Wir freuen uns, Sie mit unserem Newsletter über die neuesten Entwicklungen bei ADVISOS Corporate Finance zu informieren. Darüber hinaus führen wir mit dieser Ausgabe die Rubrik ‚1×1 der Unternehmensfinanzierung‘ fort und bieten Ihnen damit kurze Wissensbeiträge aus der Welt des M&A-Beraters.
In unserem letzten Newsletter haben wir die Partnerschaft zwischen der Beteiligungsbörse Deutschland und ADVISOS Corporate Finance kurz vorgestellt. Heute möchten wir im Detail auf die Besonderheiten der Beteiligungsbörse Deutschland im Rahmen eines Prozesses der Vergabe einer Minderheitsbeteiligung eingehen.

Die Beteiligungsbörse Deutschland bietet ein komplettes Transaktionsökosystem an, das folgende Schritte umfasst:

Damit verbindet die Beteiligungsbörse Deutschland eine digitale, plattformgestützte Prozessführung mit dem Einsatz einer KI-basierten Due Diligence und der persönlichen Erfahrung und Betreuung durch einen erfahrenen M&A-Berater. Die typische Ticketgröße liegt zwischen 1 und 10 Millionen Euro.
Besonders attraktiv für die Kunden ist die transparente Vergütungsstruktur:
Interessantes Konzept, oder? Wenn Sie Fragen dazu haben, kontaktieren Sie uns!
Unternehmer können aus verschiedenen Gründen einen Investor für eine Minderheitsbeteiligung suchen:
Wir hoffen, dass unser Newsletter Ihr Interesse geweckt und Ihnen informative Einblicke geboten hat.
Trotz all seiner Vorzüge kann jedoch kein Newsletter den persönlichen Austausch ersetzen! Daher laden wir Sie herzlich dazu ein, mit uns in Kontakt zu treten, um sich persönlich auszutauschen. Wir freuen uns darauf, von Ihnen zu hören, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren – wir sind gespannt auf Ihre Gedanken und Anregungen. Mit freundlichen Grüßen,
Ihr ADVISOS Team
Welche Erwartungen können wir aus M&A und Finanzierungssicht an Taiwan, seine Investoren und die dortigen KMUs haben?
Taiwan verfügt über eine hochentwickelte Marktwirtschaft, so führt zum Beispiel der Internationale Währungsfonds Taiwan in der Gruppe der 37 fortgeschrittenen Volkswirtschaften (Advanced Economies). Die Weltbank betrachtet Taiwan als eine Volkswirtschaft mit hohem Einkommen (high-income economies) mit einem GDP per Capita von 65,48 TEUR in 2022.
Taiwan hat in den letzten 50 bis 70 Jahren ein enormes Wachstum hingelegt und wurde zusammen mit Hongkong, Singapur und Südkorea als einer der vier asiatischen Tigerstaaten bezeichnet. Das immense Wachstum der letzten Jahrzehnte hatte natürlich auch einen großen Einfluss auf das Vermögen im Lande. So erreichte laut dem Allianz Global Report 2022 das Gross Financial Assets per Capita den Wert von 164.610 EUR (2021) und somit weltweit die 9. Stelle. Im Vergleich: 1952 betrug das Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt (BSP) noch ~170 US$.

101 steht nicht nur für ‚Basiswissen über ein Thema‘. In Taipei jedoch seht es eindeutig für das Taipei Financial Center, mit seinen 101 oberirdischen Stockwerken. Das Umgangssprachlich als Taipei 101 (台北101) bezeichnete Gebäude war bis 2009 mit seinen 508m das höchste Gebäude der Welt.
Auch deutsche Unternehmen haben am Bau mitgewirkt. Die weltweit operierende Fassandenfirma Josef Gartner GmbH (seit 2001 ein Teil der Permasteelisa Group) hat den Bau der 16.000 Platten-Vorhang-Elemente auf 120.000m² übernommen.
Die Wirtschaft in Taiwan ist geprägt von KMUs in Familienbesitz, es existieren nach wie vor nur wenige größere Konzerne. Dies gilt ebenso für die wenig konsolidierte Bankenlandschaft, in der eine größere Anzahl an kleineren Privatbanken miteinander im Wettbewerb stehen. Die tragenden Industriesegmente sind:
Zu den bekanntesten und weltweit größten Chipgerstellern gehören TSMC und UMC. MediaTek ist der viertgrößter Fabless-Halbleiter-Anbieter (d.h. ohne eigene Produktion). Mit der ASE Group beheimatet Taiwan den weltgrößten Anbieter für Outsourcing der Halbleitermontage und Prüfung. Dank des Weltmarktanteils von 20% (bei Halbleiter-Foundry sind es sogar 50%), wird diese Industrie im geopolitischen Kontext auch als „Silicon Shield“ bezeichnet. Nach dieser These soll die Halbleiterindustrie des Landes so wichtig für die chinesische Industrie und die US-amerikanische Konsumwirtschaft sein, dass militärische Maßnahmen gegen die Produktionsstätten ein zu großes Risiko darstellen würden. Die geopolitische Dynamik und Bedeutung diese Branche illustrieren auch die umfangreichen chinesischen Spionageaktivitäten, wie z.B. die Operation Skeleton Key.
Durch das Fehlen vom natürlichen Ressourcen, muss Taiwan 98% des Energiebedarfs importieren. Der aktuelle Energiemix Taiwans wird durch fast 50 % Erdöl dominiert, gefolgt von ~30% Kohle und ~13% Erdgas. Große Bedeutung wird derzeit dem Ausbau der erneuerbaren Energien gewidmet, dies kann man am Beispiel der Offshore Parks in der Taiwanstraße mit einer Kapazität von mehr als 2,2 GWh jährlicher erkennen (Stand Ende 2022). Investitionen im den Bereichen Energie, Renewables und in deren Counterparts im Startup-Bereich sind sehr begehrt, nicht nur aus Gründen der Energiesicherheit in Friedenszeiten, sondern aus geopolitischen Risikoüberlegungen.
Der Agrarsektor ist im Kontext der Selbstversorgung ebenfalls von zentraler Bedeutung für Taiwan. Zu den Hauptprodukten gehören Reis, Zuckerrohr, div. tropische Früchte und nicht zuletzt die umstrittene Betelnuss. Darüber hinaus werden Vieh und Geflügel gezüchtet und Fischerei betrieben. Der gesamte Agrarsektor ist stark mechanisiert und das tropische Klima ermöglicht mehrere Ernten pro Jahr.
sind die Stahl- und Schwermaschinenindustrie: 2017 war Taiwan der dreizehntgrößte Stahlexporteur der Welt; die Schifffahrtsindustrie: viertgrößte Yachtbaunation nach Italien, den Niederlanden und der Türkei und die Konsumgüterindustrie. Als Beispiel für das Letztere könnte man anführen, dass Taiwan ein wichtiger Hersteller von Sportgeräten ist und zum Beispiel 80 % der weltweiten Golfausrüstungsproduktion abdeckt.
Die wichtigsten Gesetze für M&A Transaktionen in Taiwan sind:
Nach Darstellung der zuständigen Administration wurden im Zeitraum Januar bis November 2022 insgesamt 2.307 ausländische Direktinvestitionsprojekte mit einem Gesamtvolumen 12,4 Milliarde US$ durchgeführt [link]. Die Auslandsinvestitionen ausgehend aus Taiwan betrugen 9.3 Milliarden US$ im Rahmen von 492 Transaktionen. Beide Werte sind jeweils ohne Investitionen ins Festland-China.
Die dominierenden M&A Transaktionen kommen typischerweise aus folgenden Sektoren: Energiesektor, IT- und Technologiesektor und Medien- und Telekommunikationssektor.
Die Großteil der Unternehmen in Taiwan sind KMUs, und zwar familiengeführte KMUs. Sowohl innertaiwanesische als auch grenzüberschreitende Transaktionen im Small- und Mid-Cap-Bereich sind in erster Linie auf persönliche Netzwerke zurückzuführen, die mit der Eigentümerfamilie verbunden sind. Im Falle von M&A Kaufmandaten aus dem Ausland besteht eine gewisse Zurückhaltung gegen einen Verkauf. Die im Westen übliche Exit-Strategie der Familienunternehmen in 2. oder 3. Generation, in der nach einem Unternehmensverkauf anschließenden der Verkaufserlös in ein neu gegründetes vermögensverwaltenden Family Office investiert wird, ist in Taiwan (noch) nicht üblich.
Tipp: Bei Transaktionen mit Familienunternehmen sollte man darauf achten, dass alle Entscheidungsträger aus den Familien die gleiche Sichtweise auf die Transaktion teilen. Des Weiteren ist es wichtig die kulturellen Besonderheiten der Entscheidungsfindung in taiwanesischer Unternehmerfamilien berücksichtigen. Hier bestätigt sich das Klischee: Die überaus große Höflichkeit und Freundlichkeit sollte man nicht unbedingt mit Verbindlichkeit gleichsetzen.
Neben dem traditionellen Mittelstand im Familienbesitz floriert in Taiwan auch die Startupszene. Als eines der zahlreichen Beispiele kann man die Taipei Tech Arena anführen (TTA, 臺北小巨蛋 – wortwörtlich: Taipeis kleines großes Ei), die sich im Zentrum von Taipei befindet.
Die TTA bringt in einem Tech-Ökosystem F&E-Talente aus der Forschung mit Startups, Acceleratoren, Corporates und Investoren unter ein Dach. Auf knapp 2.800 m² Coworking-Space und Veranstaltungsfläche befinden sich Startups unter Anderem aus folgeden Branchen: IT/Software, Health Care / Hospital Care, GreenTech, FinTech & Blockchain, IoT und Advanced Manufacturing.

Die Bankenlandschaft in Taiwan ist – ähnlich wie die Unternehmenswelt stark fragmentiert. Dies sollte bei großvolumigen Akquisitions- oder Wachstumsfinanzierungen durch frühzeitige Einbindung geeignete ausländische Kapitalgeber berücksichtigt werden. Bei kleinvolumigen Transaktionen, die außerhalb der Börsen stattfinden ist eine Fremdfinanzierung üblich. So dürfen Privatunternehmen in Taiwan Wandelanleihen und Optionsanleihen im Rahmen von Privatplatzierungen ausgeben.
