





usste etwas genaues, aber alle etwas Unterschiedliches.
Ein anderes kleines Highlight war das hier:

Nein, dass sind keine Betonklötze, das ist rund 24 Stunden alte Seife. Die haben wir selbst gemacht zusammen mit unseren Nachbarn, und zwar aus einem Haufen übriggebliebenen Fetten, wie zum Beispiel ranzigem Paranussöl und Sesam-karottenöl. Schon eine spannende Sache, das Seife machen, und wir hatten unsere Nachbarn deswegen schon länger belagert. Aber es kam ihnen auch gelegen, da sie Anschauungsmaterial für ihren Seifenkurs in ein paar Tagen brauchten. Was mich auch zu den Kursen führt, die hier neu eingeführt wurde. Das Ecocentro versucht nämlich nun ungefähr jeden Monat eine Art Informationstag zu veranstalten. Vor ein paar Wochen war schon einer in ökologischer Gemüsewirtschaft. Leider wurde Puerto ausgerechnet an diesem Tag von einer ungemütlichen Friaje heimgesucht, weswegen nicht viele kamen. Aber es war trotzdem spannend. Allgemein ist jetzt plötzlich irgendwie mehr los hier in unserem Projekt. Auch die Schule Potsiwa, in der wir lange Zeit mithalfen, kommt nun ein mal die Woche vorbei, um mit den Kindern einen kleinen Biogemüsegarten zu machen. Irgendwie schade, dass das alles erst jetzt am Ende unseres Aufenthaltes geschieht…
Auch sind wir derzeitig sehr damit beschäftigt, das ganze Gelände aufzuräumen. Die letzte Woche bauten wir mit viel Aufwand ein neues Dach für unseren Lehmofen. Das hatte beim letzten Sturm endgültig den Geist aufgegeben und ausserdem hatte uns jemand einen Räucherofen übertragen, der auch ein Dach brauchte. Problem nur: Lehmofen vielleicht 1,20 hoch, Räucherofen 2,80. Lösung: Altes Brunnenloch leerschöpfen, einreissen, halb zukippen und Räucherofen rein. Und dann ein Riesendach drüber, unter das nun auch noch super viel Feuerholz passt.
Das mit dem Feuerholz glaubt ihr nicht? Naja, wartet erst mal ab, bis da die zweite Etage eingezogen ist…
Nun der Grund, warum ich mir eigentlich überhaupt die Mühe dieses Eintrags mache: Ich finde, dass ist nun die perfekte Stelle, für ein paar fiese Sachen, die so im Rest des Jahres angefallen sind und die ich dann doch lieber nicht so rumposaunen wollte, um keine Panik auszulösen. Dabei sind da schöne und im grossen und ganzen ziemlich unspektakuläre Sachen dabei gewesen. Und das natürlich schön bildlich dokumentiert, vor allem Felix hat da ja einen Hang zu XD
Also fange ich mal mit meinem persönlichen Fluch an, dem Isango. Das ist das kleinste und ätzendste Insekt, dass ich kenne. Ein winzigkleines rotes Pünktchen, dass sich ins Fleisch frisst und Blut saugt. Und höllisch juckt! Ich hatte noch nicht mal bemerkt, was das eigentlich ist, als es mir schon die kuschelig warmen und weichen Kniekehlen zerfressen hatte.
Danach kamen dann ein paar ziemlich possierliche Tieren, die sich Sandflöhe nennen. Die haben so eine Angewohnheit einem ihre Eier unterzujubeln, bevorzugt an den Füssen. Obwohl ich ständig barfuss laufe, hatte ich eigentlich nicht viele Parasiten. Felix Zeh sah dafür ziemlich spektakulär aus:

Aber keine Panik, es sieht schlimmer aus, als es eigentlich ist. Die Viecher scheinen nämlich irgendetwas Betäubendes abzusondern, sodass man beim rumpulen überhaupt nichts merkt. Und mit ein paar Litern Schwedenkräuter war der Zeh dann wieder wie neu. Unschöner waren die Münzgrossen Madennester, die ich bei vielen Hunden gesehen habe. Bei unserer Dina begossen wir das Luftloch des Parasiten mit Benzin. Ein paar Stunden weiter kam bei kräftigem Druck eine dicke Made zum vorscheinen. Nach dem Motto „fressen oder gefressen werden“ Freute Dina sich über diesen kleinen Snack.
Viel unexotischerer Natur war meine Verbrennung an der Wade. Sagen wir, mein Lernprozess „niemals rechts auf ein Motorad auf- oder davon absteigen“ war recht intensiv. Und weil sich hier ja einfach alles entzündet sah das ganze nach ein paar Tagen dann so aus:

Am meisten vermisste ich es in dieser Zeit, mich gemütlich in den Schneidersitz zu setzen.
Wesentlich harmloser waren die vielen kleinen Verletzungen, die man sich bei der Arbeit zuzieht. Die muss man mit Humor nehmen. Ich werde nie vergessen, wie Felix sich mit der Machete das Fleisch am Fingerknöchel aufhackte und sich mit dem hervorschiessenden Blut erst mal Kriegsbemalung ins Gesicht malte. Bei dieser kleinen Handverletzung hier weiss ich nicht mal mehr, was passiert ist, wird also nichts Grosses gewesen sein. Sieht aber trotzdem schön aus.

Und zu guter letzt noch mal mein wunderschönes Antlitz nach unserem kleinen Bienenunfall auf der Chacra. Man beachte das rechte Auge.

So viel also zu den kleinen Lapalien hier im Regenwald. So spektakuläre Geschichten wie Penisfische sind mir nicht begegnet. Aber wer weiss, vermutlich liesse sich diese Reihe hier mit der Zeit noch Seitenweise fortführen…
Nun zum exotischen Grünzeugs. Hm… hatte ich schon über Zitrusfrüchte referiert? Davon gibt es hier unglaublich viele. Von den meisten habe ich noch nie etwas gehört, geschweigedenn, dass ich sie unterscheiden könnte… Wo bitte ist der unterschied Toronjas und unseren komischen grossen gelben schrumpeligen milden Limonen? Die Limonen sind wohl der wichtigste Vertreter diesre Pflanzengruppe und lassen sich aus der peruanischen Küche nicht weckdenken. Umso witziger finde ich es deswegen, dass die Menschen hier keine Zitronen kennen. Gekommen bin ich auf die Zitrusfrüchte übrigens, weil wir uns derzeitig ständig den bauch mit unseren eigenen köstlichen Orangen vollschlagen.

Die sind allerdings nicht, wie ihr jetzt im Kopf haben werdet, schön knallorange gefärbt, sondern eher grün bis kräftig zitronengelb. Auch die einheimischen Klementinen und Mandarinen (die ich schon in Deutschland nie auseinanderhalten konnte) schmecken in ihren grün-orange-Tönen vorzüglich, obwohl es auf dem Markt auch die von weiter weg eingeführten knallorangen Formen gibt. Meine Theorie dazu ist ja, dass sich die fürs Auge schön Farbenfroh gezüchteten Früchtchen besser verkaufen lassen, bin aber noch nicht dazu gekommen, diese These zu überprüfen.

Abgesehen davon ist vielleicht noch gut zu wissen, dass Zitrusholz unglaublich hart ist, sich also tolle Sachen damit anstellen lassen, und man aus den Blättern einen herrlichen, mild zitronigen Tee kochen kann. Eine super alternative zu den Teebeuteln, die hier eh ständig verschimmeln.
Hiermit habe ich dann wohl wieder meine Pflicht getan (wenn auch vielleicht nicht so verwöhnend umfangreich) und wünsche euch noch eine schöne Zeit. Mein letzter Blogeintrag geht dann wohl von zu Hause raus und ich hoffe, dass ich den einen oder anderen dann schon wieder in seiner physikalisch greifbaren Molekülhaufenform wiedergesehen habe, zumindest falls ich nicht den ganzen Tag bibbernd im Bett liege.
Bis dahin, liebe Grüsse!
















