In Mareike Fallwickls zweitem Roman geht es um Maximilian Wenger, einen Bestseller-Autor, dessen beste Zeit vorüber ist, und um seinen Kampf zurück ins Rampenlicht. Vor allem geht es aber auch um seine Tochter Zoey, um Briefe von einer Unbekannten, um kaputte Familien, Geldgier und alte weiße Männer. Es geht darum, wie man überleben kann als Frau in dieser scheinheiligen Gesellschaft. Wie wir bei aller Emanzipation und bei allem Empowerment immer noch abhängig sind, immer noch Opfer sind, ohne es zu merken. Wir sind Opfer des male gaze, der unsere Existenz an ein männliches Weltbild knüpft – was ja logisch ist, denn wer an der Macht ist, der gibt gleichzeitig auch den Referenzrahmen vor, in dem wir alle uns bewegen.
Jetzt erkämpfen wir – nicht wir Frauen, sondern wir Nicht-alte-weiße-Männer– uns unseren Platz, wir erobern Raum, damit wir ein neues Weltbild schaffen können. An manchen Orten sind wir weiter als an anderen, je nach Bubble in der wir uns bewegen fühlt es sich sogar so an, als hätten wir es schon geschafft, endlich. Aber eigentlich sind wir doch noch ganz am Anfang, und zwar mehr als wir denken. Dafür hat mir der Wenger die Augen geöffnet, denn nur weil jemand das Richtige sagt, heißt das nicht, dass er es auch richtig meint. Logisch eigentlich. Und doch vergisst man es so leicht. Man denkt sich Wow, super, da hat’s einer verstanden, da setzt sich jetzt einer, dem man zuhört, für uns ein. Und ja, er hat auch verstanden, was er sagen muss, was der richtige Wortlaut ist, um Applaus zu bekommen, aber er hat nicht verstanden, was es bedeutet. Nicht wirklich.
Er hat gespürt, was Worte auslösen können, was auch er einmal auslösen konnte mit Worten, alles eigentlich, Worte waren sein Stoff, sein Atem, sein Wesen. Er könnte sie herumwirbeln, aufeinanderstapeln, Löcher lassen dort, wo es still sein musste. Und die Worte, die auf die Stille folgten, waren noch viel lauter.
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Denn wer immer redet, der vergisst, wie man zuhört. Das Interessanteste am Wenger, der übrigens für jeden alten weißen Mann stehen könnte, den man so in seinem Bekanntenkreis hat, ist ja, dass er es im Grunde nicht böse meint. Und da ist Mareike Fallwickl ein wahrer Kunstgriff gelungen: Man kann sich hineinfühlen in diesen Mann, der sich so respektlos verhält. Denn er liegt ja am Boden, er will ja eigentlich nur geliebt werden, er will ja da sein für seine Kinder, er will ja auch niemanden verletzen – keine der Frauen zumindest.
Man will das ja nur gut machen, mit den eigenen Kindern, wirklich. Aber dann türmt sich Versagen auf Versagen, sodass man kaum noch was sehen kann. Und irgendwann hat man auch gar keine Lust mehr, sich dauernd zu verteidigen und zu rechtfertigen, für alles, woran man es angeblich hat mangeln lassen.
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Den Druck der Gesellschaft spürt auch der Wenger, der lastet auch auf ihm, weil er so aufgewachsen ist, wie er aufgewachsen ist und sich in den Achtzigern, Neunzigern seinen Platz in der Schickeria erobert hat; weil ihn die Gesellschaft in diese Form von Männlichkeit gepresst hat, die jetzt völlig überholt ist. Aber eben erst jetzt, er kennt sich nicht aus, denn eben wurde er noch gefeiert, weil er mutig war, weil er sich getraut hat und sich nie geschert hat um ein Das-darf-man-nicht oderDas-kannst-du-nicht-sagen. Die war cool, diese ignorante Präpotenz, das war männlich, dafür verdiente man sich einen Platz im Rampenlicht, weil es eben in der Masse nur ein Narrativ gab, und das wurde von toxischer Männlichkeit bestimmt.
Man fühlt also mit dem Wenger mit, der eh alles richtig machen will, aber eben ohne dabei seine Stellung und natürlich auch sein Weltbild aufzugeben. Ändern will er sich nur ein bisschen, gerade so viel, dass er weiterhin bestehen kann in dieser neuen Gesellschaft, dass er weiterhin im Licht stehen und erfolgreich sein darf, aber für ein wirkliches Umdenken ist es zu spät. Dafür sitzen ihm die alten Strukturen zu tief in den langsam immer poröser werdenden Knochen. Er ist ja auch nicht mehr der Jüngste und der Verfall der Wengers setzt zum Glück schon ein, um Platz zu machen für neue Narrative.
Woher weiß man im Leben, wann es Zeit ist zu gehen, wann man aufhören kann zu warten, weil nichts mehr kommen wird außer ein ewiges Zurückschauen?
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Gerade befinden wir uns nämlich im Umbruch, in einem echten Umbruch. Das merkt man daran, dass es den Wengers dieser Welt jetzt ganz heiß wird, weil sie das spüren, wie sie plötzlich ihren Raum teilen müssen mit allen anderen, weil wir uns unseren Raum zurückerobern. So erobert sich auch Wengers Tochter Zoey Stück für Stück zurück, was ihr gehört, was ihr genommen oder gleich ganz vorenthalten wurde. Der Wenger entwickelt sich nicht mehr weiter, der bleibt der gleiche alte Trottel, der er schon immer war, aber Zoey ist noch jung, die wird gerade erst achtzehn, die lernt gerade noch, wo man überall Grenzen setzen kann, um sich mehr Platz zu erkämpfen.
So sehr es mich ärgert, dass der Wenger nichts einsieht, gar nichts einsehen kann, so sehr gibt es mir Hoffnung, dass die nächste Generation jetzt erwachsen wird, dass endlich Früchte trägt, was vor langer Zeit gesät und von bestimmten Teilen nachfolgender Generationen weiter hochgezogen wurde, bis es endlich alles andere überwuchert. Und wenn das nur bedeutet, dass die Wengers sich zwar nicht ändern können, aber immerhin verstellen müssen, um Anerkennung und Ruhm zu bekommen, dann ist das halt so – fake it till you become it, lieber Wenger, irgendwann glaubst du dir vielleicht selbst.
Sprachlich ist dieses Buch wieder so on point, wie man es von Mareike Fallwickl kennt. Sie gibt ihren Figuren ganz eigene Stimmen, legt dabei eine unglaubliche Feinfühligkeit an den Tag und eine Dringlichkeit in die Sprache. Vielleicht auch deswegen hätte ich mehr Zeit gewünscht mit den Figuren, noch mehr Interaktionen untereinander, am liebsten so dicht gewebt wie im Debütroman ‚Dunkelgrün fast schwarz‘.
Ein paar Themen hätte ich außerdem lieber noch reflektierter gehabt, schärfer kommentiert. Zum Beispiel die ganze Sache mit diesem hoch problematischen Jonathan, in den Zoey so verliebt ist. Da gibt es ein paar Dinge, die passieren, die eigentlich nicht okay sind und die Zoey trotzdem unkommentiert lässt. Dass ihr das im selben Moment nicht auffällt, ist nachvollziehbar. Aber dass ihr gewisse Übergriffigkeiten auch nach ihren Entwicklungssprüngen nicht wie Schuppen von den Augen fallen, passt nicht.
Was wiederum passt, mich aber unheimlich geärgert hat, ist das Ende aus Wengers Sicht. Dieser Entschluss, den er am Ende fasst, in bester Absicht, der hat mich so wütend gemacht, dass ich das Buch am liebsten in eine Ecke gepfeffert hätte. Weil es so outrageous ist, aber die Wengers dieser Welt es nicht verstehen werden. Es ist so subtil eine bodenlose Frechheit, ein Schlag ins Gesicht jeder Leserin. Dieses Ende muss sickern, es dämmert einem erst langsam, was da passiert und dann bleibt man zurück mit einer Ungläubigkeit, die nach und nach zur Erkenntnis wird, dass das leider sehr realistisch ist.
Während ich mir während des Lesens noch ausgemalt habe, welchen Wengers ich dieses Buch schenken kann, damit sie besser verstehen, was eigentlich das Problem ist, frage ich mich nach diesem Ende, ob das überhaupt Sinn macht. Denn wer davor nicht schon weiß, was das Problem ist, wird es durch dieses Buch vermutlich nicht lernen.
Dass er nicht einmal ahnt, was ich da mit mir trage, und so ist es doch mit allen Menschen. Was sie mit sich tragen, das wissen wir nicht, und deshalb sollten wir sanft zu ihnen sein.
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Es ist gut, eine Einsicht in das Wenger-Wesen zu bekommen, aber es geht nicht ausreichend in die andere Richtung, die Frau mit den Briefen ist zu weit weg, da bleibt zu viel Distanz, um sich wirklich hinein zu fühlen, wenn man nicht selbst schon irgendwie betroffen ist. Und Zoey, deren Sicht nah genug wäre, hat noch nicht genug verstanden, um es den Wengers adäquat beizubringen, da ist noch zu viel unausgesprochen, weil sie es selbst noch nicht in Worte fassen kann. Ich hätte mir genau deswegen gewünscht, dass das Ganze einen anderen Ausgang nimmt, dass der Wenger mit weniger davonkommt, oder zumindest mehr versteht, damit es auch all die anderen Wengers verstehen, die dieses Buch lesen, und sich nicht sogar noch bestärkt fühlen. Aber es stimmt natürlich: Im echten Leben ist es ja auch so wie im Buch, die verstehen das eben nicht. Aus literarischer Sicht – als Mimesis des Lebens, wenn man so will – also gar nicht schlecht gelungen, dieses Ende.
Und überhaupt: Spannungsbogen, Gesellschaftskritik, Charakterentwicklung, alles da, so insgesamt. Was fehlt, ist der Schritt – nein, ein noch größerer Schritt – über die Grenze, das Buch ist zu perfekt. Hier entgleitet wenig, obwohl das Thema geradezu danach schreit. Alles schrammt geradeso aneinander vorbei, es geht dann schon irgendwie auch ohne eine große Szene zu machen, es macht sich eine allgemeine Resignation breit – nur bei Zoey nicht, die wacht gerade erst auf, die hat noch eine Wut in sich, die sie aus den Schatten treibt. Alles hat sie noch nicht begriffen, aber das wird sie. Sie ist auf dem richtigen Weg. Sie ist eine von uns. Es wird Zeit, dass wir unsere Geschichten selbst schreiben.
Noch ein Hinweis: Ich setze hier absichtlich keinen Link zum Buch, weil ich möchte, dass ihr das offline in eurer Buchhandlung kauft. Unterstützt eure local bookdealer, denn nur so können wir die Buchhandlungen retten – die braucht auch ihr allerspätestens zum nächsten Anlass, an dem ihr spontan das perfekte Geschenk braucht.
Schreib mir hier in die Kommentare oder auf Instagram (@buecherphie) eure Meinungen zum Buch oder zu diesem Beitrag. Zumindest ich hatte nach dem Lesen Redebedarf und ich bin mir sicher, dass es nicht nur mir so ging. Ich freue mich ehrlich über jede einzelne Nachricht. Bussi!
*Erinnert ihr euch an meinen Blogpost „Das Ende von Mareike Fallwickls Dunkelgrün fast schwarz“?
]]>Ich möchte außerdem noch eine Beobachtung hinzufügen: Die deutschen Beiträge fand ich insgesamt besser als die übersetzten, sowohl inhaltlich als auch stilistisch. Ob das an der Übersetzung liegt, an kulturellen Unterschieden oder der relativen schriftstellerischen Unerfahrenheit einiger Beitragenden, weiß ich nicht. Ist aber auch egal, das wäre ja auch Aufgabe des Lektorats gewesen.
Kurz gesagt: Wir sind beide nicht hundertprozentig überzeugt von dieser Anthologie, finden aber auch sehr viel Gutes daran.
Und genau dieses Gute will ich dir heute zeigen: meine 20 liebsten Essays aus ‚The Future Is Female‘, damit du dich nicht durch alle 62 Beiträge kämpfen musst. Denn ganz ehrlich – wer (mehr oder weniger) aktiv gegen unser aktuelles toxisches Gesellschaftssystem kämpft, ist eh schon beschäftigt genug. Also bitteschön:
S. 15-20. Scarlett Curtis – die Herausgeberin – erklärt, warum wir Feminist*innen lange noch nicht fertig sind mit unserem Kampf. Dass Feminismus sich für Gleichheit einsetzt und nicht für eine Übermacht des weiblichen Geschlechts – weil es tatsächlich Leute gibt, die das immer noch nicht verstanden haben.
„Die Lügen, die uns über den Feminismus erzählt worden sind, wurden verbreitet, um uns von einer Bewegung ferzuhalten, die eigentlich alle Menschen meint.“
Dass man als Feminist*in Make-up tragen darf und Pink, dass Feminismus so vielfältig ist wie jede einzelne Person, die ihn unterstützt. Dass Aktivismus mit einer Idee beginnt, wahrscheinlich mit einer, die man irgendwo gelesen hat.
S. 26-29. Die Schauspielerin Saoirse Ronan gibt eine akkurate, stichwortartige Anleitung für eine feministische Lebensweise. Kurz, knackig – on point.
S. 60-72. Alison Sudol, auch bekannt als Queenieaus Fantastische Tierwesen, schreibt sehr ehrlich über die Teile des Feminismus, mit denen sie sich nicht wohlfühlt. Weichgewaschenen Feminismus, würden das wohl einige meiner fellow feminists nennen. Und ja, ich geb’s zu: Ich habe beim Lesen mit den Augen gerollt, weil ich es nicht einsehe, dass wir uns immer noch Sorgen darüber machen, ob wir noch gefällig, ob wir noch pleasant sind, wenn wir uns als Feminist*innen bezeichnen, oder ob wir dann nicht etwas zu aggressiv rüberkommen. Aber auch das ist Feminismus. Auch diese Sorge, ob wir denn wirklich alle in unseren Feminismus einschließen, der Wunsch, dass sich niemand ausgeschlossen fühlt, auch das ist Feminismus. Und vielleicht sogar eine der wichtigsten Sorgen, auch wenn wir dann vielleicht langsamer vorankommen.
S. 95-99. Auf ein paar Seiten kondensiert erklärt uns Katrin Bauernfeind, warum wir ausgerechnet jetzt, wo wir doch schon so viel geschafft haben, nicht aufgeben dürfen. Und warum du bitte nicht sein sollst wie Jörg.
„Der Fortschritt ist kein automatisches Update. Er muss immer wieder aufs Neue erkämpft werden. Von allen.“
Bitte lesen. Die Frau kann schreiben.
S. 116-122. Wer mit fünfzehn Jahren die Highschool abschließt, ein Medizinstudium beginnt und mit 21 Jahren an hochkarätigen Konferenzen teilnimmt, ist schon ziemlich cool. Wer dann auch noch darüber lachen kann, dass sie sich von einer Praktikantin von ihrem Platz scheuchen ließ, weil diese sie ebenfalls für eine Praktikantin und eben nicht Dr. Murabit hielt, hat es verdient gelesen zu werden. (Außerdem wird dich diese Anekdote sehr unterhalten, da bin ich mir sicher)
S. 136-145. Als echte Feministin weißt du, dass die Zusammenarbeit mit den Männern unserer Gesellschaft ein wesentlicher Bestandteil des Aktivismus ist. Nur gemeinsam stellen wir das System auf den Kopf. Denn das Patriarchat schadet uns allen. #ToxicMasculinity ist für alle giftig. Jameela Jamil macht eine klare Ansage: Das solltest du den Männern in deinem Leben sagen, deinen Partnern, Chefs, Onkeln, Brüdern, Söhnen. Vielleicht mein allerliebster Beitrag der ganzen Sammlung. Ich würde am liebsten den ganzen Text auswendig lernen, mir immer wieder vorsagen, damit ich für die Männer in meinem Leben immer die richtigen Worte parat habe. Ihre Worte sind ernst, sie sind einfühlsam – und wenn es passt, auch witzig:
„Sagt ihm, dass es sich unter den Frauen in allen vier Weltgegenden herumsprechen wird wie ein Lauffeuer, wenn er im Schlafzimmer Großzügigkeit walten lässt, denn wir erzählen einander alles. Sein Lob wird landauf, landab gesungen werden, und sein Name wird Legende werden unter uns.“
Hach ja. Wie wahr.
S. 155-160. Ich wusste nicht, dass Keira Knightley schreiben kann. Nicht so. Alles, was ich über ihren Beitrag sagen könnte, würde der Wucht ihrer Worte niemals gerecht werden. Sie schreibt „An mein Mädchen“, an ihre Tochter, schonungslos ehrlich, offen – enttäuscht, wütend, ermutigend.
S. 167-172. Eine unsympathische Frau … oder hat sie einfach nur die Nase voll von diesem ganzen Bullshit? Milena Glimbowski – ihr kennt sie vielleicht als Gründerin von ‚Original Unverpackt‘ oder ‚Ein guter Plan‘ – hat zero fucks to give und macht eine klare Ansage, was es heißt, heute intersektionale Feministin zu sein.