Für alle Cross-Border-M&A Transaktionen ist das Investment Comitee des Ministry of Economic Affairs “IC-MOEA” maßgeblich zuständig. So muss jede Cross-Border M&A Transaktion vom IC-MOEA bewilligt werden. Bei den meisten Transkationen kann dies nur eine Formalität sein, jedoch werden Transaktionen in ausgewählten Sektoren, wie z.B. Finanzsektor oder Telekomunikation und alle Transaktionen mit direkter oder indirekter Beteiligung von Festland-China gesondert geprüft.
Tipp: Bei allen M&A Transaktionen, an denen Investoren aus Taiwan beteiligt sind, sollte sichergestellt werden, dass diese für das jeweilige Projekt ihr Kapital ins Ausland transferieren dürfen. Gleiches gilt für Buy-Side-Mandate: im Vorfeld einer ausländischen Investition in Taiwan ist eine Investitionsvorprüfung durch die IC-MOEA notwendige.
Derzeit bereitet der Gesetzgeber eine Änderung der Vorschriften für Auslandsinvestitionen vor, durch die die Notwendigkeit einer Vorabgenehmigung durch die IC-MOEA für die meisten Auslandsinvestitionen entfallen sollte.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Taiwan eine hochentwickelte Marktwirtschaft ist, die in den letzten Jahrzehnten ein enormes Wachstum verzeichnen konnte. Natürlich ist die Kapitalstärke Taiwans bei weitem nicht mit der des großen Nachbarn China vergleichbar – nur wenige Länder bestehen diesen Vergleich. Dennoch: Taiwan, das sich in den 1980 erfolgreich aus eigener Kraft zu einer Demokratie gewandelt hat und in den darauffolgenden Jahrzehnten zum großen wirtschaftlichen Wohlstand gelangte, ist ein stabiler und vielversprechender Geschäftspartner mit großem Potenzial.
Die KMU-Landschaft, sowie die Kapitalstärke der taiwanesischen Investoren bieten interessante Möglichkeiten für M&A Transaktionen im Small- und Mid-Cap Bereich. So sind taiwanesische Investoren traditionell offen für Investitionen im US-amerikanischem Ausland und neugierig auf Opportunitäten in Europa. Family Offices und HNWIs aus Taiwan sind allgemein auf der Suche nach Diversifizierungsmöglichkeiten im Ausland, insbesondere sind Targets im Bereich Energie, Renewables aber auch FoodTech mit Taiwanbezug sehr begehrt.
Ähnlich wie die Bevölkerung in der westlichen Welt, steht auch die taiwanesische Bevölkerung vor dem Problem der alternde Gesellschaft kombiniert mit sehr niedrigen Geburtenraten. Das daraus resultierende Problem der Unternehmensnachfolge in Familienbetrieben bietet zeitgleich eine Chance für Unternehmensübernahmen und somit eine interessante Oportunität zum Markteintritt in Taiwan. Für alle Transaktionen gilt jedoch: Regularien, kulturelle Unterschiede und geopolitische Spannungen mit dem Festland-China sollte man nicht außer Acht lassen.
]]>Kurz zum Inhalt: Strukturierte M&A-Prozesse, durch die Sie als Unternehmer Ihr Unternehmen z.B. zur Regelung der Nachfolge verkaufen können, sind seit Jahren eine weit verbreitete und anerkannte Praxis im Wirtschaftsleben. Dennoch gibt es in der Vorbereitung und Durchführung eines M&A-Prozesses diverse Themen, die auf den ersten Blick häufig zunächst unkritisch erscheinen. Bei näherer Betrachtung erfordern jedoch gerade solche Themen regelmäßig eine besondere Sorgfalt und einen bewussten Umgang, da sie sich überraschend negativ auf das Ergebnis des M&A-Prozesses auswirken oder diesen sogar scheitern lassen können.
Im Rahmen unserer Online-Veranstaltung haben wir folgende Schwerpunkte beleuchtet:
Haben Sie das Webinar verpasst? Kein Problem, schauen Sie sich das Webinar gerne kostenlos als Webcast-on-demand hier an. Wir hoffen, dass dieser Webcast Ihnen interessante Inhalte vermitteln wird.
Gerne stehen wir Ihnen auch für Fragen zu den Inhalten im Nachhinein zur Verfügung. Bitte schicken Sie hierfür Ihre Anfrage an die Referenten Dr. Udo A. Zietsch, Dr. Michal Dallos und Dr. Horst Friedrich.
]]>Was sind SPACs? Wozu sind sie da? Was wird damit möglich? Gibt ein an der Börse gelisteter SPAC Einblick, in welcher Branche der nächst disruptive Angriff erfolgen wird? Wie ist ein SPAC strukturiert? Welche Vorzüge hat ein SPAC als Investitions-Vehikel? Wie populär sind sie weltweit und in Deutschland? Welche Vorteile hat ein Investor, in einen SPAC zu investieren?
ADVISOS Corporate Finance im Gespräch mit Thomas Schmitt von der Online Zeitung. Wir sprechen darüber, ob SPACs ein außergewöhnliches Investitionskonzept ist oder doch eher eine zusätzlich Alternative zu bestehenden Möglichkeiten darstellt.
Aus der Perspektive des Target-Unternehmens wird ein SPAC-Merger mit der klaren Zielsetzung verfolgt, Wachstumskapital zu erhalten – entweder direkt beim Merger von den SPAC-Investoren, oder in weiterer Folge über die Finanzierungsmöglichkeiten der Börse. Wachstumskapital kann man jedoch direkt oder indirekt auch auf anderen Wegen erhalten: über ein IPO, durch den Verkauf des Unternehmens an einen Private Equity Fonds oder durch einen Merger mit einem anderen Unternehmen. In weiterer Folge möchten wir die Unterschiede der jeweiligen Transaktionen bezüglich Dauer, Komplexität & Flexibilität und Genauigkeit der Unternehmensbewertung analysieren. Diese Analyse wird stets aus der Perspektive des Target-Unternehmens vorgenommen.
| SPAC | IPO | PE-Fonds | Corporate Merger | |
| Dauer der Transaktion | 4-6 Monate | 12-18 Monate | 6-9 Monate | 12+ Monate |
| Kontrolle im finalen Unternehmen | Unternehmer | Unternehmer | Meist PE-Fonds | Das größere der Unternehmen |
| Geeignet für Unternehmen mit komplexen Geschäftsmodellen | Ja auch für Startups | Nein | Mittel | Mittel |
| Genauigkeit der Unternehmensbewertung | Optimal | Niedrig eher Unterbewertet | Optimal | Mittel je nach Verhandlungsstärke |
| Deal-Struktur (Gebühren, Optionen, Rechte, Earn-Out) | Flexibel | Rigid | Flexibel | Mittel |
| Prozesskosten | Hoch | Hoch | Niedrig | Mittel |
| Wer trägt die Haupt-Prozesskosten? | SPAC | Unternehmen | PE-Fonds | Beide Unternehmen |
| Prozess-Risiko | Niedrig | Mittel bis hoch | Niedrig | Mittel |
Aus der Target-Perspektive ist die Transaktionsdauer, d.h. vom Erstkontakt bis zum finalen DeSPAC mit typischerweise 4 – 6 Monaten recht kurz. Dies kann man in erster Linie auf die bereits vorhandene Börsennotierung des SPACs zurückführen. Weitere Schritte, wie z.B. die Abstimmung der Konditionen, Due Diligence und Vertragsverhandlungen können bei guter Vorbereitung recht zügig durchgeführt werden.
Bei einer SPAC-Transaktion verbleibt typischerweise die operative Geschäftsführung beim ursprünglichen Management des Targets und die Altgesellschafter des Targets behalten die Mehrheit im finalen Unternehmen (siehe auch unsere Case Study: SPAC-Merger – Aktienverteilung & Kapitalausstattung).
Die naheliegendste Alternative zum SPAC-Merger ist ein IPO, also ein regulärer Börsengang. Dabei werden die Unternehmensanteile in Form von Aktien an der Börse gelistet und somit handelbar. Meist wird auch mittels einer Neuemission von Aktien frisches Wachstumskapital von Investoren eingesammelt. Börsengänge mittels IPO können 1 bis 1,5 Jahre dauern, da neben der Vorbereitung und Einreichung eines Emissionsprospektes auch eine längere Investoren-Roadshow benötigt wird, wenn Wachstumskapital eingeworben werden soll.
Ähnlich wie bei SPAC-Transaktionen, verbleibt typischerweise die Aktienmehrheit nach einem IPO bei den Altgesellschaftern. Die operative Führung des Unternehmens ändert sich durch ein IPO nicht, vielmehr ist das Managementteam ein wichtiger Bestandteil der IPO-Story.
Der Verkauf an einen PE-Fonds dauert im Schnitt etwas länger als ein SPAC-Merger, dafür aber deutlich kürzer als ein klassischer IPO. Die meisten Private Equity Fonds sind nur am Erwerb der Mehrheit interessiert, somit geht nach der Transaktion die Kontrolle im Unternehmen an den Fonds über. Auch das operative Management wird nicht selten nach der Transaktion neu besetzt.
Die Fusion mit einem anderen operativen Unternehmen ist erfahrungsgemäß sehr zeitaufwändig, da umfangreiche Strategiegespräche, Verhandlungen und Due Diligence durchgeführt werden müssen. Wer die Kontrolle im finalen Unternehmen hat, hängt jeweils von den Größenordnungen der beteiligten Unternehmen ab.
Neuartige oder komplexe Geschäftsmodelle stellen oft einen großen Wettbewerbsvorteil da, jedoch können Sie bei Investoren auf Unverständnis stoßen. Deswegen sollten junge, progressive Unternehmen bei der Auswahl der Investoren drauf achten, dass ihr Geschäftsmodell richtig verstanden wird.
Die Hauptmotivation für die SPAC-Gründung ist die Beteiligung an einem wachstumsstarken Unternehmen mit einem innovativen Geschäftsmodell. Somit schrecken SPACs nicht vor ungewöhnlichen und komplexeren Geschäftsmodellen zurück und sind daher als Investoren für wachstumsstarke Startups geeignet. Die Tatsache, dass Verhandlungen zwischen den Target-Unternehmen und dem SPAC bilateral stattfinden, ermöglicht es, komplexere Sachverhalte detailliert zu erläutern. Ebenso muss man bedenken, dass SPAC-Investoren einen wesentlich tieferen Einblick in das Target erwarten als klassische IPO-Investoren.
