Advertise with Googlier.com Zampana-Blog http://blog.personanongrata.de Alltäglicher Wahnsinn aus der facebook- und restlichen Welt Mon, 09 Jun 2025 09:23:32 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.0.15 RATTENTAGEBUCH #DEGEWO http://blog.personanongrata.de/?p=440 http://blog.personanongrata.de/?p=440#comments Tue, 03 Aug 2021 09:48:50 +0000 http://blog.personanongrata.de/?p=440 Ich liege abends (22.7.21) gechillt auf meinem Küchensofa, schaue von dem Buch hoch das ich lese direkt in die Knopfäuglein eines kleinen Nagers, der auf dem Rahmen des unteren Fensters sitzt. Ich springe auf, das Vieh auch und raus aufs äussere Fensterbrett. Ich fege es mit einem rumstehenden Gegenstand weg. Danach tut es mir leid, aus dem vierten Stock geschmissen zu werden, ist bestimmt nicht so angenehm – aber ist halt Pech. Ich wundere mich, wo das Tier herkommt und denke dann, dass es wahrscheinlich aus einer Mäusetruppe vom Dachboden stammt und irgendwie abgerutscht ist.
Ich lese weiter und geniesse die Stille. Am nächsten Tag werde ich eine Ausstellungseröffnung haben und dann ein turbulentes Wochenende, also noch mal chillen. Auf einmal kommt aus der Ecke hinter dem Kühlschrank ein weiteres graues pelziges kleines Ding, läuft quer Richtung Fenster, sieht mich, macht kehrt und verschwindet blitzesschnelle wieder hinter der Küchenzeile. Ich kriege die Vollkrise – Mäuse, in meiner Wohnung!!! Ich frage erst mal bei Facebook rum, wie man Mäuse am besten und schnellsten bekämpft. Dann kümmere ich mich um meine Ausstellung. Freitags erwischt man den Hausmeister eh nicht mehr und bei der DEGEWO hängt man ewig in der Warteschleife und hat Riesenglück, wenn man dann irgendwann mal durchkommt. Am Wochenende geht da gar nix.

Montag rufe ich sofort den Hausmeister an und teile ihm mit, dass ich Mäuse habe und bitte um den Kammerjäger. Der HM sagt, die Firma werde sich bei mir melden.
Der Gedanke, dass in der Zeit die ich warten muss, meine Wohnung weiter invasiert und besetzt wird, gruselt mich. Wer weiss, was die alles anrichten können, nachher nagen die meine Negative an oder meine Werke oder meine alten Bücher oder ………….. und überhaupt. Also ziehe ich gleich Montag los und kaufe Schlagfallen.

Abends nach der Arbeit stelle ich die Fallen auf mit Nutella, Salami, Käse – alles was das Mäuseherz begehren könnte. Ich höre die Knabbergeräusche in der Wand und Rascheln unter den Fussleisten. Vorher dachte ich, alle komischen Geräusche kommen vom alten Kühlschrank, der halt keucht, knackt, quietscht und seine Kühlschrankgeschichten erzählt. Auch habe ich selten Zeit, einfach so ohne Musik in der Stille auf dem Sofa abzuhängen. Meistens bin ich halt in der Küche zum Kochen oder Essen und da sind die natürlich mucksmäuschenstill. Jetzt bin ich aufmerksamer, habe kein Radio an und in der völligen Stille meiner Wohnung höre ich, dass das nicht nur das Knacken des Altbaus und die Nebengeräusche der Geräte sind. Da wohnen welche in der Wand zwischen Küche und Bad!
Ich ziehe die Möbel weg von der Wand und sehe die Bescherung – unter der Wasserzuleitung ist der Eingang in meine Küche säuberlich ausgenagt und überall unter Herd, Spüle, Kühlschrank liegen Köttel.

Die wohlplatzierten Fallen sind nach einer halben Stunde, als ich sie wieder kontrolliere, säuberlich leergegessen und abgeleckt. Aber nicht zugeschnappt – was sind das bitte für Mäuse? Tricky city slickers?

Dienstag ziehe ich los und kaufe Lebendfallen in der Hoffnung, dass sie dafür nicht schlau und schnell genug sind. Wieder biete ich alle Leckereien, die Mäuse angeblich so lieben – Nutella, Erdnussbutter, Käse, Schinken, ungarische Salami. Und HA! Donnerstag (29.8.) früh ist eine drin in einer meiner Fallen. Süüüüüüüüüüüüüüß! Aber was für ein langer, dicker, peitschender Schwanz ist da dran an dem Tier? Mauseschwänzchen sehen anders aus denke ich, jedenfalls sahen die anders aus, die an den Mäusen dranhingen, die früher meine Katze mir zum Frühstück schenkte. Und ganz schön gross für eine Maus. Ich habe keine Ahnung von Nagetieren, hat mich nie so wirklich interessiert. Also stelle ich ein Bild in mein Profil bei Facebook von dem Tier im Fallenkäfig. Am nächsten Tag, als ich irgenwann mal dazu komme, mein Profil zu checken, ist ein Aufschrei durch mein Profil gegangen – MICHIIIIIIIII das ist ne Ratte!!!

ratten in der wohnung degewo wohnen bei der degewo

Ich kann das erst gar nicht glauben, die wohnen doch eher im Hof und man sieht die nicht. Also, wenn ich die in meiner Wohnung sehe, wieviele hab ich dann, die ich nicht sehe??? Und ich wohne im vierten Stock … ich kriege die Krise! Ratten in MEINER Wohnung, wie kann das sein? Ich bin total ordentlich vor allem mit Müll und Abwasch und so! Ich will das erst nicht so richtig wahrhaben – Ratten sind doch viiieel grösser und verstecken sich sehr gut.
Dann schreibt mir ein Facebookfreund am Freitag, dass das definitiv eine kleine Wanderratte ist, er ist Schädlingsbekämpfer und kennt sich richtig gut aus. Freitag. Natürlich kann ich da niemanden mehr erreichen bei der HVW …

Die Schädlingsbekämpfungsfirma hatte Donnerstag angerufen und mir einen Termin für Montag gegeben. Ich denke, das Wochenende überstehe ich noch irgendwie und dann sind die Viecher hoffentlich schnell weg.

Samstag ist wieder eine in der Falle.

ratten in der wohnung degewo wohnen bei der degewo

Dieser Rattenschwanz ist jetzt wirklich beeindruckend. Ich bringe es leider nicht fertig, die Viecher zu ermorden. Also trage ich sie zum Parkplatz und lasse sie da raus. Wahrscheinlich werden die das auch nicht überleben ohne ihre Familie und draussen ganz alleine holt sie der Fuchs, aber da kann ich nun auch nichts für …

Sonntag dann Ratte Nummer Drei:

ratten in der wohnung ratten in der wohnung degewo wohnen bei der degewo

Die hat nur einen Stummelschwanz, da war wohl Nachbars Katze dran. Also, eine auf dem Fensterbrett (rausgeschmissen), eine durch die Küche gerast, drei in meinen Lebendfallen. Macht insgesamt FÜNF Ratten IN MEINER WOHNUNG! Bei mir in der Wohnung, das darf echt nicht wahr sein … wieviele sind dann da, die ich nicht sehe?

Aber klar, wir haben Ratten en masse im Hof, der Müllplatz sieht meistens aus wie Hulle, viele Mietende trennen den Müll nicht ordentlich, niemand kümmert sich so richtig, in den Fensterlaibungen im Hausflur meines Aufganges nisten Tauben, niemand beseitigt deren Nester oder den ganzen Müll, der da rumliegt. Nachdem ich das Taubennest in “meinem” Etagenfenster im Aufgang zweimal beseitigt hatte und die Taube das immer wieder neu baute, lagen dann Eier drin und ganz schnell kleine, unfassbar hässliche fette Täubchen. Die zu killen habe ich nicht übers Herz gebracht. Also wohnten die dann halt da bis sie gross genug waren. Das Nest liegt da immer noch. Die Kids schmeissen alles mögliche aus den Flurfensstern, die meistens offen stehen, die Taubennetze da sind schon lange kaputt, den Wein schneidet auch niemand, und so weiter.

Anscheinend kümmert sich auch niemand um die Ratten so wie sich auch niemand für das immer noch vorhandene dicke Taubennest in der Flurfensterlaibung interessiert und so breiten die sich eben aus. Danke, #DEGEWO!

TO BE CONTINUED – KAMMERJÄGER IST NICHT AUFGEKREUZT…………………………

 

 

UPDATE: Das allererste Tierchen auf dem Fensterbrett, das war am 22. Juli. Inzwischen haben wir den 13. Oktober. Tatsächlich sind HEUTE die seit dem Sommer nicht geleerten – aus welchem Grund auch immer – Plastikcontainer endlichendlichENDLICH geleert worden. Die standen da und wenn man abends über den Hof ging, hat man die Party da drin gehört. Die Ratten haben sich sicher gefreut – die Menschen sind ja sooooooooooooooo nett, stellen uns hier ein schönes Zuhause hin, Basis zum Selbstausbau ….

Weiter in meiner Wohnung – die Schädlingsbekämpfer waren irgendwann endlich da, haben Köder ausgelegt und ich habe das säuberlich genagte Loch an meinem Eckhähnchen mit Drahtwolle und Kabelbinder zugestopft. Trotzdem waren die Köder immer wieder angenagt. Wie zum Teufel kommen die bei mir immer noch rein? Jeden Abend höre ich die happy rat family in der Wand kruschteln, knabbern, kriechen, quieken. Im Arbeitszimmer neben der Küche raschelt und kruschtelt es in den Fussleisten. Die Nachbarin unter mir hat sie jetzt auch hinter den Fussleisten.

Der eine Schädlingsbekämpfer ist echt nett und nimmt mich ernst. Der andere – die kommen wöchentlich im Wechsel zur Kontolle – nimmt mich überhaupt nicht für voll. Er meint die ganze Zeit, ich hätte doch nur ein paar Mäuschen. Ich rede mir den Mund fusselig, sowohl bei dem als auch bei der Degewo. Schliesslich habe ich glücklicherweise die Bilder und auch einen Zeugen, der die echte leibhaftige Ratte in meiner Falle in meiner Küche gesehen hat. Nach dem dritten oder vierten Mal ist es endlich zu allen Beteiligten durchgedrungen, dass Ratten bekämpft werden müssen, nicht Mäuse. Ich rede mir weiter den Mund fusselig, dass die Köder in meiner Küche nicht viel nutzen, wenn die weiter in Ruhe in der Wand wohnen können und man nicht die Wasserleitungen mit Stahlmanschetten mit Stacheln versieht und so den Ratten schon in Keller und EG den Zugang versperrt.