„Wir mögen Pornografie und finden Sexarbeit in Ordnung. Wir respektieren Frauen, die selbstbestimmt in diesen Bereichen tätig sind. Wir stehen hinter muslimischen Frauen – egal ob mit Kopftuch oder ohne. Das ist ihre Entscheidung – nicht unsere.“
S. 173-181. Angela Yee sagt, sie konnte sich als Jugendliche nicht mit dem Feminismus identifizieren, weil sie dachte das sei etwas für weiße Frauen ohne BH. (Zur Erklärung: Angela Yees Vater ist übrigens chinesischer Herkunft, ihre Mutter aus West-Indien, aufgewachsen ist sie in den USA) In ihrem Essay erzählt sie uns von einigen haarsträubenden Diskriminierungserlebnissen, gegen die sie auf ihrem Weg zu fame and fortuneanzukämpfen hatte. Heute ist sie erfolgreiche Radiomoderatorin mit ihrer eigenen Show und steht für meine liebste Art von Feminismus:
„Mein Feminismus besteht darin, andere nicht zu verurteilen, sondern zuzuhören, um unsere Differenzen zu verstehen.“
S. 182-187. Zehn mehr oder weniger einfache, dafür umso simplere, durch und durch logische Wege, andere Frauen zu unterstützen. Lesen, merken, groß ausdrucken und an die Office-Pinnwand heften.
S. 221-226. Wie oft in deinem Leben bist du von einem Kommentar oder einer Frage zum Feminismus überrumpelt worden? Wie oft hast du dir gewünscht, die passende Antwort, die dir erst später in der Dusche eingefallen ist, sofort parat gehabt zu haben? Verzage nicht, mein Kind. Scarlett Curtis got you covered. Sie weiß auf jede Frage eine Antwort. Merk sie dir für die nächste Diskussion.
S. 238-245. Der literarische Teil der ‚The Future Is Female‘ Anthologie gefällt mir eigentlich nicht so gut. Hauptsächlich, weil es sich beim um übersetzte Gedichte handelt – und übersetzte Gedichte mag ich einfach nicht. Karla Paul – eine Größe der deutschen Buchszene, auch bekannt unter @buchkolumne – schreibt dafür einen umso berührenderen Text über ihren eigenen, über den weiblichen Körper und das stille Miteinander mit den Frauen, denen wir täglich so begegnen. Ich weiß nicht, ob sie das ursprünglich als literarischen Beitrag geplant hat. Aber kein Wunder, dass dieser Text ins Poesie-Kapitel gesteckt wurde – er ist wunderbar poetisch.
S. 249-255. Auf nur wenigen Seiten umreißt Emtithal Mahmoud ihre Geschichte als Dichterin und Aktivistin aus dem Sudan. Wir lernen etwas über die Wichtigkeit von Hosen, über brennende Häuser, über das Sich-Wehren gegen Todesurteile, über Mut. Und über brennende Häuser.
„Haushaltsführung bekommt eine völlig neue Bedeutung, wenn das Haus selbst in Flammen steht.“
S. 262-265. Gemma Arterton spielte 2008 das Bond-Girl mit dem bescheuerten Namen Strawberry Fields in A Quantum of Solace. Hättest du es gewusst? Nein? Ich auch nicht. Jetzt weißt du’s. Und jetzt kannst du dich beim Lesen dieser alternativen Bond-Story genauso zerkugeln wie ich. Pun totally intended. Allein schon, dass diese feministische Version eines Bond Girls No Scrubs von TLC als Wecker-Lied eingestellt hat, sagt doch schon alles über die Art von Humor aus, die dich hier erwartet.
„Ja, ich kenne Penny Lane. Unsere Eltern teilen dieselbe Leidenschaft für die Beatles.“
S. 323-329. Hinhören. Hinschauen. Handeln. So einfach ist das – und so kompliziert. Denn all das erfordert Mut. Nicht jede von uns ist eine Malala. Und doch können wir alle noch ein bisschen mehr riskieren, nur ein bisschen aus unser Bequemlichkeit herauskommen und etwas tun. Irgendetwas.
S. 331-334. Die Unternehmerin Sharmadean Reid schreibt einen Aufruf zu wirklich gleichberechtigter Kindererziehung. Der ist noch dazu so logisch, dass man gar nichts mehr dagegen sagen kann. Bitte nicht nur lesen, sondern auch umsetzen.
S. 335-340. Ich möchte diese To-Do-Liste rauf und runter lesen, immer und immer wieder, ich möchte sie am liebsten allen Frauen vorlesen, bis wir alle sie verinnerlicht haben. Bitte so. Bitte genau so soll Feminismus aussehen!
„Sagt nicht, ihr würdet euch wünschen, dass Frauen ihren Wert kennen, kompromisslos sind, was ihre Leistungen angeht, Rum einnehmen und sich selbstbewusst präsentieren, und denkt dann bei euch, wenn ihr genau so eine Frau trefft: Die ist ja ein bisschen sehr von sich überzeugt.“
S. 346-351. Dieser Beitrag hat eigentlich nicht besonders viel mit Feminismus zu tun. Aber als Neuroscience Nerd fand ich es einfach so interessant, wie dieser Pink-Ton unsere Psyche beeinflussen kann, dass ich das unbedingt mit dir teilen will. Ich meine, hallo? Ein Farbton, der Aggressionen reduzieren kann? Wie geil ist das denn?!
S. 352-361. Die Publizistin Stefanie Lohaus klärt uns auf, warum Biologismus Blödsinn ist. Und wenn das selbst mein (teilweise etwas problematischer) alter Freund Erving Goffman sagt, muss es wahr sein. Sie erklärt uns auch, warum es eine der besten Entscheidungen ihres Lebens war, sich öffentlich als Feministin zu positionieren. Spoiler: Es hat etwas mit Freiheit zu tun. Und weil diese Frau sehr sehr gescheit ist, gibt sie uns auch einen kurzen Überblick über die Geschichte des Feminismus. Damit wir uns nicht nur lauthals schreiend in den Kampf stürzen, sondern auch historisch argumentieren können – falls uns wiedermal ein paar alte (oder junge) weiße Männer unterkommen, die es natürlich ganz genau wissen wollen.
S. 362-369. Weißt du, was die Chupirensind? Oder was 1970 bei der Miss-World-Wahl in London passierte? Oder warum sich eine Gruppe von Frauen, die sich The Bodyguard nannte, um 1913 heimlich traf, um Ju-Jutsu zu lernen? Alice Wroe, die Gründerin von Herstory UK, stellt uns fünf Gruppen von Frauen vor, die du kennen solltest, ob du nun Feminist*in bist oder nicht. Ihr Punkt ist der: Wir brauchen mehr Vorbilder. Denn „wie sollst du etwas sein, das du nicht siehst?“
So, das waren sie. Meine Top 20 Beiträge aus ‚The Future Is Female‘! Du merkst vielleicht: Ich mag lieber die Texte mit Substanz. Die gut recherchierten, die sinnvollen, die auch ein bisschen lustig sind, aber die mich in erster Linie weiterbilden und zu einer besseren Feministin machen. Das ist aber eben nur was ich finde. Und ich bin natürlich nicht das Maß aller Dinge. Der Untertitel des Buches lautet ‚Was Frauen über Feminismus denken‘ und wenn ich eines daraus mitnehme, dann dass der Feminismus so vielfältig ist wie alle Menschen, die für ihn kämpfen.
Wenn du dir dieses Buch holen willst, kaufe es bitte in deiner lokalen Buchhandlung! <3
Und du? Hast du ‚The Future Is Female‘ gelesen? Wie war dein Eindruck? Welche Beiträge daraus haben dich am meisten angesprochen? Schreib mir gerne hier in den Kommentaren oder auf Instagram, ich bin gespannt auf deine Meinung!
]]>Dabei geht es darum, dass man beim Schreiben über gesellschaftliche Themen, von denen man nicht selbst betroffen ist, noch einmal jemanden testlesen lassen sollte, der eben schon davon betroffen ist. Diese Person kann einem dann sagen, ob man mit seinen guten Absichten die Betroffenen versehentlich beleidigen könnte, oder ob das so in Ordnung geht.
Dabei sind mir ein paar Dinge eingefallen, die ich bei Heart Beat heute anders geschrieben hätte. Weil die einfach nicht okay sind. Und das weiß ich – auch ohne dass uns jemand darauf hingewiesen hätte. Hier zwei Beispiele:
Fat shaming. Wir wollten eine lustige Szene schreiben, in der Sam und James von einem klischee-amerikanischen Wachmann gejagt werden, der eben sehr dick ist. Die Art und Weise wie sie sich darüber lustig machen, ist nicht Ordnung. Punkt.
Tom ist schwarz. Nicht alle unsere Charaktere haben eine ethnische Beschreibung bekommen, aber Tom eben schon – weil uns wichtig war, dass deutsche Leser sich nicht automatisch alle weiß vorstellen.
Ed, als ein unterhalb der Armutsgrenze lebendes Kind polnischer Einwanderer selbst Minderheit und Toms bester Freund, macht den einen oder anderen Scherz über Toms Hautfarbe. Er selbst meint es als ironische Kritik am Alltagsrassismus, aber das kommt nie so explizit heraus. Dementsprechend: Nicht okay.
Viel mehr fällt mir gerade nicht ein. Das allein scheint mir schon ein Anzeichen dafür, dass wir einen sensitivity reader gebraucht hätte. Denn bestimmt haben wir noch mehr falsch gemacht oder zumindest nicht gut genug.
Klar, die Charaktere aus deren Perspektive das Buch geschrieben ist, sind zwei gerade mal volljährige weiße, hetero cis Männer – oder besser gesagt Jungs. Dafür sind sie eh schon recht woke und zumindest was Themen wie Gleichberechtigung und Anti-Diskriminierung betrifft keine kompletten Volltrottel. Und doch verfolgen wir mit dem ganzen Projekt eine bestimmte Art von Aufklärung. Wir wollen auf sehr unterhaltsame Art und Weise zeigen, dass es eben nicht so abläuft wie in den ganz großen Teenie-Romanzen, sondern dass das Leben kompliziert ist und unordentlich und dass es wichtig ist, andere und sich selbst mit Respekt zu behandeln. Egal welches Geschlecht, welche sexuelle Orientierung, Herkunft oder Privilegien man hat. (Mehr zur Idee hinter Heart Beat liest du hier.)
Beim zweiten Teil werden wir noch besser darauf achten. Weis uns gerne darauf hin, wenn dir etwas auffällt. Bestimmte Unstimmigkeiten fallen dir vielleicht gar nicht auf, weil bestimmte Charaktereigenschaften kaum thematisiert werden und auch nicht wesentlich zur Geschichte beitragen. Trotzdem war es uns wichtig, dass eben nicht alle weiß, hetero und privilegiert sind. Als weiße (mehr oder weniger) hetero cis Frauen haben wir die eine oder andere Eigenschaft möglicherweise falsch dargestellt oder waren nicht sensibel genug, was bestimmte Themen angeht. Das war auf gar keinen Fall beabsichtigt und wir bitten dich, uns darauf hinzuweisen, falls du dich durch irgendetwas, das wir geschrieben haben, angegriffen fühlst. Noch ist die Arbeit an Band 2 nicht abgeschlossen – hier können wir also noch einige Fehler korrigieren, die uns möglicherweise in Band 1 passiert sind
Denn du weißt hoffentlich: Wir schreiben für alle. Und wenn wir alle sagen, meinen wir auch alle. Alle alle alle.
Seid gut zueinander. <3
]]>Los geht’s: Diese 25 Bücher habe ich 2018 gelesen und – Spoiler Alert – nicht alle davon habe ich geliebt. Die folgende Liste ist außerdem kein Ranking nach Beliebtheit, sondern geht mehr oder weniger nach der Reihenfolge, in der ich sie gelesen habe. Wobei ich natürlich auch ein paar parallel gelesen habe und die eine Reihe in einfach zusammenfasse.
Inhalt in 1 Satz: Eine moderne Teenager-Alice verliebt sich in den heißen (sehr heißen) Hutmacher und muss Wunderland retten.
Ich lese kein Fantasy (mehr). Ausnahmen mache ich nur in zwei Fällen: 1. Beruflich, also z. B. als Lektorin oder wenn ich engagiert werde, um sie zu verkaufen und 2. für friends. Madness fällt unter Zweiteres. Maja Köllinger ist nämlich eine liebe Schreiberling-Kollegin, die ich 2017 auf der Buch Berlin kennengelernt habe. Ihre herzliche Art hat mich sofort begeistert, ihr Buch leider nicht. Allerdings ist das wirklich nicht ihre Schuld als Autorin, das Buch ist einfach unglaublich schlecht lektoriert. Die Story ist ganz süß, die Charaktere eigentlich cool, ich sehe hier viel Potential für eine gelungene Jugend-Romantasy Adaption von Alice im Wunderland. Ein ordentliches Lektorat hätte daraus bestimmt ein Juwel machen können. Schade. Von mir gibt es dafür leider keine klare Empfehlung, aber ich werde ihren neuen Büchern auf jeden Fall sehr gerne noch eine Chance geben.
Drachenmond Verlag, 312 Seiten
Inhalt in 1 Satz: Eine intelligente, begabte Frau steckt all ihren Frust über eine unerwiderte Schwärmerei in hunderte Briefe an den Angebeteten, die sie nicht (bzw. erst viel später) abschickt.
Briefe sind etwas sehr Persönliches, oft chaotisch, emotional und übertrieben. So auch Chris Kraus‘ halb-fiktionale Briefe an Dick, einen Kollegen ihres Mannes, in den sie sich verschaut hat. Aus einer mehr oder weniger unerwiderten Schwärmerei (infatuation, dazu gibt’s auch ein hübsches Gedicht von sisterkind) wird eine regelrechte Obsession, die über alle Vernunft hinausgeht. Dabei entsteht ein Porträt der Autorin als Künstlerin, das unzählige Referenzen einflicht, von denen eine normal gebildete Leserin Mitte 20 noch nicht allzu viel gehört hat. Ein feministisches Meisterwerk ist es auch, sagt der Klappentext, aber nur für die akademisch sehr gebildete Mittelklasse, sage ich. Und nicht einmal dann. Eine Frau, die sich so von Männern bestimmen lässt, hat zwar durchaus ihre Berechtigung und kann auch sehr wichtige Fragen aufwerfen – z. B. jene nach dem Verhältnis von Abhängigkeit und Liebe –, als eine Über-Feministin wird sie von mir dafür trotzdem nicht gefeiert werden. Verhaltene Leseempfehlung für künstlerisch sehr gebildete Menschen und Hardcore feminists, die ihre feministische Leseliste bereits abgearbeitet haben.
How ‚I Love Dick‘ showed me the worst part of being in love
Profile Books, 261 Seiten
Inhalt in 1 Satz: Ein junger Spinner kämpft auf Berlins hartem Pflaster – um seinen Traum, um seine Freunde und um sich selbst.
Bisher ist das mein erster Benedict Wells. Was habe ich ihn geliebt! Regelrecht verschlungen habe ich ihn, bis zur vorletzten Seite. Dann kam dieses Ende und ich hätte das Buch am liebsten in die Ecke gepfeffert, so sehr habe ich mich darüber geärgert.
— ACHTUNG SPOILER —
Dau auf den letzten Zeilen nimmt Wells diesen wundervollen Spinner und presst ihn in eine Normvorstellung, in die Erfüllung irgendwelcher Ansprüche, in eine Zugabteil, das ihn wegführt aus dem Spinnertum in eine stabile Zukunft. Ja, sicher. Wenn du psychisch so am Ende bist, musst du etwas in deinem Leben ändern. Aber nicht so. Schon gar nicht in diesem unehrlichen Tonfall der letzten zwei Seiten. Sei ehrlich, Benedict, das passt doch nicht zu deinem Jesper, auch wenn du es dir noch so sehr für ihn wünschen magst.
— SPOILER ENDE —
Natürlich habe ich es nicht in die Ecke gepfeffert. Ich habe seufzend den Kopf geschüttelt und es behutsam ins Regal gestellt. Ich mag ihn trotzdem, den Spinner. Er ist wie ein Exfreund, den man leidenschaftlich liebte, bis man sich auseinander gelebt hat. Man respektiert ihn und trauert in sentimentalen Momenten dem hinterher, was man hatte und was hätte sein können. Meine Leseempfehlung: Genießen bis zur vorletzten Seite, dann lieber weglegen.
Diogenes, 320 Seiten
Inhalt in 1 Satz (Achtung, voll meta jetzt): Ein Verlag fragt sich, was man denn noch so veröffentlichen könnte von einem Autor, der sich eher gut verkauft.
Wir müssen aufhören, Bestseller-Autoren mit unnötigen Kurzgeschichten-Sammlungen auszuschlachten. In diesem Blogpost hier erzähle ich dir alles über dieses Buch, was du wissen musst. Und nein, es ist keine besondere Leseempfehlung. Von Arno Geiger lieber „Alles über Sally“ lesen, das ist nämlich eines meiner Lieblingsbücher. Eines von den unaufgeregten, leisen.
dtv Verlagsgesellschaft, 256 Seiten
Inhalt in 1 Satz: Manchmal rettet dich eine Freundschaft, manchmal zerstört sie dich und Schweigen ist nicht Gold.
Wenn du dieses Buch aufschlägst, entfesselst du einen grün-schwarzen Sog aus erbarmungslos ehrlichen Worten, der dich erst loslässt, sobald du das Buch wieder zuschlägst – und mit ein bisschen Pech (oder Glück, wie man’s nimmt) nicht mal dann. Das einzige, was mich an „Dunkelgrün fast schwarz“ wirklich stört, sind die (meist deutschen) Kritiker, die Mareikes Tonfall, ihre Stimme nicht richtig hören. Einen ausführlichen Text zu diesem hervorragenden Fast-Debüt findest du in diesem Blogpost hier. Nicht nur eine ganz klare Leseempfehlung, auch eines meiner Jahreshighlights 2018.
Frankfurter Verlagsanstalt, 480 Seiten.
