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]]>Ich denke ja bei dem Begriff „Palatalisierung“ immer an ein grammatisches Phänomen, nämlich die Angleichung eines tiefen Wurzelvokals an einen palatalen Vokal [i, j] in der schwachtonigen Nebensilbe, was u.a. der Grund dafür ist, dass die Mehrzahl von /Gast/ auch heute noch /Gäste/ lautet. Ein ähnliches Phänomen wie die nord-west-germanische Hebung also.
]]>Ich weiß, dass in meinem Chor das Latein meist nach den Aussprachekonventionen gesprochen wurde, die im Land des Komponisten für das Lateinische üblich sind. Da Orff Deutscher war, würde ich hier auch deutsche Konventionen ansetzen, also c vor hellen Vokalen (e/i) wie [tz] und vor dunklen (a/o/u) wie [k]. Das ist ja im Grunde genommen auch das, was mein Vorredner sagt. Viel Erfolg!
]]>Wie Sie selber sagen, sprach jeder entsprechend seiner muttersprachlichen Zugehörigkeit die Laute unterschiedlich, und so ist es ja heute noch. Wenn ein Amerikaner z. B. „Jesus Christus“ sagt, klingt das ganz anders, als wenn ein Deutscher das ausspricht, und wieder anders von einem Franzosen usw.
In Ihrer Anfrage geht es praktisch nur um die Aussprache des „c“ in verschiedener lautlicher Umgebung. Die deutsche Aussprache des c, die im 19. und 20. Jahrhundert und jedenfalls zu Zeiten Orffs an den Schulen üblich war, ist leicht erklärt: vor dunklen Vokalen und dunklen Diphthongen (a, au, o, u) und vor Konsonant wie ein k, vor hellen Vokalen und hellen Diphthongen (ae, e, oe, i) wie ein z.
(Beispiele: casa -> kasa; causa -> kausa; contra -> kontra; custos -> kustos; Caesar -> Zäsar; ocelli -> ozelli; coeptum -> zöptum; crescit -> kreszit)
Im übrigen kann man sich selbst ein ganz brauchbares Bild machen, wenn man davon ausgeht, wie bekannte lateinische Namen oder Wörter in den einzelnen Sprachen heute ausgesprochen werden, z. B. Cato, Caesar, Cicero. Da werden Sie schnell merken, dass das „tsch“ typisch italienisch ist, das „ss“ typisch französisch usw.
Viel Erfolg bei Ihrer Arbeit!
]]>Es gibt weitere Beispiele dafür in der mhd. / mnd. Literatur, z. B. Bei Heinrich von Veldeke:
„Tristrant muste ane sinen danc / stade sin der koninginnen, / want poisun heme dar tu dwanc / mere dan di cracht der minnen.“
Die Frage ist also, werden die jungen Männer „gegen ihren Willen zur Liebe gezwungen“ (âne ir dank) oder werden sie „unter Lob/Jubel zur Liebe gezwungen“ (an ir dank). Ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass tatsächlich das Erste gemeint ist.
]]>Besten Dank und Gruß!
]]>Viele Grüße!
]]>Aus der Schreibung einen Rückschluß auf die Aussprache zu ziehen, ist also eine Frage, die die konkrete Schreibung in einer konkreten Situation überspannt. Aber letztlich passiert genau das, dass man Aufgrund der Schreibung auf die Aussprache schließt. Anders ist es ja auch nicht möglich.
]]>Sehr hilfreich, danke. Könnten wir aber nicht vermuten, dass die Lieder so aufgeschrieben wurden, wie sie damals mit dialektischen Unterschieden ausgesprochen wurden?
z.B., daß in Nr.10 “ih” “mih” “ie” “mie” ausgeprochen werden sollen?
Die Schreiber werden woll ihre Gründe gehabt haben, keine einheitliche Schreibweise für die Wörte verwendet zu haben.
Besten Grüß, Larry
]]>Oswald wirkte, soweit ich weiß, in Tirol. Ich habe mich mit ihm und seiner Musik bisher nur am Rande befaßt, weil mir das zeitlich schon wieder fast zu „modern“ ist. Generell würde ich sagen, bevor man irgendwie rumdruckst, sollte man die konventionellen Ausspracheregeln auch auf seine Liedtexte anwenden. Wobei man bedenken muß, dass sich rechtschreiblich sicherlich eine Menge getan hat, also Buchstabenfolgen, an denen man sich im Mhd. in Bezug auf die Aussprache orientieren kann, durchaus variiert sein können.
Wenn man es aber wirklich genau machen möchte, würde ich versuchen, Ausgaben zu dialektalen Besonderheiten der Region Tirol zu bibliographieren und mal zu schauen, ob man dort etwas zur Aussprache findet oder über Vergleiche von Schreibung, Grammatik, aktueller Aussprache, etc. irgendetwas darüber erschließen kann. Dann wird man sicherlich nicht um einen Vergleich der Handschriften und Editionen hinwegkommen. D.h. man schaut sich an, nach welchen Standards die standardisierten Oswald-Ausgaben standardisiert wurden und in wiefern sich die Schreibungen in den originalen Hss. (bzw. diplomatischen Abschriften, Handschriften-Editionen) unterscheiden. Es kann z.B. sein, dass eine Hs. den Oswald in einer Region überliefert, die nicht direkt seine Wirkungsstätte war und deshalb an die eigenen dialektalen Besonderheiten anpaßt, etc. Obwohl ich glaube, dass Oswald für den Großteil seiner Überlieferung (ähnlich wie Machaut) selbst verantwortlich ist, aber da stecke ich, wie gesagt, zu wenig in der Materie.