Donnerstag, 7. Oktober. Der Herr von der Schädlingsbekämpfungsfirma ist wieder da und will mir wieder mal erzählen, ich hätte Mäuse. Es ist früher Morgen, ich bin bisschen kränklich und mir platzt der Kragen und ich fauche ihn an – ich habe Bilder, ein Kollege von Ihnen hat die Biester einwandfrei als kleine Wanderratten identifiziert und ich bin vielleicht blond, aber ich bin nicht blöd!!! Findet er nicht so gut. Dann sage ich – was ist jetzt mit denen in der Wand? Tja, da müsse man die Wand aufmachen. Sage ich, ja, dann sollte das mal passieren.

Passiert natürlich nichts. Aber jetzt ist genau das passiert, wovor ich mich gefürchtet habe die ganze Zeit ……………………………..

Freitag abend bemerke ich einen komischen Geruch, so ganz leicht. Ich suche überall, ob ich was vergessen hab im Kochtopf, Bratpfanne, ist der Kühlschrank richtig zu, ist mein Vorratsschrank ok. und so weiter.

Samstag wird der Geruch stärker, so ein ganz leichtes Odeur zwischen Hundescheisse und verdorbenen Lebensmitteln.

Sonntag stinkt es dermassen in der Küche, dass man sie nicht mehr betreten will. Das Fenster ist sperrangelweit offen, trotzdem hat man das Gefühl, man bekommt keine Luft.

Montag rufe ich die Degewo an. Man sagt mir, man hätte eben nicht sofort jemanden, ich müsste eben warten. Ich denke, das kann nicht sein, oder? Ich habe zu 99% sicher eine fucking tote Ratte in der Wand und jetzt soll ich warten???

Dienstag rufe ich wieder an und mache Druck. Die Dame am Telefon hat vollstes Verständnis, aber sie ist eben nur die Dame am Telefon. Sie verspricht, der Zuständigen alles sofort weiterzuleiten und ich soll nachmittags noch mal anrufen, da gäbe es dann eventuell schon einen Handwerkertermin. Nachmittags sind alle Leitungen blockiert und ich fliege ständig wieder raus und gebe irgendwann auf.

Heute, Mittwoch 13. Oktober rufe ich wieder an. Eine andere nette Lady, aber die gleich Auskunft – wir haben 70 000 Mieter und da geht das eben nicht so schnell. Ich sage – hey das ist doch jetzt wirklich ein Notfall, die Degewo kann mich doch nicht mit sowas hier einfach sitzen lassen?

Ich telefoniere mit dem Gesundheitsamt. Auch da werde ich vertröstet …………….. Küche nicht mehr benutzen und nach jedem Betreten gründlich die Hände waschen …………………………………………………………………………………………………………………………..

 

Ich weiss, anständige Mädchen fluchen nicht. Aber ECHTIHRARSCHLÖCHERFALLTIRGENDWORUNTERUNDLANDETIMRATTENNESTDANNMERKTIHRMALWIEDASIST!!!SCHEISSDEGEWO!SCHEISSARROGANTESVERMIETERPACK! …………….tschuldigung.

 

Ich fahre jetzt erst mal raus zu Freunden aufs Land und hoffe, dass das Gesundheitsamt bald reagiert und die Degewo in den A… tritt.

To be continued ………………………

#degeworatten

 

And the show goes on – nach langen Telefonaten mit Schädlingsbekämpfungsfirma, Degewo und dem Gesundheitsamt kommt nicht erst in 8 Tagen jemand, sondern heute, Freitag 15. Oktober:

Pünktlich um 8 Uhr sind die Handwerker da (die die Wand aufmachen sollen) und der Schädlingsbekämpfer – natürlich der, der mir immer erzählt, da wäre nichts.

Ich habe einen Zeugen “organisiert”.

Ich weise darauf hin, wo die Ratten rein- und rausgehen.

Hier unter der Spüle ist ein Loch mit einwandfreien Nagespuren – schätze, die kommen die Leitungen hoch und bahnen sich dann den Weg rein.

Natürlich machen sie da die Wand nicht auf. Stattdessen sägen sie ganz links. Die Rigipswand ist eine Aufsetzwand, das heisst, dass dahinter eine alte Wand ist, auf die ein Ständerwerk aufgebracht wurde und darauf die Gipskartonplatten. Da Nager sich durch Metall nicht durchfressen, ist es relativ klar, dass die Männer dort nichts finden, die Ständer stehen relativ eng, schätze alle 40-50 cm. Ebenso ganz rechts findet sich nichts, das Loch unter der Spüle wird dann eilig zugeputzt. Genau an dieser Stelle wird NICHT in die Wand geschaut.

Der Schädlingsbekämpfer erzählt mir, dass es Langschwanzmäuse seien. Die sind aber hellbraun und haben helle glatte Schwänze – “meine” Fänge waren schwarz/grau, struppig und hatten geringelte dicke sehr lange Schwänze. Die Langschwanzmäuse sind auch eher menschenscheu und wohnen im Garten. Das Tier, auf das mein Freund getreten ist, war ohne Schwanz mindestens 10 cm lang. Die Leiche, die ich im Hof fotografiert habe, war auch 8-10 cm lang. Langschwanzmäuse sind 4-5 cm lang ohne Schwanz.

Der Schädlingsbekämpfer sprüht Geruchsneutralisierer, der Geruch ist aber schon fast weg, da ich seit gestern alle möglichen Febreze und wie die Mittel alle heissen versprüht habe. Natürlich heisst es seitens des Schädlingsbekämpfers, es rieche gar nicht und habe auch nie gestunken. Glücklicherweise habe ich mehrere Zeugen/Zeuginnen für den bestialischen Gestank am WE und den Tagen danach.

Bei der Überprüfung der Köder schaut der SB in die Kästchen rein, klappt sie ganz schnell wieder zu, so dass ich nicht reinschauen kann und auch sonst niemand und lässt mich das Protokoll unterschreiben, sagt – keine Köderannahme, sammelt seine Siebensachen und geht. Ich glaube ihm kein Wort, öffne die Box, die neben der Spüle steht und beide Köder sind angefressen. Ich laufe dem Typen hinterher und zeige ihm die offene Box. Er voll sauer sagt, ich dürfe die gar nicht öffnen (wegen mir, ist mir wurscht) und beide Köder seien durch das Reinlegen beschädigt, das habe er gemacht. Ich war beim Reinlegen dabei und weiss, dass er mir ins Gesicht lügt. Die blaue Tüte, das weiss ich 100000000prozentig, war heil und unbeschädigt. Jetzt ist sie ganz klar angefressen. Der SB behauptet, dass IMMER Kot daneben liegen müsste, wenn die fressen. Und wie gesagt, er habe die Tüte beim Reinlegen beschädigt. Und das ist schlicht und einfach gelogen. Sein Kollege hatte vorher den rosa Klotz reingelegt und der war dann auch angefressen.

Ich werde jetzt selber die Wand hinter der Spüle öffnen und dort nachschauen. Natürlich werde ich das in Anwesenheit mindestens eines Zeugen machen. Wenn sich dort nichts findet, dann habe ich tatsächlich Pech und das tote Tier liegt unter dem Boden. Dann kann ich nur abwarten, bis es ausgetrocknet ist …

Ich fühle mich natürlich wie eine Idiotin, weil die in der Wand nichts gefunden haben – aber wenn sie da suchen, wo nie ein Geräusch ist und nicht da, wo man die Spuren sieht und ich die Viecher gehört und gesehen habe, ist das kein Wunder, dass dort nichts gefunden wird.

Das der Schädlingsbekämpfer dann auch noch lügt und die angefressenen Köder ignoriert, finde ich unfassbar …………… bin ganz schön gefrustet.

 

Nun, bald sehen wir weiter. Werkzeuge sind startklar, nur die Zeugenschaft muss noch organisiert werden. Fortsetzung folgt.

 

UPDATE Sonntag, 17.10.2021

Meine Nachbarin hat soeben eine total niedliche kleine Ratte in einer Lebendfalle gefangen. Das Rattenloch ist an der gleichen Stelle wie bei mir – am Wasser-/Abflussstrang.

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GOODBYE MY FRIEND http://blog.personanongrata.de/?p=428 http://blog.personanongrata.de/?p=428#respond Sun, 29 Sep 2019 15:07:05 +0000 http://blog.personanongrata.de/?p=428

#wolfgangkrolow

 

Von Nachrufen verstehe ich nichts.

Ich kann nur erzählen, was war.

Und viele Worte braucht es doch auch nicht.

Wir kannten uns, sind um die Häuser gezogen, haben gesoffen wie die Irren, geraucht wie die Schlote, gelacht, gestritten, diskutiert, gesehen, entdeckt und vor allem FOTOGRAFIERT!

Du hast mir so viel gezeigt, du hast einen Teil meiner wilden Jugend begleitet, beeinflusst, mir Augen geöffnet, mich Sehen gelehrt, mich selber und die Anderen und die Dinge und manchmal auch Dich.

Wir waren Freunde.

Ich danke dir dafür.

 

RIP Wolfgang Krolow † 24.09.2019

 

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Dank an Atropos und höre auf das Bauchgefühl! http://blog.personanongrata.de/?p=372 http://blog.personanongrata.de/?p=372#respond Sun, 01 Oct 2017 19:04:41 +0000 http://blog.personanongrata.de/?p=372 Ich möchte Musik machen. Ich möchte mit Leuten spielen, meine Songs spielen, meine Gitarre singen lassen, andere begleiten – eben Musik machen. Ist gar nicht mehr so einfach in dem neuen Berlin. Du gehst in Läden wo entweder Kette geraucht wird und du nach drei Songs dann für drei Wochen heiser bist. Oder du gehst in Läden, wo die Leute so unfassbar schlecht sind, dass du denkst, wie kann man sich mit sowas nur auf die Bühne stellen und du musst dich mit denen um einen Slot kloppen. Oder du gehst in Läden, für die du viel zu schlecht bist. Oder du gehst in Läden, wo du megascheisse angemacht wirst. Oder du gehst in Läden, wo du über Facebook dich anmelden und dann ewig lange warten musst, bis du gnädigerweise drei Songs spielen darfst. Oder du gehst in Läden, wo der Lärmpegel der Einflugschneise von Tegel herrscht und keine Sau zuhört. Oder du gehst in Läden, wo du das alles zusammen hast. Oder … oder … oder.

In Berlin gibt es ja viel, aber eben auch megaviel Schrott und Stress.

Die Lösung: mach dein eigenes Ding.

Gedacht, getan.