Inhalt in 1 Satz: Ein sympathisch brutaler Drachentöter auf der Suche nach Macht trägt das Herz in der Nähe des rechten Flecks.
Du weißt ja, auch für Verlagsschwestern mache ich bei meiner No-Fantasy-Rule mal eine Ausnahme. Und diese hier macht ihrem Anti-Helden ganz schön Feuer unterm Hintern (pun not intended). Sprachlich wie inhaltlich macht Lena kurzen Prozess – im positiven Sinne. Kein Herumgeheule, keine unnötigen Sexszenen und kaum Klischees. Dafür gibt es viele realistische Kampfszenen (die Frau betreibt selbst historischen Schwertkampf, wie badass ist das bitte), Blut und einen Prota, dessen moralischer Kompass erfrischend unzuverlässig ist. Inklusive Fünf-Sterne-Plottwist am Ende. Leseempfehlung für alle, die sich eine kurze aber schmerzerfüllte Fantasy-Dröhnung geben wollen.
Eisermann Verlag, 300 Seiten
Inhalt in 1 Satz: Ein gelangweilter, kränklicher Adeliger sucht Zerstreuung durch Inneneinrichtung.
Zu Besuch in Wien gewesen, lange noch im Dunkeln geredet, Freundschaft geschlossen – am nächsten Morgen dieses Buch geschenkt bekommen. Ein Stück Dekadenzliteratur, das einst Oscar Wilde zu seinem Dorian Gray inspirierte. Etwa ein halbes Jahr später werde ich neben diesem Freund sitzen und mir von einer seiner Verehrerinnen erklären lassen, dass er doch bitte aussehe wie Dorian Gray und fortan nur mehr so genannt werden solle. Das Buch, also „Gegen den Strich“, oder, weil der französische Titel so viel schöner klingt, „À rebours“, habe ich damals übrigens sofort verschlungen, nachdem ich es bekommen hatte. Dabei ist es gar nicht so spannend. Eigentlich passiert: nichts. Und doch ist der sprachliche Sog so gewaltig, dass du es nur widerwillig wieder weglegst. Leseempfehlung für Oscar Wilde Fans und Literaturgeschichte-Freaks.
Anaconda Verlag, 288 Seiten
Schon wieder eine Eisermann Verlagsschwester, deswegen Fantasy bzw. sogar Romantasy. Klingt sehr nach Guilty Pleasure, aber ich muss zugeben: Teilweise sind die Romane sehr gut im Aufarbeiten moralischer Dilemmata, ansonsten aber wirklich eher was für klassische Fantasy Fans mit Hang zu übertrieben romantischen Lovestorys. Außer Band 3 („Der Fluch des Wandlers“), der war wirklich gut. Umfassendere Rezensionen dazu gibts in meinen Gastbeiträgen beim Buchensemble:
Band 1: Realistische Spionage Romantasy
Band 2: Teenager werden Clanführer
Band 3: Wie Dexter mit magischen Kräften
Alle Eisermann Verlag
Inhalt in 1 Satz: Eine junge Frau kommt heim, wo sie die gut gehüteten Geheimnisse ihrer nur oberflächlich zusammengeflickten Familie ausgräbt.
Dieses Buch habe ich vor gut zwei Jahren ausgeliehen bekommen. Also eigentlich hat es mir eine sehr gute Freundin in die Hand gedrückt, mit den Worten: „Hier, lies das bitte.“ Im Mai diesen Jahres habe ich mir endlich die Zeit für diese nicht ganz so kurze Geschichte genommen und meine Freundin selbst darin wiederentdeckt. Die abrasierten Haare, das Davonlaufen, das Heimkommen, Berlin, Frankreich und komplizierte Familiengeschichten. Ich habe es gerne gelesen, aber weniger als ich selbst und mehr als meine Freundin, die in meinen Gedanken immer dabei war. Dieser eine Satz über das Verlassen der Heimat hat aber auch bei mir einen wunden Punkt getroffen – leider finde ich ihn nicht mehr. Aber zum Glück ist diese Geschichte voller schöner Sätze. Ganz klare Leseempfehlung für alle, die schon mal ihre Heimat verließen.
dtv Verlagsgesellschaft, 320 Seiten
Inhalt in 1 Satz: Irgendwie geht’s immer um die Liebe, oder so ähnlich.
Liest du wiedermal etwas auf Französisch, hast du dir gedacht, nachdem du in einem schwachen Moment des Damenspitzes mit einem Pariser geschmust* hast. Also nicht du, sondern ich. Auf jeden Fall hat sich herausgestellt, dass das eine blöde Idee war. Beides. Weil kurze Geschichten eben die Königinnendisziplin sind (lang lebe die Queen Alice Munro) und wir bitte wirklich aufhören müssen, Bestseller-Schreiberlingen Kurzgeschichtenbände aus dem Kreuz zu leiern, um schnell ein bisschen Geld damit zu verdienen. Die ersten Geschichten haben mir eh sehr gefallen, danach hat es mich nur noch genervt. Vielleicht ist aber auch einfach mein Französisch zu schlecht. Kannst du dir sparen.
J’ai lu, 157 Seiten
Inhalt in 1 Satz: Eine junge Autorin schneidet dir mit ihren Worten tief ins Fleisch und lässt dich bluten, während du aus einer andächtigen Schockstarre erwachst.
In diesem Blogpost hier liest du alles, was du über diese sehr gelungenen Kurzgeschichten wissen musst. Eindeutige Leseempfehlung für sensible Gemüter mit einer Vorliebe für emotionale Sprachbilder. Im positivsten Sinne.
Unsichtbar Verlag, 122 Seiten
Inhalt in 1 Satz: Eine von Rolling Stone’s 100 Greatest Artists erzählt von Liebe, Kunst, Erfolg, Misserfolg und New York City.
Diese Buch war (ist!) eine reine Inspiration. Ich habe mir so viele Passagen rausgeschrieben und angestrichen und immer und immer wieder gelesen, wie in keinem anderen Buch. Dementsprechend lange habe ich auch gebraucht, um es ganz zu lesen. Seitdem habe ich es oft noch einmal in die Hand genommen, zwischen den Zeilen nach Antworten auf desperate Fragen gesucht – und diese zwar nicht immer welche gefunden, aber zumindest die Gewissheit, dass alles so wird, wie es sein soll. Dass alles, was aus dem Gleichgewicht ist, irgendwann wieder einrastet. Darüber hinaus hat es auch eine konstante Motivation hinterlassen, eine bessere Künstlerin und Frau zu werden: ehrlicher, mutiger, verbundener. Absolutes Highlight 2018 und große Leseempfehlung – nicht unbedingt als unterhaltsame Lektüre, mehr so als künstlerischer Wegweiser für dein Leben.
Hier noch zwei Blogposts von mir dazu:
5 Things Every Artist Should Learn From Patti Smith
Embracing Impossible Love Stories – Why you should love like Patti and Robert in Just Kids
Bloomsbury, 288 Seiten
Inhalt in 1 Satz: Ein mittlerweile älterer weißer Mann erzählt etwas über das Verhältnis von Sprache und Kultur unter dem Aspekt der Schriftlichkeit.
Dieses Buch stand ganz oben auf der Leseliste für meine Masterprüfung, es ist ein Lieblingsbuch meiner Professorin. Zugegeben, es war nicht uninteressant, ich habe viel gelernt, aber es ist halt auch nicht mehr ganz up-to-date (1997) und obendrein könnte es ein neues Korrektorat vertragen – oder überhaupt irgendeines, denn bei den vielen Tippfehlern und teilweise grammatisch, teilweise semantisch falschen bzw. unvollständigen Sätzen könnte man meinen, das hätte nie eine Korrektur gesehen. Außerdem bin ich mit der einen oder anderen Sichtweise nicht einverstanden und kann mir auch nicht vorstellen, dass man das heute noch so schreiben könnte/sollte/würde. In diesem Sinne: Leseempfehlung nur für Leute vom Fach, die sich in der Materie auskennen und dazu in der Lage sind, das Ganze kritisch zu hinterfragen und zu bewerten. Dann kann es durchaus einen Mehrwert bieten.
Wilhelm Fink Verlag, 343 Seiten
Inhalt in 1 Satz: Ein verwöhnter ungarischer Mittdreißiger gerät auf seiner Hochzeitsreise in einen Selbstfindungstrip, wie er nur 1935 im südlicheren Europa möglich ist.
Wie liest du das Lieblingsbuch eines Menschen, den du liebst ohne verliebt zu sein? Du suchst in jedem Satz nach dem Innersten dieses Menschen und du willst es mögen. So ganz ist mir das nicht gelungen. Insgesamt ist es eine stilistisch sehr gut geschriebene Geschichte, die mich oft geärgert, aber noch viel öfter entzückt hat. Ich habe irgendwo einen halben Blogpost darüber herumliegen, den ich noch zu Ende schreiben will. Bis dahin spreche ich keine unbedingte Leseempfehlung aus, mehr so eine optionale.
dtv, 272 Seiten
Inhalt in 1 Satz: Ein genialer Schriftsteller gibt kurz vor seinem Tod mehrere Journalisteninterviews, die sich zu gefährlichen Machtspielen entwickeln.
Was für ein Debüt! Amélie Nothomb habe ich als Teenager entdeckt und seither heiß geliebt. „Die Reinheit des Mörders“ ist dabei noch eine Ecke schärfer als die anderen Bücher, die ich von ihr kenne. Schärfer im Tonfall, ungestümer und gleichzeitig durchdachter. Ein kleines Paradoxon, ein großer Mindfuck. Locker, aber keine leichte Kost. Simpel, nicht einfach. Erfrischend, nicht erfreulich. Konstruiert, nicht gekünstelt. Veröffentlicht 1992, aber aktueller als so manche Neuerscheinung, die sich ähnliche Fragen stellt. Fragen über das Schreiben als Beruf, über Machtgefälle und Mechanismen der Demütigung. Große Leseempfehlung für alle, die es gerne unbequem mögen und einen kleinen Schritt aus ihrer Comfort Zone hinausgehen wollen.
Diogenes, 224 Seiten
Inhalt in 1 Satz: Eine Endzwanzigerin schreibt selbstironisch darüber, was bei unserer Generation so alles falsch läuft und wie wir das bitte die nächsten 50 Jahre aushalten sollen.
[Rezensionsexemplar] Noch so ein absolutes Highlight 2018. Warum ich dieses Buch SO HART feiere und es seit Erscheinen im Herbst schon dreimal verschenkt habe, liest du am besten hier in diesem Blogpost.
Rowohlt, 240 Seiten
Inhalt in 1 Satz: K. liebt seine Kumpeline Sumire, Sumire liebt eine ältere Frau, jemand verschwindet und Geheimnisse treten ans Dämmerlicht.
Ich weiß nicht, was ich sagen soll – wie immer bei Murakami bleibe ich auch diese Mal mit einer bloßen Ahnung zurück, die sich nicht in Worte fassen lässt. Murakami kann ich nicht erklären. Murakami muss man selber lesen und vor allem selber spüren. Sage ich jetzt und meine eigentlich nur, dass ich schlicht und einfach nicht fähig bin, einen klaren Gedanken zum Inhalt zu formulieren. Ich kann und will es nicht interpretieren, es ist was es ist. Oder wie Murakami sagt: „‚Viel wichtiger als die großen Systeme, die in den Köpfen anderer Leute erdacht wurden, sind die kleinen Dinge, auf die man selber kommt’, flüsterte ich mir zu.“ (183) Leseempfehlung für romantics, die kein Problem damit haben, nicht jeden Aspekt einer Geschichte 100% zu verstehen.
Dumont, 240 Seiten
Inhalt in 1 Satz: Ein frustrierter, reicher Künstler will die Welt auf Ausbeutungsmechanismen aufmerksam machen und besticht einen ehemaligen Einbrecher, um ihm dabei zu helfen.
[Rezensionsexemplar] Warum ich danach gegriffen habe? Weil das Cover so toll ist. Warum ich es behalten habe? Weil die Story so interessant geklungen hat: Ein ehemaliger Einbrecher auf Bewährung bringt einem reichen Künstler bei, wie man Schlösser knackt. Weil der Geld braucht, um sein Restaurant zu eröffnen. Soweit so gut. Die Story ist ganz spannend, die Figuren realistisch und greifbar, selbst eine moralische Message gibt es. Zwischendrin fand ich sogar echte sprachliche Schätze wie diesen: „Kunst ist nicht da, um den Alltag zu dekorieren, Kunst muss ein Messer sein, das du reichst, mit der Klinge voran, die Leute greifen zu, weil es so magisch funkelt, obwohl es ihnen tief ins Fleisch schneidet. Diejenigen, die nicht loslassen und dich verfluchen, haben etwas verstanden.“ Du kannst dir also vorstellen, dass ich es gerne gelesen habe. Trotzdem fehlt etwas, um es zu einem Lieblingsbuch zu machen. Und wo kommt überhaupt die Auster im Titel her?! Leseempfehlung, wenn man mal ein bisschen mehr über den Alltag von Ex-Einbrechern und Aktionskunst-Aktivisten erfahren will.
C. H. Beck, 313 Seiten
Inhalt in 1 Satz: Ein Journalist schreibt 13 Storys über menschliche Abgründe, über sowas wie Liebe, über das Töten und ein bisschen über das Leben.
Seit Jahren stand dieses Büchlein in meinem Regal, unberührt. Meine Lieblingsbuchhändlerin hatte es meinem Papa empfohlen und ich hab’s mitgenommen, weil mir das Cover so gut gefiel. Und der Titel. Warum ich ausgerechnet jetzt entschieden habe, es zu lesen kann ich nicht sagen. Was ich jetzt sagen soll, wo ich damit fertig bin, auch nicht. Auf jeden Fall eine Leseempfehlung, wenn du Kurzgeschichten magst. Übrigens etwas sehr Schönes an dem Ganzen: Einige Storys sind wie Reportagen geschrieben. Jochen Rausch ist nämlich auch Journalist, nur eben einer, der weiß, wohin man die guten, erfundenen Storys steckt: In einen Kurzgeschichtenband zum Beispiel. Nicht in den Spiegel, auf jeden Fall.
Berlin Verlag, 206 Seiten
Inhalt in 1 Satz: Ein junger Mann lässt sich von seiner Angebeteten auf eigenen Wunsch als Sklave halten.
Vor Jahren einmal für die Uni überflogen (Literarische Traditionen 3 bei Müller-Kampel, anyone? Beste Frau.), dann keine Beachtung mehr geschenkt, 2018 noch einmal in die Hand genommen und bewusst gelesen. Warum? „Venus im Pelz“ ist eine Novelle aus dem 19. Jahrhundert, auf welche der Begriff des Masochismus zurückgeht. Außerdem – und deswegen wollte ich es noch einmal sehr aufmerksam lesen – wurde der Song „Venus In Furs“ von The Velvet Underground ebenfalls davon inspiriert, welcher wiederum einer Kurzgeschichte von M. D. Grand und mir eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Ganz klare Leseempfehlung für dich, wenn du Literaturgeschichte interessant findest, das Leben wie die Liebe nicht allzu ernst nimmst und überhaupt etwas Humor besitzt.
E-Book
Inhalt in 1 Satz: In sechzehn Kurzgeschichten spielen Briefe die Hauptrolle in unterschiedlichsten Settings vom Bergdorf über Tokyos Straßen bis in den Weltraum.
Ich gebe zu, ich war skeptisch. Weil – ich kann’s nicht oft genug sagen: Ich liebe Kurzgeschichten, aber sie sind die schwierigste Disziplin, sie verzeihen keine Fehler, sie müssen direkt ins Schwarze treffen. Die Qualität der „Briefe“ ist dementsprechend überraschend hoch, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass hier einige Neulinge mitwirkten, die vorher noch nie etwas veröffentlich haben. Und trotzdem ist (fast) jeder Brief ein Treffer. Dabei sind das natürlich nicht 16 abgedruckte Briefe, sondern Geschichten, in denen es um Briefe geht, mal mehr, mal weniger. Es sind spannende, traurige, nachdenkliche, manchmal sehr leise und dann wieder umso lautere Geschichten. So unterschiedlich eben wie die Menschen, die sie geschrieben haben. Eine ganz klare Leseempfehlung und noch dazu ein wundervoller Geschenketipp. Übrigens wird die nächste Anthologie aus dieser Reihe schon diesen Frühling erscheinen und ich bin sehr stolz darauf, gleich mit zwei Kurzgeschichten dabei sein zu dürfen.
TWENTYSIX, 214 Seiten
Neulich bei Groschis Freelancer Weihnachtsfeier:
„Warte, wie heißt du mit Nachnamen?“
„Rönicke, wieso?“
„Ich glaub’s nicht! Ich hab dein Buch in der Tasche, schau.“ *knallt Emanzipation auf den Tisch* Was soll ich sagen, ich bin halt sehr subtil als Fangirl.
Diese 100 Seiten sind locker geschrieben, voll gepackt mit relevanten Informationen zum Thema Emanzipation (nicht nur Feminismus, it’s not the same thing, people!) und viel mehr brauche ich dazu eigentlich gar nicht zu sagen. Perfekte U-Bahn-Lektüre übrigens, weil: passt in jede Manteltasche und falls du der Liebe auf den ersten Blick begegnest, habt ihr gleich einen Gesprächsaufhänger. Absolute Leseempfehlung für alle.
Reclam, 100 Seiten (duh)
Was man schreibt, muss man schließlich auch noch einmal lesen. Und noch einmal. Und noch einmal. Und noch einmal. Dementsprechend müsste Heart Beat bei mir eigentlich gleich mehrmals auf der Gelesenliste stehen. Lassen wir jetzt aber mal. Du weißt ja Bescheid. Kauf es. Teile es. Sag uns, wie es dir gefallen hat. Wir lieben dich dafür.
