Countrysänger Morgan Wallen in den USA ist, mit gleich zwei Alben in den Top 10. Auch in den USA sind Fleetwood Mac weiterhin enorm erfolgreich mit ihrem 77er Album „Rumours“ (#25!). Überraschend: die Langlebigkeit der nun auch schon etliche Jahre alten Alben von Frank Ocean. Obwohl Ocean seit nun fast genau 10 Jahren keine LP mehr veröffentlicht hat, finden sich beide bisherige Platten in den Top 100. Im Alternative- & Rock-Bereich sind auch hier Nirvana und Arctic Monkeys Longeseller. Creedence Clearwater Revival finden sich erfreulicherweise ebenfalls wieder, leider gibt es aber auch 2025 noch genügend Trottel, die Nickelback hören (#63)
1 Taylor Swift: The Life Of A Showgirl
2 Morgan Wallen: I’m The Problem
3 SZA: SOS
4 Kendrick Lamar: GNX
5 Sabrina Carpenter: Short n‘ Sweet
6 Taylor Swift: The Tortured Poets Department
7 Morgan Wallen: One Thing At A Time
8 Bad Bunny: Debi Tirar Mas Fotos
9 Billie Eilish: Hit Me Hard And Soft
10 Chappell Roan: The Rise And Fall Of A Midwest Princess
…
11 Tyler The Creator: Chromakopia
25 Fleetwood Mac: Rumours
34 Kendrick Lamar: good kid, maad city
45 Kendrick Lamar: Damn.
47 Frank Ocean: Blonde
58 Creedence Clearwater Revival: Chronicle
63 Nickelback: The Best Of
66 Tyler The Creator: IGOR
71 Frank Ocean: Channel Orange
76 Nirvana: Nevermind
87 Arctic Monkeys: AM
* Die drei besten Punksongs/-singles?
* Misfits – Hybrid Moments,
* The Stooges – Search and Destroy,
* Descendents – I’m The One
* Ein Song, der Dich immer zum Tanzen bringt?
The Rapture – House of Jealous Lovers
* Die interessanteste / beste „neue“ Band/Künstler ist?
Die Spitz: Nicht nur sind die Songs durch die Bank sehr sehr gut, ich liebe auch die Energie und den Vibe der Band, habe ich tatsächlich nicht allzu oft.
* Deine liebste deutschsprachige Textstelle?
* Betterov – Dussmann: „Gott hat für das alles nur Sieben Tage gebraucht. Und ich finde, genauso sieht’s hier auch aus“ /
* Tocotronic – Ich bin viel zu lange mit euch mitgegangen: „Ihr habt mir viel zu oft auf die Schulter geklopft und ich glaub’ nicht daran, dass ich ohne das Klopfen noch kann“
* Der beste Song über Revolte, Aufruhr und Revolution?
Limp Bizkit – Break Stuff
* Der beste Song, den Du je geschrieben / aufgenommen hast?
Wahrscheinlich „Skinwalker“ oder „Summer Never Came“, weil ich meinem Gefühl nach nie wider so nah am Folksong war wie hier.
* Der beste Film über Musik? Und warum?
Ex Drummer von Koen Mortier, weil hier das Musikmachen fast als eine Art menschlicher Reflex dargestellt wird; eine Ausdrucksform, die unter den vorherrschenden Gegebenheiten gleichzeitig selbstzerstörerisch und selbsterhaltend wirkt.
* Gewalt, Die Nerven oder Tocotronic – und warum?
Kein Shade auf die anderen beiden Bands, aber Tocotronic waren mit einer der wichtigsten Gründe für mich damals selbst Musik schreiben und spielen zu wollen.
* Beste Band/KünstlerIn aus Berlin derzeit?
Eigentlich sind es drei, und alle begleiten uns auf der kommenden Tour. YEAHRS, Sex Beat und Swain.
* Der beste Song in diesem Jahr ist …?
* Die Spitz – American Porn
* Sanguisugabogg – Repulsive Demise
* Die beste deutsche/deutschsprachige Platte?
* Aus Deutschland: Beatsteaks – Smacksmash,
* deutschsprachig: X-Mal Deutschland – fetisch
* Die beste Platte aller Zeiten?
The Velvet Underground & Nico – The Velvet Underground & Nico
(Antworten: Erik Heise, Sänger)
Die neueste Platte von Pabst, „This is normal now“, ist bereits erschienen
Paul Thomas Andersons von Thomas Pynchons „Vineland“ inspirierte Revolutionssatire mit goldenem Herz bleibt trotz seiner weitverzweigten Story, die gern ihre Auswege in irrsinnig labyrinthinischen Settings sucht, immer griffig genug, weil der Film durch seine Vater-Tochter-Beziehung im Zentrum geeredet wird, die der bis zum äußersten überzeichnete Gegner (Sean Penn als Steven J Lockjaw) zerreissen will.
Zuletzt:
2000 Platz #4: Magnolia ·
2003 Platz #28: Punch-Drunk Love ·
2008 Platz #6: There Will Be Blood ·
2015 Platz #10: Inherent Vice ·
2018 Platz #5: Der seidene Faden ·
2022 Platz #15: Licorice Pizza ·
2. A Complete Unknown (James Mangold) DISNEY+
Im Grunde ist es ja verrückt: Im Jahr 2025 eine einhundertvierzigmüntige Geschichte darüber zu erzählen, ob Bob Dylan vor 60 Jahren nun eine fucking E-Gitarre in die Hand nahm oder nicht.
Doch mit „A Complete Unknown“ ist James Mangold etwas unwahrscheinliches gelungen: ein Biopic, das zwar Stationen eines Lebens erzählt, aber sich genügend Erklärungen verweigert, dass Dylan dennoch immer ein Rätsel bleibt. „A Complete Unknown“ versucht gar nicht, ihn auszuerzählen. Aber zugleich vermittelt Mangold, welche kulturelle Kraft dieser junge Mann hatte, wie sehr die Welt auf einmal gestoppt hat und begann, sich für einige Jahre nur noch um ihn zu drehen.
Zuletzt:
2003 Platz #17: Identität – Identity ·
2006 Platz #23: Walk the Line ·
2007 Platz #36: Todeszug nach Yuma ·
2017 Platz #36: Logan: The Wolverine ·
3. The Brutalist (Brady Corbet)
„The Brutalist“ ist ein großer, dreieinhalbstündiger Entwurf eines Lebens und doch impressionistisch bis zuletzt. Zwar geschehen Katastrophen und Triumphe im Großen, doch sind sie immer durch ihre Wirkung nach innen, auf die Figur im Zentrum erzählt, auf Adrien Brodys Architektur-Legende, die als Flüchtling in Amerika beschwerlich Fuß fasst und sich tellerwaschend, kohleschaufelnd nach oben arbeitet, aber doch nie den Stolz seines früheren Lebens ablegen kann.
4. Sirat (Oliver Laxe)
Lange geschieht wenig in diesem Film, der sich der hypnotischen Eintönigkeit des Techno auch in seinen Bildern und Geschichte hingibt. Doch wenn der Bass droppt bzw. das erste Leben fällt, erschüttert das bis ins Herz. Von hier an, gut eine Stunde im Film, hört Oliver Laxe mit „Sirat“ nicht mehr auf, die Szene eskalieren zu lassen bis zu einem Ende im Nichts, in dem selbst die Bewegung, der Tanz und die Euphorie nur noch Explosion und Tod bedeuten können.
In seiner existentialistischen Leere und Gnadenlosigkeit fühlt sich „Sirat“ an, als hätte Antonioni ein „Lohn der Angst“-Remake mit Techno-Hippies gedreht. Ein phänomenaler Film, einer der besten des Jahres.
5. 28 Years Later (Danny Boyle) NETFLIX
„28 Years Later“ ist nicht nur Boyles bester Film seit, nun ja, „28 Days Later“, sondern auch der beste Zombie-Film seit vielen vielen Jahren. Boyle gelingt meisterlich die Gleichzeitigkeit zwischen Horror-Szenen und introspektiven Momenten, die genug Luft lassen, um eine Ahnung vom Leben in dieser Welt zu vermitteln.
Zuletzt:
2003 Platz #3:28 Days later ·
2007 Platz #7: Sunshine ·
2017 Platz #22: T2 Trainspotting ·
6. Heldin (Petra Volpe)
Eine Spätschicht als Pflegerin im Krankenhaus.
Notfälle, nervige Angehörige, Zeitdruck, Anfragen, Anspruchshaltung und immer mehr Zeitdruck, Zeitdruck, Zeitdruck… Leonie Benesch liefert in der Hauptrolle beispielhaftes Multitasking und Petra Volpe inszeniert diesen einen Abend im Krankenhaus mit irrem Zug, dass man selbst vom Zusehen schon überfordert wird.
7. Soundtrack to a Coup d’Etat (Johan Grimonprez)
Es klingt nach Wahnsinn und funktioniert doch: Free Jazz!
Spaß beiseite, meine eigentlich: das zweieinhalbstündige Doku-Essay „Soundtrack to a Coup d’État“ von Johan Grimonprez, das die Geschichte der Befreiung Afrikas aus kolonialen Fesseln, die Intrigen des Westens, den Kalten Krieg, die Instrumentalisierung der UNO sowie Aufstieg und Fall von Patrice Lumumba mit der Historie des Jazz verschränkt.
Will man „Soundtrack to a Coup d’État“ ganz durchdringen, benötigt es schon einiges an Hintergrundwissen um Kongo, Lumumba und den Kampf Afrikas um Selbstständigkeit, da Grimonprez eben nicht explizit seine Analyse formuliert, sondern die Originaltexte für sich sprechen lässt. Doch Grimonprez ‚Soundtrack‘ ist eben keine Geschichtsdoku der ARD, sondern will über Montage von Bildern ein gefühltes Verständnis der Zusammenhänge erzeugen – und das gelingt ihm so vollkommen, dass man am Ende mit gestreckter Faust die kongolesische Region Katanga befreien möchte.
8. Roofman (Derek Cianfrance)
Channig Tatum verzichtet in „Roofman“ auf seine Sexsymbol-Ausstrahlung und gibt überzeugend in einer karrierebesten Performance den wohlmeinenden, auf die falsche Spur gekommenen Everyday Joe. Was „Roofman“ von einer Kleingangster-Geschichte abhebt, ist die durchwegs berührende Sehnsucht nach einer Familie, die Tatums Charakter durch den Film leitet. Schön, dass Derek Cianfrance 15 Jahre nach „Blue Valentine“ noch einmal so die Herzensglocke klingen lässt.
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2011 Platz #2: Blue Valentine ·
2013 Platz #37: The Place Beyond the Pines ·
9. September 5 (Tim Fehlbaum) NETFLIX
Ein Kammerspiel zu den olympischen Attentaten von München 1972: der deutsche Regisseur Tim Fehlbaum (oscarnominiert für das auch von ihm geschriebene Drehbuch) inszeniert diesen Albtraum der Sportgeschichte mit verblüffend einfachen Mitteln, ohne dabei aber die Wucht des Moments zu verlieren. Gerade weil wir als Zuschauer wie die Protagonisten von den Ereignissen überrascht werden, uns mit ihnen erst die Zusammenhänge erarbeiten und damit auch die Bedeutung der Geschichte verstehen, ist „September 5“ irre spannend und gegen Ende im Erfahren von unvollständigen, manchmal gar falschen Informationen erschütternd.
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2011 Platz #43 Hell ·
10. Train Dreams (Clint Bentley) NETFLIX
Ein Leben in 102 Minuten.
Wir folgen Joel Edgertons schweigsamen Holzfäller durch die Widrigkeiten eines Jahrhunderts. Harte Arbeit, viel Einsamkeit, die eine große Liebe, der schmerzlichste Verlust, die Verzweiflung, die Resignation, das Dahinvegetieren, das einsame Ende.
11. Hysteria (Mehmet Akif Büyükatalay)
Aus einem ernsten Start entwickelt sich ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel, das zugleich noch einen schönen Meta-Kommentar über Kunst und Empfindlichkeiten, Narzissmus und Lippenbekenntnisse, White Privilege und soziale Klassen formuliert.
12. A House of Dynamite (Kathryn Bigelow) NETFLIX
Kathryn Bigelows „House Of Dynamite“ ist ein Quasi-Kammerspiel in der Tradition von Sidney Lumets „Fail Safe“.
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2009 Platz #27: Tödliches Kommando – The Hurt Locker ·
13. MadS< (David Moreau)
„MadS“ entwickelt so viel Zug und hat den Willen zu genug Härte, dass man sich aufs angenehmste an die besten Momente der New French Extremity – Welle der Nuller Jahre erinnert fühlt (oder an einen weniger arthousigen Ducournau-Film).
14. Oddity (Damian McCarthy)
„Oddity“ ist ein Horrorfilm mit – wie im Titel versprochen – vielen Merkwürdigkeiten, die manchmal nicht ganz zum gleichen Ziel führen, aber auf diesem Weg erstaunlich viel Wirkung zeigen.
15. The Phoenician Scheme (Wes Anderson)
In der Kombination mit dem Plot-Twist-Overkill ist „Phoenician Scheme“ im Ganzen einer der unterhaltsamsten Anderson-Filme seit langem (den Episodenfilm „The French Dispatch“ mal ausgenommen, der herausragende Momente hatte).
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2001 Platz #11: Rushmore ·
2002 Platz #2: Die Royal Tenenbaums ·
2005 Platz #32: The Life Aquatic ·
2008 Platz #11: Darjeeling Limited ·
2010 Platz #12: Fantastic Mr. Fox ·
2012 Platz #5: Moonrise Kingdom ·
2014 Platz #25: The Grand Budapest Hotel ·
2018 Platz #9: Isle of Dogs ·
2021 Platz #6: The French Dispatch ·
2023 Platz #22: The Wonderful Story of Henry Sugar ·
2023 Platz #47: Asteroid City ·
16. Beating Hearts (Gilles Lellouche) AMAZONPRIME
Die 35 Millionen teure französische Produktion (Frankreich tickt echt anders!) ist zugleich Coming Of Age wie Romeo & Julia – Romantik, Gangsterthriller wie Familienmelodram. Ein Film, der alles will, und auch wirklich viel davon erreicht.
17. Relay – The Negotiator (David Mackenzie)
Ein schön spannnder Thriller um einen im Verborgenen arbeitenden Typen, der Whistleblower schützt und ihnen hilft, Arrangements mit den angeklagten Firmen zu treffen.
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2007 Platz #17: Hallam Foe: This Is My Story ·
2011 Platz #15: Perfect Sense ·
2014 Platz #8: Mauern der Gewalt ·
2017 Platz #24: Hell or High Water ·
18. Sentimental Value (Joachim Trier)
„Sentimental Value“ spielt mehr wie eine Sammlung von kleinen Episoden aus zwei Leben und wie diese eine emotionale Wechselwirkung erzeugen, die beide Figuren in gegenseitiger, ungewollter Abhängigkeit zeigen.
Zuletzt:
2007 Platz #3: Auf Anfang ·
2013 Platz #2: Oslo, 31. august ·
2016 Platz #16: Louder Than Bombs ·
2018 Platz #10: Thelma ·
2022 Platz #1: Der schlimmste Mensch der Welt ·
19. Sorry, Baby (Eva Victor)
Der von Eva Victor geschriebene, inszenierte und in der Hauptrolle gespielte Film ist einer der besten Betrachtungen des #metoo-Moments und von männlicher Übergriffigkeit im Generellen.
20. The Lost Bus (Paul Greengrass) APPLETV+
„The Lost Bus“ ist nägelkauend anspannend und findet doch immer wieder Momente der Ruhe, um auch die Verzweiflung der Charaktere zuzulassen.
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2004 Platz #19: Die Bourne Verschwörung ·
2006 Platz #28: Flug 93 ·
2007 Platz #16: Das Bourne Ultimatum ·
21. Night Always Comes NETFLIX
Eine düstere Abwärtsspirale, die ein kaputtes Leben in einer Nacht spiegelt, und am Ende vielleicht doch noch einen kleinen Hoffnungsschimmer bereithält.
22. Weapons
„Weapons“ hat sicherlich etliche Horrorelemente, Gore und Spannung, aber ist andererseits auch augenzwinkernd ohne ironisch zu sein und mit Witz ohne lustig zu sein.
23. Pfau – Bin ich echt? AMAZONPRIME
Ein wirklich interessantes Spielfilmdebüt von Regisseur & Autor Bernhard Wenger, dessen „Pfau“ sich hier – abgesehen vom offensichtlichen Lanthimos-Vergleich – neben Filmen wie „Dream Scenario“ von Kristoffer Borgli oder Alex van Warmerdams „Borgman“ einsortiert.
Ein weirder, kühler, schwer greifbarer Film.
24. Vice Is Broke MUBI
Dieses Abarbeiten am Ende der Untergrundinstitution VICE ist äußerst unterhaltsam, gerade weil es nicht von außen, sondern von innen geschieht. Huang hat den Insider-Zugang und – noch wichtiger – *immer noch* den Underdog-Gestus verinnerlicht, weswegen sein blutendes Herz imer wieder auf die Leinwand schwappt.
25. Eight Eyes
A Serbian Chainsaw Massacre.
„Eight Eyes“ ist ein erfreulich langsam aufbauender Horrorfilm, der erst in seiner letzten halben Stunde eskaliert.
26. Pavements MUBI
Pavement, deconstructing rock&roll since 1989!
Die von Alex Ross Perry gedrehte Bandbetrachtung darf sicher als eine der ungewöhnlichsten, um-die-ecke-gedachtesten Musikdokus überhaupt gelten.
27. Together
„Together“ hat einen gleich mehrfach interessanten, gegenintuitiven Ansatz für einen Horrorfilm.
28. Mother’s Baby
Was wie ein Drama über postnatale Depression startet, entwickelt sich überraschenderweise von Minute zu Minute mehr in einen astreinen Paranoia-Film. „COMA“, aber mit Axolotls.
In „Dreams“ erzählt Haugerud von einer 17jährigen Schülerin, die zum ersten Mal die Liebe entdeckt – dummerweise aber zu ihrer Lehrerin.
30. No Other Choice
Park Chan-Wook bleibt einer der einfallsreichsten Stilisten des Kinos weltweit: wieviele überraschende Übergänge, kreative Kamerafahrten und tolle Tableaus der Südkoreaner hier baut! Ein Feuerwerk kreativer Ideen.
31. Caught Stealing
Unterhaltsam und bis in die Nebenrollen gut besetzt, wenn auch nicht viel mehr.
32. Köln 75
„Köln 75“ erzählt von dem mythenumrankten Auftritt des Jazz-Pianisten Keith Jarrett, dessen Mitschnitt „The Köln Concert“ die meistverkaufte Klavier- wie auch Jazz-Soloplatte überhaupt werden sollte.
33. Presence
Wirklich stark wird Soderberghs Geisterfilm erst durch die realen Ereignisse des Films, die von Bullying und Machtwahn unter Jugendlichen erzählen und auf überraschende Art eskalieren.
34. Grand Theft Hamlet MUBI
Mit Sicherheit eine der originellsten Ideen, die aus der Zwangssituation des Daheimbleibens in der Pandemie geboren wurde: als zwei deshalb arbeitslose Schauspieler während ihrer ständigen „Grand Theft Auto“-Sessions eine große Theaterbühne im Videospiel entdecken, keimt die Idee, innerhalb des Videogames einmal „Hamlet“ aufzuführen.
35. I’m Still Here
Ein Melodram über eine Familie gewickelt in einen politischen Thriller.
Ein impressionistischer Blick auf Unterdrückung – und daraus folgende Depressionen – über Generationen von Frauen hinweg.
37. Bugonia
Mit seinem zunächst recht geradlinigen Plot um die Entführung einer Pharmazie-Firmenchefin scheint „Bugonia“ der zugänglichste aller Filme von Yorgos Lanthimos, des Großmeister der Greek Weird Wave, zu sein. Doch natürlich gibt sich Lanthimos nicht mit einer Coen-esquen Geschichte um zwei Trottel zufrieden, die sich mit ihrem Masterplan heillos verheben.
Luftig, leicht, spielerisch wie Eric Rohmer – und dennoch weit ab von allen Klischees, die diese Worte hervorrufen mögen.
39. Black Bag
Soderbergh inszeniert seinen Agenten-Thriller um Täuschungen und Doppeltäuschungen wie eine Abfolge von Kammerspielen.
40. The Swan Song of Fedor Ozerov
Rock’n’Roll, Alkohol, trockener Humor – der belarussische Film „The Swan Song of Fedor Ozerov“ vom im polnischen Exil lebenden Regisseur Yuri Semashko spielt wie eine grindige Punkversion eines Kaurismäki-Films und ist ein wunderbar trockener, aber auch nihilistischer Kommentar zur Kraft der Kunst im Moment der Katastrophe.
Eine Kurzfilm-Idee, die aber gerade in ihrem letzten Drittel an Tempo und solchem Einfallsreichtum zunimmt, dass Absurditätshöhen erklommen werden, die man sich anfangs nicht träumen ließe.
42. Blue Moon
Ein Kammerspiel an der Theke einer Bar, ein sehr ‚geschriebener‘ Film, mit Dialogen, die natürlich kein echter Mensch als solch druckreife Aphorismussammlung nach dem dritten Bourbon auf die Theke knallen würde, aber das tut dem Spaß keinen Abbruch.
43. Dreams
Michel Franco erzählt eine Geschichte über Macht und Migration. Unterkühlt, am Ende gar hanekehaft, wirft Franco seinen Blick auf die Machtdynamiken zwischen einer reichen amerikanischen Philantropin (Jessica Chastain als älteres Daddy‘s Girl) und einem jungen, in die USA illegal eingereisten mexikanischen Ballett-Tänzer. Die Beziehung ist bestimmt von Liebe, Begierde und natürlich Geldhaben, Keingeldhaben.
Ein Zeichentrickfilm über die introvertierte Weltraumprinzessin Saira, die den Heimatplaneten Clitopolis verlassen muss, um ihre von den Straight White Maliens gekidnappte Exfreundin zu befreien.
45. Babo: The Haftbefehl Story NETFLIX / RTL+
Ist das Voyeurismus? Exploitation? Sicherlich.
Kann es gerechtfertigt werden, wenn der Protagonist selbst anscheinend fein damit ist? Oder gibt es dennoch eine ethische Grenze für einen Filmemacher und Netflix, die dennoch die Ausbeutung von Leid an einem gewissen Punkt stoppt?
46. Mad Bills to Pay (or Destiny, dile que no soy malo)
Naturalistischer No Bullshit Blick auf ein New York, das sonst in Filmen nie auftaucht.
47. It’s Not Me MUBI
Carax 40minütige Abhandlung über Leben und die Kunst erinnert an Godards Spätwerke, ohne allerdings dessen didaktisch-beißenden Ton. Carax bleibt am Ende doch ein Romantiker.
48. F1 APPLETV+
Brad Pitt als Formel-1-Fahrer Sonny Hayes sieht Vorschriften als unverbindliche Empfehlung für andere Trottel und findet die Schlupflöcher nicht nur im Fahrerfeld, sondern auch im Regelwerk. So wirkt „F1“ kurzzeitig wie Brad Gilberts legendäre Tennisfibel „Winning Ugly“, aber mit Rädern untendran.
49. Eddington
Wenn man in, sagen wir, 50 Jahren „Eddington“ in seine VHS-Cloud-Speicher-Brille schiebt, wird man einerseits im Schnelldurchlauf (von na gut 148 Minuten) wirklich ALLEN Aufregerthemen der frühen 2020er begegnen und andererseits wohl keine Ahnung haben, was das wohl bedeuten sollte.
50. September & July MUBI
„September & July“ ist trotz seiner inhärenten Weirdness zugänglicher als die oft sperrigen frühen Greek Weird Wave – Filme und damit näher an „Dogtooth“ als an „Attenberg“.
51. Die Saat des heiligen Feigenbaums MUBI
Seine stärksten Momente erzielt „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ in der Darstellung einer durch einen oppressiven Staat gepflanzten, wuchernden Paranoia, die bis in die tiefsten Familienzusammenhänge sickert.
Wenn das Hipster-Pärchen aus Berlin eines Erbes wegen in die Düsternis des österreichischen Dorfes zurückkehrt, erwartet man zunächst eine Culture-Clash-Komödie mit dramatischen Elementen, doch Andreas Prochaska will den Horror des kulthaften „jeder kennt jeden“-Dorflebens wörtlich nehmen.
„The Ugly Stepsister“ stellt das Aschenputtel-Märchen auf den Kopf: unser Fokus ist von Beginn an auf der sonst immer nur als störende Hexe wahrgenommenen Stiefschwester von Cinderella.
54. Bring Her Back
Intensive Darstellungen, einige bemerkenswerte, verstörende Bilder und ein gutes Sounddesign – was ja für sich genommen durchaus schon den Film sehenswert macht.
55. Heretic
In seiner ersten Hälfte ein wirklich tolles Horror-Kammerspiel, das bis dahin ausschließlich über eine theologische / ethische Diskussion funktioniert.
56. DEVO NETFLIX
Die Dokumentation von Chris Smith erzählt die Geschichte der Band relativ straight, aber informativ, und widersteht dem sicher uncontrollable urge genauso cookie wie die Band selbst sein zu wollen.
57. The Perfect Neighbor NETFLIX
„The Perfect Neighbor“ ist eine Anklage gegen das amerikanische „Stand Your Ground“-Gesetz, das – vereinfacht gesagt – Waffengewalt erlaubt, wenn sich ein Grundbesitzer bedroht fühlt.
58. Islands
Letztlich wirft Jan Ole Gerster seine Protagonisten wieder zurück auf die Frage nach der Möglichkeit eines glücklichen Lebens – ein Antonioni im All-Inclusive-Resort – und ignoriert jene nach dem „wer war’s“. So wirkt „Islands“ weniger dringlich als er sein könnte, stellt aber bohrende Fragen nach dem wohin.
59. Das Licht
“Das Licht” ist zu lang, zu eso, zu wohlmeinend, zu cringe, zu ‘magical arab’, aber entgegen der vielen Verrisse hatte ich gut zwei Stunden lang doch großes Vergnügen mit dieser Parade an quasilebensunfähigen, wohlsituierten, politisch sich auf der richtigen Seite wähnenden Charakteren, die eine dysfunktionale Familie in Berlin bilden.
60. Schwesterherz
Die Frage im Kern von „Schwesterherz“: wie reagiert man, wenn dem geliebten Bruder eine Vergewaltigung vorgeworfen wird? Nichtwahrhabenwollen, Leugnen, Akzeptieren, Verurteilen? Ist Blut dicker als Wasser oder gibt es ein übergreifendes, neutrales Richtig Sein?
Genre-Wertungen:
Horrorfilme:
1. 28 Days Later
2. MadS
3. Oddity
4. Weapons
5. Eight Eyes
Komödien:
1. The Phoenician Scheme
2. Pfau
3. No Other Choice
4. Hundreds of Beavers
5. Lesbian Space Princess
Musikfilme/-Dokus:
1. A Complete Unkown
2. Soundtrack to a Coup d’Etat
3. Pavements
4. Köln 75
5. The Swan Song of Fedor Ozerov
Thriller:
1. One Battle After Another
2. Sirat
3. September 5
4. A House of Dynamite
5. Relay – The Negtioator
Dokumentationen (ohne Musik):
1. Vice Is Broke
2. Grand Theft Hamlet
3. The Perfect Neighbor
4. Stasi FC
5. Eight Postcards from Utopia
Deutschsprachige Filme:
1. Heldin
2. Hysteria
3. Pfau
4. Mother’s Baby
5. Köln 75
Die Vorjahressieger:
2024: Anora (USA, Regie: Sean Baker)
2023: Roter Himmel (D, Regie: Christian Petzold)
2022: The Worst Person In The World (NOR, Regie: Joachim Trier)
2021: Titane (F, Regie: Julia Ducournau)
2020: Enfant Terrible (D, Regie: Oskar Roehler)
2019: Midsommar (USA, Regie: Ari Aster)
2018: Hereditary (USA, Regie: Ari Aster)
2017: RAW (F/BEL, Regie: Julia Ducournau)
2016: Green Room (USA, Regie: Jeremy Saulnier)
2015: Victoria (D, Regie: Sebastian Schipper)
2014: Boyhood (USA, Regie: Richard Linklater)
2013: Upstream Colour (USA, Regie: Shane Carruth)
2012: Drive (USA, Regie: Nicolas Winding Refn)
2011: Submarine (UK, Regie: Richard Aoyade)
2010: Bad Lieutenant: Port Of Call – New Orleans (USA, Regie: Werner Herzog)
2009: Inglorious Basterds (USA, Regie: Quentin Tarantino)
2008: No Country For Old Men (USA, Regie: Joel & Ethan Coen)
2007: Ex Drummer (Belgien, Regie: Koen Mortier)
2006: Match Point (USA, Regie: Woody Allen)
]]>1. Hard Rain – Kronos Quartet
2. How Could I Have Known – Big Thief
3. First Of The Gang – Chrissie Hynde feat. Cat Power
4. That Older Girl – Jonathan Richman
5. Guns Are For Cowards – Bonnie ‚Prince‘ Billy
6. 1st World Blues – Bright Eyes
7. Knockin‘ Heart – Hamilton Leithauser
8. I Need The Angel – Ezra Furman
9. Alive – Ghostwoman
10. Sometimes Life Hits You – Jeffrey Lewis
11. Deep End – The Lemonheads feat. J Mascis & Juliana Hatfield
12. Bow Down – Geese
13. S.N.C. – Darkside
14. I Used To Live In England – supermodel*
15. Joe Meek Will Inherit The Earth – Tropical Fuck Storm
16. Same Kind Of Lonely – Benjamin Booker
17. Sirens Echo In An Iron Lung – All Seeing Dolls (Anton Newcombe & Dot Allison)
18. Russian Coney Island – The Voidz
19. Silhouette – Nation Of Language
20. Hunger For Death – PUP
21. All Good Things Come To Pass – Lael Neale
22. I Can’t Stand To See You – Horsegirl
23. The Toughest Bitch I Know – Boo Boos
24. A River Keeps On Running – Herman Dune
25. Bitter Root Lake – Case Oats
26. Love Takes Miles – Cameron Winter
27. Rebuilding Year (4 Of Diamonds) – Hallelujah The Hills feat. Ezra Furman
28. Dancing In The Club (MJ Lenderman Version) – This Is Lorelei feat. MJ Lenderman
29. Down To The River – Friends In Real Life
30. For Keeps – Lucy Dacus
Die anderen Endjahresplaylists:
* Best Of 2025: Around The World
* Best Of 2025: British & Irish Pop
Auf dem sehr guten Pulp-Album stach mit „Grown Ups“ ein Song noch mal besonders heraus, der die alte Pulp-Spezialität des sich ins Unendliche steigernden Liedes wieder aufnahm. Textliches Herzstück ist der Rückblick des nun 62jährigen Jarvis Cocker auf das Erwachsenwerden, den Versuch, „verantwortungsvoll“ zu sein und all die vorher nie gekannten Sorgen, die dieses Leben mit sich bringt:
And so you move from Camden
Out to Hackney
And you stress about wrinkles
Instead of acne
(…)
And I am not ageing
No, I am just ripening
And life’s too short to drink bad wine and that’s frightening
Ein Text, der trademark Jarvis ist (wer sonst verwendet 2025 (oder 1995!) ein Wort wie „knickers“ erfolgreich in Lyrics? „Playing all night to get in somebody’s Knickers“) und mit der Weisheit des nun erreichten Alters auf die Jugend und das nie-erwachsen-werden-wollen zurückschaut. Youth is wasted on the young.
2. Kronos Quartet & The Hard Rain Collective – Hard Rain, Version 1 & Version 2 (Drone)
Ein Dylan-Cover zum 80. Jahrestag des Atombombenabwurfs.
‚Version 1‘ könnte man als Avantgarde-Folk bezeichnen, ‚Version 2 (Drone)‘ ist noch weirder, Spoken Word über Violinenmassaker.
Mit Iggy Pop, Sleaford Mods, Laurie Anderson, Tom Morello, Magnetic Fields, Ringo Starr & Willie Nelson (neben vielen anderen) am Mikrofon. DAS ist mal ne Gästeliste! (Bandcamp-Link).
Was „Hard Rain“ vor dem üblichem Charity-Song-Kitsch bewahrt, den man sonst bei einer VIP-Gästeliste zu erwarten hat, ist der unbedingte Wille des Kronos Quartet, zwar einen großen Song zu spielen, ihn aber dem Anlass angemessen immer auch verstörend wirken zu lassen. Diese Gleichzeitigkeit von Größe und Zerstörung erinnert an David Lynchs legendäre achte Episode aus „Twin Peaks: The Return“, die Bilder der Atombombenexplosion mit Klängen von Pendereckis „Threnody to the Victims of Hiroshima“ unterlegte.
3. Big Thief – How Could I Have Known
Der letzte Song auf dem neuen Big Thief – Album unterstreicht die Fähigkeit Adrianne Lenkers, mit wenigen Worten eine halbe Lebensgeschichte in einen Song zu übersetzen: „As I stood along that river / Where the lovers left their chains / It reminded me of everyone / I had ever tried to claim“
4. Anda Morts – Sie
Auf dem Debütalbum der österreichischen Punks Anda Morts ist „Sie“ gleich in zwei Versionen enthalten und ich kann mich einfach nicht entscheiden, welche ich nun besser finden mag. Den Pop-Schunkler oder den Punk-Kracher? Zeigt aber auch nur die Güte des Liedes, dem es gelingt, zunächst die Wildheit und den Willen zur Revolte zu beschreiben und in seiner letzten Strophe den Weg in die Bourgeoisie. Man spürt die Wehmut, einen Ally zu verlieren, aber es schimmert dennoch die Hochachtung für das alte Leben hindurch.
5. Lisa O’Neill feat. Pete Doherty – Homeless In The Thousands
Die irische Folksängerin Lisa O’Neill steht in einer alten Folk-Tradition: sanfte Töne, harte Worte. Die gestreckte Faust gegen die Ungerechtigkeiten der Welt, ein Billy Bragg für unsere Zeit.
In „Homeless in the thousands“ singt O’Neill über Obdachlosigkeit und die Versuche einer Regierung, „unangenehme Bilder“ aus der Sichtbarkeit zu verdrängen, dementsprechend deutlich ihr eigener Kommentar zur Single:
„The problem will not go away by unseeing.
The problem can only be resolved by seeing and helping.“
Kindness is human strength.
Housing is a human need.“
6. Tristan Brusch – Geboren um zu sterben
Müsste „Geboren um zu sterben“ nicht eigentlich die Klavierballade sein, die von Platz 1 der Singles-Charts grüßt? Ein Gothic-Chanson, eine Piano-Traurigkeit voller Sehnen:
Und wie oft mussten sich Paare
Um beieinander zu bleiben
Mal die langen Ehejahre
Gegenseitig verzeih’n?
Vor Gericht und im Gefängnis
Auf der Treppe zum Schafott
Auf dem Parkplatz vorm Hospiz
Neben dir im Krankenbett
Brauchst du keinen Erfolgreichen
Keine Siege, keine Reichen
Nur wen, der weiß, was Liebe ist
Und dich nimmt, so wie du bist
7. supermodel* – I used to live in england
So starke LCD Soundsystem „Losing My Edge“-Vibes habe ich lange nicht mehr gefühlt!
Der US-Amerikaner Frankie Beanie erzählt auf der Debütsingle seines Projekts ’supermodel*‘ über einem trockenen, aber funky Post-Punk-Sound von den kulturellen Unterschieden der beiden Länder. Selbstironisch & sarkastisch setzt er Pointen über seine Landsmänner („I used to live in England and everyone would always ask me: “How’s London?” / Even though I didn’t live in London. I never understood that. Geography’s not that hard. Just look at a map“) wie über britische Klischees, von Whetherspoons („I used to spend late nights at Spoons / Only the good ones“) bis zum Oasis-Wahn („I used to live in England / I used to go to the Jacaranda and watch shitty bands that wanted to be Oasis“).
Man will sofort nach England ziehen, um in Amerika davon berichten zu können!
8. Das Kinn – Ruinenkampf
Toben Piel aka Das Kinn hat eine Vergangenheit bei Les Trucs & Antitainment, veröffentlichte nun aber unter dem Namen Das Kinn sein neues Album „Ruinenkampf“. Der Titelsong vereint den Minimal-Wave der Kassettenszene der frühen 80er mit übersteuernden DAF-Vocals, klingt manchmal dabei wie Goldene Zitronen auf Speed und Geradeheraus. Messers Hendrik Otremba fasst Piels Projekt treffend so zusammen: „Das Kinn ist gereckt, im irren Stechschritt geht es weiter, auf den Bruchstücken unserer Zeit. Don Quijote kommt heute aus Frankfurt und singt Dada! Auch er hat trainiert.“
9. Wet Leg – Catch These fists
Erste Singles hat die britische Zwei-Frauen-Band Wet Leg nun mal echt drauf. War „Chaise Longue“ zum letzten Album eine regelrechte Sensation, die die beiden mit ihrem doch sehr britischen Post-Punk-Sound sogar bis zu amerikanischen Grammy-Ehren trug, ist auch „Catch These Fists“ als erste Single zum zweiten Album wieder ein brillanter Brecher, der diese verrückte Gleichzeitigkeit aus großem Chorus mit maximaler Nonchalance in den Strophen vereint.
„Catch These Fists“ ist Le Tigres „Deceptacon“ für 2025.
10. Low Life Rich Kids – NNNDW
Ist es ärgerlich für eine Band, eine Anti-Hymne über ein Genre zu schreiben, die SO GUT ist, dass sie tatsächlich zum besten wird, was dieses Genre überhaupt hervorgebracht hat?
„Ich bin kein Goldener Reiter unterm Silbermond
Will keinen Spaß und keinen Major Tom
Ich will kein Dadada und kein Eisbär sein
Will kein Lieblingslied, auch nicht alleine sein
Ich will nicht Irgendwie Irgendwann Irgendwo sein
und schon gar nicht in einem Leuchtturm allein
Und jetzt mal STOPP: hört ihr den Unterschied zwischen Neue Deutsche Welle und diesem Lied?“
Sorry, Low Life Rich Kids, auch ich fühle euren Neue Neue Deutsche Welle – Hass aus Gründen, aber „NNNDW“ ist so ansteckend gut, dass ich mir trotzdem die Keytar umhängen will und Schweissbänder auf eBay bestelle.