Auf Facebook in irgendeiner der zahlreichen Musikergruppen ist ein call-for-artists: Musikschaffende zur Bespielung einer kleinen Galerie im Wedding gesucht. Ich melde mich mit dem Anliegen, eine Location für meine eigenen kleinen Jamsessions mit Freunden zu haben, ein tolles Programm mit qualitativ guter Musik auf die Beine zu stellen mit allem, was dazu gehört: guter Sound, gute Leute, gute Konzerte, gute Sessions. Kein Stress, kein Krach, sondern wirklich was mit Qualität und Herzblut und all das. Und natürlich habe ich als Künstlerin superegoistische Eigeninteressen: ich will spielen. Möglichst ohne den ganzen Ärger, ich kenne viele tolle Leute und mein eigenes Zeug ist ja auch nicht so schlecht.

Ich radele da hin. Ein schöner grosser Altberliner Laden, zwei nette junge energetische Frauen. Wir werden schnell “handelseinig” – sie haben den Laden, ich das Zeug, Gesangsanlage, Amps, Mikros, eben so alles, was man braucht. Im Hintergrund hängt so ein so bisschen össeliger Typ rum, Armeeklamotten, Hoodie, ein Riesenhund namens “Schatzi”, der sieht eher so Hausbesetzer-Drogen-Bierflaschenstyle aus. Ich frage mich, was der da macht, wie kommt der mit den beiden Mädels zusammen? Das passt so gar nicht. Er hält sich im Hintergrund, ist halt da, verschmilzt fast mit der Umgebung. Wir machen Termine, wann die erste Veranstaltung stattfinden soll, besprechen Details, der össelige Typ namens – ich nenne ihm mal Jaime – aus Lateinamerika soll mir beim Transport helfen und für die Zukunft: es gibt noch einen Keller, den man ausbauen könnte. Sieht alles ganz gut aus, auch wenn ich die Räume eher nicht knallpink und grün gemalert hätte. Aber ist eben Berlinstyle, selbstgemacht, wenig Geld, viel Phantasie, junge Leute mit Ideen und Power.

Die erste Veranstaltung. Ich habe einen Bekannten aktiviert, er will paar seiner Songs spielen, ich ein paar meiner und dann wollen wir sehen, ob paar Leute kommen. Gleichzeitig findet eine Vernissage statt mit Arbeiten eines russischen Malers. Ich bin schon nachmittags hingefahren mit meinem Monster-Oldtimer-Wohnmobil um Jaime einzusammeln und die ganzen Sachen aus meinem Proberaum zu holen. Das Womo wird erst mal gebührend bewundert – es ist ja auch wirklich special. Dann klettert Jaime rein und ich muss erst mal mein Fenster aufreissen – MANN, der könnte auch mal ne Dusche nehmen abgesehen von der süsslichen Restalkoholwolke, die ihn umgibt. Seine Fingernägel sind sehr sehr kurz und total dreckig und seine Zähne total runtergeknirscht. Ich denke, Junge, du bist ein netter Kerl, aber du hast da irgendwo ein Riesenproblem sitzen …

Aufgebaut ist, ein Kumpel von Jaime hängt da rum, eine Nervensäge vor dem Herrn. Ich kann ja selber ganz gut angeben und Sprüche reissen, was ich so alles gemacht und erlebt habe, ich hatte ja auch schon ein Leben. Aber ich bin immer noch in der Lage, den anderen Raum zu lassen für deren Stories. Das ist der junge Mann nur leider überhaupt gar nicht – meine Güte, der stresst echt total! Redet und redet und redet und lässt einen so gar nicht zu Wort kommen und weiss alles besser und setzt immer noch einen drauf. Ich möchte nicht so genau wissen, wieviel Koks der jetzt intro hat. Anyway… Wedding halt, voll mit krassen und komischen Typen.

Nach dem Aufbau fahre ich noch mal nach Hause, das Auto loswerden, damit ich nachher ein Bier trinken kann. Mit den Mädels habe ich verabredet, dass die Sachen da bleiben. So können wir relativ stressfrei die Veranstaltungen machen, einfach alles aus dem Keller holen, anschliessen, loslegen, nach Ladenschluss alles wieder runterräumen und die Bude ist leer und ordentlich fürs nächste Event. Mit dem Ausbau des Kellers, na, da denke ich noch mal drüber nach, erst mal schauen, wie es läuft, bevor ich Geld und Energie versenke…

Zurück im Laden sind wir eine Lady und Jaime hinter der Theke, mein Musikerkollege und der Kokskumpel und ich davor. Jaime scheint in den hinteren Räumen des Ladens zu wohnen, er verschwindet immer wieder dahin. Der Kokskumpel nervt. Mein Bekannter und ich holen die Gitarren raus und spielen. Das ist doch immer wieder die beste Art, die Zeit rumzubringen bis die Veranstaltung anfängt. Ausserdem muss ich dann dem Gesabbel von Kokskumpel nicht mehr zuhören.

Zwischendrin kommen noch Bekannte von mir, aber ansonsten ist der Publikumsflow eher mau. Ist halt eine ganz neuer Laden, da kann man nicht erwarten, dass die Massen strömen. Der Künstler hat sein Publikum, scheint seine UdK-Klasse zu sein oder so. Die kaufen ihr Bier im Späti und Jaime ist sauer. Er hatte sich mein E-Bike mit Hänger geborgt und extra noch mal den Kühlschrank vollgemacht. Dass er sich ärgert, kann ich nachvollziehen, nicht nur, dass es sehr unhöflich ist – jedes kleine Galeriestartup in Berlin lebt vom Bierverkauf auf den Vernissagen.

Mein Bekannter und ich beschliessen, jetzt einfach das Konzert anzufangen auch wenn für die Musik noch nicht so richtig Leute da sind, nur Vernissagegäste. Aber dann beschallen wir halt die. Jaime und Kokskumpel setzen sich vor die Bühne, Jaime hat mir schon beim Soundcheck Komplimente gemacht: “es klingt wie eine CD” in seinem lustigen Latino-Akzent-Deutsch. Ich freue mich darüber, die harte Arbeit an Gitarrensound und Stimme war nicht umsonst.

Wir spielen. Ich spiele paar meiner Songs, mein Bekannter begleitet, macht kleine Soli, macht Spass. Die kunstschaffende und -konsumierende Gesellschaft bleibt im anderen Raum. Alles sehr junge und anscheinend sehr auf sich bezogene Menschen, die sich nur für ihre eigene Kunst und die der Bekannten interessieren. Sie bleiben unter sich, unterhalten sich, was wir machen ist ihnen egal. Anyway. Macht trotzdem Spass. Dann tauschen mein Mitmusiker und ich die Rollen. Er beginnt einen seiner Songs, ich begleite, will grade zum Solo ansetzen, da explodiert es auf einmal vor der Bühne. Jaime und Kokskumpel haben sich anscheinend in der Wolle, die Fäuste fliegen, ich weiss nicht, ob es nur Gesten oder wirkliche Prügel sind. Es geht hin und her, mit dem Künstler und seinen Leuten fliegen plötzlich auch die Fetzen … wir hören auf zu spielen und mein Musikerkollege sagt: “Ich glaube, das Konzert ist vorbei”. Ich erwidere: “Das glaube ich auch … lass uns schnell einpacken, bevor was zu Bruch geht.” Wir packen ganz doll schnell die teuren Gitarren ein. Mein Bekannter ist auch noch Linkshänder, so dass seine Instrumente noch teurer sind als meine. Also bloss in die Koffer damit!

Zum Glück beruhigt die Lage sich relativ schnell was das Fliegen der Fäuste angeht. Der Künstler nimmt mit Hilfe seiner Freunde seine Bilder von der Wand und verschwindet inklusive Entourage. Kokskumpel nimmt seine Bilder von der Wand und veschwindet ohne Entourage. Mein Musikerkollege hilft noch beim Wegräumen und verschwindet dann auch mit seiner Gitarre. Ruhe kehrt ein. Wir sitzen rum und trinken Bier. Jaime holt was zu essen von hinten, wir teilen das Essen von einem Teller. Er meint nur lakonisch, dass Kokskumpel ab und zu mal ne Schelle braucht und dann ist wieder alles ok. Okaaaaay …….

Es kommt noch ein schräger Typ von der Strasse rein. Ich halte mich an meinem Bier fest, aber so viel wie die anderen kann ich in einer Woche nicht trinken. Ich unterhalte mich mit Jaime, bzw. erst mal kommt die übliche Frage: “Hast du einen Freund?” Ich sage: “Nein, und ich will auch keinen!” Damit ist der Keks gegessen, kaum zu glauben, meistens ist das nicht so einfach.

Ich frage: “Wessen Laden ist das hier eigentlich, wer ist der Hauptmieter?” Jaime sagt recht vehemt: “Das ist MEIN Laden, ich bin Hauptmieter!” Ich denke: “Scheisssse …. ich glaube, mit dem will ich nicht zusammenarbeiten….” Der ist mir zu fertig. Wesentlich später erfahre ich, dass alles auf seine Mutter läuft. Auch interessant, die Leistung seiner Mutter (Laden suchen, mieten, Geld auftreiben usw.) als seine eigene darzustellen, aber das ist ein anderes Thema. Beim allerersten Sehen hatte ich ihn wesentlich jünger eingeschätzt, dann hatte ich gemerkt, dass er wohl doch älter ist, so Ende Dreissig denke ich. Und jetzt stellt er sich als der Hauptmieter heraus. Das bedeutet für mich, dass ich mit einem offensichtlich drogen- und alkoholaffinen Menschen Business machen soll und nicht mit den beiden sympathischen und fitten Frauen – wohl doch eher nicht. Ich trinke noch mein Bier aus und verschwinde dann auch nach Hause. Das Womo hatte ich ja nach dem Aufbau schon weggebracht und war mit dem Rad wiedergekommen, so radele ich durch die Nacht nach Hause. Jaime bot mir noch an, doch auf dem Sofa zu übernachten – alles, nur das nicht …

In den nächsten Tagen telefoniere ich mit einer der Frauen, die meint, das sei doch alles halb so wild gewesen und Jaime und Kokskumpel würden sich schon wieder vertragen.

Bei der nächsten Veranstaltung erlebe ich dann das erste Mal in meinem Leben hautnah, wie einer KO geschlagen wird. Alles hatte sich ganz gut angelassen, meine temporäre Mitbewohnerin war da, ihre Freundin, tolle Musikerinnen, schöne Session. Die temporäre Mitbewohnerin aus den USA ist ausgebildete Opernsängerin mit einem unglaublichen Stimmdruck, unfassbar, was da rauskam. Ihre Freundin spielte wunderbare Folksongs und begleitete sich auf einer eben so wunderbaren Gitarre. Meine Mitbewohnerin sang für uns eine Arie, dass die Fensterscheiben schepperten. Von der Strasse waren ein paar arabische Jungs reingekommen, denen erst mal die Kinnlade runterfiel. Sowas hatten die noch nie gehört, mittlerer Kulturschock. Wir sassen dann noch eine Weile zusammen, lachten, flachsten rum, alles easy und angenehm. Dann löste sich die Versammlung so langsam aus und ich fing an, abzubauen.