Da Ostern in der Sierra viel mehr gefeiert wird, ich aber keine Lust auf Kälte hatte und ich Ostern sowieso schon seit Jahren nicht mehr so richtig gefeiert habe, nahmen wir eine eintägige Bus/Autofahrt nach Rio Branco auf uns. Wir – das heisst Ninja und ich. Nach Brasilien wollte ich eh mal, Ninja wollte einen Capoeirameister besuchen und ich wollte mich vom traditionellen Ostermittelalterlager meiner Freunde in Deutschland ablenken. Also schlugen wir gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Dabei drohte das ganze schon fast an der Grenze zu scheitern, weil die da behaupteten, ich hätte gar keine Aufenthaltsberechtigung, da das 90Tagesvisum abgelaufen und nicht erneuert worden sei. Keine Ahnung, wofür die den blauen Stempel hielten… für einen Poststempel? Nach Zweieinhalbstunden eisernen Wartens und keine Schwäche zeigens ging es dann aber doch weiter. Die haben da wirklich kein Durchhaltevermögen. Ich hatte von 4 meinungsverstärkenden Plänen gerade mal den ersten in die Tat umgesetzt.
Wenn man über die brasilianische Grenze fährt, fallen als erstes die riesigen weiten von Wiesen- und Weideland auf, fast wie am Niederrhein oder in Holland, wenn man von den paar Paranussbäumen mal absieht. Gegen 11 Uhr nachts kamen wir dann in Rio Branco an und glücklicherweise ging Ninjas ehemaliger Capoeiralehrer Voador (Bild 1) tatsächlich ans Telefon, bei dem wir dann auch gleich die nächsten 3 Tage wohnten. Ab da fühlte ich mich dann wirklich wie in Holland. Brasilien ähnelt Europa nähmlich viel mehr als Perú, spätestens wenn man vergebens den Markt sucht und in den Supermarkt geht. Da war gerade für Ostern dekoriert und die Brasilianer scheinen auf Süsses zu stehen. Dass ich mich wie bei unseren Lieblingsnachbarn fühlte, lag allerdings vor allem daran, dass das Portugiesisch dem Spanischen genauso gleicht wie das Niederländische dem Deutschen. Wie dort spitzte ich also schön die Öhrchen und verstand sogar recht viel, bis ich mich nicht mehr konzentrieren konnte und ganz dem Asaí widmete (Bild 3). Dieses teuflischgute Puddingzeugs, mit dem ich mich an drei Abenden überfrass, wird aus einer Palmfrucht gewonnen, hat irre viel Eisen und anderes Tolles, mindestens ebensoviele Kalorien und wird dort an jeder Ecke verkauft. Die ausfuhr der Samen ist verboten… Tsts, als hätten die Peruaner nicht genauso coole Sachen…
Rio Branco ist sehr schön und wir verbrachten den grössten Teil der Zeit mit Rumlaufen. An sonsten kauften wir noch eine Berimbao, die ich auf Bild 4 gerade ausprobiere. Nein, das ist kein Bogen XD sondern ein Musikinstrument.
Bild 5 ist das Beweissfoto, dass es in Brasilien Metal gibt, denn ausgerechnet an diesem Wochenende gab es ein Konzert. Naja, eigentlich war es ein Konzertchen, aber das sagt ja nichts über den Spass aus, den hatten wir nämlich. lml -.- lml
Bild 6 hat eigentlich keine Aussage und ist nur hier, weil ich die Pflanze so cool fand.
Am letzten Tag der Reise trafen wir dann endlich den Capoeirameister an, mit dem Ninja so gerne Plaudern wollte. Maestre Arepiado, ungefähr Meister Gänsehaut. Ein sehr sympathischer Typ, der mich irgendwie an Brendan Frazer erinnerte. Ich verstand leider nicht viel von dem, was er sagte, aber seinen Widwenspitz fand ich faszinierend XD Ninja war jedenfalls glaube ich ganz glücklich, obwohl man es ihm auf Bild 7 nicht umbedingt ansieht.
Bild 8 zeigt den Fluss Acre, an dem wir ständig auf dem Weg zu Maestre Arepiados Haus entlangspaziert sind. Und wir haben tatsächlich Flussdelfine gesehen, obwohl die Bewebungen im Wasser nicht dafür gehalten hätte, wenn man es mir nicht gesagt hätte.
So, jetzt habt ihr ein ungefähres Bild, was ich an Ostern gemacht habe. Kommen wir jetzt zum mit Sicherheit spannenderen, aber mit Sicherheit auch unschöneren Teil dieses Blogeintrags. Kim, wenn du keine Albträume haben und nach meiner Rückkehr noch mit mir befreundet sein willst, wäre es vielleicht gut, wenn du jetzt nicht weiterliest… An sonsten war es schön, dich gekannt zu haben.
Das war nämlich so: Ich hatte ja irgendwann mal den Gemüsegarten erwähnt, den wir aus Spass angelegt und wegen den Hühnern eingezäunt hatten. Tja, dieses Projekt ist leider ein bisschen gescheitert, zum einen wegen dem gar nicht soo günstigen Standort (warum auch auf Luis hören?) und weil wir feststellten, dass das meiste Zeugs auch wunderbar auf der Chacra wächst. (Jagut, ich gebs ja zu, wir waren auch einfach faul. Und mein „Bodendüngender-Bodendecker-gegen-das-Unkraut“ Experiment ist auch gescheitert, weil die kleeartige „Futtererdnuss“ einfach alles überwuchert.) So grübelte ich eines Tages im Zuge der „Alles-schön-für-Herwald“-Aktion darüber nach, was man denn mit dieser Baustelle anstellen könnte. Felix widmete dem Ganzen einen Blick und meinte: Kaninchen. Das erschien uns beiden eine so geniale Idee, dass wir uns beim nächsten mal auf der Feria gleich zwei Kaninchen zulegten: Freya braungecheckt und Satan wie es sich gehört schwarz. (Felix war eigentlich gegen die Namen von wegen „Ich will keine Haustiere sondern Essen“, aber die Namen setzten sich doch durch.) Gut, das ganze war schon eine ziemlich übereilte Aktion. Deswegen war uns wohl auch ein Löchlein im Zaun entgangen, duch das Freya die Wilde schon am ersten Abend verschwand. Am nächsten Morgen entdeckte Luis sie dann auf dem Weg zum Klo und nach einer halbstündigen Scheuchaktion lief sie mir dann in die Arme. Adrenalin! Besser ist wohl nur Wildschweine mit der Hand fangen.
Danach nahmen wir uns dann vor, das ganze mit ein bisschen mehr Herz anzugehen. Wir steckten den Zaun noch mal ganz genau ab und bauten auch ein wunderschönes Häuschen in unserem „Zweckmässig und unproblematisch“-Stil.
X 
Den Einzug erlebte Satan allerdings leider nicht mehr. Der lag vor der Fertigstellung um den halben Kopf beraubt im Käfig. Luis tippte auf rumstromernde Kater als Übeltäter. Wir bliesen einen Moment trübsal, aber auch nur einen Moment. Unter den Büchern in unerer kleinen Freiwilligenbibliothek hier hatte ich mir nämlich schon ganz am Anfang die Exemplare von Rüdiger Nehberg rausgepickt und das Lesefieber hatte über Anette dann schliesslich auch Felix angesteckt. Und der sah nun endlich seine Stunde gekommen, die Beschreibungen über das Ausnehmen eines Tieres in die Tat umzusetzen. Ich war anfangs ein bisschen skeptisch, aber im Grunde hatte er ja recht. Wann kriegt man schon mal die Gelegenheit, ausnehmen an einem Tier zu üben, das man weder getötet, noch von der Strasse gekratzt hat, von dem man ungefähr weiss, wo es her kommt und dessen Augen einen zudem nicht traurig anstarren können. Zumindest das eine. Um das andere kümmerte sich Felix Machete. Mit Nilos Hilfe und den Bildbeschreibungen des Buches immer daneben hingen wir Satan also in einer Baumgabel auf und zogen ihm das Fell ab. Das ist gar nicht so schwer, wenn man weiss, wie.



Danach gab es dann noch eine Unterrichtsstunde in Organkunde. Und am nächsten Tag ein Festessen mit Ensalada Russa, Reis, Kartoffeln, Yuka und natürlich Kaninchen aus dem Lehmofen. Das dünne Gerippe da in der Form tat einem schon irgendwie leid. Aber ich musste mich halb kaputt lachen, als Felix das mit dem Satansbraten auffiel. Und ja, ich habe auch mitgegessen. Drei winzigkleine Stückchen. Schliesslich musste ich ja nun auch zu meinem Wort stehen, das ich in so vielen Diskussionen mit Antivegetariern gegeben hatte. Danke, Samy.
Das war also das mit Satan. Weil wir dann aber fanden, dass Freya allein ein bisschen einsam ist in dem grossen Stall, kauften wir uns gleich am nächsten Wochenende zwei neue. Diesmal recht kleine. Gabriel mit ähnlicher Fellfärbung wie die Grosse und Kriemhild vom Mühlengrunde. Man braucht doch eine Quotenadelige und das passte irgendwie zu der Weissen mit hellbraunen Flecken.
An diesem Tag lernte Felix, dass die Brutalität der Kaninchenkämpfe in Watership Down nicht nur der Fantasie einiger kranker Kinderserienmacher entsprungen ist. Gabriel fehlte nämlich schon nach wenigen Stunden ein Stück Ohr und etwas Fell, was wohl auf Freyas Kappe ging. Frustrierender war aber noch, dass die Adelige auch nach einer halben Stunde Suchens noch nicht aufgetaucht war. Ich wähnte schon ein weiteres übersehenes klitzekleines Loch. Noch etwas unschöner wurde es aber am Abend… wir hatten uns nämlich leider etwas länger in der Küche verquatscht, und als wir gegen 10 die Kaninchen reinsetzten wollten, war von einem kleinen nur ein Bein und der Magen zu finden. Zumindest das, was davon übrig war, nachdem Felix reintrat. Merkwürdigerweise war das Fell am Bein ziemlich weiss. Gabriel hatte zwar weisse stellen, aber ein ganzes Bein? Nunja, muss wohl, denn kurz darauf erschreckte uns Kriemhild höllisch, als sie durch den Käfig hoppelte. Sie hatte noch alle Beine und nur eine kleine Fleischwunde am Rücken. Schon alles ziemlich unheimlich. Und mal wieder war das Weibchen intelligenter. Nunja, egal. Auf die passten wir dann die nächsten Tage besser auf, die Wunde wurde mit Schwedenkräutern versorgt und sie schlief bei uns in den Zimmern, bis wir auch für sie eine alte Kiste recycled und ein Stück Käfig abgetrennt hatten. Das mit dem Verschwinden und an anderer Stelle wieder auftauchen schaffte sie danach übrigens nochmals… Wir gingen übrigens mal davon aus, dass Freya nicht dazu in der lage war, ein Kaninchen bis auf den Magen aufzufressen und beschuldigten wieder den Kater. Ach war das noch schön, als die Kaninchen aus offenkundig ersichtlichen Gründen starben. Wir investierten noch ein bisschen mehr Energie und Zeit und setzten auf den Zaun eine weitere Etage drauf.