—
11. Benjamin Booker – Same Kind Of Lonely
12. Geese – Bow Down
13. Lael Neale – All Things Come To Pass
14. Jeffrey Lewis – Sometimes Life Hits You
15. The New Eves – Highway Man
16. Herman Dune – Into the darkness indeed (Cassette Version)
17. Naked Lunch – To All & Everyone I Love
18. Hamilton Leithauser – Knockin Heart
19. Pulp – Spike island
20. Getdown Services – Eat Quiche, Get Sleep, Repeat
21. Acht Eimer Hühnerherzen – In Italien warst du schöner
22. Rosalia – Berghain
23. Hotel Rimini – Bekannte von früher
24. Acht Eimer Hühnerherzen – Durchlauferhitzer
25. Ezra Furman – I Need The Angel
26. Herman Dune – Moonlight In Gaffey Street
27. Morn – Modern Man
28. The Lemonheads – Deep End
29. Baxter Dury – Allbarone
30. Herman Dune – A River Keeps Running
31. Vereter – War ja ned bös gemeint
32. Thee Headcoats – And The Band Played
33. Darkside – SNC
34. Witch Post The Wolf
35. Case Oats – Bitter Root Lake
36. Kae Tempest – Know Yourself
37. Sleaford Mods – The Good Life
38. Geese – Au Pays du Cocaine
39. Jonathan Richman – That Older Girl
40. Gizmo Varillas – End Of The Line
41. Pup – Hunger For Death
42. Topsy Turvey – Can’t You See
43. Bonnie ‚Prince‘ Billy – Guns Are For Cowards
44. Suede – Disintegrate
45. Friends In Real Life – Down To The River
46. The Orechestra (For Now) – Deplore You
47. Matching Outfits – No Whiskey
48. Ditz – Taxi Man
49. Just Mustard – We were just here
50. The Bug Club – How To Be A Confidante
—-
Vorjahresgewinner:
* 2024: Fontaines D.C. – Starburster
* 2023: Baxter Dury – Aylesbury Boy
* 2022: King Hannah – It’s Me & You, Kid
* 2021: Ja, Panik – Apocalypse Or Revoution
* 2020: Der Nino Aus Wien – Taxi Driver
* 2019: Fat White Family – Feet
* 2018: IDLES – Danny Nedelko
* 2017: IDLES – Mother
* 2016: Oum Shatt – Power To The Women Of The Morning Shift
* 2015: Isolation Berlin – Isolation Berlin
* 2014: Trümmer – Revolte
* 2013: The Strokes – One Way Trigger
* 2012: Kavinsky – Nightcall
* 2011: Ja, Panik – DMD KIU LIDT
* 2010: Best Coast – When I’m With You
* 2009: Girls – „Lust For Life“ und „Hellhole Ratrace“ (geteilter erster Platz)
* 2008: Crystal Castles vs. HEALTH – Crimewave
* 2007: The Cribs feat. Lee Ranaldo – „Be Safe“
* 2006: The Strokes – „Heart In A Cage“
1. Fontaines D.C. – Starburster
2. Ja, Panik – Lost
3. Vampire Weeend – Ice Cream Piano
4. Father John Misty – I Guess Time Makes Fools Of Us All
5. International Music – Guter Ort
6. Brezel Göring – Tschernobyl
7. Crack Cloud – The Medium
8. Adrianne Lenker – Sadness As A Gift
9. Isolation Berlin – Verliebt in dieses Lied
10. Sun Kil Moon – Mark Kozelek Died Happy While Fishing
1. Baxter Dury – Aylesbury Boy
2. Blur – The Narcissist
3. Herman Düne – Life On The Run
4. Brutalismus 3000 – Die Liebe kommt nicht aus Berlin
5. Joanna Sternberg – People Are Toys To You
6. Heartworms – Retributions Of An Awful Life
7. Miley Cyrus – Flowers
8. Dagobert – Todessehnsucht
9. Gorillaz – Skinny Ape
10. MPC Lafote – In Laberlaune
1. King Hannah – It’s Me & You, Kid
2. Fontaines D.C. – I Love You
3. Horsegirl – Anti-Glory
4. Jochen Distelmeyer – Ich sing für dich
5. The Düsseldorf Düsterboys – Das erste Mal
6. Kevin Morby – This Is A Photograph
7. Yeah Yeah Yeahs – Wolf
8. Peter Doherty & Frédéric Lo – The Fantasy Life Of Poetry & Crime
9. November Ultra – Soft & Tender
10. Jens Friebe – Am Ende aller Feiern
1. Ja, Panik – Apocalypse Or Revolution
2. International Music – Misery
3. Sleaford Mods feat. Amy Taylor – Nudge It
4. Sprints – How Does The Story Go
5. Wet Leg – Chaise Longue
6. For Those I Love – I Have A Love (Overmono Remix)
7. Alex Cameron – Sara Jo
8. Amyl & The Sniffers – Guided By Angels
9. LUMP – Animal
10. Jarvis – Aline
1. Der Nino Aus Wien – Taxi Driver
2. The Strokes – The Adults Are Talking
3. Sports Team – Here’s The Thing
4. Pauls Jets – Blizzard
5. Bill Callahan & Bonnie ‚Prince‘ Billy feat. Matt Sweeney – OD’d in Denver
6. Gorillaz feat. Slowthai & Slaves – Momentary Bliss
7. ZINN – Black Lake
8. Kiwi Jr. – Undecided Voters
9. Die Sterne feat. The Düsseldorf Düsterboys – Du musst gar nix
10. Sault – I Just Want To Dance
1. Fat White Family – Feet
2. Ezra Furman – I Wanna Be Your Girlfriend
3. Big Thief – Not
4. Black Country, New Roads – Sunglasses
5. Pete Doherty & The Puta Madres – Someone Else To Be
6. Alex Cameron – Divorce
7. Fontaines D.C. – Too Real
8. Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – Hässlich und faul, Musik & der HSV
9. The Murder Capital – Don’t Cling To Life
10. Scott & Charlene’s Wedding – Back In The Corner
Mit Text? hier
1. IDLES – Danny Nedelko
2. Pauls Jets – Üben Üben Üben
3. Ezra Furman – Suck The Blood From My Wounds
4. Die Nerven – Frei
5. The Big Howard – Pick Up The Phone
6. Gewalt – Limiter
7. International Music – Du Hund
8. Suede – Life Is Golden
9. Graham Coxon – Walking All Day
10. Wooden Shjips – Ride On
Mit Text? hier
1. IDLES – Mother
2. Young Fathers – Only God Knows
3. The Düsseldorf Düsterboys – Teneriffa
4. Sleaford Mods – Just Like You Do
5. Chuckamuck – 20.000 Meilen
6. Der Nino Aus Wien – Deine Boheme
7. Ezra Furman – Driving Down To L.A.
8. Baxter Dury – Miami
9. Trucks – Surf City
10. Shamir – 90s Kids
Mit Text? hier
1. Oum Shatt – Power To The Women Of The Morning Shift
2. Die Heiterkeit – The End
3. Fat White Family – The Whitest Boy On The Beach
4. Messer – So sollte es sein
5. Whitney – No Woman
6. Parquet Courts – Berlin Got Blurry
7. Isolation Berlin – Produkt
8. Klez.E – Mauern
9. Pet Shop Boys – Twenty Something
10. Beatsteaks vs Dirk von Lowtzow – French Disko
Mit Text? hier
1. Isolation Berlin – Isolation Berlin
2. Die Nerven – Barfuß durch die Scherben
3. Ezra Furman – Pot Holes
4. Mile Me Deaf – Digital Memory File
5. Tocotronic – Prolog
6. Sophie – Just Like We Never Said Goodbye
7. Locas In Love – Blackbox
8. Wave Pictures – Great Big Flamingo Burning Moon
9. Car Seat Headrest – Something Soon
10. Bully – I Remember
Mit Text? hier
1. Trümmer – Revolte
2. Wanda – Bologna
3. Ja, Panik – Dance The ECB
4. Parkay Quarts – Pretty Machines
5. La Roux – Sexotheque
6. The Vacant Lots – Make The Connection
7. Schnipo Schranke – Pisse
8. Alvvays – Archie Marry Me
9. Parkay Quarts – Uncast Shadow Of A Southern Myth
10. Andrew Jackson Jihad – Linda Ronstadt
Mit Text? hier
1. The Strokes – One Way Trigger
2. Daft Punk – Giorgio By Moroder
3. King Krule – Easy Easy
4. Wild Billy Childish & CTMF – All Our Forts Are With You
5. Chuckamuck – Hitchhike
6. Messer – Neonlicht
7. Daughter – Youth
8. Gabriel Bruce – Cars Not Leaving
9. Big Sean featuring Kendrick Lamar & Jay Electronica – Control
10. The Julie Ruin – Run Fast
Mit Text? hier
1. Kavinsky – Nightcall
2. Bonnie ‚Prince‘ Billy – I See A Darkness
3. Pond – You Broke My Cool
4. Die Nerven – Irgendwann geht’s zurück
5. Chromatics – These Streets Will Never Look The Same
6. Var – In Your Arms
7. This Many Boyfriends – Tina Weymouth
8. Peace – California Daze
9. Kid Kopphausen – Das leichteste der Welt
10. Bleeding Knees Club – Teenage Girls
Mit Text? hier
Und 2011?
1. Ja, Panik: DMD KIU LIDT
2. The Rapture: How Deep Is Your Love
3. Ja, Panik: Nevermind
4. Locas In Love: Manifest
5. Tyler, The Creator: Yonkers
6. Metronomy: The Bay
7. WU LYF: Such A Sad Puppy Dog
8. The Strokes: Under Cover Of Darkness
9. Noah & The Whale: L.I.F.E.G.O.E.S.O.N.
10. Die Heiterkeit: Die Liebe eines Volkes hat mich zur Königin gemacht
Mit Text? Hier
Und 2010?
1. Best Coast: When I’m With You
2. Blur: Fool’s Day
3. The Drums: Down By The Water
4. Magic Kids: Hey Boy
5. Kath Bloom: Heart So Sadly
6. The Smith Westerns: Be My Girl
7. Girls: Substance
8. Clinic: Baby
9. CEO: Come With Me
10. Belle & Sebastian: I Want The World To Stop
Und 2009?
1. Girls: „Lust For Life“ und „Hellhole Ratrace“ (geteilter erster Platz)
2. Element Of Crime: “Kaffee und Karin”
3. The Horrors: “Who Can Say”
4. We Were Promised Jetpacks: “It’s Thunder And It’s Lightning”
5. Jamie T: “Sticks & Stones”
6. The Wave Pictures: “Tiny Craters In The Sand”
7. The Maccabees: “No Kind Words”
8. Julian Casablancas: “11th Dimension”
9. Fehlfarben: “Nichts erreicht meine Welt” (live)
10. Felice Brothers: “Penn Station”
Mit Text? Hier
Und 2008?
1. Crystal Castles vs. HEALTH: Crimewave
2. Glasvegas: Daddy’s Gone
3. Wild Billy Childish & The Musicians Of The British Empire: He’s Making A Tape
4. Hot Chip: Ready For The Floor
5. MGMT: Kids
6. HEARTSREVOLUTION: C.Y.O.A.
7. 1000 Robota: Ich blicke an dir vorbei
8. The Mae-Shi: Run To Your Grave
9. Be Your Own PET: Becky
10. Mystery Jets feat. Laura Marling: Young Love
Mit Text? Hier
Und 2007?
1. The Cribs feat. Lee Ranaldo: „Be Safe“
2. Emmy The Great: “Easter Parade”
3. M.I.A.: “Paper Planes”
4. Babyshambles: “There She Goes (A Little Heartache)”
5. Die Türen: “Indie Stadt”
6. The Indelicates: „Julia, we don’t live in the 60ies“
7. Tocotronic: “Kapitulation”
8. Joe Lean & The Jing Jang Jong: “Lucio Starts Fires”
9. Black Lips: “Bad Kids”
10. Glasvegas: “It’s My Own Cheating Heart That Makes Me Cry” (demo)
Mit Text? hier
Und 2006?
1. The Strokes: „Heart In A Cage“
2. Love Is All: „Spinning & Scratching“
3. Dirty Pretty Things: „Bang Bang You’re Dead“
4. Guillemots: „Trains To Brazil“
5. Clap Your Hands Say Yeah: „Upon This Tidal Wave Of Young Blood“
1. Berghain – Rosalia
2. Cosa Rara – Lucrecia Dalt feat. David Sylvian
3. The Internet will break my heart – Chris Imler
4. Ruinenkampf – Das Kinn
5. NNNDW – Low Life Rich Kids
6. Mehringdamm – Berliner Doom
7. Kiss me in the morning – Pauls Jets
8. Colt – HighSchool
9. Girls Gang – Dina Summer
10. Die Gondel – DJ Koze feat. Sophia Kennedy
11. Teenage Dreams – Kids Return
12. There Is Not Enough Space To Dance (But I Do It Anyway) – Me & My Two Horses
13. Wenn es Liebe ist – Die Sterne
14. Ich geh lieber allein – Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen
15. Bye Bye Berlin – Tocotronic
16. Sie – Anda Morts
17. Italien – Acht Eimer Hühnerherzen
18. Bekannte von früher – Hotel Rimini
19. Teufelsberg – Die Heiterkeit
20. Geboren um zu sterben – Tristan Brusch
21. To All And Everyone I Love – Naked Lunch
22. Jännereis – Der Nino Aus Wien
23. Es war ja net bös gemeint – Vereter
24. No Whiskey – Matching Outfits
25. Du kannst nicht gut allein sein – Steiner & Madlaina
26. Can’t You See – Topsy Turvy
27. Headlights – Kids Don’t Smoke
28. A Corpse Is Lying In My Bed – Ain’t Ur Enn
29. Keine Zukunft – Nils Keppel
30. Alles so verbraucht – Alles Exhausted
Die anderen Endjahresplaylists:
* Best Of 2025: Around The World
* Best Of 2025: British & Irish Pop
1. The Mess – Big Special
2. The Good Life – Sleaford Mods
3. Allbarone – Baxter Dury
4. Know Yourself – Kae Tempest
5. We were just here – Just Mustard
6. Taxi Man – Ditz
7. Disintegrate – Suede
8. Catch These Fists – Wet Leg
9. Modern Man – Morn
10. And The Band Played Johnny B Goode – Thee Headcoats
11. The Rope – Wunderhorse
12. Ad Astra – Ash
13. End Of The Line – Gizmo Varillas
14. Homeless In The Thousands – Lisa O’Neill feat. Pete Doherty
15. Deplore You / Farmers Market – The Orchestra (For Now)
16. Don’t Wanna Dance – Porridge Radio
17. Guy Fawkes Tesco Dissociation – jasmine.4.t
18. Haunt Me – Grandmas House
19. Highway Men – The New Eves
20. We Need To Talk About Kevin – Panic Shack
21. Wait – Formal Sppeedwear
22. Sign Of A Man – The Moonlandingz
23. Eat Quiche, Sleep, Repeat – Getdown Services
24. Dandy Hooligan – Babyshambles
25. Grown Ups – Pulp
26. The Wolf – Witch Post
27. How To Be A Confidante – The Bug Club
28. A Distant Life – The Murder Capital
29. I Don’t Know Who Cares – Joyeria
30. Ed Belly – Pete Doherty
Die anderen Endjahresplaylists:
* Best Of 2025: Around The World
Mit ihrem vierten Album haben Geese nun ihren Durchbruch geschafft. „Getting Killed“ war eines der wenigen gitarrenbasierten Alben, das übergreifend gefeiert wurde. Zurecht, denn die ganz eigene Mischung aus Brooklyn-Coolness mit Clap Your Hands Say Yeah!-Rhythmen und Beirut-Schunklern ist der Band noch nie so gut gelungen – und auch sonst hat keiner diese doch recht disparaten Elemente bisher zusammengedacht. Vor allem die große Bandbreite der Songs macht „Getting Killed“ zu einem Album-Album, das dann doch all die anderen in dieser Endjahresliste überstrahlt.
2. Herman Dune – Odysseus
Obwohl Herman Dune nun wirklich schon viele Jahre in der (Anti-)Folk-Szene unterwegs ist, sieht man doch eine Karriere-Renaissance. Nach drei Retrospektiven in Albumform 2022/2023, die allesamt die eigenen Lieder auf ihre Essentials heruntergestrippt hatte, folgte nun 2025 eine Platte mit neuen Songs, die klanglich eine ganz andere Richtung einschlug und mit Streicher-Instrumentierung die Kurzgeschichten aus dem Dune-Leben veredelte.
Wem das wiederum zu viel Hochkultur war, für den veröffentlichte Herman Dune auch noch eine „Cassette Version“ des Albums, das die Lieder in ihrer Demoversion nur mit Akustikgitarre enthielt. Schön zu sehen, welche Songs von welcher Aufbereitung profitierten: „Into The Darkness Indeed“ ist beispielsweise in seiner rauhen Variante zu bevorzugen, wohingegen der cohenesque „Moonlight On Gaffey Street“ mit seiner David Berman – Referenz („from where Berman once died / to where Dougie once lived“) von den Streichern lebt.
Zuletzt:
* 2023: #9 The Portable Herman Dune Vol 2
* 2020: #9 Notes From Vinegar Hill
3. Vereter – Ihr seit alle
Pete Prisons Debütalbum unter dem Namen Vereter ist eine Wienerlied-Sammlung über Alltagsrassismus und Klassenkampf. Pointierte Texte in österreichischem Idiom treffen auf eine reduzierte Instrumentierung, die Woody Guthrie und Voodoo Jürgens zusammendenkt.
Zuletzt:
-/- Debütband
4. Anda Morts – Ans
Punk in der Attitude, aber mit soviel Melodieseligkeit gepaart, dass Anda Morts gar nicht anders kann als immer größer zu werden. „Sie“, der beste Song des Debütalbums über einen Abschied aus der Punkszene in die Bürgerlichkeit, ist gleich zweimal enthalten: einmal als Punk-Kracher sowie als Pop-Schunkler – und so ungewöhnlich diese Entscheidung auch ist, bei Anda Morts funktioniert selbst das.
Zuletzt:
2024: #13 Montage EP
5. Lael Neale – Altogether Stranger
Minimalistischer Dream-Pop, der aber sich nie im träumerischen Nebel verliert, sondern dank einer rauhen Demo-Qualität der Aufnahmen (im besten Sinn gemeint!) immer hier und jetzt ist. Die Velvet-Underground-Untertöne des Vorgängers „Star Eaters Delight“ sind einer kühlen Introspektive gewichen, die Songs aber von gleicher Güte.
Zuletzt:
* 2023: #5 Star Eaters Delight
* 2021: #29 Acquainted With The Night
6. The New Eves – The New Eve Is Rising
Die spannendste, weirdeste Debüt-Band des Jahres. The New Eves erwecken in ihrem Style den Folk-Horror von „Wicker Man“ bis „Midsommar“, haben die rauhe Rumpeligkeit der Raincoats und channeln in Songs wie „Highway Man“ eine Patti Smith circa „Horses“ so gut wie kaum jemand sonst im letzten Vierteljahrhundert.
Zuletzt:
-/- Debütband
7. Pulp – More
Das überraschendste Comeback des Jahres – und das gelungendste. Pulps erstes Album seit 24 (!) Jahren knüpfte von ersten Song an ihre große Zeit an und ist wohl sogar besser als der damalige Abschied „We Love Life“ von 2001. Insbesondere die Lead-Single „Spike Island“ als auch „Grown Ups“, eine brillante Analyse des Erwachsenwerdens mit all seinen Verwirrungen, stehen den Pulp-Songs der großen Jahre 94-98 in Nichts nach.
Falls das gerade veröffentlichte Album „More“ also wirklich das letzte Lebenszeichen von Pulp gewesen sein sollte… es war, wie es in „Grown Ups“ so schön heißt: „one last sunset, one final blaze of glory“.
Zuletzt:
* 2001: #8 We Love Life
* 1998: #2 This Is Hardcore
* 1995: #8 Different Class
8. Tristan Brusch – Am Anfang
Der beste Chansonnier des Landes. Im Vergleich zu seiner hervorragenden letzten Platte „Am Wahn“ ist das neue Album von Brusch noch größer. Sogar ohne Angst davor, manchmal so große Gefühle auszusenden, dass man fürchtet, es könnte doch in den Kitsch kippen. Doch Brusch gelingt es immer wieder aufs Neue, mit seinen Texten die Instrumentierung so weit zu brechen, dass er eben doch stets auf der richtigen Seite landet.
Zuletzt:
* 2023: #3 Am Wahn
9. Big Thief – Double Infinity
Nachdem Big Thief mt Bassist Max Oleartchik im letzten Jahr ein Grüdungsmitglied verloren hatten, wurde „Double Infinity“ mit mehreren Session-Musikern aufgenommen. Zusammen mit der immer wieder Schleifen ziehenden Produktion wirkte das neue Album zunächst auf mich wenig konzis, aber über die Monate arbeitet sich aus den Gitarrenschlieren Song um Song heraus, was wieder einmal Adrianne Lenkers Status als eine der besten Songwriter Amerikas bestätigte.
Zuletzt:
* 2024: #3 Bright Future (Adrianne Lenker solo)
* 2022: #22 New Dragon Warm Mountain
* 2019: #13 Two Hands
10. Bonnie ‚Prince‘ Billy – Purple Bird
Eines der besten Alben von Viel-Platten-Macher Will Oldham. Für seine Verhältnisse reich instrumentiert, zuweilen gar wie im polarisierenden Anti-Waffen-Song „Guns Are For Cowards“ schon mit einem Bein im Humba-Humba-Bierzelt stehend, überrascht Oldham mit seinem „Purple Bird“ mit einem der rundesten, zugänglichsten Alben seit Jahren.
Zuletzt:
* 2012: #17 Here’s My Plan
* 2014: #31 Singer’s Grave A Sea Of Tongues
* 2019: #30 I Made A Place
* 2019: #47 When We Are Inhuman (mit Bryce Dessner & Eighth Blackbird)
* 2021: #38 Superwolves (mit Matt Sweeney)
* 2023: #11 Keeping Secrets Will Destroy You
11. Panic Shack – Panic Shack
12. Hotel Rimini – Gefährdete Arten
13. Acht Eimer Hühnerherzen – Lieder
14. Jeffrey Lewis – The Even More Freewheelin Jeffrey Lewis
15. Nation Of Language – Dance Called Memory
16. Suede – Antidepressants
17. Getdown Services – Primordial Slot Machine
18. Die Heiterkeit – Schwarze Magie
19. horsegirl – Phonetics On And On
20. Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – Egg Benedict
21. Baxter Dury – Allbarone
22. Benjamin Booker – Lower
23. Fat White Family – Konk If You’re Lonely
24. Wet Leg – moisturizer
25. Pete Doherty – Felt Better Alive
26. Tocotronic – Golden Years
27. Big Special – National Average
28. Das Kinn Ruinenkampf
29. Maruja – Pain To Power
30. alles exhausted – alles exhausted
31. Augn – Grüner Star
32. HighSchool – HighSchool
33. Just Mustard – We were just here
34. Thee Headcoats – The Sherlock Holmes Rhythm’n’Beat Vernacular
35. Wednesday – Bleeds
36. Ghostwoman – Welcome To The Civvilized World
37. The New Mourning – Songs Of Confusion
38. The Raveonettes – PE’AHI II
39. Viagra Boys – viagr aboys
40. Ezra Furman – Goodbye Small Head
Vorjahresgewinner:
* 2024: International Music – Endless Rüttenscheid
* 2023: Joanna Sternberg – I’ve Got Me
* 2022: The Düsseldorf Düsterboys – Duo Duo
* 2021: Black Country, New Road – For The First Time
* 2020: The Strokes – The New Abnormal
* 2019: Fontaines D.C. – Dogrel
* 2018: International Music – Die besten Jahre
* 2017: JETZT! – Liebe in GROSSEN Städten
* 2016: Isolation Berlin – Und aus den Wolken tropft die Zeit
* 2015: Ezra Furman – Perpetual Motion People
* 2014: Ja, Panik – Libertatia
* 2013: Waxahatchee – Cerulean Salt
* 2012: This Many Boyfriends – This Many Boyfriends
* 2011: Ja, Panik – DMD KIU LIDT
* 2010: The Smith Westerns – The Smith Westerns
* 2009: Ja, Panik – The Angst & The Money
* 2008: Laura Marling – Alas I Can’t Swim
* 2007: The Good, The Bad & The Queen – The Good, The Bad & The Queen
* 2006: Love Is All – 9 Times The Same Song
1. International Music – Endless Rüttenscheid
2. Der Nino aus Wien – Endlich Wienerlieder
3. Adrianne Lenker – Bright Future
4. King Hannah – Big Swimmer
5. Isolation Berlin – Electronic Babies
6. Endless Wellness – Was für ein Glück
7. Laura Marling – Patterns In Repeat
8. Brezel Göring – Friedhof der Moral
9. Ja, Panik – Don’t Play With The Rich Kids
10. Bright Eyes – Five Dices, All Threes
1. Joanna Sternberg – I’ve Got Me
2. Baxter Dury – I Thought I Was Better Than You
3. Tristan Brusch – Am Wahn
4. Hendrik Otremba – Riskantes Manöver
5. Lael Neale – Star Eaters Delight
6. Die Buben im Pelz – Verwandler
7. Blur – The Ballad Of Darren
8. Hope – Navel
9. Herman Dune – The Portable Herman Dune Vol 2
10. Burnout Ostwest – Würzburg stärkt die Szene
1. The Düsseldorf Düsterboys: Duo Duo
2. Black Country, New Road: Ants From Up Here
3. King Hannah: I’m not sorry, I was just being me
4. Chuckamuck: Beatles
5. Brezel Göring: Psychoanalyse Vol. 2
6. Fontaines D.C.: Skinty Fia
7. Der Nino aus Wien: Eis Zeit
8. Yeah Yeah Yeahs: Cool It Down
9. Horsegirl: Versions Of Modern Performance
10. Spiritualized: Everything Was Beautiful
1. Black Country, New Road – For The First Time
2. Ja, Panik – Die Gruppe
3. International Music – Ententraum
4. Isolation Berlin – Geheimnis
5. Sleaford Mods – Spare Ribs
6. Ernst Molden & Der Nino Aus Wien – Zirkus
7. Burnout Ostwest – Es bleibt schrecklich!
8. Dagobert – Jäger
9. Gewalt – Paradies
10. Whispering Sons – Several Others
1. The Strokes – The New Abnormal
2. Der Nino Aus Wien – Ockermond
3. Stella Sommer – Northern Dancer
4. Acht Eimer Hühnerherzen – Album
5. Baxter Dury – The Night Chancers
6. Sault – Untitled (Rise)
7. Fontaines D.C. – A Hero’s Death
8. Friends Of Gas – Kein Wetter
9. Herman Dune – Notes From Vinegar Hill
10. PauT – Weltraumkatzen
mit Text? hier
…und 2019?
1. Fontaines D.C. – Dogrel
2. JETZT! – Wie es war
3. Pauls Jets – Alle Songs bisher
4. Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – Fuck Dance, Let’s Art
5. Fat White Family – Serfs Up!
6. The Düsseldorf Düsterboys – Nenn mich Musik
7. Billie Eilish – When We All Fall Asleep Where Do We Go?
8. Julia Jacklin – Crushing
9. Oidorno – Le Roi C’est Moi EP
10. Voodoo Jürgens – ’s Kloane Glücksspiel
mit Text? hier
…und 2018?
1. International Music – Die besten Jahre
2. Idles – Joy As An Act Of Resistance
3. Der Nino Aus Wien – Der Nino Aus Wien
4. Die Nerven – Fake
5. Farce – Heavy Listening
6. Ezra Furman – Transangelic Exodus
7. The Good, The Bad And The Queen – Merrie Land
8. Parquet Courts – Wide Awake
9. Suede – The Blue Hour
10. Beak>: >>>
mit Text? hier
und … und 2017?
1. JETZT! – Liebe in GROSSEN Städten
2. Klez.E – Desintegration
3. Sleaford Mods – English Tapas
4. LCD Soundsystem – American Dream
5. Laura Marling – Semper Femina
6. Baxter Dury – Prince Of Tears
7. Belgrad – Belgrad
8. Zimt – Glückstiraden
9. Nino Aus Wien – Wach
10. Alvvays – Antisocialites
mit Text? hier
und … und 2016?
1. Isolation Berlin – Und aus den Wolken tropft die Zeit
2. Friends Of Gas – Fatal Schwach
3. Leonard Cohen – You Want It Darker
4. Oum Shatt – Oum Shatt
5. Whitney – Light Upon The Lake
6. Die Heiterkeit – Pop & Tod
7. LUH. – Songs For Spiritual Lovers To Sing
8. King Creosote – Astronaut Meets Appleman
9. Pete Doherty – Hamburg Demonstrations
10. David Bowie – Blackstar
mit Text? hier
und … und 2015?
1. Ezra Furman – Perpetual Motion People
2. Blur – The Magic Whip
3. Die Nerven – Out
4. Isolation Berlin – Körper EP
5. The Libertines – Anthems For Doomed Youth
6. Pisse – Mit Schinken durch die Menopause
7. Zugezogen Maskulin – Alles brennt
8. HEALTH – Death Magic
9. Protomartyr – The Agent Intellect
10. Courtney Barnett – Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit
mit Text? hier
und 2014?

1. Ja, Panik – Libertatia
2. Die Nerven – Fun
3. Trümmer – Trümmer
4. Parquet Courts – Sunbathing Animal
5. Amazing Snakeheads – Amphetamine Ballads
6. Parkay Quarts – Content Nausea
7. Die Heiterkeit – Monterey
8. La Roux – Trouble In Paradise
9. Jens Friebe – Nackte Angst zieh dich an, wir gehen aus
10. Fat White Family – Champagne Holocaust
mit Text? hier
und 2013?

1. Waxahatchee – Cerulean Salt
2. Gabriel Bruce – Love In Arms
3. Chuckamuck – Jiles
4. Parquet Courts – Light Up Gold
5. Foxygen – We Are The 21st Century Ambassadors Of Peace & Magic
6. Messer – Die Unsichtbaren
7. The Julie Ruin – Run Fast
8. Nick Cave & The Bad Seeds – Push The Sky Away
9. FIDLAR – FIDLAR
10. Babyshambles – Sequel To The Prequel
mit Text? hier
und 2012?

1. This Many Boyfriends – This Many Boyfriends
2. Die Nerven – Fluidum
3. Pond – Birds, Wives, Denim
4. Howler – America Give Up
5. Toy – Toy
6. Mystery Jets – Radlands
7. Chromatics – Kill For Love
8. Crocodiles – Endless Flowers
9. Die Heiterkeit – Herz Aus Gold
10. Django Django – Django Django
mit Text? hier
und 2011?

1. Ja, Panik – DMD KIU LIDT
2. WU LYF – Go Tell Fire To The Mountain
3. Chuckamuck – Wild For Adventure
4. Girls – Father, Son, Holy Ghost
5. The Smith Westerns – Dye It Blonde
6. Finn. – I Wish I Was Someone Else
7. Locas In Love – Lemming
8. Black Lips – Arabia Mountain
9. The Rapture – In The Grace Of Your Love
10. Josh T Pearson – Last Of The Country Gentlemen
mit Text? hier
und 2010?

1. The Smith Westerns: The Smith Westerns
2. Girls: Broken Dreams Club EP
3. Manic Street Preachers: Postcards From A Young Man
4. 1000 Robota: UFO
5. Sleigh Bells: Treats
6. LCD Soundsystem: This Is Happening
7. Wave Pictures: Susan Rode The Cyclone
8. Laura Marling: I Speak Because I Can
9. Television Personalities: A Memory Is Better Than Nothing
10. Christiane Rösinger: Songs Of L. & Hate
und 2009?

1. Ja, Panik – The Angst & The Money
2. The Horrors – Primary Colours
3. Girls – Album
4. Pet Shop Boys – Yes
5. Emmy The Great – First Love
6. The Wave Pictures – If You Leave It Alone
7. Manic Street Preachers – Journal For Plague Lovers
8. Let’s Wrestle – In The Court Of The Wrestling Let’s
9. La Roux – La Roux
10. Peter Doherty – Grace/Wastelands
und 2008?

1. Laura Marling – Alas I Can’t Swim
2. Glasvegas – Glasvegas
3. No Age – Nouns
4. Crystal Castles – Crystal Castles
5. Vampire Weekend – Vampire Weekend
6. Love Is All – A Hundred Things To Keep Me Up At Night
7. 1000 Robota – Er Nicht Du Nicht Sie Nicht
8. Johnny Flynn & The Sussex Wit – A Larum
9. Hot Chip – Made In The Dark
10. Santogold – Santogold
mit Text? hier
und 2007?

1. The Good, The Bad & The Queen – The Good, The Bad & The Queen
2. Die Türen – P-O-P-O
3. LCD Soundsystem – Sound Of Silver
4. Babyshambles – Shotters Nation
5. Tocotronic – Kapitulation
6. The White Stripes – Icky Thump
7. Jamie T – Panic Prevention
8. The Cribs – Men’s Needs, Women’s Needs, Whatever
9. Friska Viljor – Bravo!
10. The Rakes – Ten New Messages
mit Text? hier
und 2006?
1. Love Is All – 9 Times That Same Song
2. The Strokes – First Impressions Of Earth
3. Two Gallants – What The Toll Tells
4. The Rapture – Pieces Of The People We Love
5. Die Goldenen Zitronen – Lenin
6. Dirty Pretty Things – Waterloo To Anywhere
7. Albert Hammond Jr. – Yours To Keep
8. Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am That’s What I Am Not
9. Nicky Wire – I Killed The Zeitgeist
10. Pet Shop Boys – Fundamental
„Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery“ folgt dem berühmten Privatdetektiv Benoit Blanc, der in einer Kleinstadtkirche ermittelt, nachdem ein richtungsweisender Priester unter mysteriösen Umständen ermordet wurde.
Wake Up, Rian Johnson! Nach dem überwältigenden Erfolg von „Knives Out“ und dem geradewegs absurden Preis, den Netflix für dessen Nachfolger „Glass Onion“ & nun „Wake Up Dead Man“ gezahlt hat (fucking 469 (!!) Million Dollar für die beiden Fortsetzungen!), scheint mir der gute Rian Johnson doch etwas in seinem eigenen Hinterteil verschwunden zu sein.
Ich mochte immer die schräge, aber milde Nerdyness bei gleichzeitiger Mainstreamtauglichkeit von Johnsons Filmen (gerade in den frühen Werken wie „Brick“ und „Looper“), aber „Wake Up Dead Man“ ist wie eine völlig humorfreie Parodie auf Agatha-Christie-Whodunnits. Nicht nur heillos überkonstruiert, das kommt ja in gewisser Weise mit dem Genre, sondern auch in jeder Nebenrolle mit der immer denkbar uninteressantesten Idee, was denn nun die Motivation des Ensemble-Mitglieds am Mord sein könnte.
All das verpackt in eine nun wirklich völlig unnötige Überlänge ist „Wake Up Dead Man“ sicherlich der schlechteste der drei „Knives Out“-Filme und nur dank des eben doch grundsätzlich vorhandenen Handwerks von Johnson gerade so noch wegschaubar. (5/10)
Eddington (2025, Ari Aster)
im Kino
In einer Kleinstadt in New Mexico im Mai 2020 spitzt sich ein Konflikt über Pandemie-Maßnahmen zwischen dem lokalen Sheriff und dem Bürgermeister zu, der die Gemeinschaft in politische, soziale und persönliche Spannungen treibt.
Wenn man in, sagen wir, 50 Jahren „Eddington“ in seine VHS-Cloud-Speicher-Brille schiebt, wird man einerseits im Schnelldurchlauf (von, na gut, 148 Minuten) wirklich ALLEN Aufregerthemen der frühen 2020er begegnen und andererseits wohl keine Ahnung haben, was das wohl bedeuten sollte.
Erfindet Ari Aster hier ein eigenes Genre, die Issues-Groteske? Ein Problem mit „Issues-Filmen“ ist ja oft, dass sie zwar wichtige Aspekte thematisieren, aber über der Bedeutung ihres Themas und der Aussage den Film an sich vergessen. Aster wirft hier von Covid bis Antifa, von Black Life Matters bis Bitcoin alles in den Überzeichnungsmixer und steht am Ende doch etwas zynisch in der Mitte, um über jeden rechts bis links von ihm zu lachen. Eine Haltung entwickelt er zu keinem seiner Aufreger, außer der, dass sich alle um ihn herum im Zustand der maximalen Polarisierung in den Wahnsinn gepitched haben.
In „Eddington“ ist Aster erneut mehr im „Beau Is Afraid“-Modus, also wieder auf die Überforderung des Zuschauers mit Reizen und Geschichten aus, was doch leider einen recht weiten Weg von den so wunderbar konzisen Horrorfilmen wie „Hereditary“ entfernt ist, mit denen er seine Karriere begründete.
Wie schon bei „Beau…“ bleibe ich wieder etwas rätselnd im Kinosessel sitzen: das ist zu gut gemacht und in Teilen immer wieder zu unterhaltsam, um nicht doch seine Punkte zu machen, aber eben auch in seiner Exuberanz ermüdend. (6/10)
F1 (2025, Joseph Kosinski)
auf Apple+
„F1“ folgt dem ehemaligen Formel-1-Rennfahrer Sonny Hayes, der 30 Jahre nach einem schweren Unfall aus dem Ruhestand zurückkehrt, um mit einem kriselnden Team und einem jungen Kollegen wieder in der Königsklasse des Motorsports anzutreten.
Dieses Brad-Pitt-Vehikel ist mit 189 Millionen $ Einspiel in den USA einer der großen Überraschungserfolge der Saison und gewohnt stromlinienförmig von Joseph Kosinski gedreht worden.
Der Reiz liegt sicherlich darin, dass „F1“ quasi ein embedded movie ist, das sich innerhalb der realen Welt der Formel 1 bewegt und all die echten Fahrer und Rennställe als Backdrop für seine Geschichte nutzt. Hier gelingt „F1“ durchaus ein akkurates Bild der Szene zu zeichnen. Ich habe auch Respekt dafür, dass man sich die Mühe gemacht hat, diese Underdog-Geschichte so zu erzählen, dass das Auto nicht einfach wundersamerweise auf einmal schneller fährt, weil nun Brad Pitt als zurückkehrendes, altgewordenes Wunderkind auf dem Feuerstuhl sitzt. Nein, Pitt als Sonny Hayes sieht Vorschriften als unverbindliche Empfehlung für andere Trottel und findet die Schlupflöcher nicht nur im Fahrerfeld, sondern auch im Regelwerk. So wirkt „F1“ kurzzeitig wie Brad Gilberts legendäre Tennisfibel „Winning Ugly“, aber mit Rädern untendran.
Natürlich ist „F1“ dann aber doch zu Feel-Good-Mainstream als dass dieser Weg bis zum dreckigen Ende bestritten werden würde und so biegt der Turbo-Film in seinem letzten Akt nach einigen gelungen bewältigten Schikanen dann doch recht gradlinig auf die Zielgerade ein und fährt alles zu einem ordentlichen, aber formelhaften Ende. (6/10)
Der Graf von Monte Cristo (2024, Alexandre de La Patellière & Matthieu Delaporte)
auf Amazon Prime
„Der Graf von Monte Cristo“ folgt einem jungen Seemann, der aufgrund einer Intrige zu Unrecht inhaftiert wird, nach Jahren der Gefangenschaft flieht, einen versteckten Schatz findet und als wohlhabender Graf zurückkehrt, um sich an denen zu rächen, die ihn verraten haben.