Was waren deine Lese-Highlights 2018? Liest du viel oder wenig? Schreibst du selbst und wenn ja, hilft dir das Lesen beim Schreiben? Hast du überhaupt Zeit dafür? Ich bin neugierig. Erzähl mir alles. Hier in den Kommentaren oder wie immer auf Instagram. Bussi <3
*das ist Österreichisch für „knutschen“
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„You know you don’t have to be evil to be different,” I said. “You are different. Artists are their own breed.” (188)
Did you know that Patti Smith, one of the most original artists of our time, started out homeless on the streets of New York City?
Looking back on Just Kids, there seem to be five major factors that contributed to her success as an artist. – That is, apart from her Impossible Lovestory about which I wrote this other essay.
At the end, as always, I will add a very personal twist. This time, I am going to talk about what happened when I sent this book to a fellow artist along with a personal letter. But before we get to that, let’s explore those 5 contributory factors in Patti Smith’s success as an artist. Full disclosure: as an artist, I am not even close to anything I would call successful, but just as you are, I am getting there.
I had no proof that I had the stuff to be an artist, though I hungered to be one. I imagined that I felt the calling and prayed that it be so. (11)
Have you ever felt so overwhelmed by something that you had to find an outlet for it? If you haven’t, then bless you, because it might be a lot easier for you to find your inner peace. If you have, though, you might have felt the need to numb whatever it was you were feeling, maybe with alcohol, drugs, sleep, food, sex… anything that could make you forget. Now that is perfectly normal (and basically how society works in general, but let’s discuss that another time), so you’ll probably be fine.
“What were you thinking?” I asked him.
“I don’t think,” he insisted. “I feel.” (71)
I believe an artist, however, feels not only deeply but also consciously and embraces their emotions to the fullest to create something extraordinary. Fear, Love, Anger, Grief. Helplessness. You name it. Being in need of an outlet, an artist takes the whole intensity of their emotions and transforms it into something meaningful.
It is said that children do not distinguish between living and inanimate objects; I believe they do. A child imparts a doll or tin soldier with magical life-breath. The artist animates his work as the child his toys. (136)
But don’t be mistaken, it is not like they have a choice. The urge to create is just there and it does not go away – although it may fade from time to time. If you find that urge within you, do yourself a favour and do no try to silence it. Listen. And do not be discouraged if your urge does not speak to you clearly. You might know that you have to create but not just yet what. You’ll figure it out, though.
At night, alone, I just sat and waited. Once again I found myself contemplating what I should be doing to do something of worth. Everything I came up with seemed irreverent or irrelevant. (214)
Just remember: You are not doing this for someone else, you are doing this mostly for yourself. Like… What would you do if you could do anything? If you had enough money to live a good life, what would you do with your time? If the answer has something to do with creating art in any form, there you go: You are already an artist.
And you don’t even need to be successful in it. The only reason to become successful as an artist is that you have no other choice, because there is nothing else you want to do.
„I don’t even know what I’m doing,” I shrugged, “but I can’t stop doing it. I’m like a blind sculptor hacking away.” (177)
“Patti, nobody sees as we do,” he told me. (80)
One big part of being an artist, is opening your eyes and your heart to a certain way of perceiving the world around you. Your way. I know, it is so very difficult to silence all those voices that tell you what to see. Have an open heart and take a closer look. Why are people behaving the way they do? What does that mean for your art? Have the courage to create your own picture of how you see the world and how you want it to be. Remember you are doing this because you need to, and not to impress someone.
I preferred an artist who transformed his time, not mirrored it. (69)
You are unique and so is your art. Do not strive to become as good as one of your great idols you may be looking up to. Sure, you can – and should – let yourself be inspired by others, but in the end, you can only be your own kind of genuine artist. Follow your own style, your own voice, your own urge. In the end, you are the only person who can.
Secretly I knew I had been transformed, moved by the revelation that human beings create art, that to be an artist was to see what others could not. (11)
Dig deep. Never be afraid that you or your art could be too intense.Intensity is a good thing, although it scares people. And yes, it scares people away as well.
They knew he was great, but they feared the intensity of his gift, and also what his subject matter might reveal about themselves. (199)
I had no idea what I’d find or where I’d stay, but I trusted in fate. (227)
As you know, Patti Smith started out as a homeless girl in New York City. And by starting out I mean leaving her home to follow her inner calling (the urge, as I call it) of becoming and artist – with only enough money in her pockets for a one-way ticket to Manhattan. Actually, not even that: at first she miscalculated and only found the money she needed for the ticket by accident in a phone booth. No, not by accident. By a whim of fate.
I know what you are thinking. And yes, I am really going there. Spirituality and trust in fate were responsible for a huge part of Patti Smith’s actions. Believing in signs, having visions, following certain vibes… Patti often ended up in the right places at the right moments because she let herself be guided by seemingly arbitrary notions.
The goodwill that surrounded us was proof that the Fates were conspiring to help their enthusiastic children. (99)
All this time when Patti lived as a homeless bohemian, she felt free rather than desperate, knowing that she was on the right track, feeling the city and the stars guiding and protecting her. Sounds cheesy, I know, but if you read Just Kids, you will realize that trusting in fate is going to do the trick for whatever achievement you are working towards. Be aware though: Trusting in fate is not the same as waiting for something great to happen. It simply means listening closely to your intuition and following it. The following part is essential.
My point is: Identifying your urge is one thing, but having trust in fate to guide you is another. It means gathering up the courage to actually take a risk and do what you think you were meant to do. And sometimes it means doing something that might seem completely off-track and irrelevant. Because maybe that will turn out to having been necessary for something great to happen. Just like Patti cutting her hair in a specific way out of procrastination led to her being recognized by some people who had the right connections to put her on stage.
If it makes you feel better: Instead of calling it fate just call it trusting your gut. Or, even better, call it trusting yourself.
He did not have to ask for greatness, for the ability to be an artist, because he believed he already had that. (63)
I longed to enter the fraternity of the artist: the hunger, their manner of dress, their process and prayers. (12)
Patti Smith felt that she had to be an artist (behold the urge) and not being able to afford art school, she thought going to New York to surround her with other artists was her best shot. As it turned out, she was right, although it was anything but easy for her. The friends she wanted to stay with were not there and she had no other option than to live out in the streets – until she finally got a small job at a bookstore, met Robert the artist of her life Mapplethorpe, and put herself in the right places at the right moments.
It was her friendships that made her the artist she finally became, supporting her, guiding her, teaching her, gently pushing her into the right direction. In Just Kids, she describes it as ifthere had been all these men giving her a stage and a voice. But really, it was shewho did it. She made friends who inspired her to explore her talents. She painted, she wrote for the Rolling Stone, she wrote poems and plays, she performed in theatre. But most of all, she listened, she let herself be taught, soaking up each and every piece of input she could get. Rather than being a self-centred know-it-all, she let people in, tried out what they suggested, and by that finally realized what she was meant to do.
“I want to be a poet, not a singer.”
“You can be both,” he said. (143)
Another perk of artistic friendships is the environment they provide. Fellow artists know your struggle, they know how it feels to be the odd one out. They know what it means to see as you do. And they know all your doubts, your discouragement, your despair. They have literally been there, done that. Let them be your safe place.
At its best, our friendship was a refuge from everything, where he could hide or coil like an exhausted baby snake. (236)
And last but not least, you need to be friends with other artists to keep you sane by fuelling your insanity. People who understand what is going on in your head are way more fun than people who keep telling you that you are weird.
Laughter. An essential ingredient for survival. And we laughed a lot. (104)
There is one thing lying at the very bottom of success. Whether you are connecting to your calling as an artist, connecting to your visions, or connecting to people, commitment is key. Anything done half-heartedly is headed for failure.
He wasn’t certain whether he was a good or bad person. Whether he was altruistic. Whether he was demonic. But he was certain of one thing. He was an artist. And for that he would never apologize. (22)
Be it. Own it. Do not apologize for it.
I gave this book as a present to someone who used to be important to me. I even took the time to highlight all the quotes that spoke to me because I felt they might speak to him too. Then I sent it to him and added a note that said something along the lines of “We don’t need each other, but fuck that. Let’s embrace the chaotic relationships because chaos is where the most beautiful art stems from.”
I thought he understood what I meant by that. I thought he understood that relationships between people can be intense and chaotic and painful but still good, as long as you keep all the expectations out of it. You also could not tell what Patti and Robert were, but they would not let expectations define what they meant to each other.
It turned out that guy had it all wrong. After a long period of silence he answered that he disagreed. He said, art was not everything and artists should not be so arrogant to think that they were beyondanyone or even better than others. He said that reality felt better right now, that concentrating on life, on himself alone, that not thinking too much felt good. That he had to ban our friendship from his life to feel better.
To say that I was never even a tiny bit in love with that person would be a lie. He was never my Robert nor was he ever going to be. But I still did not expect him to be so ignorant. I thought he knew better. Reading this, seeing him getting it all mixed up, hurt. Did he really not understand anything I said? After all our late night conversations?
My point is this:
It is not the artist who is beyond anything, it is the world that is beyond the artist.
This is the reason why it is so painful to embrace all these feelings and impressions. This is why you feel the urge to process them into something meaningful. Ignorance to that or avoiding people who make you feel things you do not understand is not what artists are meant to do.
But by one thing he was right. Sometimes, this feeling of helplessness gets so overwhelmingly painful that you cannot cope. That letting it all in might just drown you. So you probably have the option to ignore it, more or less. You could still feed your urge to create without letting all this force pass through you, in order to protect yourself. But then your art will always be mediocre. Because as long as you hold something back, thinking of what others may think or how others are going to consume your art, you are not going to dig deep enough within yourself. When doing what you do is comfortable, you are not creating something breath-taking. How are you going to take someone’s breath if you can still catch yours?
But maybe that is the better way for you. Because creating something original is exhausting and it takes a lot of time and even more strength. If your happiness is at stake, mediocrity is a low price to pay after all.
You have to say something? Let’s connect on Instagram, Twitter or Facebook!
Side note – English is not my native language so please excuse any mistakes or even better: Point them out to me so I can correct them
All text & image quotes taken from: Smith, Patti (2010): Just Kids. Bloomsbury
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„Millenials, das sind die, die zwischen 1985 und 1995 geboren wurden“, erklärt Bianca Jankovska auf Nachfrage bei ihrer Buchpremiere, „so ungefähr halt.“ Sie sagt auch, dass ein Millenial sich selbst wahrscheinlich nicht als Millenial bezeichnen würde, weil ja alle so individuell sein wollen. Das muss man sich jetzt mit dezent ironischem Unterton vorstellen, wie übrigens auch das gesamte Buch, denn anders wären die Absurditäten unserer aktuellen Situation auch gar nicht zu ertragen.
Passenderweise heißt der Prolog „Wie soll ich das alles die nächsten 50 Jahre aushalten?“ Ja, wie? Schritt eins ist, zu erkennen, wie lächerlich wir eigentlich sind in unserem Streben nach Anderssein, Aufmerksamkeit und Anerkennung. Wir müssen das unserer eigenen Generation zeigen, von innen heraus, nicht von außen. Jetzt. Und nicht erst in 50 Jahren, wenn es einfach ist, einen distanzierten Blick auf das alles zu werfen.
Man müsste aber den Eltern noch mehr aufs Dach steigen, das ist schließlich die Generation, die diese Strukturen geschaffen hat, mit denen wir jetzt so zu kämpfen haben, höre ich jemanden über das Millenial Manifest sagen.Ja okay, stimmt schon. Aber bringt uns das jetzt voran, über die Alten zu wettern, während unsere Generation sich selbst weiter den Bach runtertreiben lässt auf ihren aufblasbaren Einhörnern, Fotos davon macht und munter #livingthegoodlifedarunter schreibt? Es bringt überhaupt nichts, anderen die Schuld dafür zu geben, wie wir sind, wenn wir noch gar nicht wahrhaben wollen, dass wir so sind.
Zu sagen, dass eine ganze Generation genau so oder so ist, wäre dabei natürlich falsch. Wir sind ja immer alle in anderen Verhältnissen aufgewachsen oder anders gesagt: wir sind alle individuell. Nur eben auf andere Art, als wir uns das gerne vormachen. Wir sind nicht individuell, weil wir die Standard-Instagram-Filter immer noch einmal selbst nachbearbeiten. Nicht, weil wir ein selbst gemaltes Bullet Journal anlegen (wollen). Und auch nicht, weil wir ein selbst designtes minimalistisches Tattoo auf der Innenseite unseres Oberarms haben. Von einer Avocado.
Wir sind individuell, weil wir aus unterschiedlichen Orten kommen, weil unsere Familien unterschiedlich hohe Einkommen hatten, weil wir Geschwister haben oder nicht, weil wir gemobbt wurden oder selber mobbten, weil wir bestimmte Arten von Menschen lieben, weil wir auch nur eine Anhäufung aus unterschiedlich zusammengesetzten Voraussetzungen sind.
Eines ist trotzdem sicher: Mit den drei großen Themen, in die das Millenial Manifest gegliedert ist, hast bestimmt auch du zu kämpfen. Die Liebe („Kann das Liebe, oder ist das weg?“), die Arbeitswelt („Willkommen in der Ellbogengesellschaft“), das Leben („Namaste My Ass“) – hier findest du Beispiele dafür, wie das aussehen kann, bei denen du dir wahrscheinlich mehr als nur einmal denken wirst Genau das, genau so geht’s mir auch! Und bei manchen wirst du dich eben nicht wiedererkennen, weil du einfach andere Dinge erlebt hast. Wie soll man auch alle Struggles und Erfahrungen einer gesamten Generation auf knackigen 223 Seiten abbilden? Soll man eben nicht, denn oft reicht es schon, dass da eine Person ist, der es in einer einzigen Situation genauso geht wie dir und die ausspricht, was du dir denkst, aber eben bis jetzt eben nur denkst, weil das sagt man nicht und sonst beschwert sich ja auch niemand. Eine muss schließlich damit anfangen, denn wenn man oft genug Ja, genau so ist es, sie hat Recht, rufen kann,dann traut man sich irgendwann auch mal selbst etwas zu sagen.
Ja warum wohl? Weil sie weiß, hetero und das einzige Anzeichen ihres Ausländertums ein Wiener Akzent ist. Du regst dich über Mansplaining auf, aber eine privilegierte weiße hetero Frau soll dir etwas über die Struggles einer lesbischen, alleinerziehenden Mutter, die aus einem Krisengebiet flüchten musste, erzählen? I don’t think so.
Indem Bianca Jankovska über ihre eigenen Struggles spricht, aus ihrer eigenen Sicht, in ihrer eigenen Wirklichkeit, macht sie tatsächlich etwas sehr Wirkungsvolles: Sie bevormundet nicht. Am allermeisten prangert sie sich selbst an, sie sagt nicht du mach das ab jetzt so, sie sagt ich habe das so gemacht, war scheiße, jetzt mache ich es anders. Es gibt nämlich kein Universalrezept für immerwährendes Glück und Success im Leben, auch wenn einschlägige Insta-Accounts dir etwas anderes Glauben machen wollen.
Was für die eine funktioniert, funktioniert nicht automatisch auch für dich. Du musst schon selbst ein bisschen nachdenken und überlegen, wie du dein Leben leben willst, wo deine Grenzen sind und wie du sie verteidigen kannst, was du erstrebenswert findest und worauf du lieber scheißt. Im Manifest findest du dafür bloß einen millenialpinken Faden der Solidarität, der dich da durchzieht, wenn du ihn lässt.
Manchmal schüttelt’s mich bei einigen Kapiteln zuerst vor lauter jahrelang eingehämmerten Das-gehört-sich-nichtsund Das-sagt-man-nichts. Aber nur ganz kurz, dann wird mir nämlich schnell klar, wie dringend ich das eigentlich hören musste. Manches denke ich mir immer noch nur im Stillen, ganz, ganz leise. Und das, obwohl ich mir einbilde, ziemlich wokezu sein. Am öftesten kommt das im zweiten Teil vor, in dem es um die Arbeit geht. Weil es verdammt nochmal nicht leicht ist, die inneren Stimmen verstummen zu lassen, die mir sagen, ich müsse nur recht fleißig sein (okay, Oma), ich müsse etwas machen womit ich richtig viel Geld verdiene (alles klar, Papa), ich müsse das machen, was mir Spaß macht, damit ich meinen Traum leben könne (danke, Mama).
„Für Studentinnen wie mich, die das ganze Studium entmutigt wurden, weil niemand ‚auf uns warten’ würde, schien die lang ersehnte Festanstellung wie der Heilige Gral zu sein. Bis ich selbst dort landete […] Mein Traum, von dem zu leben, was ich liebte, mutierte binnen eines halben Jahres zum Albtraum, in dem ich mich morgens im Spiegel selbst nicht wiedererkannte.“ (S. 89)
Bei anderen Kapiteln schüttelt’s mich dann wieder vor lauter Lachen, weil sie einfach so on point sind. Über die lächerlich wenigen Stunden, die dir bei einer 40-Stunden-Woche übrig bleiben, zum Beispiel:
„Während andere beim [Wäsche] Aufhängen entspannen, hätte ich mich manchmal gerne selbst drangehängt.“ (S. 117)
Über Online Dating ganz allgemein:
„Er war aus Brighton und optisch mit dem einstigen Beuteschema von Hugh Hefner zu vergleichen: blond. Dünn. Hübsch. Genauso groß wie ich. Ein Fakt, den sich der Engländer nicht ins Profil geschrieben hatte.“ (S. 18)
Oder über Online Dating nach gescheiterten Beziehungsversuchen:
„Es ist ja nun auch keiner gestorben. Und wie kann die zurückgewonnene Lebensfreude besser zum Ausdruck gebracht werden als mit einem erneuten Anlauf in die Gartenschere? Eben.“ (S. 34)
Und bei einigen Kapiteln schüttelt’s mich, weil ich gar nicht mehr aufhören kann zu nicken, erleichtert darüber, dass ich nicht die einzige bin, die so denkt und nicht die einzige, die sich solche Gedanken darüber macht. In dieser Kategorie mein Spitzenreiter: Die Kapitel über die Liebe. Nein, ich bin verdammt nochmal nicht komisch und unser ganzes Balzverhalten ist wirklich so bescheuert wie ich denke.