Jetzt sollte der Kater es noch mal versuchen…
Tat er nicht. Kurz darauf war das weisse Kaninchen nämlich nochmals entschwunden, als ich morgens die Tür des Häusschens öffnete. Allerdings nicht körperlich. Keine Ahung, woran das gestorben sein könnte. Und als Felix dann abends das letzte, erste und älteste Kaninchen reinsetzen wollte, da war auch Freya entschlafen… Da waren wir dann irgendwie lustlos und zu faul, noch Löcher zu graben. Ganz kindisch schmissen wir sie ins Gebüsch. Natürlich fand der Hund eins und das Knochenknacken und der Geruch verfolgten Felix noch eine Weile. Mich nicht, ich hatte mal wieder die Nase zu.
Ich denke, wir sind beide sehr froh, dass wir jetzt erst mal unterwegs sind und uns nicht mit dem lehren Hochsicherheitskäfig auseinandersetzten müssen. Das Ecocentro ist ein Paradies, vor allem wenn man es von unserer Dusche aus betrachtet, die schon von mehreren Besuchern zur schönsten Perús gekürt würde, doch für einige Tiere ist das hier wohl nicht der rechte Fleck. Naja, denken wir lieber an die schönen Sachen. Hier noch ein paar Bilder von unserer Dusche.


An sonsten hatten wir noch wieder Besuch von Herwald von der finanzierenden Organisation in Deutschland. Dieses mal hatten wir richtig geackert auf Chacra und Gelände und so war er auch einigermassen zufrieden (Die Chacra sieht jetzt übrigens tatsächlich klasse aus, werde unter die Chacra bald mal ein paar Bilder rein stellen). Bei seinem letzten Besuch hier im Dezember war ja alles gerade ein wenig chaotisch. Ausserdem hatte ich auch endlich mal die Gelegenheit, mich ein bisschen mit ihm über ökologische Landwirtschaft in den Tropen zu unterhalten und dies verschaffte mir ganz neue Eindrücke und Erkenntnisse.
An sonsten verbrachten wir die Zeit wohl in halbwegs froher Erwartung unserer Familien, wovon ihr dann beim nächsten mal lest.
Für das Exotarium ist mir auch noch so gerade etwas eingefallen, und zwar diese Bromelienverwandte hier:

Von denen gibt es zig verschiedene Ausführungen in beispielsweise der Grössse – von dreissig Zentimetern bis 1,5 Metern in der Horizontalen -, der Farbe der Blätter und auch der Stachelbewertheit. Alle haben sie aber gemeinsam, dass sie das Regenwasser mithilfe der Blätter in ihrem, Zentrum sammeln und davon dann auch in trockeneren Zeiten zehren können. Wer ein guter Beobachter ist, hat auch schon erkannt, welchen Teil man in der Regel verzehrt: Die Ananasfrucht.

Abgesehen davon, dass diese grossen Früchte sehr lecker sind, sind sie auch noch sehr gesund. Auch soll sie beim Abnehmen Wunder wirken, das dürfte allerdings eher auf die entwässernde Eigenschaft zurückzuführen sein. Den Strunk oben an der Frucht (ebenso wie die Ableger) kann man zur Anzucht benutzen, wenn man ihn sauber vom Fruchtfleisch befreit und zwei Zentimeter in Erde eingräbt. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass das sogar in Deutschland recht gut klappt, nur danach wird es mit dem am Leben erhalten etwas schwierig mangels eines Tropenhauses.
Wem irgendwann mal eine Bioananas in die Hand fallen sollte, kann ein leckeres Erfischungsgetränk herstellen, indem er die Schale ungefähr 10 Minuten in Wasser auskocht und dann abkühlen lässt. Schale abseihen und fertig, braucht nichtmal Zucker.
Bei dem Bild handelt es sich übrigens um eine Zwergananas, aber das ist wahrscheinlich keinem aufgefallen, oder?
So, das wars schon wieder. Das nächste mal hört ihr von mir wohl so in ungefähr einem Monat, dann gibt es wieder ein Urlaubsspecial.
Lieben Gruss bis dahin!

Natürlich kann man auch richtig essen gehen. Neben den vielen grösseren und kleineren Lokalen gibt es auch Kochnischen und Marktstände, wo man landestypische Kost kriegen kann. Ein Gericht, das man auf fast jeder Karte findet, ist zum Beispiel „A lo Pobre – für den Armen“. Der arme Arme, der das alles Essen muss.

Eher was für mich ist „Arroz a la Cubana“, das ist wie der Name schon sagt vor allem Reis. Dazu dann ein oder zwei Eier, ein paar Streifen Kochbanane und manchmal noch irgendeine andere kleine Beilage und kein bisschen Fleisch – Super!

Recht lecker (wenn denn mal vegetarisch) ist auch Juane, in Bananenblätter eingewickelter Reis mit gelben Gewürzen, Yuka, Ei, Oliven, Hühnerfleisch… Der Name kommt laut Juan von einem Feiertag namens San Juan, an dem traditionell dieses Gericht gegessen wird. Die etwas kleinere Päckchenausführung eher für die Hand besteht aus Maisbrei in Maiskolbenblättern. Schimpft sich dann Tamales. Ausser es ist süss, dann heisst es Huminta. Aber das nur nebenbei.

Es gibt noch viele andere Gerichte und jedes Gebiet, ja jede Stadt hat seine eigene Spezialität, aber das würde hier jetzt den Rahmen sprengen…
Nun zu den anderen Restauranttypen, z.B. Pollerías. Wie der Name schon sagt (pollo -> span. Hühnchen) gibt es hier alle möglichen Gerichte mit Hühnchen und viel Reis, aber auch ein Salat lässt sich hier auftreiben. Und natürlich hat nicht nur der Reis allein einzug in die peruanische Esskultur gehalten. Chinarestaurants heissen hier Chifas und da gibt es neben dem wohl bekanntesten Gericht Arroz Chaufa (Reis mit Hühnchen, Sojasauce und Gemüse, Arroz -> Reis)auch noch viele andere Sachen, die aber allesamt nicht so recht dem ähneln, was es in deutschen Chinarestaurants gibt. Ähnlich verhält es sich mit den Pizzerien. Die Meinungen gingen unter den Freiwilligen unserer Gruppe auseinander, ob die Pizza von hier denn nun geniessbar sei oder nicht. Hier bei uns in Puerto finde ich sie durchaus lecker so aus dem Lehmofen jedoch etwas mächtig mit dem ganzen Käse drauf und natürlich den geilen Sossen. Hier wird Pizza nämlich immer mit Sossen gereicht, meist etwas in Richtung Knoblauchmayonaise und ein scharfes Ají. Aber zum Glück ist Pizza ja schon alleine wegen dem Geldbeutel nichts für jeden Tag. Ja, bei den Solespreisen wird man schon irgendwie geizig, da sind 7 Euro für eine grosse Pizza viel. Was werden wir alle stöhnen, wenn wir wieder in Deutschland sind… Tja, und dann gibt es ja noch die merkwürdigerweise gar nicht ganz so seltenen Vegetarier. Dort kriegt man mittags ein ganz gutes Menü mit viel Gemüse und Vollwertgetreide (Ninjas Kommentar dazu einmal: „Als ich das erste mal hier gegessen habe, dachte ich, sie hätten den Reis nicht richtig gewaschen“) und je nach dem auch leckere Snacks Abendessen. Eigentlich schon merkwürdig, denn Vegetarismus ist hier keine weit verbreitete Krankheit. Meistens werden die Läden von irgendwelchen christlichen Sektenmitgliedern geführt…
Am meisten konsumiert wird wohl Bier. Und da ist eine Sorte allzeit präsent: Cusqueña(hehe, der Vorteil einer spanischen Tastatur – eine extra Taste für das blöde Ñ 🙂 kommt aus Cusco, wie der Name schon sagt. Arequipeña ist dann logischerweise aus Arequipa.