Ein klassischer Abenteuer-Film, eine Mantel-und-Degen-Extravaganza, wie sie heute kaum noch gedreht wird. Mit großen Schauwerten dank gutem Location-Scouting überzeugt diese 19. (!) Filmadaption des Themas als Throwback zum Kino vom Gestern im besten Sinn.
Die Geschichte selbst ist in seiner um Fünf-Ecken-Denkenenden-Manipulations-Idee sicherlich hart am Rand des Glaubwürdigen, aber so lange es genügend Vergnügen bereitet, sind die 42 Millionen € Budget doch gut angelegt. (6+/10)
Bring Her Back (2025, Michael Philippou / Danny Philippou)
zur Leihe
Der Horrorfilm „Bring Her Back“ folgt zwei Halbgeschwistern, die nach dem Tod ihres Vaters bei ihrer neuen Pflegemutter auf einem abgelegenen Grundstück landen und dort bald ein unheimliches okkultes Ritual entdecken.
Auf der einen Seite ist „Bring Her Back“ in seinen Bildern und der Intensität des Grässlichen ohne Frage beeindruckend, aber andererseits sehe ich nicht, wie hier vernünftig eine Geschichte erzählt wird. Die Figuren bleiben von Beginn bis End in ihrem Moment gefangen und selbst der eigentliche Punkt der ganzen Eskalation scheint mir nicht recht einleuchtend zu sein. Entweder wird das Übersinnliche des Films schlecht grunderklärt oder die Philippou-Brüder verheddern sich selbst in ihrem Gespinst.
So bleiben intensive Darstellungen, einige bemerkenswerte, verstörende Bilder und ein gutes Sounddesign – was ja für sich genommen durchaus schon den Film sehenswert macht. (6/10)
Blood & Sinners (2025, Ryan Coogler)
zur Leihe
„Blood & Sinners“ folgt zwei Zwillingsbrüdern im Mississippi der 1930er-Jahre, die versuchen mittels einer Bar-Gründung ein neues Leben zu beginnen, aber bald von übernatürlichen Vampiren und den Spannungen ihrer Gemeinschaft herausgefordert werden.
Freue mich selbstredend über jeden Nicht-Reboot/Superhelden/Sequel/Kinderbuchverfilmungs-Hit, der die Kinokassen stürmt („Sinners“ ist kurz vor Jahresende mit 279 Mio $ Einspiel der sechtserfolgreichste Film des Jahres in den USA), aber so ganz ist die Begeisterung nun auch nicht nachzuvollziehen. Der schräge Mix aus „From Dusk Till Dawn“ und Schwarzer Selbstermächtigungsgangsterschnurre ist vor allem in seiner zweiten Vampir-Hälfte nicht überzeugend inszeniert. Je mehr Kampf Coogler zeigt, desto mehr Geschichte verliert er.
Gute visuelle Momente wie die Kamerafahrt durch die Schnapshütte (und zugleich Jahrhunderte von Musikschaffen!), meist starke Sounds und charismatische Nebendarsteller (Delroy Lindo) stehen im Gegensatz zu einer kruden, nicht überzeugend ausformulierten Vampirgeschichte, die dazu noch sehr viel Allegorie-Gepäck auf ihren Zelluloid-Schultern tragen muss. (6/10)
Companion (2025, Drew Hancock)
zur Leihe
Der Film „Companion“ begleitet eine junge Frau auf einem Wochenendausflug zu Bekannten. Nachdem ein tödlicher Vorfall die Dynamik der Gruppe zerstört, befreitet sie sich aus der Kontrolle ihres Freundes und versucht zu fliehen.
Was ich ursprünglich als den großen Twist erwartet hatte, wird so eindeutig an den Zuschauer telegraphiert, dass ich regelrecht erleichert war, als dieser Punkt bereits nach 15 Minuten aufgelöst wurde und sich „Companion“ in ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Mensch und Robot entwickelt.
Ein schönes Hin und Her, das dennoch ein wenig das Gefühl hinterlässt, die beste „Black Mirror“-Folge seit langem gesehen zu haben. (6+/10)
Together (2025, Michael Shanks)
zur Leihe
„Together“ folgt einem langjährigen Paar, das nach einem Umzug aufs Land durch eine mysteriöse Begegnung in einer Höhle beginnt, unaufhaltsam miteinander zu verschmelzen.
„Together“ hat einen gleich mehrfach interessanten, gegenintuitiven Ansatz für einen Horrorfilm.
Zunächst legt er bereits in der Startszene alle Karten insoweit auf den Tisch, dass kaum eine der folgenden, zentralen Entwicklungen mehr überraschen kann. Dazu arbeitet er mit den visuellen Stilmitteln des Body Horror, aber auf einer am Ende beinah schon liebevolle Weise. Es ist also gerade nicht die visuelle Repräsentation der Abscheu vor dem eigenen Körper, die sich hier in Horrorbildern an die Oberfläche spült, sondern die aus dem Body Horror gelernten Bilder werden benutzt, um die Verschmelzung zweier Personen zu *einer* handelnden Einheit, was Wesensmerkmal wohl jeder langen (gesunden?) Beziehung ist, ins Groteske überspitzt zu visualisieren. Deshalb bleibt auch die Frage in gewisser Weise offen, ob wir hier eine Affirmation in ungewöhnlichen Bildern sehen oder doch ein satirisches Ans-Ende-Denken.
Ich tendiere zu letzterem. (7/10)
Die Tragik deutscher Fernsehproduktionen liegt darin, dass die Macher die Zuschauer für dümmer halten als sich selbst. „Das versteht der Zuschauer/die Zuschauerin nicht“ ist ein beliebter Satz in Drehbuch-Konferenzen. Bevorzugt macht man fürs hiesige Fernsehpublikum, was anderswo schon einmal Erfolg hatte – nur in schlecht. Aber jetzt wird noch mal eine neue Stufe gezündet. Die ARD bringt das womöglich Schlechteste, was das deutsche Fernsehen jemals hervorgebracht hat. (…)
Man kann sich die Serie vorstellen wie „Bridgerton“ meets „Amadeus“ meets Rondò Veneziano meets Female Empowerment à la Physikerin-Barbie, nur in schlecht. (…) Schauplatz ist Österreich, auch der ORF hat mitproduziert, doch jeder mögliche Anflug österreichischen Charmes wurde effizient eliminiert. (…)
Mozart, der von Eren M. Güvercin, 23, gespielt wird, nuschelt jedenfalls wie ein heutiger Typ aus Friedrichshain nach durchzechter Nacht und sagt „Isch“ wie ein moderner Berliner. Mag sein, dass diese Schauspieler in anderen Produktionen glänzen, in „Mozart/Mozart“ jedoch agieren beide auf unterstem Soap-Niveau. Güvercin spielt hauptsächlich mit den Nasenflügeln, die er immer wieder aufbläht, sei es im Zorn oder aus Kummer. Andere Emotionen stellt er mit dem Kaumuskel dar. Nur wenn er richtig wütend spielt, was im Laufe der Serie zweimal vorkommt, wechselt er in ein athletischeres Fach.
Dann schreit er ganz aufgeregt herum, reißt die Augen auf und wirkt wie ein Rumpelstilzchen, das gleich in die Luft geht, wenn ihm nicht vorher noch Rauch aus der Nase steigt. Nein, das hat Mozart nicht verdient, trotz all der mittelmäßigen Musik, die er auch komponiert hat, während seine geniale Schwester aus Gründen des noch nicht erfundenen Feminismus einfach nicht zum Zuge kam.
Havana Joy sieht als Anna Maria Mozart aus wie Victoria Beckham heute. Sie spielt mit bebenden Lippen und weit aufgerissenen Augen, wie man es sonst eigentlich nur aus animierten Filmen kennt, wenn im Hintergrund die Welt brennt und jemand noch etwas final Wichtiges zu sagen hat. In diesem Stil sagt Havana Joy: „Setz dich.“
Zu Güvercins und Joys Verteidigung sei angebracht, dass die beiden es mit unfassbar schlechten Dialogen zu tun haben. Oft sagt in dieser Serie jemand etwas, das Gegenüber wiederholt dann das Verb als Frage und bekommt es hinwiederum von der ersten Person anders umschrieben. Etwa so:
Sie: „Lass uns verschwinden.“
Amadeus: „Verschwinden?“
Sie: „Abhauen.“
(…) weil Schauspieler ja sagen müssen, was im Drehbuch steht, mögen die oft rätselhaft geweiteten Augen der beiden Hauptdarsteller Ausdruck stummer Hilfeschreie sein. (…)
Da es aber eine moderne Serie über Mozart beziehungsweise Mozarts Schwester sein soll, bemühte man sich redlich, Mozarts Musik darin unkenntlich zu überkleistern. Offenbar traut man heutigen Ohren das Ertragen klassischer Musik nicht zu. Kaum ertönt etwas von Mozart, werden schnell klebrige Synthesizer darübergelegt und Beats, und es klingt dann nach diesem unerträglichen irischen New-Age-Geheule von Enya oder eben nach Björk. (…) warum ist man dann mit dem billigsten Zusatz-Berieselungssoundtrack, wie er schwachsinniger nicht in einem Beruhigungsvideo für Angstpatienten auf dem Zahnarzt-Deckenbildschirm laufen könnte, zufrieden? (…)
Die Serie ist zu solide sehr schlecht, um auf gut schlecht gemeint zu sein. Da gibt es keine doppelte Ebene, kein Zwinkern der Macher an ihre für intelligent gehaltenen Zuschauer wie etwa bei „Emily in Paris“, eine Serie, die auch schlecht ist, aber in bestgelaunter Absicht. „Mozart/Mozart“ hingegen ist einfach nur schlecht. (…)
Wenn Güvercin traurig spielt, sieht es aus, als sei sein Kaugummi schlecht geworden. Wenn er Dirigieren spielt, sieht es aus, als versuche er, einen Hühnerstall unter Kontrolle zu bringen. Wenn Havana Joy spielt, dass eine Kutsche jäh anhält, guckt sie versehentlich beleidigt statt erschrocken. Wenn sie dirigiert, sieht es aus, als schiebe sie einen stecken gebliebenen VW-Bus wieder an. (…) Ganz zuletzt ist sie am Ziel. Da dirigiert sie vor Publikum eine eigene Komposition (…) Mozarts Schwester wirkt dabei, mit beiden Armen unaufhörlich den imaginierten VW-Bus in Richtung Serienfinale schiebend, richtig zufrieden, es soll also offenbar super Musik sein.
Ach, ist das alles blöd. So viel verschwendetes Geld, so viel verschwendete Zeit. Es hilft der Gleichberechtigung nichts, sich im Nachhinein die Geschichte schönzudichten, es hilft der ARD nicht, das mit so wenig Geist und Sinn zu tun. Es ist wirklich ein grauenhaftes Produkt herausgekommen. Historiencontent für eine für dumm verkaufte Welt.“
(Johanna Adorján in der Süddeutschen Zeitung)
]]>* Die drei besten Punksongs/-singles?
The Clash – Death or Glory
Peaches – boys wanna be her
Pisse – Fahrradsattel
* Ein Song, der Dich immer zum Tanzen bringt?
I’m still standing – Elton John
* Deine liebste deutschsprachige Textstelle?
“In der Mitte deines Kopfes schläft ein wachsamer Soldat,
der sobald er in den Krieg zieht, alles aufgibt, was er hat”
Der Nino aus Wien: Es geht immer ums Vollenden
* Die interessanteste / beste „neue“ Band/Künstler ist?
Alvilda: Sie schaffen es zu jeder Stimmung zu passen ohne oberflächlich oder langweilig zu sein. Ihre Musik macht glücklich, mutig, hoffnungsvoll. Sehr belebend!
* Der beste Song, den Du je geschrieben / aufgenommen hast?
Madlaina: Stell sie mir vor
Nora: Leon
* Der beste Film über Musik? Und warum?
Once. Weil die Musik magisch ist, der Film super und es in erster Linie um alles Menschliche dazwischen geht. Wie in der Musik auch.
* Beste Schweizer KünstlerIn/Band ever?
Mani Matter
* Die beste deutsche/deutschsprachige Platte?
Heute: Hildegard Knef – Worum geht’s hier eigentlich?
* Die beste Platte aller Zeiten?
Black Rebel Motorcycle Club – Howl
Die neue Platte von Steiner & Madlaina ist bereits erschienen:
Eine gelangweilte Hausfrau gerät durch eine Zeitungsannonce in die Spur einer unbekannten Frau namens Susan und wird dabei in eine Reihe von Verwechslungen und Ereignissen hineingezogen.
Susan Seidelmann dreht hier drei Jahre nach ihrem tollen, aber ziemlich deprimierenden Punk-in-New-York-Film „Smithereens“ mit einer gerade zum Weltstar werdenden Madonna eine schön wilde Verwechslungskomödie, die zugleich Krimi und Style-Legende sein will – und das auch schafft. Selbst Madonna, die ich nie geschätzt habe, überzeugt als freches Girl, das sich mit Street Smartness am Leben hält und sich ein Auskommen beschafft.
Ein wunderbarer Snapshot eines immer noch etwas dreckigen New Yorks aus den Mitt-80ern, aber mit deutlich mehr Fun am Leben als noch in „Smithereens“. Sozusagen die New-Wave-Version einen Punkfilms.
P.S.: Seidelmans Punk-Credentials zeigen sich auch in einer ganzen Riege an Nebendarstellern, die sie allesamt mit Mini-Rollen im Film unterbekommen hat und die in der Art/Punk-Szene des New Yorks der 70er unterwegs waren. Der bekannteste davon sicherlich Richard Hell, aber auch Mitglieder von The Loung Lizards, Bongwater, DNA oder The Shirts sind zu entdecken. Hier en detail zum Mitsuchen.
(7/10)
Kassenergebnis:
* Platz #23 Erfolgreichster Film des Jahres in Deutschland 1985 · 819.000 Zuschauer ·
* Platz #31 Erfolgreichster Film des Jahres in den USA 1985 · 27 Millionen US-$
Therapie für Wikinger (2025, Anders Thomas Jensen)
im Kino
Nach 15 Jahren Haft sucht ein aus dem Gefängnis entlassener Mann mit seinem psychisch gestörten Bruder nach der Beute eines Raubüberfalls, wobei die Suche zu einer Reise in ihre gemeinsame Vergangenheit und zur Heilung alter Traumata wird
Auch Anders Thomas Jensens neuester Film „Therapie für Wikinger“ kombiniert wieder schwarzen Humor mit Gewalteruptionen, was in der Vergangenheit mal besser („Dänische Delikatessen“, 2003 oder „Helden der Wahrscheinlichkeit“, 2020), mal schlechter (der unerträgliche „Men & Chicken“, 2015) funktioniert hat.
Die erste Hälfte von „Therapie für Wikinger“ ist durchwegs gelungen und macht schöne Scherze über die Trauma-Obsession des modernen Kinos. Deshalb ist es auch umso enttäuschender, dass Jensen in seinem letzten Akt selbst die große Trauma-Falle aufmacht und diese mit zuviel Ernst durchspielt, wodurch – altes Problem bei Jensen – sich der Film tonal selbst ständig zu widersprechen versucht.
Wer übrigens gern dänische Fernsehserien schaut, wird hier mit einem Best Of der Darsteller vor allem aus „The Killing“ aka „Kommissarin Lund“ belohnt. Neben dem auch in Hollywood gut beschäftigten Mad Mikkelsen (dänische Serie: „Unit One“) spielen auch Kommissarin Lund herself, Sofie Gråbøl, ebenso mit wie Nikolaj Lie Kaas (dritte Staffel von Lund sowie Hauptdarsteller der Adler-Olsen-Filmreihe) und Nicolas Bro (zweite Staffel). (6/10)
A House of Dynamite (2025, Kathryn Bigelow)
auf Netflix
Nach dem Start einer unbekannten nuklearen Interkontinentalrakete ringen US-Regierungs- und Militärspitzen in Echtzeit mit der Entscheidung, ob sie einen verheerenden Gegenschlag auslösen sollen, ohne den Angreifer zu kennen.
Kathryn Bigelows „House Of Dynamite“ ist ein Quasi-Kammerspiel in der Tradition von Sidney Lumets „Fail Safe“. Wenn ein möglicherweise eskalierender Atomkrieg vor der Tür steht, benötigt es eben keine visuelle Überwältigung, um die Zuschauer vor Anspannung in die Sitze zu drücken. Es reicht, den handelnden Personen beim Wägen der Entscheidungen zuzusehen, die Unmöglichkeit des Richtigen zu begreifen und sich mit dem Film einer zwingenden Logik der Eskalation hinzugeben.
Die Spannung resultiert allein aus der Frage, ob vielleicht doch noch von irgendwo her ein Lichtlein der Vernunft im Interesse aller in diese Dunkelheit der abgeschotteten Entscheidungsfindung scheint – aber, aber, von woher soll es kommen? (8/10)
Sorry, Baby (2025, Eva Victor)
im Kino
Der Film begleitet eine junge Frau, die nach einem sexuellen Übergriff ihren Alltag und ihre Beziehungen neu ordnet.
Der von Eva Victor geschriebene, inszenierte und in der Hauptrolle gespielte Film ist einer der besten Betrachtungen des #metoo-Moments und von männlicher Übergriffigkeit im Generellen.
Victor erzählt die Geschichte ihrer Studentin, die von einem Professor sexuell belästigt wird, nicht als schreiende Anklage, sondern mit verblüffend feinem Witz, ohne dabei die Schwere der Situation zu verneinen.
Ihre sehr smarte, leicht linkische Figur ist so spröde wie eigen geschrieben und gespielt – und damit zuweilen wie Phoebe Waller-Bridges „Fleabag“ ohne One-Liner. Zudem gelingt es Victor auch als Regisseurin mit Zurückhaltung in den Bildern aber großer Deutlichkeit im Fühlen die Erschütterung durch den Übergriff ebenso zu zeigen wie die lang nachhallenden, traumatischen Folgen für das Opfer.
Dass sie dazu auch noch einer #notallmen-Falle entkommt und zwei Männerfiguren in all ihrer Vielschichtigkeit zeichnet, macht „Sorry, Baby“ nur noch außergewöhnlicher.
Von Victor wird man noch viel hören. (7/10)
The Fall Guy (2024, David Leitch)
auf amazon prime
Ein Stuntman kehrt nach einer Verletzung zu einem Filmset zurück und gerät dort in die Suche nach einem verschwundenen Hauptdarsteller, während ein großes Filmprojekt weiterläuft. Der Film basiert auf der TV-Serie „Ein Colt für alle Fälle“.
Ich versteh es nicht: wenn man sich schon die Rechte an einer „Intellectual Property“ erkauft, sollt man dann nicht mehr als nur den Namen entleihen? Irgendwie vielleicht den Witz des Originals oder wenigstens Howie?
Jedenfalls hat „The Fall Guy“ wirklich gar nichts davon. Sicher teurer als „Ein Colt für alle Fälle“, aber auch definitiv öder. Selbst Ryan Gosling & Emily Blunt können da nichts retten. (3/10)
Kassenergebnis:
* Platz #30 Erfolgreichster Film des Jahres in Deutschland 2024 · 690.000 Zuschauer
* Platz #26 Erfolgreichster Film des Jahres in den USA 2024 · 92 Millionen US-$
Tausend Zeilen (2022, Michael Herbig)
zur Leihe
Spielfilmversion der Relotius-Spiegel-Affäre um gefälschte Artikel. Der Film erzählt von einem gefeierten Journalisten, dessen Reportagen sich als erfunden herausstellen und der dadurch eine umfassende mediale und persönliche Krise auslöst.
Bully Herbig wäre nun nicht der erste Kandidat in meinem Kopf gewesen, um die unselige Relotius-Spiegel-Fake-Artikel-Affäre zu verfilmen. Andererseits schlägt hier wohl mal wieder seine Helmut-Dietl-Vorliebe durch und damit die Idee, einen „Schtonk“ der Neuzeit zu drehen. Nur ist weder die Affäre auf Hitlerhöhe noch hat er Schauspiel-Schwergewichte wie George oder Ochsenknecht im Kader (andererseits hat sich auch „Schtonk“ beim kürzlichen Wiedersehen doch eher als unlustige Farce und nicht als Jahrzehntkomödie herausgestellt…).
„Tausend Zeilen“ ist in jeder Hinsicht zu betulich. Zwar keineswegs langweilig, aber nie gelingt Herbig hier ein größeres Bild der Welt im Fake-News-Zeitalter zu zeichnen. Alles wirkt seltsam egal. Ebenfalls nicht hilfreich, dass mit Ausnahme von Michael Ostrowski sich quasi alle Akteure durch eine Schmierenkomödie chargieren als würden sie nach Grimassen bezahlt. Haupttäter hier Michael Maertens als Spiegel-Ressortleiter. (6/10)
Kassenergebnis:
* Kassenergebnis: Platz #62 Erfolgreichster Film des Jahres in Deutschland 2022 · 275.886 Zuschauer
Belén (2025, Dolores Fonzi)
auf amazon prime
„Belén“ begleitet die wahre Geschichte einer jungen Argentinierin, die nach einem Krankenhausaufenthalt wegen einer Fehlgeburt fälschlich wegen eines illegalen Abbruchs angeklagt wird und deren juristische Verteidigung vor einem korrupten Rechtssystem zu einem Symbolfall im Kampf um reproduktive Rechte wird.
Ein Film mit Anliegen. Als eine junge Frau mit großen Schmerzen ins Krankenhaus eingeliefert wird, dort eine Fehlgeburt erleidet und die Polizei ihr vorwirft, diese mit illegalen Abtreibungsversuchen ausgelöst zu haben, landet sie im Gefängnis. Eine junge Anwältin streitet für ihre Freilassung.
„Belen“ konzentriert sich in der Folge vor allem auf die Rolle der Anwältin, ihren Kampf hinter und vor den Kulissen. Öffentliche Auftritte (ein eindrucksvoller Talkshow-Besuch), die Gerichtsverhandlung und die damit einhergehenden Anfeindungen, die sie bis ins Familienleben treffen.
Die von Argentinien eingeschickte Nominierung für den besten Auslandsoscar bleibt visuell allerdings doch bis auf den starken Beginn auf Fernsehniveau und kann auch nicht ganz überwinden, wie sehr es ihm um die richtige Aussage geht. (6/10)
]]>Nun ist gerade das erste Album erschienen, das in seiner Kombination aus Noise-Gitarren, quietschendem Saxophon und bellendem Spoken-Word-Gesang doch recht avantgardistisch, anstrengend im besten Sinn klingt. Nachdem die von mir heiss geliebten Black Country, New Road nach Abschied ihres Sängers heute doch zu lieblich baroquepop klingen, sind Maruja ein willkommener Nachfolger in der Schrägheitskategorie – nur noch eine ganze Stufe aggressiver.
* Your three favourite Punk singles/songs?
– Banned in D.C. – Bad Brains
– You Know You’re Right – Nirvana
– The Boom Is Back – Panik Attaks
* A record that will make you dance?
– New Forms – Roni Size, Reprazent
* Your favourite song lyrics?
– How Much A Dollar Cost? – Kendrick Lamar
* The best “new” artist / band right now?
Enola Gay
It’s tricky to define what “new” is. Lots of people are raving about Geese at the moment but they’ve been together for a while now and have 3 albums out even thought they feel quite new. Although we’ve just dropped our debut this year, we’ve been releasing music as Maruja since 2020. Being in a band, naturally it takes longer to release music than if there was just one or two songwriters, so will measure “new” as an artist who is yet to or just released their first album.
One band that is yet to release their debut album, but has influenced loads of bands already is Enola Gay from Belfast, Ireland. We know when they do drop and people listen to them for the first time it’s going to magical. They combine everything we love in music; high energy, potent lyrics, insane noises, genre crossovers and viciously danceable music. They’re bound to change their sound up for their first album and that’ll surely affect everything for bands to come. Nobody makes noisy bangers like the Irish, and
nobody does it to the depth of Enola Gay.
* Black Country New Road, Black Midi or Squid – which one do you prefer and why?
– We were fans of all 3 bands back in 2019 but haven’t really been too crazy about any release since, so with that metric we’ll rate which of their debut albums is our favourite and that would be Schlagenheim by Black Midi. It showcases their performance abilities, but mostly their unique approach to songwriting and experimentation. It’s loud and crazy and something that was of influences to us growing up as a band.
* Your favourite song about rebellion/revolution?
– Wake Up – Rage Against The Machine
* Your favourite song this year so far? (or of last year)
– Suffocate (feat. Poppy) – Knocked Loose
* Your favourite movie about music – and why?
– Summer of Soul – Documentaries offer an insight into a world we’d have never normally be able to witness, Summer of Soul showcases some of the greatest artists of all time collaborate to perform at a one-off free festival. Music and film that have the greatest impact are ones that make you feel inspired, this film encapsulates this perfectly, it just leaves you feeling completely inspired by the power of music. It showcases counter-culture, what happens when community is set out to inspire and look out for future generations and just a beautiful watch and listen.
* The best song you’ve ever written / recorded?
– Look Down On Us – this was written in May 2024 over the course of 2 or 3 weeks, with each session adding more chaos into the fire. We finished the track at about 8 minutes long, but already knew we wanted to add strings/orchestral elements to bolster it. When we came to recording it, we’d already played it over 100 times with all these wild ideas about how to take it to the next level. This was the first song we tracked and mixed and did it with complete ease in only a couple days, each time adding something new. It felt like we were exceeding our vision for the track – something which can be really hard to execute if you’ve been playing it continuously as well as rinsing the original demo version for such a long time. We definitely think we exceeded the heights we could take the track too and it’s the best individual track to represent the album.
* Your favourite german song/record?
– Modern Life by Ralph Heidel
* Your favourite record of all time?
– Every Day – The Cinematic Orchestra
Das Debüt-Album von Maruja, „Pain To Power“, ist bereits erschienen:
In die Beschreibung jedes Stücks, von Track 1 „Freddy Quinn – Heimweh“ bis Track 99 „Echt – Du trägst keine Liebe in Dir“ sind Verweise auf politische und kulturelle Gegebenheiten und Einflüsse dargestellt, die man an manchen Stellen auch „gnadenlos subjektiv“ nennen könnte. Aber ernsthaft, wie sonst sollte man emotional und wertend über Musik schreiben? Vor allem, wenn man fast immer so richtig liegt wie Wolfgang Zechner. Warum ist mir dieser begnadete Autor bisher gar nicht über den (Lese)-Weg gelaufen.
Natürlich gibt es die naheliegenden Dinge, wie Kraftwerk, Fehlfarben, Blumfeld oder Abwärts, die völlig obskuren Dinge wie die schon angesprochenen Cindy und Bert, die abartigen Geschichten wie Ferienprogramm-Bennys Plastic-Bertrand-Adaption oder Freddy Quinns Anti-Gammler-Hymne „Wir“. Dazu minutiös skizziert wie die Anfänge der Neuen Deutschen Welle genuine Punk-Aneignung brachte und in Rekordzeit zu einem Kommerzprodukt umfunktioniert wurde, die die deutsche Sprache im Pop für beinahe ein Jahrzehnt versaute. Das betont der Autor vielleicht einmal zu oft, es nervt ein wenig, wenn man das im fünften Text zum fünften Mal liest, ABER: Man kann eben auch jeden Text für sich stehend (noch einmal) lesen und dann sind diese Wiederholungen und Klarstellungen zu einer besseren Einordnung sehr hilfreich.
Was man sich aber angesichts der Zusammenstellung auch vorstellen kann: Man mag die zugehörige Playlist nicht wirklich durchhören, sicher sind abseitige Entdeckungen dabei („Wie a Glockn“ von Marianne Mendt), aber „Ich will Spaß“ oder „99 Luftballons“ mag man sich nicht mal aus musikhistorischen Gründen ernsthaft nochmal um die Ohren schlagen lassen. Man kann es sich bei diesen Worten denken, dass zwischen allen Lobeshymnen der eine oder andere Verriss für eine segensbringende Aufheiterung sorgt. Highlight dabei die Seite zu Rammsteins „Heirate mich“, welches als einzigen Kommentar auf der sonst leeren Seite „Nein.“ beinhaltet.
Gleich zu Beginn ist mir der Ausdruck „auf Polyvinylchlorid gepresst“ mehrfach aufgefallen und ich habe mal mitgezählt und war schon bei Song 31 (Kraftwerk – Autobahn) bei vier Verwendungen dieses ärgerlichen Synonyms für Schallplatte. Mir schwante Übles, doch in den verbleibenden Texten kam das heruntergefallene Bild kein einziges Mal mehr vor. Alles wird gut (indirekt drin mit DAF – Der Mussolini),
Alles in Allem eine gnadenlose Empfehlung von mir.
Extra-Kudos für den Autor, bei den Danksagungen am Ende auf andere Standardwerke zum Thema zwischen Albert Koch, Diedrich Diederichsen, Jürgen Teipel und Frank Apunkt Schneider verlagsübergreifend hinzuweisen. (Text: Horst Motor)
Wolfgang Zechner:
Völlig schwerelos – Glanz und Elend der deutschsprachigen Popmusik in 99 Songs
324 Seiten
Vorabdruck des Kapitels:
* ANARCHY IN GERMANY? Strassenjungs – „Ich brauch meinen Suff“
Die Geschichte von 1860 wird dabei als einzige mit fünf statt drei Halbstündern bedacht, denn unten in München-Giesing ist wirklich zu viel passiert, als dass man es in 90 Minuten wegerzählen könnte. Aufstieg aus den Niederungen nach langem Dahinvegetieren in der Unterklassigkeit, Durchmarsch in die erste Bundesliga, Champions League, Stadionneubau, Abstieg, Investoren-Einstieg, Konkurs. Wildmoser, Lorant. Und daneben wie ein Muppet-Show-Waldorf/Statler immer Uli Hoeness im Kommentiersessel, der sich der Unfähigkeit des kleinen Nachbarn wegen echauffiert/erfreut.
Die erste Folge steigt verhältnismäßig spät in dieser wirklich irren Achterbahngeschichte direkt mit dem Verkauf an einen arabischen Investor ein. Bemerkenswert, wie es der Erzählung gelingt, beide Seiten des großen Familienkampfes Fans vs Inhaber mit so aufrichtigem Interesse darzustellen, dass man nicht umhin kommt, eine gewisse Empathie sogar für den Investoren zu entwickeln, selbst wenn man sich „50+1“ aus Überzeugung auf die Unterlippe tättowieren möchte. Dazu verankert die Doku gelungen 1860 als Arbeiterklasse-Klub, zeigt die Bierfahrer und Reinigungskräfte, die ihr mühsam erarbeitetes Geld ins Grünwalder tragen und bei allem Ärger dort doch ihren emotionalen Anker finden.
In der zweiten und dritten Episode werden dann die eigentlichen Geschenke ausgepackt, der Bogen zu Wildmoser / Lorant geschlagen und tief in die 90er, bis in die Bayernliga, abgetaucht. Man muss die beiden Unikate, die den 1860 der modernen Ära geprägt habe, ja nicht mögen, aber aus heutiger Sicht: was für wunderbar irre characters das waren! Sehnsucht!
In dieser Phase wird die Serie und 1860 zum gift that keeps on giving. Allein in Folge 3 Stadionneubau, Wildmoser’scher Größenwahn, Lorant-Entlassung, Kioyo-Fehlschuss, Gefängnis-Einfahrt zu hervorragendem Soundtrack von Bibiza, Underworld, Radiohead, Gorillaz & Fontaines D.C…
In seiner Aufmachung mag „Rise & Fall“ nicht ganz so fancy und einfallsreich wie die sensationelle „FC Hollywood“-Doku des ZDF sein, aber gut, das ist wohl die alte Geschichte: geht’s um 60, ist eben alles grundierter und der nicht minder große Wahnsinn eher auf Eckkneipen- statt P1-Niveau. Weniger spektakulär, in seinem ständigen Scheitern aber sicher sympathischer.
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(*warum der VfB Stuttgart hier als dritter Verein mit einer „Rise & Fall“-Serie bedacht wird, erschließt sich mir nicht ganz. Der HSV, Hertha oder ein gewisser Rekordmeister aus fränkischen Breiten böten sich mit ihrer Historie ja doch weitaus mehr für eine Achterbahngeschichte sondersgleichen an als die Streber aus dem Schwabenland, die zwar kurz mal Hallo in der Zweiten Liga sagten, aber dann doch wieder in Champions-League-Gefilden spielten)
]]>Max Kakacek & Julien Ehrlich gründeten nach dem Smith-Westerns-Ende dann Whitney, deren Debütalbum nun auch schon fast ein Jahrzehnt alt ist. Ihre neue Band orientert sich mehr an Americana/Eagles/Dreampop als am Nuggets-Garage-Rock-Sound des Vorgängers. Gerade ist das bereits fünfte Album von Whitney erschienen.
* Düsseldorf Düsterboys – Teneriffa
I like the recording quality a lot. And it’s funny compared to the era of the clothes they’re wearing. I feel like someone could easily say the same about early Whitney videos as well lol. Did these guys do the Coldplay “The Scientist” move where they sing the song backwards so their mouths are synced up when the video is in reverse? Because mad respect if so.
* Mutter – Die Erde wird der schönste Platz in All
The song is cool! I love the bait and switch with the video as well. Opening with the trees and sort of nature-y vibe and then slowly morphing into more and more chaotic imagery. It pairs really well with the repetition of the song. I loved the additional video effects that started appearing towards the back half as well. Is the video director/editor still alive?
* Locas In Love – Stefanie sagt
Hell yeah. This song is great and the guitar arrangement is really nice. Sounds like the Violent Femmes in a nice way. Also kind of reminds me of Os Mutantes a bit vocally for some reason. Maybe it’s the backing vocal? I need to check out more from Locas in Love. Sounds like there’s more to discover.
* Die Heiterkeit – The End
Damn this is beautiful. I don’t necessarily know what’s going on in the video but I’m getting lost in the song. I love the synth chords that fade in every once in a while in the A section. Feels like they’re teasing a larger dynamic shift but it’s just as satisfying when they disappear. I feel inclined to throw the lyrics in a translator so I can understand what they’re saying. Thanks for putting me on to this!
* Chuckamuck – 20.000 Meilen
Some good old garage pop. I like the grittiness of the lead vocal. The melodies remind me of Jens Lekman which I love. I wonder if he’s telling a story? Or if the lyrics are funny and self deprecating? I may never know.
Das neue Album von WHITNEY ist am 7. November erschienen:
Beating Hearts erzählt die Geschichte zweier junger Menschen, deren leidenschaftliche Beziehung sie in einen gefährlichen Strudel aus Liebe, Geheimnissen und moralischen Entscheidungen zieht.
Der dritte Film des Schauspielers Gilles Lellouche als Regisseur ist im Gegensatz zu seinen vorherigen Streifen wie „Ein Becken voller Männer“ ein großer, großer Wurf in jeder Hinsicht. Die 35 Millionen teure französische Produktion (Frankreich tickt echt anders!) ist zugleich Coming Of Age wie Romeo & Julia – Romantik, Gangsterthriller wie Familienmelodram.
Das Besondere: „Beating Hearts“ überzeugt durch all diese Genre-Linsen gesehen als große, jahrzehnte umfassende Geschichte einer Liebe gegen die Umstände. Toll gespielt sowohl in der Teenager-Zeit (Malik Frikah als wilder bad boy Junge hat eine manische Präsenz) als auch im Erwachsenen-Alter (erneut beeindruckend: Adèle Exarchopoulos), in epischen Bildern gefilmt und mit einem starken Pop-Soundtrack versehen, scheut „Beating Hearts“ vor keiner großen Geste zurück.
Ein Film, der alles will, und auch wirklich viel davon erreicht. (7/10)
Relay – The Negotiator (2024, David Mackenzie)
im Kino
Relay folgt einem professionellen Vermittler, dessen perfekt kontrollierte Welt ins Wanken gerät, als ein neuer Auftrag ihn in ein Netz aus Lügen, Machtspielen und persönlichen Abgründen zieht.
Ein schön spannnder Thriller um einen im Verborgenen arbeitenden Typen, der Whistleblower schützt und ihnen hilft, Arrangements mit den angeklagten Firmen zu treffen. Riz Ahmed spielt seinen Verhandler mit großer Präzision und es ist eine Freude, diesem Charakter dabei zuzusehen, wie er das Unmögliche in der heutigen Welt versucht: zu verschwinden, unaufspürbar zu sein. Mittels abhörsicheren Geräten, Zwischenhändlern und einem Eintauchen in die Masse gelingt ihm das auch – doch dann kommt die Frau, das Unheil, und wenn das Herz zu laut pochen beginnt, können dich deine Gegner hören…
Diese ganzen elaborierten Verschwindeversuche sind bei längerem Nachdenken ebenso übertrieben wie letztlich der große Twist des Films unrealistisch ist, aber das schadet „The Negotiator“ nicht, weil Regisseur David Mackenzie so kompetent die Hebel in Bewegung setzt, dass man sich einfach gern mitreissen lässt. (7+/10)
Mordanklage gegen einen Studenten (1972, Mauro Bolognini)
zur Leihe
Ein Staatsanwalt ergründet die Wahrheit über den Tod zweier Menschen, nachdem die Polizei einen Studenten als bewaffneten Täter darstellt und Widersprüche im offiziellen Ermittlungsbericht auftauchen.
Mehr ein Drama über den Generationenkonflikt der 60er/70er als die erwartete Korruptionsräuberpistole, die das italienische Kino zur damaligen Zeit gerne und erfolgreich produzierte.
Zwar beginnt der Film mit zwei ungeklärten Todesfällen bei einer Studenten-Demonstration (ein Polizist, ein Kommunist), doch die nachfolgende polizeiliche Entwicklung wird schnell zur Nebensache, als der ermittelnde Staatsanwalt bemerkt, dass sein eigener Sohn an der Demonstration beteiligt war. Im Folgenden spielt sich eine schön austarierte Diskussion um Fragen der Loyalität (zu Staat, zu Beruf, zu Familie?) und den unterschiedlichen Ansichten der Generationen ab.
Ein erstaunlich reifer, unzynischer Film. (6+/10)
The Purple Rose of Cairo (1985, Woody Allen)
auf amazon prime
Eine unglückliche Kellnerin entflieht ihrem tristen Alltag, als eine Filmfigur buchstäblich aus der Leinwand steigt und ihr Leben auf wundersame, aber komplizierte Weise auf den Kopf stellt.