„Ich weiß bis heute nicht, was Liebe ist. Ich weiß nur, was sie nicht ist. Nicht kann. Liebe ist nicht dieses beunruhigende Gefühl in der Magen-Darm-Gegend, das automatisch Alarm schlägt, wenn eine Nachricht zu lange auf sich warten und mich wegen dahingesagten Nichtigkeiten grübeln lässt, obwohl ein Treffen abgesprochen war. […] Liebe lässt mich durchschlafen. Liebe ruft mich an.“ (S. 20)
Also für wen ist das Millenial Manifest jetzt? „Für uns“ steht vorne in der Widmung. Auch für dich, sage ich. Zugegeben: ich habe etwa 95% der Dinge, die darin vorkommen, genau so oder so ähnlich schon einmal erlebt. Aber ich bin mir sicher, wenn du dich auf irgendeine Art und Weise in meiner Bubble befindest – und warum sonst solltest du das hier lesen –, bist du eine Person, die das lesen sollte.
Ansonsten kann ich noch gerne Empfehlungen abgeben, so für einzelne Leute. Zum Beispiel du, der du dich nie meldest, lies mal das Kapitel „Sich rar zu machen ist einfach nur ein saudummer Ratschlag“; Lieblingskollegin, du lies mal „’Wähle einen Beruf, den du liebst und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten’ – was für ein Riesenbullshit“; du Bekannter aus der Schulzeit, der du mir überall folgst, aber zu cool bist, um ein Like da zu lassen, lies mal „Du verkaufst dich total, Liebes“; du, die du ständig absagst, weil dir etwas Wichtigeres dazwischen gekommen ist, lies mal „Platz 1 der größten Enttäuschungen seit dem Maturaball: Geburtstagsfeiern“.
Alternativ könnte man auchdas eine oder andere Kapitel über die Lautsprecher jeder Starbucks-Filiale von hier bis Südostasien laufen lassen, angefangen bei „Dein Yoga-Travel-Account ist gar nicht das Problem“. Ansonsten eignet sich das auch ganz gut zum Vorlesen bei ersten Tinder-Dates, als Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche in Firmen, für die du (noch) arbeiten willst, oder auch als Entscheidungshilfe bei der Frage, ob es schlau ist, schon wieder einen Musiker abzuschleppen.
Glaub mir, du brauchst dieses Buch.
Oder hast du es schon? Dann schreib mir hier in den Kommentaren oder auf Instagram, was dein Lieblingskapitel war und/oder wo du am lautesten „JA, GENAU DAS!“ schreien wolltest – das würde mich mal wirklich interessieren!
P.S.: Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar!
]]>Ich war in Leipzig, ich war auf der Buch Berlin, aber Frankfurt ist ein ganz anderes Kaliber von Messe, das sag ich dir. Bücherphie gibt es zwar schon länger, aber erst seit einem Jahr bin ich aktiver in der Szene, habe ein Buch veröffentlicht und die einen oder anderen Kontakte geknüpft. Und das merke ich. Ich bin neu, ich weiß nichts, kenne mich nirgendwo aus und versuche mich an fake it till you make it. Wie das auf der FBM 2018 so geklappt hat, wirst du gleich sehen. Neben total viel Werbung, weil ich ja Verlage, Autorennamen und Bookstagram-Accounts nenne.
Nach einer morgendlichen Odyssee ins lauschige Alt-Mariendorf und knappen sechs Stunden Autofahrt kommen wir am Nachmittag in Frankfurt an. Ein bisschen schade finde ich es schon, dass ich Takis Würgers Interview mit Inger-Maria Mahlke verpasse, weil doch die Lesung mit den beiden schon so interessant war.
Warum ich das Interview verpasse? In dem Airbnb, wo wir die nächsten Tage verbringen werden, soll es eine Überwachungskamera im Vorzimmer geben. Aus Sicherheitsgründen. Gnädigerweise dürfen wir die ausschalten, allerdings finden wir sie nicht, obwohl wir wirklich jeden Winkel der Wohnung danach absuchen (nein, das ist nicht übertrieben). Beim Betreten der Wohnung roch es schon nach billigem Eau de Cologne, die Einrichtung ist in schlichtem Silber mit dezenten Plüsch-/Samt-/Satinelementen gehalten. Bei der Suche nach der Kamera finden wir die Farben wechselnde LEDs gefühlt überall, wo man es nicht erwarten würde; im Geschirrschrank zum Beispiel, oder hinter der Skulptur im Flur, in der Stehlampe, neben dem Fensterfront, die vom Wohnzimmer aus ins Schlafzimmer blicken lässt… „Wo würde ich mich verstecken, wenn ich eine Kamera wäre?“, frage ich und als wir in der silbern glänzenden Wohnzimmer-Kommode auch noch sechs Packungen Kleenex finden, ist der Fall klar: Der Vermieter muss Pornoregisseur sein. Später am Abend wird sich herausstellen, dass die stundenlange Suche umsonst war, denn angeblich hat er die Kamera beim Putzen kaputt gemacht, wie er uns auf die panische Frage nach Kamera und WLAN-Passwort hin versichert.
Am Abend nimmt mich Mary Cronos mit zum Pubnpub, der Meetup-Reihe zum Thema Publishing. Die Idee, mit einer Vorstellungsrunde und einem kurzen Experten-Talk mit Diskussionsrunde zu beginnen, finde ich super, denn das erleichtert das Networken. Ich treffe auch einige coole und interessante Leute, verliere aber relativ schnell den Überblick, wer was wo macht und fahre den Networking-Modus erst gar nicht richtig hoch. Dass ich schon bei der Diskussionsrunde über das Gendern negativ auffalle, trägt natürlich auch zur Demotivation bei.
Nur dass wir uns richtig verstehen: Feminismus und Sprachbewusstheit sind die zwei Themen für die ich wirklich brenne. Aber echt mal – Sprache kann nur dann die Wirklichkeit verändern, wenn es diese besseren Formen auch tatsächlich in die Sprachwirklichkeit schaffen. Und zwar in die Sprachwirklichkeit jener Leute, die nicht eh schon der gleichen Meinung sind. Und eine Formulierung wie „Forschungsteam“ (statt „Forscher“), schafft es eben wesentlich leichter in den sprachlichen Alltag derer, die nicht eh schon fahnenschwingende Feminist*innen sind, als „Forscher [Pause] innen“. That’s all I’m saying und das reicht offenbar schon, um als Feindin des Genderns eingestuft zu werden, was natürlich absoluter Irrsinn ist*. Ich bin ehrlich gesagt auch ein bisschen stolz auf mich, dass ich hinterher nicht zu dieser recht unangenehmen Chefredakteurin gegangen bin, um für mögliche Kooperationen um eine Visitenkarte zu betteln. Ain’t nobody got time for that. Schade ist nur, dass wir auf dem Heimweg so spät keine Fritten mehr bekommen.
Ich schreibe diese Worte mit einer Gesichtsmaske auf dem roten Samtsofa sitzend, zum ersten Mal seit mehr als 24 Stunden endlich kurz alleine.
Ich. Mag. Keine. Menschen. Man könnte auch sagen: Ich mag alle Menschen zu sehr, aber auch deswegen gehen sie mir auf die Nerven. Das giftigste Zweiergespann der Messe etwa ist böswitzig, ich mag beide eigentlich sehr, dann aber auch wieder nicht immer und am allerwenigsten mag ich die Person, zu der ich dann werde. Überhaupt fühle ich mich schon wieder so, als würde ich nirgendwo dazugehören. Alle sind nett zu mir, alle fragen, ob ich mitkomme – okay, nicht alle, aber viele – nur dazu gehöre ich nicht. Und zwar nur aus einem einzigen Grund: Weil ich nicht will. Ich will mich nicht auf eine Fraktion festlegen und diese ständige Lästerei macht mich auch ganz wahnsinnig.
Alle finden etwas gegen jeden und ich mache auch noch mit. Alle haben eine Gruppe von Menschen, zu der sie gehören und die sie verteidigen, denn alle, die nicht dazugehören, sind uncool. Alle haben schon wieder Expertise auf einem Gebiet und ich kann schon wieder alles nur so ein bisschen, weil mich halt auch alles nur so ein bisschen interessiert. Okay, mich erkennen zwar einige, was ein … Gefühl ist (ich habe mich noch nicht entschieden, was für eines), aber so richtig wohl fühle ich mich mit niemandem. Ich habe zwar wirklich alle gern, ich mag alle von ihnen aus tiefstem Herzen, denn jede einzelne Person hat eine Geschichte, die ich hören will, aber unkompliziert fühlt es sich meist mit niemandem an.
Die angenehmste Begegnung heute war mit Julia von Lucadou, Autorin beim Hanser Verlag. „Die Hochhausspringerin ist mein Debüt. Bis jetzt hatte ich noch gar nichts mit der Buchbranche zu tun“, sagt sie und das merkt man – im positiven Sinne. Sie ist noch normal, sie ist nett, sie hat weder Ahnung von Blogs oder Instagram Mechanismen (trotz ihres grandiosen Insta-Takeovers des Hanser Accounts, #veggiewürstchen) – sie ist erfrischend unbefangen.
Ich bin erst kurz in der Branche aktiv und doch schon wieder zu lange. Wenn ich die Buchbranche so worke wie die Eventbranche, bin ich gleich wieder genau da, wo ich nicht sein will. Ja, ich bin Autorin und ja, ich bin Bloggerin, aber das alles ist nicht Arbeit für mich – zumindest keine, von der ich leben kann. Heute hat es sich so komisch angefühlt, weil es trotzdem wie Arbeit war. Nur eben ohne Produkt, denn meine eigene Brand ist (noch) nicht ausgefeilt genug dafür. Ich bin in Sales-Haltung, ohne zu wissen, was ich verkaufe, ich networke, ohne zu wissen, warum ich diese Leute kennen will. Das geht so nicht.
Ich will wirklich nicht unfreundlich oder abweisend sein, aber wenn ich mich alle dreißig Minuten auf eine andere Art Mensch einstellen muss, ist es kein Wunder, dass ich innerhalb kürzester Zeit auf dem Zahnfleisch daher krieche. Ich will nichts kaschieren und ich habe es auch nicht nötig, irgendwem in den eh schon wissen zu kriechen. Und nein, ich fühle mich auch nicht unwohl in meiner Haut, ich fühle mich sogar sehr wohl mit mir selbst. Das Problem dabei ist auch, dass es einfach Teil meiner „wahren“ Identität ist, dass ich mit fast jeder Art Mensch gerne rede und mich auch jedes Mal neu darauf einstelle. In Massen tut mir das nicht gut, da wäre es besser, mich mehr auf mich selbst zu konzentrieren, bei Bedarf anzuecken und überhaupt viel weniger bedacht zu sein. Ich will ja auch nicht alles wissen und kennen und ständig up to date sein müssen. Ab morgen muss sich etwas an meiner Einstellung ändern.
Als erste Maßname beginnt der Tag mit All Black Everything und Fuck-This-Shirt. Damit bin ich zumindest schon einmal in der richtigen Grundstimmung und tatsächlich geht es mir heute besser. Ich fühle mich wieder mehr wie ich selbst und versuche, das tagsüber beizubehalten, was mir nicht immer ganz leicht fällt. (Am meisten ärgern – ich kann nicht einmal sagen, wieso eigentlich – wird mich der Kommentar einer Bloggerin, dass sie mich natürlich kenne, denn ich sei ja eine von Flos Musen. Und what does that even mean?)
Als zweites halte ich mich an Ralph aka @booksandtattoos, der zwar auch schwierig sein kann mit seinem ganzen Pessimismus und Weltschmerz, aber von allen anwesenden Messemenschen kennt er mich am besten. Ohne es zu wissen macht er es mir leicht, einfach ich zu sein.
Heute treffe ich einen anderen Schreiberling, den ich sonst nur über Instagram kenne. Ich habe immer noch seinen Romanentwurf im Posteingang, ohne mehr als die ersten zwei Seiten gelesen zu haben. Charmant wie ich bin, beleidige ich ihn gleich am Anfang, indem ich ihm etwas zu enthusiastisch zustimme, dass der Anfang nicht so gut (seine Worte) bzw. scheiße (meine Worte) ist. Er lässt sich zwar nichts anmerken, aber echt mal, damit gehe ich eindeutig zu weit. Blöderweise verpasse ich auch noch die Gelegenheit, mich dafür zu entschuldigen und gehe ihm mit meiner Art glaube ich auch ein bisschen auf die Nerven. Oh well. Auf jeden Fall feiere ich sehr, dass er für seinen Mut, ungeniert Leute anzusprechen, gleich belohnt wird und sein Projekt zu ein paar coolen Verlagen schicken darf. Der Mann weiß, wie er sich verkauft – allein deswegen täte jeder Verlag gut daran, sich ihn mal genauer anzuschauen. Ein bisschen frischer Wind könnte vor allem den größeren Verlagen nicht schaden.
Diogenes ist zwar einer von den Großen, aber das mit der Leserbindung und dem Online Marketing haben die trotzdem drauf. Hier weiß man Lesende zu Fans zu machen und Blogleute bei Laune zu halten. Die Kommunikation ist wunderbar herzlich und engagiert, die Bücher sowieso großartig und dann ist da auch noch die überlebensgroße Miffy.
Beim Bloggertreffen erzählt Chris Kraus (der Deutsche, nicht die Dick-liebende Feministin) was es heißt zu schreiben, wie junge Leute Kunst schaffen sollten und überhaupt würde ich plötzlich sehr gerne eine Vorlesung bei ihm besuchen, obwohl nicht einmal mehr studiere. Überhaupt ist Chris Kraus jemand, dem man zuhört. Er hat eine Stimme, die dich festhält und nicht mehr loslässt, bis du gehört hast, was er zu sagen hat. Und wenn du es nicht verstehst, bist du selber schuld.
Dass Diogenes sich ein regelrechtes Fandom aufbaut, wissen wir aber schon alle. Mein heimlicher Messe-Favorit ist dagegen C.H.Beck. Hier lernen wir nämlich die coolste Verlagsfrau kennen, die erfrischend unprätentiös und nicht nur freundlich, sondern auch sehr witzig ist. Bei C.H.Beck, ausgerechnet. Die können eben doch mehr als leicht angestaubte Altherrenliteratur. Lustigerweise habe ich so einen Spaß am Stand, dass ich direkt von einem älteren Herrn vor einer Kamera gebeten werde, doch etwas leiser zu lachen bzw. ein paar Schritte weiter weg zu gehen. Wenigstens konnte ich davor noch ein wunderschönes Exemplar von Auster & Klinge ergattern – nicht nur das Cover ist toll, auch der Klappentext klingt vielversprechend. Ich werde selbstverständlich berichten.
Der Tag, an dem sich der Himmel die Hölle verwandelte. Und dann wieder zurück.
Gut, es fängt schon vor der Messe eher bescheiden an. Erst ist für mich kein Warmwasser mehr in der ohnehin schon mehr als zickigen Dusche übrig. Ich muss also meine Haare unter stechend kaltem Wasser waschen und hätte ich nicht eh schon grauenhafte Kopfschmerzen von zu wenig Schlaf und dem höllisch schmerzenden Weisheitszahn, würde ich sie spätestens jetzt bekommen. Achso, außerdem habe ich etwas zu früh meine Tage bekommen und kämpfe dementsprechend zusätzlich noch unerwartet gegen Krämpfe, Cravings und den ganzen anderen Mist. Wo ist das Fuck-This-Shirt, wenn man es braucht? In der Wäsche.
Als ich endlich am Bahnsteig stehe, komme ich drauf, dass ich meinen Geldbeutel in der Wohnung liegen gelassen habe – 4. Stock Altbau, kein Lift, was sonst. Endlich bei der Buchmesse angekommen, ertrinke ich fast in einem Menschenmeer und buche kurzerhand den früheren Bus nach Hause: Sonntag Mittag statt Montag Früh bin ich hier weg. Ich kann nicht mehr. Die Grundstimmung des gesamten Tags ist eher schlecht bis richtig mies.
Beim gemeinsamen Mittagessen mit den Falken kann ich erst nur zuhören, so überfordert bin ich noch von dem ganzen Vormittag. Irgendwann, als ihre Erzählungen für mich keinen Sinn mehr ergeben, muss ich L.-J. Pyka gestehen, dass ich ihr auf Instagram entfolgt bin und keine Ahnung habe, wovon sie spricht. „Was?!“ Ihr Gesicht entgleist kurz ein bisschen. Nicht, weil ich sie nicht mögen würde, erkläre ich schnell und das stimmt ja auch wirklich.