Liebe Grüße, LeV.
]]>Ich sehe schon, Du hast selten Zeit für Deinen Blog, aber das spricht ja nur für ein in vollen Zügen genossenes reales Leben.
An dieser Stelle würde ich statt eines Koreferats nur eine kleine Frage hinterlassen in der Hoffnung, daß Du irgendwann Gelegenheit für eine Antwort siehst:
Kann man die konventionellen Ausspracheregeln für das Mittelhochdeutsche auch auf die Lieder Oswalds von Wolkenstein anwenden? An sich sind ja bei ihm schon Einflüsse des Frühneuhochdeutschen festzustellen, andererseits stammt er aus einer Region, in der bis heute eine starke dialektale Färbung besteht…Aufgrund dieser Besonderheiten bin ich mir nicht ganz sicher.
Der praktische Hintergrund der Frage ist der, daß ich während meines Gesangsstudiums seine Stücke für mich entdeckt habe und mich bei Auftritten prinzipiell um eine historisch informierte Aufführungspraxis bemühe.
Wie würdest Du das hier umsetzen?
Herzliche Grüße,
Sigmar
Was nun die /ch/s Am Wortende betrifft, so ist unklar, ob man sie im MA durchgehend wie im Ach-Laut spricht, wie das in der heutigen Schweiz üblich ist, oder ob sie in der Nähe vorderer Vokale wie [i] und [e] aus sprachökonomischen Gründen zum Ich-Laut verschliffen werden, wie man es heute in ganz Deutschland tut. Das wäre dann analog zum Französischen „garage“ oder Italienischen „capuccino“. Sprachökonomisch ist das deshalb, weil die Zunge für den Vokal ja schon vorne ist oder eben dahin muß, da kann man sie für den Konsonanten eben auch gleich dort lassen, anstatt sie erst zum hinteren Gaumensegel zu bewegen. Das Resultat ist ein weicherer Konsonant bei gleicher Mundstellung.
]]>find ich echt toll, dass du das auch noch vorgelesen hast, da hat man erstmal richtig ne Vorstellung was man das singt, denn meistens erschließt sich der Sinn ja erst wenn man es richtig ausspricht.
Interessant finde ich, dass man manchmal bei der Schreibweise „ih“ es wie das heutige „ich“ ausspricht (siehe 10.) und „mih“ (10.) und bei „chume, chum“ steht mich, was man dann ja wohl wie das heutige mich ausspricht.
Andererseits aber bei (7.) „nah“, was man wie das heutige „nach“ ausspricht…..ich dachte irgendwie, dass man dann das mih, ich eher wie bei nach spricht. Hast du da ne erklärung? Hat es was mit den verschiedenen Vokalen zu tun?
Und habe ich mich ungefähr verständlich ausgedrückt? 😉
viele grüße
juli
ist das mittelhochdeutsche dem plattdeutschen und auch dem ostfriesischem platt ähnlich? ich hatte die texte mit dir mitsprechen können. darüber war ich etwas verwundert. große unterschiede empfand ich nicht und erzeugte kurzlaute gibt es auch im norddeutschen plattdeusch.
du hattest ja gesagt das es der mundart unterliegt, mich wundert aber das da solche ähnlichkeiten bestehen, auch zu meiner hausbezogenen mundart. das es natürlich abweichungen gibt ist deutlich, aber im grunde genommen fallen die nicht sehr ins gewicht, oder doch?
ich hab auf dem dichterplaneten ein gedicht vertont das „Shietwedder“ heißt, wo du die aussprache hören kannst…ich wollte keinen link setzen weil ich nicht weiß ob du das gerne siehst. würde mich aber freuen wenn du da mal reinhörst und mir hier oder sogar auf dem planeten selbst, deine meinung dazu abgeben könntest.
Meen Keue schloppen achtern Diek in staan
un achter se, dor steit de kole Waater,
steit denno nemols ruhi un Wellen schlein,
se schlein sik hoch un överschlein sik nöcher.
meen wird wie mien gesprochen
staan wird wie stoan gesprochen
es fallen viele wortlaute sogar weg
und ist un/ se ist sie/ dor ist dort
es gibt auch klangliche abweichungen wie
stei für steht/nemols für niemals
v=b/ k=ch
ich bin mit der sprache aufgewachsen und mag sie sehr gerne, nach der wirkung oder dessen ursprung hab ich eigentlich nie gefragt…was man sein leben lang macht, kommt einem ja meist als recht beiläufig vor und fällt der normalität anheim.
das ist die erste strophe davon, es gibt natürlich unterschiede, aber in der aussprache sind die nicht allzugroß wie ich fand. das hat mich reinst verwundert.
und auch sehr angesprochen.
wahrscheinlich ist plattdeutsch eine abart des mittelhochdeutschen? wenn ich raten müsste würde ich ja sagen. 🙂
glg pringles