Eine zarte, romantische, nostalgische und auch wehmütige Komödie von Woody Allen.
Die in einer unglücklichen Ehe steckende Cecilia (Woody Allens damalige Partnerin Mia Farrow) findet ihre einzige Zuflucht in ausgiebigen Kinobesuchen. Als sie einen Abenteuerfilm sieht, steigt auf einmal der Star (Jeff Daniels) von der Leinwand und flieht mit ihr in das ‚richtige‘ Leben.
Dieses „Fisch aus dem Wasser“-Szenario nutzt Allen für einige einfache, aber sehr schöne Scherze, die all die Shortcuts des Filmemachens mit der Beschwerlichkeit des ‚echten‘ Lebens kontrastieren (damit Autos losfahren, muss man erst einen Schlüssel einstecken…). Doch neben all den Meta-Diskussionen über Film vs Leben schlägt das Herz von „Purple Rose Of Cairo“ doch bei den Hoffnungen und Enttäuschungen des Liebeslebens, was auch als Kommentar zur Fakeness des Hollywood-Geschäfts fungiert, wenn selbst der ‚echte‘ Darsteller der Film-Figur, der ebenfalls in Cecilias Leben tritt, für sie nur zur Enttäuschung werden kann.
Von Woody Allen selbst als einer seiner Lieblingsfilme bezeichnet, war vor allem in Deutschland der kommerzielle Erfolg erstaunlich: Platz 21 in den erfolgreichsten Filmen des Jahres mit fast einer Million Zuschauer und damit beispielsweise besser besucht als „Terminator“! „Purple Rose Of Cairo“ wurde so in Deutschland zu Allens größtem Erfolg seit „Manhattan“ (1979, 1,7 Mio Zuschauer). (6/10)
Spieleabend (2024, Marco Petry)
auf Netflix
Bei einem vermeintlich harmlosen Spieleabend mit dem Freundeskreis gerät die frisch verliebte Beziehung zwischen Jan und Pia durch das Auftauchen von Pias Ex schlagartig aus den Fugen.
Gut ein Vierteljahrhundert nachdem Marco Petry eine der wenigen guten deutschen Schulkomödien („Schule“, 2000) gedreht hat, verbindet er sich wieder mit einem nun vollbärtigen Axel Stein und produziert eine deutsche Komödie, für die man langsam ein eigenes Subgenre aufmachen kann: mittelalte Menschen treffen sich zu einem ’schönen‘ Abend, doch dann eskalieren die im Verborgenen liegenden zwischenmenschlichen Spannungen auf die alleramüsanteste Weise (Scherz). Siehe auch „Der Vorname“, „Der Nachname“, „Der Spitzname“, „Das perfekte Geheimnis“ et al.
„Spieleabend“ hat zumindest den Vorteil, nicht die allerbekanntesten Nasen erneut durch die Wohnzimmer-Manege zu jagen, und widersteht den gröbsten Nach-unten-Treten-Witzen, sondern hat sein Herz bei der Working Class (was hier allerdings tatsächlich „Besitzer eines Upcycle-Bike-Laden im hippen Kreuzberg“ bedeutet…) gegen die Grunewald-Spießer. Wenige erfolgreiche Scherze, aber auch nicht ärgerlich und zumindest halbwegs unterhaltsam.
P.S.: allerdings Meilen unter der tatsächlich sehr gelungenen, quasi gleichnamigen, inhaltlich aber unterschiedlichen US-Comedy „Game Night“ von 2018, die im Vergleich zu „Spieleabend“ eindeutig das LOL-Monopoly inne hat. (5/10)
Pfau – Bin ich echt? (2024, Bernhard Wenger)
auf amazon prime
Ein Mann verdient seinen Lebensunterhalt damit, sich auf Bestellung als Freund, Sohn oder Begleiter ausgeben zu lassen — bis er durch diesen ständigen Rollenwechsel sich selbst so sehr verliert, dass sein Leben vollends aus den Fugen gerät.
Der österreichische Spielfilm „Pfau“ spielt wie eine weniger verstörende Variante von Yorgos Lanthimos „Alps“. Auch hier wird die Hauptfigur dafür bezahlt, in elaborierten Settings die Rollen anderer Menschen zu übernehmen. Albrecht Schuch ist natürlich die Idealbesetzung für diesen Charakter, gibt es doch derzeit keinen anderen hiesigen Schauspieler, der so sehr in seinen Rollen verschwindet. Schuch ist wandlungsfähig bis zur Unerkennbarkeit.
Ein wirklich interessantes Spielfilmdebüt von Regisseur & Autor Bernhard Wenger, dessen „Pfau“ sich hier – abgesehen vom offensichtlichen Lanthimos-Vergleich – neben Filmen wie „Dream Scenario“ von Kristoffer Borgli oder Alex van Warmerdams „Borgman“ einsortiert.
Ein weirder, kühler, schwer greifbarer Film, eine Empfehlung. (7+/10)
The Fantastic 4: First Steps (2025, Matt Shakman)
auf Disney+
Ein Superheldenteam muss die Erde beschützen, als der planetenverschlingende Weltraumgott Galactus mit seinem Adjudanten Silver Surfer droht, die Welt zu vernichten.
Familienfreundlicher Marvel-Quatsch: der neueste Fantasic-Four-Reboot setzt vor allem auf die Kern-Familie, die nuclear family. Und zwar endlich einmal im Wortsinn, denn der entscheidende Punkt der Erzählung ist das gemeinsame Baby von Susan Storm und Reed Richards, die beide dank Verstrahlung im All Superkräfte entwickelt haben.
Und nun vor der großen Frage stehen: was wird aus super+super? Supersuperbaby? Jedenfalls meint das Galaktos, der Bösewicht der Geschichte, der das Supersuperbaby als seinen Weltenverschlingungsnachfolger auserkoren hat! Großer Unsinn natürlich allenthalben, aber gut, so ist das eben hier im Genre und im Besonderen noch mal bei dieser Family*5.
Kommen wir zum wichtigeren: wie sieht’s aus? Und hier ist das Echo aus dem Nichts der Geschichte zwiespältig. Einerseits ist das retrofuturistische Design der (alternativen) Erde wirklich sehr schön anzusehen (think: The Jetsons, aber vom Pan-Am-Designer) und manchmal gar etwas originell, aber der Kampfszenen-CGI ist selbst für Marvel-Verhältnisse noch mal außergewöhnlich grauenhaft. Hier sieht wirklich gar nichts mehr „echt“ aus, dementsprechend wird’s unfreiwillig komisch wenn der Bösewicht sich godzillagleich durch die Stadt galaktiert und Pedro Pascal mit ins unendliche gedehnte Gliedmaßen an ihm herumzuturnen versucht. (5/10)
Die Akte Maldoror (2024, Fabrice Du Welz)
zur Leihe
„Die Akte Maldoror“ ist eine fiktionalisierte Erzählung über die berüchtigten Dutroux-Verbrechen in Belgien, inklusive Vermutungen über einen weiter gefassten Pädophilie-Ring.
Es ist 20 Jahre her, dass ich zuletzt einen Fabrice Du Welz – Film gesehen habe, einen sehr sperrigen, unangenehmen, aber lange nachhallenden Abstieg ins Nichts namens „Calvaire“ (aka „The Ordeal“). Auch „Die Akte Maldoror“ macht es dem Zuschauer nicht leicht, denn wie in „Calvaire“ sind hier auch keinerlei Sympathieträger zu finden, selbst der mit großem Verve ermittelnde junge Polizist ist in seiner obsessiven, cholerisch-verzweifelten Art wahrlich kein Freund-und-Helfer-Cop.
Angesichts des schweren Themas ist diese Herangehensweise auch nachvollziehbar, aber dass Du Welz den Film so fiebrig inszenieren muss, dass selbst offensichtliche Entwicklungen manchmal schwer zu verstehen sind und er an entscheidenden Stellen (wie dem Hinweis ganz am Ende auf das Hausboot) die Deus-ex-Machina anwirft, zeugt auch nicht von stringentem Erzählen. Insbesondere angesichts des wirklich erstaunlichen Falls mit etlichen heute noch unbeantworteten Fragezeichen (siehe beispielsweise diesen Wikipedia-Eintrag mit 27 verstorbenen Zeugen) ist „Die Akte Maldoror“ auch eine verschenkte Chance, bei der man sich ständig denkt: eine wirklich profunde Dokumentation wäre interessanter gewesen. (5/10)
]]>Inhaltlich fehlt mir der Bogen, Dieter Schumann begleitet mehrere Bands von 1985 bis 1988, aber führt diese Beobachtungen nicht zu einem konzisen Narrativ. Stark sind dennoch einige O-Töne. Wenig überraschend kommen die von „unten“, also von den jungen Punks oder auch der Band Feeling B (Keimzelle von Rammstein mit Flake & Landers), die gerade im Gegensatz zu einer gestandenen Rockband wie Silly eine DIY-Attitude leben, wie sie Punk nicht schöner hätte schnitzen können.
Am kuriosesten finde ich, dass selbst im kommunistischen System der DDR die „Sell Out“-Diskussionen des Untergrunds keine anderen waren als im westlichen Kapitalismus. Die Frage nach Kompromissen für die Kunst ist also systemunabhängig, immer ein Thema von unten vs oben, egal in welches äußere System die Künstler eingepresst werden.
MVP: die Strandpogo-Szene zu Feeling B! Was für tolle Aufnahmen!
(1988, Regie: Dieter Schumann)
Zu sehen bei Amazon Prime
]]>Weimer kennt die Sachen eben oft nur vom Hörensagen, zitiert gern falsch und ohne Anführungszeichen, bewegt sich aber in einem Milieu, in dem er damit durchkommt. Zu den „Zehn Geboten der neuen Bürgerlichkeit“, die er als Moses des Konservatismus in seinem Manifest vorträgt, gehörte Distanz zum Aufschneidertum jedenfalls nicht.“
(Ein Kommentar von Jürgen Kaube in der FAZ)
…Bonus Track:
Eine Kurzbesprechung von Weimers frühen selbstverlegten Gedichten:
„Heute zitiert der Kulturstaatsminister gern die blauen Blumen der Romantik, doch sein Frühwerk erinnert eher noch an Till Lindemann denn an Novalis. „Unglück“ heißt ein weiteres Poem, und Hürtgen liest es im Podcast vor:
]]>„überwuchert mit Eiterbeueln / nötigt er die Schwangere / zum Fleischreiben / sein Pech / dass sein Schwanz platzt / ihr Pech / dass warmer Eiter ihren Unterleib / überflutet / und das Kind ersäuft“.“
* Your three favourite Punk singles/songs?
** Alternative Ulster – Stiff Little Fingers
** Politicians in their eyes – Death
** Sailin’ on – Bad Brains
* A record that will make you dance?
Marvellous Cain – Black (VIP Remix)
* Your favourite song lyrics?
Too many to choose from, my current favourite is:
“I should burn in hell, But I don’t deserve this, nobody deserves this”
– Cameron Winter/Geese
* The best “new” artist / band right now?…and what’s so great about them?
Róis – incredible singer, musician and producer. Making really singular music across a wide range of sounds and styles.
* Your favourite song about rebellion/revolution?
The Foggy Dew
* Your favourite song this year so far?
Lay there with you – The Altered Hours
* Your favourite movie about music – and why?
The Devil & Daniel Johnston, beautifully made documentary about Daniel’s life and told in a way that really lets you inside his creative world. Also a heartbreaking story of mental health issues and our inability sometimes to recognise them and or how to deal with them.
* Slowdive, Ride or My Bloody Valentine – which one do you prefer and why?
My bloody valentine – one of the most influential bands of all time, for us and many others .
* Your favourite irish artist ever?
Shane MacGowan
* The best song you’ve ever written / recorded?
I wouldn’t know that myself
* Your favourite german song/record & Your favourite record of all time?
Can – ege bamyasi
(Antworten: Sänger & Gitarrist David Noonan)
Das neue Album von Just Mustard ist gerade erschienen:
Julia Roberts spielt eine College-Professorin, die sich privat und beruflich an einem Scheideweg befindet. Andrew Garfield ist in der Rolle ihres Kollegen zu sehen, dem die Vergewaltigung einer Studentin vorgeworfen wird.
Beginnt bis in die Typographie des Vorspanns hinein als Woody-Allen-Homage (Parodie?) und endet als Drama um Wahrheit und Betrug.
Luca Guadagnino dreht hier einen Film, der sich ins verminte #metoo-Gebiet vorwagt und erstaunlicherweise sich quasi weigert, eine Haltung einzunehmen. Der Punkt scheint mir zu sein, moralische Ambiguität nicht nur zuzulassen, sondern als Wert an sich zu demonstrieren – also raus aus der klaren Wahrheit, der einfachen Weltsicht, des sofortigen Verdammens des Anderen. Allerdings hat das auch zur Konsequenz dass „After The Hunt“ seltsam abstrakt bleibt, nie wirklich zugreift und die Dialoge durchaus mehr Allen’schen Witz hätten vertragen können.
Anmerkung: ich bin ja seit dem unsäglichen „Pretty Woman“ Julia Roberts in lebenslanger Abneigung verbunden, aber das hier ist die beste Leistung ihrer Karriere. Ein undurchdringlicher Eisblock, der aber viel an Gefühlen ahnen lässt. (6/10)
Together (2025, Michael Shanks)
zur Leihe
Ein Paar zieht aufs Land und stößt dort auf eine mysteriöse Macht, die schreckliche Veränderungen an ihren Körpern hervorruft .
„Together“ hat einen gleich mehrfach interessanten, gegenintuitiven Ansatz für einen Horrorfilm.
Zunächst legt er bereits in der Startszene alle Karten insoweit auf den Tisch, dass kaum eine der folgenden, zentralen Entwicklungen mehr überraschen kann. Dazu arbeitet er mit den visuellen Stilmitteln des Body Horror, aber auf einer am Ende beinah schon liebevolle Weise. Es ist also gerade nicht die visuelle Repräsentation der Abscheu vor dem eigenen Körper, die sich hier in Horrorbildern an die Oberfläche spült, sondern die aus dem Body Horror gelernten Bilder werden benutzt, um die Verschmelzung zweier Personen zu *einer* handelnden Einheit, was Wesensmerkmal wohl jeder langen (gesunden?) Beziehung ist, ins Groteske überspitzt zu visualisieren. Deshalb bleibt auch die Frage in gewisser Weise offen, ob wir hier eine Affirmation in ungewöhnlichen Bildern sehen oder doch ein satirisches Ans-Ende-Denken.
Ich tendiere zu letzterem. (7/10)
Hedda (2025, Nia DaCosta)
auf Amazon Prime
Die Geschichte der unglücklich verheirateten Hedda Gabler, die zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, ihrer unerfüllten Liebe zur ehemaligen Geliebten Eileen und einem eskalierenden Macht- und Begehrenstrudel während einer einzigen spannungsgeladenen Nacht hin- und hergerissen ist.
„Saltburn“, aber von Ibsen. Enttäuschte Liebe, Machtinstinkt und Gier finden auf einer Feier in einem herrschaftlichen Anwesen ein Zuhause. Emporkömmling und Gastgeberin Hedda (Tessa Thompson) spielt ihre Verschlagenheit geschickt aus und reisst alle um sie herum ins Verderben, nicht zuletzt ihre alte Liebe Eileen Lovborg (Nina Hoss), die in der Zwischenzeit die berufliche Konkurrentin von Heddas Ehemanns geworden ist.
Gut ausgestattet, aber für mich in seinen Dynamiken zu unvermittelt und zu wenig aus den Charakteren heraus nachvollziehbar. Wie schnell sich hier größte Liebe in ärgste Abscheu dreht! Ein Satz! (5/10)
Gotteskinder (2024, Frauke Lodders)
in der Arte Mediathek
Zwei streng religiös erzogene Geschwister geraten durch erste Liebe in einen zerstörerischen Konflikt zwischen ihrem evangelikalen Elternhaus und dem Bedürfnis nach Freiheit und Selbstbestimmung.
Eine Geschichte über christlichen Fundamentalismus in bürgerlichen deutschen Strukturen. „Gotteskinder“ spürt nach, wie religiöser Fanatismus gerade Jugendliche indoktrinieren und letztlich gefährden kann.
Frauke Lodders Film ist effektiv darin, den Zuschauer ob des Gesehenen wütend zu machen und Emotionen zu aktivieren. Ihr gelingt das allerdings auf nicht gerade subtile Weise, denn hinter der Oberfläche der Nettigkeit sind die Fundamentalisten hier zu keinerlei nichtextremer Rede fähig. So gelingt es Lodders auch nicht, der Attraktivität nachzuspüren, die dieser Glauben ja zunächst auch haben muss, um Anhänger zu finden. Insbesondere die (erwartbare) große Frage der Homosexualität wird so stumpf thematisiert und vor allem frühzeitig „angedeutet“, dass schlicht alles schon auf dem Tisch liegt, bevor der Zuschauer überhaupt sein analytisches Besteck zücken kann. (6/10)
Highest 2 Lowest (2025, Spike Lee)
auf AppleTV+
Ein Musikmogul steht vor einem moralischen Dilemma, als Entführer versehentlich den Sohn seines Chauffeurs kidnappen und ein hohes Lösegeld fordern, das er für den Rückkauf seines Labels braucht.
Misslunges Spike-Lee-Remake des Kurosawa-Klassikers „High and Low“.
Denzel Washington denzelt sich hier als Plattenfirma-Boss durch einen Hochglanz-Film, der nie so recht weiß, ob er nun Drama, New Yorker Gesellschaftsbild oder Thriller sein mag. Die Entführungsgeschichte im Zentrum schaltet nie in einen richtigen Gang und so bleiben in erster Linie die Verhandlungen zwischen Washington und seinem besten Buddy (Jeffrey Wright) in Erinnerung, die moralische Dilemmata ausbuchstabieren. (5/10)
Caligula (1979, Tinto Brass)
zur Leihe
Der machthungrige Caligula ermordet den syphilitischen Kaiser Tiberius, übernimmt die Herrschaft über Rom und versinkt mit seiner Schwester Drusilla und Frau Caesonia in dekadenter Grausamkeit, sexuellen Exzessen und Tyrannei.
Auch eine Idee: Dekadenz mittels Dekadenz darzustellen! „Caligula“ ist der berüchtigte Tinto Brass – Film, der in seiner Urversion auch deshalb fast drei Stunden dauert, weil der Produzent & Penthouse-Chef Bob Guccione das von Brass verflimte Gore-Vidal-Drehbuch selbst umschnitt und mit vielen, vielen Minuten an Hardcore-Porn-Szenen anreicherte. Dennoch ist „Caligula“ seltsam unsexy, eine Anti-Orgien-Werbung, deren Sexszenen den Wahnsinn lediglich verlängern, keinesfalls bereichern.
Neben einer Riege an italienischen Darstellern, die mit vollen Körpereinsatz ihren Zelluloid-Einsatz rechtfertigen wollen, konnte man mit Helen Mirren, John Gilgud & Peter O’Toole britischen Schauspiel-Hochadel verpflichten, von denen vor allem letzterer mit seiner Darstellung des im Syphillis-Endstadium sich befindenden Tiberius die wohl bizarrste Performance seiner reichen Schauspiel-Karriere liefert (& wir erinnern uns: Peter O’Toole ist mit acht Nennungen der meistnominierte Schauspieler für beste Hauptrolle, der nie einen Oscar gewinnen konnte). Malcolm McDowell in der Hauptrolle als ‚Stiefelchen‘ liefert nicht weniger heftig ab, doch indem er quasi seine Clockwork-Orange-Persona hier als römischer Kaiser channelled, wirkt er im Gegensatz zu O’Toole praktisch naturalistisch echt.
Einige beeindruckende Sequenzen wie die absolut irre, straßenzug-große Kopfabschlag-Maschine sind so draußen, dass sie dann doch ein einmaliges Sehen rechfertigen, aber 156 Minuten, puh! (4/10)
Kämpferin im Untergrund / She Walks in Darkness (2025, Agustín Díaz Yanes)
auf Netflix
Eine junge Polizistin schleicht sich in den 1990er-Jahren in die baskisch-nationalistische Terrororganisation ETA ein.
Biederer Krimi um eine Undercover-Polizistin, die die ETA unterwandert. Die ETA-Kämpfer bleiben Chiffren und trotz einer überzeugenden Performance von Susana Abaitua in der Hauptrolle simmert der Film auf Fernsehniveau. Vor allem dass „Kämpferin im Untergrund“, so der zugleich pathetische wie profane deutsche Titel, nie wirklich die Spannungsschraube andreht, ist eine vergebene Chance. (5/10)
Wir sind dann wohl die Angehörigen (2022, Hans-Christian Schmid)
zur Leihe
„Wir sind dann wohl die Angehörigen“ zeigt die 33 Tage der Entführung des Jan Philipp Reemtsma im Jahr aus der Perspektive seiner Familie.
Wie der sperrige Titel bereits andeutet, hat Hans-Christian Schmid wenig Interesse daran, die spektakuläre Entführungsgeschichte von Jan-Philipp Reemtsma als räudige Räuerpistole zu erzählen, sondern konzentriert sich darauf, die Dynamiken in Familie und Freunden herauszuarbeiten – und die immer stärker werdenden Spannungen mit der Polizei, deren Geldübergaben mal um mal scheitern.
Leider überzeugen weder Philipp Hauß als Reemtsma noch Claude Heinrich als sein Sohn Johann Scheerer (der die Buchvorlage geschrieben hat und heutzutage ja mit dem Clouds Hill – Plattenstudio/Label ein wichtiger Player in der deutschen Indie-Musik-Szene ist), so dass neben der bewusst unterkühlten Inszenierung kaum erfolgreich transportierte Emotionen einen fühlenden Zugang zum Film erschweren. (6/10)
]]>Die Geschichte des kurdischen Hip-Hoppers ist nämlich auch vor der ersten Nummer-1-Platte irr. Vom Bombenhagel ins Flüchtlingslager, von der Plattenbausiedlung in den Boxring, vom Pornoraubkopierer zum Zahngoldräuber. Gerade der letzte Part, der Xatar einige Jahre Knast bescherte, ist so absurd, dass man die Erzählung keinem Spielfilm abnehmen würde, hätte sie nicht das echte Leben geschrieben. Akin konzentriert sich also sehr auf Xatars Leben vor dem Ruhm, erst am Ende wird eine CD in den Knast geliefert (hier strapaziert Akin natürlich etwas die Realität, Xatar war bereits vorher als Rapper aktiv – aber hey, wenn die Legende schöner ist als das echte Leben, drück die Legende ins Zelluloid!).
Schön wie Akin am Ende dann in einen Wagnerianischen Mythos abgleitet, das Zahngold im Rhein versenkt und von Meerjungfrauen umspielen lässt. Das ist dann eben doch der Unterschied, wenn ein wilder Arthouse-Künstler ein Biopic macht anstelle eines Auftragsarbeiters!
Zwei Randnotizen:
1. War irgendwann froh, als sich Xatar endlich die markante Glatze rasiert, weil mit Haaren Emilio Sakraya einfach 100% wie der junge Michael Ballack aussah und das in mir erhebliche kognitive Dissonanzen erzeugte.
2. Die Szene in Oberfranken (gülden eingeblendet!) ist entweder total daneben oder völlig hilarious. Der Akzent wild. Oberbayern? Oder einfach eine Melange aus allem südlich von Mainz?
Zu sehen? in den meisten Regalen zur Leihe
]]>New Yorker, die Kraftwerk-Synthies spielen, als wären sie Manchester-Post-Punks von 1983 & dazu ab und an shoegazige Gitarren einstreuen. Ein Sänger, der im ganzen Style Andy McClusky von OMD sagt. Electricity!
Ein richtig gutes Konzert mit fabelhaftem Sound in einer restlos gefüllten Columbiahalle mit ihren 3.500 Kapazität bei 50€ Eintritt – wie ist das so groß geworden? Sachdienliche Hinweise? Selbst die Band schien überrascht: „this might be the biggest show we ever played. Berlin, you just get it“
Aber wie schön zu sehen, wenn eine Band ohne TikTok-Hype offensichtlich allein durch ihre guten Lieder und einfachen, aber überzeugenden Liveshows so viel Publikum anziehen kann!
Mehr von Nation Of Language:
* German Blind Date
* My Favourite Records
Hidden Cameras, Mittwoch, 19.11.2025 – Berghain Kantine Berlin

Ich hatte erwartet, dass Hidden Cameras (heutzutage nur noch Bandleader Joel Gibb allein) gerade bei einem Berghain-Konzert ihr neues, sehr elektronisches Album mehr oder weniger in Gänze spielen würden und die älteren Folk-Songs nur als Zugabe, da die beiden Stile doch weit auseinander liegen. Aber Gibb lässt sich von solchen Äußerlichkeiten natürlich nicht beeindrucken und spielte wild durch sein 20jähriges Schaffen. Da folgen die Disco-Banger auf die Folk-Singalongs als wäre es das Normalste der Welt. Mich haben im Livekontext dennoch die elektronischen Songs mehr überzeugt, vielleicht auch weil bei seinen alten Indie-Liedern doch eine reichere Band-Instrumentierung dienlich wäre, die die Elektro-Tracks natürlich nicht so sehr benötigen, da hier nachvollziehbarerweise viel vom Band kommt.
Mehr von Hidden Cameras:
* German Blind Date
The Rapture, Montag, 17.11.2025 – Frannz Club Berlin

Ein schwer einzuschätzendes Konzert. Dass die New Yorker Discopunkhasen nur noch aus Sänger Luke Jenner bestehen und sich der Rest der Band im Streit verkrümelt hat, bekomme ich beim Schauen einfach nicht aus dem Kopf. Auch wenig hilfreich, dass der neue Bassist jünger aussieht als die Songs alt sind (er könnte 16 sein, ist aber wahrscheinlich in seinen frühen 20ern) und sie auf einen Keyboarder verzichten, so dass beispielsweise das markante House-Piano aus „How Deep Is Your Love“ komplett vom Band kommt. Zudem spielt The Rapture wirklich ein sehr knackiges Set, keine Stunde Spielzeit. Vorteil natürlich: keinerlei Leerlauf, da wird Discopunkbrett an Discopunkbrett gebohrt! Sie verzichten sogar auf klare Hits wie ihren allerersten „Durchbruchssong“ „Out of The Tracks and Onto The Races“ oder die Leadsingle des zweiten Albums „Get Myself Into It“. Andererseits: kann ein Konzert schlecht sein, das quasi zu 30% aus „House Of Jealous Lovers“, „How Deep Is Your Love“ und „W.A.Y.U.H (People Don’t Dance No More)“ besteht? Durchaus also geliefert, aber ein etwas zwiespältiges Gefühl bleibt dennoch zurück.
Mehr von The Rapture:
* My Favourite Records mit Luke Jenner (2025)
* My Favourite Records mit Gabriel Andruzzi (2011)
Ab Mitte der 90er veröffentliche Golightly dann auch Alben unter eigenem Namen, die ein breiteres Spektrum abdeckten als die Childish-üblichen Garagenrock-Kracher. Einen gewissen Legendenstatus hat zudem ihr Auftritt auf dem „Elephant“-Album der White Stripes. Im dortigen Schlußsong singt sie gemeinsam mit Jack & Meg White in wunderbarster britischer Nonchalance „It’s True That We Love One Another“. Glücklicherweise war jemand im Studio smart genug, diese Aufnahme auch im Bewegtbild festzuhalten:
Nun kehrt Holly Golightly gleich mit zwei Alben zurück: unter eigenem Namen erscheint im November „Look Like Trouble“, mit ihrer alten Band Thee Headcoatees veröffentlicht sie „Man-Trap“.
* Your three favourite Punk singles/songs?
** 999 – Emergency
** X-ray Spex – Identity
** The Undertones – Teenage Kicks
* A record that will make you dance?
Frankie Lee Sims – She Likes To Boogie Real Low
* The best “new” artist / band right now?
Couple of new(ish) artists that I’m currently listen to…: parkly rawness, hard humour and catchy, catchy tunes… all the things!
Cain Cutto – KFC Santaria
GloRilla – Let Her Cook
* Your favourite record on Damaged Goods Record Label?
There are far too many good ones to be able to pick just one but, if I had to, it’s probably Young Parisians.
* Pop Rivets, CTMF or The Buff Medways – which one do you prefer and why?
Pop Rivets – Lambrettavespascooter is why.
* Your favourite record of all time?
Oh, so many favourites, I couldn’t pick just one. The Soul Stirrers in Concert (pick any LP) would be high on my list.
„Look Like Trouble“, das neue Album von Holly Golightly, ist gerade erschienen – ebenso frisch im Laden steht „Man-Trap“ von Hollys Band Thee Headcoatees!
Ein Kammerspiel zu den olympischen Attentaten von München 1972: der deutsche Regisseur Tim Fehlbaum (oscarnominiert für das auch von ihm geschriebene Drehbuch) inszeniert diesen Albtraum der Sportgeschichte mit verblüffend einfachen Mitteln, ohne dabei aber die Wucht des Moments zu verlieren.
„September 5“ spielt quasi ausschließlich innerhalb des Übertragungsstudios des für die Olympiasendung zuständigen amerikanischen Fernsehsenders. Wir sehen wie Sportjournalisten die Weltbedeutung spüren, wie sie hin- und hergerissen sind, aus dem (auch karrieristischen) Willen, als unfreiwillig embedded journalists direkt von der Frontlinie des Terrors berichten zu können, und der Überforderung, die sich aus den Implikationen ergeben – sowohl in ethischer Sicht (zeigt man mögliche Morde live on air? zeigt man den parallel stattfindenden Sport?) wie in politischer Perspektive (kann ein Sportreporter den Israel-Palästina-Konflikt ebenso gut einordnen wie einen 100m-Lauf?).
Damit öffnet Tim Fehlbaum eine ganze Kiste an interessanten Fragen, die er seine Charaktere durchleiden lässt.
Gerade weil wir als Zuschauer wie die Protagonisten von den Ereignissen überrascht werden, uns mit ihnen erst die Zusammenhänge erarbeiten und damit auch die Bedeutung der Geschichte verstehen, ist „September 5“ irre spannend und gegen Ende im Erfahren von unvollständigen, manchmal gar falschen Informationen erschütternd.
Einer der besten Filme des Jahres. (8/10)
Exterritorial (2025, Christian Zübert)
auf Netflix
„Lammbock“-Regisseur Christian Zübert mit seinem Beitrag zum Mensch-verschwindet-ist-es-Wahn-ist-es-Wirklichkeit-Genre, das in den letzten Jahren eigentlich nur noch mit Frauen in zentraler Rolle spielt. Irgendwie das Manic Pixie Girl der Neuzeit.
„Exterritorial“ beginnt recht gut, indem Zübert die von Susanne Michel gespielte Ex-Soldatin mit Trauma-Handgepäck in einem amerikanischen Konsulat stranden lässt und so glaubwürdig die Figur auf sich alleine stellt (da Botschaften ja einen extraterritorialen Status haben, daher auch der Filmtitel).
Leider gerät die Auflösung etwas fad und ist der Look des Films schon arg Streaming-TV statt Spielfilm. Aber in seiner Struktur immerhin besser als der inhaltlich verwandte, ebenfalls gerade auf Netflix erschienene „Woman in Cabin 10“. (5/10)
Sparta (2022, Ulrich Seidl)
zur Leihe
Selbst für Seidl-Verhältnisse ein arg trister Film, der, vielleicht auch aufgrund seines schweren Themas, jeglichen Humor missen lässt und ganz tief in die Leere eintaucht. Georg Friedrich spielt seinen zerrissenen Protagonisten überzeugend, indem er jegliches Zuviel vermeidet.
„Sparta“ erinnert in seiner Tristheit an Seidls frühe Großtat „Import Export“, als er auch damals in die wirtschaftliche Trostlosigkeit des Ostblocks eintaucht (dort Ukraine, hier Rumänien) und diese Bilder des Verfalls mit sexuellen Begierden der unangenehmen Art paart. Zuweilen wirkt der Blick auf die rumänischen Familien mit saufenden Vätern, die nur in der toxischsten Version von Männlichkeit ein Selbstwertgefühl entwickeln können, allerdings klischeebeladen und etwas zynisch. (5/10)
Die Tochter (2017, Mascha Schilinski)
auf mubi
Mascha Schilinskis Debütfilm acht Jahre vor ihrer Arthouse-Sensation „In die Sonne schauen“ ist nicht so (über?)ambitioniert wie der spätere Durchbruchsfilm, sondern spielt im Lieblingsgenre des deutschen Kinos der 2000er: Mittdreißiger auf Suche nach Sinn.
Hier allerdings verstärkt durch eine komplexe Beziehungsdynamik zwischen den beiden Hauptfiguren, die durch die Anwesenheit der gemeinsamen Tochter erschwert wird. Interessant dabei vor allem, dass der Film zunächst entgegen der Erwartung den Vater als leidenden Hund, aber liebevollen Papa darstellt, die Mutter dagegen als Egotante. Später, als die kaputte Beziehung wieder zu heilen beginnt, kämpft die Tochter (Helena Zengel aus „Systemsprenger, erneut stark) gegen die neu aufflammende Beziehung zwischen den Eltern, weil sie die Liebe des Vaters zur Mutter als Zurücksetzung ihrer selbst versteht. Das letzte Drittel findet dann allerdings keinen rechten Fokus mehr und so tröpfelt „Die Tochter“ aus statt die mit Bedeutungsschwere aufgeladene erste Hälfte in eine treffende Lösung zu kulminieren. (6/10)
All We Imagine as Light (2024, Payal Kapadia)
auf mubi
Payal Kapadia gelingt in „All We Imagine as Light“ eine verblüffende Gleichzeitigkeit aus harschem Neo-Realismus, der die Beschwerlichkeiten des indischen Working-Class-Lebens zeigt, mit einer poetisch-flirrenden Leichtigkeit in anderen Szenen, die an französisches Sommerkino erinnern.
Insbesondere die Bilder in diesen Szenen machen „All We Imagine as Light“ zu einem sehenswerten Film, wohingegen inhaltlich mich Kapadias Überraschungserfolg (Regienominierung für Golden Globe und Jahressieger bei „Sight & Sound“) nie genug bekommen hat, um diese Lorbeeren ganz verstehen zu können. (6/10)
The Assessment (2024, Fleur Fortuné)
zur Leihe
In einer rohstoffarmen Zukunft ist die Geburt eines Kindes nicht mehr eine private Entscheidung, sondern wird via eines wochenlangen Beziehungsüberprüfungsbesuchs vom Staat freigegeben. Wie dieses Leben unter einer Lupe ein Ehepaar zerreisst, ist das Thema von „The Assessment“, das zum Gutteil gelungen als kammerspielartige Sci-Fi-Dystopie spielt, aber ihrem „Black Mirror in Spielfilmlänge“-Ruch letztlich nicht entfliehen kann. (6/10)
Eight Eyes (2023, Austin Jennings)
zur Leihe
A Serbian Chainsaw Massacre. „Eight Eyes“ ist ein erfreulich langsam aufbauender Horrorfilm, der erst in seiner letzten halben Stunde eskaliert.
Bis dahin die alte Geschichte: amerikanisches Pärchen auf Trip durch Osteuropa, was kann schief gehen?
Heißer Lonely-Planet-Insider-Tipp meinerseits: Eventuell nächstes Mal doch nicht mit dem einäugigen Wahnsinnigen im Zug anfreunden und seine Familie im Hinterland besuchen?
„Eight Eyes“ ist im grobkörnigen 70er-Jahre-Stil gedreht, was dem Film eine angemessene Dreckigkeit gibt, die viele moderne Horrorfilme sonst vermissen lassen. Etwas schräg ist die inszenatorische Idee, diesen quasidokumentarischen Look mit psychedelischen Sequenzen wie aus Cosmatos- oder Kenneth-Anger-Filmen zu paaren und letztlich gar die Auflösung im flirrenden Unsinn zu verorten.
Für mich deshalb ein etwas antiklimatisches Ende, das auch nicht ganz zur erfreulichen Griffigkeit des Vorangegangen passen mag, was aber der Wirkung von „Eight Eyes“ dennoch keinen ernsten Schaden zufügt. (7/10)
Pumuckl und das große Missverständnis (2025, Marcus H. Rosenmüller)
im Kino
Habe als Kind die rothaarige Nervensäge Pumuckl ja immer gehasst, von daher keinerlei Nostalgie-Anwandlungen meinerseits bei der Neuauflage.
Doch muss sagen: Florian Brückner bewegt sich als junger Meister Eder in den großen Fußstapfen des Gustl Bayrhammer erstaunlich gewandt und es ist generell eine Freude, dass man sich der meisten Modernisierungsanwandlungen versagt hat. Kein 3D, kein Bummertechno, kein Firlefanz, sondern einfach eine schöne, kurzweilige kleine Geschichte, die sogar mehr rührend als witzig ist. (6/10)
]]>1. Into The Darkness Indeed (Cassette Version) – Herman Dune
2. Der letzte Kranich vom Angerburger Moor – Tocotronic
3. The Natural Way – Leslie Graves & Toby Goodshank
4. Du kannst nicht alleine sein – Steiner & Madlaina
5. Elderberry Wine – Wednesday
6. Bekannte von früher – Hotel Rimini
7. First Of The Gang To Die – Chrissie Hynde feat. Cat Power
8. How Could I Have Known – Big Thief
9. The Toughest Bitch I Know – Boo Boos
10. 58 Second Song – The Lemonheads
11. Sie – Anda Morts
12. And The Band Played Johnny B. Goode – Thee Headcoats
13. Cool Former Friend – Twisted Teens
14. This Machine Kills No One – Sex Beat
15. Neue Mitte – Iedereen
16. St. Etienne – Brausepöter
17. I Don’t Know, Who Cares? – Joyeria
18. Ad Astra – Ash feat. Graham Coxon
19. The Wolf – Witch Post
20. Dancing With The Europeans – Suede
21. Deplore You / Farmers Market – The Orchestra (For Now)
22. Hatman – Black Lips
23. 1st World Blues – Bright Eyes
24. Deeper Than Holy – Pastels
25. Wait (Hatchet Gets A New Hide) – Formal Sppeedwear
26. Death Cult Zombie – Genesis Owusu
27. Wenn es Liebe ist – Die Sterne
28. Silhouette – Nation Of Language
29. Colt – HighSchool
30. Kiss Me In The Morning – Pauls Jets
31. Brontosaurus Law – Hidden Cameras
32. This Could Be Texas (Baxter Dury Remix) – English Teacher
33. Allbarone – Baxter Dury
34. The Good Life (feat. Gwendoline Christie & Big Special) – Sleaford Mods
35. We Were Just Here – Just Mustard
36. Berghain – Rosalia feat. Björk & Yves Tumor
37. There Is Not Enough Space To Dance (But It Do It Anyway) – Me & My Two Horses
38. Abacus – Urlaub In Polen
39. Bloodsport – Maruja
* Your three favourite Punk singles/songs?