Ich bin ihr entfolgt, weil es mich zu sehr gestresst hat, ihr scheinbar perfektes Leben zu sehen. Ein Buchvertrag nach dem anderen, perfekte Fans, perfekte Beziehung, perfekte Haare. Sie hat ein Ziel, eine klare Linie, sie zieht durch ohne mit der Wimper zu zucken und ich freue mich ehrlich für sie. Ich habe nur eine Pause davon gebraucht, als ich kurz mal nicht wusste, wer ich bin oder wo ich hin will. Jetzt weiß ich wieder, wer ich bin und dass es bei mir nur Schlangenlinien gibt. Ich folge ihr wieder. „Ist schon okay“ Sie lacht ehrlich. „Ich wäre mir wahrscheinlich auch auf die Nerven gegangen.“ Ich freue mich. Auch darüber, ehrlich gewesen zu sein. Ich nutze die Gelegenheit und mache gleich mal ein Instagram Story Takeover für ihren Account während sie Signierstunde hat.
Als wir das Weltenbibliothek Gruppenfoto machen, treffe ich endlich Magret Kindermann wieder. Darüber freut sie sich so ehrlich, dass bei ihrer Umarmung eine kleine Sonne aufgeht. Auch sonst tut es gut, mit ihr und den anderen zu sprechen.
Das anschließende Treffen mit den Librorums (@vermis_librorum & @armarium_librorum) gibt mir den – positiven – Rest. Die zwei schaffen es ganz ohne, dass sie es darauf anlegen, selbst am Messesamstag noch so viel Herzlichkeit zu versprühen, dass ich gar nicht anders kann, als mich instant wohlzufühlen. Und ganz zum Schluss, nach einem sehr netten #9lesen mit meinen liebsten Geeks, gibt’s noch einen letzten „Mädelsabend“ mit Mary Cronos und Christian Milkus. Auf dem flauschigen Wohnzimmerteppich. Bis 2 Uhr morgens. (Ich schwör, das klingt wesentlich dreckiger als es war.)
Letzter Halb-Tag für mich. Ich stehe um 7 Uhr auf, um warmduschen zu können. Ich bereue es, so spät ins Bett gegangen zu sein. Ich lasse Chris meinen Koffer runtertragen. Danke Chris. Ich bin noch nicht zu mehr als einfachen Hauptsätzen fähig. Auf der Messe lasse ich mich nur mehr treiben. Ich bin müde, hungrig, habe Schmerzen. Dann wird es 11 Uhr und alles besser. Ich freue mich so, bei diesem Fantasy Meet & Greet (obwohl ja eher nicht mein Genre) noch einmal alle zu treffen, die so lieb sind. Die Selpublisher- und Kleinverlags-Fraktion – zu letzterer gehöre ich ja auch. Weißt du, das sind die Menschen, bei denen alle Platz haben, egal wie seltsam, bei denen alle sein dürfen wie sie sind oder sein wollen. Das sind die, die mir vor gut einem Jahr mein erstes Messe-Zuhause gegeben haben. Auch wenn es für mich bis heute gedauert hat, dort wirklich anzukommen. Ich sag nur: „Fühle den Flausch!“
Auch an alle tollen Menschen, die ich hier nicht erwähnt habe.
Wir sehen uns bald auf der Buch Berlin – dann auch endlich wieder mit meiner zweiten Hälfte M. D. Grand <3
Da haben wir übrigens auch ein Meet & Greet mit Signierstunde beim Eisermann Verlag, Stand 130, am Sonntag (25.11.) zu Mittag. Komm vorbei!
Wenn du es bis hierhin geschafft hast, ziehe ich den Hut vor dir. Wie war die FBM eigentlich für dich? Erzähl mir gerne auf Instagram von deinen Erlebnissen und lass uns zusammen ein wenig schwärmen (oder lästern)!
*Ich habe im ganzen Text gegendert – ist dir gar nicht komisch vorgekommen, oder?
]]>“What will happen to us?” I asked.
“There will always be us,” he said. (145)
As you may know, Patti Smith married someone else in the end and Robert Mapplethorpe turned out to be gay. But still they had this very special connection until death did them part, literally. All this time they loved each other in some way or another, always being them. How does this work? What does it mean? And why am I so interested in this? Why am I sitting here writing about a romantic relationship – again?! – when there are so many other interesting aspects of Just Kids that I would like to talk about as well?
Because this love is different. Because it is the essence of what I think love really means. Because this is what I believe art is made of. Just look at those photographs. You can see it, right?
So for now, let’s focus on this special kind of unconventional love, shall we?
As anything considering Patti Smith, this relationship came to be by a strange whim of fate. There is so much chance involved in their becoming companions that it seems like quite an ordinary love story. You see, if this story was fictional, you would probably consider it preposterous. What makes it so magical is its realness, its really-having-happened-like-this:
A young Patti Smith landed in Manhattan with no money left in her pockets, planning to stay with friends. When she got there, her friends had moved to another place though. At this moment of helplessness she met a fair-skinned youth with a mob of black hair and a boyish grin who led her to the new address. It wasn’t until weeks later that she met him again in the bookstore where she worked. He bought a necklace, which was her favourite as well. On their third chance encounter she asked him to pretend to be her boyfriend to get her out of a threatening situation with an older man. They spent the whole evening and the whole night together, telling each other childhood stories and realizing that they made their commitments to becoming artists the very same day.
I understood that in this small space of time we had mutually surrendered our loneliness and replaced it with trust. (…) Wordlessly we absorbed the thoughts of one another and just as dawn broke fell asleep in each other’s arms. When we awoke he greeted me with his crooked smile, and I knew he was my knight. As if it was the most natural thing in the world we stayed together (…). Nothing was spoken; it was just mutually understood. (40-42)
Sure, it was fate leading them to one another but it was themselves deciding to stay together intuitively instead of overthinking it too much. Could you imagine two millenials just staying together naturally after a one-night-stand without all those should-I-text-hims and why-isn’t-she-answerings? Because I honestly cannot. I am afraid my generation lacks certain tendencies towards romance. Thank God for stories like Just Kids where you see people embracing their connection rather than running from it. Let’s reintroduce this kind of romance!
This romantic one-night-stand soon became a vibrant companionship that went far beyond the usual fling you see between two twenty-year-olds still in search of themselves. They were there for each other, taking care of one another, providing what they needed to live, to create, to be, even if that meant setting aside their own needs from time to time. Their relationship worked so well only because they could trust each other not to be selfish and to give back when their time came.
The premise was simply that one of us always had to be vigilant, the designated protector. (…) In the beginning I faltered, and he was always there with an embrace or words of encouragement, coercing me to get out of myself and into my work. Yet he also knew that I would not fail if he needed me to be the strong one. (51)
What started out as a lifeline soon turned into a guarantee for creative productivity. Patti and Robert were like Yin and Yang, one constantly balancing out the other, light vs. darkness, movement vs. stillness, chaos vs. order…
Robert would come to my side of the loft and scold me. Without his arranging hand, I lived in a state of heightened chaos. (152)
During their time together they shared better moments and worse and eventually became their rescue, over and over again. Yes, there was also pain, there was betrayal and even resent at times. However, one could always trust in the other to be there, if need be. Their affection for each other was so genuine, the intensity of their relationship so electrifying that nothing could destroy it, not even breaking up and getting back together and breaking up again and spending half a lifetime in different relationships.
The energy between us was so intense that it seemed to atomize the room, manifesting an incandescence that was our own. (267)
At some point, Robert discovered his homosexuality, which did not mean he loved Patti any less. Something had to change, though. They both struggled with this in different ways but in the end they found each other again in this unconventional kind of love.
His drives towards men were consuming but I never felt loved any less. It wasn’t easy for him to sever our physical ties, I knew that. Robert and I still kept our vow. Neither would leave the other. I never saw him through the lens of his sexuality. My picture of him remained intact. He was the artist of my life. (157)
Patti knew, no… she felt that love had many faces. She understood that love does not have to live up to anyone’s expectations, that love is not either this or that, it just is. And most importantly: It exists deep within ourselves and only if you listen carefully, you will be able to silence those expectations.
They silenced these voices that wanted to tell them that how they felt could not be right. What Patti and Robert heard within themselves might have sounded like “this man betrayed you with another man, so be hurt and leave him” or “you cannot be with this woman if you crave another man’s love” or “you cannot love a man who leaves night after night to earn money from hustling.”
Oh and here is another one that you might have even heard yourself: “You cannot have sex with your friends.” You might also have heard “it’s not love, if there are not a thousand sparks at every touch” or “ban it from your life if it doesn’t make you feel good all the time” or “you may get hurt, so better cut it off before something happens.” You see, I could go on like this forever.
My point is: Patti did not give in to those voices and neither did Robert. Although Robert seemed to struggle more with his demons than Patti did, they managed to stay close until he died – and probably even beyond. For them, it never ended. Their relationship was less sexual or not even physical at all when they settled down in partnerships with other people, but it never really ended.
Even though so much time had passed, we were as we had always been, breathlessly finishing one another’s sentences. (266)
They were not meant to be the loves of their lives in the more popular sense of being a married couple. What they were destined for, however, was being the artists of their lives and I think this is probably more than anyone could wish for.
It makes you step way out of your comfort zone and later turns into a comfort zone itself. It has the power to simultaneously make you feel euphoric and melancholic. It might bring out the best and the worst in you. It definitely makes you vulnerable but also stronger. It lets you discover new perspectives of the world and yourself. It will show you who you are.
But be careful: it is not this kind of relationship that you should strive for, rather than the kind of love that lies beneath it.
Why do we break ships (relationships, partnerships, friendships, you name it) just because things get a little complicated from time to time? When did we become so caught up in ourselves that we stopped taking in other people? Avoiding those who make you feel things you do not understand only prevents you from growing. Especially if you want to create something meaningful this ability to love unconventionally is essential. If you really want to be a great artist and an even better human, do not venture out to find a lover like Robert. Instead, look within yourself for the ability to love like Patti.
Now let me tell you one last thing: This is just a tiny fragment of what Just Kids means to me and there is so much more that you could learn from Patti Smith. Take your time to read this book carefully and listen to what it has to tell you personally because trust me, it will speak to you in its very own way.
I am definitely going to bother you with more posts about Just Kids, but until then let’s connect via Instagram: Send me your DM’s or leave me a comment, I appreciate the love as much as the critics. <3
Side note – English is not my native language so please excuse any mistakes or even better: Point them out to me so I can correct them
Ich sitze hier und will über Im Enddefekt schreiben. Ich kann nur nicht. Es ist, als wären alle meine Worte verschluckt worden von diesem schwarzen Loch, das sich einfach nicht stopfen lässt, das so ganz tief drinnen sitzt in Josephine Freys Texten. Texte sind es und nicht Geschichten, kunstvoll konstruiert mit viel Sprachgefühl und noch mehr Menschengefühl. Dort, wo’s eh schon wehtut, legt sie nicht nur den Finger in die Wunde, sie streut auch nicht bloß Salz rein, nein, sie dämpft ihre Zigarettenstummel darin aus, damit es so richtig brennt. Aber lass es mich so sagen…
Bist du schon mal an einem verregneten Sonntagmorgen in deiner Wohnung gesessen, mit schweren Gliedern, die dich daran hindern, nützlich zu sein?
Bist du schon einmal wachgelegen, weil du von der Liebe träumst, während die Gewohnheit neben dir liegt und schläft?
Bist schon mal absichtlich den Weg des größten Widerstands gegangen, damit es besonders weh tut, weil du ja sonst nichts mehr spürst?
Und weißt du eigentlich, wie es sich anfühlt, jemanden zu lieben, der dich mitreißt, während er in die Tiefe saust?
Wie Im Enddefekt zu lesen. So. So fühlt sich das an.
Die sprachliche Dichte, über die würde ich gerne noch etwas sagen. Aber schon wieder weiß ich nicht, wie ich dir das beschreiben soll, damit du es verstehst. Die Worte finden ihren Weg in deinen Kopf, dein Herz, auch weil sie sich so rhythmisch einprägen, weil sie so schön nachklingen in deinen Ohren, selbst wenn du sie nur leise für dich selbst liest. Wie eine schmerzhafte Ohrfeige fühlt sich diese Sprache an oder wie wenn jemand deinen Kopf im Schraubstockgriff festhält und dich dazu zwingt, in den Spiegel zu schauen. Wie wenn sich jemand mit dir in einem Zimmer einsperrt, in das du eigentlich nicht mehr gehen willst. Wie wenn sie dir alte Fotos vor die Nase hält, die du aus gutem Grund längst weggeräumt hast. „Da, da schau jetzt her!“, ruft sie und fuchtelt dir damit unter der Nase herum.
Und weißt du wie noch? Wie der Moment, nachdem du stundenlang geweint und dich dann endlich wieder beruhigt hast. Dieser nüchterne Rückblick im Angesicht körperlicher und seelischer Erschöpfung, kennst du das?
Dabei kann ich dir, dear reader, nicht einmal sagen, worum es bei Im Enddefektgeht, denn es sind „nur“ Fragmente aus dem Leben einer jungen Frau, die sorgsam gewählt sind, anonymisiert und kunstvoll versprachlicht. Ist das Schreiben als Therapie oder sind das Übertreibungen um der Kunst willen? Das musst du selbst entscheiden, aber mach bloß nicht den Fehler, die Autorin mit der Ich-Person zu verwechseln, denn Josephine Frey ist heute wahrscheinlich nicht mehr so wie in den Texten, wenn sie es denn überhaupt jemals war. Wenn du schreibst, vor allem über so persönliche Themen, brauchst du die Distanz, um etwas zu Papier zu bringen, das du veröffentlichst und worunter du dann auch noch deinen Namen setzt.
Und doch bleibt mir nichts anderes übrig, als die Ich-Person Josephine zu nennen, denn einen anderen Namen hat sie nicht bekommen. Übrigens sind die meisten Texte stellenweise so kryptisch und haben so viele Leerstellen, dass das Ganze sowieso stark an reale Erlebnisse angelehnt scheint. (Verzeih, falls ich mich irre.)
Eine Rezension zu Im Enddefekt zu schreiben, wäre nicht mein Stil, deswegen bist du auch gar nicht nicht hier. Was du lesen willst, sind meine Geheimnisse, aber dieses Mal kann ich nicht. Zu nah sind mir diese Texte und gleichzeitig zu weit weg. Mit dir kann ich nicht darüber sprechen, heute nicht, aber mit Josephine, das geht. Hier sind drei Briefe an die Ich-Person. Über drei Texte, die mir Wunden ausbrennen, von denen ich schon gar nicht mehr wusste, dass ich sie überhaupt mal hatte. Lies sie jetzt und lies sie vielleicht noch einmal, wenn du die passenden Texte dazu kennst.
dieser Text ist so bezeichnend für sie viele Nächte, so viele Suchen nach Durstlöschern und Sattmachern zwischen Nachtclubs und Kindheitsgärten. Denn „an manchen Orten kann man in Nächten nur seine Haut miteinander vertraut machen“, sagst du und findest dich doch nicht damit ab, sondern wehrst dich noch. Du willst sie fragen „Wann wurdest du das letzte Mal eigentlich von irgendwas wirklich satt?“ und doch fragst du bloß dich selbst (und mich). Ja, wann denn eigentlich? Nicht davon, auf jeden Fall. Nicht vom Haut-vertraut-machen und nicht vom Zigarettenrauch-ins-Neonlicht-blasen, davon bestimmt nicht. Da werden wir beide nur leer davon, Josephine, du am Ende der Story und ich, am Ende des Morgens.
Aber das ist nur so, weil du noch an der Leere hängst, indem du sie zu füllen suchst. Weil du zwar weißt, dass keiner kommt, der mit dir sitzt und fragt und bleibt und du trotzdem darauf hoffst. Weil scheiße nochmal, das kann doch wohl nicht sein, dass das wirklich so ist, dass so oft die Haut das einzige ist, was du vertraut machen kannst. Und außerdem ist das doch gar nicht wahr, Josephine, dass du lieber Liebe als dir Gedanken machst. Und auch wenn du dir eine Nacht lang ein Zuhause aus jemandem baust, der nie daran zweifelt, ob er eins hat, bis du immer noch obdachlos, wenn der Morgen kommt. Und selbst wenn du dann doch mal wen nach seinem Sattsein fragst, wird das deinen eigenen Hunger nicht stillen.
Aber weißt du was? Weil du jetzt weißt, was Hungern heißt, wirst du auch schneller wieder satt.
Es grüßt dich aus der Nacht
Eine, die lieber unter freiem Himmel tanzt als Zuhause
was ist aus euch beiden geworden? Hast du deine Gefühle wieder gefunden oder liegen sie immer noch an einem sicheren Platz? Und liegt sein Gesicht manchmal noch zwischen deinen Händen? Bist du mittlerweile gegangen? Hast du endlich eine neue Anleitung für dein Herz geschrieben?
Ich frage für eine Freundin. Nicht, dass auch ich den Unterschied zwischen Zuneigung und Liebe nicht lernen wollte. Nicht, dass auch ich oft mehr verloren als verliebt wäre. Nicht, dass auch ich am Telefon schweigen würde, weil ich nicht wüsste, wie man „Ich vermisse dich“ ausspricht, ohne wie ein Klischee zu klingen. Aber wenn es so wäre, dann würde ich dir sagen, dass es bei mir anders war. Dass hier zwar niemand verheiratet, aber trotzdem vergeben war. Dass ich noch alles weiß von dem Abend, an dem wir uns kennengelernt haben und trotzdem weiß, was du damit meinst, wenn du sagst: „Keine Ahnung, ob wir uns ähnlich waren oder ob wir nur Ähnlichkeiten aneinander gesucht haben, und vielleicht war unsere einzige Gemeinsamkeit die, dass wir beide auf der Suche nach Gemeinsamkeiten waren.“
Aber eigentlich will ich nur sagen: Die traurigen Männer anzuziehen, fühlt sich immer gleich an. Vor allem, wenn sie gar nicht glauben können, dass du schon ganz andere Dinge getragen hast, unter denen du auch noch lange nicht zusammengebrochen bist. Und weißt du was? Ich finde, es muss uns gar nicht leidtun, wenn wir Zuneigung nicht von Liebe unterscheiden können. Und wenn die Zeit manches falsch zusammenheilt, dann ist das eben Kunst. Josephine, du musst nicht alles erzählen, du darfst müde sein und Weingläser sind immerhin wichtig.