Ein Börsengang mittels IPO ist für neuartige Geschäftsmodelle eher ungeeignet, denn diese sind dem breiteren Investorenpublikum im Rahmen der Road Show schwer vermittelbar. Des Weiteren werden im Börsenprospekt aus Haftungsgründen wenige oder keine Angaben zu den zukünftigen Entwicklungsplänen gemacht. Financial Forecasts sind somit aus dem Börsenprospekt ausgeschlossen – diese sind jedoch für Startups ohne nennenswerte Historie essenziell.
Ähnlich wie bei einem SPAC-Merger werden Verhandlungen mit einem Private Equity Fonds ebenfalls bilateral geführt. Dies ermöglicht es grundsätzlich, auch den PE-Investoren ein innovatives Geschäftsmodell zu erläutern. Gleichzeitig muss man aber bedenken, dass die meisten Private Equity Fonds eher in etablierte Unternehmen mit einem erprobtem Geschäftsmodell investieren.
Auch bei einer Fusion mit einem anderen Unternehmen besteht die Herausforderung, das eigene Geschäftsmodell verständlich kommunizieren zu können. Dies kann je nach Verhandlungspartner eine Herausforderung darstellen.
Die gesetzlichen Regelungen rund um SPACs ermöglichen eine flexible Ausgestaltung eines SPAC-Mergers. Wenn z.B. keine Einigkeit über die Unternehmensbewertung erzielt werden kann, ist es möglich, Earn-Out-Regelungen einzusetzen. In diesem Fall erhalten die Altgesellschafter weitere Aktien aus einer Neuemission oder durch Freigabe vom Treuhandkonto erst bei der Erreichung konkreter Kurs-Zielvorgaben (für Beispiele siehe hier). Auch Managementbeteiligungsprogramme sind keine Seltenheit, ebenso die Entlohnung von Dienstleistern durch Aktienpakete.
Durch bilateral geführte Verhandlungen, der bereits besprochenen Offenheit gegenüber neuartigen Geschäftsmodellen und der generellen Flexibilität bei der Vertragsgestaltung ist zu erwarten das die Unternehmensbewertung sachgerechter und tendenziell höher als bei einem IPO ausfällt.
Im Gegensatz zum SPAC-Merger besteht bei einem Börsengang mittels IPO keine Möglichkeit der nachträglichen Anpassung der Unternehmensbewertung. Vielmehr wir der Emissionspreis erst kurz vor dem Tag des IPOs festgelegt. Der konservative, d.h. eher niedrigere Emissionspreis ist der Tatsache geschuldet, dass der Erfolg einer Emission auch von der vollständigen Platzierung aller Aktien abhängt. Damit kommt es zu einem sogenannten IPO-Pop, d.h. einem plötzlichen Kursanstieg kurzfristig nach dem Börsengang, wodurch die ursprüngliche Unterbewertung des Unternehmens zum Zeitpunkt des IPO zum Ausdruck kommt. Somit sind bei einem IPO die Unternehmen tendenziell niedriger bewertet, und die Altgesellschafter „verzichten“ auf einen Teil des Unternehmenswertes, wenn sie ihre Aktien zum Emissionspreis verkaufen.
Die formellen Anforderungen an ein IPO sind sehr hoch und unterliegen den wachsamen Augen der Börsenaufsichtsbehörden – es gibt wenig Spielraum für flexible Transaktionsstrukturen, z.B. sind Earn-Out-Regelungen vollständig ausgeschlossen.
Bei Transaktionen mit einem PE-Fonds, wie auch beim Merger mit einem anderen Unternehmen kann die ganze Flexibilität bei der Vertragsgestaltung und der Kaufpreisfindung ausgeschöpft werden.
Aus Unternehmensperspektive sind die höchsten Kosten und die größten Risiken beim IPO gegeben (näheres dazu im nächsten Abschnitt). Diese Hürde hat jedoch das SPAC durch die bereits erfolgte Börsenlistung genommen. Aus Target-Perspektive sind die Risiken des Scheiterns auf das Scheitern der Abstimmung bei der Business Combination limitiert. In diesem Fall trägt das Unternehmen nur seine eigenen Kosten der Vorbereitung der Fusion, Strukturierung der Unterlagen für die Due Diligence und der Vertragsverhandlungen. Erst nach einer erfolgreichen Business Combination werden die Prozesskosten mittels Verwässerung auf alle am Prozess beteiligten Parteien umgelegt.
Da alle Verhandlungen weitgehend von der Öffentlichkeit abgeschirmt stattfinden, ist der Reputationsschaden im Falle eines Scheiterns für das Target-Unternehmen eher gering.
Beim Börsengang mittels IPO trägt das Unternehmen die gesamten IPO-Kosten. Ähnlich verhält es sich mit dem Risiko des Scheiterns, denn nicht selten werden Börsengänge im letzten Augenblick abgesagt. Gründe dafür können beim Unternehmen selbst liegen (z.B. die Nichterreichung gewisser Umsatz- und Ertragsziele), meist werden IPOs jedoch dank eines unvorteilhaften Börsenumfeld abgesagt. In beiden Fällen befürchtet das Unternehmen, das geplante Aktienvolumen gar nicht oder nicht zum gewünschten Kurs platzieren zu können. Da man im Vorfeld des IPO publizitätswirksam Investoren-Road Shows veranstaltet hat, ist der Reputationsschaden im Falle des Scheiterns enorm. Im Vergleich zum SPAC-Merger ist somit der klassische IPO die eher kostspieligere und riskantere Variante des Börsengangs.
Beim Unternehmensverkauf an einen PE-Fonds trägt der Käufer die Kosten die Due Diligence, das Target trägt erstmal nur die eigenen Kosten der Transaktion. Bei einer Fusion zweier Unternehmen trägt jedes Unternehmen die Kosten der eigenen Prüf- und Transaktionsprozesse.
Verhandlungen mit PE-Fonds wie auch zwischen zwei Unternehmen laufen meist diskret, von der Öffentlichkeit unbemerkt ab. Die Berichterstattung über ein eventuelles Scheitern und somit auch ein Reputationsschaden kann daher verhindert werden.
SPACs sind ein flexibles und diskretes Instrument für einen Börsengang inkl. Wachstumsfinanzierung. Ähnliche Flexibilität bieten auch Transaktionen mit PE-Fonds oder Corporate Merger, allerdings ohne einen Börsengang.
Aus der Unternehmenssicht ähnelt der Prozess einem klassischen Merger, mit einem wichtigen Unterschied: das Unternehmen muss unmittelbar nach dem SPAC-Merger die Regularien der Börse, an der es gelistet ist, erfüllen. Somit ist eine gewissen Börsenreife bei den Targets eine wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen SPAC-Merger.
Auch ist die Identifizierung eines geeigneten SPACs, die Kontaktaufnahme und die strukturierte Durchführung der einzelnen Schritte bis hin zu erfolgreichen Vertragsverhandlungen ein komplexer Prozess, der bei den meisten Target-Unternehmen nicht zum Kerngeschäft gehört. Deswegen ist es empfehlenswert, erfahrene M&A-Berater an der Seite zu haben, die bei der Vorbereitung und der Begleitung des Merger-Prozesses die Gesellschafter und das Management unterstützen und deren Interessen beim gesamten Prozess vertreten. Die Partner von ADVISOS Corporate Finance stehen Ihnen für ein unverbindliches Erstgespräch gerne zur Verfügung.
]]>Ausgehend von den typischen Aktien- und Warrant-Strukturen eines SPACs und der typisch gesuchten Target-Größe, der damit verbundenen Verwässerung durch Warrants, Redemption oder sonstigen Optionen ist die Aktienverteilung im finalen De-SPAC-Unternehmen nicht immer trivial. Das gleiche gilt für die Kapitalausstattung. Beide Aspekte sind von zentraler Bedeutung für jedes Unternehmen, dass sich mit dem Gedanken eines Börsengang über SPACs beschäftig.
In unserem Beispiel gehen wir von einem SPAC mit 100 Mio.€ Investment und den „üblichen“ Marktkonditionen für Units, Aktien und Warrants aus. Unser SPAC möchte mit einem operativen Unternehmen fusionieren, das eine Pre-Money Bewertung 400 Mio.€ hat.
SPAC
Target-Unternehmen
Nachstehendes Bild zeigt uns die Post- und Pre-Money Bewertung wie auch das im finalen Unternehmen verfügbare Wachstumskapital.
Bei der Gründung des SPACs statten die SPAC-Investoren das SPAC mit dem Wachstumskapital aus, in unserem Fall 100 Mio.€ und die Sponsoren tragen die Prozesskosten. In unserem Beispiel hat das Target-Unternehmen einen Eigenkapitalwert von 400 Mio.€. Um das benötigte Wachstumskapital von 200 Mio.€ zur Verfügung stellen zu können, müssen weitere Investoren diesen Deal unterstützen, d.h. neben den bereits im SPAC befindlichen 100 Mio.€ steuern sogenannte PIPE Investoren („Private Investment for Public Equity“) weitere 100 Mio.€ dazu. Dadurch können in diesem Merger 200 Mio.€ Kapital mit 400 Mio.€ Unternehmenswert kombiniert werden. Das finale Unternehmen hat folglich einen Post-Money Wert von 600 Mio.€ und 200 Mio.€ Cash als Wachstumsfinanzierung.
Die Kosten für die SPAC Gründung und Börsengang, Unternehmenssuche, Unternehmensauswahl, Durchführung der Due Diligence und die Koordination der Vertragsverhandlungen tragen die Sponsoren. Dafür erhalten sie im Falle einer erfolgreichen Business Combination Aktien im Gegenwert von 20% des ursprünglichen SPAC. In unserem Beispiel sieht die Verteilung der Aktien nach der Business Combination – im ersten Schritt noch ohne Warrants, wie folgt aus:
Die SPAC-Investoren, wie auch die Sponsoren erhalten für ihr frühes Engagement einen weiteren Bonus: Warrants. Diese berechtigen Sie zum Kauf weiterer Aktien zum Strikeprice von typischerweise 11,50€. In unserem all erhalten die Investoren je Unit ein Warrant auf 1/3 Aktie und die Sponsoren je Aktien ein Warrant auf 1/2 Aktie. Nach dem der Strike-Price erreicht wird und es sonst keine weiteren Sperrfristen gibt, ergibt sich nach der Ausübung der Warrants folgende Aktienaufteilung:
Wir sehen, dass die Altgesellschafter des Unternehmens nach wie vor die Mehrheit im Unternehmen halten und somit auch in der Zukunft die operativen Geschicke leiten können. Die Sponsoren erhalten für ihre Vorleistung 4% am finalen Unternehmen und weitere 2% auf Basis der Warrants. Analog ist die Situation bei den SPAC-Investoren: dafür dass diese für bis zu 24 Monate ihr Geld im SPAC blockiert haben, erhalten sie nicht nur 16%, sondern nach der Ausübung der Warrants 20% am Unternehmen. Da die PIPE Investoren erst kurz vor der Business Combination dazustoßen, werden Ihnen keine Warrants gewährt.