“Seen Your Video” by The Replacements
“Monkey Gone to Heaven” by Pixies
“When It’s Over” by Wipers
* A record that will make you dance?
“Diana” by Diana Ross
* Your favourite song lyrics?
People by Silver Jews:
„Moments can be monuments to you
If your life is interesting and true
It’s just the same for a man or a girl
The meaning of the world lies outside the worldPeople love people and they understand
If you want to renovate your background mind
A federal woman needs a municipal man
People gotta synchronize to animal timeYou can’t change the feeling but you can change your feeling
About the feelings in a second or two, aha
People always come ‚roundI love to see a rainbow from a garden hose
Lit up like the blood of a centerfold
I love the city and the city rain
Suburban kids with biblical namesPeople ask people to watch their scotch
People send people up to the moon
When they return, well, there isn’t much
People be careful not to crest too soonThe drums march along at the clip of an I.V. drip
Like sparks from a muffler dragged down the strip, aha
I really hope you’ll come around
It’s sunny and 75, it feels so good to be alive“
* The best “new” artist / band right now?
Sword II from Atlanta:
Their songs are so catchy but still take you on an unexpected journey from start to finish. Each band member has such a distinct impact on the songs. The chemistry is undeniable and the songs are destined to be played over and over.
* Your favourite song about rebellion/revolution?
“Tubthumping” by Chumbawamba
* Your favourite song this year so far? (or of last year)
“You Don’t Have One Hope” by Operelly
* Your favourite movie about music – and why?’
Amadeus (1984) directed by Milos Forman because it’s not only beautiful and perfectly executed, but it really captures the comedic and tragic elements that compose life.
* Your favourite artist / band in New York right now?
Sweet Baby Jesus. Pure funk rocking n’ rolling.
* The best song you’ve ever written / recorded?
“Loop” from my solo EP “What is My Capacity to Love?” Released in 2023.
* Your favourite german song/record?
Die Idioten by Bal Paré (or Sunny by Boney M. if that counts)
* Your favourite record of all time?
American Water by Silver Jews
(Antworten: Rachel Brown)
Das neue Album „It’s a Beautiful Place“ von Water From Your Eyes ist bereits erschienen:
Auf Tour:
* 21.11. Köln – 674FM
* 24.11. Hamburg – Aalhaus
* 26.11. Berlin – Lark
* 28.11. München – Import/Export
Angesichts von Guillermo Del Toros Filmographie ist wenig überraschend, dass „Frankenstein“ ein lange gehegtes Herzensprojekt von ihm war. 120 Millionen Dollar stellte Netflix für seine Verfilmung der Mary-Shelley-Legende zur Verfügung, deshalb ist es noch enttäuschender wie schlimm „Frankenstein“ aussieht. Ist irgendeine Szene in diesem Film nicht mit CGI zugekleistert? Das Gefühl sagt mehr „Disney Live Action“-Variante von König der Löwen als schaurig-schöner Goth-Klassiker.
Del Toro findet nur wenige überzeugende Bilder in diesem Computermatsch, Oscar Isaac als Victor Frankenstein overacted sogar Christoph Waltz an die Wand und die Kreatur ist für mein Dafürhalten bei aller Riesenhaftigkeit zu zart.
Ist das nicht gerade der Punkt in den gelungenen Frankenstein-Versionen, ob im Klassiker von James Whale (1931) oder bei Kenneth Brannaghs damals umstrittener Neuverfilmung mit de Niro von 1994, dass die äußere Hässlichkeit und Harschheit so im Kontrast mit dem Sehnen nach Liebe und der eben doch vorhandenen Zärtlichkeit steht? Wenn hier Jacob Elordi mit feinsten Nasenzügen bereits vom ersten Auftritt im Film an nur Verletzlichkeit ausstrahlt, fehlt der Geschichte doch jede Fallhöhe oder Wendung.
Da kurioserweise ja der andere Goth-Horror-Klassiker „Dracula“ ebenfalls justament eine Neuverfilmung mit großem Namen auf dem Regiestuhl erfahren hat, zwingt sich ein Vergleich ja auf: Bessons „Dracula“ ist zwar sicher auch kein unsterbliches Meisterwerk, aber er hat wenigstens Bilder, eine Idee, viel Pop, noch mehr Camp und einen Caleb Landry Jones in der Hauptrolle mit feraler Besessenheit, womit er Del Toros „Frankenstein“ in jeder Hinsicht übertrifft. (4/10)
Thunderbolts* (2025, Jake Schreier)
auf Disney+
THUNDERBOLTS* and lightning,
not very very frightening me
Der Superhelden-Film als Trauma-Bewältigungsmaschine ist ja nichts neues, aber „Thunderbolts*“ ist quasi keine Allegorie mehr, sondern einfach 1:1 bipolar. Das macht diesen Marvel-Film zugleich kleiner, weil simpler, aber auch weniger verquastet, direkter.
Einige Szenen und Sets haben eine schöne Rauheit, die man im MCU selten sieht, allerdings bleibt sich „Thunderbolts*“ unabsichtlich auch hier in der Bipolarität treu und mischt seine angenehm düstere Depri-Sicht auf die Welt mit herzlich unlustigen Oneliner-Versuchen und Team-Kabbeleien.
Am Schönsten ist eigentlich der Abspann, der ikonische Bilder und Magazine (The New Yorker <3) in den Kontext des Films setzt und die Entwicklung seiner Helden in den nächsten Monate vorzeichnet. Das hat mehr Style und Esprit als das Meiste aus den vorangegangenen zwei Stunden.
Pépé le Moko (1937, Julien Duvivier)
auf mubi
„Pépé le Moko“ beginnt als Film Noir und endet als Liebesmelodram. In den engen, verwinkelten Gassen des Casbah von Algiers lebt und herrscht Pépé, ein charmanter, suaver Krimineller, um den sich die Misfits, Drogis und Glücksritter scharen. Verzweifelt versucht die Polizei Pépé aus seinem Revier ins Offene zu locken und scheut auch vor hinterhältigen Taktiken nicht zurück. Am Ende ist es natürlich die Liebe, die Pépé den Kopf kostet.
Ein elegantes Krimi-Melodram, das weniger angestaubt ist, als es sein Entstehungsjahr 1937 vermuten lassen würde. (7/10)
Verrat auf Befehl (1962, George Seaton)
Auch wenn anfangs der Expositiondump via Off-Kommentar überhand zu nehmen droht, entwickelt sich „Verrat auf Befehl“ mit der Zeit doch zu einem starken Doppelagenten-Film, der – vielleicht auch aufgrund seiner der geringen Karenzzeit von Krieg zu Dreharbeiten – die Nazigräuel hier nicht nur als exploitative Staffage nutzt, sondern für einen Film über Spione erstaunlich ernsthaft und ehrlich betroffen thematisiert. Ein gut geschriebenes Drehbuch, das vor allem Lilli Palmer starke Szenen zugesteht.
Beginnt „Verrat auf Befehl“ noch als Agentenschnurre und Krimi, endet er doch als bedrückendes Drama über die so umfassenden Zerstörungen durch Krieg und Nazis.
Ein zu Unrecht in Vergessenheit geratener Film! (7/10)
The Amateur (2025, James Hawes)
auf Disney+
Paranoia-Agenten-Thriller, der durchaus unterhaltsam ist, aber schon etwas arg viel Unwahrscheinlichkeiten bzw. verdeckte Talente auf Rami Maleks Computeranalystenrücken bündelt.
Erstaunlich, wieviele mittelgroße Namen (Fishburne, Stuhlbarg, Brosnahan, Bernthal) der Film komplett in zu skizzenhaft geschriebenen Nebenrollen verschenkt. (5/10)
Wrong Place (2022, Mike Burns)
auf amazon prime
„Wrong Place“ oder „Angeschossen durch den Wald humpeln – Der Film“. Irgendwann schleppen sich alle Figuren in diesem Bruce-Willis-Spätphase-Rumpler durch das Gehölz, nachdem sie sich gegenseitig eine Kugel verpasst haben. Bruce-Anteil diesmal recht niedrig, Langeweile dafür hoch. (3/10)
Inside a Skinhead (2001, Henry Bean)
auf mubi
Ryan Gosling spielt hier in einer sehr frühen Rolle einen jüdischen Neonazi, der dank seiner gewandten Rhetorik und bemerkenswerten Intelligenz sowohl innerhalb der faschistischen Skinheads als auch in den bürgerlichen Kreisen des Antisemetismus schnell zum Wortführer aufsteigt.
In seiner zweiten Hälfte lässt der Film gewisse Ambivalenzen zu, ob Goslings Skin nun aus Selbsthass oder Zugehörigkeitssehnen diesen Weg eingeschlagen hat – oder letzten Endes gar eine zu Ende gedachte Unterwanderung der rechten Szene im Sinn hat. Letzteres wirkt allerdings mehr wie ein etwas bemühtes Notausgangstürchen für den Zuschauer, Goslings Charakter heimliche Sympathien zuzugestehen, als dass sie sich aus der Geschichte heraus wirklich schlüssig ergeben würde.
Gut und mit einem damals schon überzeugenden Ryan Gosling, wenngleich nicht mit der Intensität wie der verwandte „American History X“. (6/10)
In die Sonne schauen (2025, Mascha Schilinski)
im Kino & auf DVD
Ein impressionistischer Blick auf Unterdrückung – und daraus folgende Depressionen – über Generationen von Frauen hinweg.
Mascha Schilinskis in Cannes mit dem Preis der Jury* ausgezeichneter Film setzt dank seiner bemerkenswert eigenen Bild- und Tonsprache mutig auf Fühlen statt Erzählen und entwickelt über verschiedene Szenen unterschiedlicher Frauen am gleichen Hof in anderen Generationen eine Ahnung von der Bedrückung, die auf all diesen Figuren lastet. Auch wenn der geweitete Blick über die verschiedenen Zeitebenen hinweg sicher eine der bemerkenswert vielen wagemutigen Entscheidungen des Films ist, verwässert die Jetzt-Zeit allerdings auch die Klarheit der vorher so überzeugend vermittelten Repressionsstrukturen. (6/10)
—
* übrigens bemerkenswerte Auszeichnung, denn die bisherigen Cannes-Gewinner aus Deutschland der drei großen dortigen Auszeichnungen lassen sich an einer Hand abzählen:
– 1959 Preis der Jury: „Sterne“ (Konrad Wolf)
– 1975 Großer Preis der Jury: „Jeder für sich und Gott gegen alle“ (Werner Herzog)
– 1979 Goldene Palme: „Die Blechtrommel“ (Volker Schlöndorff)
– 1984 Goldene Palme: „Paris, Texas“ (Wim Wenders)
– 1993 Großer Preis der Jury: „In weiter Ferne, so nah!“ (Wim Wenders)
(dazu noch zwei mal beste Regie für Herzog (82: Fitzcarraldo) und – erneut – Wenders (87: Der Himmel über Berlin). Wim mögen sie an der Croisette aber mal echt!)
]]>Wenn man so will, kann man hier den Einfluß von Gibbs neuer Wahlheimat Berlin heraushören, denn neben Chilly Gonzales und Peaches ist Joel Gibb nun der nächste kanadische Expat, der hier eine neue Heimat gefunden hat. Nachdem Gibb nun also nach Berlin gezogen ist, bot er sich natürlich für ein German Blind Date – Gespräch an, das sich allerdings schwieriger gestaltete als gedacht, konnte er doch mit meinen ersten Songvorschlägen nichts anfangen. Aber steter Songtropfen hölt den Hidden Cameras Stein und so sind wir doch noch zusammen gekommen:
5 German songs I like and tried singing: I moved to Berlin years ago and took it upon myself to learn more about German music as soon as I arrived. It soon became an intention to learn a song in German and perform it.
1. Zarah Leander – Ich steh im Regen
One of the first artists I got into after arriving in Berlin was Zarah Leander. She has a beautiful way of delivering a language considered harsh sounding. Found out quickly she’s actually Swedish.
When Chilly Gonzales asked me to be his guest at his Kino Babylon Berlin show in 2010 (with Mocky on drums) I suggested singing „Ich steh im Regen“ just because it was slow and the lyrics were relatively simple. Singing „und warte auf dich“ was almost better in German than in English! „Wie die fallenden Tropfen am Ärmel zerstieben“ was a mouthful on the other hand:
2. Ton Steine Scherben – Macht kaputt was euch kaputt macht
Ton Steine Scherben is a band that few know outside of Germany. Was lucky to discover them early on while living in Berlin as well as the solo material from Rio Reiser. I proposed doing the song „Macht kaputt was euch kaputt macht“ with The Hidden Cameras on our Origin:Orphan tour of 2009/2010. We even performed the song in North America! German has a real immediacy when shouted. Makes sense there’s so much shouting in German music and theatre.
There also exists a version of this song recorded with Stereo Total and myself. A completely different version with Brezel on guitar, me on bass and Francoise on drums. Both Francoise and I sing the entire song together. Would love to release this unheard recording at some point in the future.
3. DAF – Kebab Träume
Another German song I adore and tried singing is „Kebab Träume“ by DAF. I much prefer the more obscure original version from 1980 and I was lucky enough to find this version on 7″ at City Music record shop near Bahnhof Zoo (before it closed).
Stereo Total and myself also recorded „Kebab Träume“ together during the same session as „Macht kaputt“ all in one take on 4-track. Francoise and I tried a call-and-response thing. Never sang this song live though.
4. Peter Alexander – Die Kleine Kneipe
This year I reunited with Brezel and formed a Berlin super-group at the Michelberger Hotel with other Berlin-based musicians Marla Hansen, Simon Goff, Jeremy Black and Janne Lounatvuori. We learned „Die Kleine Kneipe“ by Peter Alexander since the song plays on repeat in the hotel’s public toilet. This song is definitely a more difficult song to sing with obscure phrases like „Die Krämersfrau fegt das Trottoir vor dem Laden“ or „Man redet sich heiß und spricht sich von der Seele“.
We did a proper recording of this song and hope to release it soon.
5. Stereo Total – Liebe zu Dritt
During the same show at the Michelberger I also sang a Stereo Total classic „Liebe zu Dritt“ in honour of Francoise who passed away sadly in 2021. This is a fantastic song to learn in German.
Das neue Album der Hidden Cameras ist bereits erschienen:
Auf der Bühne:
06.11. AT-Wien, Chelsea
19.11. Berlin, Berghain Kantine
22.11. AT-Graz, Autumn Leaves
28.11. Hamburg, Molotow
03.02. Köln, Bumann & Sohn
06.02. Nürnberg, Club Stereo
09.02. Stuttgart, Wizemann Studio
10.02. München, AMpere
16.02. Leipzig, Moritzbastei
Iggy Pop hielt die Laudatio und Jack Whites Annahme-Rede ist so schön, poetisch und zugleich kämpferisch, dass ich sie hier auch noch einmal abdrucken möchte:
„Thank you, Uncle Iggy. I thank you and all of Detroit thanks you, always.
Today, The White Stripes are proud to represent the sound of Detroit punk and garage rock and all of its bands and artists. And also, the garage rock movement that caught folks‘ imagination around the world a few years back. I spoke with Meg White the other day. She said that she’s very sorry she couldn’t make it here tonight, but she wanted me to tell you that she’s very grateful to all of the folks who supported her through all the years and it really means a lot to her tonight. She helped me write all this in the last couple of days. I sent these things to her and she checked it for me. A lot of punctuation corrections too. She’s pretty good at that. (…)
![]()
Meg and I want to thank just a few of the bands and the artists that inspired us and came before us and also helped us along the way. The Gories, The Gun Club, Loretta Lynn, Fugazi, The Misfits, Emerson, Lake & Palmer, Love and Arthur Lee, The Flat Duo Jets and Dexter Romweber, The Henchmen, Dick Dale, Beck, Ritchie Blackmore’s Rainbow, Tampa Red, The Sonics, Pavement, Jethro Tull, The Strokes, Black Flag, Tampa Red, uh, Sleater-Kinney, Death, Jethro Tull, The Creation, The Breeders, The Cramps, Merle Haggard, The Hives, Them, The Damned, The Yeah Yeah Yeahs, The Troggs, Minor Threat, The Rats, and Captain Beefheart.
To them, we all say, ‚Thank you.‘
To the factories, and tools, and electricity, and vacuum tubes, we say, ‚Thank you.‘ To the Coney Islands of Detroit and the honky-tonks of Nashville and the corner pubs of London, we say, ‚Thank you.‘ To the homeless and the powerless and the forgotten, we always say, ‚Thank you.‘ (…)
“One time, a girl climbed a tree, and in that tree was a boy — her brother, she thought. And the tree looked so glorious and beautiful, but it was just an oak tree.
And these two so loved the world that they brought forth a parade float — one they built in their garage behind the oak tree with their own bare hands. And the boy looked at this giant peppermint on wheels and felt pride — pride that it was produced in the Motor City, just like in the big factories — but it was just in their garage. He looked at the girl — his sister, he thought — and, like the Little Rascals, they said, ‘Let’s put on a show.’
And they paraded this float through the Cass Corridor, standing atop the peppermint pulled by white horses — or maybe it was a red Econoline van. Many of the blocks they traveled were empty, but some had people. And some of those people cheered, some laughed, and some even threw stones. And with their bare hands, the two started to clap and sing and make up songs.
And some people kept watching and swaying and moving. And then one person even smiled. The boy and the girl looked at each other, and they also smiled, and they felt — they both felt — the sin of pride. But they kept on smiling. Smiling from a new freedom, knowing that they had shared and made another person feel something.
And they thought the person smiling at them was a stranger, someone they didn’t even know. But it wasn’t just a stranger — it was God.
My sister thanks you and I thank you. Thank you all very much.“
Katastrophenfilm über einen Schulbus auf Abwegen in einem Waldbrandgebiet. Paul Greengrass ist hier natürlich in seinem shaky-camera-Element und bringt seinen professionellen Doku-Spielfilm-Blick erfolgreich in den Film.
„The Lost Bus“ ist nägelkauend anspannend und findet doch immer wieder Momente der Ruhe, um auch die Verzweiflung der Charaktere zuzulassen. Angenehmerweise konzentriert sich Greengrass‘ wilder Waldbrand auf wenige Figuren – ein herrlich knarziger Matthew McConaughey als Working Class Loser und Schulbusfahrer, America Ferrera als Lehrerin mit Herz und Yul Vazquez als bellender Henry-Rollins-Doppelgänger, der Löschung und Rettung organisiert – und umgeht damit den alten Katastrophenfilm-Charakter-Overkill.
Gelungen, auch wenn die letztliche Auflösung so verwunderlich plötzlich geraten ist, dass ich eine zeitlang dachte, wir sehen hier einen Post-Todes-Traum. (7/10)
The Woman in Cabin 10 (2025, Regie: Simon Stone)
auf Netflix
Ich bin ja irgendwie ein Sucker für diese Mensch-verschwindet-ist-es-Wahn-ist-es-Wirklichkeit-Thriller und so können mich die Frauen in den Kabinen, auf den Zügen oder in den Fenstern nicht gänzlich langweilen, aber man darf halt wirklich keine Sekunde dabei nachdenken, so behämmert sind die Plotlines wieder und wieder.
Auch „Woman in the Cabin 10“ ist natürlich lachhaft unrealistisch und mit einem irren „Twist“, hat dazu noch die schräge Idee als „Eat The Rich“-Vehikel zu starten, das aber auf seiner Fahrt dann völlig zu vergessen. Kurios immerhin dass Keira Knightley eine „The Guardian“-Journalistin spielt und dieser echte Zeitungsname (meiner Meinung nach ja die vielleicht beste Tageszeitung der Welt) auch tatsächlich in Wort und Bild erscheint.
Ansonsten: für Fans des Genres stumpfe Sonntagabend-Unterhaltung, für alle anderen verschwendete Zeit. (4+/10)
The Perfect Neighbor (2025, Regie: Geeta Gandbhir)
auf Netflix
„The Perfect Neighbor“ ist eine Anklage gegen das amerikanische „Stand Your Ground“-Gesetz, das – vereinfacht gesagt – Waffengewalt erlaubt, wenn sich ein Grundbesitzer bedroht fühlt.
Regisseurin Geeta Gandbhir wählt dabei einen interessanten Ansatz: weder zeigt sie einen Jusizirrtum, noch ein Mördermonster oder einen Radikalen, sondern taucht in eine klassische Suburbs-Nachbarschaft ein und beobachtet den sich immer weiter zuspitzenden Zwist zwischen der alten Oma nebenan und den Jugendlichen, die in der Nähe ihres Hauses spielen.
Das Filmmaterial besteht quasi ausschließlich aus Footage der Body-Cams von Polizisten, die zu allerlei Nachbarschaftsstreitigkeiten gerufen werden. Das führt natürlich zu einer maximalen Nähe und dem Gefühl einer Unverfälschtheit, hat aber in dem Moment, als tatsächlich ein großes Unglück geschieht, auch genau diesen Nachteil. Selbst wenn alle Anwesenden der Veröffentlichung dieser Bilder in Filmform zugestimmt haben sollten, ist es schlicht exploitativ, wenn ein minderjähriges Kind erfährt, dass seine Mutter erschossen wurde und der Zuschauer „live“ dabei ist. Hier fehlt der Respekt vor diesen Momenten, selbst wenn die Intention noch so gut sein mag.
Das hinterlässt ein äußerst unangenehmes Gefühl bei einem sonst trotz eines eigentlich – für Netflix-Verhältnisse – niedrigschwelligen, nichtsensationsheischenden Film über eine wahre Untat, der zeigt, dass es keine Exzesse benötigt, um eine spannende True Crime Geschichte mit Attitude zu erzählen. (6+/10)
The Beekeeper (2024, Regie: David Ayer)
auf Amazon Prime
Dachte die Art Filme hätten wir mit den 80ern hinter uns gelassen: Actionstreifen, die nicht weh tun, immer etwas zu scherzen belieben und zwar einen hohen Bodycount aufweisen, aber keine originellen Kampfszenen. Aber nix da, „The Beekeeper“ mit dem ja durchaus sympathischen Jason Statham fährt tatsächlich mal 60 Millionen plus Einspiel in den USA ein (#34 – in Deutschland relativ sogar noch erfolgreicher als 25. bestbesuchtester Film des Jahres) und ich frag mich nur: warum?
Hier ist nichts spannend, gar nichts lustig und das meiste doch ziemlich langweilig. Die einzig gute Idee: Cryptobros in all ihrer inhärenten Lächerlichkeit mal als Villains aufzubauen (nur bezweifle ich, dass die in knallbunten Anzügen in Call-Centern sitzen, die wie wahnsinnig gewordene Start Ups aussehen). (4/10)
The City of Violence (2006, Regie: Ryoo Seung-wan)
auf Amazon Prime
Normalerweise finde ich Actionfilme dieser Art mit fortschreitender Spieldauer immer schlimmer, hier war’s wenigstens andersrum. Die ersten zwei Drittel kann man getrost vergessen, ein Sub-Chinatown-Plot für die ganz Dummen wird verknüpft mit albernen 1 gegen 100 Fightszenen. Kurioserweise gelingt aber, trotz etwas zu vielen visuellen Spielereien, genau diese Konfrontation im Schlußfight dann doch recht gut. Die letzten 20 Minuten also durchaus in Ordnung, nur der Weg dahin: puh. (4+/10)
Die schreckliche Wahrheit (1937, Regie: Leo McCarey)
zur Leihe bei Apple
Schon faszinierend, wie Screwball-Komödien, die vor beinah einem Jahrhundert gedreht wurden, noch so frisch wirken können. Klar, die damaligen Konventionen hinsichtlich Romantik, Liebelei und Heirat sind für heutige Gemüter etwas verwirrend, aber selbst in dieser Hinsicht wirkt „The Awful Truth“ moderner als viele seiner Zeitgenossen. Immerhin ist der zentrale Plotpoint, um den sich die Jokes ranken, dass ein Ehepaar den jeweils anderen Part des Fremdgehens verdächtigt und in einer Übersprungshandlung direkt zur Scheidung schreitet – die aber vom Richter für 90 Tage suspendiert wird. Während dessen haben beide ihre Liebeleien auf der Seite und der Ex-Partner beginnt langsam eifersüchtig die jeweilige Fremd-Beziehung mit immer elaborierteren Plots zu sabotieren. Cary Grant wurde geboren, um solche Rollen zu spielen!
MVP: Die Hut-Szene mit Hund, die in zweifacher Nebenbuhler-Flucht ins Nebenzimmer endet. (7/10)
September & July (2024, Regie: Ariane Labed)
auf mubi
Regisseurin Ariane Labed war Darstellerin in den frühen Greek Weird Wave Filmen „Attenberg“ und „Alps“. Diesen Vibe durchzieht auch ihr Regiedebüt „September & July“, das die Geschichte zweier Außenseiter-Schwestern erzählt, die in der Schule gemobbt werden, in einem seltsamen Elternhaus aufwachsen und ein zunehmend toxisches Verhältnis zueinander entwickeln. Gerade letzteres greift ein klassisches Lanthimos-Motiv auf, dessen Lebensthema die zwischenmenschlichen Machtstrukturen sind, die Submission im alltäglichen Leben.
„September & July“ ist trotz seiner inhärenten Weirdness zugänglicher als die oft sperrigen frühen Greek Weird Wave – Filme und damit näher an „Dogtooth“ als an „Attenberg“. Dass der Film zusätzlich noch eine Mindfuck-Ebene einbaut, wäre gar nicht nötig gewesen, weil die Disposition der beiden Schwestern auch ohne diesen großen Eingriff bereits genug erzählt. (6/10)
April (2024, Regie: Dea Kulumbegashvili)
auf mubi
Formal hervorragendes, aber doch recht sperriges und auch unnötig langes Unterdrückungsdrama aus Georgien.
„April“ ist Dea Kulumbegashvilis Erstling „Beginning“ durchaus ähnlich in seiner Herangehensweise, doch „Beginning“ hatte mich emotional mehr erreicht. All die sorgfältig komponierten Bilder erwischen mich nicht so recht, wenn die Figuren sich so sehr ihrer Liebe zum Schweigen und stumm Rumstehen hingeben. (5+/10)
]]>Bekannt wurde Plewka natürlich als Sänger der Band SELIG, die in den 90ern eine heimische Version von Grunge einspielte und spätestens mit dem Dylan-Cover „Knockin‘ On Heaven’s Door“ zum gleichnamigen Til-Schweiger-Film auch im Mainstream zu großer Bekanntheit gelangte. Nach einer Trennung Ende der 90er wurde dann ihr Comeback-Album von 2009, „Und endlich unendlich“, zum größten kommerziellen Erfolg: Top 5 in den Albumcharts und ihre erste Goldene Schallplatte waren der Lohn.
* Die drei besten Punksongs/-singles?
* „Anarchy in the UK“ von den Sex Pistols
* „Tommy Gun“ von The Clash
* „Staten & Kapitalet“ von Ebba Grön.
* Ein Song, der Dich immer zum Tanzen bringt?
Stay stay stay stay staying alive
* Die interessanteste / beste „neue“ Band/Künstler ist?
Yunus. Anspieltipp: „Ich habe aufgehört zu träumen“ – ein Lied so klar und schön über die politische Misere in der wir uns gerade befinden und was zu tun ist
Yunus kommt aus der Poetry Ecke. Es ist, als ob er aus seinem Tagebuch rappt und singt (verdammt gute Texte, l like very much)
* Deine liebste deutschsprachige Textstelle?
„Wir haben nichts zu verlieren außer unserer Angst.“ (Rio Reiser, Ton Steine Scherben).
* Der beste Song über Revolte, Aufruhr und Revolution?
„Deutschland muss sterben“ von Slime. Der Text ist leider wahnsinnig aktuell
* Der beste Song, den Du je geschrieben / aufgenommen hast?
Von meinem neuen Album das Lied „Die schlaksige Windin“. Dem Lied gelingt es, auf mythisch-mystische Art eine ganze Welt aufzumachen. Das ist mir bisher noch nie gelungen.
* Kettcar, Element Of Crime oder Tomte/Thees Uhlmann – und warum?
Thees Uhlmann liebe ich als Kumpel und Persönlichkeit, Kettcar für ihre Bühnen Präsenz. Zu Element of Crime habe ich keine persönliche Beziehung – aber ihre Lieder höre ich sehr gerne, das sind echt schöne Texte
* Der beste Film über Musik? Und warum?
Sing Street. Boy meets Girl, gründet eine Band, um ihr zu imponieren. Eigentlich meine Lebensgeschichte.
* Die beste deutsche/deutschsprachige Platte?
Rio l – Soundtrack of my life. Als wenn Rio am Küchentisch sitzt und mir vorsingt
* Die beste Platte aller Zeiten?
Ziggy Stardust von David Bowie. Eine Platte wie ein Roman. Nie nur die A Seite gehört, immer bis zum Ende Rock’n’Roll Suicide.
Die neue Platte von Jan Plewka, „Eine Art Soloalbum“, ist am 10.10. auf Clouds Hill erschienen.
Auf der Bühne:
EINE ART SOLOKONZERT – TOUR 2026
09.04.26 – Osnabrück · Kleine Freiheit
10.04.26 – Hannover · MusikZentrum
11.04.26 – Köln · Stadtgarten
12.04.26 – München · Ampere
14.04.26 – Leipzig · Moritzbastei
15.04.26 – Dresden · Chemiefabrik
17.04.26 – Berlin · Lido
18.04.26 – Rostock · Peter Weiss Haus
19.04.26 – Lübeck · Kulturwerft Gollan
Besonders gelungen, wie austariert Autorin Nida Manzoor die verschiedenen Facetten darstellt, die sich aus diesem Clash der Kulturen ergeben. Denn ihre vier Punk-Girls sind weder laufende gestreckte Mittelfinger dem muslimischen Glauben gegenüber noch auf der Suche nach irgendeiner Art von Erlösung, sondern wollen nur ein selbstbestimmtes Leben führen, ohne sich dabei gleich aus all ihren familiären Connections herauskatapultieren zu müssen. Die Pointen sitzen, aber wichtiger noch ist der emotionale Eindruck, den die Serie hinterlässt. Hier wird niemand der Lächerlichkeit preisgegeben, doch die Attitude und der Punkspirit sind stabil (wenn auch nicht jeder Song). Der Guardian hat diese erste Staffel von „We Are Lady Parts zurecht auf Platz 15 ihrer Besten TV Shows des Jahres gewählt.
Nida Manzoor hat 2023 übrigens den hervorragenden Film „Polite Society“ gedreht, der inhaltlich durchaus vergleichbar ebenfalls von der Gleichzeitigkeit von Welten erzählt. In „Polite Society“ versucht eine junge Inderin ihre Schwester vor einer drohenden Hochzeit zu retten. Was folgt ist eine moderne Screwball-Comedy, die die Wildheit der Jugend mit der Traditionsversessenheit der Alten kontrastiert.
]]>International Music – Guter Ort
Nice sound to start at 0:00. I like when songs have intros that have little to do with the rest of the song. Understated guitar work, tightly executed. It’s at a simmer but never a full boil — a good place be. A stoic, sunglasses-on type of verse paired with an emotional chorus — very nice. Good video, remarkable mustaches.
Gewalt – Ein Sonnensturm tobt über uns
Motorik. 0:10 these guitars are giving U2. Makes me wish I spoke German so I could also murmur over a beat like this. Fave part is the blurry sax man entering in the background. This video makes me think of Hanneke’s Funny Games, the Austrian version of course. Idyllic European vacation with an unsettling undercurrent of corrosion.
Edwin Rosen – Verschwende deine Zeit
Heavy synthwave energy to start. Nostalgic and sweet, feels meant for driving around with your friends. Insistent. Feel like this would crush on German TikTok.
Goldene Zitronen – Wenn ich ein Turnschuh wär
Whoa, I know these guys. My project Cutouts opened for them in 2019 in NYC at Mercury Lounge. I remember them playing this song, but I’ve never heard this studio version. This album art — do they have an album just called ‘Lenin’? I like the intermittent panting. Feels genuinely punk. NOT made for TikTok. Love them. 1:21 when the drums enter, instead of a hi-hat they seem to be using some sort of… chain? Extremely cool move. A loose, playful energy that I love. Nothing feels overworked. They convey so much with vocal tonality alone; I don’t have to understand the words to get the feeling.
Messer – Neonlicht
Very mysterious intro. So moody. Too moody? Very consciously new wave. Drummer seems to be on the brink of tears. Don’t mind the song, would be curious what it sounds like 1 or 2bpm faster. Frontman is doing a lot. Leather gloves is always a choice—not mandatory. Who are these blue eyed boys?
Das neue Album von Nation Of Language ist bereits erschienen:
Auf der Bühne:
18.11. Köln, Gloria
19.11. Hamburg, Übel & Gefährlich
21.11. Berlin, Columbiahalle,
22.11. München, Technikum
Frühere Ausgaben von German Blind Date:
– ASH
– Saint Etienne
– Big Special
– We Are Scientists
– Herman Dune
– Hot Chip
– die Wave Pictures
– Adam Ant
– Maximo Park
– The Stranglers
Mehr von Nation Of Language:
]]>Selten einen Film letztlich so herausragend gefunden, dessen erste 20 Minuten ich regelrecht gehasst habe. Die Exposition, ein Kommentar zum Revolutionschic und zur Sexyness von Gewalt, war mir zu platt und zu direkt, dass auch all der gerechte Furor gegen die Umstände in mir nichts regen konnte.
Doch dann, als der Film 16 Jahre in die Zukunft, unsere Gegenwart, springt, die Anführerin Perfidia Beverly Hills (Teyana Taylor) zunächst aus dem Film verschwindet, ihr Partner Ghetto Pat (Leo DiCaprio) als abgefuckter Stoner unter falscher Identität lebt und Benicio Del Toro als Karate-Meister mit der wunderbarsten Zen-Entspanntheit im verrücktesten Trubel den Film eigenhändig rettet, hat es geklickt. Auch wenn alles, was im Folgenden passiert, seinen Grund in den ersten 20 Minuten hat, schaut „One Battle After Another“ nicht mehr zurück, sondern rast für die folgenden mehr als zwei Stunden in einer irren Fahrt durch die Wellentäler von Politik, Befreiung und Familie.
Das von Thomas Pynchons „Vineland“ inspirierte „One Battle After Another“ bleibt trotz seiner weitverzweigten Story, die gern ihre Auswege in irrsinnig labyrinthinischen Settings sucht, immer griffig genug, weil der Film durch seine Vater-Tochter-Beziehung im Zentrum geeredet wird, die der bis zum äußersten überzeichnete Gegner (Sean Penn als Steven J Lockjaw) zerreissen will.
Paul Thomas Andersons Revolutionssatire mit goldenem Herz kulminiert in einer Dreier-Auto-Verfolgungsjagd, die für dieses doch in der Zwischenzeit recht triste Stilmittel neue Bilder findet. Sie gleicht mehr einer wilden Seefahrt durch ärgste Wellen in gleißender Sonne als einer „Fast & Furious“-Angeber-Materialschlacht.
Trotz 162 Minuten Spielzeit ein so rasanter Trip, dass man noch ewig weiterschauen könnte. Film des Jahres Anwärter. (8/10)
Ballad of a Small Player (2025, Regie: Edward Berger)
auf Netflix
Nach „Im Westen nichts neues“ und „Konklave“, seinen zwei großen, jeweils oscarnominierten Hits, kehrt Edward Berger für Netflix mit einem Spielhöllen-Fiebertraum zurück. In Macau, dem Las Vegas des Ostens, ist der britische Hochstapler Lord Doyle gestrandet und hofft auf ein letztes großes Spiel, das all seine Probleme für immer lösen wird. Das Herz bumpert, die Schweißtropfen perlen, aber die Hoffnung, die Hoffnung!
Berger inszeniert seine Spieler-Ballade wie einen Neon-Albtraum, der zuviel Nicolas Winding Refn – Filme gebinged hat. Das ist alles schön anzusehen und hat auch bis zur Hälfte dank Colin Farrell noch genügend schmierigen Charme, um den Zuschauer in diese Welt hineinzuziehen. In seinem zweiten Part driftet Bergers Film allerdings immer weiter aus der Realität, wird psychedelischer, weniger greifbar und damit auch egaler. Insbesondere die rettende, selbst verdammte Figur, die für Farrells Charakter zu einem letzten Anker wird, ist kaum nachvollziehbar gezeichnet und driftet rein und raus aus dem Film, wie der Plot es gerade für nötig hält – eine asiatische Ensprechung des Magical Negro-Tropes. (6/10)
Hot Milk (2025, Regie: Rebecca Lenkiewicz)
auf mubi
Zwei Geschichten zum Preis von einer, doch wirkt der zweite Erzählstrang wie das fürchterliche Dessert, das einem den Hauptgang auch noch nachträglich verleidet.
Während die toxische Mutter-Tochter-Beziehung überzeugt und durchaus sogar mehr Raum hätte einnehmen dürfen, ist die Liebelei zwischen Emma Mackey und Vicky Krieps von bemerkenswerter Egalheit. Welche Zuneigung, welches Knistern hier zwischen den beiden existieren soll, bleibt einfach rätselhaft.
Krieps, die mit ihrem fürchterlichen Kopftuch auf einem Pferd den Strand entlangreitet, ist ein nur schwer zu ertragendes Unangepasstheitsklischee. (5/10)
Play Dirty (2025, Shane Black)
auf amazon prime
„Play Dirty“ beruht auf der Figur des Meisterkriminellen Parker, der schon Vorlage für viele Filme, unter anderem den existentialistischen Krimi-Klassiker „Point Blank“, gegeben hat.
Shane Black, einst für den Bruce-Willis-Knaller „Last Boy Scout“ bestbezahlter Drehbuchautor der Welt, hat diesen Charakter in eine typische Shane-Black-Geschichte geschrieben und gleich auch noch inszeniert. Folge davon also hoher Body- und Oneliner-Count als wäre 1995. Eine Gleichzeitigkeit von egaler, aber deutlich dargestellter Gewalt mit ständigem Gefrozzel zwischen den Protagonisten ist die magische Shane-Black-Suppe. Das fühlt sich selbstredend 30 Jahre später dated an, weckt aber auch fast schon nostalgische Gefühle, dass ein Film wie „Play Dirty“ in den 90ern sicher ein Blockbuster gewesen wäre (und heutzutage auf Amazon verstreamed).