Jaime hat wieder sehr merkwürdige Freunde da, darunter ein Typ in Malerklamotten und eine Frau mit stinkenden Dreads bis zum Hintern und stecknadelkopfkleinen Pupillen, offensichtlich total zugedröhnt und natürlich der in der Hausbesetzerszene obligatorische riesige Köter, nicht so nett wie Schatzi. Plötzlich fliegt von draussen eine Flasche gegen die schon geschlossene Tür und zerklatscht mit lautem Scheppern. Jaime ist grade im vorderen Raum am Aufräumen, greift sich einen herumliegenden Zimmermannshammer, reisst die Tür auf und rast hammerschwingend raus. Ich sofort hinterher, draussen die arabischen Jungs, die sofort lautstark beteuern: “Ey, wir waren das nicht, waren zwei Typen die haben Flasche geschmissen”. Ich antwortete, verfalle ganz schnell in Weddingslang: “Ey, glaub isch eusch voll aber bitte Leute, lasst so einen schönen Abend nicht Scheisse enden, wir hatten doch voll Spass zusammen …” dann sage ich zu Jaime: “Mann Alter, tu das Ding weg, bist du wahnsinnig, willst du einen umbringen?” – ich sehe schon die Hammerspitze in irgendeinem Kopf stecken. Er lässt sich den Hammer auch ganz widerstandslos aus der Hand nehmen, das Ding ist zum Glück gleich wieder aus dem Spiel. Ich lege den schnell irgendwohin, bloss weg damit

Aber leider habe ich nicht mit der bedröhnten Frau und ihrem Typ in den Malerklamotten gerechnet. Die waren auch rausgerannt und offensichtlich superaggro und auf Stress aus. Beide fangen an, die arabischen Jungs anzupöbeln. Ich vertraute auf die männliche “Beisshemmung” Frauen gegenüber und gehe dazwischen. Blöderweise kann ich mich aber nicht durchschneiden und während ich mit der Dreadlockfrau beschäftig bin um die zur Ruhe zu bringen, beschimpft ihr Macker einen der Araber. Der steht breitbeinig und stämmig da mit verschränkten Armen und hört sich das eine Weile an. Dann auf einmal kommt ein blitzesschneller Schwinger und der Typ in den Malerklamotten kippt um wie ein gefällter Baum. Ich schiesse rüber und sage: “Alter, bitte, ihr habt gewonnen, okay? Der hat gepöbelt und jetzt ist er k.o. – ey bitte, nicht noch mehr Stress, wir wissen doch alle, was dann geht, Bullen, Ärger, das muss doch nicht sein … “ und tatsächlich sind die arabischen Jungs vernünftig und ziehen mit zufriedenen Gesichtern ab. Feind liegt ja auch am Boden und die Ehre ist gerettet.

Wir sammeln dann den Typen ein, ich trage ein Bein, seine Freundin das andere und Jaime den Oberkörper. Drinnen packen wir ihn auf das Sofa und drehen ihn auf die Seite. Nach einer Weile fängt er an zu schnarchen und scheint also okay zu sein. Ich sehe dann zu, dass ich wegkomme – das ist echt nicht meine Vorstellung von einem angenehmen Ende eines Musikabends!

Am nächsten Tag rufe ich eine der Mädels an und erzähle ihr die ganze Story. Sie meint: “komisch, dass passiert immer nur, wenn du da bist”. Ich muss lachen und sage: “Ja, danke! Ich muss auch immer bis zum Schluss bleiben zum Abbau, du machst dich ja um 23:00 davon und kriegst die Irren gar nicht mit, die dann noch hier einrollen!” Wir reden ziemlich lange, ich will eigentlich aus dem Projekt aussteigen, aber sie meint, Jaime sei ein guter Freund von ihrem Freund und ich hätte ja sicher inzwischen gemerkt, dass er ein massives Drogenproblem hätte, aber er sei kein schlechter Kerl und ich solle der Sache doch noch eine Chance geben. Na gut, denke ich, ist eh nur noch eine Veranstaltung vor der Sommerpause und danach sehen wir weiter.

Das Wochenende danach denke ich, ich könnte ja einfach mal so hingehen, Leute treffen, netzwerken und so. Aber irgendwie habe ich so ein Scheissgefühl dabei, dass ich es lieber sein lasse.

Dann ist die letzte Veranstaltung vor der Sommerpause. Ich komm da an, eine der Ladies fehlt, kein Jaime, hinter der Bar eine Frau mit den traurigsten Augen der Welt, die mir als Jaimes Mama vorgestellt wird. Ich fragte nach der anderen jungen Frau – sie ist ausgestiegen. Kluges Mädel, denke ich. Und Jaime? Er sei auf Mallorca, habe dort kurzfristig einen gut dotierten Job bekommen und müsse den durchziehen, um seine ganzen Schulden zu bezahlen. Scheint mir plausibel, auf der Insel gibt es ja einige reiche Deutsche, die eine Finca oder sowas haben und da ist jemand, der Deutsch und Spanisch spricht und einigermassen arbeiten kann, sicher willkommen. Wenn er dann beim Arbeiten noch weniger zum Saufen oder sonstwas kommt umso besser für ihn, sein Portemonnaie und seine Leber.

Der Abend verläuft ohne weitere Vorkommnisse, keine Schlägereien, kein Streit, superschön, alles gut. Ich habe dieses Mal das Womo vor die Tür gestellt, dann musste ich nachts nicht mehr mit dem Rad nach Hause und kannt so viel Bier trinken, wie ich lustig bin. Also geh ich nach der Veranstaltung noch rüber ins “Bei Ernst”, wo eine Band die Bude rockt und das berühmte eine Bier zu viel konsumiert wird, so dass ich am nächsten Morgen dann mit einem grässlichen Kater in meinem Womo aufwache … autsch, aber selber schuld.

Erst mal fahre ich nach Hause zum Duschen und um wieder unter die Lebenden zurückzukehren. Dann gefällt mir das aber nicht, dass meine ganzen wertvollen Musiksachen da über die Sommerpause bleiben sollen und wenn der Abend vorher noch so chillig und friedlich war. Mein Bauchgefühl will das da alles so schnell wie möglich raus haben. Also fahre ich wieder hin, Jaimes Mama lässt mich rein und ich packe mein ganzes Zeug und schleppe es zurück in meinen Proberaum. Fluchend und schwitzend ganz alleine, später sollte sich das als die beste Aktion ever erweisen. So war diese Galerie dann erst mal für mich gegessen. Im Herbst könnte man dann weitersehen.

Zwei Tage später klappe ich morgens den Computer auf und fange an, die Morgenzeitung zu lesen und denke, mich trifft der Schlag: Riesenschlagzeile “Razzia in der Galerie xy”. Von dem Koffermord hatte ich schon gehört, eine ermordete Frau in einen kleinen Koffer gequetscht, den in einen grossen und alles in die Spree geschmissen. Das war vorher tagelang durch die Presse gegangen zusammen mit Bildern von persönlichen Habseligkeiten der armen Frau, die auch mit drin waren und die ja vielleicht jemand erkennen würde.

Ein Spaziergänger hatte den am Ufer angetriebenen Koffer entdeckt und dachte, vielleicht sei ja was Interessantes drin. War es auch, aber eher nicht so von seinem Interesse. Der Spaziergänger rannte dann schreiend weg, andere Spaziergänger riefen die Polizei und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Nun musste ich lesen, dass dieser arme Mensch im dieser Galerie ermordet worden war und der mutmassliche Täter – ein 38jähriger Mann lateinamerikanischer Abkunft – flüchtig sei. Ich dachte: “Oh mein Gott – Jaime ….???” Andere hatten die persönlichen Gegenstände der Ermordeten erkannt, die Polizei darauf hingewiesen, dass sie sich in dieser Galerie aufgehalten habe und eine Rucksackreisende aus Norwegen namens … sei. So kam es zur Durchsuchung der Galerie und Bingo – die Spuren sagten alles. Ich kontakte die verbliebene Galeristin über Facebook und frage sie, ob mit dem flüchtigen Täter Jaime gemeint sei. Die Antwort ist positiv.

Später werde auch ich als Zeugin geladen und bekomme den Rest der Geschichte mit. Es gab einen Streit zwischen Jaime und der Frau, beide waren wohl nicht wirklich nüchtern dabei und es stand ein Topf mit Kartoffeln rum, wo ein Messer drin steckte. Jaime griff und stach zu. Ein Kumpel von Jaime sass im Nebenzimmer rum und schaute fern. Dann kam Jaime rüber und sagte: “es ist vorbei”. Nun war die Frage – wohin mit der Leiche? Sie schafften sie erst mal in den Keller. Nur hat so eine Leiche die Angewohnheit, nicht lange in dem Zustand zu bleiben, in dem sie sich direkt nach dem Ableben befindet. Also musste die weg. Die beiden Typen packten sie wohl erst zwei Tage später in einen kleinen Koffer, sie passte als sehr zierlicher Mensch so grade rein. Der kleine Koffer wurde in einen grossen Rollkoffer gepackt und dann machte Jaime sich auf den Weg zur S-Bahn, rumpelpumpel übers Kopfsteinpflaster und Berliner Schweinebäuche (so heissen die grossen Gehwegplatten), buckelte den Koffer in die Bahn, fuhr quer durch die Stadt und schmiss ihn dann am Treptower Park in die Spree. Dann machte er sich über Spanien nach Mexico davon und wurde dort durch die internationale Fahnung irgendwann erwischt. Für falsche Papiere hatte er wohl weder Zeit noch Geld gehabt und gehofft, Lateinamerika sei gross genug zum Abtauchen. Nach ein paar Monaten im mexikanischen Knast wurde er nach Deutschland ausgeliefert. Er wurde hier wegen Totschlag zu sieben Jahren verurteilt.

Und ich hatte mit mit dem ein Bier und ein Essen geteilt bei der ersten Veranstaltung! Bei dem Gedanken wird mir immer noch ganz anders.