Die Sponsoren erhalten somit für ihre Vorleistungen Aktienrechte und Warrants, die SPAC-Investoren für das gebundene Kapital Aktien und Warrants und die PIPE Investoren „nur“ Aktien gegen investiertes Kapital. Diese Bevorzugung entlang der Kette: Sponsoren – SPAC – Investoren – PIPE Investoren entspricht dem Risikoprofil des jeweiligen Engagements.
Soweit die Theorie im Sinne des SPAC-Geschäftsmodels. In der Praxis erlauben die SPAC-Regeln eine große Gestaltungsflexibilität für alle Beteiligten.
In der Praxis kommt es zum Zeitpunkt der Business Combination öfters zu dynamischen Entwicklungen, an denen man gut die Flexibilität und die Gestaltungsmöglichkeiten erkenne kann, die alle Beteiligten bei einem Börsengang über SPACs haben.
Im Rahmen der SPAC-Statuten haben die Aktionären die Möglichkeit, nach Abschluss der Business Combination alle oder einen Teil ihrer öffentlichen Aktien zum Ausgabepreis gegen das investierte Cash an das SPAC zurückzugeben („Redemption“; evtl. zzgl. Grundverzinsung, d.h. mind. €10,00 pro Aktie). Dieses Recht besteht meist unabhängig davon, ob ein Investor für oder gegen die Business Combination gestimmt hat. Es ist interessant dabei festzuhalten, dass die Investoren die dazugehörigen Warrants behalten und nach eigenem Ermessen ausüben dürfen. Nach einer aktuellen Studie aus USA kommt eine Redemption bei mehr als 50% der Fälle vor; diese wird jedoch in den meisten Fällen (75%) wieder durch PIPE Investoren ausgeglichen. Sollte das verlorengegangene Kapital nicht durch PIPE Investoren „ersetzt“ werden, kann es zu einer signifikanten Absenkung des Wachstumskapitals im SPAC kommen und zu einer Verschiebung bei der Aktienverteilung.
Beleuchten wie näher die Situation in unserem Beispiel SPAC und nehmen an, dass 50% der SPAC Investoren ihre Aktien zurückgeben möchten. Damit reduziert sich die Anzahl der Aktien von den SPAC-Investoren von ursprünglich 10 Millionen auf 5 Millionen und das SPAC verliert die Hälfte seines Wachstumskapitals: 50 Mio.€. Zeitgleich erhöhen sich die Anteile der Sponsoren von 6% auf 7% ohne dass diese weiteres Kapitalinvestieren mussten.
In der Praxis können außerplanmäßige Optionen oder Rechte an verschiede, am Prozess beteilige Parteien gewährt werden. So können je nach Situation entweder die PIPE Inverstoren, SPAC-Investoren, oder die Gesellschafter des Zielunternehmen durch Gewährung von weiteren Optionsscheinen oder Rechten zur Transaktion „motiviert“ werden oder von einer Redemption abgehalten werden.
Darüber hinaus kann es vorkommen, dass diverse, an der Transaktion beteiligte Experten durch Anteile oder Optionen bezahlt werden. Dabei muss es nicht zwingend zu einer Verwässerung des Kapitals kommen, jedoch kommt es fast immer zu einer Veränderung bei den Aktienverteilung.
Die Forscher Klausner, Ohlrogge und Ruan haben ein extremes Beispiel für eine sehr hohe Investoren-Redemtion analysiert: SPAC Twelve Seas Investment Company.
Dieses SPAC hat anfänglich 207 Mio.€ Investment von Investoren eingesammelt (entspricht 20,7 Mio. Units), nur um in der Business Combination eine Redemption von 82% zu erfahren (entspricht 16,74 Mio. Aktien). Somit standen im SPAC nur 3,7 Mio. Aktien der SPAC Investoren, mehr als 4,2 Mio. Aktien der Sponsoren gegenüber (Sponsoren hatten ursprünglich 5,175 Mio. Aktien, haben jedoch zum Zeitpunkt der Business Combination 1 Mio. Aktien annulliert – auch das ist möglich und nicht unüblich). Im SPAC blieben somit nur 37 Mio.€ an Cash, aus denen 11 Mio.€ für die Zahlung der Emissionsgebühren verwendet wurden. Weitere Serviceprovider wurde durch die Emission von 375.000 neuer Aktien bezahlt.
Die Units des SPACs Twelve Seas Investment Company beinhalteten des Weiteren Rechte auf 0,1 Aktien zum Zeitpunkt des Mergers und zwar unabhängig davon, ob Investoren Ihr Recht auf Redemption ausgeübt haben oder nicht. Dies führte zur Emission weiterer 2,07 Mio. Aktien – ohne weitere finanzielle Gegenleistung. Wenn man als Basis das verbleibende Kapital nach den Emissionsgebühren annimmt, entspricht dies einer rechnerischen Kapitalverwässerung 253%.
Eine solch extrem ausgeprägte Redemeption der Investoren, ohne einen Ausgleich durch PIPE Investoren ist am Markt eher unüblich. Weitere Details zur ökonomischen Sinnhaftigkeit dieses Deals sind öffentlich nicht bekannt. Zusammenfassend bleibt in jedem Fall festzustellen, dass alle Beteiligten, d.h. Targetunternehmen, Investoren und Sponsoren die wirtschaftliche Vorteilhaftigkeit dieser Transaktion für sich bewerteten und sich für diese Transaktion entschieden haben.
Im Gegensatz zu einem regulären IPO, ermöglicht der Börsengang über ein SPAC eine flexiblere Preisgestaltung, bzw. Bewertung des Targets, die man sonst eher aus Private Equity-Transaktionen kennt. Insbesondere bei einer Ungewissheit über den Wert des erworbenen Unternehmens inm Bezug auf Wachstumsprognosen oder Marktakzeptanz neuer Produkte können Earn-Out Vereinbarungen mit den Altgesellschaftern und/oder Mitarbeitern getroffen werden. Bei dieser sogenannten Earn-Out Provision werden erst nach dem erfolgten Merger und der Erreichung von bestimmten Leistungskennzahlen weiteren Aktien zu Gunsten dieser Gruppen emittiert, oder von einen Treuhandkonto freigegeben.
Beispiel 1: Die Earn-Out Provision Vereinbarung zwischen Hims & Hers Health, Inc. und dem SPAC Oaktree Acquisition Corp. regelt die Ausgabe von bis zu 10% der ausstehenden Stammaktien, in Anhängigkeit vom Aktienkurs der ersten fünf Jahren nach der Fusion.
Beispiel 2: Luminar Technologies, ein Technologie-Startup für autonomes Fahren, hat eine Earn-Out Provision ausgehandelt, nach der seine Aktionäre Aktien im Gegenwert von 7,5 % der ausstehenden Stammaktien erhalten. Dieses Aktienpaket ist in sechs Tranchen aufgeteilt und die Umsetzung der Earn-Out Provision ist von der Erreichung bestimmter Werte beim Aktienkurs abhängig.
Quelle: SEC
Ein weiteres mögliches Szenario ist, dass ein Teil der Gesellschafter des Targetunternehmens die Gelegenheit der SPAC-Transaktion nutz, um Ihre Anteile zu verkaufen. Als Käufer kommen PIPE-Investoren oder direkt das SPAC in Frage. Neben der offensichtlichen Verschiebung bei der Aktienverteilung können solche Transaktionen auch zu einer Veränderung der Mehrheitsverhältnisse fuhren, bei der die Altgesellschafter des Traget-Unternehmens nach der Business Combination nicht mehr die Mehrheit besitzen.
Gleichzeitig sollte an dieser Stelle festgehalten werden, dass die Verschmelzung mit einem SPAC die Zielsetzung der Wertsteigerung durch Wachstumsfinanzierung und Börsengang verfolgt. Ein dringender Verkaufswunsch der Gesellschafter unterstreicht nicht unbedingt deren Glauben an das Wachstumspotential und die Wertsteigerungsfähigkeit des Unternehmens.
Im März 2015 kündigten das SPAC Levy Acquisition Corp. (LAC) einen zweistufigen Merger mit Del Taco Holdings an, nach dessen Durchführung Del Taco zur alleinigen Tochtergesellschaft von LAC werden sollte.
Im ersten Schritt des Zusammenschlusses kauften die Mitglieder der Familie Levy und eine Gruppe von Investoren Del Taco-Stammaktien im Wert von 120 Mio. USD. Der Nettoerlös dieser Transaktion wurde dazu verwendet hochverzinsliche nachrangige Schulden in Höhe von 111,2 Mio. USD zurückzuführen
In der zweiten Phase, d.h, im eigentlichen Merger erhielt die Del Taco weitere Liquidität und konnte weitere 68,6 Millionen Dollar an vorrangigen Schulden zurückzahlen.
Durch diese zweistufige Transaktion war es dem LAC möglich das Ziel zu erreichen, 60 Millionen Dollar an Del Taco-Aktien von den bisherigen Del Taco-Aktionären gegen Bargeld zu erwerben (an Stelle des üblichen Aktientausches). Dieses Vorgehen reduzierte die Verwässerung der LAC-Aktionäre unter der maximalen Inanspruchnahme der Konditionen im Übernahmevertrag.
Quelle: Pressenmitteilung von Del Taco.
Das Erste, was ein Unternehmen in dieser Krisensituation zu spüren bekommt, ist ein Engpass bei der Liquidität. Der Umsatz geht zurück, es kommt zu Lieferengpässen, Produkte werden nicht bezahlt oder können nicht ausgeliefert werden. Demgegenüber stehen auch weiterhin laufende Kosten für Personal, Material, Miete und diverse Abgaben.