Inhaltlich ist es mir etwas zu überladen und vor allem der letztlich große Trick für mein Dafürhalten auch ein großer Quatsch. Das hat Soderbergh in „Ocean’s Eleven“ sicherlich mit mehr Eleganz auf den Bildschirm gebracht. Immerhin ist „Play Dirty“ auch kein Ärgernis und hat mit Lakeith Stanfield & Rosa Salazar zwei erfrischende Sidekicks. Mark Wahlberg in der Hauptrolle ist von David Ehrlich bei Indiewire treffend mit dem Musterbeispiel eines vergifteten Kompliments bedacht worden: „his “fuck anyone who tries to big-time me” Boston affect suits the character just fine, and he deserves some credit for being one of the few actors who can convincingly lead a funny car chase, shoot a semi-innocent bystander in the head, and then hand his widow a $10,000 stack of cash all without having to change the expression on his face“. (5/10)
Eenie Meanie (2025, Regie: Shawn Simmons)
auf Disney+
Ein Throwback zum Sub-Tarantino-Kino der 90er, gepaart mit „Baby Driver“-Vibes. Ein ausreichend unterhaltsamer Ritt, wenn man dem Genre des Heist/Autoverfolgungsjagd-Films etwas abgewinnen kann.
Allerdings muss ich schon sagen, dass die „coolen Actionszenen“ für mich heute einfach nicht mehr so gut funktionieren wie vielleicht noch in den 90ern. Ich denke, „Eenie Meanie“ weiß selbst um dieses Problem, denn tonal ist Shawn Simmons Film oft unentschieden. Neben dem coolen Gangster-Gefrozzel baut Simmons auch noch eine zweite, ernsthafte Ebene auf, die sich um Fragen der unbedingten Loyalität dreht. (6/10)
Mein Leben mit Amanda (2018, Regie: Mikhaël Hers)
zur Leihe
Als seine Schwester tragisch stirbt, muss der junge, selbst noch im Slacker-Modus des Lebens befindliche Bruder die Fürsorge der sechsjährigen Amanda übernehmen.
Mikhaël Hers zeigt den Struggle in impressionistischen Szenen und mit französischer Leichtigkeit, die zwar die Schwere der Situation und die Tragik des Lebens nicht verneint, aber auch nie in Trauerkino abrutscht. (6/10)
My First Film (2024, Regie: Zia Anger)
auf mubi
Meta-Film übers Filmemachen, der aber irgendwann zu sehr in eine woe me-Stimmung abdriftet.
Seine besten Szenen hat Zia Angers Film-Film, wenn er die außer Kontrolle geratenen Drehsituationen zeigt, ihre fehlende Standhaftigkeit in Diskussionen bei gleichzeitiger Ignoranz den anderen Mitkünstler gegenüber. (5/10)
The Thursday Murder Club (2025, Regie: Chris Columbus)
auf Netflix
Alte-Leute-Fernsehen in Reinkultur, dank Netflix-Geld immerhin mit einer bemerkwenswerten Besetzung (Pierce Brosnan, Ben Kingsley, Helen Mirren). Gehört eigentlich auf einen ZDF-Sendeplatz um 20.15, selbst die beabsichtigte Drolligkeit versinkt im öden Drehbuch. (4/10)
]]>Das letzte Album der Band ist nun selbst bereits 14 Jahre alt, doch live spielten The Rapture hin und wieder für einige Jahre, auch wenn die bandinternen Differenzen zunahmen wie ein Statement von Gabriel Andruzzi aus dem Jahr 2019 zeigt: „I thought we played really really well, the audience was fantastic and full of love and we felt lucky every night to be onstage. […] Yet, each night our talented and inimitable frontman left the stage and the venue without saying goodbye as the rest of us continued to play on (we ended our set every night with the instrumental outro of „How Deep Is Your Love“). There was a deep schism; at night we weren’t on speaking terms with Luke yet during the day we were arguing about how to and if we should announce our break up. It was a weird, energized, positive and simultaneously shitty time.“
Nach einer Reunion in 2019, die in der Folge von Covid-19 zu einem Halt gebracht wurde, ist die Band nun ohne die beiden vorherigen Kernmitglieder Andruzzi und Vito Roccoforte überraschend wieder auf einer kleinen Tour und spielen im November in Hamburg und Berlin.
* Your three favourite Punk singles/songs?
** Ghost Rider by Suicide
** Venus by Television
** The Money Will Roll Right In by Fang
* A record that will make you dance?
Green Onions by Booker T and the MGs
* Your favourite song lyrics?
I think it’s hard to beat Texas Girl at the Funeral of her Father by Randy Newman
* The best “new” artist / band right now?
You know what, I’ve been taking care of my son Vincent for so many years I really have no idea. I could front and say I’m a modern music expert but part of this adventure is learning again about new music and feeling out how it is now. Now he’s in college I got space to listen to what ever comes. I’ve also never been particularly into modern sounds. Sure something comes along and it’s great but there is a whole world of recorded music at every era to learn about in your phone twenty four seven
* Your favourite song about rebellion/revolution?
Mace and Grenades by Hugh Masekela
I love the drums and how it feels. I love the way he sings. Bob Marley has some amazing stuff too like Small Axe. Or even Pride by U2, that can make you feel a certain way if you’re in the right headspace. How about Street Fighting Man
* Your favourite movie about music – and why?
Probably Don’t Look Back with Bob Dylan by DA Pennebaker
I used to wake up everyday in my twenties and try and channel that. It seems to have worked.
Also Synth Britannia on the BBC. It’s hard to pick one because my entire life is a giant watching of music documentaries and reading music books. I’m as much a fan of music journalism as I am of music. They really are the same thing.
* Your favourite song this year so far? (or last year?)
No idea yet
* The best song you’ve ever written / recorded?
Probably How Deep Is Your Love.
That song wasn’t even supposed to happen. And the whole time I was in the studio the other guys in my band at the time were like, this isn’t gonna work we should stop and the producer Phillipe Zdar was like, no way. Let’s make it happen. Guess what, it happened
* Your favourite artist / band from New York ever?
I wouldn’t say I have a favorite but I think it’s interesting that people don’t talk about Kiss being from New York much even though they were right there with the New York Dolls and the rest of em. New York is simply just the best. The Beastie Boys might be an interesting choice. I dunno, how can you pick one perfect New York band. The classic answer is the Velvets, it’s hard to front on that. I’m just happy my band is sometimes part of the conversation
* LCD Soundsystem, !!! or Yeah Yeah Yeahs – which one do you prefer and why?
That’s a personal question. LCD started their band to open for us. The Yeah Yeah Yeahs are nice people but they certainly didn’t do that.
* Your favourite german song/record?
Sails of Charon by The Scorpions.
I’m partial to all the Uli Jon Roth records they made with him. He’s a genius and he created a whole mythology about his guitar and married Jimi Hendrix’s girlfriend and wore all of Hendrix’s clothes on the record covers. How amazing is that. Plus he can play really beautiful harmonized solos. Klaus has a really good voice and the rest of the guys aren’t slobs either. You’re probably expecting me to say Can right? You already knew about them and have five books written by Julian Cope and his successors
* Your favourite record of all time?
That would be Ziggy Stardust. You can’t make a better record than this and more importantly it influenced everyone else I love. Here is a great doc narrated by my pal Jarvis:
(Antworten: Luke Jenner)
Auf den Bühnen:
Nov 15, 2025: Fabrik / Hamburg, Germany
Nov 17, 2025: Frannz / Berlin, Germany
Einige von euch kennen vielleicht schon ihre Musik oder hatten das Glück, sie live zu sehen. Viele andere haben den Namen vielleicht noch nie gehört. Meiner bescheidenen Meinung nach sind sie eine der großartigsten schottischen Indie-Rock-Bands der letzten Jahrzehnte und Scott Hutchison einer der besten Songwriter des Landes.
Wer ein Fan der lyrischen Intensität von Elliott Smith, Conor Oberst oder Adrianne Lenker ist, wird hier viel finden. Wer die emotionale Ehrlichkeit von The National, die melodische Kraft der frühen R.E.M. oder den bissigen Witz von Aidan Moffat von Arab Strap mag, wird Frightened Rabbit in seiner Welt begrüßen. Hutchison konnte brutal witzig, zärtlich, düster oder selbstzerstörerisch sein – manchmal alles in einem einzigen Vers.
Für manche Bands ist es einfach, eine Playlist zusammenzustellen: Man wählt sechs oder sieben offensichtliche Singles aus, fügt ein paar starke Albumtracks hinzu, und fertig. Frightened Rabbit sind anders.
In etwas mehr als einem Jahrzehnt haben sie fünf Studioalben und mehrere EPs veröffentlicht, neben Scotts Soloalbum als Owl John und seiner Arbeit mit der Supergroup Mastersystem. Die Qualität war bemerkenswert konstant. Songs aus dieser Liste wegzulassen, kommt einem fast wie ein Sakrileg vor – kein „Fast Blood”, „Get Out”, „Footshooter”, „Backyard Skulls”, „Woke Up Hurting”, „Nothing Like You”? Man könnte zwei oder drei weitere Playlists mit jeweils 20 Titeln erstellen, ohne dass die Qualität merklich darunter leiden würde. Selbst ihre B-Seiten und Kollaborationen (mit Julien Baker, Tracyanne Campbell und Moffat selbst) sind hörenswert.
Die Tragödie von Scott Hutchison
Es ist unmöglich, die Geschichte von Frightened Rabbit zu erzählen, ohne über den tragischen Tod von Scott Hutchison zu sprechen. Im Mai 2018 starb Scott Hutchison im Alter von nur 36 Jahren durch Selbstmord. Sein Tod war besonders erschütternd, weil er in vielen seiner Songs offen mit psychischen Problemen rang, von Angstzuständen bis hin zu Selbstmordgedanken. Der Song Floating in the Forth (2008) hatte diese Verzweiflung bereits vorweggenommen, endete jedoch mit dem hoffnungsvollen Refrain: „Ich glaube, ich verschiebe den Selbstmord um ein weiteres Jahr.“
Es läge nahe, alle seine Songs durch die Brille dieses Endes zu betrachten, aber das würde sein außergewöhnliches Werk verflachen. Hutchison war nicht nur verletzlich und geplagt – er war auch witzig, charismatisch, mitfühlend und selbstironisch. Seine Freunde und Familie erinnern sich an ihn als freundlich und großzügig, mit einem schnellen Verstand, der sowohl in seinen Texten als auch in Interviews zum Vorschein kommt (wie die folgende Zusammenstellung einiger seiner Interviews und humorvollen Momente auf YouTube zeigt):
Selkirk nach Glasgow: Die Ursprünge einer Band
Scott Hutchison wuchs in Selkirk auf, einer kleinen Stadt in den Scottish Borders, die reich an Volksliedtraditionen ist. Als Kind litt er unter nächtlichen Angstzuständen und lähmender sozialer Angst. Bei Familienfeiern versteckte er sich zitternd – was ihm den Spitznamen „Frightened Rabbit“ (verängstigtes Kaninchen) einbrachte.
Musik und Kunst wurden zu seinem Zufluchtsort. Als talentierter Illustrator studierte er an der Glasgow School of Art, wo er sowohl Selbstvertrauen als auch eine Gemeinschaft fand. Ermutigt durch Freunde begann er 2003 unter dem Namen Frightened Rabbit aufzutreten. Sein jüngerer Bruder Grant kam bald als Schlagzeuger dazu, und mit dem Gitarristen Billy Kennedy wurde die Band zu einem Trio.
Alben in Fokus
Sing the Greys (2006)
Ihr Debüt deutete bereits auf Scotts Brillanz hin, auch wenn die Lo-Fi-Produktion die Konturen etwas verwischte. Songs wie „The Greys“, „Behave“ und „Be Less Rude“ zeigten sowohl Punk-Energie als auch lyrisches Potenzial.
The Midnight Organ Fight (2008)
Mit ihrem zweiten Album änderte sich alles. Es entstand nach einer schmerzhaften Trennung und wird oft als „Trennungsalbum“ bezeichnet, ist aber viel mehr als das: ein rohes, bekennendes Meisterwerk über Sex, Liebeskummer, Depressionen und Überleben. Es wurde vielfach gelobt, gilt als eines der besten Alben Schottlands und festigte Hutchisons Ruf als einer der besten Texter seiner Generation.
The Winter of Mixed Drinks (2010)
Dieses Album, das Scott nach seinem Rückzug in die Küstenstadt Crail (Heimat des legendären Indie-Folk-Exzentrikers King Creosote) geschrieben hat, strotzt nur so vor wässrigen Metaphern der Flucht und Erneuerung. Es ist optimistischer und klanglich ausladender und war das erste FR-Album, das nicht live aufgenommen wurde und Overdubs enthält.
Pedestrian Verse (2013)
Ihr Major-Label-Debüt für Atlantic. Hier wurde das Songwriting kooperativer, obwohl Scott weiterhin der Haupttexter blieb. Die Singles „The Woodpile“, „Backyard Skulls“ und „Late March, Death March“ wurden nicht nur auf der Insel häufig im Radio gespielt, so dass die Band das größte Publikum ihrer Karriere erreichte, insbesondere in den USA, wo sie sowohl in Late-Night-Talkshows als auch im Indie-Radio zu festen Favoriten wurden. Doch die unermüdlichen Tourneen forderten ihren Tribut und hätten die Band beinahe auseinandergebracht.
Painting of a Panic Attack (2016)
Dieses letzte Album, produziert von Aaron Dessner von The National, kehrte zu einem reduzierteren, intimeren Sound zurück. Es wurde teilweise in Los Angeles geschrieben und spiegelte die Spannungen innerhalb der Band und Scotts eigene Kämpfe wider, enthielt aber dennoch Momente von großer Schönheit wie „I Wish I Was Sober“, „Die Like a Rich Boy“ und „Death Dream“.
Das Ende und was danach kam
Der letzte Auftritt von Frightened Rabbit mit Scott fand im März 2018 in der O2 Academy in Glasgow statt, während einer Tour zum 10-jährigen Jubiläum von „The Midnight Organ Fight“. Wochen später wurde Scott als vermisst gemeldet. Am folgenden Tag wurde sein Selbstmord bekannt gegeben.
Die verbleibenden Bandmitglieder bestätigten, dass Frightened Rabbit ohne ihn nicht weitermachen könne. Sie spielten nur zwei Benefizkonzerte mit Gastsängern. In Gedenken an Scott gründete seine Familie die Wohltätigkeitsorganisation für psychische Gesundheit Tiny Changes, benannt nach einer Zeile aus Head Rolls Off: „While I’m alive I’ll make tiny changes to Earth” (Solange ich lebe, werde ich kleine Veränderungen auf der Erde bewirken). Die Wohltätigkeitsorganisation setzt sich für junge Menschen ein, die mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, und möchte die Art und Weise verändern, wie in Schottland über Selbstmord gesprochen wird.
Auf dem Tribute-Album „Tiny Changes: A Celebration of Frightened Rabbit’s The Midnight Organ Fight“ coverten Künstler wie Biffy Clyro, The Twilight Sad, Josh Ritter und Julien Baker Songs der Band.
Obwohl Frightened Rabbit nur knapp über ein Jahrzehnt lang existierten, hinterließen sie ein bleibendes Vermächtnis. Sie verbanden die Folk-Traditionen Schottlands mit der eindringlichen Intensität des Indie-Rock und hinterließen Alben, die weiterhin trösten, herausfordern und inspirieren.
Es gab Gerüchte, dass ein Film über Frightened Rabbit in Arbeit sei, und Scotts Bruder Grant sagte, dass er neue Demos aufgenommen habe, die die Band auf einem neuen Album veröffentlichen wollte. Ob diese jemals das Licht der Welt erblicken werden, bleibt abzuwarten.
The Playlist – An introduction to Frightened Rabbit:
1. The Modern Leper (The Midnight Organ Fight – 2008)
Einer der kraftvollsten Opener von Frightened Rabbit – zerklüftet, aber seltsam triumphierend. Es ist ein Song über das Gefühl, emotional gebrochen zu sein und dennoch nach Verbindung zu sehnen: “Is that you in front of me, coming back for even more of exactly the same? You must be a masochist to love a modern leper on his last leg.”
2. The Greys (Sing the Greys – 2006)
Ein rauer, punkiger früher Track, der Depressionen mit unverblümten, lebhaften Strichen einfängt. Man hört bereits Scotts lyrische Schärfe durchscheinen: “I woke up this afternoon thinking the world might be a more colourful place. There’s no luck — it’s still just grey.”
3. Holy (Pedestrian Verse – 2013)
Stampfend, sarkastisch und voller Wut. Holy nimmt die Heuchelei und leere Moral vom Boden eines Whiskyglas aus ins Visier, angetrieben von einem der ausgefeiltesten Indie-Rock-Arrangements der Band.
4. The Wrestle (The Winter of Mixed Drinks – 2010)
Ein Song über Sex als Intimität und Kampf, der Themen wie Begierde und Veränderung mit den Wasserbildern verbindet, die sich durch The Winter of Mixed Drinks ziehen.
5. The Woodpile (Pedestrian Verse – 2013)
Ihr größter Radiohit, aber immer noch unverkennbar FR: ein Plädoyer für Verbundenheit, vorgetragen mit Dringlichkeit und Herz. “Will you come back to my corner? I’ve spent too long alone tonight.”
6. The Loneliness and the Scream (The Winter of Mixed Drinks – 2010)
Ein Fan-Favorit und regelmäßiger Set-Closer, der Isolation in einen gemeinsamen Aufschrei verwandelt. Kathartisch, euphorisch und tief bewegend.
7. Swim Until You Can’t See Land (The Winter of Mixed Drinks – 2010)
Metaphernreich und still hoffnungsvoll handelt dieser Song davon, Gewissheiten hinter sich zu lassen und Veränderungen anzunehmen. “And if I hadn’t come now to the coast to disappear, I may have died in the landslide of rocks and hopes and fears.”
8. The Twist (The Midnight Organ Fight – 2008)
Eine verzweifelte, zerbrechliche Bitte um Nähe, auch wenn sie chaotisch und lieblos ist. Scott singt: “You twist and whisper the wrong name, I don’t care and nor do my ears.”
9. My Backwards Walk (The Midnight Organ Fight – 2008)
Eine Hymne an den Herzschmerz, wenn man versucht – und dabei scheitert –, jemanden hinter sich zu lassen. Die ironischen Bilder machen den Schmerz umso schmerzhafter: “I’m working hard on walking out, shoes keep sticking to the ground, my clothes won’t let me close the door, trousers seem to love your floor.”
10. Late March, Death March (Pedestrian Verse – 2013)
Eine Trennung vor dem Hintergrund eines nächtlichen Spaziergangs im betrunkenen Zustand. Hochfliegend, zynisch und bittersüß. Die Geschichte eines Mannes, der seinen Glauben verliert und, wie es scheint, auch seine Beziehung.
11. Acts of Man (Pedestrian Verse – 2013)
Pedestrian Verse beginnt mit einem Schlag in die Magengrube: “I am that dickhead in the kitchen, giving wine to your best girl’s glass“ – dieser Track ist ein vernichtender Angriff auf Frauenfeindlichkeit und toxische Männlichkeit. Nur wenige Texte sind so unerbittlich wie: “Man he breeds although he shouldn’t, breeding just because he comes, acts the father for a minute until the worst instincts return.”
12. State Hospital (Pedestrian Verse – 2013)
Eine eindringliche Ballade über eine Frau, die den schlimmsten Start ins Leben hatte, geprägt von Gewalt und Vernachlässigung. Doch inmitten der Dunkelheit findet Scott einen Funken Hoffnung.
13. Good Arms vs Bad Arms (The Midnight Organ Fight – 2008)
Eifersucht und Herzschmerz destilliert zu einer vernichtenden Ballade. Der Song schmerzt gleichzeitig vor Bitterkeit und Zärtlichkeit: “I might not want you back, but I want to kill him.”
14. Keep Yourself Warm (The Midnight Organ Fight – 2008)
Vielleicht ihr charakteristischster Song. Direkt, roh und unvergesslich, bewegt er sich von der derben Glasgower Umgangssprache zu einer tiefgründigen Wahrheit: “You won’t fine love in a hole, It takes more than fucking someone you don’t know to keep yourself warm.”
15. Death Dream (Painting of a Panic Attack – 2016)
Traumhaft, surreal und erschütternd. Ein Highlight aus ihrer späteren Schaffensphase, inspiriert von Scotts lebenslangen wiederkehrenden Nachtangstzuständen und ihrer Beschäftigung mit dem Tod.
16. I Wish I Was Sober (Painting of a Panic Attack – 2016)
Dieser zerbrechliche und bekennende Song legt Scotts Kampf mit dem Alkohol und seine Sehnsucht nach Klarheit offen. Rückblickend herzzerreißend, aber auffallend ehrlich.
17. Poke (The Midnight Organ Fight – 2008)
Reduziert und intim, einer der erschütterndsten Songs der Band. Er fängt die stille Grausamkeit des Endes einer Liebe ein: “And now we’re unrelated and rid of all the shit we hated. But I hate when I feel like this, and I never hated you.”
18. Living in Colour (The Winter of Mixed Drinks – 2010)
Das Gegenteil von The Greys – hell, hoffnungsvoll und feierlich. Ein seltener Lichtblick im Repertoire, in dem es darum geht, Liebe und Freude anzunehmen.
19. Head Rolls Off (The Midnight Organ Fight – 2008)
Eine beliebte Hymne über Sterblichkeit, Vermächtnis und kleine Veränderungen. Der Refrain ist zum ewigen Epitaph der Band geworden: “While I’m alive I’ll make tiny changes to Earth.” – Das hast du getan, Scott.
20. The Oil Slick (Pedestrian Verse – 2013)
Selbstironisch, scharfsinnig und letztendlich hoffnungsvoll. Scott verspottet sein eigenes Songwriting – “Took to the ocean in a boat this time, only an idiot would swim through the shit I write” –, schließt aber mit Trotz: “There’s still hope so I think we’ll be fine.”
(Text & Playlist: Danny McBride)
Anmerkung der taz Blogs Redaktion: Haben Sie suizidale Gedanken oder machen Sie sich Sorgen um eine Person in Ihrem Bekanntenkreis? Eine Liste mit Hilfsangeboten finden Sie unter taz.de/suizidgedanken
]]>Saint Etienne bewegen sich seit Beginn zwischen den Polen Indie-Pop und Dancefloor, schauten dazwischen aber auch immer wieder in der Easy Listening Lounge für einen kleinen Cocktail vorbei. Die Times beschrieb diese eigentümliche Mischung treffend mit „Saint Etienne fused the grooviness of Swinging Sixties London with a post-acid house backbeat“. Da Bandmitglied Bob Stanley auch noch gleich mehrere Bücher über die Geschichte der Popkultur wie „Yeah Yeah Yeah: The Story of Modern Pop“ & „Let’s Do It: The Birth of Pop Music: A History“ geschrieben hat, ist er natürlich die Idealbesetzung für ein German Blind Date!
Die Heiterkeit – Was passiert ist
All of these names are new to me! From the singer’s annunciation, which is rather stagy, I’m guessing the words are pretty significant. I can’t speak German and only remember the odd word, like luftkissenfahrzeug and tonbandgerät. Is it from a musical? It should be.
Ja Panik – Libertatia
Intruiging vid, very clean boys. The vocal is a little mannered, and it’s certainly catchy, but it is a little too pleased with itself to be enjoyable for me.
Mia. – Hungriges Herz
Ah right, this is terrific. I like her voice a lot. The backing sounds a little like music for a ’00s cartoon until it gets to the chorus… I mean that in a good way. Mia looks like a proper pop star, and I hope she is in Germany.
International Music – Guter Ort
They look like Sparks – there’s Ron, and there’s Russell, and there’s a slightly squashed cross between Ron and Russell (Run? Rossell?). The backing reminds me a little of New Musik, only with a slight ska feel. Very 1979/80.
Blumfeld – Tausend Tränen Tief
A touch of George Michael about this, „Older“-era, and maybe the Pet Shop Boys‘ „Behaviour“. Very smooth and I like the way it has a minimal production yet still lodges in your brain after one listen. I’ll guess this was a massive hit.
Das neue und leider letzte Album von Saint Etienne ist gerade erschienen:
Frühere Ausgaben von German Blind Date:
– Big Special
– We Are Scientists
– Herman Dune
– Hot Chip
– die Wave Pictures
– Adam Ant
– Maximo Park
– The Stranglers
Mehr von Saint Etienne:
]]>Caleb Landry Jones ist sicher einer der außergewöhnlichsten Schauspieler dieser Jahre. Kein Schönling, aber interessant. Immer moody, aber dennoch von feraler Wildheit. Intensiv gefährlich, doch zärtlich. Luc Bessons Neuauflage des Dracula-Mythos ist wie für ihn geschaffen, geht Besson doch vor allem auf den romantischen Urboden der Geschichte. Und zwar nicht auf das Verführer-Klischee, sondern der, im Wortsinn, unsterblichen Liebe. Ergebnis aus dieser Gothic-Attitude mit Bessons nicht totzukriegendem Sinn fürs Knallige ist eine Art Goth-Pop in Film-Form.
Die Exposition, die Dracula noch als sterblichen Ritter gegen fremde Horden kämpfen lässt, ist die beste halbe Stunde, die Besson in diesem Jahrtausend auf die Leinwand gebracht hat. Die folgende Reise der Verzweiflung durch die Jahrhunderte lebt hauptsächlich von seinen Caleb-Landry-Jones-Momenten, doch wird der Film irgendwann so ziellos wie sein (Anti-)Held selbst und verbeisst sich in einzelne Szenen, findet aber trotz der großen Suche nach „der Einen“ keinen alles umspannenden Bogen mehr.
Dennoch: der beste Dracula-Versuch seit Francis Ford Coppola 1992? (6/10)
Swiped (2025, Regie: Rachel Lee Goldenberg)
auf Disney+
Der Spielfilm über die (Mit-)Gründerin von Tinder und Bumble ist zum einen Teil Start-Up-Parodie, zum anderen feministische Anklage gegen toxische Männlichkeit. Während der erste Part durchaus unterhaltsam ist (wenngleich nie den Wahnsinn der „WeCrashed“-Serie oder des „BlackBerry„-Films erreicht), ist die zweite Hälfte doch etwas selbstgenügsam in seinem Gefühl auf der richtigen Seite zu stehen. (5/10)
It’s Not Me (2024, Regie: Leos Carax)
auf mubi
Ein semi-biographisches Essay von Leos Carax, das für mich oft genug undurchdringbar blieb, aber in seinen Bildern dennoch Wirkung zeigte. Carax 40minütige Abhandlung über Leben und die Kunst erinnert an Godards Spätwerke, ohne allerdings dessen didaktisch-beißenden Ton. Carax bleibt am Ende doch ein Romantiker. (7/10)
The Living End (1992, Regie: Gregg Araki)
auf mubi
Radikaler, früher Gregg Araki – Film, der bereits 1992 den Drang und Look der guten Seite des wilden Indie-Kinos der 90er mit Lo-Budget-Mitteln auf die Leinwand brachte.
Arakis Geschichte um zwei HIV-Infizierte on the run, die ihre totbringende Krankheit quasi als Freibrief für ein Leben ohne Grenzen verstehen und als Befreiung von der Gesellschaft sehen, ist in seiner Radikalität eine wirklich bemerkenswerte Gegenposition zur hollywood’schen Sicht auf Aids. Dass Araki dennoch keine reine Räuberpistole dreht, sondern tiefes emotionales Verständnis für seine Protagonisten am Rande von Allem mitbringt, macht „The Living End“ nur noch bemerkenswerter. (6/10)
Night Always Comes (2025, Regie: Benjamin Caron)
auf Netflix
Der seltene Fall eines richtig guten Netflix-Films, der dazu auch noch völlig untergegangen ist. Im Vergleich zum sonstigen Schrott, den dieses moderne Straight To Video Produzentenviech sonst rauswürgt, ist „Night Always Comes“ mit einer sehr engagierten Vanessa Kirby im Zentrum doch ein durch und durch gelungenes „night gone bad“-Thrillerdrama! Woher kommen denn hier die schlechten Bewertungen?
Ja, gegen Ende überstrapaziert das Drehbuch etwas die Issues, aber ich seh selbst das noch als löblichen Versuch, dem zentralen Charakter etwas mehr Background und Wahrhaftigkeit zu geben, denn – Trauma hin oder her – dadurch begründet sich schon die Sackgasse, in der ihr Leben steckt.
Eine düstere Abwärtsspirale, die ein kaputtes Leben in einer Nacht spiegelt, und am Ende vielleicht doch noch einen kleinen Hoffnungsschimmer bereithält. (7/10)
Captain America: Brave New World (2025, Regie: Julius Onah)
auf Disney+
Zwar keine Vollkatastrophe wie zuletzt „Eternals“ und dankenswerterweise im Vergleich zu den jüngsten Marvel-Filmen halbwegs geerdet, aber dafür dass „Captain America“ eigentlich ein mir angenehmes Genre bespielt (Action-Polit-Thriller), doch erstaunlich öde, ohne jeden Zug, Überraschung oder gar erinnerungswerten Charakteren.
Ich hätte auch nie gedacht, dass ich dem alten Holzgesicht Chris Evans ein Tränchen nachweine, aber Anthony Mackie als neuer Captain America lässt nun wirklich jegliche Präsenz vermissen. Ein von vorne bis hinten völlig egaler Film, ein in jeder Hinsicht lieblos heruntergedrehtes Contentfutter. (4/10)
Cutter’s Way (1981, Regie: Ivan Passer)
auf amazon prime
Atmosphärisch und inhaltlich ein später New-Hollywood-Nachklapp: zwar geht es im Plot der Geschichte um einen versehentlich beobachteten Mord und dessen Aufklärung, aber inhaltlich um die Kaputtheit der Welt, ihre Machtstrukturen und die Verzweiflung daran. Leicht macht es „Cutter’s Way“ dem Zuschauer nicht: beide Hauptfiguren sind schwierig, der eine ein gern in Bettchen hupfender Schönling (Jeff Bridges) ohne wirklichen moralischen Kompass, der andere ein dem Alkoholismus verfallener Vietnamveteran (John Heard), dessen Drang nach Gerechtigkeit nur ein dünn verkleideter Wunsch nach Selbstauslöschung ist. Wenn ich das so schreibe, klingt „Cutter’s Way“ allerdings weit faszinierender als der Film am Ende auf der Leinwand wirkt. Letztlich mehr interessant als gut. (5/10)
Nikki Glaser: Someday You’ll Die (2024, Regie: Hamish Hamilton)
auf Netflix
Dieses Standup-Special der US-Comedian Nikki Glaser lebt hauptsächlich von dem wohl immer noch transgressiv wirkenden Ansatz, dass eine weibliche Comedian „freche“, slutty Jokes macht. Reclaiming gut und schön, aber etwas mehr Pointen-Payoff im Gangbang-Setup wär mir lieber gewesen. (5/10)
]]>* Die drei besten Punksongs/-singles?
Georg:
** D.L.I.M.C. – Wicker Park
** Royal Headache – give it all to me,
** Puff – Identitätsverlust
Benta:
Planets are on it – Hilfe ich bin dumm
Vaguess – should‘ve died young
* Ein Song, der Dich zum Tanzen bringt?
Georg: DEATHTRIPPA – Bangarang Screamo Remix
* Die interessanteste / beste „neue“ Band/Künstler ist?
Georg: Kerker: Ich fühl die Musik einf und Kerker ist so lustig wie ich gerne wäre
Benta: Leftovers: Die Musik ist sehr zeitlos. Die Songs klingen, als könnten sie auch schon 30 Jahre alt sein
* Deine liebste deutschsprachige Textstelle?
Georg: Nicht die liebste aber die heftigste zeitloseste:
„Über euer Scheiß Mittelmeer
Käm’ ich, wenn ich ein Turnschuh wär
Oder als Flachbild-Scheiß
Ich hätte wenigstens ein’ Preis
Es gäb’ für uns kein Halten mehr
Wir kämen immer nur schneller her
Ich seh’ die Waren zieh’n, ohne zu flieh’n gehen sie an Land
Gehen sie an Land
Als Verheißungslieferant
Vermeidungspraktikant
Rückweisungsversand
Abwicklungsgarant
Komm gib mir deine Hand
Denn heute feiern wir“
Die Goldenen Zitronen – Wenn ich ein Turnschuh wär
Beste Punchline aber:
„Akademiker haben den besseren Sex, aber Günter Grass war in der Waffen-SS“
Der Täubling – Antifriedenstaubeaus
* Der beste Song über Revolte, Aufruhr und Revolution?
Georg: Kackschlacht – Ausschlag
Benta: Konny – B-Haus
* Der beste Song, den Du je geschrieben / aufgenommen hast?
Georg: pogendroblem – Wir
Benta: Schales Bier
* Pisse, Team Scheisse oder Oidorno – … und warum?
Georg: Alles geil, aber Pisse klar auf 1, die sind künstlerisch am radikalsten und freisten
* Der beste Film über Musik? Und warum?
Georg: Лето [Kirill Serebrennikov 2018] weil er mir den Sommer 2020 versüßt hat und mir die Einbindung des Soundtracks gut gefällt.
Benta: Whiplash, Oi Warning. Gut weil düster und dichte Story
* Der beste aktuelle Song aus diesem oder letztem Jahr?
Georg: Die Nerven – Das Glas zerbricht und ich gleich mit
Benta: The Boojums – Outta My Head
* Die beste deutsche/deutschsprachige Platte?
Georg: Oiro – Als was geht Gott an Karneval
Benta: Chaos Z – 45 Jahre ohne Bewährung
* Die beste Platte aller Zeiten?
Georg: Charlie xcx – Brat and it’s completely different but also still brat
Benta: Thermals – The Body, The Blood, The Machine
Das neue Album von Pogendroblem, „Great Resignation“, ist im Oktober erschienen.
Auf der Bühne:
07.11.2025 Köln – Gebäude 9
08.11.2025 Bielefeld – Nr. z. P.
12.12.2025 Rostock – Peter-Weiss-Haus
13.12.2025 Hamburg – Knust
19.12.2025 Mainz – schon schön
20.12.2025 Stuttgart – Helene P.
15.01.2026 Würzburg – Cairo
16.01.2026 Salzburg (AT) – Mark
17.01.2026 Wien (AT) – B72
30.01.2026 Hannover – Kulturzentrum Faust
31.01.2026 Bremen – Kulturzentrum Lagerhaus
05.02.2026 Berlin – Cassiopeia
06.02.2026 Leipzig – Conne Island
07.02.2026 Dresden – Chemiefabrik
27.02.2026 Karlsruhe – Alte Hackerei
28.02.2026 Kassel – Goldgrube
Neben einigen erneut fantastisch direkt gefilmten Konzertmomenten (The Vandals, T.S.O.L.) konzentriert sich Spheeris auf eine Gruppe junger Punks, die ein verlassenes Haus besetzt haben und in Konflikt mit ihrer Nachbarschaft geraten.
Dabei gelingt es Spheeris genau den richtigen Punkt zu treffen: weder wird das Außerhalb-der-Gesellschaft-Stehen der Punks zu sehr glorifiziert und „Suburbia“ so zu keinem Halbstarken-Exploitation-Film noch spricht sie die jungen Rebellen von aller Schuld frei. Insbesondere die Anfangsszene, bei der einer jungen Frau während eines Punkkonzerts die Kleider vom Leib gerissen werden, spricht Bände dafür, dass Spheeris bei aller grundsätzlichen Sympathie für das Außenseitertum keinesfalls jeden Verstoß gegen ‚Konventionen‘ rechtfertigen will. Dennoch wird klar: die Ersatzfamilie der Punks schenkt ihren Mitgliedern einen letzten Halt, den die Gesellschaft nicht zu geben vermochte – oder wollte. Die Gegner sind hier nicht einmal Staat und Polizei, die sogar überaus verständig zwischen den Fronten vermitteln wollen, sondern die alteingesessenen Bürger mit ihrer Wut gegen alles Fremde.
Beeindruckend ist die Konsequenz und Härte, mit der „Suburbia“ erzählt wird. Gerade die Sympathieträger des Films haben die härteste Zeit und wen die Geschichte der von Laiendarstellerin & Punkette Jennifer Clay gespielten Sheila nicht traurig macht, hat kein Herz.
Wie ein guter Punksong endet auch „Suburbia“ plötzlicher als gedacht in einer großen Konfrontation, die aber doch nur zeigt: am Ende verlieren alle. (8/10)
—
Fun Fact 1: „Suburbia“ der Pet Shop Boys wurde von diesem Film inspiriert, die Songzeile „Let′s take a ride, and run with the dogs tonight / In Suburbia“ dabei der offensichtlichste Querverweis zu den Geschehnissen im hundehaltigen Film.
Fun Fact 2: der sehr junge Flea von Red Hot Chili Peppers spielt hier als junger Punk einen jungen Punk (und wird in einer Szene von einem der Mitspieler versehentlich mit seinem „echten“ Namen Flea statt seinem Filmnamen Razzle angeredet, was Spheeris im Film gelassen hat: „Where’s that house, Flea?“ – Razzle: „Over there… Hey, my name’s Razzle, man.“)
—
Der Film steht kostenlos zum Stream bei PLEX im Programm.
]]>Ich habe Tim Wheeler sechs deutschsprachige Songs vorgespielt, die er sich mit großem Enthusiasmus („Have you broken into my house and studied my record collection? I was expecting to enjoy this whole experience a lot less than I actually am.“) angehört hat:
What a concept; to be the judge of a bunch of bands you’ve never heard, singing in a language you’ve little to no understand of. Ok, maybe a little more than that; I’ve been using a language learning app for about two years, and learned some German for six months, but honestly nothing has really sunk in. It’s a big responsibility to publish opinions on music, especially when you don’t grasp the lyrics. As a younger man I’d not thought too much about it, probably happily dissing the work of anyone I’d come across but I think I’m older and wiser now so everyone will get a fair listen.
* Tocotronic – Die Welt kann mich nicht mehr verstehen:
My trepidation in starting this has dissolved in the first few bars of this song. With a name like Tocotronic, I was expecting a blast of synths and samplers but here I am instantly transported back to 1992. This sounds like a lot of stuff I was listening to then, going through teenage angst. I don’t know exactly what they’re singing about. Doesn’t sound like they’re happy with the world. I wouldn’t either at that age. Come to think of it I’m not at THIS age! But they’re getting it out of their system beautiful. Love the lo-fi sound of it too. Great start! Next!
* Die Ärzte – Schrei nach Liebe:
Ah! Something I know! We’ve shared stages with these guys at loads of festivals in Germany over the last 30 years. Sounds like a huge anthem that will be heard over those same stages next summer. Getting more of an 80s vibe production wise. White Wedding springs to mind sonically. Although they’re probably going more for Black Funeral judging by the video.
* Die Nerven – Frei
As I was writing the last bit, the algorithm served me up some Melvins live in concert, which has set this up perfectly. Loving the energy of this; Drive Like Jehu without the complicated time signatures. My only complaint is the brevity. I could have listened to a couple of hours of that. Handily I’m now writing about them with listening to them live at Rockpalast. Might take me a while to get to the next one!