Ich muss euch leider enttäuschen, vom Bier habe ich nicht ganz so viel Ahnung, war ja noch nie so ganz meins. Das einzige,was man wirklich gut trinken kann ist Cusqueña Malta mit Honig, vielleicht zu vergleichen mit einer Kreuzung von Odins und Malzbier. Ach ja, und Ponche de Malta ist auch recht gut, obwohl ich es nicht mehr wirklich zu den alkoholischen Getränken zählen würde. Ein Gebräu aus Milch, Ei, Banane, Malta und noch einigen anderen Sachen.
Pisco Sour und seine Brüder: Pisco ist ein Traubenschnaps, der angeblich aus Pisco kommt. (Wie auch in einigen anderen Punkten streiten die Peruaner sich bei der Herkunft des Pisco mit den Chilenen. Am besten immer dem zustimmen, in dessen Land man sich gerade aufhält.) Für Pisco Sour wird er soweit ich weiss mit Limonsaft, Zucker und Eiweissschaum zubereitet. Ansonsten gibt es natürllich auch noch einige andere Coctails, in denen er Verwendung findet. Ich bin meist nicht sooo der Freund davon, jedem das seine.
Die Weine, die ich bisher probiert habe waren alle samt sehr süss und ich hätte sie nicht umbedingt als Wein bezeichnet, wenn es nicht auf der Flasche gestanden hätte. Hat mich persönlich jetzt nicht so gestört, im Gegenteil. Was ich auch sehr trinkbar finde, ist die hiesige Sangria. Kommt zwar vermutlich auch in den Bars einfach aus dem Tetrapack, mit den kleinen Apfel-, Ananas- und Bananenstückchen drin schmeckt es aber noch mal um längen besser.
An sonsten ist die Zahl der alkoholischen Getränke, die abends in den Bars ausgeschenkt werden, wohl nicht weniger vielfältig als bei uns. Viele Spirituosen – vor allem die, die man zum Coctails mischen braucht – sind sogar identisch.
Und wir Deutschen?
Tja, und was essen Felix und ich eigentlich an sonsten so, wenn uns kein Peruaner über die Schulter schaut? Irgendwie war das von Anfang an so eine Kombination aus deutschem Essstil mit peruanischen Zutaten und immer wieder neuen Anregungen. Allerdings scheint das P mittlerweile überhand zu nehmen… Zutaten wie Zwiebeln und Limonen gehen uns immer schneller aus (O-Ton Felix: „Ich habe noch nie so viele rohe Zwiebeln gegessen, wie in diesem Jahr“) und auch das dröge, relativ geschmacksarme Kohlenhydrat hängt uns noch nicht zum Halse heraus…
„Du, ich hab heut irgendwie lust auf Reis…“
„Okay… und dazu die Bohnen von Gestern… und der Kürbis, der muss weg“ (Mit Zwiebeln, versteht sich von selbst)
„Klingt gut… Und danach dann Pfannekuchen“ (Felix Spezialität)
„Mit den reifen Kochbananen… und Limonensaft…“
„Joa, läuft.“
Es ist wirklich interessant, eine andere Esskultur kennenzulernen und immer wieder Neues zu entdecken, obwohl es natürlich auch anfangs sehr ungewohnt ist. Doch recht schnell werden Speisen, die man vorher nicht gekocht hätte, zu Selbstverständlichkeiten.
Viele Zutaten und Gaumenfreuden, die bei uns selbstverständlich sind, bekommt man hier kaum oder gar nicht. Ich vermisse schon irgendwie die vielen tollen Kräuter der deutschen Küche, echte ungesalzene Butter, leckere Milch, den holländischen Gouda, den Met, ein bisschen vielleicht die Schokolade und die Kochkünste von meinem Papa.
Wiederum anderes werde ich in Deutschland schmerzlich vermissen, weil sie, wenn man sie denn findet, teuer sind und einfach nicht genau so schmecken, wie das vielfältige, sonnengereifte, tropische Obst, die Kochbananen, den Yuca, die Zig Kartoffel- und Bohnensorten, überhaupt die vielen frischen Sachen, die man auf Markt und Feria so kaufen kann und die leckeren Schweinereien, die es immer und überall auf der Strasse gibt.
Also, reisst bloss nicht in andere Länder! Das kann euren Zutatenhorrizont und eure Kochgewohnheiten bleibend schädigen!
Natürlich kochen wir aber nicht immer, manchmal ist man einfach faul. Und wenn man eh gerade unterwegs ist, kommt man gar nicht darum herum, von den vielfältigen Genüssen auf der Strasse zu kosten. (In dem Punkt haben wir uns von vornherein nicht an die gutgemeinten Ratschläge unserer Betreuer gehalten, richtig was eingefangen haben wir uns aber auch nicht.)
Ich fange mal bei der Papa Revorsada an, weil man die einfach überall kriegt. Das ist eigentlich einfach nur eine mit Ei panierte und fritierte Kartoffel, zwischen deren zwei Hälften eine Scheibe Käse steckt. Am besten schmecken die abends, bei den Frauen mit den kleinen Grillwägelchen, wo sie noch mal aufgewärmt werden. Danach kommt dann Mayonaise und vor allem ganz viel Ají drauf.
Bei diesen Grillwägelchen gibt es dann meist auch Anticucho, das ist Rinderfleisch am Spiess. Fragt mich nicht nach dem Geschmack.
Dann kriegt man auch an allen Ecken belegte Brötchen, wahlweise mit Käse oder Ei oder Hühnchen und Salat. Die etwas dekadentere Version mit mehr als drei Zutaten und bei etwas Glück noch Kartoffelsticks als kleiner Kick, also das Sandwitch, heisst hier übrigens Sanguche, weil der Name des englischen Erfinders den Peruanern nicht so leicht über die Zunge will.
Nicht zu vergessen sind auch die Empanadas – Teigtaschen, die wahlweise mit Käse oder einer Fleischmasse gefühllt sind. Da kommt dann natürlich auch Ají drauf.
Weitere kleine Apetittchen sind gekochte Wachteleier, gekochter Maiskolben, Pijuayos (kartoffelartige Palmfrüchte), Reisbrot, gebratene Kochbananen, … Die Liste lässt sich beliebig fortführen.
Die vielen süssen Teilchen, die es in den Bäckereien und von Verkaufswägelchen so zu kaufen gibt haben allesamt einen starken Geschmack nach süss und nichts anderem und sind daher aus meiner Sichtmit wenigen Ausnahmen eher etwas enttäuschend. Nur von Alfajor kann ich einfach nicht die Finger lassen. Zwei Teigscheiben aus gefühltem Nullermehl (weil super weich), zusammengeklebt mit Manjar blanco, einer Crème aus gekochter Milch und Zucker.

Lecker sind auch die Picarones, fritierte Teigringe mit Honig, die man mit ein bisschen Glück an einem Strassenstand findet.
Ansonsten gibt es für eine süsse Erfrischung noch die ganzen Eiswägelchen, die ausser Stiel- und Hörncheneis auch noch Marcianos verkaufen, praktisch Fruchtsaft in Tütchen eingefroren.