Wie kann man das finanzielle Überleben in der Krise managen? Welche Finanzierungsinstrumente stehen Unternehmen in der jetzigen Krisensituation zur Verfügung?
Die Möglichkeiten sind mannigfaltig und können in drei Kategorien eingeteilt werden:
Bund und Länder unterstützen die heimische Wirtschaft mit einer ganzen Palette an Maßnahmen.
sind nicht rückzahlbar und werden bei zahlreichen Anlässen gewährt: Gründungszuschüsse, Investitionszuschüsse oder als Zuschuss über das Programm „Förderung unternehmerischen Know-hows“ beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).
Anmerkung: Wir sind BAFA-gelistete Unternehmensberater, sprechen Sie uns gerne auf die Möglichkeiten einer geförderten Unternehmensberatung an.
werden von der KfW oder von der jeweiligen Förderbank des Bundeslandes gewährt, in Hessen ist das beispielsweise die Wirtschafts- und Infrastrukturbank. Beantragt und ausgereicht werden diese Kredite von der Hausbank.
Förderkredite gibt es natürlich auch unabhängig von Corona. Neu im Zusammenhang mit Corona ist zum einen, dass die KfW bei Krediten bis derzeit EUR 3 Mio. auf eine eigene Prüfung der Kreditwürdigkeit verzichtet und sich dabei auf die Hausbank verlässt, wodurch das Verfahren schneller gehen soll. Zum anderen gewährt die KfW eine Haftungsfreistellung von 90% für KMU (i.d.R. bis 250 Mitarbeiter und EUR 50 Mio. Umsatz) und 80% für größere Unternehmen.
werden von Bürgschaftsbanken der Bundesländer übernommen und sollen fehlende Sicherheiten ersetzen. Der nicht durch eine Haftungsfreistellung abgedeckte Teil eines KfW-Kredites (also z.B. bei KMU die verbleibenden 10% nach einer Haftungsfreistellung von 90%) ist nicht mit einer Bürgschaft durch die Bürgschaftsbank kombinierbar. Daher stellt die Gewährung einer Bürgschaft durch eine Bürgschaftsbank eine Alternative zu einem KfW-Kredit in dem Fall dar, in dem die Hausbank anstelle eines KfW-Kredites einen eigenen Kredit ausreichen möchte, diesen aber dennoch besichern möchte. In Hessen beispielsweise liegt die Bürgschaftsobergrenze bei EUR 2,5 Mio. Für größere Beträgen sind grundsätzlich auch Landesbürgschaften möglich.
bedeutet, dass der Staat Mitgesellschafter des Unternehmens wird. Dies ist grundsätzlich möglich für größere, sogenannte systemrelevante Unternehmen, und wird durch den Stabilisierungsfonds abgewickelt. In der Finanzkrise 2008/09 hat sich der Staat beispielsweise an der Commerzbank beteiligt.
Anpassung von Steuervorauszahlungen: Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler können die Höhe ihrer Vorauszahlungen auf die Einkommen- und Körperschaftsteuer bzw. Gewerbesteuer reduzieren lassen. Die Anpassung muss beim zuständigen Finanzamt beantragt werden.
Stundung von Steuerzahlungen: Wenn Unternehmen aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie die in diesem Jahr fälligen Steuerzahlungen nicht leisten können, können diese Zahlungen auf Antrag befristet und grundsätzlich zinsfrei gestundet werden. Auf die Vollstreckung von überfälligen Steuerschulden soll bis zum Ende des Jahres verzichtet werden. Säumniszuschläge, die in dieser Zeit gesetzlich anfallen, sollen ebenfalls erlassen werden. Diese Regelung betrifft gleichermaßen die Einkommen- und Körperschaftsteuer sowie die Umsatzsteuer.
Unternehmen können die Stundung der Zahlung ihre Sozialversicherungsbeiträge beantragen, bzw. diese in Raten zahlen. Voraussetzung dafür ist jedoch die Beachtung der Nachrangigkeit gegenüber den Hilfspaketen der Bundesregierung, d.h. Soforthilfen, Kurzarbeitergeld und ähnliches sind vorrangig zu nutzen. Reichen diese nicht aus, kann eine entsprechende Stundung, bzw. Ratenzahlung der Gesamtsozialversicherungsbeiträge beantragt werden. Des Weiteren verzichten diverse Sozialversicherungen bis auf Weiteres auf die Einleitung von Vollstreckungsmaßnahmen.
Ein Antrag auf Kurzarbeitergeld kann bei der Bundesagentur für Arbeit gestellt werden. Die Arbeitnehmer erhalten 60%, bzw. mit Kind 67% des ausgefallenen Nettolohns; anfallende Sozialversicherungsbeiträge werden zu 100% erstattet. Voraussetzung für die Gewährung des Kurzarbeitergeldes ist ein erheblicher Arbeitsausfall mit Entgeltausfall und weitere betriebliche und persönliche Voraussetzungen.
Unser Appell an Unternehmen: Überprüfen Sie laufend, welche staatlichen Hilfsmaßnahmen für Sie geeignet sind!
Auch wenn die staatlichen Hilfsmaßnahmen umfangreich sind und deren Einsatzmöglichkeiten auf jeden Fall geprüft werden sollten, ist es wichtig, sich in der jetzigen Situation nicht allein auf Hilfe von außen zu verlassen. Unternehmen sollten ihre eigene Situation analysieren, um vorhandene Finanzierungsreserven aufzudecken und zu nutzen – ein wichtiger Baustein bei der Finanzierung in der Krise. Hier sind folgende Themen zu betrachten:
Forderungen an Kunden können sehr leicht und sehr schnell in Liquidität umgewandelt werden, indem Factoring genutzt wird. Der Factor kauft die Forderungen an und bezahlt mit Liquidität. Die Kosten sind i.d.R. nicht viel höher als ein Kontokorrentkredit. Zusätzlich sind die Forderungen gegen Ausfall versichert, was gerade in heutigen Zeiten nicht zu unterschätzen ist.
Marktgängige Produktionsanlagen wie Einzelmaschinen oder maschinelle Anlagen können an eine Finanzierungsgesellschaft verkauft und zurückgeleast werden. Der Verkauf führt zu einem Liquiditätszufluss. Ferner werden mögliche stille Reserven gehoben, wenn der Verkauf zu einem höheren Preis als der Buchwert durchgeführt wird. Je nach Anbieter werden einzelne Maschinen oder gesamten Maschinenpark zum Ankauf akzeptiert; diese Finanzierungsmöglichkeit besteht bereits ab einem Ankaufsvolumen von EUR 400 Tsd.
Ebenso wie mobiles Anlagevermögen können Immobilien oder Grundstücke für eine Sale-und-Lease-Back Struktur genutzt nutzen und somit zu einem Liquiditätszufluss führen. Ähnlich wie bei mobilem Anlagevermögen können auch hier ggf. stille Reserven gehoben werden.
In bestimmten Fällen und ab bestimmten Größenordnungen können sich auch Vorräte eignen, um Liquidität zu schaffen. Hierbei muss die jeweils aktuelle Marktsituation – Preis und Handelbarkeit der Güter beachtet werden.
Bei allen Themen ist zu prüfen, ob die jeweiligen Wirtschaftsgüter bereits als Kreditsicherheit genutzt werden. Sollte dies der Fall sein, ist zu ermitteln, mit welchem Beleihungswert der jeweilige Kreditgeber das Wirtschaftsgut bewertet. Anschließend ist zu prüfen, ob sich mittels der oben genannten Maßnahmen deutlich mehr Liquidität generieren lässt.
Unser Appell an Unternehmen: vergessen Sie Ihre eigenen Reserven nicht und nutzen Sie Ihr eigenes Potential!
Bei der Finanzierung in der Krise denkt man eher weniger an die Kapitalgeber aus der Privatwirtschaft, dabei kann diese Finanzierungsgruppe sehr effektiv und mit einer hohen unternehmerischen Kompetenz Unterstützung leisten. Die Bandbreite der angebotenen Finanzierungsinstrumente erstreckt sich von Fremdkapital über Mezzanine bis hin zu Minderheits- und Mehrheitsbeteiligungen an Eigenkapital.
Debt-Fonds sind Finanzierungsunternehmen außerhalb des Bankensektors, die Fremdkapital zur Verfügung stellen. Die Fonds werden i.d.R. aus Geldern von privaten oder institutionellen Investoren gespeist. Je nach Anlagepolitik und Risikopräferenz des jeweiligen Finanzierungsanbieters stehen diese Mittel zur Finanzierung von Unternehmensübernahmen unter Einbindung eines Finanzinvestors (LBO), zur Finanzierung operativen Wachstums oder in Distressed / Special Situations zur Finanzierung von Unternehmen mit Liquiditätsproblemen bzw. zur Finanzierung von Restrukturierungsmaßnahmen zur Verfügung.
Debt-Fonds können insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – wie in der jetzigen Corona-Krise – eine attraktive Alternative gegenüber der Finanzierung von Banken darstellen. Je nach Situation und Finanzierungsanbieter können auch größere Finanzierungsvolumina zur Verfügung gestellt werden.
Mezzanine Kapital ist ein Sammelbegriff von Finanzierungsarten, die in Ihrer wirtschaftlichen Ausgestaltung Eigenschaften sowohl von Fremd- als auch von Eigenkapital aufweisen. In der klassischen Form ist Mezzanine gegenüber dem Fremdkapital nachrangig und stärkt somit die Eigenkapitalbasis. Den Mezzanine-Kapitalgebern werden jedoch keine Stimm- oder Einflussnahmerechte vergleichbar mit den echten Gesellschaftern gewährt. Die Konditionen von Mezzanine-Kapital-Finanzierungen sind sehr unterschiedlich, und hängen von der jeweiligen Ausgestaltung ab: Laufzeit (typisch 7 bis 10 Jahren), Kündigungsmöglichkeiten (z. B. bei Unterschreitung einer vorher definierte Eigenkapitalquote), Verzinsungs-, Gewinn- und Verlustregelungen sowie Rückzahlungsmodalitäten. Zu den Mezzanine-Kapital-Gebern gehören spezialisierte Fonds, Private Equity Gesellschaften und einige Banken.