* Pisse – Vernissage:
Have you broken into my house and studied my record collection? I was expecting to enjoy this whole experience a lot less than I actually am. It’s starting to feel like these artists were hand picked especially for me. If so thank you. I’m a sucker for synth and drums austerity and these lot have it.
* Krokodil – Grau:
I was looking forward to this one, because of the band name and it didn’t disappoint. Total madness. I kinda wish I could understand the lyrics here cos it sounds like they might have something to say. I might have to get Google translate involved once I’ve finished.
* Isolation Berlin – Kicks:
If Franz Ferdinand listened to more Joy Division they’d be making music like this. That video needs a health warning tho. I’ve not been exposed to that level of strobe light since seeing Spiritualised in 1994.
It’s been a very interesting bunch of songs you’ve sent me. I’m inspired to dive deeper into them all. I love discovering new music and this has been a fun way to do it. I hope we can play some German festivals next year with any or all of these bands! Thanks!
(Antworten: Sänger & Songschreiber Tim Wheeler)
Das neue Album von Ash, „Ad Astra“, ist am 3.10.2025 erschienen
Angesichts der Aronofsky-Filmographie der letzten 15 Jahre ein erstaunlich frischer, flotter Film, der alles Überbordende aus „Mother!“ oder „The Fountain“ vermeidet und mehr wie eine Coens-meet-Safdies-Gangsterschnurre spielt.
Im Gegensatz zu vielen Thrillern mit hübschem Zug vermeidet Aronofsky aber durchgängig die Verniedlichung der stattfindenden Gewalt. Hier tun die Schlägereien wirklich weh, verliert man eine Niere, versaut sich das Knie oder gar schlimmeres. Dadurch fällt „Caught Stealing“ auch nicht in die Sub-Tarantino-Fallen des 90er-Jahre-Films.
Unterhaltsam und bis in die Nebenrollen gut besetzt, wenn auch nicht viel mehr. (7/10)
The Surfer (2024, Lorcan Finnegan)
auf Netflix
„Falling Down“, aber im Surfer-Milieu – das ist schon ein kurioser Pitch. Warum nicht mal die totale Eskalation ausgerechnet im Umfeld der Maximum-Relax-Dudes durchspielen?
Dennoch leidet „The Surfer“ an einem recht monotonen Hämmern der Storyline, die uns dafür aber Nicolas Cages Verzweiflung als alternder Surfer wirklich ordentlich nach Hause klopft. Michael Douglas hätte in „Falling Down“ schon fünf Köpfe weggeblasen bis Cage hier überhaupt anfängt, ernsthaft zu rumoren! (ich wäre spätestens dem Lockenkopf-Barista an die Gurgel gesprungen, tbh)
Auf der Habenseite steht allerdings die Weirdness mit der „The Surfer“ seine doch recht simple Storyline ausspielt. Die steht in der Tradition jener schwer erträglichen Oz-Filme wie Ted Kotcheffs berüchtigtem „Wake in Fright“ oder „Long Weekend“, die ihre Protagonisten an den Rand des Wahnsinns bringen, aber nicht unbedingt dabei auf Spannung, sondern mehr auf Verstörung setzen, dafür das Menschsein an sich hinterfragen. Macht diese Art Filme nicht unbedingt mitreissend oder gar unterhaltsam, aber doch anders genug, um länger nachzuhallen. (5/10)
Hollywood Vice Squad (1986, Penelope Spheeris)
auf Plex
Nach ihrem sehr starken Karrierestart mit der Punkdoku „The Decline of Western Civilization“ und dem sehr eingelebten Punkspielfilm „Suburbia – Rebellen der Vorstadt“ bewegte sich Penelope Spheeris Mitte der 80er nun in konventionelleren Bahnen (noch ein paar Jahre später wird sie „Wayne’s World“ drehen, den ich mit meinem neu erwachten Interesse an Spheeris auch mal re-watchen sollte).
„Hollywood Vice Squad“ ist ein Film mit leichter Action und etwas Augenzwinkern, der gut auch zu einem sleazy Thriller im Stil der frühen 80er – Schraders „Hardcore“ ohne die calvinistische Schuld – hätte werden können. Wahrscheinlich hätte ich die Sleazy-Variante bevorzugt, so ist „Hollywood Vice Squad“ eher mild entertaining, am interessantesten sicher immer dann, wenn Spheeris ihr Händchen für das gesellschaftlich Randständige beweist. (5/10)
Eight Eyes (2023, Austin Jennings)
zur Leihe
A Serbian Chainsaw Massacre. „Eight Eyes“ ist ein erfreulich langsam aufbauender Horrorfilm, der erst in seiner letzten halben Stunde eskaliert.
Bis dahin die alte Geschichte: amerikanisches Pärchen auf Trip durch Osteuropa, was kann schief gehen?
Heißer Lonely-Planet-Insider-Tipp meinerseits: Eventuell nächstes Mal doch nicht mit dem einäugigen Wahnsinnigen im Zug anfreunden und seine Familie im Hinterland besuchen?
„Eight Eyes“ ist im grobkörnigen 70er-Jahre-Stil gedreht, was dem Film eine angemessene Dreckigkeit gibt, die viele moderne Horrorfilme sonst vermissen lassen. Etwas schräg ist die inszenatorische Idee, diesen quasidokumentarischen Look mit psychedelischen Sequenzen wie aus Cosmatos- oder Kenneth-Anger-Filmen zu paaren und letztlich gar die Auflösung im flirrenden Unsinn zu verorten.
Für mich deshalb ein etwas antiklimatisches Ende, das auch nicht ganz zur erfreulichen Griffigkeit des Vorangegangen passen mag, was aber der Wirkung von „Eight Eyes“ dennoch keinen wirklichen Schaden zufügt. (7/10)
Freud: Jenseits des Glaubens (2023, Matt Brown)
auf MagentaTV
Hätte ich allein wegen Liv Lisa Fries‘ Beteiligung an einem internationelen Film mit Starbesetzung gerne mehr gemocht, ist aber ein erstaunlich langweiliges, erfundenes Rede“duell“ zwischen Freud (Anthony Hopkins) und C.S. Lewis (Matthew Goode).
Ich sag’s mal so: selbst in einem Horrorfilm wie „Heretic“ war mehr substantielle Diskussion um Fragen des Glaubens als in diesem Gespräch zwischen zwei Denkern. (4/10)
Was man von hier aus sehen kann (2022, Aron Lehmann)
zur Leihe
Habe nie recht verstanden, ob das jetzt ein Kinderfilm sein soll oder doch die Tragik des Erwachsenenlebens via magischen Realismus und Okapi auf die Leinwand bringen will. Bis auf die (nicht real stattfindende) Hundeköpfszene weniger sehenswert als die guten Bewertungen glauben lassen. (4/10)
Insomnia – Todesschlaf (1997, Erik Skjoldbjærg)
Beginnt wie klassischer Nordic Noir (1997, bevor das überhaupt ein Ding war!). Ein Mädchen wird ermordet, der personifizierte Trauerkloß-Detective (Stellan Skarsgard) kommt von außerhalb, um die Untersuchung anzuleiten. Es folgt Nebel, noch mehr Tod. Doch nach gut 40 Minuten geschieht etwas, das den Film in eine komplett andere Richtung lenkt und – muss ich zugeben – durchaus auch den Zuschauer vor Aufgaben stellt, weil „Todesschlaf“ sich ab hier dem klassischen „Polizist auf Mördersuche“-Plot verweigert und mehr zu einer depressiven Betrachtung von Schuld und Verantwortung wird.
5 Jahre später dann von Christopher Nolan mit Al Pacino als Stellan Skarsgard noch mal für Hollywood verfilmt. Hatte die Version damals im Kino gesehen, aber kann mich nicht mehr recht daran erinnern. (6/10)
Incoherence (1994, Bong Joon Ho)
auf mubi
Der Debütfilm des „Parasite“-Regisseurs Bong Joon Ho besteht aus drei Kurzgeschichten über die Heuchelei des Establishments. Ein, zwei kleine nette Ideen, aber herzlich unspektakulär. (5/10)
]]>Einen anderen Exkurs können wir heute als Auszug abdrucken: wie deutsche Plattenfirmen versuchten, Punk zu verstehen und dabei gnadenlos scheiterten (Peter Hein & Co werden an anderer Stelle im Buch ausführlich besprochen, allein dafür schon große Liebe meinerseits!).
ANARCHY IN GERMANY?
38. Strassenjungs – „Ich brauch meinen Suff“
(BRD, 1977)
Die Revolution brach an einem Freitag los. Am 23. April 1976 erschien auf Sire Records das Debütalbum einer obskuren Band aus dem New Yorker Stadtteil Queens. Die vier Jungs sangen lakonisch-lustige und extrem eingängige Songs über den Horrorfilm Texas Chainsaw Massacre, über den Mad-Comic „Spion gegen Spion“ und darüber, dass sie Klebstoff schnüffeln wollen.
Obwohl oder gerade weil die Hälfte der Bandmitglieder jüdische Wurzeln hatte, nannten sie ihre frühe Hymne „Blitzkrieg Bop“. Sie trugen Lederjacken und abgerissene Jeans sowie einen Einheitshaarschnitt.
Sie spielten eine genauso schnelle wie reduzierte Variante des US-amerikanischen Garagenrocks, in dem auch The Velvet Underground sowie der 1960er-Bubblegum-Pop von den Ronettes, den Shangri-Las und von – Achtung, überraschende Querverbindung zum bisher Gelesenen! – Connie Francis kräftig nachhallten.
Die vier Jungs hatten alles, was man haben konnte: Energie, Geschwindigkeit, Melodien, Stil, Provokation, Ironie und Humor. Sie waren perfekt. Mehr noch: Sie waren derart meta, dass sogar die Hipster aus der Kunstszene begeistert waren. Die Band hieß Ramones. Ihre Musik nannte man bald Punk.
In der angloamerikanischen Musikszene regierte vor 1976 der sogenannte Progressive Rock – eine Form des gediegenen musikalischen Kunsthandwerks, das für technische Materialschlachten und gepflegte Langeweile stand. Punk war die Antithese zum zeitgenössischen Prog-Rock, den der österreichische Punk-Pionier Xaõ Seffcheque im Gespräch mit mir einst so trefflich als Umstandsmeier-Rock bezeichnet hat. Punk hatte eine Botschaft: Hier sind drei Akkorde – jetzt gründe eine Band! Punk war zu Beginn kein Stil, sondern eine Idee. Ein Neubeginn. Jeder Mensch konnte sich im Punk neu erfinden. Wichtig war, dass man etwas Eigenes machte. Was das genau war, war eigentlich egal. Zumindest anfänglich.
Weil nichts ansteckender ist als eine gute Idee, fasste Punk auch schnell jenseits des großen Teiches Fuß. In Großbritannien traf Punk auf fruchtbaren Boden und verschränkte sich mit der dortigen Working-Class-Kultur. Noch im selben Jahr, am 22. Oktober, erschien mit „New Rose“ von The Damned die erste britische Punk-Single. Kurz darauf folgten die ersten Veröffentlichungen der Sex Pistols und von The Clash.
Auch in Westdeutschland, in der Schweiz und in Österreich entstanden Szenen, und in den Probekellern der Metropolen gründeten Jugendliche erste Bands. Diese Gruppen wurden von der Industrie ignoriert. Wie schon beim Rock’n’Roll 20 Jahre zuvor, witterte der musikalisch-industrielle Komplex trotzdem den großen Zahltag. Punk? Klingt gut. Machen wir selbst. Die Industrie hatte aber ein Problem: Sie verstand das Phänomen nicht. Beim Rock’n’Roll war es anders gewesen. Der war als Massenphänomen in den USA von der Entertainment-Industrie lanciert worden. Im Unterschied dazu war Punk eine Kultur von unten. Die ersten Versuche der westdeutschen Plattenfirmen, das neue Phänomen zu monetisieren, mussten daher scheitern. Und sie scheiterten spektakulär.
Noch 1977 engagierte das Produzententeam Alex Klopprogge und Eckehard Ziedrich für Columbia Records eilig ein paar angestaubte Altrocker, die teilweise schon in den 1960er-Jahren aktiv gewesen waren, und nannte das so entstandene Punk-Projekt Strassenjungs.
Das Debutalbum bekam den zweifelhaften Namen Dauerlutscher verpasst. Auf dem Cover sind vier verwitterte Gestalten mit langen Haaren abgebildet. Einer trägt einen Vollbart, ein anderer hat die Mähne zum Faschings-Iro hochgekleistert. Die Musik passte sich dem optischen Elend an: Serviert wurde räudiger Blues-Rock mit Texten, die zwischen völlig verunglückter Gesellschaftskritik und permanenter Notgeilheit oszillieren. „Ich brauch meinen Suff wie der Spießer den Puff“, röchelt der Sänger in „Ich brauch meinen Suff“. Je länger das Lied dauert, desto unangenehmer wird es. „Besoffen auf dem Damenklo ist jede wie Brigit Bardot“, heißt es schlussendlich. Igitt. In dieser abgefuckten Parallelwelt ist Punk ein volltrunkener Herrenabend im örtlichen Pornokino.
Das war aber nicht einmal der bescheuertste Aspekt des Strassenjungs-Debakels. Am schlimmsten waren die Namen. Namen spielen im Punk eine entscheidende Rolle. Mit ihrer Hilfe streift man die alte Identität ab und erfindet sich neu. Der schüchterne Nerd Jeffry Ross Hyman verwandelte sich in Joey Ramone und das Londoner Arbeiterkind John Lydon mutierte zum Sex-Pistols-Frontman Johny Rotten. Niemand wird mir lauben, mit welchen Namen die Strassenjungs ins Rennen geschickt wurden. Ich nenne sie trotzdem, kommentiere sie aber nicht. Denn was soll man dazu noch sagen? Sie lauteten: Alexander Adrett, Willi Anstand, Mario Nett und – ich schwöre auf das Gesamtwerk von Alexandra! – Karl Kraftlos.
Hätten die Ramones geahnt, was sie in Westdeutschland mit ihrer Punk-Revolution anrichten werden, hätten sie sich wahrscheinlich auf der Stelle aufgelöst. Trotzdem gehört Dauerlutscher in jede gut sortierte Plattensammlung. In jede schlecht sortierte sowieso. Die Platte ist der Goldstandard in Sachen deutsches Pop-Missverständnis und ein ewig gültiges Mahnmal einer allumfassenden Inkompetenz.
Es erinnert uns daran, was im Pop wie im Leben schiefgehen kann, wenn die falschen Leute versuchen, das Richtige zu machen. Dass diese Themenverfehlung auch noch ein kolossaler kommerzieller Flop war, muss ich nicht extra erwähnen. Das hielt die Industrie nicht davon ab, weitere Punk-Projekte aus dem Boden zu stampfen. Eines davon schaffte es 1978 sogar, bis in die geheiligten Hallen des popkulturellen Status quo vorzudringen – in die ZDF-Hitparade. Davon erzählt die Geschichte des nächsten Songs.
Das Buch „Völlig schwerelos – Glanz und Elend der deutschsprachigen Popmusik in 99 Songs“ von Wolfgang Zechner ist bereits erschienen
]]>* Die drei besten Punksongs/-singles?
** “Minor Threat” von Minor Threat
** “Fairytale in the supermarket” von the Raincoats
** „Made in NYC“ von den Casualties
* Ein Song, der Dich immer zum Tanzen bringt?
“I`m in the Mood for you” – Odetta
* Die interessanteste / beste „neue“ Band/Künstler ist?
Ich weiß nicht, wie neu das noch ist, aber für mich ist das Salamirecorder & the Hi Fi Phonos aus Wien und alles was herum passiert: großartiger Sound und der generelle Vibe.
* Der beste Song über Revolte, Aufruhr und Revolution?
„Pressure Drop” von Toots and the Maytals
* Der beste Song, den Du je geschrieben / aufgenommen hast?
Geschrieben weiß ich nicht, aber „Bett“ alleine zu recorden hat mir sehr viel Freude gemacht,
der ist mir spontan zu dieser Frage eingefallen.
* Der beste Film über Musik? Und warum?
„Rubble Kings“ ist einfach ein cooler Film, aber eher eine Doku, glaub ich.
* Bibiza, Salò oder Yung Hurn – und warum?
Ganz klar Salò, meine Ex-Freundin schneidet uns beiden die Haare.
PS.: Yung Hurn wtf, hahaha.
* Deine liebste deutschsprachige Textstelle?
„AnneMayKantereit, haltet die Fresse,
alles was ich will is nix mit euch zu tun haben,
alles was ich will ist die Regierung stürzen“
von Burnout Ostwest.
Mir fällt gerade nur das ein, hahaha.
* Beste österreichische KünstlerIn/Band ever?
Willy Warma aus Linz, eine zu gute Band aus den 80ern, kennt keiner, deswegen steht es jetzt hier.
* Der beste Song in diesem Jahr ist …?
Das Jahr ist noch nicht vorbei und ich bin nicht sehr aufmerksam aber bis jetzt „Guard Dog“ von Snooper.
* Die beste deutsche/deutschsprachige Platte?
Diese Absolutfragen sind echt hart… ähm, ich sag mal Burnout Ostwest „Es bleibt schrecklich“, aber nur weil ich nicht mehr denken kann und die hatte ich oben schon.
* Die beste Platte aller Zeiten?
„Exile on Main Str.” – Rolling Stones
Die neue Platte namens „ANS“ von Anda Morts ist bereits erschienen.
Auf den Bühnen:
15.10. AT-Graz, PPC
16.10. Salzburg, AT-Rockhaus
17.10. AT-Dornbirn, Conrad Sohm
18.10. AT-Innsbruck, Treibhaus
24.10. AT-Wien, Arena
26.10. München, Strom (ausverkauft)
27.10. Heidelberg, HalleO2
28.10. Köln, Gebäude 9
29.10. Koblenz, Circus Maximus
31.10. Kassel, Schlachthof
01.11. Bremen, Lagerhaus
02.11. Dortmund, Junkyard
03.11. Hannover, Bei Chez Heinz
05.11. Bielefeld, Nummer zu Platz
06.11. Hamburg, Knust
07.11. Rostock, Peter Weis Haus
12.11. Berlin, SO36 (ausverkauft)
13.11. Jena, Kassablanca
14.11. Mainz, Schon Schön
15.11. Konstanz, Kulturladen
]]>Bipolar Feminin – Tüchtig
The guitar that comes in on the chorus sounds like a cheese grater, in the best possible way. I like the instrumental second chorus that’s different to the first, a bit unexpected in this tune. Getting a tiny Pavement vibe of this, it gets better as it goes and the pay off is there.
Christin Nichols – Citalopram
Immediately nice vibe off this, sort of 80s sound meets Feist? Chorus gets shoegazey, there’s a simplicity to this that’s nice to the ear, no need to get fancy for fancy’s sake. The chorus has wiggled into my head by its third run.
Akne Kid Joe – What AfD Thinks We Do
I wish I knew what they were saying in the intro because it sounds important. This tune has at least 3 times gone into a chord progression I didn’t expect. If you do it confidently enough it works. The gang vocal on the pre-chorus and chorus sounds great. There’s so much Club Mate in this video our (German) sound engineer must of had a hand in it. There’s a youthful urgency to this band that makes me wonder how they are in a small ditzy venue, I can imagine them blowing the roof off.
Die Nerven – Barfuß durch die Scherben
Loving the intro to this a lot. That bass sounds very atmospheric, tight sounding with the drums. Good intro into a verse with a good beat. This is a moody tune that sounds like it go of the rails at any time but manages to stay on the tracks, whilst still building to a nice crescendo! I love it.
Gewalt – Deutsch
This is cool shit. Getting an LCD soundsystem vibe if you took them and threw them into a German dive bar and played them through a rusty speaker. That unnerving guitar in the chorus sounds sick. The energy is infectious throughout the song. The whole tune has a small horror vibe to it which is elevated when the synth comes in towards the end. Ends too soon, favourite of the bunch.
Das neue Album von SPRINTS, „All That Is Over“, ist Ende September auf City Slang erschienen.
Frühere Ausgaben von German Blind Date:
– Big Special
– Herman Dune
– Hot Chip
– die Wave Pictures
– Adam Ant
– Yeasayer
– Maximo Park
– The Stranglers
– LIARS
– We Were Promised Jetpacks
– The Walkabouts
– Los Campesinos!
– Bleached
Wes Anderson erzählt in seinem neuesten Spielfilm „The Phoenician Scheme“ den elaboriertesten Plost seit mindestens „Grand Budapest Hotel“, aber am Ende sind all die Haken, die die Geschichte schlägt, wohl auch herzlich egal, geht es ihm doch um den emotionalen Kern der Vater-Tochter-Verbindung, die diesen Saulus-zu-Paulus-Plot befeuert.
Alle Figuren spielen überspitzte Karikaturen von gewissen Abenteuerfilm-Tropes, bleiben aber dank ihrer stoischen Leslie-Nielsen-esquen Performances trocken genug, um nicht in Quatschgefilde abzurutschen – Ausnahme Benedict Cumberbatchs Overacting-Show als böser Onkel In der Kombination mit dem Plot-Twist-Overkill ist „Phoenician Scheme“ im Ganzen einer der unterhaltsamsten Anderson-Filme seit langem („The French Dispatch“ mal ausgenommen, der herausragende Episoden hatte).
Stilistisch ist Anderson nah an seinen im letzten Jahr auf Netflix veröffentlichten Kurzfilmen. Noch mehr als zuvor folgt er in seinen Tableaus einer 2D-Anmutung, wirken alle Bilder ohne Tiefe, als würde man durch ein bewegtes Buch blättern (was von mir beschreibend, nicht negativ gemeint ist!). (7/10)
Heretic (2024, Scott Beck & Bryan Woods)
zur Leihe
In seiner ersten Hälfte ein wirklich tolles Horror-Kammerspiel, das bis dahin ausschließlich über eine theologische / ethische Diskussion funktioniert.
Hugh Grant mit dem Spaß seines Lebens, wenn er hier seinen üblichen, suaven Heartbreaker zum smarten Bilderstürmer überspitzt und dabei glaubwürdig (und nur leicht drüber) einen am Anti-Gottes-Beweis interessierten Fanatiker gibt.
Der zweite Part des Films leidet einerseits an etwas arg unglaubwürdigen Charakterentwicklungen (warum wird die junge, eher etwas stumpfe Mormonen-Schwester auf einmal zum Debattiermonster?) und am wohl genreimmanenten Horrorhokuspokus, aber dennoch bleibt der Film unterhaltsam genug, auch wenn er nicht mehr die Flughöhe der ersten Hälfte erreicht. (6/10)
Eight Postcards from Utopia (2024, Radu Jude & Christian Ferencz-Flatz)
auf mubi
„Hey, lass uns doch den Dienstag abend damit verbringen, 71 Minuten lang Werbespots aus dem postkommunistischen Rumänien der Mitt90er zu schauen!“ – jedem anderen Partner würde man die Tür weisen, aber beim Godard aus Bukarest macht man halt sogar dann eine Ausnahme.
Also schön einen von Radu Jude (mit Christian Ferencz-Flatz) fabrizierten Supercut rumänischer TV-Spots reingezogen, der natürlich einerseits über die Unbeholfenheit und unschuldig direkte 1:1haftigkeit der damaligen Spots wirkt, andererseits aber durchaus auch ohne Off-Kommentar eine politische Aussage transportiert: den Rausch des Kapitalismus, das Fear Of Missing Out Of Privatisierung, die Gier nach Luxus (und Fleisch. Immer wieder Fleisch).
In seiner rapiden Folge hart an der Überforderung und durch das repetitive Wesen nach spätestens einer Stunde auch ermüdend, aber durchaus ein Erlebnis. (6/10)
Witches (2024, Elizabeth Sankey)
auf mubi
Der hervorragende Beginn verspricht eine popkulturell-gesättigte, filmische Neubetrachtung des Hexen-Kults aus einer feministischen Perspektive, also quasi ein „Häxan: Witchcraft Through the Ages“ für die Neuzeit.
Etwas überraschend biegt Elizabeth Sankey in ihrem Essay allerdings in eine Dokumentation über postnatale Depression ab. So wichtig das Thema auch ist, verliert „Witches“ dadurch aber erstens seinen Fokus, zweitens seinen spielerischen Umgang mit seinen Themen und wird so zu einer recht konventionellen talking-heads-Gesprächsrunde. (5/10)
This Is the Zodiac Speaking (2024, Regie: Phil Lott & Ari Mark)
auf Netflix
Muss man auch erstmal schaffen: den vielleicht mythenumranktesten Serienkiller diesseits von Jack The Ripper als so klischee-ige Netflix-Doku zu erzählen, dass ich mich nach Folge 1 verabschiedet habe.
Schade, eine große Enttäuschung. Lieber Finchers „Zodiac“ das xte Mal schauen. (4/10)
Contra (2020, Sönke Wortmann)
auf Netflix & RTL+
Betulich menschelnder Film, der Zynismus und Rassismus verhandeln möchte, dabei aber doch immer nach dem Guten sucht.
Sönke Wortmanns Remake des französischen „Die brillante Mademoiselle Neïla“ war in einem schwierigen Kinojahr 2021 sogar der zehnterfolgreichte Film des Jahres, vielleicht aber gerade weil er es am Ende doch so gut meint und sich wirklich bemüht, alles in Wohlgefallen aufzulösen.
Der an cringe-Szenen reiche Film hat sicher seine besten Momente, wenn er Christoph Maria Herbst die Plattform gibt, sich als rhetorisch gewandten Zyniker zu inszenieren, aber gerade seine zentrale Geschichte – junge, vom Professor (Herbst) rassistisch beleidigte Studentin nimmt an Debattierwettbewerb teil, ihr Professor wird nach dem Eklat als Mentor zwangsverpflichtet – wird nie glaubwürdig hergeleitet. Es wird stattdessen schlicht behauptet, dass die junge Naima dank ihres Professors auf einmal zur Debattierbiene erster Brummklasse wird. (5/10)
Die feige Schönheit (2024, Moritz Krämer)
ZDF Mediathek
Elliptisch erzähltes Familien-und-Liebes-Drama aus der Skaterszene, das nach gut zehn Minuten den Zuschauer völlig unvermittelt in einen krassen Unfall wirft, an dessen Folgen alle Beteiligten für den restlichen Film zu knabbern haben.
Starke Bilder, die erfolgreich einen Überinsta-Look wie beispielsweise noch „Futur Drei“ vermeiden und dankenswerterweise eine gewisse Roughness behalten. Für mehr Eindruck dann doch zu ziellos und verschlossen, aber mit Momenten und einer guten Performance im Zentrum von Pascale Numan. (6/10)
Terminal Island / Männer wie die Tiger (1973, Stephanie Rothman)
zur Leihe bei Cultpix
Stephanie Rothman ist eine der wenigen Regisseurinnen, die auch im Exploitation-Genre tätig war. So merkt man ihrem „Terminal Island“ (deutscher Titel: „Männer wie die Tiger“) durchaus an, dass hier jemand zwar die Tropes bedient, aber auch soweit wie möglich subvertiert.
„Terminal Island“ spielt wie eine Mischung aus „Battle Royale“ und „Punishment Park“. Strafgefangene werden auf einer Insel ausgesetzt und dort sich selbst überlassen. Faszinierend ist dabei aber, wie Rothman hier eine reale Grundierung einbringt und in einer wirklich sehr starken Exposition dieses Konzept im Film via (echter!) Straßeninterviews einführt: so werden Passanten befragt, was sie davon halten, dass mit Abschaffung der Todesstrafe die Verurteilten stattdessen auf einer Insel ausgesetzt werden und dort mit Natur und Mitgefangenen um ihr Überleben kämpfen müssen. Wenig überraschend: großes, zustimmendes Nicken der Bevölkerung!
Zwar hält der restliche Film nicht ganz, was dieser durchaus auch politischer Einstieg verspricht (hierzu empfehle ich „Punishment Park“, einen wirklich verstörenden Film mit ähnlicher Thematik), aber bleibt bis zum Ende unterhaltsam. (6/10)
…
Film im Barbican in London gesehen mit einem langen Q&A mit der Regisseurin, die aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters (89!) per Video aus den USA zugeschalten war. Voller Empathie und politischer Schärfe kommentierte Rothman die amerikanische Gegenwart ebenso wie die Bedingungen für Frauen in der Filmindustrie in den 60er bis 80ern. Ein tolles Gespräch und man wünscht sich, mit 89 auch noch halbwegs so fit zu sein!
Umherschweifende Haschrebellen, Kommune 1, Ohnesorg, das besetzte Bethanien, Dutschke, Bewegung 2. Juni und mit einem Auge dann eben auch noch die RAF. Anfangs etwas irritierend in seinem gesprochenen Wort – Duktus, der sich nicht immer flüssig liest, aber mit der Zeit wie eine bewusste anti-intellektuelle Entscheidung erscheint, liegt Baumann doch besonders viel daran, seine Working Class Roots und die Verbindung mit dem Proletariat immer wieder hervorzuheben und sich damit auch von den „Studenten“der 68er und später auch des RAF-Zirkels abzugrenzen (nur Dutschke kommt aus dieser Perspektive dennoch gut weg).
Ein interessanter Einblick in die Idee der linken Revolte, die beinah versöhnlich endet, weil Baumann zum Schluss die Gewalt als Irrweg erkennt (nicht aber die Idee der linken Revolution an sich). Manches ist aus heutiger Sicht schwer nachzuvollziehen, weil auch etwas sprunghaft geschrieben. Mag sein, dass in den 70ern hier die Linien noch offensichtlich waren, jetzt versteht man nicht immer, wer nun welcher Fraktion angehörte. Vor allem als ‚Pamphlet von unten‘ lesenswert, das den Verdruss mit der BRD und die daraus entstehenden revolutionären Ideen beschreibt, ohne in Geschwurbel abzudriften.
]]>Die ersten Singles wie „Chandelier“ und das Album „Captain“ waren im Grunde Punk mit Noise-Rock-Einflüssen, doch nach und nach wurden Idlewild melodischer und ließen mehr R.E.M.-Referenzen als die Hüsker Dü – Vorlieben ihrer Frühzeit anklingen. „The Remote Part“ von 2002 ist ihr großes Album, das sie selbstbewusst als schottische Band zeigte (siehe den hervorragenden Closer „Scottish Fiction“), die die Hymnenvorlieben („You Held the World in Your Arms“, #9 in den UK-Charts) ihrer südlichen Nachbarn nun ebenso pflegte wie sie weiterhin R.E.M. & Co durchklingen ließ.
Im Oktober erscheint ihr neuntes Studio-Album.
* Your three favourite Punk singles/songs?
– The Ramones ‚I wanna be sedated‘,
– Richard Hell ‚Blank generation‘,
– The Stooges ‚Down on the street‘
* A record that will make you dance?
– The Pogues ‚If i should fall from grace with god‘
* Your favourite song lyrics?
’nothing really matters much, it’s doom alone that counts‘ (Bob Dylan ‚Shelter from the storm‘) springs to mind today, but you can
go to any Dylan song and find gold. He’s the greatest lyricist there is.
* The best “new” artist / band right now?
– I’d say Kneecap:
They tell the truth, and are not afraid to do so, and they are also funny, original, unique.
* Your favourite Scottish band/ artist ever?
– A toss up between The Blue Nile and Teenage Fanclub. Both very evocative of Glasgow to me. Both bands write great songs with memorable melodies, and Paul Buchanan from the Blue Nile is my favourite Scottish singer.
* Your favourite song about rebellion/revolution?
– Bob Dylan ‚Masters of war‘ or Patti Smith ‚People have the power‘ or Public Enemy ‚Fight The Power‘
* Your favourite song this year so far?
– I’m a big Wilco/Jeff Tweedy fan, and he’s just released a new single ‚one tiny flower‘ – which is reassuringly great. When Wilco put out a new record, it’s usually my favourite album of that year.
* Your favourite movie about music – and why?
– Bob Dylan ‚Don’t look back‘ – much copied, but never bettered. Still looks and sounds so cool.
* R.E.M., The Smiths or Pixies – which one do you prefer and why?
– I love all three bands, but if i had to pick one, probably REM, just because they had such a long run of wonderful albums – Between 1982 – 1992 everything they released was fantastic, and also no two records were the same, they were always evolving their songwriting. Great live too.
* Best song you’ve written/recorded
– The most popular one is ‚You held the world in your arms‘ so maybe that’s the best too.
* Your favourite german song/record?
– Either Kraftwerk ‚Trans europe express‘ or NEU! 2
* Your favourite record of all time?
– almost an impossible question, but REM ‚Murmur‘, Patti Smith ‚Horses‘ and Bob Dylan ‚The Basement Tapes‘ are up there for sure.
(Antworten: Sänger/Songwriter Roddy Womble)
Das neue, selbstbetitelte Album von Idlewild erscheint am 3. Oktober
Zwei Genres, deren ich dank ihrer Ubiquität in den letzten Jahren wirklich überdrüssig geworden bin: der Zombie-Horror und das Wilderness-Dystopie-Drama. Umso überraschender, dass Danny Boyle mit seiner späten „28 Days Later“-Wiederkehr genau diese beiden Nischen mit so viel Frische bespielt.
„28 Years Later“ ist nicht nur Boyles bester Film seit, nun ja, „28 Days Later“, sondern auch der beste Zombie-Film seit vielen vielen Jahren. Boyle gelingt meisterlich die Gleichzeitigkeit zwischen Horror-Szenen und introspektiven Momenten, die genug Luft lassen, um eine Ahnung vom Leben in dieser Welt zu vermitteln. Gepaart mit einem wirklich mitreissenden Soundtrack durch Young Fathers und etlichen überraschenden, visuell faszinierenden Einstellungen ist „28 Years Later“ so viel besser als erwartet – hier fällt mir wirklich nur George Millers späte „Mad Max“-Weitererzählung ein, die ähnlich brillant an ein lange in der Vergangenheit liegende Vorlage anknüpft. (8/10)
Weapons (2025, Regie: Zach Cregger)
im Kino oder zur Leihe
„Weapons“ ist ein wirklich rätselhafter Film, der auch komplett gegen meine Erwartungen gespielt hat. Liest man die Kurzzusammenfassung oder sieht den Trailer, erwartet man einen recht straighten Horrorfilm, doch wie schon in seinem (sehr guten!) Vorgänger „Barbarian“ sieht Zach Cregger gar nicht ein, sich an irgendwelche Konventionen zu halten.
„Weapons“ hat sicherlich etliche Horrorelemente, Gore und Spannung, aber ist andererseits auch augenzwinkernd, ohne ironisch zu sein, und mit Witz, ohne lustig zu sein. Ich habe bis jetzt noch keine Idee, was der Titel bedeuten soll, der in einer absurden Traumsequenz seinen einzigen Bezug im Film findet.
Cregger erinnert an Jordan Peele, der auch Horrorelemente als Framework nimmt, um seine eigenen Geschichten zu erzählen. „Weapons“ nähester Schwesterfilm ist dann auch Peeles „Nope“, allerdings überzeugt mich Cregger deutlich mehr darin, wie er seine disparaten Bestandteile zusammenbringt und sich nicht ganz so sehr im Nebenher verliert wie Peele zuweilen.
Dass „Weapons“ auch noch so ein Smash-Hit wurde (nach 3 Wochen bereits 115 Mio $ Einspiel), gibt einem ja fast den Glauben zurück, dass es noch einen Platz für originelle Filme in den Multiplexen dieser Welt gibt! (7/10)
Heads of State (2025, Regie: Ilya Naishuller)
auf amazon prime
Wie so oft in Actionfilmen – und noch häufiger in jenen mit komödiantischem Touch – ist ein Hinterfragen der Sinnhaftigkeit vergebene Liebesmüh und das gilt für „Heads Of State“ gleich dreimal.
Dieser äußerst elaborierte Plot, aufgrund dessen die USA aus der NATO austreten können (wollen? müssen?), wäre ja eh schon überflüssig (wie die reale Welt leider gerade gut beweist), aber selbst innerhalb des Films habe ich irgendwann nicht mehr verstanden, was denn nun der Waffenhändler/Warlord damit zu tun hat.
Naja, es ist auch wirklich egal, dafür kabbeln sich Idris Elba und John Cena als britischer Premier respektive amerikanischer Präsident schön durch die Chose und hat Ilja Naischuller einige herrlich absurde Action-Setpieces orchestriert, wenn man über deren CGI-Overkill hinwegsehen kann. Dazu noch ein paar absurde, aber umso mehr in die Vollen gehenden Needledrops und „Heads Of State“ ist immerhin unterhaltsamer als die meisten Produkte der Netflix-Konkurrenz. (5/10)
Five Nights at Freddy’s (2023, Regie: Emma Tammi)
auf amazon prime
Etwas verblüffend großer Erfolg (137 Mio Einspiel, #19 erfolgreichste Filme des Jahres) in den USA für diesen doch recht schnell auserzählten Horrorfilm. Offensichtlich ist die zugrunde liegende Spielereihe verantwortlich dafür, denn als alleinstehender Film ist der Charme doch begrenzt. „Five Nights At Freddys“ erzählt die alte Geschichte eines verlassenen Funhouses zum xten Mal. (4/10)
Die Verdammten der Pariser Kommune (2021, Regie: Raphaël Meyssan)
arte mediathek
Interessanter Ansatz: „Die Verdammten der Pariser Kommune“ wird als Zeichentrick im Stil von Radierungen und Stiftzeichnungen der damaligen Zeit erzählt.
Am Ende durchaus auch rührend, wenn sich die Leichenberge türmen und die Hoffnung auf eine Weltgestaltung von Unten endgültig niedergeschlagen wird. Allerdings auch etwas tendenziös erzählt und in Teilen werden historische Entscheidungen, insbesondere auf der „Gegenseite“ zu wenig begründet, was wiederum den Argumenten der Pro-Seite etwas Kraft nimmt. (6/10)
Berlin Nobody (2024, Regie: Jordan Scott)
auf amazon prime
Ein von (Ridley-Tochter) Jordan Scott gedrehter Sektenkult-Thriller in Berlin, der Sophie Rois und Jonas Dassler neben Ex-„Hulk“ Eric Bana stellt.
Nach ganz ordentlichem Beginn, der glaubwürdig aus amerikanischer Teenie-Perspektive den kaputten Reiz des darken Berlins transportiert, wird die Geschichte aber so überkandidelt und in sich unlogisch, dass ich das Endgame der Sekte wirklich nicht mehr verstanden habe. (4/10)
Brennende Betten (1988, Regie: Pia Frankenberg)
auf mubi
Akute Wohnungsnot und ständige Schlitzohrigkeit führen Gina (Regisseurin & Autorin Pia Frankenberg selbst) und Harry (Ian Dury. Ja, der Ian Dury) in eine Zufalls-WG, in der der eine ständig irgendwelche rätselhafte Experimente mit Feuer und Wasser macht, die andere sich durch die halbe Hansestadt vögelt. Natürlich finden die beiden sich zunächst unausstehlich und in der Folge zueinander.