Und dann gibt es noch Raspadilla, das mir vor allem in Lima am Strand gut schmeckt. Das ist geraspeltes Eis mit verschiedenem Sirup drüber.
Noch was Wichtiges? Ach ja, ganz wichtig: ich habe hier noch nie süsses Popcorn gesehen. Es ist praktisch immer salzig. Schmeckt aber eigentlich ganz gut. Im Kino vermisst man dann zwar doch irgendwie das süsse Popcorn, aber zum Glück gibt es richtige Kinos ja nur in Lima.
Und noch etwas ganz wichtiges, was es hier praktisch nicht gibt: Schokolade! Man findet zwar an jeder Ecke Süssigkeiten mit Schokolade, die sind aber alle samt super süss und enthalten nur ein Minimum an dem braunen Gold. Am meisten an Schokolade kommen noch die kleinen Sublimetäfelchen, die ein wenig an Blockschokolade mit ganz viel Zucker erinnern, richtige Schokoladentafeln habe ich ausser in Lima hier aber noch nicht gesehen.
Allgemein sind Milchprodukte hier überhaupt nicht so der Renner. Man kriegt sie schon ganz frisch auf dem Markt, dann muss man sie aber noch abkochen und sie hat vermutlich durch den Melkvorgang im Stall irgendwie einen penetranten Geschmack nach Kuh. In Kaffee, Cacao und Milchreis kommt entweder Trocken- oder Dosenmilch. Richtige Butter hab ich hier noch nirgendwo gesehen, das was hier als Butter verkauft wird ist immer Pflanzlich und gesalzen. Auch die Sahne vermisse ich sehr. Die Geburtstagstorten würden nämlich viel besser schmecken, wenn da nicht immer diese ungeniessbar süsse Eischneemasse drauf wär.
So, nun zu den Getränken, die dürfen ja beim Essen nicht fehlen. Das in der Welt wohl bekannteste Getränk Perús, ist wohl die Chicha Jora, die aus vergorenem Mais hergestellt wird. Sehr lecker und durch den (normalerweise, wenn ich nicht zu viel Zucker rein tue und sie nicht so lange steht) recht geringen Alkoholgehalt auch tagsüber gut trinkbar. Der Bruder von der Chicha ist das Masato aus vergorenem Yuca, was mich persönlich immer ein bisschen an flüssigen Yoghurt erinnert. Schmeckt auch gut. Beides sind allerdings eher Getränke aus der Sierra. Hier in der Selva spielt etwas ganz anderes für mich eine viel grössere Rolle: Die ganzen geilen Jugos, für die „Fruchtsaft“ einfach ein viel zu schnödes Wort ist. Banane, Papaya, Ananas, Mango und sonstiges Saisonobst wird gründlich im Mixxer pürriert, manchmal kombiniert oder einzeln, pur oder mit Zucker oderHonig oder Johannesbrotkernsirup auch mal mit roter Beete oder Limone oder Ei und wahlweise mit und ohne Milch. Das ganze ergibt dann ein richtig schön drabbiges Gemisch, von dem ein grosses Glas meist schon ziemlich satt macht. Es ist wirklich schade, dass diese ganzen Früchte in Deutschland nicht wachsen… Wenn man nicht gerade günstig an sowas dran kommt wird das daheim wohl eine Sache für Festtage bleiben.


Ein anderes Getränk kann aber gerne mal jeder ausprobieren, der einen Mixxer hat und kein Problem mit rohen Eiern: Eine Limonade. Je nach Geschmack ein oder zwei Eiklar, den Saft von 2 bis 4 Limetten/Limonen und ein paar Löffel Zucker schön schaumig schlagen. Das dann mit kühlem Wasser aufgiessen, eventuell nachsüssen und vor dem Servieren noch mal mixxen. Eine Vitamin C reiche, cremige Erfrischung.

Sonstige Durstlöscher sind hier Chicha Morada (aus dem schon erwähnten roten Mais), Cebada (aus gerösteter Gerste), Aguajina (etwas dickflüssiges Getränk aus einer Palmfrucht, unbeschreiblich und mein absoluter Favorit), frisch gepresster Orangensaft und stark verdünnte Fruchtsäfte von zum Beispiel Maracuya, Copuazú oder Cocona. Letztere wird übrigens als Selvatomate bezeichnet und ist, wie ich in Iquitos feststellen konnte, echt vielseitig. Dort ist nämlich statt dem Zwiebelsalat eine Sosse aus Cocona, Zwiebel und Ají gängig.

Naja, und aus meiner sicht ein schwarzes Kapittel sind Gaseosas, die Softdrinks. Inkakola (ein gelbes und etwas nach Kaugummi schmeckendes Zeug), CocaCola und Co werden von von vielen Peruanern tatsächlich den anderen Erfrischungen vorgezogen…
Morgens gibt es hier oft warme, dickflüssige Getränke, die sich super als Frühstück eignen. Auf der Feria trinke ich ritualmässig jedes mal Quinua, es gibt aber auch Chapo aus süssen Kochbananen und Maca, angeblich ein potenzförderndes Mittel aus irgendeiner Wurzel. Auch lecker sind trinkbare Versionen von Haferschleim oder geröstetem Weizenmehl, meist noch mit Zimt und Nelken verfeinert.