Mezzanine-Kapital wird wegen des aus Kapitalgebersicht damit verbundenen Risikos typischerweise höher verzinst als Fremdkapital. Durch die Eigenkapitalstärkung und Erhöhung der Liquidität ist Mezzanine-Kapital gut geeignet, eine mögliche, krisenbedingte Insolvenzgefahr zu verringern.
Auch die Kapitalerhöhung durch Altgesellschafter oder die Aufnahme von neuen Gesellschaftern führt zur Stärkung des Eigenkapitals und der Liquidität im Unternehmen.
Als Beispiel sei der Unternehmensverkauf mittels eines sogenannten Owners Buy-Out („OBO“) angeführt: Der Owners-Buy-Out ist eine Sonderform des Leverage-Buy-Outs, bei der sich der bisherige Eigentümer an dem verkauften Unternehmen rückbeteiligt. Dies ermöglicht es dem bisherigen Eigentümer, einen Teil seines Vermögens in die Privatsphäre zu überführen (und damit „in Sicherheit zu bringen“), und zeitgleich am zukünftigen Erfolg des Unternehmens weiter zu partizipieren. Als Käufer fungieren meist finanzstarke Private Equity Gesellschaften, die ein weiteres Wachstum der Gesellschaft finanzieren können. Aus Sicht des bisherigen Eigentümers kann bei entsprechend positiver Entwicklung darauf gesetzt werden, dass der Wert der Rückbeteiligung in nur wenigen Jahren höher ist als der heutige gesamte Unternehmenswert.
Auch in der Krise gilt: der Verkauf des Unternehmens oder ein Owners Buy-Out ist eine Option, bei der das Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen kann und bei der der bisherige Eigentümer finanziell profitieren kann.
]]>Unser Appell an Unternehmen: Prüfen Sie auch in der Krise die Möglichkeiten einer Unternehmens!
Diese Case Study entstand als Co-Artikel in Zusammenarbeit mit der Creditshelf AG, die in ihrem Artikelteil das Zusammenspiel von Corporate Finance Beratern, Kunden und Kreditplattformen beleuchtet:
Wie Berater ihre KMU-Kunden auch in schwierigen Zeiten bei der Liquiditätsversorgung unterstützen können.
Als Wachstumsfinanzierung bezeichnet man Fremdkapital, Mezzanine oder Eigenkapital, dass zur Expansion der Geschäftstätigkeit eingesetzt wird. Dabei kommen zahlreiche Wachstumsszenarien in Frage: Ausweitung der Produktpalette, Errichtung neuer Produktionsstandorte, Eintritt in neue Märkte, Umsetzung neuer Geschäftsmodelle oder Durchführung von Unternehmensakquisitionen.
Bei allen Wachstumsanlässen ist drauf zu achten, dass die Finanzierungsstruktur in ihrer Beschaffenheit und Flexibilität zum Unternehmen und zum geplanten Vorhaben passt. Eine Besonderheit der Wachstumsfinanzierung ist, dass der neu generierte Cashflow als Basis für die Rückzahlung der Finanzierung dienen kann und somit sich optimalerweise das Wachstumsvorhaben selber trägt. Im weiteren Verlauf möchten wir Ihnen anhand einer praxisnahen Modellrechnung die Struktur, die Kosten und die ökonomische Sinnhaftigkeit einer Wachstumsfinanzierung demonstrieren.
In unserer Case Study gehen wir von einem „Assets Light“ Musterunternehmen aus, das durch eine Investition von 1,5 Mio.€ ein nachhaltiges Wachstum generieren möchte. Dabei wird 1 Mio.€ als Investition in Digitalisierungsprojekte geplant, um neue, besser skalierbare Produkte zu entwickeln und die dazugehörigen Prozesse im Unternehmen durch Digitalisierung zu optimieren. Die restlichen 0,5 Mio.€ werden als Anfangsfinanzierung für die Erhöhung des Marketingbudgets geplant.
Der aktuelle Umsatz des Unternehmens liegt bei 17 Mio.€, EBITDA bei 1,63 Mio.€ und der Verschuldungsgrad bei 3,7 x NetDebt. Im Sinne des „Assets Light“-Profils verfügt unser Musterunternehmen über keine nennenswerten, dinglichen Sicherheiten für die angestrebte Finanzierung.
Umsatz 17.000,0 Herstellungskosten inkl. AfA 11.0505,0 Bruttoergebnis 5.950,0 Vertriebskosten 1.700,0 Allgemeine Verwaltungskosten 2.720,0 sonstige betr. Aufwendungen 500,0 Betriebsergebnis (EBIT) 1.030,0 + Abschreibungen 600,0 EBITDA 1.630,0 – Abschreibungen 600,0 – Zinsen „Darlehen alt“ 200,0* Gewinn vor Steuern 830,0
alle Angaben in TEUR.
* entspricht einer Verschuldung von ca. 6,15 Mio.€ bei 3,5% Mischzins.
Beim Kassenbestand von 150 TEUR liegt der Verschuldungsgrad bei 3,7 x NetDebt, d.h. (6,15 – 0,15)/1,63 Mio.
Um das geplanten Wachstum realisieren zu können, nimmt unser Musterunternehmen im nächsten Schritt ein Darlehen auf. Die bereits im Unternehmen vorhandene Verschuldung in der Höhe vom 3,7x NetDebt, wie auch die Tatsache, dass keine weiteren, nennenswerten dinglichen Sicherheiten zur Darlehensabsicherung zur Verfügung stehen, erlaubt typischerweise keine Bankenfinanzierung. In diesem Fall kommen eher Kapitalgeber mit einer höheren Risikobereitschaft in Frage, die ihre Risikoanalyse in erster Linie auf den zukünftigen Cash-Flow ausrichten. Allgemein kommen je nach Finanzierungsvolumen dafür folgende Anbieter in Frage: Fintechs, Debt-Fonds oder Mezzanine-Fonds. In unserem Fall eines Kapitalbedarfes von 1,5 Mio.€ gehen wir von einer Finanzierung durch ein Fintech aus.
Darlehenshöhe: 1.500.000 Eur
Laufzeit: 36 Monate
Zinssatz: 7,5% p.a., entspricht 0,625% pro Monat
Disagio: 3,5% der Darlehenssumme
Rückzahlung: Annuitätendarlehen
Sicherheiten: keine dingliche Sicherheit, nur Garantien
Die oben genannten Konditionen entsprechen den in dieser Situation typischen Konditionen des Fintechs Creditshelf AG (stand 05/21).
Unter den angegebenen Darlehenskonditionen beträgt die gesamte Darlehensrückzahlung EUR 46.659 pro Monat, bestehend aus Darlehenstilgung und Zinsen.
Im weiteren Schritt beleuchten wir an Hand der GuV die Auswirkung der Wachstumsstrategie auf die wirtschaftliche Performance des Unternehmens. Den Schwerpunkt legen wir dabei auf den Zusammenhang zwischen dem finanzierungsbedingten Wachstum und den Kosten der Finanzierung. In der nachfolgenden Tabelle ist die GuV-Entwicklung dargestellt, angefangen beim Jahr 0, d.h. mit dem Jahr vor der Finanzierung und endet im Jahr 4, d.h. nach der vollständigen Tilgung des Darlehens.
Jahr 0 1 2 3 4 Umsatz 17.000,0 17.000,0 18.000,0 19.000,0 20.000,0 Herstellungskosten inkl. AfA 11.050,0 11.250,0 11.900,0 12.550,0 13.200,0 davon AfA Alt 600,0 600,0 600,0 600,0 600,0 davon AfA Neu: 1Mio. auf 5 Jahre 0,0 200,0 200,0 200,0 200,0 Bruttoergebnis 5.950,0 5.750,0 6.100,0 6.450,0 6.800,0 Vertriebskosten 1.700,0 1.700,0 2.050,0 2.163,9 2.277,8 % Vertriebskosten 10% 10% 11,4% 11,4% 11,4% davon Marketing Neu 0,0 0,0 250,0 263,9 277,8 Allgemeine Verwaltungskosten 2.720,0 2.720,0 2.448,0 2.584,0 2.720,0 % Allgemeine Verwaltungskosten 16% 16% 13,6% 13,6% 13,6% sonstige betr. Aufwendungen 500,0 500,0 500,0 500,0 500,0 Betriebsergebnis (EBIT) 1.030,0 830,0 1.102,0 1.202,1 1.302,2 + Abschreibungen 600,0 800,0 800,0 800,0 800,0 EBITDA 1.630,0 1.630,0 1.902,0 2.002,1 2.102,2 Differenz zum Jahr 0 0,0 272,0 372,1 472,2 – Abschreibungen 600,0 800,0 800,0 800,0 800,0 – Zinsen „Darlehen alt“ 200,0 200,0 200,0 200,0 200,0 – Zinsen „Darlehen neu“ 0,0 149,3 60,8 22,1 0,0 Gewinn vor Steuern 830,0 480,7 841,1 980,0 1.102,2
alle Angaben in TEUR.
Vor der Wachstumsfinanzierung, d.h. im Jahr 0 betrug der Umsatz 17 Mio.€. Im Jahr 1 erhielt das Unternehmen das gewünschte Darlehen in der Höhe von 1,5 Mio.€ und begann mit der Investition von 1 Mio.€ in Digitalisierungsprojekte. Dies führte erst ab dem Jahr 2 durch Einführung neuer Produkte und Erhöhung der Marketingausgabe zur Steigerung des Umsatzes. In den Folgejahren stieg der Umsatz weiter um jeweils 1 Mio.€ pro Jahr, bis zur Erreichung eines neuen Umsatzniveaus von 20 Mio.€ in Jahr 4.
Bereits im Jahr 1 erhöhen sich die Abschreibungen um 200 TEUR, was der Abschreibung von 1 Mio.€ Investitionen auf 5 Jahre entspricht.
1/3 der Wachstumsfinanzierung. d.h. 500 TEUR sind für Marketing eingeplant. Diese Ausgaben werden erst ab dem Jahr 2 getätigt, d.h. erst nach dem im Jahr 1 durch Investitionen die Voraussetzungen für neue Produkte geschaffen wurden. Ziel ist die Marketingausgaben nachhaltig von 10% auf 11,4% des Umsatzvolumens zu erhöhen. Diese Erhöhung wurde im Jahr 2 vollständig mit 250 TEUR aus dem Darlehen finanziert, im Jahr 3 zu 95% mit weiteren 250 TEUR. Ab dem Jahr 3 wird das Marketing auf dem neuen Niveau vollständig aus dem operativen Cash Flow getragen.