Fazit: ich bin dankbar für mein Bauchgefühl. Ich neige ja schon zu einer gewissen Blauäugigkeit und Naivität im Umgang mit anderen, aber anscheinend ist da doch noch so eine Art Notbremse in mir installiert, wenn es wirklich ums Eingemachte geht. In dem Zeitraum, in dem die Tat geschehen war, waren noch andere Veranstaltungen in dem Laden. Ich hatte wie vorher schon erwähnt, überlegt, ob ich einfach mal so hingehen sollte, Netzwerke knüpfen, Leute treffen und so weiter. Ich hatte an einem Abend schon fast die Schuhe an, aber gleichzeitig so ein untreirdisch mieses Gefühl, dass ich mich dagegen entschied, so als ob eine innere Stimme zu mir sagt: “Mädel, geh da nicht hin! Das ist kein guter Ort!” Ich bin froh, dass ich auf diese Stimme gehört habe, ich bin froh, dass ich meine Sachen weggeholt habe und dass ich, obwohl es mir megaschwer gefallen ist, diesen Ort losgelassen habe – und wenn ich noch so gerne eine eigene Sessionlocation gehabt hätte. Sonst wäre vielleicht ich in einem Koffer gelandet. Dann spiele ich lieber im schlimmsten Fall alleine zuhause und danke der Schicksalsgöttin Atropos, dass sie meinen Lebensfaden noch nicht abgeschnitten hat.

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Mein neuer Feind und wie ich nach Griechenland kam http://blog.personanongrata.de/?p=333 http://blog.personanongrata.de/?p=333#comments Thu, 10 Aug 2017 12:43:29 +0000 http://blog.personanongrata.de/?p=333 Mein schönstes Urlaubserlebnis …

So wie es aussieht, habe ich es mal wieder ohne jegliches Zutun geschafft, mir so einen richtig guten Feind zu machen. Ich frage mich, wie ich das anstelle, anscheinend tatsächlich nur indem ich ich selber bin und es dabei wage, eine eigene Meinung zu haben, unabhängig zu sein und das auch noch auf Facebook zu posten. Jemand meinte schon zu mir: “Du musst nur überlegen, wie du das Talent irre Leute in kürzester Zeit zu treffen zu Geld machen kannst.” Damit hat er nicht ganz unrecht. Also, der Blog hat einen Spendenbutton, wer mir bisschen Schmerzensgeld schicken möchte …..

… die Story ist folgende:

Ich häng ja schon viel in Facebook ab und bin in X Gruppen, ist einfach so praktisch. Brauchst du was, machst du einen Tausch, suchst du was, fragst du rum und es ergeben sich immer wieder interessante neue Kontakte. Sooooo schlecht ist die Datenkrake dann manchmal doch nicht.

Ich stöbere in meinen Gruppen rum und sehe ein Gesuch: jemand sucht für seinen Kumpel wen mit grossem Auto, der dem Kumpel den Umzug nach Griechenland fährt. Der Deal ist, du stellst das Auto und fährst und dafür gibts die Reisekosten für hin und zurück und 2 Wochen Gratisurlaub im Camper auf dem Gelände des Postenden, direkt am Meer. Grosses Auto habe ich, Lust habe ich auch, Zeit hab ich auch und kostenloser Urlaub ist doch klasse.

Also antworte ich, der Kontakt wird hergestellt. Ich fahre zur Wohnung des Umziehenden, scheint ein total lieber Kerl zu sein, gleichzeitig heftigst chaotisch und ganz schön durch den Wind. Jedenfalls aber so ein Mensch, dass ich es mir vorstellen kann, es mit ihm drei Tage von Berlin bis Griechenland auszuhalten und vor allem scheint er nicht gefährlich zu sein. Wer wacht schon gerne auf und es wird grad sonstwas mit einem gemacht? Alles schon gehabt … bitte nie wieder. Ne Katze hat er auch noch, na das kann lustig werden und die Wohnung ist Chaos hoch Zehn. Ich sage ihm, dass das ganze Zeug nie und nimmer alles reinpasst in den Transit, wenn ich das machen soll, muss noch mal kräftig ausgemistet werden oder er muss doch wen anders mit einem grösseren Auto finden. Sein Flur ist so voll mit Kram, dass die Tür gar nicht richtig aufgeht. Er meint, ja, die ganzen Tüten da, die sollen auf die BSR, aber irgendwie hat ihn da wer hängengelassen oder so. Also sage ich, komm, die Fuhre mache ich dir. Wir verabreden uns für einen Tag, wo ich mehr Zeit habe und dann bringen wir erst mal einen Riesenhaufen blauer Säcke voll mit Elektroschrott zur BSR. Ein Typ neben uns entsorgt auch massig Schrott und schenkt mir eine Kettensäge. Ich freu mich wie Bolle. Wer weiss, wofür die noch mal gut sein wird.

Wir beschliessen, das Auto schon am Tag vor der Abreise zu beladen, dann können wir frisch und ausgeruht durchstarten. Das Einladen ist echt lustig, ein Kumpel kommt noch zur Hilfe und dann ist das Auto – voll. Also, wirklich – VOLL. Und ich meine – RICHTIG voll …. aber in der Wohnung ist immer noch Zeug. Viel Zeug. Ich sage ihm, wenn ich wieder in Berlin bin, dann kümmer ich mich drum. Jetzt im Moment scheiss drauf, jetzt geht’s nach Griechenland.

Später mach ich dann die Wohnung leer und sauber, aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt ruft die südliche Sonne.

Die Katzenbox kommt zwischen uns auf den Vordersitz und los geht’s. Die Katze zieht es aber vor, nicht in ihrer Box zu wohnen, sonden wie der Blitz im Umzugsgut zu verschwinden. Da bleibt sie erst mal die nächsten Tage und keucht asthmatisch-panisch von oben auf uns runter. Der Katzenbesitzer macht sich voll die Sorgen, dass das arme Vieh einen Herzklaps kriegt, ich bin da gnadenloser – Katzen sind zäh und irgendwann wird die sich schon wieder einkriegen. Vielleicht bin ich auch einfach nur herzlos, aber mir jetzt noch um die Katze Gedanken zu machen würde mich echt überfordern. Mir reicht schon, mich ums Auto, Route und Fahren zu kümmern. Ich hab noch die Bremsen machen lassen, TÜV neu, Komplettcheck, und und und. Das alles neben dem daily life and work, nen Laden habe ich ja auch noch und meine Musik und und und … bin die letzten Tage vor der Abreise echt rotiert. Ich möchte uns beide und den ganzen Krempel als alleinige Fahrerin heil von Berlin nach Griechenland bringen, also muss ich mit meiner Energie haushalten.

Die Reise ist richtig lustig. Ich geh jetzt mal nicht ins Detail, aber wir haben wirklich Spass. Wir verstehen uns super und irgendwann kommt sogar die Katze fast bis nach vorne und peilt zwischen den Kisten raus. Die erste Etappe ist eine Stadt in Süddeutschland, wo ich bei einem sehr lieben Verwandten eine kostenlose Übernachtung klargemacht habe für uns beide. Als wir am nächsten Morgen weiterfahren wollen, vergessen wir das Katzenfutter oben auf den Kisten. Das Zeug nach der ersten Bremsung von mir runterzumachen ist nicht so das Ding, aber alles aus der Fensterdichtung wieder rauszukriegen ist dann schon etwas aufwändiger.

Dann weiter nach Italien, wo wir erst mal von superunfreundlichen Carabinieri aus dem Verkehr gefischt werden und auf die Waage müssen. Die sind richtig sauer, als wir kein Übergewicht haben und auch sonst alles in Ordnung ist, Auto, Papiere, alles. Doof, oder? Da können die uns gar nix und müssen uns ziehen lassen. Immerhin haben sie die kleine Genugtuung der Schikane und dass sie uns zwingen können, das Wiegen auf der Stadtwaage für LKWs auch noch selber zu zahlen.

Irgendwann ist der Tag vorbei und wir suchen uns ein kleines Hotel. Ich möchte gerne in einem Bett schlafen und gut ausgeruht fahren und die Katze soll auch mal aus der Box rauskönnen. Wir finden was, billig, angenehm und schlafen ganz wunderbar, sogar die Katze kommt aus der Box. Allerdings haben wir dann viel Freude, sie am nächsten morgen unter dem (natürlich fest an die Wand geschraubten) Bett wieder vorzukriegen.

Von Ancona aus gibt es keine Fähre mehr, alles ausgebucht, wir bekommen aber die Info, dass in Bari eine fährt wo wir noch was buchen können. Also fahren wir weiter nach Bari. Die Spritpreise in Österreich und Italien auf der Autobahn und die Gebühren sind echt unfassbar, ich komme mir vor wie ein Portemonnaie auf Beinen. Mein Umziehender hatte mir 1000,- überwiesen für die Fahrt hin und wieder zurück und ich den ganzen Schotter abgehoben und in die Reisekasse gepackt mit allen Papieren, die man so braucht, grüne Karte, internationaler Lappen, Reisepass, man weiss ja nie. Ist in der EU ja eigentlich nicht nötig, aber es gibt leider nicht nur in Bayern Polizisten, die gerne Ausländer schikanieren. In Italien haben wir ja schon die erste Kostprobe bekommen, wer weiss, was da noch folgt. Ich habe das Gefühl, die Kohle schmilzt, vielleicht hätte ich mir doch ne Klimaanlage holen sollen. Nächstes Mal, ich schwöre, fahre ich Landstrasse. Aber jetzt, mit dem knallvollen Auto, was man beim Fahren auch echt merkt, will ich einfach nur vorankommen. Also Autobahn und gib ihm – und bei Vollgas schluckt der dann natürlich auch nicht schlecht, so klickern die Euros durch den Auspuff, auch wenn es eigentlich ein sparsamer Diesel ist. Jedes Auto, das getreten wird, fängt an zu saufen, so ist das halt. So schaffen wir die Fähre in Bari relativ locker abgesehen von einigen kleinen Stresskrisen meinerseits (ahhhh wir sind hier falsch ahhhhh wir verpassen die Fähre ahhhhhh), als wir den Hafen nicht gleich finden. Aber dann haben wir es geschafft, checken ein und sind auf der Fähre.

Wegen der Katze und der Ruhe nehmen wir eine Kabine, wieder ein Haufen Kohle weg, kostet ordentlich extra, aber auch das finden wir beide völlig ok. Auto und zwei Leute und Schlaf und Ruhe, schliesslich fahren wir richtig lang mit der Fähre, so 13 Stunden sind das schon. Die Katze stopfen wir in ihre Box und diese in eine grosse Sporttasche mit Jacken drauf. Der Steward zeigt uns die Kabine, auf einmal kommt aus der grossen Sporttasche ein lautes “Miau”. Mein Mitreisender: “Scheissklingelton, muss den mal ändern”. Ich pinkel fast ein vor unterdrücktem Lachen und habe allergrösste Mühe, mein Gesicht völlig ausdrucklos-neutral zu lassen und zu sagen: “Ja…”. Später erzähle ich die Szene meiner Mitbewohnerin und wir liegen schreiend und gröhlend vor Lachen über dem Küchentisch.

Wir kommen in Patras an und von da sind es noch 80km. Wir finden dann endlich das Haus und sind da. Die ganze Hinfahrt hat jetzt ca. schon 700,- gekostet. Ich mach mir bisschen Sorgen wegen der Kohle für die Rückfahrt, die 300,- Rest reichen sicher nicht, aber ich denke, der Typ ist so nett, das wird er mir schon geben. Wenn alle Stricke reissen, habe ich immer noch meine Kreditkarte.