(von Rechts unten nach links oben: Quinua, Chapo, Maca, belegte Brötchen mit Hühnchen/Fleisch/Käse/Ei, Gekochte Eier, Papa Revorsada, fritierte Empanadas und natürlich Mayonaise und Aji)
So, nun habt ihrs bald geschafft, fehlt nur noch ein Teil, der nach Ostern kommt. Bis bald also!
]]>Nun aber erst mal zu den schönen Dingen, da gab es ja auch einige. Anfang März kam erst mal die Anette an, eine Studentin aus Freiburg, ehemalige Freiwillige in Lima und eine ganz liebe. Mit ihr hatten wir viel Spass und sie unterstützte uns nach besten Kräften – auf der Chacra und auch im sonstigen Leben. Für uns war ja so langsam die Zeit gekommen, sich mit Zukunftsfragen zu beschäftigen und durch ihre Erfahrungen konnte sie uns super im Punkt „Wie funktioniert eigentlich studieren?“ weiterhelfen.
Und sie hatte Glück! Gleich kurz nach ihrer Ankunft hatte nämlich Luis Geburtstag und wir wurden zu einem kleinen Festmal eingeladen mit guter peruanischer Hausmannskost. Natürlich hatten auch wir etwas mitgebracht. Einen eigentlich ziemlich verunglückten Copuazúschokoladenkuchen, der aber durch Claras Idee mit dem Schokoladenüberzug und meine Idee mit dem Bananenblatt doch noch ganz vorzeigbar wurde, finde ich. Und so hat er auch geschmeckt!
Nach diesem vollendeten Magenausstopfer spielten wir dann den Rest des Abends Mäxchen. Ihr wisst schon, dieses Spiel mit den Würfeln das als Trinkspiel ganz böse sein kann. Wir stellten fest, dass die Peruaner das Lügen noch ein bisschen üben müssen, aber wir hatten alle sehr viel Spass.
In Sachen Arbeit war dann mit so ungefähr fünfmonatiger Verspätung endlich mal das Büro dran. Das sollte nämlich von dem kleinen teuren Mietlokal in der Stadt hier zu uns ins Ecocentro ziehen. So verbrachten wir ein paar Tage mit dem in Kisten packen der vielen Bücher, abmontieren der Gerätschaften und anschliessendem Streichen der leeren Räume. Ursprünglich war das obere Stockwerk unseres Hauses für das Büro vorgesehen, doch da sich die Inangriffnahme der Dacherneuerung wohl noch ins Bodenlose hinzieht, entschied Luis sich für das Obergeschoss seines eigenen Hauses. Im Nachhinein war das auch eine viel bessere Idee, da sein Haus zum Beispiel gegen Einbrüche viel leichter absicherbar ist. Und so ist dort nun das alte Chaos beseitigt und dafür stehen die vielen interessanten spanischen, deutschen, portugiesischen und indigensprachigen Landwirtschaftsbücher in Reih und Glied neben Projektmappen und alten Dias und auch zwei PCs sind angeschlossen, die wir benutzen dürfen, damit sie nicht kaputt gehen. Wenn das mal keine gute Nachricht ist!
Die nächste Zeit waren wir dann sehr fleissig auf der Chacra, die mittlerweile vielleicht sogar fast vorzeigbar aussieht. Wir füllten nämlich die Reihen, die noch nicht komplett waren, mit Setzlingen von Cacao, Sternfrucht, Caoba (Holz), Shimbillo und Paranuss aus. Jetzt sind sie leider noch klein, aber wenn sie erst mal gewachsen sind, werden sich die Vorteile des Agroforstsystems sicher bemerkbar machen und man muss nicht mehr ständig sauber machen. Obwohl das auch gerade gar nicht so das Schlimmste ist, Luis hat nämlich ein neues Lieblingsspielzeug: einen motorisierten Grünzeughexler.Ausserdem pflanzten wir noch ein bisschen mehr Gemüse wie 3-monatigen Yuca, Mais und Tomaten. Der 6-monatige Yuca, den wir im Dezember gepflanzt hatten, wächst übrigens super und macht die Chacra viel ansehnlicher. Wir waren sehr zufrieden.
So, jetzt noch eine von den ausnahmsweise nicht ganz so schönen Nachrichten: Der Streik der Goldsucher. Der hat nämlich in den letzten Wochen teilweise recht kräftig in den Strassen Puerto Maldonados getobt, sodass es sogar 3 Tote gab. Über mehrere Tage waren die Strassen kaum passierbar und wir gingen tagsüber nicht raus, um als Weisse nicht noch zusätzlich den Zorn der Aufständischen aufsich ziehen könnten Das Problem ist, dass der Staat nicht von Anfang an etwas gegen den Goldrausch und die extrem umweltschädlichen Methoden der Sucher getan hat. Nun gibt es natürlich sehr viele Menschen, die von diesem unschönen aber auch sehr viel Geld bringenden Geschäft leben und die wenige Jobalternativen sehen. An dieser Stelle noch einmal die Bitte: Finger weg von Goldankauf zu Geldanlagezwecken!
Was gibt es sonst noch so zu erzählen? Ach ja, ein historischer Moment. In unserer im-Prinzip-Stammbar, bei der wir uns eigentlich ständig vornehmen, nicht mehr hin zu gehen, weil sie so unzuverlässig ist, lief letztens tatsächlich mal alles Glatt. Sie brachten uns Speisen und Getränke nicht nur innerhalb von 10 Minuten, nein, zum Sandwich kamen auch sofort alle vier Sossen dazu, wir bekamen Canchita (Maisknabberei), die Karte blieb zum nachbestellen am Tisch und ich bekam sogar ein süsses kleines Kännchen Honig zu meinem Maltabier, obwohl es das nicht auf der Karte gibt. Alles da. Wenn das nicht mal eine gute Nachricht ist!
Ach ja, die Läuse… ja, da bin ich mir noch nicht so richtig sicher, ob sie wirklich weg sind, aber finden tue ich keine mehr und die Nissen sind auch alle weiss. Vielleicht ist das gelegentliche Jucken, das ich manchmal verspüre, nur eine Phantomerscheinung. Wenn ich was finde, sinds jedenfalls nur die ewig überall präsenten Ameisen. Das peruanische Läuseschampoo hilft also recht gut gegen Läuse, sogar besser als gegen Kopfhaut.
Nach drei Wochen musste Anette leider schon wieder gehen. An ihrem letzten Abend veranstalteten wir aber noch eine Art kleine Party mit Ensalada Russa, Kartoffelsalat, grünem Salat und Stockbrot. Mit dem Feuerchen war es ein sehr gemütlicher Abend, zumal zu dem Zeitpunkt noch zufällig zwei deutsche Mädels zu besuch waren. Über zwei Ecken bekannte von Felix, die witzigerweise auch Anette kannten. So klein ist die Welt!
In der Woche drauf hatte ich dann ein sehr schönes Aha-Erlebnis, was meine Eltern aber vielleicht nicht soo glücklich macht… Der Ninja hatte mir nämlich – lieb, wie er ist – vor einer Weile Bienenwachsplatten aus Cusco mitgebracht. Die braucht man unter anderem, damit die Bienen in ihren Kästen Orientierungswände haben und ihre Waben nicht kreuz und quer bauen (Von wegen Honigwaben raus holen und so…). Und damit haben wir dann eine Kiste bestückt und wollten die auf die alte drauf stellen. Beim ersten Anlauf war dann leider das Papier zur Raucherzeugung zu feucht – pech gehabt, um sonst gestochen. Am nächsten Tag röstete ich es dann ein paar Minuten im Ofen knusprig und das wirkte Wunder. Der Deckel liess sich leicht ablösen und schon fast hatten wir die Heimerweiterung draufgesetzt, da kommt von Luis plötzlich ein überraschtes „Oh… Honig!“. Als wir vor ein paar Monaten mal nachgeschaut hatten, war da noch nichts von zu sehen, vielleicht wegen dem Chacrabrand, aber nun gab es eindeutig viele dunkelgolden schimmernde Waben. Irgendwie gelang es Luis, ein Stückchen rauszubrechen, an mehr war bei den Durcheinander nicht zu denken. Doch das reichte schon… Zurück am Pausenplätzchen unter schattigen Bananen wurde dann geschwisterlich geteilt und jeder saugte genüsslich an seinem Stückchen rum. Ich weiss nicht, ob es an den durchlittenen Ängsten lag, oder an den Blüten in der Selva; jedenfalls habe ich noch nie einen so leckeren Honig gekostet! Und da diese haplo-diploiden Insekten ja sowieso schon mal ziemlich spannende Tiere sind und viele nützliche und leckere Sachen machen und es ja immer weniger Imker gibt habe ich mir überlegt, vielleicht ein bisschen dabei zu bleiben und irgendwann auch mal hobbymässig ein oder zwei Stöcke zu hegen… Aber keine Angst, Mama und Papa, das ist was für irgendwann mal und bis dahin werde ich mich gut in das ganze einlesen…
So, wie es sich gehört nun das kleine Reisehighlight des Monats am Schluss. Dieses letzte Wochenende haben wir nämlich auf den Hof der Eltern von Luis verbracht, irgendwo Richtung brasilianische Grenze und 12 km in die Überreste des Regenwaldes. Das hatten wir schon vor Monaten geplant, weil Luis meinte, seine Eltern könnten Hilfe bei der Paranussernte gebrauchen. Dadurch, dass es nun aber doch immer später wurde, war es aber dann doch eher eine Sache zu unserem eigenen Vergnügen, bei dem wir viele neue Eindrücke sammelten.
Felix stellte zum Beispiel fest, dass ein Loch im Boden als Klo gar nicht so schlimm ist, wie man denkt :-)Ausserdem haben wir zum erstn mal so richtige Truthähne gesehen unter dem ganzen Federvieh, das da so rumlief. Enten, verschiedenste Hühner und auch eigentlich aus der Selva stammende bunte Hausvögel und ein Papagai. Abgesehen davon noch Kühe, Ziegen, Schafe und Schweine. Und ein total knuffiges Achuni als Haustier, das die ganze Zeit spielen wollte (und dabei auch mal sehr kräftig zubeissen konnte).
Aber natürlich haben wir nicht nur rumgehangen. Am Samstagvormittag sind wir erst mal in den Wald gegangen und haben schon geerntete Paranuss-Kapseln mit der Machete aufgeschlagen. Nachmittags schlugen wir uns im Wald bis zu einem Tümpel vor, wo wir angelten. Der einzige, der etwas fing, war ein Bruder von Luis, allerdings an einem Nachbartümpel. Den ungefähr zwei Hand langen Fisch gab es am Sonntag dann zum Frühstück (für mich natürlich nicht, aber Reis, Yuka und mit Zucker frisch abgekochte Milch machten mich schon satt genug).
Ach wie schön! Ein weiteres mal fällt es mir nämlich nicht schwer, eine weitere bekannte Tropenpflanze vorzustellen. Und zwar ist aus gegebenem Anlass die Paranuss dran. Und das ist eine ziemlich interessante Pflanze. Mit um die 40 m Höhe sind diese stattlichen Bäume nämlich echte Riesen im Regenwald. Auch können sie sehr Alt werden: Geschätzt an die 1200 Jahre.
Es ist übrigens verboten, sie zu fällen; dafür kann man tatsächlich sogar 5 Jahre ins Gefängnis kommen. Darum gibt es kein schönes Castañaholz zu kaufen (wie die Pflanze hier heisst) und die grossen einsamen Bäume, die auf abgeholzten Flächen und Weideland stehen – manchmal sogar schon abgestorben -, gehören meist dieser Art an. Allein auf grosser Fläche gedeihen sie allerdings nicht so gut und der Ertrag wird rasch schlechter, weil der Boden Nährstoffe verliert.
So, nun zur Frucht. Die reift zum ersten mal nach rund 12 Jahren und sieht tatsächlich wie eine Cocosnuss aus, weshalb sie hier auch als Coco bezeichnet wird. Ab Dezember fällt sie vom Baum und macht den Boden unter ihm zu unsicherem Gelände. Bei Luis Familie wurden dann kleine Hügel davon gebaut und mit Farnblättern abgedeckt, um sie zu sammeln und später alle gleichzeitig aufzuschlagen. Und das ist gar nicht so leicht. Die erste dünnere Schicht kann man noch gut abstreifen, vor allem, wenn Ameisen und Termiten die Vorarbeit geleistet haben. Dann muss man von der harten Schale eine Seite abschlagen, was schon mal ein paar kräftige Schläge lang dauern kann. Ist das geschafft, kann man die hoffentlich unverletzten Nüsse einfach rausschütteln.
Natürlich hat die Nuss noch einmal eine Schale, sonst wäre es ja zu einfach.
Ich finde, das rüttelt Kindheitserinnerungen wach. Jaja, damals, als diese braunen, komischen Teile immer als letztes auf den Weihnachtstellern lagern, weil niemand etwas mit ihnen anfangen konnte und mein Papa sich dann mit dem Nussknacker genüsslich ihrer „erbamte“…
Hier wird die Verpackung in die Knie gezwungen, indem man die Nüsse rund fünf Tage in der Sonne trocknet und dann mit einem Eisenbolzennussknacker bearbeitet.
Als wir uns die Bäume anschauten, konnte man übrigens teilweise schon die Nusskapseln des kommenden Jahres erspähen. Zum reifen brauchen die stark öligen Früchte also ein ganzes Jahr.
So, ich stelle mal wieder fest, dass ich unbedingt regelmässiger schreiben muss, hoffe, dass der ein oder andere noch bis hierhin vorgedrungen ist und wünsche euch allen ein schönes Osterfest, hoffentlich dieses Mal ohne Verletzungen durch Schwerter, Äxte oder sonstiges Spielzeug.
Lieben Gruss,
Alondra
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Nun also zum Essen. Ich sage aber gleich: Die Peruanische Küche ist viel zu gross und zu vielfältig, als dass ich sie in meiner kleinen Abhandlung im ganzen erfassen könnte. Ich schildere also in erster Linie meine eher subjektiven (und vor allem vegetarischen… tut mir leid, Freunde) Eindrücke und das, was hier in unserer Region so auf den Teller (und ins Glas) kommt.
Nun gut, auf den ersten Biss wirkt das Essen gar nicht so vielfälltig. Viele Kohlenhydrate – Reis, Kartoffeln, Nudeln,Reis, Reis, Mais, Getreide, Reis undnatürlich hier bei uns Kochbananen – bilden die Grundlage. Nein, das ist kein Tippfehler. Der von den Chinesen eingeführte Reis ist wohl bei so ziemlich jedem Essen präsent, und das bergeweise und trocken. O-ton von Miguel, einem Freund des Ecocentros: „Ohne Reis ist für die Peruaner eine Mahlzeit keine Mahlzeit.“Gleich danach kommen wohl die Bohnen und mit einem Stück Fleisch oder Fisch ist das Hauptgericht eines günstigen Menüs schon komplett. Gemüse ist meist nicht dabei, dafür aber vielleicht in der Vorspeisensuppe, meistens was mit Hühnchen. Hühnchen ist hier überhaupt sehr beliebt. Salat gibt es eventuell mal als Tellerdekoration, an sonsten beim Vegetarier. Obwohl, eine Art von Salat ist doch nicht wegzudenken… Aber dazu später mehr.
Ein paar selbstgekochte, typisch peruanische Gerichte
In den ersten Tagen kann man als Freiwilliger gar nicht so recht nachvollziehen, warum (vor allem von Peruanern) behauptet wird, die Peruanische sei eine der besten Küchen der Welt. Aber mit der Zeit lernt man sie doch besser kennen und lieben und ich denke, es gibt nachher keinen, der nicht ein Peruanisches Lieblingsgericht hat.
Da Felix und ich beide recht gern kochen und uns auch noch glücklich schätzen in einem der wenigen Projekte mit eigener Essensversorgung zu stecken, machten wir natürlich schon bald die ersten tapsigen Schritte in Richtung landestypische Kost. Zunächst bekamen wir dabei Tipps von den Leuten aus unserem Projekt und von einem Kochbuch, das hier rumlag, als wir dann noch peruanische Freunde fanden, die uns was beibringen wollten, konnte es aber richtig los gehen.
Unser erstes Gericht hiess Causa Rellena und ist bis heute einer meiner Favoriten. Das ist im Grunde eine Rolle aus Kartoffelbrei, die je nach Geschmack mit einer Fleisch- Fisch- oder Sonstwasmasse gefüllt ist. In unserem Fall bestand die aus Avocado, Tomate, Ei, Zwiebel und Mayonaise. Das war sehr lecker, vielen Dank Naif! Laut Kochbuch kommt das Gericht aus Lima.
Was natürlich unter den typischen Gerichten nie fehlen darf, ist Papa a la Huancaína, dem Namen nach aus Huancayo. Diese Vorspeise von den Zutaten her recht simpel… gekochte Kartoffeln und Eier, eine Olive und Salatblätter zum garnieren. Das raffinierte ist die Sauce, und die hat es in sich: Milch, Käse, Salzkekse, Erdnüsse und gelbes Ají, das gegen die Schärfe angebraten wird .
Das kommt dann alles in den Mixxer, bis es eine sämig-drabbige Sauce ergibt. Leider wird man abgesehen von Milch und Erdnüssen die richtigen Zutaten wohl nur schwer in Deutschland finden… Naja, ich versuche es sicher trotzdem.
Da das aber nur eine Vorspeise ist, gab es dann danach Tallarin Verde. Also Nudeln mit einer Art Spinatpesto, natürlich selbst gemacht. Dafür kommt frischer Spinat mit Basilikum, etwas Öl, Käse, Salz und Pfeffer mal wieder in den Mixxer. (Ein tolles Gerät übrigens… Nicht wegzudenken aus den hiesigen Haushalten und mittlerweile auch aus meinem nicht mehr.) Das wird dann noch mit gebratenen Zwiebeln und Knoblauch gemischt und mit den gekochten Nudeln noch mal kurz erwärmt. Sehrlecker. Danke, Ninja.
Goldene Regeln lernten wir auch von Nilo. Unter anderem: Zwiebeln und auch Käse werden gewaschen, wenn sie nicht gekocht oder gebraten werden. Den Zwiebeln nimmt das die Schärfe, beim Käse, der dem bei uns auffindbaren Feta in Salzlake ähnlich ist, wird ürberflüssiges Salz abgewaschen. Sehr wichtig für den vollendeten Geschmack des Avocadosalates, in den an sonsten noch Tomaten, gekochtes Ei und natürlich zerdrückte Avocado kamen.
Ohne diese Tipps hätten wir wohl auch eines der simpelsten und doch essentiellsten Rezepte der peruanischen Küche nicht zur Perfektion gebracht (Fanfaren bitte): der Zwiebelsalat, bzw. Ají. Man kann sich an den Mengenverhältnissen eines Tomatensalates orientieren – Viele Tomaten, eine Zwiebel. Jetzt wird das umgedreht, auf so ungefähr drei schön fein geschnittene, je nach schärfegrad ein bis zwei mal gewaschene und eventuell mit einer Prise Zucker vermengte Zwiebeln kommt eine schön klein geschnittene Tomate. Das ganze wird dann mit schön viel Limonensaft und Salz abgeschmeckt und tada: Eine super Beilage oder Sosse, die selbst Reis gar nicht mehr so trocken erscheinen lässt. Auf der Strasse, wir die Tomate dann meist durch klein geschnittenen, scharfen Ají ersetzt und nennt sich einfach nur Ají.
Das Schmeckt dann auch genial zu fritiertem Yuca, einem Gericht aus Piura, oder Tacacho – gegrillten und zerstampften grünen Kochbananen, die mit Schmalz und Schweinefleisch zu Kugeln geformt werden. Ein typisches Gericht aus der Selva. Daheim haben wir es natürlich mit dem hiesigen Butterersatz gemacht.
Ach ja, für eine Art Grillparty haben wir noch den hiesigen Kartoffelsalatersatz gemacht, den Ensalada Russa. Der ist durch die viele Rote Beete rosarot, enthält aber auch noch Mais, Bohnen, Tomaten und vor allem Mayonaise.
Nachtisch darf natürlich auch nicht fehlen. Da haben wir bisher allerdings erst den absoluten Klassiker gemacht: Mazamorra Morada mit Milchreis. Morada heisst violett/lila, und das ist tatsächlich auch die Farbe dieser puddingartigen Masse, dessen wichtigste Zutat und Farbgeber der Maiz morado ist. Der wird ausgekocht, bis seine kräftigen Pigmente und natürlich auch Geschmacksstoffe ins Wasser über gegangen sind. Da kommt dann noch Süsskartoffelmehl zum andicken, einige Früchte (hauptsächlich getrocknet) und Zimt und Nelken hinein. Und das dann über den Milchreis, der sich von selbst versteht.
Naja gut, und ein Selvatypisches Gericht, das wir eigentlich auch gerne mal als Hauptgericht, morgens, mittags, abends oder einfach mal so zwischendurch naschen: Gebratene Kochbananen.
Die dann mit viel Öl, Limonensaft und Honig oder karamellisiertem Zucker – zum reinsetzen.
Ach ja und dann gibt es ja noch Buddin, ein Kuchen, der aus trockenem Weissbrot, Milch, Zucker, Eiern und Vanille besteht. Je nach dem, wo man ihn isst kann er sehr lecker sein, manchmal ist er aber auch einfach viel zu mächtig und zu süss.
So, hier mach ich erst mal Pause… Der nächste Teil kommt wahrscheinlich nach dem Wochenende. Es sei denn, ich langweile euch, dann sagt bescheid.
Liebe Grüsse und bis dann!
]]>Nach dreieinhalb Tagen verabschiedete ich mich dannalso von Pucallpa, kaufte mir eine bequeme Hängematte und stieg an Bord eines Frachtschiffchens, das ich die nächsten vier Tage nicht verlassen sollte. Das trug mich nämlich [und auch einige andere Passagiere, wie der (nicht vorhandene) Platz zwischen den Hängematten zeigt