Es grüßt dich vom Notausgang
Eine geneigte Liebende
sitzt du nachts in deinem Bett und schreibst wie eine Besessene? Sind das wirklich deine wirren Gedanken aus einer Nacht, die du so schön pointiert in Metaphern gießt, oder war da mal viel mehr? Hast du gelöscht, was weg soll, damit nur mehr das Schöne übrigbleibt, das Melancholische, das Benennbare? Wo ist das ganze Chaos hin, das da eigentlich sein müsste?
Je dichter deine Sprache wird, desto weniger Luft lässt du mir zum Atmen, Josephine. Ich lese deine Nachtnotizen und weiß nicht, wovon du redest, aber zumindest was du meinst. Ich weiß nur nicht mehr, ob ich das alles selber denke oder einem anderen in den Kopf lege oder beides.
Es grüßt dich aus dem Bett
Eine wie besessen Schreibende
Ich liebe dieses kleine Büchlein, ich liebe diese Sprachkunst und vor allem wie die Texte klingen, wenn du sie laut vorliest.
Und doch… Je länger ich in diesen Texten schwimme, desto mehr bin ich am ertrinken. Es ist gut, dass Im Enddefekt nur so kurz ist, denn länger würde ich das nicht aushalten. Es ist alles so verdichtet, so schmerzhaft, so schonungslos melancholisch und ohne Plot, der zumindest ein bisschen unterhalten würde, dass ich froh bin, wenn ich daraus wieder auftauchen kann. Ich schlage das Buch zu und bin wieder hier, bin wieder die, die unter freiem Himmel tanzen kann, weil sie satt ist und kein Zuhause braucht und freue mich, dass es vorbei ist. Nicht das Lesen, sondern die Melancholie. Been there, done that. Aber jetzt mag ich nicht mehr.
Danke, Josephine, für alles. Es war ein bisschen anstrengend mit dir, aber auch sehr schön. Lass dir ruhig noch etwas Zeit mit deinem nächsten Buch, denn ich habe dieses hier noch nicht verdaut. Und doch werde ich weiter alles verschlingen, was du schreibst, ob es mir guttut oder nicht, deine Worte machen süchtig.
Du hast Redebedarf? Dann hinterlass mir gleich hier einen Kommentar oder schreib mir wieder auf Instagram, wie du es sonst auch so oft tust. Ich freue mich immer, von dir zu hören. <3
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Alles begann mit der harmlosen Frage „Machst du eine Party zu deinem Book Release?“, die ich natürlich verneinte. Eine Party zum Release von Heart Beat? Ein trashiger Debütroman, der auch noch in einem Kleinverlag erscheint? I don’t think so.
Oder… doch?
Zwei Tage später telefoniere ich mit M. D. Grand (auch bekannt als Marlen, das wahre Genie hinter Heart Beat) und frage: „Reicht uns im Café Mitte der Private Room für 30 Leute?“ Ja, das passt schon, denken wir, Platz für 30 Leute reicht locker, wer interessiert sich schon für unser Buch?
Wir buchen die Location, posten, dass es eine Party mit Gästeliste nach first come first serve Prinzip gibt und fragen wer kommen will. Kurz darauf sind wir ausgebucht. Well, that escalated quickly, denken wir und freuen uns aber, dass so viele coole und kreative Leute kommen wollen. Sogar auf Radio Soundportal gab es einen kurzen Beitrag dazu und es wurden zwei Plätze verlost.
Ich will dich ja nicht mit den Details langweilen, aber eins kann ich dir sagen: So eine Release Party vorzubereiten, ist ganz schön viel Arbeit. Erst mussten wir mit dem Verlag abklären, ob sie es schaffen, uns bis zu dem Datum die Bücher zuzuschicken (ein riesiges Dankeschön an den Eisermann Verlag, der da wirklich super engagiert war!). Dann ging’s aber erst richtig los. Lesezeichen, Postkarten, Plakate entwerfen und drucken lassen, die passenden Stellen auswählen, kürzen und üben, Reminder verschicken, Last Minute noch ein Mikro organisieren (Danke an die Jungs von Redneck Jonsn, die ihre Kontakte für uns spielen haben lassen!) und natürlich das Befüllen der Goodie Bags.
Okay, ein kleiner Exkurs zu den Goodie Bags.
Wir dachten uns, es wäre doch eine geniale Idee, zu allen verkauften Büchern bei der Release Party auch Goodie Bags zu verschenken. Aber Tee und Schokolade kann schließlich jeder, deswegen haben wir uns etwas ganz Besonderes überlegt, denn der Inhalt muss ja auch zum Buch passen:
Die größte Challenge? Den Erdbeerlipgloss zu finden. Alles gibt es von Brombeere über Granatapfel bis hin zu Pfirsich, Kiwi, Passionfruit… aber Erdbeere ist anscheinend total out. Nachdem wir also gefühlt alle Drogeriemärkte in Berlin und Graz geplündert haben, blieben uns immer noch sieben von vierzig Goodie Bags übrig, für die wir weder Erdbeer Lipgloss noch Lippenpflegestifte bekommen hatten. Sieben Leute haben jetzt also Erdbeerkaugummi bekommen, statt Lipgloss. Tja. Lucky you. Auch, wenn ihnen dadurch das Nachvollziehen der ultimativen Sam’schen Abneigung gegen Erdbeerlipgloss verwehrt bleibt.
Der Blick der Verkäuferin als ich 50 Stück Kondome gekauft habe, war übrigens auch ziemlich unbezahlbar und nur noch vom Security-Mann am Flughafen zu toppen, als ich das alles auspacken musste.
Okay, aber zurück zur Party. Ich komme also am Freitag (8.6.) zu Mittag in Graz an, nachdem ich in der Nacht davor nur drei Stunden geschlafen habe, und lege mich erst mal für eine Stunde hin, während Marlen noch die letzten Freundschaftsbändchen für die Goodie Bags fertig macht. Okay, Duschen, Anziehen, schminken, Goodie Bags befüllen, alles einpacken und ab in die Location. Im Café Mitte angekommen, erwarten uns schon meine Eltern mit den Plakaten, den Büchern und der nötigen Coolness. (Danke, Mama, ohne dich wären wir NICHTS und danke Papa für den Champagner <3)
Wir räumen alles um, lassen für die Gäste Bier und Cola einkühlen, dekorieren alles und bereiten die Kasse vor, als schon die ersten Gäste eintrudeln. Es ist schwül und es regnet, der Private Room ist sehr voll und brummt in erwartungsvoller Neugier. Wir sind nervös wie sonst was. Wird es den Leuten gefallen? Werden sie den Humor verstehen? Werden sie sich langweilen?
Nach der Erklärung, was wir uns mit diesem Romance Trash gedacht haben und unserer ersten Lesung ever stellt sich heraus: Alle Sorgen waren unbegründet, den Leuten gefällt es, keiner langweilt sich, es wird gelacht, gecringet und Fragen gestellt.
Es ist ein wundervoller Abend und wir sind wahnsinnig glücklich über jede einzelne Person, die gekommen ist, um uns zu unterstützen – ihr seid echt der Wahnsinn!Danke übrigens auch für die Geduld beim Warten auf eure signierten Exemplare. Da wir uns für alle etwas Individuelles ausgedacht haben, hat es etwas gedauert, bis wir mit allen durch waren <3
Und ganz besonders gefreut hat uns, dass auch ein paar andere kreative Menschen da waren, die unser Buch fast genauso feiern wie wir – das ist noch einmal ein ganz anderes Feeling, wenn auch eine creative crowd schätzt, was du selbst geschaffen hast. Schau mal bei Anna Frohmann (Illustrationen), Sonne & Fleisch (Text & more) und Redneck Jonsn (Musik) vorbei – btw, das ist keine Werbung, sondern echte Begeisterung.
Wer braucht schon Schlaf? Nach drei Stunden ausruhen geht es gleich am Samstag in der Früh weiter zum Bücherquatsch nach Braunau. Was ist das und warum in Braunau, fragst du dich?
Nicht fragen, einfach hinnehmen. Wir fahren also da hin, wo wir mit ein paar anderen Romance und Fantasy Autorinnen networken und interessierten Besucherinnen und Besuchern unsere Bücher vorstellen dürfen. Wir haben auch eine kleine Lesung im Innenhof und den Teil mit dem Romance Trash lassen wir weg. Heute darf Heart Beat einfach nur Young Adult Romance sein, ohne dass wir das mit dem Trash erklären. (Der offizielle Hashtag zum Buch ist übrigens #HeartBeatFFF – der inoffizielle ist #MyHEARTBEATsfortrash.) Die Lesung findet dieses Mal ohne Mikro statt und ich finde, ich höre mich an wie ein Pfarrer, der aus der Bibel vorliest. Siehe hier, die Lesung aus dem Buche Heart Beat (Start bei 1:44).
Den Leuten gefällt es trotzdem und wir verkaufen ein paar Exemplare. Unser persönliches Highlight ist aber, dass wir endlich Katrin Ils wieder treffen, eine böswitzige Dark Fantasy Autorin aus Wien, die es faustdick hinter den Ohren hat – auf die beste Art.
Eines der besten Gefühle ever? Wenn die Buchhandlung, in der du früher gejobbt hast, dich anruft um zu fragen, ob du eine Lesung bei ihnen machen kannst. Äh, hallo?! Natürlich machen wir das!
Wir bekommen den 15 Uhr Slot und haben unfassbares Glück mit dem Wetter. Den ganzen Vormittag schüttet es wie blöd, aber als wir kommen, geht die Sonne auf. Literally. Nach und nach kommen immer mehr Zuschauer, während noch die Jungs von Stroke Pack spielen, die wir natürlich anfeuern wie die größten Groupies. Sind halt auch cute, muss man sagen.
Kurz vor unserer Lesung um 15 Uhr kriege ich fast einen Herzinfarkt, als auch noch meine Deutschlehrerin aus dem Gymnasium auftaucht! (Habe ich erwähnt, dass Leibnitz meine Heimatstadt ist, in der ich die meiste Zeit meiner Kindheit und Jugend verbracht habe?) Außerdem waren auch noch meine Omas und fast alle meine Großtanten und Großonkel da, neben einigen anderen Zuschauern, die wir nur teilweise kannten und die im Laufe der Lesung immer mehr wurden, weil sie zufällig vorbeikamen.
Wir lesen also die ersten Szenen, die wir mittlerweile fast auswendig können, relativ souverän vor, wie wir finden. Nach der Hälfte fragen wir mal, ob das Publikum eine Pause braucht, oder ob wir weiterlesen sollen. Fast einstimmig wird entschieden, dass wir weiterlesen sollen. Dabei merken wir schon, dass das Publikum zwar nicht unserem Zielgruppenalter entspricht, aber eine ganz besondere Vorliebe für unsere übertriebenen Romance-Szenen hat. Anders als bei der Release Party, wo wir ebenfalls eine Stunde gelesen haben, haben wir für heute natürlich keine Sexszene eingeplant, schließlich befinden wir uns auf einem Dorf-Hauptplatz. Im Freien. Vor einem Publikum gesetzteren Alters.
Von unserer üblichen Verrücktheit geritten, offenbaren wir dem Publikum, dass wir eine Sexszene dabei hätten, auch wenn wir eigentlich eine andere vorbereitet haben. Wir fragen, wer für die normale Szene ist – mäßige Begeisterung. Wir fragen, wer für die Sexszene ist – die Hände meiner Verwandten schießen sofort in die Höhe, allen voran meine über 80-jährige Oma, gefolgt von meiner Deutschlehrerin und den meisten anderen anwesenden Damen und Herren (Durchschnittsalter auf jeden Fall 50+).
Damit hätten wir wirklich nicht gerechnet und ich mache mir ein bisschen Sorgen, dass die Buchhandlung vielleicht nicht so erfreut sein könnte, als auch noch die Leute aus den umliegenden Geschäften rauskommen und einige Passanten (positiv) irritiert stehen bleiben, um Marlen zu lauschen, wie sie von Bauchmuskeln, Blümchenbettwäsche und Brüsten vorliest.
Den harten Schaft lassen wir weg, okay?, flüstere ich ihr in einer kurzen Atempause zu und muss mich wirklich bemühen, nicht in einen Lachanfall auszubrechen. Marlen bringt die Sexszene wie immer mit viel Pathos und am Ende lache nicht nur ich Tränen, sondern auch die eine oder andere Person im Publikum. Für die Buchhandlung geht das absolut klar, Leibnitz vertragt das schon, heißt es und wir gönnen uns noch ein Glas Sekt, während wir den Leuten ihr Bücher signieren.
Eigentlich hätten wir von der Lesung ein Live-Video auf der Facebookseite unseres Verlags machen sollen, was dann aber aufgrund unserer technischen Inkompetenz leider nicht funktioniert hat. Dafür haben wir die ganze Lesung auf Video aufgenommen und im Nachhinein gepostet. Klick mal hier!
Ich könnte noch viele viele Seiten über diese Lesungen schreiben, über sehr besondere Begegnungen, einzelne Sätze von Zuschauern, die hängen geblieben sind, die eine oder andere bizarre Frage und so einige Pannen, mit denen wir noch zu kämpfen hatten (abgesehen von dem Mangel an Erdbeerlipgloss). Mach ich aber nicht – ich will dich schließlich nicht langweilen. Komm einfach zur nächsten Lesung uns sei live dabei.
Achso, zwei Fragen sollte ich an dieser Stelle vielleicht doch wiederholen, einfach weil sie so oft kommen.
In der nächstgelegenen Buchhandlung. Klar, auch hier auf Amazon. Und hier auf der Verlagsseite. Oder direkt bei Marlen oder mir, wenn du es signiert haben willst. Aber ganz ehrlich, am allerbesten ist es, du kaufst es in der Buchhandlung – am besten für uns, am besten für den Verlag und auch für dich, denn damit stellst du sicher, dass es immer Orte gibt, an denen du dich persönlich beraten lassen kannst, wenn du mal wieder nicht weißt, was du lesen sollst. Und zwar von Menschen, die viel Herzblut da reinstecken.
Theoretisch ja, denn es macht uns (und dem Publikum) wirklich immer sehr viel Spaß. Fixe Termine gibt es allerdings noch keine. Wenn du uns aber zu einer Lesung einladen willst – entweder live und in Farbe oder live auf einem Social Media Account, schreib mir an buecherphie@gmail.com– ich antworte auf jede Mail.
Sonst noch Fragen? Schau mal auf Facebook, Instagram oder Twitter vorbei und schreib mir! Bussi <3
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Ich fahre direkt nach der Arbeit zum Kallasch&, mit dem Fahrrad bin ich schnell da. Tracy, meine Begleitung, kommt ein wenig später, weil sie sich verfahren hat (kenn ich nur zu gut). Macht nichts, denke ich. Das sind doch alles literaturinteressierte Menschen, mit denen wird man sich bestimmt unterhalten können.
Ich komme also da hin und merke schnell: Die Rechnung geht nicht auf. Schlimm ist natürlich auch, dass ich, die normalerweise immer und überall zu spät kommt, heute überpünktlich und eine der ersten bin. Keine Menschenmengen, in denen man untertauchen kann, und mein Buch habe ich auch zu Hause vergessen, kann mich nicht einmal lesend in eine Ecke verziehen.
Ich mag keine Menschen, sag ich immer. Das stimmt natürlich nicht. Was ich nicht mag, sind Ansammlungen von Menschen, die ich nicht kenne oder nicht gut kenne und bei denen ich nicht weiß, wie ich mich verhalten soll. Beruflich kann ich das, da stell ich mich zu jedem hin, spreche über dieses oder jenes, setze eine Maske auf (Props an Erik, der vor der Lesung mit einer Adlermaske herumläuft) und ziehe eine Schutzfolie auf, hinter der ich mich verbergen kann. Dann ist alles nur Show, ich selbst bleibe im Hintergrund, verfolge Business-Ziele, versprühe Charme und Esprit. Aber stell mich als Privatperson irgendwo hin und ich bin die Unbeholfenheit in Person. Ich fühle mich fehl am Platz, weiß nicht wohin mit mir, weiß, dass ich mich in Gespräche eingliedern sollte, will aber eigentlich allein sein und beobachten. Alle sind nett, aber ich bin auch die einzige, die keinen kennt, in dieser Gruppe von jungen Leuten, die sich alle aus der Uni oder sonstwoher kennen. Alle sind sie schwarz gekleidet und begrüßen mich freundlich, wollen aber nicht wirklich mit mir reden, weil keiner Bock auf belanglosen Smalltalk mit einer Fremden hat. Ich ja auch nicht, I get it.
Und du bist eine Freundin von Takis?, fragt mich wer.
Wir haben uns einmal kurz getroffen, da hat er mich zur Lesung heute eingeladen.
Achso, sagt die Person und ich merke, wie ich plötzlich uninteressant bin.