Die geplanten Investitionen sollen nicht nur zur Entwicklung neuer, digitaler Produkte verwendet werden, sondern auch zur Verbesserung der eigenen Prozesseffizienz durch Digitalisierung führen. Dadurch soll eine Effizienzsteigerung von 15% gemessen an den Kosten erreicht werden, d.h. die Administrationskosten sinken von 16% auf 13,6% des Umsatzvolumens.
Die ergebniswirksamen Kosten der Finanzierung, bestehend aus dem einmaligen Disagio und dem jährlichen Zins fallen jeweils in den Jahren 1,2 und 3 an. Ab dem Jahr 4, d.h. nach der vollständigen Tilgung des Darlehens, fallen natürlich keine weiteren Kosten aus dieser Finanzierung mehr an.
Unser Musterunternehmen hatte vor der Umsetzung der Wachstumsstrategie, d.h. im Jahr 0 ein EBITDA von 1,63 Mio.€. Dieser Wert hat sich erwartungsgemäß im Jahr 1 nicht verändert, da ausschließlich Investitionen getätigt wurden. Dafür verringerte sich der Gewinn vor Steuern um die neuen Abschreibungen und die zusätzliche Darlehenskosten von 830 TEUR im Jahr 0 auf 481 TEUR. Erst ab dem Jahr 2 greifen die Wachstumsmaßnahmen und führen durch die Kombination der oben beschriebenen Effekte (+ Umsatz, – Verwaltungskosten) zu einer jährlichen Ertragssteigerung.
In unserer Case Study haben wir eine Wachstumsfinanzierung mit 6,5% Zins und ein Disagio von 3,5% angenommen. Diese Konditionen sind (im Jahr 2021) realitätsnah, da wir von einem Unternehmen mit bereits vorhandener Verschuldungsgrad von 3,7 x NetDebt und ohne dingliche Sicherheiten ausgehen. Somit ist diese Wachstumsfinanzierung natürlich teuer als ein „übliches“ Bankdarlehen.
Um den Erfolg oder Misserfolg dieser Finanzierungsstrategie beurteilen zu können, müssen wir folgende Frage beantworten: Rechtfertigt der Mehrertrag aus der Wachstumsstrategie die Zusatzkosten des Darlehens? Zur Erinnerung: die gesamten Darlehenskosten bestehen aus Zinsen und Disagio belaufen sich auf insgesamt 232,2 TEUR, was nicht wenig ist..
Wie wir bereits festgestellt haben, blieb das EBITDA im ersten Jahr der Finanzierung, d.h. im Jahr 1 unverändert auf den Niveau des Vorjahres. In der GuV Tabelle findet man die relative EBITDA Differenz zum Jahr 0 für alle Folgejahre. Für die Darlehenslaufzeit beträgt die Summe des Mehrertrages ggü. dem Jahr 0 den Wert von kumuliert 644,1 TEUR . Damit steht bereits in den Jahren 1 bis 3 den Kosten der Wachstumsfinanzierung von 232,2 TEUR ein Mehrertrag von 644,1TEUR gegenüber. Fazit: bereits die kurzfristige Erfolgsbilanz fällt positiv aus.
Eine alternative Perspektive auf den Erfolg der Wachstumsfinanzierung bietet die Steigerung des Unternehmenswertes. Diese Langzeitperspektive entspricht auch der Zielsetzung durch die Wachstumsfinanzierung das Unternehmen nachhaltig auf ein höheres Ertragsniveau zu heben. In unserer Case Study gehen wir folglich davon aus, dass der Unternehmensumsatz vom ursprünglich 17 Mio.€ im Jahr nachhaltig auf 20 Mio. € steigt. Dem entspricht ein Anstieg des EBITDA von 1,63 Mio.€ auf 2,1 Mio.€.
Mit Hilfe der Multiple-Bewertungsmethode können wir leicht die Änderung des Unternehmenswertes näherungsweise bestimmen. Unter der Annahme eines EBITDA Multiples von: MEBITDA = 6,5 erhalten wir für die jeweiligen Unternehmenswerte vor und nach der Finanzierung folgende Werte:
`text{Unternehmenswert}_{text{Jahr=0}}= 6,5 * 1,63 text{Mio.€} = 10,6 text{Mio.€}`
`text{Unternehmenswert}_{text{Jahr=4}}= 6,5 * 2,1 text{Mio.€} = 13,7 text{Mio.€}`
Daraus ergibt sich eine nachhaltige Steigerung des Unternehmenswertes von 3,1 Mio.€. An diese Stelle können wir schlussfolgern, dass die vorgestellte Wachstumsstrategie auch aus der langfristigen Perspektive des Unternehmenswertes erfolgreich war.
]]>Natürlich gibt es verschiedene anerkannte Verfahren, den Unternehmenswert zu berechnen. Wichtige Verfahren wie die Multiplikatormethode, die Discounted Cash Flow Methode und das (vereinfachte) Ertragswertverfahren stellen wir Ihnen weiter unten kurz vor. Wenn Sie jedoch Ihr Unternehmen veräußern, ist letztlich der mit dem Erwerber vereinbarte Kaufpreis für Sie relevant. Dieser Kaufpreis und auch die Detailregelungen des Kaufvertrages hängen auch vom Verlauf der Kaufpreis- und Vertragsverhandlungen ab. Diese Verhandlungen können freilich bei den genannten Methoden der Unternehmensbewertung nicht berücksichtigt werden. An dieser Stelle sei daher der Hinweis gestattet, dass es zu unseren vornehmsten Aufgaben gehört, im Rahmen eines Unternehmensverkaufsprozesses Sie bei genau diesen Kaufpreis- und Vertragsverhandlungen zu unterstützen.
Doch zurück zur Unternehmensbewertung. Letztlich geht es bei einer Unternehmensbewertung in der Regel darum, die nachhaltige Ertragskraft zu ermitteln. Für den Käufer oder den Nachfolger zählt die Ertragskraft des Unternehmens, die in der Zukunft eintritt. Die künftige Ertragskraft bestimmt die Rendite, die der Erwerber mit dem Unternehmenskauf erwirtschaftet, und die künftige Ertragskraft ermöglicht die Bedienung des für den Unternehmenserwerb aufgenommenen Kapitals. Fremdkapitalgeber wie Banken wollen Tilgung und Zinsen, und Eigenkapitalgeber wollen eine Rendite, die sie für das eingegangene finanzielle Risiko angemessen entschädigt.
Wie hoch die künftige Ertragskraft sein wird, hängt natürlich von einer Vielzahl von Einflussfaktoren ab, unter anderem vom Käufer bzw. Nachfolger selbst. Zieht man die vergangene wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens als Indikator für die Ertragskraft heran, so stützt man sich zwar auf tatsächlich realisierte Werte, doch die Zukunft ist und bleibt ungewiss. Verwendet man eine Planungsrechnung, um die Ertragskraft zu ermitteln, so basiert die Unternehmenswertermittlung auf Annahmen über die künftige Entwicklung, und ist zwangsläufig entsprechend unsicher.
Manche sagen daher, die Bewertung von Unternehmen sei mehr eine Kunst als eine Wissenschaft. Wir denken jedoch, dass sich ein Unternehmer vor der Übertragung seines Unternehmens fundierte Gedanken über die Bewertung seines Unternehmens machen sollte, um dies bei etwaigen Verhandlungen zu berücksichtigen. Freilich wird es im Regelfall nicht gelingen, einen „Liebhaberpreis“ am Markt durchzusetzen. Wir bieten daher an, als Ihr Sparringspartner in Sachen Unternehmensbewertung zu fungieren, um Ihre Erwartungshaltung eines Kaufpreises oder Übertragungswertes mit den Gegebenheiten des Marktes abzugleichen.
Auch unser Angebot für eine überschlägige und unverbindliche erste Einschätzung des Unternehmenswertes dient diesem Zweck. Hierfür verwenden wir die sogenannte Multiplikatormethode, da diese in der Praxis nach wie vor häufig angewandt wird und darüber hinaus vergleichsweise einfach zu handhaben ist. Die Multiplikatormethode basiert auf den Bewertungen börsennotierter Unternehmen oder auf der Unternehmensbewertung bei Unternehmenskäufen bzw. –verkäufen. Der Unternehmenswert wird in Relation zu einem Wert aus der GuV (z.B. Umsatz, EBITDA) oder Bilanz (z.B. Eigenkapital) gesetzt, um auf diese Weise einen Multiplikator zu ermitteln. Dieser Multiplikator wird dann auf den entsprechenden Wert des zu bewertenden Unternehmens angewandt. Wir verwenden für unsere erste Einschätzung übrigens die aktuellen Multiplikatoren, die von Experten geschätzt werden.
Auch beim vereinfachten Ertragswertverfahren handelt es sich wie bei der Multiplikatormethode um ein vergangenheitsbezogenes Verfahren. Dieses Verfahren ist im Bewertungsgesetz geregelt und wird z.B. für erbschaftsteuerliche Zwecke angewandt. Ausgangspunkt der Bewertung sind bei bilanzierenden Unternehmen die steuerlichen Gewinne der letzten 3 Jahre. Diese werden um bestimmte Positionen bereinigt, wie z.B. außerplanmäßige Abschreibungen oder außerordentliche Erträge. Der Durchschnittswert der bereinigten Gewinne stellt den Jahresertrag dar. Dieser Jahresertrag wird mit einem Kapitalisierungsfaktor multipliziert, um den Unternehmenswert zu ermitteln. Gemäß §203 Abs. 1 Bewertungsgesetz beträgt dieser Faktor 13,75. Rechnerisch entspricht dieser Kapitalisierungsfaktor einem Zinssatz von rd. 7,3% – demnach geht der Gesetzgeber davon aus, dass der Unternehmenswert dauerhaft einen jährlichen Ertrag in Höhe von 7,3% generiert.
Auch die Branche der Wirtschaftsprüfer hat sich intensiv mit dem Thema der Unternehmensbewertung auseinandergesetzt. So hat das Institut der Wirtschaftsprüfer IDW einen Standard für Unternehmensbewertungen erarbeitet, der in der Vergangenheit immer wieder überarbeitet wurde, den sogenannten IDW Standard S1. Im IDW S1 ist neben dem Ertragswertverfahren auch das Discounted Cash Flow Verfahren aufgeführt.