Sein Kumpel mit Frau und Sohn erwarten uns, er hat ja das Haus für meinen Umziehenden klargemacht. Ich bin ziemlich durch von der Fahrt, will einen Witz reissen und sage: “Hey, ich habs geschafft, die ganze lange Strecke und keinen umgebracht, ich will jetzt Ruhm und Ehre, los, her damit.” Der Kumpel bricht in Gelächter aus und ich (blöd wie ich bin) denke, er versteht meinen Humor. Inzwischen denke ich, der hat mich wohl eher ausgelacht so nach dem Motto: was will die Alte, auch noch ein Lob? Attention Whore? Dann laden wir aus. Ich helfe erst und stehe dann son bisschen rum wie bestellt und nicht abgeholt. Eigentlich würde ich lieber bei meinem Mitreisenden bleiben und nicht bei dem Kumpel, der ist mir nicht so ganz geheuer. Macht den Eindruck von bisschen verlebt, Altrockerstyle und wassweissichnoch in seinem Leben, auch kommt er krass hochnäsig rüber. Anyway, nicht mein Problem und jeder braucht halt seine Fassade. Aber ich mag meinen Mitreisenden und will mich gar nicht von ihm verabschieden. Und das Haus gefällt mir auch, da ist ein kleines Zimmerchen, da steht schon fast mein Name dran. Nur ist es grade voll mit Kartons. Es ist unfassbar, was wir in den kleinen Transit alles reingekriegt haben.

Ich frage meinen Mitreisenden einfach, sage ihm, ich würde lieber bei ihm bleiben, ob das möglich wäre? Sonst würde ich mir mit meinem Bus einen anderen Ort suchen bzw. Campingplatz oder was weiss ich. Ich möchte nicht zu seinem Kumpel, da stimmt die Chemie nicht. Ich habe ja alles, was man zum Reisen braucht, im Bus. Jetzt ist er leer, ich kann meine Matte ausrollen, eine Kiste mit Kochkram etc. Campinggas und was man noch so braucht, habe ich auch. Auch auf dieser Reise habe ich es gehalten wie im grössten Teil meines Lebens: Sei frei und unabhängig, lass dich nicht einwickeln, sei autark. Ich kann jederzeit gehen bwz. fahren und habe auch kein Problem damit, Griechenland alleine zu erkunden. Später mache ich das dann auch tatsächlich auf der Rückreise durch die griechischen Berge und den Balkan und habe viele tolle Erlebnisse. Aber das ist eine andere Geschichte.

Er sagt, klar kannst du bleiben, ich sage, wirklich, das Zimmer ist doch ganz voll. Er meint, das ist auch genau so schnell wieder leer. Also bleibe ich. Im Lauf der nächsten Tage räumen wir rum, ich schliesse die Waschmaschine an und helfe so gut ich kann. Macht Spass. Wir verstehen uns wirklich super. Die WG ist gegründet. Wir werden Freunde. Ich verabscheue inzwische grosse Teile meines Lebens in Berlin und freue mich über die vielen neuen Möglichkeiten, die sich auftun, wie z.B. ein zweiter Wohnsitz in Griechenland.

Er hat mit seinem Kumpel ein gemeinsames Projekt vor und meint, ich könne doch da auch mitmachen. Ich habe da so meine Zweifel, denn ich spüre, dass sein Kumpel mich ablehnt. Warum auch immer ist mir egal. Ich stehe auf dem Standpunkt: das ist dein Freund und nicht meiner, musst du wissen, ich bleibe neutral. Ich sage: “Klar könnte ich da einen Beitrag leisten, habe 1000 Ideen, schliesslich habe ich mal was Passendes für die Rolle, die ich spielen würde, studiert. Aber ich glaube kaum, dass dein Kumpel davon begeistert ist, mich mit im Boot zu haben, wetten?” Und ich habe recht. Als mein Freund meine Mitarbeit vorschlägt, dreht der Kumpel total frei. Macht mich völlig runter, abfällig-ausfällig, abwertend usw. Ich erfahre davon, denn wir zwei beide verstehen uns inzwischen wirklich super. Und ich erfahre auch, dass das Gehetze gegen mich schon von Anfang an geht und mein armer Freund da echt zwischen den Stühlen gehangen hat, vor allem, weil ich seinem Kumpel noch Zeug mitbringe und auch sonst jederzeit zu einem Gefallen bereit wäre. Ich habe nichts gegen den, ich merke halt nur, dass zwischen uns die Chemie nicht stimmt. Also halte ich mich raus, ist sein Kumpel und nicht meiner. Allerdings, nach vorne nett sein und hintenrum hetzen finde ich ziemlich daneben.

Ich bin schon das zweite Mal in Griechenland, habe Berge von Sachen für den gemeinsamen Haushalt mitgebracht und auch Sachen, um mein Zimmerlein besser einzurichten, für das ich auch Miete zahle. Wir sind beide so drauf, dass wir versuchen, fair zu sein und alles gerecht zu verteilen. Und dazu gehören auch die Lasten – mich irgendwo einnisten und rumschmarotzen ist nicht meins.

Mein Freund erzählt mir dann, wie schon gesagt, ziemlich empört, was sein Kumpel so über mich abgelassen hat … dass der mich abgesehen von anderen schmeichelhaften Dingen noch für total unfähig hält, das mag ich nicht auf mir sitzenlassen und poste auf Facebook ein paar links zu einer meiner Seiten, wo viel von meinem Filmschaffen drauf ist, unter anderem SFX mit Donnersmarck und andere “amtliche” Jobs, auch links zu meinem Musikprojekt, zu meinem HdK-Diplom, meinem selbst und komplett alleine aufgebauten Business, von dem ich lebe (ohne Startkapital oder Bank, nur mit Hand und Hirn). Paar Minuten später, nach einem Zeitraum, der mit Sicherheit nicht dazu ausreichte, sich wirklich mit all den Dingen zu beschäftigen die ich in diesem Leben schon gerissen habe, dann dieser liebreizende Beitrag hier:

Ich habe dem Typen wirklich NICHTS getan, ich hab den nicht mal direkt in meinem Post angesprochen oder irgenwie erwähnt. Ich war zweimal mit meinem Freund bei dem zum Essen eingeladen – vielleicht hab ich da zu schnell gefressen oder so – hätte wohl vorher besser noch ne Stulle gegessen, damit ich nicht mit so einem Hunger zur Essenseinladung komme?

Einige der einfachen Sachen, die ich da zusamengebastelt habe, waren im Team von Sebastian und Florian von Donnersmarck, Florian hat dann mit seinem nächsten Projekt einen Oscar gewonnen. Aber stimmt eigentlich, so ne Scheiterhaufen zum Hexe rösten ist eigentlich kein Ding. Bisschen Holz zusammenschmeissen und anzünden und rauf mit mir … und Grafik kann ja heutzutage eh jede, die einen Computer mit Paint hat. Möbel bauen ist eh Standard und schnitzen und so …

Dass jeder halbwegs normale Handwerker mit einem HdK(UdK)-Diplom mit “Sehr Gut” in der Tasche rumläuft, Visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Werbung (Klasse Uwe Vock bis Vordiplom, Erstellen von grossen Produktkampagnen von Anfang an bis zur kompletten Vermarktung) Fotografie und Design für den kulturellen Bereich Klasse Matthies bis zum Diplom, davon hab ich noch nichts gehört, aber vielleicht ist das ja inzwischen Standard, die Bildungsabschlüsse werden ja immer höher hier in Deutschland.

Ich habe nie versucht, mich in das Projekt “reinzudrängen”, habe meinem Freund von Anfang an gesagt: das wird nix mit deinem Kumpel, lass mal, ich bin mir da relativ sicher, dass der alles andere als erfreut sein wird, wenn du mich da mit ins Boot holen willst. Aber natürlich habe ich Ideen gesponnen, macht ja Spass. Dass nur aufgrund dessen, dass mein Freund mich mit reinholen wollte, der andere so auskreist, dass er ihm quasi die Freundschaft kündigt und das Projekt gar nicht mehr machen will, finde ich schon ein starkes Stück – aber ich bin dann auch noch daran schuld und habe ihm die Möglichkeit genommen, seinen Lebensunterhalt zu verdienen? Wie denn, durch meine Anwesenheit?

Ich habe nie Geld von meinem Freund genommen, was nicht für Fahrtkosten usw gewesen wäre, ich zahle im griechischen Haus Miete und das Essen kaufen wir gemeinsam. Meinen Rotwein zahle ich selber … abgesehen davon dass in ner Gans keiner drin ist. Und hörig? Grundgütiger, das Wort kenne ich aus schlechten Romanen … aber ich bin ja doch bisschen geflasht davon, dass einer meine hypnotischen Fähigkeiten für so krass gut hält, dass ich einen erwachsenen Mann innerhalb von ein paar Wochen in ein meinungsloses Kuscheltier verwandeln kann. Geil. Das versuche ich jetzt auch mal bei meinen anderen Freunden. Ob das bei Frauen auch geht?

Der Kumpel hatte mich gefragt, ob er paar Sachen zu mir schicken kann, die ich dann nach Griechenland mitbringe, drei Kartons kamen rechtzeitig, zwei hingen blöderweise bei den Nachbarn fest und mein Mitarbeiter konnte die erst “erobern”, als ich schon losgefahren war – eigentlich ziemlich peinlich für ihn wenn rauskommt, dass er schon die ganze Zeit hintenrum krass über mich abgezogen ist, aber gleichzeitig um Gefallen bittet. Aber was solls. Wenn ich dann wieder in Berlin bin und er hat seinen Scheiss noch nicht holen lassen, kann ich mich ja dann mit flüssigem Süssstoff besaufen.

Manchen Leuten tut die südliche Sonne auf Dauer anscheinend doch tatsächlich nicht so gut.

So und es geht weiter. Hier ein paar Auszüge aus den Kommentaren des liebreizenden Herren:

…”Du baust E-Gitarren aus China Müll zusamen und bildest dir darauf hin auch noch was ein. Deine Internetseiten der letzte Dreck und das soll einen Referenz sein für eine große Firma ? Na den kannst du haben. Mal sehen wer hier vor Ort mehr Kontakte hat und dir hier das leben so richtig vermiesen kann. Dann freue ich mich hier mal auf deinen nächsten Besuch.”   …”In Griechenland wird das nicht, da gebe ich dir mein Wort. Egal wo du hinziehst und ein Business aufmachen willst, ich spucke dir da in die Suppe.”