] zunächst den schon ziemlich grossen Ucayali und später dann den noch mal viel viel grösseren Amazonas runter bis nach Iquitos. Ja, es war schon ein bisschen eng, aber das war gar nicht schlimm, wie man denken könnte. Meine Nachbarn waren allesamt ganz nett und haben auch hin und wieder mal ein Auge auf meine Sachen gehabt, wenn ich mal für kleine Mädchen musste. Die Klos waren so ziemlich das unangenehmste und ich bin mal so frei und enthalte euch ein Foto vor aber auch daran kann man sich gewöhnen und später viel es mir nicht mal schwer, mich darin zu duschen. Gelangweilt habe ich mich übrigens nicht. Ich hatte genug Bastelzeugs dabei und vertrieb mir die Zeit an sonsten noch mit Musik hören, im Reiseführer blättern, Wäsche waschen, mal wieder ein bisschen das Reisetagebuch aktualisieren… ach ja, und als Quotengringa, das heisst einzige Weisse auf dem ganzen Schiff wird man sowieso ständig und überall angequatscht und in ein Gespräch verwickelt. Das Essen an Bord war auch nicht gar so schlecht, nur ein bisschen Kohlenhydratlastig (Reis, Kochbananen, Haferbrei, Brot, Reis, Nudeln, Bohnen, Reis..) Und abends eine Suppe mit einem Stück Fleisch und mit ein bisschen Glück dieser Aussicht:

Jaja, der Wald ist schon was besonderes… Die Kost wurde aber jedesmal erweitert, wenn wir an einem Dorf anlegten. Hier strömten dann jedes Mal ganz viele Kinder und Frauen mit Körben voller Speisen, Obst, Getränken und Naschereien an Bord.
Nach vier Tagen und Nächten betrat ich dann endlich mein ersehntes Iquitos, eine ziemlich quirlige Stadt im zentralen Regenwald. Ein kleiner Junge der mir auf meine Frage hin versicherte, er wolle mich nicht ausrauben, zeigte mirein günstiges aber hübsches Hostal ganz in der Nähe des Plazas und meine erste Amtshandlung war eine erfrischende Dusche. Dann wollte ich mich auf die Suche nach etwas Essbarem begeben (an Bord hatten sie uns doch tatsächlich um das Frühstück geprellt… „Sauhunde!“ würde mein Papa sagen), verliess das Hostal – und stiess nach zwei Schritten mit einem Indianer zusammen. Der hiess Juan und entpuppte sich als ebenso hungrig wie ich. So machten wir uns gemeinsam zum Markt auf und frühstückten ersteinmal. Genaugenommen ist Juan gar kein richtiger Indianer sondern kleidet und schminkt sich gerne als solcher, wenn er auf die Strasse geht um mit seinen Macheten zu jonglieren und Geld zu verdienen oder wenn er mit Freunden raus geht oder… naja, eigentlich kleidet und schminkt er sich immer so.
??
Das war in sofern ganz praktisch, dass das Hauptaugenerk nun nicht mehr ganz so sehr auf dem Gringamädchen lag. Noch praktischer war aber, dass der Gaukler ursprünglich tatsächlich aus einem Dorf in der Nähe von Iquitos kommt und mir so ein paar schöne Stellen der Stadt zeigen konnte. So lernte ich das Venedig des Amazonas kennen, das bunte Armenviertel Belén, welches in der Regenzeit immer so hoch unter Wasser steht, dass man sich nur mit einem Boot fortbewegen kann.

Ach ja, und wie könnte ich es vergessen? Dann war natürlich erst einmal Carnaval. Hier in Perú heisst das vor allem: ganz viele und unter Umständen den ganzen Febuar hindurch Wasserbomben! In Iquitos im Speziellen läuft das hauptsächlich eben an diesem Wochenende ab, an dem ich eben angekommen bin. Hier kommen dann noch alle möglichen knallbunten und in den seltensten Fällen wasserlösliche Farben ins Spiel und auch verschiedenfarbiger Lehm und stark Färbende Pflanzenkapseln wurden verkauft. Als wir am Samstagabend unterwegs waren, kammen wir noch so gerade unbeschadet durch eine schon absolut lila gefärbte Strasse. Später sollte uns dann noch eins der Opfer begegnen… Da bekommt blau machen eine ganz neue Bedeutung. Der Mann ist sicher noch ein paar Tage so rumgelaufen. Am fiesesten fand ich persönlich die Motorräder, bei denen der Beifahrer den Arm voller Wasserbomben hatte und so nichts ahnende Fussgänger oder Bus- und Motocarpassagiere tyranisieren konnte. Es gibt aber auch weniger brutale Traditionen, zumindest, wenn man keine Húmisha-Palme ist. Die werden nämlich zu Carnaval mit allerlei (nützlichem) Kram behängt und aufgestellt. Dann wird darum herumgetanzt, biss sie irgendwann gefällt wird.
Leider bin ich irgendwie nicht in den Genuss eines solchen Spectacels gekommen, ich war immer zur falschen Zeit am falschen Ort und das Wochenende war ein bisschen verregnet, weswegen ich nicht so viel draussen war. Dafür hab ich aber ein bisschen was vom Umzug gesehen, der schon so gerade ansatzweise Carnaval in Rio erahnen lässt. Auch am Abend auf einem Platz mit einer grossen Bühne gab es viel knappbekleidete Tänzerinnen und natürlich Musik.
In den kommenden (leider viel zu wenigen) Tagen machte ich noch ein paar Ausflüge ins Grüne (und auch in den wunderschönen Primärregenwald), teilweise auch mit Juan. So gibt es dort einen sehr schönen See – ursprünglich eine Flussschlaufe – namens Quistococha, wo man in herrlichem, tropisch-temperiertem Wasser mit traumhafter Kulisse baden kann.
Gleich dabei gab es dann noch einen Zoo mit einheimischen Tierarten. Und weil es gerade geregnet hatte und schon dämmerte waren wir ganz allein und konnten uns von den Äffchen begrabschen lassen und noch andere Sachen machen, die in deutschen Zoos sicher verboten wären.
Abends lungerten wir dann mit anderen Gauklern auf der Strasse rum (das ist lustiger, als es klingt) verkauften Juans Ketten, spielten mit Feuer oder hockten im Hostal, das der arme Spielmann auf 10 Soles die Nacht runtergehandelt hatte und wo er sich mit Garn und Häckelnadel an meinen Haaren austobte.
Viel zu früh ging es dann mit dem Flugzeug schon wieder zurück in die Hauptstadt, wo ich mich nach all dem Grün, den Erlebnissen und dem feuchten Klima nur noch mässig wohl fühlen konnte. Ich möchte niemandem auf den Fuss treten, aber für mich bleibt Lima wohl immer eine der hässlichsten Städte der Welt.
Tja, und am 26. Febuar traf ich dann Felix, der wohl auch einen schönen Urlaub hatte, etwa eine halbe Stunde, bevor der Flug zurück nach Puerto Maldonado gehen sollte.Dort hatte sich derweil nicht wirklich viel verändert, das Wetter ist noch ein bisschen feuchter geworden, wovon angeschimmelte Betten zeugen und die Ratten sind noch ein bisschen dreisster geworden, wovon der drei mal eingepackte und im Ofen versteckte und trotzdem aufgefressene Mais erzählt. Und so geht das Leben hier wieder seinen gewohnten Gang. Die Mücken sind hier draussen noch etwas nerviger geworden aber dafür ist es schön ruhig (abgesehen von dem Bass, der vom Puff rüberschallt) und während ich das alles hier schreibe kann man noch hin und wieder einen Blick auf die kleinen dunklen Äffchen erhaschen, die ein paar Meter vom Haus entfernt durch die Bäume springen… doch ist auch schon irgendwie schön hier… auch, wenn es nicht die nördliche Selva ist.
Puh, jetzt nur noch das Exotenspecial… Da geht es heute um die Cocosnuss, nicht weil, ich denke, dass keine weiss, wie eine Kokospalme aussieht, ne, diese Bildungslücke haben die Südseefilme sicher schon geschlossen. (Okay, zur Sicherheit trotzdem noch mal.)
Aber zwei andere Erkenntnisse, die ich in den letzten Wochen erwarb, möchte ich mit euch teilen.
1. Wie ja vielleicht einige schon wissen, wächst die Frucht nicht als brauner Klumpen am Baum sondern ist noch von einer Faserhülle ummantelt. Die gibt es in gelb und in grün (und in braun und vertrocknet am Boden liegend). Da könnte man ja nun denken, die Schale ist erst grün und wird dann gelb, wenn sie reif ist. Gustav konnte mich aber eines Besseren belehren (und bei genauerem hinsehen stellte ich dann auch fest ein ganz schöner Pansen gewesen zu sein es nicht selbst bemerkt zu haben): Es gibt Bäume mit grünen und bäume mit gelben Früchten und man wird keine gelben Früchte zwischen grünen finden (und andersherum).
2. Von wegen, man kann einfach in den Dschungel gehen, die Frucht vom Baum pflücken und in den Mund stecken… Im Falle der Kokosnuss ist das eine Mordsarbeit! Eben erwähnte Faserhülle muss man nämlich erst einmal runter zu kriegen wissen. Bei diesem Problem hilft uns tatsächlich rohe Gewalt, wie man bei diesem Bild erkennen kann:
Irgendwann gibt das zähe Material dann aber doch nach und man kann die eigentliche Frucht öffnen. Das geht dann wieder am besten mit der Machete J
X Kokosnuss!
In der nächsten Folge erfahrt ihr dann (hoffentlich) wie ich die ersten Läuse meines Lebens aus meinen einwöchigen Dreads rausbekommen habe… (Für jede noch so absurde Art von Tipp wäre ich sehr dankbar, abgesehen von abschneiden natürlich)
Bis dahin liebe Grüsse in das hoffentlich bald frühlingshaftere Deutschland,
Alondra
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