Im Gegensatz zum Multiplikatorverfahren und zum vereinfachten Ertragswertverfahren sind das Ertragswertverfahren und das Discounted Cash Flow Verfahren zukunftsbezogen. Somit ist für die Anwendung dieser Verfahren eine Planung der relevanten Größen erforderlich, zumindest für einen Zeitraum von 3 Jahren.
Ausgangspunkt des Discounted Cash Flow Verfahrens ist die Betrachtung des sogenannten Cash Flows, also des Überschusses der Cash-Zuflüsse eines Jahres (z.B. Umsätze) über die Cash Abflüsse eines Jahres (z.B. Kosten und Investitionsausgaben). Es werden die künftigen Cash Flows geplant und diese auf den Bewertungsstichtag abgezinst (= diskontiert, daher der Ausdruck „Discounted“ Cash Flow). Die Anwendung ist vergleichsweise komplex und erfordert neben der Planung der Größen, die den Cash Flow bestimmen, die Kenntnis bzw. Planung weiterer Größen, wie z.B. die ewige Wachstumsrate nach dem Planungszeitraum, risikoloser Zinssatz, Marktrisikoprämie und Betafaktor. Beim Discounted Cash Flow Verfahren wird zwischen verschiedenen Varianten unterschieden, je nachdem ob man auf den gesamten Cash Flow oder nur auf den Cash Flow auf das Eigenkapital abstellt, und wie die steuerliche Abzugsfähigkeit der Zinsen auf das Fremdkapital berücksichtigt wird.
Beim sogenannten Ertragswertverfahren nach IDW S1 ermittelt sich der Unternehmenswert aus der Summe der diskontierten künftigen finanziellen Überschüsse, die den Unternehmenseigentümern zufließen. Zur Ermittlung dieser finanziellen Überschüsse wird im Gegensatz zum Discounted Cash Flow Verfahren der ausschüttungsfähige Gewinn herangezogen. Wiederum vergleichbar zum Discounted Cash Flow Verfahren wird der Zinssatz zur Abdiskontierung berechnet, indem zum risikolosen Zinssatz ein separat ermittelter Risikozuschlag hinzuaddiert wird. Bei identischen Annahmen können die Ergebnisse eines Discounted Cash Flow Verfahrens und eines Ertragswertverfahrens ineinander überführt werden.
Nach dieser kurzen Darstellung der verschiedenen Verfahren stellt sich natürlich die Frage, welches Verfahren denn nun in einer konkreten Situation zu bevorzugen ist. Nun, jedes dieser Verfahren hat seine Vor- und seine Nachteile und insofern eine Existenzberechtigung.
Das Multiplikatorverfahren ist relativ einfach zu handhaben, Daten über die Bewertung börsennotierter Unternehmen sind leicht verfügbar, und einschlägige Datenbanken liefern bewertungsrelevante Daten vergangener Unternehmenstransaktionen. Zusätzlich stehen Multiplikatoren von Expertenschätzungen zur unmittelbaren Anwendung zur Verfügung, wobei die Multiplikatoren typischerweise nach Branche und Unternehmensgröße differenziert werden. Die große Frage ist jedoch, inwiefern das zu bewertende Unternehmen wirklich mit der herangezogen Datenbasis vergleichbar ist, ob also die spezifischen Zukunftsaussichten dieses Unternehmens durch den verwendeten Multiplikator zutreffend abgebildet werden. Zumindest ist dieses Verfahren in der Praxis sehr weit verbreitet.
Das vereinfachte Bewertungsverfahren basiert auf vergangenen steuerlichen Gewinnen, so dass das Ergebnis auch von steuerlichen Regelungen abhängt. Auch ist der Bewertungsfaktor vom Bewertungsgesetz vorgeschrieben, so dass – zumindest bei streng korrekter Anwendung – hier keine individuellen Anpassungen zugelassen sind. In der Praxis der Unternehmensbewertung in Zusammenhang mit Unternehmenskäufen bzw. -verkäufen ist dieses Verfahren daher auch nicht allzu häufig anzutreffen.
Mit dem Discounted Cash Flow Verfahren und dem Ertragswertverfahren nach IDW Standard wird nun das Gebiet der zukunftsbezogenen Bewertungsverfahren betreten. Beide Verfahren sind investitionstheoretisch fundiert und wissenschaftlich anerkannt. Während das Ertragswertverfahren den ausschüttungsfähigen Gewinn als Bewertungsbasis heranzieht, verwendet das Discounted Cash Flow Verfahren den Zahlungsmittelüberschuss – den Cash Flow. Beim DCF Verfahren werden daher auch cash flow relevante Veränderungen des Nettoumlaufvermögens berücksichtigt, die es – neben diversen anderen Größen – zu planen gilt. Damit sind wir auch schon beim vermutlich größten Kritikpunkt dieser Verfahren: aufgrund des Zukunftsbezugs basieren die Bewertungen auf Plangrößen, und diese sind nun einmal gestaltbar. Durch eine positive Planung kann somit ein entsprechend hoher Unternehmenswert ermittelt werden. Aber: ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht, denn ein möglicher Käufer wird eine solche positive Planung nur dann akzeptieren, wenn es gelingt, die Planung im Detail darzulegen und plausibel zu erklären, so dass der Käufer auch davon überzeugt ist, dass diese Planung ihre Berechtigung hat, und nicht nur der rein rechnerischen Ermittlung eines hohen Unternehmenswertes dient.
Wir sehen also wieder einmal, dass die Themen rund um eine „Unternehmensnachfolge“ einerseits zwar komplex sind, dass aber andererseits der gesunde Menschenverstand nicht ausgeschaltet werden darf!
Wie handhaben wir von Seiten ADVISOS Corporate Finance nun das Thema der Unternehmensbewertung? Als ersten Anhaltspunkt einer Unternehmensbewertung bieten sich in der Tat die verschiedenen Ausprägungen des Multiplikatorverfahrens an. Gern ergänzen wir die Ergebnisse dann um Erkenntnisse aus dem Discounted Cash Flow Verfahren, bei dem durchaus verschiedene Planungsszenarien durchgespielt werden können. Hier schätzen wir sehr die detaillierte Diskussion der Planung und der Planungsannahmen mit unserem Kunden. Gern nutzen wir das sogenannte entity Verfahren, bei dem der Cash Flow des Unternehmens ermittelt und als Bewertungsbasis herangezogen wird. Typischerweise liegt schließlich eine Bandbreite von Ergebnissen vor, die wir mit unserem Kunden diskutieren und die wir bei der Erarbeitung einer Verhandlungsstrategie zum Wohle unseres Kunden zielgerichtet einsetzen.
Wir sehen also wieder einmal, dass die Themen rund um eine „Unternehmensnachfolge“ einerseits zwar komplex sind, dass aber andererseits der gesunde Menschenverstand nicht ausgeschaltet werden darf! Machen Sie den ersten Schritt und lassen Sie Ihre Unternehmen durch Experten unverbindlich und diskret bewerten.
]]>Am Sonntag, 06.09.2020 fand nun das erste Spiel des TTC OE in der TTBL statt: ein Heimspiel in der Wingertsporthalle (dem „Wingert-Dome“) gegen den TTC Neu-Ulm. Der TTC Neu-Ulm ist ebenfalls ein Neuling in der TTBL, wurde doch der Verein erst vor etwas mehr als einem Jahr gegründet, und stieg über eine „Wild Card“ Regelung direkt in die TTBL ein. Dies gelang aufgrund der Aktivitäten des Vereinspräsidenten und Hauptsponsors Florian Ebner, der viel Energie und Geld in den Verein steckt. So konnte eine hochkarätige Mannschaft zusammengestellt werden, deren Spitzenspieler der frühere Mannschafts-Europameister Tiago Apolonia aus Portugal ist.
Das Spiel begann sehr vielversprechend für den TTC OE Bad Homburg, im ersten Match standen sich Gustavo Tsuboi vom TTC OE Bad Homburg und Vladimir Sidorenko vom TTC Neu-Ulm gegenüber. Gustavo zählt mit seinen 34 Jahren zu den sehr erfahrenen Tischtennis-Profis, von seiner Erfahrung kann die ansonsten sehr junge Mannschaft des TTC OE sicherlich profitieren. Nachdem der erste Satz verloren ging, konnte Gustavo den zweiten Satz gewinnen und gewann das Spiel schließlich mit 3:2 Sätzen. Die folgenden beiden Matches entschied dann wiederum der TTC Neu-Ulm für sich (Tiago Apolonia mit einem 3:1 Sieg gegen Lev Katsman und Emanuel Lebesson ebenfalls mit einem 3:1 Sieg gegen Rares Sipos).
Beim Stand von 1:2 aus Sicht des TTC OE musste daher nun ein Sieg her, um die Niederlage abzuwenden, da in der TTBL diejenige Mannschaft gewinnt, die zuerst 3 Matches gewinnt. Das vierte Match war das Spitzenspiel und das wohl spannendste Match des Tages, denn Gustavo Tsuboi traf auf Tiago Apolonia. Gustavo lieferte heftig Gegenwehr und holte Rückstände auf, konnte aber letztlich den Sieg von Tiago nicht verhindern. So musste der TTC OE Bad Homburg dann im Ergebnis eine 1:3 Niederlage gegen den TTC Neu-Ulm hinnehmen. Dennoch hat sich die Mannschaft des TTC OE hervorragend präsentiert und Moral gezeigt. Dieser Mannschaft ist in der Zukunft noch einiges zuzutrauen!
Die Zuschauer erlebten durchweg hervorragendes Tischtennis und konnten sich über atemberaubende und spannende Ballwechsel freuen. Das gezeigte hohe spielerische Niveau stellte eine nochmalige Steigerung im Vergleich zur auch schon sehr anspruchsvollen 2. Bundesliga dar. Das Corona-Hygienekonzept ging auf, und die zulässigen 250 Plätze in der Halle waren gut besucht. So wurden auch die Verantwortlichen beim TTC OE in ihrer Entscheidung bestätigt, den Sprung in die TTBL gewagt zu haben.
Wir freuen uns auf weitere, spannende Spiele im Wingert-Dome und drücken der Mannschaft die Daumen!
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