Hier der link zum Thema Bau aus Chinamüll: https://www.facebook.com/pg/KRASSEGITARREN/photos/?tab=album&album_id=1325603327521318

Ansonsten, was soll man dazu noch sagen? Ich habe jetzt mal meine Meinung geändert und seine Kommentare freigeschaltet. Macht euch selber ein Bild …

Und hier noch ein Schmankerl einer seiner Befreundeten:

Dazu kann ich nur sagen: ich nehme keine Drogen, ich befördere keine Drogen, zur Zeit trinke ich nicht mal mehr Alkohol … ach ja …

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Take a Walk on the Wild Side http://blog.personanongrata.de/?p=324 http://blog.personanongrata.de/?p=324#respond Tue, 01 Aug 2017 18:46:31 +0000 http://blog.personanongrata.de/?p=324

Zeit

 

Ich sitz im düstren Schatten
Der Wirklichkeit
Träume die wir hatten
Verloren in der Dunkelheit
Es legt sich über meine Seele
Wie der Herbst aufs Land
Kaltes Licht es flimmert
Weit entfernt am Wolkenrand

Zeit du Zeit ich hasse dich
Einst dacht ich du seist ewiglich
Auf immer mein und unendlich
Vergingest nie, seist nur für mich

Schatten bringt die Kälte
Legt sich um meinen Geist
Wollt wandern durch die Welten
Gelähmt bin ich, verwaist
Es trübt den Spiegel meiner Seele
Wie der Wind den See
Ahnt ich niemals dass ich fehle
Und manches Ding nicht weitergeht

 

 

Zeit du Zeit…

 

 

 

 

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GULA http://blog.personanongrata.de/?p=311 http://blog.personanongrata.de/?p=311#respond Tue, 01 Aug 2017 16:17:47 +0000 http://blog.personanongrata.de/?p=311

Der Fisch war zu dick für den Schlund.

Eine der sieben Todsünden, die GULA (Völlerei, Gier, Gefrässigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht). Im Konzept der Todsünde zählt nicht das Gefühl an sich als die Sünde, sondern das, was man daraus macht. Aber manchmal kann einem das dann auch einfach selber zum Verhängnis werden, wenn der Fisch dann einfach eine Nummer zu gross ist für den Schlund …

An der Gier erstickt.

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Facebook, Jungs und die Coolness des Boxpuffs http://blog.personanongrata.de/?p=303 http://blog.personanongrata.de/?p=303#comments Mon, 17 Jul 2017 11:39:07 +0000 http://blog.personanongrata.de/?p=303  

 

“Rotlichtselfie” ©M. Hartmann

Grade habe ich jemanden “entfreundet”, weil er als Titelbild den eindeutigen Eingang eines berühmten Hamburger Etablissements verwendet hat. Ich war bei der Entfreundung auch nicht sehr freundlich.

Hier ist der Grund mal genau erklärt:

Im Keller dieses Ladens wurde früher geboxt und einige berühmte Boxer verkehrten da. Schätze mal, die haben da nicht nur geboxt …

Als ich ein Kind war, war jeglicher Kampfsport für Frauen verboten, selbst “harmlose” Sportarten wie Judo. Irgendwann wurden die Gesetze geändert und es durften dann auch Mädchen ins Judo gehen. Ich fing an, als ich 10 war und wurde sehr schnell richtig gut. Selbst grössere und ältere Jungs lagen auf der Matte – gegen ihren Willen.
Ich war eine richtige kleine Kämpferin, vor jedem Turnier konnte ich kaum einschlafen vor Aufregung, ich liebte die Spannung und den Kampf, ich erkämpfte Medaillen, Pokale, Preise und war jedesmal stolz wie Bolle. Ich raufte unfassbar gerne, niemals aber Prügeleien im Ernst, das fand ich schrecklich. Doch für jede Spassbalgerei war ich zu haben, gerne über Stunden. Im Judo war ich ehrgeizig, ich wollte trainieren, kämpfen, gewinnen. Jedesmal wenn ich etwas Neues schaffte wie z.B. eine Flugrolle über 10 (!!!) nebeneinandergepackte Sportskolleg*innen, war ich das glücklichste Kind der Stadt. Ich hätte auch gerne härter gekämpft, vielleicht sogar geboxt, aber dieser Sport war nach wie vor für Mädchen per Gesetz verboten.

In dem komplett neuen Club waren sehr viele Mädchen. Der Obertrainer und Clubbetreiber war ein Enddreissiger mit tiefen Falten um den Mund, einem Vokuhila, gerötetem Gesicht, grobporiger Haut und öfter mal einer Alkoholwolke um sich rum. Wir liebten ihn trotzdem, auch wenn komische Gerüchte um ihn im Umlauf waren. Er war halt unser Trainer, der sich um uns kümmerte – und grade ich als Kind ohne Vater war natürlich völlig geflasht von einem Mann, der sich um uns kümmerte. Ich liebte auch seine Umarmungen, das Kuscheln mit ihm und den anderen männlichen Trainern, ich hatte da eben ein riesiges Defizit. Grosse Männer, die mir was beibringen, mit mir schmusen und gut riechen! Ich war hin und weg. Ich liebte auch die anderen Kinder und den Verein, ich gehörte dazu. Sonst war ich eine totale Aussenseiterin, aber das ist eine andere Geschichte. Hier gehörte ich dazu, war ein Kind unter anderen und glücklich, ehrgeizig, aktiv, selbstbewusst.

Zurückblickend denke ich heute, dass der Obertrainer einfach diese Megachance ergriffen hatte, eine komplett neue Zielgruppe relativ konkurrenzlos erschliessen zu können: nämlich Mädchen. So konnte er als ziemlicher Looser mit einem Alkoholproblem plötzlich zum anerkannten Sportler aufsteigen, der es nicht nötig hatte, selber zu gewinnen auf den Turnieren, er liess halt seine Pferdchen laufen. Er wurde zum respektierten Clubbesitzer und ich schätze mal, verdient hat er auch nicht schlecht. Dazu kamen noch andere Annehmlichkeiten, die manche Männer sich nehmen, wenn sie es mit jungen Mädchen zu tun haben. Oder vielleicht sogar genau deshalb was aufbauen, wo viele junge Mädchen mitmachen …

Meine Leistungen interessierten auch niemanden so richtig, meine Gefühle auch nicht. Meine Mutter kam nie mit zu den Turnieren um mich anzufeuern. Als ich stolz auf meinen trainierten Körper und meine Muskeln war, sagte sie nur verächtlich: “wie unweiblich”. Einen kümmernden Vater hatte ich nicht. In der Schule wurden die sportlichen Jungen gelobt über den grünen Klee und uns allen als Vorbild hingestellt auch für ausserschulische Leistungen wie z.B. Boxen – meine Leistungen innerhalb und ausserhalb der Schule wurden nicht mal wahrgenommen, geschweige denn irgendwie positiv bewertet. Ich aber machte weiter, trotz fehlender Unterstützung und Anerkennung, denn der Sport was das Wichtigste in meinem Leben und der Verein auch.

Meine Mutter realisierte das schon ganz gut – immer wenn ich eine schlechte Klassenarbeit schrieb, verbot sie mir, zum Judo zu gehen. Einmal durfte ich einen ganzen Monat lang nicht zum Training. Sie hatte versprochen, dass ich wieder hingehen darf, wenn ich in der nächsten Klassenarbeit eine gute Note schreibe. Also büffelte ich und schaffte eine gute Note. In der Gewissheit, dass sie ja gesagt hatte, eine gute Note, rannte ich zum Judoclub, bezahlte den Vereinsbeitrag von meinem Taschengeld und trainierte. Ich war wieder glücklich, strahlte, sagte: “Ich habe eine gute Note geschrieben, dann darf ich ja wieder.” Ich hatte meine Freunde wieder und alles, was mich stolz und glücklich machte.

Dann kam ich nach Hause, merkte gleich, oh, mal wieder schlechte Stimmung, fragte erst mal: “Mami, ich habe eine gute Note geschrieben, jetzt darf ich doch wieder ins Judo, oder?” Meine Mutter antwortete: “Nein, du musst erst noch eine gute Note schreiben.” Ich war gearscht – ich war ja schon da gewesen und hatte allen strahlend erzählt, ich kann wieder trainieren. Wie peinlich, wenn ich jetzt sagen müsste, nee, doch nicht. Und meiner Mutter sagen, ich war schon da? Never ever …
Ich wusste genau, wenn ich ihr gesagt hätte, dass ich aber schon da war weil ich mich auf die Einhaltung der von ihr gestellten Bedingung verlassen hatte, da würde sie ausrasten … ich kannte meine Mutter. Also log ich.
Ich erzählte ihr beim nächsten Trainingstermin, ich würde rausgehen, spielen. Das durfte ich ja – mich rumtreiben, stundenlang lesen, faulenzen, kein Ding. Nur das einzig Sinnvolle in meinem Leben, das durfte ich nicht, denn damit konnte sie mich treffen und das wusste sie. So erzog sie mich nicht nur zur Passivität und zum Konsumismus, sondern auch zur Lügnerin. Meine Gefühle für den Sport und den Verein waren einfach zu gross, ich brannte lichterloh und war nicht in der Lage, darauf zu verzichten. Es war das Einzige, was ich hatte!

Ich trainierte nicht jeden Tag, denn das hätte mehr Geld gekostet und das wollte meine Mutter nicht ausgeben und ich hatte ja selber nichts als ein Kind. Trotzdem gewann ich bei den Landesmeisterschaften die Bronzemedaille – Silber und Gold gingen an meine Trainerinnen, die beide älter und grösser waren als ich, schon Jahre länger trainierten und höhere Gürtel hatten. Ich war an der Untergrenze meiner Gewichtsklasse, halt die 100 Gramm drüber, die man nicht mehr weggeschwitzt und rausgepullert bekommt, und die beiden mussten vor dem Kampf noch rennen und pullern gehen, damit sie die Gewichtsklasse so ganz knapp schafften. Leider spielt eben Gewicht eine ziemliche Rolle im Kampfsport, sonst gäbe es ja keine Klassen, aber ich schätze mal, mit Förderung, täglichem Training und Anerkennung hätte ich selbst die von der Matte gefegt. Die trainierten halt jeden Tag und waren die Zugpferde des Vereins fürs Renommée nach aussen. Aber es gingen auch komische Gerüchte rum über das Verhältnis einer zum Obertrainer.

Ich wurde älter, plötzlich war es nicht nur mehr eine Clubregel, dass bei Turnieren unter dem Judoanzug ein Gymnastikanzug getragen wird, sondern eine Notwendigkeit. Ich erinnere mich daran, wie auf einmal unter meiner Brustwarze ein schmerzhafter kleiner Knopf war, den ich durch den Jackenausschnitt auch sehen konnte. Das gefiel mir überhaupt nicht, aber so war das nunmal. Ab sofort Badeanzug drunter – mir einen Gymnastikanzug zu kaufen, dafür war meine Mutter viel zu geizig.