„Brennende Betten“ ist ein unkonventioneller Twist auf das RomCom-Genre, das nicht nur dank Ian Dury den Geist des Untergrunds atmet und mindestens eine „Scheiß drauf, wir leben jetzt“-Attitude verinnerlicht hat.
Im Vergleich zu Pia Frankenbergs tollem Eine-Nacht-in-Berlin-Film „Nie wieder schlafen – Nie wieder zurück“ (1992) allerdings auch etwas zu oft auf der quatschigen Seite, so dass diesmal die emotionalen Haken nicht richtig sitzen wollen. (5/10)
Reality+ (2014, Regie: Coralie Fargeat)
auf mubi
Wem die Black-Mirror-Folgen ausgehen, bitte hier entlang. Ein zwanzigminütiger Sci-Fi-Short von Coralie Fargeat, zehn Jahre vor „Substance“. Einige der visuellen Ideen aus ihrem großen Durchbruchsfilm kann man auch hier bereits entdecken, nur dass „Reality+“ unerwartet meet-cute endet statt in Dorian-Gray-Destruktion. (6/10)
Totally F***ed Up (1993, Regie: Gregg Araki)
auf mubi
Ein früher Gregg Araki, stilistisch zwischen Godard und Bruce LaBruce mit 90s Punk-Slacker-Attitude.
Der Film-Untertitel „More Teen Angst In 15 Random Celluloid Fragments“ beschreibt das Erlebnis von „Totally Fucked Up“ besser als es jede Kritik könnte. Mit einfachen Mitteln aber viel Stilwillen gelingen ihm hier Snapshots aus dem Leben queerer Teenager auf der Suche nach irgendeinem Sinn. (7/10)
]]>Bis 2012 veröffentlichte die Band recht kontinuierlich sieben Studioalben, doch erst Ende letzten Jahres war nach langer Pause das erste neu aufgenommene Lebenszeichen zu vernehmen. Gerade veröffentlichten H-BLOCKX nun eine zweite neue Single „Straight Outta Nowhere“, die zugleich die erste Veröffentlichung auf dem neu gegründeten Label der DONOTS ist.
* Die drei besten Punksongs/-singles?
** ALL – long distance,
** BEASTIE BOYS – Sabotage,
** NINA HAGEN – TV Glotzer
* Ein Song, der Dich zum Tanzen bringt?
QUEENS OF THE STONE AGE – Make it wit ch u
* Die interessanteste / beste „neue“ Band/Künstler ist?
LOLA YOUNG:
Authentisch, mutig, independent
* Deine liebste deutschsprachige Textstelle?
„…ich nehme keine Drogen, ich mag nur den Geruch von Koks“ – PAULA HARTMANN
* Der beste Song über Revolte, Aufruhr und Revolution?
RAGE AGAINST THE MACHINE – Bombtrack
* Der beste Song, den Du je geschrieben / aufgenommen hast?
Risin‘ High von H-Blockx
* Such A Surge, Guano Apes oder Mr Ed Jumps The Gun – … und warum?
SUCH A SURGE (ohne nur drüber nachzudenken) – Gegen den Strom war für mich eine Offenbarung Hip Hop und Gitarren. Das war sehr weit vor seiner Zeit. Wegweisend!
* Der beste Film über Musik? Und warum?
Quadrophonia – Weil er den Zusammenhang von Musik und gesellschaftlichen Zustand am besten auf den Punkt bringt. Ein Zeitdokument. Grossartig: Stings Gastrolle als Bösewicht.
* Der beste aktuelle Song aus diesem oder letztem Jahr?
LOLA YOUNG – Conceited
* Die beste deutsche/deutschsprachige Platte?
UDO LINDENBERG – Votan Wahnwitz
* Die beste Platte aller Zeiten?
AC/DC – Highway to hell
(Antworten: Henning Wehland / Sänger & Gründer)
Die neue Single von H-BLOCKX ist bereits erschienen
Auf Tour:
25.10. Erlangen, E-Werk (ausverkauft)
26.10. Saarbrücken, Garage
28.10. CH – Zürich, Komplex
29.10. Ulm, Roxy
31.10. Offenbach, Stadthalle
01.11. Bremen, Pier 2
02.11. Köln, Palladium
04.11. Hamburg, Docks
07.11. Berlin, Columbiahalle
08.11. Münster, Halle Münsterland
09.11. München, Zenith
Nachdem Vice innerhalb weniger Jahre von einem mit fünf Millarden bewerteten Ex-Punkrock-Unternehmen zum bankrotten Kaputtski wurde, ist auch Huang auf seinem Lohn hängen geblieben. Hundertausende von Dollar an Vice-Schulden tauscht er gegen die Auflösung eines NDA und der Rechte an ’seiner‘ Serie, um diesen „Vice Is Broke“-Film machen zu können, der drei Dinge fragt: a) where did it all go wrong? b) where is my fucking money? c) wie groß ist der Arschloch-Quotient in der Vice-Führung? (Spoiler: hoch)
Warum das über eine persönliche Vendetta hinaus interessant ist, liegt an Huang, der die Attitude des frühen Vice Magazine immer noch lebt. Er ist auch heute noch ein idealistischer Bilderstürmer, eine Coolness-Maschine, ein Provokateur mit Punkrockvibes – aber mit einer Empathie für den Underdog, die Vice auf seiner Suche nach Größe verloren hat. So spürt er den Problemen des Magazins nach, spricht mit etlichen frühen Mitarbeitern und hat auch immer noch viel Love für die Wildheit des alten Magazins. Das geht sogar so weit, dass er Vice-Mitgründer Gavin McInnes, der 2007 rausgeworfen wurde und einige Jahre später Hauptakteur der rechts-chauvinistischen Proud Boys – Bewegung wurde, nicht nur interviewt, sondern ihn auch heute noch mit einer gewissen Ehrfurcht betrachtet. McInnes wird im Film ob seiner jetzigen Ansichten zwar klar angeklagt, doch Huang bringt es nicht übers Herz, in ihm einen echten Neo-Faschisten zu sehen, sondern öffnet ihm immer noch die Hintertür, dass er all das nur für das Geld, den Ruhm und die Mädchen machen würde (wobei fairerweise zu sagen ist, dass McInnes *dieser* Vorwurf wohl bei weitem fuchtiger macht als wenn man ihn einen Faschisten heißt).
Huangs eigentlicher Endgegnger ist der andere Vice-Gründer Shane Smith, den er als unkreativen Salesman zeichnet, der immer auf die Coolness von McInnes & der anderen Redaktionspunks eifersüchtig war. Smith‘ Expansionsdrang stößt Vice letztlich ins Verderben.
Dieses Abarbeiten am Ende einer Untergrundinstitution ist äußerst unterhaltsam, gerade weil der Kampf nicht von außen, sondern quasi von innen geführt wird. Huang hat den Insider-Zugang und – noch wichtiger – *immer noch* den Underdog-Gestus verinnerlicht, weswegen sein blutendes Herz imer wieder auf die Leinwand schwappt. Eine Aufarbeitung aus ökonomischer Sicht, worin der Niedergang von Vice begründet war, liefert Huang nur in Ansätzen und formuliert sie nicht unbedingt nachvollziehbar – außer dem eher aphoristischen Sellout-Punkrock-Credo „Coolness ist kein erneuerbarer und skalierbarer Faktor. Du kannst sie nur einmal verkaufen, dann ist sie weg“.
Aber für diesen financialtimesigen Blick auf die Vice-Misere wird es sicher, wie er zu Beginn seines Films sagt, irgendwann einmal eine andere Doku geben. Aber eine langweiligere, mit Menschen, die auf Stühlen sitzen und in Kameras sprechen.
„Vice Is Broke“ ist auf MUBI zu sehen.
]]>Gestern krabbelte er mal wieder vom Weltenrand zurück, um mit den Trümmern der Lemonheads dieses Lied und den Rest von C’mon Feel in Berlin zu spielen. Versprach natürlich bereits im Vorfeld ein gigantisches Debakel. Kam anders. Von irgendwo her fiel Dando auf die Bühne und stürzte sich direkt in die ersten Zeilen von Hospital. Johlen und Jauchzen auch bei „Drug Buddy, „Bit Part“, „Rudderless“ und „The Great Big No“. Ohne große Worte.
Dando schrie seine Parolen für die 90er ins Publikum, das schon vor 30 Jahren nicht mehr 20 war. Die komplette Abwesenheit der Jugend machte den Zerfall erträglicher, die Band trug Dando, der bei Style einmal an den Bass wechselte und dem niemand sein „don’t wanna get stoned“ abnahm. Später stand er allein im Publikum, das für ihn Frank Mills sang. Er zerstörte es. Auf der Bühne grollte er das Ende ins Mikrofon und war dabei ganz bei sich. Noch ein Hardin-Cover, das zerbrach, einmal noch Fleetwood Mac und Richard und Linda Thompson über das Verschwinden aller Träume. Zuerst aber verschwand nur Dando.
Und als alle in die Nacht verschwanden und waren sie froh, dass Dando und seine Parolen aus den 90ern noch da waren. Dando hing da längst wieder irgendwo da draußen am Rand. Bis er wieder einmal auf die Bühne fällt. (Stephan Uersfeld)
]]>Einige Favoriten aus dieser Reihe:
– Conscious Pilot: deren „Halfway To Hackney“ zitiert Televisions „Marquee Moon“ nicht nur in den Lyrics, sondern auch offensichtlich im Sound
– Pastel: auch wenn sich die Band als ‚Shoegaze inspired‘ bezeichnet, ist „Deeper Than Holy“ doch ein so schönes Verneigen vor den Stone Roses, dass die Band natürlich nur aus Manchester kommen kann.
– Westside Cowboy: Alt-Country-Punk, wie ihn auch die Black Lips spielen. Favoriten von Ezra Furman.
– Sex Beat: nach dem Gun Club Song benannt und das gibt durchaus auch einen Eindruck vom Klang der Band. „This Machine Kills No One“ hat einen gemeinen Groove wie die besten The Kills – Tracks.
– Beaks: Österreicherin, die LCD Soundsystem verinnerlicht hat. Cooler als ein Eisbär.
– Drei Säcke Bauschutt: Post-Punk mit dem hervorragenden Paranoia-Song „Angst“, der an Human Abfalls Großtaten erinnert.
– Iedereen: Große Entdeckung auf dem Reeperbahnfestival 2023. Meine damaligen Worte gelten natürlich immer noch: Die neue Glitterhouse-Band sind zwei Typen mit unterschiedlich dichter Haarpracht, die beide dreckig rocken wie dünne Zeltingers. Eine Wucht!
– Witch Post: Die Lead-Gitarre in „The Wolf“ bohrt sich unwiderstehlich in alle Hörgänge. Die schottische Zwei-Personen-Band glänzt mit Edwyn-Collins-haften Vocals.
– TTSSFU: Singer/Songwriter-Shoegaze von der Enkelin Leonard Cohens. Muss man ja anhören.
– Getdown Services: sehr entspannter weiße Männer Funk, der sich nicht um Trendyness schert, aber erstens mit äußert amüsanten Lyrics punktet und zweitens den Schweiß ihrer Livekonzerte bis ins mp3 tropfen lässt.
– Lovehead: gerade mal vier Songs hat die österreichische Band bisher veröffentlicht, aber bereits mit ihren ersten beiden Lieder „Erdnussallergie“ und „Denkst du an mich“ die Millionen-Stream-Grenze überschritten. Letzterer bounced wie die Breeders, „Erdnussallergie“ ist dagegen eine wunderbar alberne feministische Faust.
– Gardens: noch mal Österreich. Gardens veröffentlichen auf dem immer geschmackssicheren Siluh-Label und spielen Dream-Pop, der sich aber nicht im Ungefähren verliert, sondern immer griffig bleibt.
– Robert Stadlober: ok, hat man natürlich schon mal gehört den Namen. Aber „Bellevue“ ist ein so herrlicher Berlin-Song aus seinem Tucholsky-Programm, dass man ihn einfach empfehlen muss!
– Sodl: die Gewinnerin des FM4-Awards verbindet in „I Am A Woman“ Mariachi-Bläser mit King-Hannah-Post-Grunge.
– Blondshell: Neben Wednesday und MJ Lenderman ist Bombshell der aufregendste Act, der einen grungeifizierten Folk-Rock neu denkt. Alle drei Künstlern vereint, dass sie Folk- und Country-Songs schreiben, diese aber in der Laut/Leise-Struktur des Alternative Rock der 90er spielen: Hole meets Neil Young.
– Honeyglaze: jangly Indiepop, der auch in den 90ern seinen Platz gefunden hätte. Dank persönlicher wie gesellschaftspolitisch gefärbter Texte von Sängerin Anouska Sokolow – wie in „Female Lead“ oder „Don’t“ – versprechen Honeyglaze einiges für die Zukunft.
– Zinn: Habe nie gewusst, dass ich eine österreichische Variante der Raveonettes vermisst hätte, aber hey, hier kommt ZINN mit „Black Lake“ und einer garagen-rocknroll geschwängerten Bonnie & Clyde – Geschichte über den Teufel.
Großer Höhepunkt in ihrer Diskographie ist für mich „Fuck the Government, I Love You“, das seinen Refrain direkt aus Fetzen einer Partyunterhaltung bastelte:
Pass the wine, fuck the government, I love you
Three statements overheard at once in the crowded room
But I could not be sure which one had come from you
So I passed you the wine and said yes, fuck the government, I love you too
The Burning Hell habe ich sechs deutschsprachige Songs von Ja, Panik bis Die Sterne vorgespielt:
Düsseldorf Düsterboys – Teneriffa
We loved this right away: the relaxed production, guys singing nice harmonies, the island vibes when the piano comes in… it sounds timeless and like the sort of band we’d like to be in if we lived in the Ruhrgebiet.
Voodoo Jürgens – Heite grob ma Tote aus:
Is that organ and harmonica together? We can’t tell. But whatever it is, we like it. Our German definitely isn’t good enough to appreciate the dialect here but we’re into his voice and the overall vibe is cool.
Brezel Göring – Tschernobyl
The drums and shaker sound awesome together. Why do so many bands overproduce the drums? This song gets it right.
Die Sterne – Was hat dich bloß so ruiniert?
It’s so cool when a band can take a simple chord progression, play it over and over again, and still manage to develop the song so dynamically. Also we love music videos that make jokes about the music industry.
Ja, Panik – Nevermind
It’s so rare to hear songs that are mostly just electric guitar and vocals and this made us remember how much we love the electric guitar. It’s also a very cool move to wait for four and a half minutes to have the band come in. Great song.
Der Nino aus Wien – Taxi Driver
More than anything else you sent us, this one makes us wish we understood more German, and in particular makes us want to learn German in Vienna. It’s amazing when the quality of someone’s voice can convey that their lyrics are great even when you don’t really understand the lyrics themselves!
Das neue Album von The Burning Hell, „Ghost Palace“, ist bereits erschienen!
Frühere Ausgaben von German Blind Date:
– Big Special
– We Are Scientists
– Herman Dune
– Hot Chip
– die Wave Pictures
– Adam Ant
– Yeasayer
– Maximo Park
– The Stranglers
– LIARS
– We Were Promised Jetpacks
– The Walkabouts
– Los Campesinos!
– Bleached
Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass es nicht gerade die Wutreden sind, die mich dann eben doch am meisten begeistern, aber es ist wohl vor allem der Kontext, in dem sie platziert sind, die sie so wuchtig werden lassen. Gerade wenn man Seite um Seite die um sich selbst drehenden Betrachtungen des Erzählers und die von ihm in indirekter Rede vorgetragenen Geschichten der anderen Figur des Buches liest und sich hoffnungslos verloren im Gewirr der Wörter und nicht enden wollenden Sätze sieht, doch plötzlich aus dem Erzähler eine herrliche Philippika gegen Heidegger, die Kirche, den Staat und das Burgenland herausbricht! Wie hier dem Buch alle Schwermut wegfliegt und im Schimpfen das Leben erst gelebt werden kann.
]]>* “Heidegger, der immer nur komisch gewesen ist, ebenso kleinbürgerlich wie Stifter, ebenso verheerend größenwahnsinnig, ein Voralpenschwachdenker, wie ich glaube, gerade recht für den deutschen Philosophieeintopf. Den Heidegger haben sie alle mit Heißhunger ausgelöffelt jahrzehntelang, wie keinen anderen und sich den deutschen Germanisten- und Philosophenmagen damit vollgeschlagen. Heidegger hatte ein gewöhnliches, kein Geistesgesicht, sagte Reger, war durch und durch ein ungeistiger Mensch, bar jeder Phantasie, bar jeder Sensibilität, ein urdeutscher Philosophiewiederkäuer, eine unablässig trächtige Philosophiekuh, sagte Reger, die auf der deutschen Philosophie geweidet und darauf jahrzehntelang ihre koketten Fladen fallen gelassen hat im Schwarzwald. Heidegger war sozusagen ein philosophischer Heiratsschwindler, sagte Reger, dem es gelungen ist, eine ganze Generation von deutschen Geisteswissenschaftlern auf den Kopf zu stellen.”
* “Die sogenannten Alten Meister sind, vor allem, wenn man mehrere nebeneinander betrachtet, also ihre Kunstwerke nebeneinander betrachtet, Verlogenheitsenthusiasten, die sich dem katholischen Staat und das heißt, dem katholischen Staatsgeschmack angebiedert und verkauft haben, so Reger. Insofern haben wir es nur mit einer durch und durch deprimierenden katholischen Kunstgeschichte zu tun, mit einer durch und durch deprimierenden katholischen Malereigeschichte, die ihr Thema immer im Himmel und in der Hölle, aber niemals auf der Erde gefunden und gehabt hat, sagte er.”
* „Die heutigen österreichischen Komponisten sind alles in allem doch nur kleinbürgerliche Ton-Idiotisten, deren Konzertsaalmist zum Himmel stinkt. Und die österreichischen Schriftsteller insgesamt haben überhaupt nichts zu sagen und können das, das sie nicht zu sagen haben, nicht einmal schreiben.“
]]>* „Zuerst werden von der Musikindustrie die Gehörgänge der Menschen zugrunde gerichtet und dann, als logische Folge, die Menschen selbst, das ist die Wahrheit, so Reger. Den von der Musikindustrie total vernichteten Menschen sehe ich schon, sagte Reger, diese Massen von Musikindustrieopfern, die die Erdteile schließlich mit ihrem musikalischen Leichengestank bevölkern, mein lieber Atzbacher, die Musikindustrie hat die Menschen einmal auf dem Gewissen, hat am Ende mit der größten Wahrscheinlichkeit die gesamte Menschheit auf dem Gewissen, nicht nur die Chemie und der Müll, das sage ich Ihnen. Die Musikindustrie ist der Menschenmörder, die Musikindustrie ist der eigentliche Massenmörder der Menschheit, die, wenn die Musikindustrie so weiter macht, wie bisher, schon in Jahrzehnten keine einzige Chance mehr hat, mein lieber Atzbacher, so Reger erregt.“
* Die drei besten Punksongs/-singles?
Ich bin im Punk-Kanon leider ziemlich ahnungslos, deshalb hab ich unseren Gitarristen Paul Pötsch um seine Expertise gebeten, er sagt:
Gang of Four – Damaged goods
The Clash – Lost in the supermarket
Abwärts – Mehr
* Ein Song, der Dich zum Tanzen bringt?
„Odessa“ von Caribou
* Die interessanteste / beste „neue“ Band/Künstler ist?
Erlend Øye macht zwar schon lange Musik, aber da er mit seiner sizilianischen Band „La Comitiva“ letztes Jahr das erste Album veröffentlicht hat, würde ich das mal unter „neu“ verbuchen.
Skandinavisches Dandytum trifft auf italienische Spätsommermelancholie. Sehr schöne Songs und ein breites akustisches Instrumentarium.
* Deine liebste deutschsprachige Textstelle?
Ich will immer soviel erleben
Und verschlafe doch nur die Zeit
Und kaum daß ich einmal nicht müde bin
Ist der Sommer schon wieder vorbei
„Über Nacht“ von Element Of Crime
* Der beste Song über Revolte, Aufruhr und Revolution?
„Die Herren dieser Welt“ von Hildegard Knef
* Der beste Song, den Du je geschrieben / aufgenommen hast?
„Déjà vu“. Der Song ist auch auf unserem neuen Album (VÖ: 26.09.25) zu hören (unverbindliche Kaufempfehlung)…
* Element Of Crime, AnnenMayKantereit oder Isolation Berlin – … und warum?
Element Of Crime. Musikalisch und vor allem textlich brillant.
* Der beste Film über Musik? Und warum?
„The Beatles: Get Back“ von Peter Jackson. Nicht enden wollendes Filmmaterial vom Aufnahmeprozess der Beatles. Acht Stunden purer Genuss!
* Der beste aktuelle Song aus diesem oder letztem Jahr?
The Smile – Instant Psalm
* Die beste deutsche/deutschsprachige Platte?
„Knef“ von Hildegard Knef
„Damals hinterm Mond“ von Element Of Crime
„Ich hab einen Vertrag unterschrieben I + II“ von Moritz Krämer
* Die beste Platte aller Zeiten?
Sehr schwer zu beantworten und von der Tagesform abhängig:
Vielleicht das weiße Album der Beatles oder „In Rainbows“ von Radiohead, oder auch sehr gut: „Chet Baker sings“.
(Antworten: Julius Forster, Sänger der Band)
Das neue Album von Hotel Rimini erscheint Ende September.
Auf der Bühne:
31.10.25 Berlin, Theater im Delphi
01.11.25 Jena, Trafo
02.11.25 Köln, Gebäude 9
03.11.25 Frankfurt, Brotfabrik
05.11.25 München, Milla
06.11.25 Wien, Reigen
07.11.25 Nürnberg, MUZclub
08.11.25 Erfurt, Franz Mehlhose
08.01.26 Heidelberg, Karlstorbahnhof
09.01.26 Freiburg, E-Werk
10.01.26 Stuttgart, Merlin
14.01.26 Dresden, Societätstheater
15.01.26 Magdeburg, Moritzhof
16.01.26 Hamburg, Knust
17.01.26 Hannover, Pavillon
18.01.26 Leipzig, Schauspiel Leipzig
1. The Mess – Big Special
2. I Used To Live In England – supermodel*
3. Mommanem – Tyler The Creator
4. Know Yourself – Kae Tempest
5. Ruinenkampf – Das Kinn
6. Russian Coney Island – The Voidz
7. A Corpse Is Lying In My Bed – Ain’t Ur Enn
8. Mehringdamm – Berliner Doom
9. Falsches Ding – Cosey Mueller
10. We Need To Talk About Dennis – Panic Shack
11. Levon – Ghostwoman
12. Modern Man – MORN
13. I Need The Angel – Ezra Furman
14. Warm Storm – Water From Your Eyes
15. Cold Heart – Nilüfer Yanya
16. Joe Meek Will Inherit The Earth – Tropical Fuck Storm
17. NYC Vape – Euroteuro
18. Denkst du an mich? – Lovehead
19. Guy Fawkes Tesco Dissociation – Jasmine.4.t
20. Hunger For Death – PUP
21. Can’t You See – Topsy Turvy
22. That Older Girl – Jonathan Richman
23. A River Keeps Running – Herman Dune
24. Highway Man – The New Eves
25. Footage / Steamtrain – Hope Of The States
26. Freund/dost – Ozan Ata Canani
27. Hard Rain – The Kronos Quartet
28. Rebuilding Year (4 of diamonds) – Hallelujah The Hills feat. Ezra Furman
29. To All And Everyone I Love – Naked Lunch
30. You Can’t Lose A Broken Heart – The Warlocks
31. Alles so verbraucht – Alles Exhausted
32. I Just Want To Be A Sound – Kadavar
33. Supersonic Man – Born Ruffians
Aus den vorherigen zwei Auflagen der Best New Music Playlist fürs neue Jahr 2025:
34. Strange – The Raveonettes
35. Grown Ups – Pulp
36. Bastards – Preoccupations
37. Emotionslos – FRONT
38. Angepasste Spießerschweine – Die Tödin
39. Die Gondel – DJ Koze & Sophia Kennedy
40. Teenage Dreams – Kids Return
41. Headlights – Kids Don’t Smoke
42. NNNDW – Low Life Rich Kids
43. The Silence That Remains – The Horrors
44. Shot Away – Marathon
45. If This Is Life – Meryl Streek feat. Molly Vulpyne
46. Gok Wan – Panic Shack
47. Keine Erlösung – Berlin 2.0
48. Pursuit – Mhaol
49. Waterboy – Viagra Boys
50. Deep End – The Lemonheads
51. Haunt Me – Grandmas House
52. Sometimes Life Hits You – Jeffrey Lewis
53. The Rope – Wunderhorse
54. Jännereis – Nino Aus Wien
55. Dancing In The Club (MJ Lenderman Version) – This Is Loreley feat. MJ Lenderman
56. For Keeps – Lucy Dacus
57. Down To The River – Friends In Real Life
58. Empress – Cassia Hardy
59. It’s Amazing To Be Young – Fontaines D.C.
60. Aggressive Melancholie – EFEU
61. Catch These Fists – Wet Leg
62. How To Be A Confidante – The Bug Club
63. Ich geh lieber allein – Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen
64. Ed Belly – Pete Doherty
65. Es war ja net bös gemeint – Vereter
66. All Good Things Come To Pass – Lael Neale
67. It’s A Mirror – Perfume Genius
68. Eat Quiche, Sleep, Repeat – Getdown Services
69. Lesbisch – Ebow
70. The Sign Of A Man – The Moonlandingz
71. Heroes Del Fuck Off – Mittekill
72. Electrified Teenybop! – Stereolab
73. Love Is All Pain – The Waeve (Grahams Coxon & Rose Elinor Dougall)
74. Anchor – The Mukherjee Development
75. A New Life Is Coming – WU LYF
76. Can We Be Making Space (Without Taking It?) – Ja, Panik
77. S.N.C. – Darkside
78. The Internet will break my heart – Chris Imler
79. Mad Catch – Heartworms
80. Girls Gang – Dina Summer
81. Reckless – Kassie Krut
82. Same Kind Of Lonely – Benjamin Booker
83. Everyday – Celeste
84. Lostboy – Berglind
85. Critical Thinking – Manic Street Preachers
86. The Great Man – Guided By Voices
87. Magnetic – Tunde Adebimpe
88. Slingshot/Hypersleep – HENGE
89. Einbruch – Eckstein
90. Taxi Man – DITZ
91. Bad Apple – Lambrini Girls
92. Kennst du eigentlich die Hamburger Schule? – Burnout Ostwest
93. Algorithmus – Wüstung
94. Night Or Day – Franz Ferdinand
95. No One Leaves This Discotheque Alive – Rialto
96. Knockin‘ Heart – Hamilton Leithauser
97. Bye Bye Berlin – Tocotronic
98. Durchlauferhitzer – Acht Eimer Hühnerherzen
99. I Died When You Asked Me To Go Out – SCHRAMM
100. Stop The World – Fotokiller
101. 2468 – Horsegirl
102. Cameron – Laundromat Chicks
103. Teufelsberg – Die Heiterkeit
104. Black Feather – The Zew
105. The Windmills Of Your Mind – The Libertines
106. A Distant Life – The Murder Capital
107. Pra Svajo Miesca U Hetym sviecie – Viacaslau Kmit
108. Other Right Hand Of The Lord – Spike Fuck
109. Homeless In The Thousands (Dublin In The Digital Age) – Lisa O’Neill feat. Pete Doherty
110. home/daheim (demo) – Fiora
111. Gut so allein – Christopher Annen & Francesco Wilking
112. Guns Are For Cowards – Bonnie ‚Prince‘ Billy
113. Idiot Box – Sharon van Etten
114. Don’t Want To Dance – Porridge Radio
115. L.I.C. – The New Mourning
116. Sirens Echo In An Iron Lung – All Seeing Dolls (Anton Newcombe & Dot Allison)
117. The End – Soap&Skin
„Any serious investors should make contact: eaves7760@gmail.com“
]]>Kein Lied mehr?
Abschied nehmen. Abschied von geliebten Menschen. Abschied von falschen Vorstellungen. Abschied von gestern. Abschied von Worten, die einem manchmal hilfreich, manchmal belastend schienen. Abschied von Blumfeld. Viele, die zum letzten Konzert in die Hamburger Fabrik gekommen waren, schienen die Abschiedsfeier nicht allein ertragen zu können. Viele Paare, herausgeputzt mit den Blumfeld-Shirts der letzten Jahre, das Foto- und Videohandy im Anschlag, die Erwartungen an einen großen Abend mit großer Grabrede von Jochen waren hoch. Aber dann kam doch alles ganz anders.
Ein hochkonzentrierter Jochen Distelmeyer liefert mit „seiner“ Band einen souveränen, abgeklärten, lockeren 140-Minuten-set mit mehr als zwei Dutzend Beispielen der über 16jährigen Blumfeld-Geschichte ab, der zunächst mal zweierlei bewies: von „Draußen auf Kaution“, dem Opener direkt nach dem „Einmarsch der Gladiatoren“, bis zur x-ten Zugabe „Superstarfighter“, von der „Diktatur der Angepassten“ bis „JetSet“ – es gibt keinen Ausfall. Dieses Blumfeld-Konzert bewies mehr als alle noch so tollen Platten-Veröffentlichungen, wie sehr Blumfeld immer eine überzeugende Live-Band war. Ob zu „Ghettowelt“-Zeiten in kleinen Klubs oder zu Single-Hits wie „Graue Wolken“ oder „Tausend Tränen Tief“ bei den großen Open Airs. Die Blumfeld-Maschine rollt an diesem letzten Abend so locker-groovend wie selten durch die eigene Geschichte und die ihrer Zuhörer und Fans.
Dies ist nicht der Abend für Diskussionen über die persönlichen / politischen Entwicklungen / Verwerfungen / Enttäuschungen / Verwirrtheiten, die Jochen D. seit 1990 wie kein anderer hierzulande befördert hat. Nicht nur mit der Selbstdarstellung seiner eigenen Fragen / Zweifel / Wut / Unsicherheit, die er unvergleichlich gekonnt aus seiner cut-up-Denkfabrik dem verblüfften, erwartungsvollen, hungrigen Publikum vorsetzte. Auch die Bühnenpräsenz – jede Anbiederung an Rockklischees vermeidend, statt dessen auf der Basis der eigenen Blässe und gezielt eingesetzten Distanz – trug entscheidend bei zur Funktionstüchtigkeit des Jochen D. als charismatischer Identifikationsfigur. So reichen denn auch an diesem Abschiedsabend wenige sparsame Gesten, wenige Drehungen und vor allem wenig Worte, um Emotionen zu wecken.
Zwei Momente bleiben besonders hängen: Als „Der Apfelmann“ von „Verbotene Früchte“ beginnt, scheinen einige in der ausverkauften Halle zum Gehen entschlossen. Anders als zu Zeiten, als die Feuerzeug-Schwenker zu den „Feinden“ gezählt werden konnten, kann es sich Blumfeld heute leisten, das Publikum gospelmäßig zum Mitklatschen und Mitsingen zu animieren. Und da funktioniert dieser scheinbar so banale Song mit einmal, da weiß man, wie er gemeint sein könnte…(Die Hamburger Vorschul-Popper Die Zimmermänner haben das neulich im Mandarin Kasino auf die Spitze getrieben und ihr Publikum erfolgreich animiert, die eingeschalteten Handys zu schwenken). Und der zweite unvergessliche Moment: Gründungsmitglied Eike Bohlken wird von Jochen Distelmeyer auf die Bühne gebeten und zeigt bei „Zeittotschläger“ und „Penismonolog“, wie prägend sein Bass-Spiel für die frühen Blumfeld war. Nix gegen die Qualitäten des letzten Bassisten Lars Precht und nix gegen das strukturierende Keyboardspiel von Vredeber Albrecht. Mir kommen im Moment des umjubelten Eike-Bohlken-Auftritts andere Dinge und Menschen in den Sinn.
Im Publikum steht Tobias Levin, in den ersten Jahren wichtige akustische und optische Bereicherung als zweiter Gitarrist. Oder Peter Thiessen, der vor einigen Jahren dann Kante zu seiner Erstband machte. Und Michael Mühlhaus, lange Zeit Vorbereiter für viele Blumfeld-Arrangements. Oder Chris von Rautenkranz, bis auf die letzte Platte der Begleiter Blumfelds bei allen Aufnahmen. Schade, dass keiner von denen in Jochens Danksagung erwähnt wird. Oder Gründungsmitglied Andre Rattay, der ja eigentlich schon raus war aus dieser vermeintlichen Einheit Blumfeld, aber dann doch bis zur letzten Sekunde den Takt gibt. Aber von diesem oder jenem Geschehen hinter den Kulissen ahnt das Publikum nichts – die Blumfeld-Welt scheint heil geblieben. Und wenn bei mir ein bitterer Beigeschmack bleibt, der wird die Pop-Welt nicht einstürzen lassen.
Dieser Abend wie auch die gesamte Abschieds-Tour bestätigen, wie solitär Jochen Distelmeyer in der Rock- und Pop-Landschaft noch lange bleiben wird. Da mag mancher die Wut und Wucht der frühen Jahre vermissen, aber J.D. ist kein Berufs-Jugendlicher. Er hat es immer wieder verstanden, sich aus der Umklammerung durch das identifikationsgeile Publikum und das marktorientierte Umfeld zu befreien und dem Blumfeld-Universum neue, vermeintlich unvereinbare Dimensionen injiziert. Mit viel Sonic Youth, mit Cohen und Dylan. Mit George Michael undundund… Auch dieser letzte Abend bewies, wie unkaputtbar das Werk von Blumfeld ist, wie sehr viele Stücke das Potenzial zum Klassiker haben, wie tief sie sich in die Herzen und Köpfe von mehr als einer Generation eingenistet haben.
Das Ende von Blumfeld wurde sicher nicht gestern oder vorgestern beschlossen. WarumWiesoWeshalb … darauf weiß Jochen D. sicher triftigere Antworten zu geben als „Aufhören wenn es am schönsten ist“. Auf jeden Fall hat er gelernt, wann es Zeit ist, den alten Strukturen Lebewohl zu sagen. Das Publikum muss sicher noch eine Zeitlang Trauer tragen. Und spätestens, wenn Jochen wieder mit einem neuen Projekt auf der Bühne steht, die selbstgefertigten JOCHEN-Shirts waschen und anziehen. Ich brauche keins. Ich habe meine Erinnerungen an viele aufregende, aufreibende, fruchtbare und manchmal weniger schöne gemeinsame Zeiten. Die bleiben so wichtig für mich wie das gesamte Blumfeld-Werk.
Last not least noch ein paar Worte für die Zukunft:
„ENDENEU“ (EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN)
„WER RAUSGEHT, MUSS AUCH WIEDER REINKOMMEN“ (HERBERT WEHNER)
Alfred Hilsberg
(Mit Dank an Felix Scharlau, der diesen Text aus dem Intro-Archiv gewühlt hat)
]]>Suede wurden 1989 von Mat Osman und Brett Anderson gegründet, der seine damalige Freundin Justine Frischman in die Band holte. Frischman verliebte sich später in Blurs Damon Albarn und veröffentlichte mit ihrer Band Elastica eines der besten Alben der 90er, aber das ist eine andere Geschichte!
Suede war von den genannten großen Vier die erste wirklich erfolgreiche Band. Ihre frühen Singles – von The Drowners über Metal Mickey zu Animal Nitrate – waren regelrechte Sensationen. Ihre Debütsingle „The Drowners“ wurde, damals eine Sache von enormer Bedeutung, 1992 gleich zur Single des Jahres im NME gewählt (auf den Folgeplätzen übrigens 2. „Sheela Na Gig“ (P.J. Harvey), 3. „Motorcycle Emptiness“ (Manic Street Preachers), 4. „Creep“ (Radiohead), 5. „Drive“ (R.E.M.), 6. „Jump Around“ (House Of Pain). Ordentliches Jahr!).
Die ersten drei Platten von Suede sind aus der britischen Popkultur der 90er nicht wegzudenken. Mit „Coming Up“ waren Suede 1996 dann mit einer halben Million verkauften Schallplatten so richtig im Brit-Pop-Hype angekommen. Nach etwas schwächeren Folgealben folgte eine Pause von mehr als einem Jahrzehnt, doch seit 2013 veröffentlicht die Gruppe um Brett Anderson kontinuierlich neue Platten, mit „Antidepressant“ erscheint nun bereits die fünfte Veröffentlichung in dieser zweiten Band-Phase.
Insbesondere „The Blue Hour“ von 2018 war ein bemerkenswert starkes Spätwerk, das sich auch noch mal in den Jahres-Top Ten des Popblogs platzierte.
Mat Osman, der neben Brett Anderson einzig verbliebene Bandgründer, hat unsere Fragen nach seinen Lieblingsplatten beantwortet:
* Your three favourite Punk singles/songs?
Oh, depends how broadly we define punk but if you were to allow me The Only Ones Another Girl, Another Planet, Blondie’s Rip Her To Shreds and the Sex Pistols‘ Bodies, then I’d be a happy man.
* A record that will make you dance?
I believe in Miracles by The Jackson Sisters
* Your favourite song lyrics?
The whole of The Bishonen by Momus but especially this verse:
„He taught me to be good with words, he bought me ceremonial swords
And in this way came grace and expertise
The words were to cut down and to kill the muscle-bound
The swords to fell my intellectual enemies“
* The best “new” artist / band right now?
I love Sprints, an Irish band who toured with us last year. They just have such presence and power on stage and their songs are so jagged and propulsive.
* Your favourite song about rebellion/revolution?
Is The Stooges‘ Search and Destroy about rebellion/revolution? Let’s say it is.
* Your favourite song this year so far? (or of last year)
Lucrecia Dalt – Cosa Rara
* Your favourite movie about music – and why?
I kind of hate music films so I’ll go for the two funniest ones: Spinal Tap and The Doors
* Pulp, Blur or Oasis – which one do you prefer and why?
Pulp. Better songs.
* The best song you’ve ever written / recorded?
It’s probably The Wild Ones
* Your favourite german song/record?
White Overalls by La Düsseldorf
* Your favourite record of all time?
Nothing But a Heartache by The Flirtations
(Antworten: Mat Osman/ Bass)
]]>Die größte Stärke dieser Pet Shop Boys Doku: wenn Neil Tennant und Chris Lowe sich zum ersten Mal seit 40 Jahren ihre Uralt-Demos wieder anhören und insbesondere Chris sich – für seine Stoiker-Verhältnisse – mit feinem selbstironischem Witz dabei geradezu beömmelt.
* Noch bis 15.9.25 in der ARTE MEDIATHEK
* In der 3sat Mediathek findet sich wiederum bis 14.12.25 der Konzertfilm „Dreamworld“, basierend auf einem Kopenhagen-Konzert von 2023