Was mich einigermaßen beruhigt ist, dass es Takis Würger ähnlich zu gehen scheint wie mir. Auch er steht mal hier, mal da, kennt zwar viele ein bisschen, aber keinen so richtig gut. Er wirft random irgendwelche Sachen in den Raum, sobald eine kurze Stille entsteht, merkt, dass es nicht passt und entschuldigt sich zur nächsten Gruppe. Auch er wirkt fehl am Platz, so als wäre sein natürliches Umfeld woanders, ein leerer Park in der Nacht vielleicht, ein Ufer in der Dämmerung, eine verlassene Seitenstraße. Irgendwann entschuldigt er sich nach drinnen und ich beneide ihn ein bisschen, dass er eine Ausrede hat, sich zu verdrücken, die Lesung vorzubereiten oder Plätze zu reservieren.
Ein Paar, etwa um die 40, steigt aus einem Auto und wird begrüßt. Ich nehme an, es ist die andere Autorin, die heute liest, ich weiß es aber nicht. Sie geht direkt hinein, kümmert sich nicht wirklich um die Leute, die vor der Bar stehen, und wirkt so, als würde sie genau hier her gehören. Zero fucks given. Von Inger-Maria Mahlke habe ich davor noch nie gehört, aber wenn sie das ist, ist sie mir direkt sympathisch.
Als wir unsere Plätze einnehmen, ist der hintere Raum im Kallasch& ziemlich voll, wir müssen uns zwei Klappstühle aufstellen. Vor mir sitzen einige Leute, die mir die Sicht versperren. Trotzdem ist die Atmosphäre gemütlich in dem halbdunklen Raum mit den rötlichen Lichtern.
Es beginnt.
Kai von der Buchbox aka Blinkybrill aka der nette Berliner Hipster-Typ mit den Tattoos und der Brille, mit dem ich mich davor schon so halb nicht unterhalten habe, eröffnet die Lesung. Etwas stockend, aber mit Überzeugung liest er einen Text von Tucholsky, in dem es um telefonierende Männer im Restaurant geht. Oh shit, ich hab mein Handy gar nicht auf lautlos, zischt Tracy neben mir. Mission accomplished, würde ich sagen.
Kai übergibt seinen Platz auf der Bühne einer der Veranstalterinnen. Das war ein Text von Tucholsky, weil die Lesereihe Hauser & Tiger Tucholskys Literaturzugang zum Vorbild habe. Es gebe auch zu jedem verkauften Buch einen Shot.
Zum Auflockern gibt es ein paar Fragenpaare an die beiden writer*.
Boxen oder Schreiben?
Schreiben, sagt Takis Würger ohne zu zögern. Mehrere angeknackste Rippen, Nase gebrochen, Kapseln gesprengt und so weiter, außerdem sei er ein schlechter Boxer. Schreiben, das könne er.
BBC Documentary oder Bibliothek?
BBC Documentary leider, sagt Inger-Maria Mahlke und lacht ertappt. (Sie hat übrigens so etwas wie einen historischen Roman geschrieben.) Dann erzählt sie, dass sie manche Dokus als Einschlafhilfe benutzt und deswegen die ersten zehn Minuten auswendig kann.
In beiden Romanen ist die äußere Erscheinung von der Haarfarbe bis zum Stoff der Fliegen sehr wichtig, fast schon politisch und immer strategisch. Tragt ihr heute ein strategisches Kleidungsstück? (Ich wette, die Frage hat sich die Veranstalterin ausgedacht, die eine knallpinke Strumpfhose zu ihren dunklen Klamotten kombiniert.)
Auf jeden Fall, sagt Takis Würger. Diese Mütze hier – er trägt eine dunkelblaue Baseballcap mit einem hellroten C drauf – habe er nur dabei, weil er sich vor einiger Zeit die Haare kurz geschoren hat und die jetzt einfach nicht nachwachsen wollen. Er habe wissen wollen, wie es sich anfühlt, sich einmal komplett die Haare abzurasieren. Im Stillen frage mich, ob das etwas mit seinem neuen Roman zu tun hat oder mit seinem alten. Vielleicht ein bisschen von beidem. Im Laufe des Abends wird er sich noch öfter die Kappe vom Kopf nehmen, sich verstohlen durch die Haare fahren, die Kappe wieder aufsetzen und dann wieder abnehmen.
Inger-Maria Mahlke dagegen ist der Meinung, dass man sich doch immer überlege, was man anzieht und damit jedes Kleidungsstück natürlich auch strategisch sei. Sie für ihren Teil habe ein Outfit gewählt, in dem sie hoffte nett auszusehen. Nett ist tatsächlich das Wort, das sie benutzt und es gefällt mir, weil ich nicht weiß, ob sie damitnett als Charaktereigenschaft oder als äußere Erscheinung meint.
Takis Würger beginnt aus ‚Der Club’ zu lesen. Sorry, ich seh irgendwie nichts in dem Licht. Ah, Moment… so geht’s. Er liest ein paar stark gekürzte Stellen vom Anfang, die sich gut in einander einfügen. Man bekommt eine Idee von der Schnelligkeit der Handlung und der Eigenart der Sprache. Es sind nur Szenen aus Hans’ Sicht. Ja, es ist logisch, aber es ist auch schade, war es doch die erste Szene aus Alex’ Sicht, die mich damals an dieses Buch gefesselt hat. Einmal lacht das Publikum an einer Stelle, die ich unendlich traurig finde und ich nehme es ihnen übel.
Inger-Maria Mahlke liest – glaube ich – nicht eine Stelle vom Anfang, sondern von der Mitte. Unterbrecht mich einfach, falls es mehr als 15 Minuten werden, sagt sie. Nach ein paar Sätzen bricht sie ab, sie habe vergessen, noch etwas zu erklären. Sie wirkt dabei nicht unvorbereitet, sondern sympathisch und selbstbewusst. Das gesamte Buch besteht aus Tagebucheinträgen und Listen. Zuerst komme ich nicht rein, irgendetwas stört mich am Schreibstil, auch wenn das Thema (es geht die kleinwüchsige Cousine von Queen Elizabeth I, die sich im Hausarrest befindet) eigentlich interessant ist. Die Stimme der Autorin ist beim Lesen fester, weniger dünn und nicht mehr so meckernd wie vorher. Das Buch hat Witz, die Protagonistin einen bösartigen Humor, der mir gefällt. Trotzdem habe ich keine Lust, es zu lesen – es liegt nicht an dir, es liegt an mir.
Nachdem beide gelesen haben, gibt es wieder einige Fragen. Habt ihr noch ein paar von diesen Fragenpaaren? Die waren lustig, davon können wir ruhig noch ein paar machen, meint Takis. Leider vergebens. Es wird immer eine Frage an beide writer* gestellt und so eine künstliche Nähe zwischen den zwei Werken hergestellt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Inger-Maria Mahlke erzählt dazwischen mal, dass sie früher einen Haarschnitt hatte, der sie möglichst unnahbar scheinen ließ, damit sie keine Fragen beantworten müsse. Heute sei sie da entspannter. Ihr Glück.
Bei der ersten Frage, die mir schon wieder gänzlich entfallen ist, hört Takis seiner Autoren-Kollegin zu, nickt hin und wieder, scheint in Gedanken versunken. Als er die gleiche Frage beantworten soll, zögert er kurz, beugt er sich ein wenig vor, rutscht unbehaglich auf seinem Stuhl herum, lächelt ein bisschen. Ich hab original die Frage nicht verstanden, sagt er. Wir alle lachen. Insgeheim unterstelle ich ihm, dass er sie sich einfach nicht gemerkt hat. Die Frage wird ihm noch einmal gestellt, er beantwortet sie freundlich.
Warum England, hätte der Roman nicht auch woanders spielen können?, ist die Essenz einer weiteren der ausschweifend gestellten Fragen. Beide sind verwirrt. Inger-Maria Mahlke (der Name klingt als Ganzes zu schön, um sie nur beim Vor- oder Nachnamen zu nennen, findest du nicht?) antwortet zuerst. Erstens ginge es in ‚Wie Ihr wollt’ nun mal um die Cousine der englischen Königin und zweitens sei das eigentlich egal, weil der Roman sowieso in einem Zimmer spielt, das ihre Protagonistin nicht verlassen darf. Ich mag diese Frau.
Takis überlegt kurz. Er habe einfach einen Roman schreiben wollen, in dem ein Deutscher nach Cambridge geht, weil es das sei, was er kannte. Generell fiele es ihm leichter, über die Dinge zu schreiben, die er selbst erlebt hat. Im Laufe des Abends erfahren wir, dass er sich wie sein Protagonist auch oft fehl am Platz fühlt, es den besten Freund seines Protagonisten wirklich gibt, die bösen Machenschaften des Pitt Clubs seines Wissens aber nicht.
Der Höhepunkt der deppaten Fragen ist dann jene nach dem Verhältnis von Macht und Ohnmacht in den beiden Romanen.Die Frage an sich ist schon schwammig gestellt und braucht mehrere Anläufe, bis sie irgendwie herauskommt. Auch wenn ich ‚Wie Ihr wollt’ nicht gelesen habe, ist mir klar, dass es offensichtlich auch hier genau darum geht – ich mein bitte, it’s the whole point!
Inger-Maria Mahlke antwortet glaube ich sehr diplomatisch, ich passe ehrlichgesagt nicht auf, da ich mich innerlich immer noch über die Frage aufrege. Dann wird es plötzlich still, meine Aufmerksamkeit richtet sich wieder nach vorne. Takis Würger ist an der Reihe und er sagt… nichts. Mittlerweile wissen die Veranstalterinnen/Moderatorinnen, dass er sich manchmal etwas mehr Zeit zum Nachdenken nimmt, bevor er antwortet und schweigen ebenfalls. Die Stille wirkt endlos, das Publikum wird unruhig, er nimmt mal diese Position ein, mal jene, scheint ein wenig mit sich selbst zu kämpfen.
Du musst auch nicht antworten, du darfst ruhig Eigenbrötler sein, sagt schließlich die Frau, die die Frage gestellt hat. Ein bisschen überlegt er noch, dann erzählt er, dass das zwar nicht viele so lesen, aber dass es eine Figur gibt, bei der für ihn am Ende rauskommt, dass sie im Hintergrund alle Fäden in der Hand hält, ohne dass er es beim Schreiben so beabsichtigt hätte. Inwiefern das mit dem Verhältnis von Macht und Ohnmacht zu tun hat, versteht man glaube ich nur, wenn man ‚Der Club’ tatsächlich gelesen hat.
Alles in allem ist ‚Hauser & Tiger’ ein schönes Format. Zwei writer*, ein bisschen was Persönliches zum Auflockern am Anfang, Büchertipps vom Publikum, die mit dem eventeigenen Cocktail Kurtbelohnt werden, Schnaps zu jedem Buchkauf und die Möglichkeit, mit den writern* bei noch mehr Schnaps zu quatschen – wenn sie denn nach der Lesung noch bleiben. Und ganz ehrlich: Obwohl ich bei jeder zweiten Frage innerlich die Augen verdreht habe, waren sie doch so gestellt, dass die writer* gefordert waren, ein bisschen nachzudenken, von ihren Büchern und sich selbst zu erzählen. Das Tucholsky-Thema zieht sich wie ein unaufdringlicher roter Faden durch die Veranstaltung und sorgt für ein bisschen Abwechslung.
Wenn es im September nach der Sommerpause weitergeht, gehe ich vielleicht wieder hin. Willst du mitkommen? Oder hast du einen Tipp für andere Literaturveranstaltungen in Berlin? Schreib mir hier in die Kommentare oder auf Instagram, ich freue mich auf deine Nachricht.
*Sorry, mir ist auf Deutsch das Gendern zu blöd.
]]>Heute steht der Titel & Cover Release unseres Buches an, auf den du schon so lange gewartet hast. Du fragst mich immer wieder, wie das Buch heißt, worum es geht, ob es schon ein Cover gibt und einen Veröffentlichungstermin. Ich antworte meistens ausweichend, sage, dass der Titel erst mit dem Cover verraten wird, deute an, dass es eine Art Jugendbuch wird.
Ich gebe es zu: Ich schäme mich ein wenig für diesen vermeintlichen Trash, den ich da mitproduziert habe. Nicht, weil ich die Geschichte und die Charaktere nicht lieben würde, oh nein. Ich liebe unsere drei Helden so sehr, dass ich sie mir sogar unter die Haut stechen hab lassen. Ich stehe voll und ganz hinter der Geschichte, die M. D. Grand und ich mit diesem Buch erzählen.
Und doch habe ich Angst davor, wie du reagieren wirst. Du kennst mich von Instagram oder sogar persönlich, hast vielleicht mit mir studiert oder kommst aus dem gleichen Kaff wie ich. Hier auf dem Blog und auch auf Instagram schreibe ich ganz anders. Ich schreibe zeitgenössische Möchtegern-Literatur und Essay-artige Blogposts mit einer dringlichen Schreibstimme, die ganz tief aus meinem Innersten kommt (und die mir im Real Life so oft im Hals stecken bleibt, nicht aus Höflichkeit, sondern aus Feigheit). So kennst du mich oder hast mich neu kennengelernt über diese lächerliche Facebook Fanseite und jetzt fragst du dich (und mich), mit was für deep shit ich mein Debüt als zeitgenössische Autorin angehe.
(Bitte weiterlesen, den Klappentext gibt’s erst ganz unten.)
Hier erst mal die Vorderseite:
The cringe is real, oder? Wie passt das bitte zum ganzen Rest, den ich sonst so schreibe?
Ich habe neben meinem Vollzeitjob gefühlt 1.000 offene Schreib-Projekte, also warum zum Teufel stecke ich so viel Energie in diesen YA Romance Trash mit dem klingenden Namen Heart Beat – Frühling, Flirts und Freundschaftskrisen?
„Es ist nicht das, wonach es aussieht!“ Nein, wirklich. Ich schwör’s. Das Buch ist aus der Sicht von zwei etwa achtzehnjährigen Jungs geschrieben, dementsprechend ist das Ganze kein klischeebehafteter Teenie-Schund, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheint. Eigentlich hätte der Untertitel „Frühling, Flirts und… Fuck!“ werden sollen, damit es besser zu unseren Charakteren passt. Das ging aber nicht aus Gründen, die ich dir vielleicht ein anderes Mal erläutere, wenn du magst.
Jetzt ist der Untertitel eben „Frühling, Flirts und Freundschaftskrisen“, weil es im Frühling spielt, viel geflirtet wird und wie es halt so ist in dem Alter auch einige Freundschaftskrisen entstehen. Aber in Wirklichkeit geht es doch um etwas ganz anderes. Klar, man kann es als seichten YA Trash lesen, aber es steckt mehr dahinter. Ich hoffe, du merkst es, wenn du es liest.
Hast du dir schon mal überlegt, warum große Brands so viel Aufwand betreiben, um Teens und Twens mit ihrer Werbung zu erreichen, wenn die doch gar nicht das Budget haben, um ihre Produkte zu kaufen? Man kann sie noch formen. Ihre Geister sind noch flexibel, Meinungen noch nicht so festgefahren, der Wille, etwas zu ändern, ist noch vorhanden.
Und ganz ehrlich? Was hier gelesen wird, von 50 Shades of Grey überAfter Passion bis hin zu Save Mefinden wir höchst bedenklich. Aber statt zu meckern, haben wir uns gedacht wir machen’s mit Heart Beat einfach besser. Ob uns das gelungen ist, wissen wir nicht, aber du wirst es uns hoffentlich ehrlich sagen.
… brauche zwar das Geld nicht, aber die geistige Nähe zu den Charakteren. Jetzt bin ich noch jung genug, um mich in einen 18-Jährigen hineinversetzen zu können, aber bald nicht mehr. Und dann kann ich immer noch meine zeitgenössische Literatur über 50-jährige, gescheiterte Lebenskünstler schreiben. Ich hoffe, das Literaturnobelpreiskomitee verzeiht mir dann dieses jugendliche Erstlingswerk mit dem Namen Heart Beat.
Du warst so viel mehr als was die Erwachsenen dir zutrauten: Intelligent, neugierig, voller Erwartungen auf das Leben, für nichts war es noch zu spät, die Zukunft ungewiss, ein bittersüßes Damoklesschwert über unseren Köpfen.
„Die letzten Prüfungen standen bevor, es war schon warm draußen und man hatte gerade eine neue Freundin… das war noch endless summer“, hat vorgestern jemand zu mir gesagt. Und hell yeah, das ist genau das Gefühl, das Heart Beat ausmacht. Pure Nostalgie für alle, die über die 20 drüber sind, und vielleicht pures OMG genau das für die, die grade mittendrin stecken.
Selten habe ich so gelacht wie mit M. D. Grand beim Schreiben so mancher Heart Beat Szenen. Mädchen aufreißen mit Harry Potter? Versehentlich einen Metalsong schreiben? Frühstück mit den Eltern des One Night Stands? You name it. Unsere Helden lassen kein Fettnäpfchen aus. Ob du das auch so witzig findest wie wir, bleibt abzuwarten.
Bis dahin kannst du ja schon mal den Klappentext lesen:
Du willst mehr über das Buch wissen oder wo du es bekommen kannst? Folge uns auf Facebook, Twitter oder Instagram – wir werden dort auf jeden Fall posten, sobald es etwas Neues gibt. Du kannst Heart Beat in deiner Buchhandlung kaufen oder natürlich auch hier auf Amazon!
Und wenn du uns live bei einer Lesung sehen willst, kannst du dir schon mal den 8.6., 9.6. und 22.6. ganz fett im Kalender markieren! Details folgen.
Wenn du in der Zwischenzeit schon mal etwas loswerden willst, zum Beispiel, dass du das alles total blöd findest oder auch total geil, schreib mir auf Instagram oder hier unten in den Kommentaren. Ich weiß deine Nachricht wirklich zu schätzen, egal ob sie positiv oder negativ ausfällt. <3 Bleib neugierig, Bussi und bis bald!
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