Auf einmal wurden die kleinen Rangeleien mit dem Obertrainer und Besitzer des Clubs anders. Kleine Küsse trafen mich überall, der Griff wurde immer fester um meine Hüften und meine Rückseite, seine Hände waren plötzlich überall, aber immer so geschickt, dass es nach aussen niemand mitbekam.
Ich wollte nicht mehr raufen, aber er war natürlich grösser, stärker, ein erwachsener Mann und dazu einer, der den schwarzen Gürtel hatte. Ein schmales Mädchen hatte da keine Chance, sich aus seinem Haltegriff zu befreien.
Ich war geschockt.
Ich liess mich nicht mehr auf Rangeleien ein, zog mich zurück, hatte auch schon die Interesselosigkeit des Obertrainiers an mir immer mehr gespürt, desto öfter ich nicht mehr mit ihm “Bodenrandori” machen wollte. Meine sportlichen Leistungen interessierten auf einmal nicht mehr.

Irgendwann habe ich dann aufgehört mit dem Judo, eher verzichtete ich auf alles, was mir etwas bedeutete, als mich flachlegen zu lassen, dazu war ich zu stolz. Ich hätte mich gefühlt wie eine Hure – never ever! Mich begrabschen lassen und irgendwann vielleicht sogar die Beine breit machen müssen, damit ich weiter kämpfen kann? Niemals, lieber würde ich sterben.

Ich erinnere mich an das Gefühl der völligen Trostlosigkeit, des riesigen schwarzen Loches in meinem Herzen, der völligen Leere in mir, als ich aus dem Club herauskam, nachdem ich gesagt hatte, dass ich nicht mehr komme. Ich war innen wie tot, ich konnte nicht mal weinen. Ich hatte vom Siegen geträumt, von Ruhm, von Preisen, von Zugehörigkeit … all das musste ich begraben, meinen “Clan”, meinen Verein, weil ich nicht bereit war, mich dafür ficken zu lassen. Und niemand versuchte, mich zurückzuhalten, der Obertrainer verabschiedete sich nicht mal richtig von mir. Er hatte wohl den anderen gesagt, ich sei zu faul …

Einen anderen Club, wo ich hätte weitermachen können, gab es nicht und die anderen Kampfsportarten waren für mich ja nach wie vor verboten oder es gab noch keine Clubs, die dann auch Mädchen genommen hätte. Vielleicht in der nächsten Grosstadt wäre einer gewesen, aber dazu braucht man Geld und Unterstützung von Erwachsenen und die hatte ich nicht. Also war es das dann, trotzdem ich alles hatte, was ich für eine Sportlerkarriere gebraucht hätte – Kampfgeist, Mut, Ausdauer, Bereitschaft zu harter Arbeit. Die andere von uns drei “Guten”, die ging dann in die nächste Grossstadt – ihre Eltern unterstützten sie. Die dritte, um deren Verhältnis zum Trainer die Gerüchte rankten, hat dann im Sport Karriere gemacht. Und zwar richtig!

Viel später in meinem Leben wurde dann tatsächlich Frauen erlaubt, zu boxen – 1995! Man stelle sich das vor – erwachsenen Menschen wird ein Sport verboten, im “modernen Zeitalter”. Nach wie vor einzig und allein aus dem Grund, dass sie einen etwas anderen Körper haben. Ich suchte mir einen Boxclub und war fassungslos, wie geil das ist, wieviel Spass das macht, was für ein toller Sport! Unser Trainer schonte uns nicht, trieb uns gnadenlos bis an jede Grenze und darüber hinaus. Er hielt mich für 10 Jahre jünger als ich tatsächlich war und wollte mich gleich in den Ring schicken. Nach den Training war ich glücklich, alles Böse raus aus mir, ich war topfit, gesund und happy. Aber in den Ring konnte ich nicht mehr – zu alt. Mein Trainer konnte es gar nicht glauben.
Beim Amateurboxen gibt es für alle, Männlein wie Weiblein die Altersgrenze, da das Verletzungsrisiko einfach zu stark steigt, und Profitesse wollte und konnte ich nicht mehr werden. Inzwischen hatte ich eben meine Karriere auf anderen Dingen begründet und musste ja von irgendwas leben, auch ist es aus meiner Sicht Quatsch, gegen 10 bis 20 Jahre Jüngere anzutreten und dann tatsächlich gravierende Schäden davonzutragen, nur weil man es “noch mal wissen” und den verweigerten Chancen hinterherhecheln will. Es gibt eben Dinge, die sind irgendwann weg, sie sind dir für immer weggenommen, so bitter und gemein das auch ist.  Ich boxte dann eine Zeitlang um des Trainings und der Sparringskämpfe willens, bis ich mich wegen Tennisarmes zwischen Musik und Sport entscheiden musste und Musik war mir wichtiger.

Ich hatte, kurz bevor ich endlich legal boxen durfte (noch Regina Halmich musste übrigens mit Kickboxen anfangen und beschwindelte zu Anfang ihre Eltern, dass die den Sportverein zahlten), eine Riesendiskussion mit meinem damaligen Freund. Ich regte mich darüber auf, dass ich nach wie vor als erwachsener Mensch nicht tun und lassen kann, was ich will in einer Sache, die meiner Meinung nach keinen was angeht. Sport ist ja schliesslich kein Verbrechen!

Er meinte: “Ja, aber das ist doch zum Schutz der Frauen, schau doch mal, in was für ein Milieu die dann reingeraten könnten, voll Rotlicht und so.” Ich: “Achso, aber Hure werden ist okay, dagegen gibt es kein Gesetz sobald man volljährig ist! Sich ficken zu lassen, weil man keine Kohle hat und vielleicht sogar wegen des Geschlechtes keine Sportlerkarriere hat machen können und deshalb keine Kohle hat trotz hochtalentiert, ehrgeizig und gut, das ist dann in Ordnung?
Einen bestimmten Sport treiben ist auch für volljährige Menschen verboten?
Und wenn es ein harter Sport ist, ist doch meine Sache, ob ich mir die Fresse polieren lasse oder nicht, als Erwachsene bin ich für mich selber verantwortlich und niemandem Rechenschaft schuldig! ICH lauf doch dann mit der Boxernase rum, das geht doch keinen was an – wem es nicht gefällt, der soll halt wegsehen, sonst sind die Leute doch darin sehr gut, z.B. beim Thema Missbrauch und sexuelle Gewalt!

Er wurde recht kleinlaut und meinte: “Naja, so gesehen hast du ja recht, das Schutzargument ist bei Licht betrachtet wohl absurd und Sportlerin ist schon besser als Nutte …”

 

Also Jungs, wenn ihr es weiterhin supercool findet, einen Hamburger Boxpuff als Titelbild zu nehmen, braucht ihr euch wohl über meine Wut und Verachtung nicht zu wundern… und im echten Leben – ja, deine Gitarre würde ich nicht reparieren, sondern dich bei mir achtkantig rauswerfen, wenn ich mitbekomme, wer du bist.

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Be Faster … http://blog.personanongrata.de/?p=299 http://blog.personanongrata.de/?p=299#respond Sun, 02 Jul 2017 13:14:35 +0000 http://blog.personanongrata.de/?p=299 stierFoto: ©M. Hartmann

Du gehst hin zum Stier, ziehst ihn am Schwanz, haust ihm auf den Arsch. Irgendwann wird der sauer, dreht sich um und geht auf dich los. Und dann rennst du.

 

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Engel http://blog.personanongrata.de/?p=297 http://blog.personanongrata.de/?p=297#respond Sun, 02 Jul 2017 13:11:41 +0000 http://blog.personanongrata.de/?p=297 Foto ©M. Hartmann
Ich setze den Fuss in die Luft
Und wandere
Über den Regenbogen
Durch die Wolken
Die Nässe auf meinem Gesicht
Blind im Nebel
Bis die Sonne mich blendet
Verbrennt mein Federkleid
Die Hitze
Ikarus warum folgte ich dir

Ich sehe keine Engel
Ich sehe nur was ist
Welt und Schmerz und Leid und Lust
Ich sehe wer du bist

Sturz so tief auf den Grund
Harter Schlag
Unter die Grenze des Wassers
Tief hinein
Die Nässe in meiner Kehle
Stumm im Dunkel
Bis das Wasser mich ertränkt
Durchdringt all meine Häute
Die Kälte
Neptun warum folgte ich dir

Ich sehe keine Engel…

Feuer Wasser Luft und Erde
Hab ich all gespürt
Empfing die Wonne nahm den Schmerz
Wie es mir gebührt
Die Reise ist mein Leben
Die Reise ist mein Tod
Satt gehungert stumpf gefühlt
Gib unser täglich Brot

Ich sehe keine Engel…

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Der Stuhl auf dem Kopf oder aus dem Weg blöde Kuh! http://blog.personanongrata.de/?p=242 http://blog.personanongrata.de/?p=242#respond Wed, 21 Dec 2016 19:29:02 +0000 http://blog.personanongrata.de/?p=242 Wie transportiere ich am besten einen sperrigen und schweren Schaukelstuhl? Ganz einfach – Sitzfläche auf den Kopf, Lehne nach hinten und schon kann ich einigermassen grade gehen, die Lehne liegt auf dem Rucksack auf und so wird nicht mal mein Haarknoten ruiniert 😀 da die Sitzfläche im perfekten Winkel für Balance und Frisur weich und angenehm auf meinem Schädel sitzt. Ist immer noch schwer, aber lange nicht so lästig wie einen sperrigen schweren Gegenstand mit Armkraft und schiefem Kreuz schleppen zu müssen. Ich geh die Oderberger runter Richtung mein Auto, um das Ding einzuladen. Bisschen habe ich das Gesicht gesenkt, macht sich besser mit der Balance und dem steifen Nacken fürs Gewicht, also kann ich nicht sehr weit nach vorne schauen. Ich verdrehe die Augen nach oben und sehe in ca. drei Metern Entfernung einen Mann, gut gekleidet im Wintermantel, bürgerlicher Typ und nicht nach Aso aussehend, der mir entgegenkommt und schnurstracks auf mich zumarschiert. Mit dem schweren Ding auf dem Kopf kann ich weder Vollbremsung machen noch schnellen Slalom. Der Mann weicht im letzten Moment aus und ruft mir hinterher: “Kannst ja auch mal Platz machen!” ….  Ich rufe zurück: “Klar, mit nem fetten schweren Stuhl auf dem Kopf Slalom … Idiot!” Er: “Blöde Kuh!” Ich: “……..schreibe ich hier lieber hier nicht ………….” aber hey, das ist doch wirklich ein Arschloch, oder?

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