Grenzen der Bio-Zertifizierung
Auch europäische Firmen beziehen ihre Rohstoffe weltweit. Zwar achten wir hier stärker auf Bio-Anbau, doch ein Bio-Zertifikat gibt es auch, wenn mit verunreinigtem Grundwasser bewässert wird, eine Autobahn in der Nähe verläuft oder eine Plastikhalde unweit steht. Zudem lässt sich schwer kontrollieren, ob nicht auch konventionell angebaute Pflanzen aus Profitgründen beigemischt werden. Bio-Zertifikate können missbraucht werden, haben aber durchaus ihren Wert und ihre Berechtigung. Allerdings sagen weder Bio-Anbau noch Wildsammlung dann etwas über die mögliche Kontaminationsquelle in Produktion und Logistik aus.
Handlungsbedarf und Kontrollen
Die Stichprobentestung zeigt deutliche Qualitätsunterschiede. Wir können durch die Wahl der Herkunft und andere Maßnahmen zur Reduzierung von Phthalaten in ätherischen Ölen beitragen. Die Hersteller sind nun gefordert, genauer hinzusehen und Verbesserungen anzustreben. Ein wichtiger Ansatz wäre zudem, auf Verbraucherseite den verschwenderischen Umgang mit den Ölen zu reduzieren. Wer schon einmal selbst destilliert hat, weiß: Für wenige Tropfen Öl braucht es große Pflanzenmengen. Je größer die Produktion, desto mehr Probleme entstehen.
Ein wichtiger Schritt sind Qualitätskontrollen der Endprodukte durch die Firmen selbst. Dass hier entscheidende Fehler in den USA gemacht wurden, zeigt, dass sogar in den USA verbotene Phthalate in den Ölen gefunden wurden. Hierzulande verfügen einige Firmen über hauseigene Labore, in denen sie jede Charge kontrollieren – ob dabei auch so penibel auf Phthalate geachtet wird, wie es rein rechtlich sein müsste, weiß ich nicht, aber hoffe ich (vielleicht liest das hier ja jemand im Labor?). Im Gegensatz zu eingeführten ätherischen Ölen unterliegen “unsere” ätherischen Öl konkreten EU-Zulassungen mit Grenzwerten. Wie eingeführte ätherische Öle zertifiziert sind, ist oft Gegenstand von Spekulationen.
Risiken beim Einkauf von Großhändlern
Vielleicht hilft ein weiterer Einblick, der aber auch weltweit gilt. Diese Informationen stammen aus meinen Quellen und Erfahrungen mit europäischen Firmen: Prüfungen in firmeninternen Laboren fokussieren sich auf bestimmte biochemische Verteilungen (jene Profile, die wir in den Aromatherapie-Ausbildungen zumindest ansatzweise lernen, aber im Labor geht es natürlich noch tiefer ins Detail). Da Großhändler diese Standards kennen, besteht das Risiko von Manipulation und ich weiß, dass es durchaus geschieht:
- Vermischung verschiedener Destillationen
- Beimischung isolierter Einzelstoffe aus anderen ätherischen Ölen
- Zusatz synthetischer Substanzen
Solche Manipulationen sind in kleinen Firmenlaboren ohne intensive Analytikerfahrung schwer nachweisbar. Mit Erfahrung kann man jedoch vieles am Geruch erkennen – vertraue daher deiner Nase!
Problematik für kleinere Firmen
Besonders kleinere Firmen sind gefährdet, da sie sich auf die Analysezertifikate der Großhändler verlassen müssen. Ich habe selbst erlebt, wie ein eindeutig synthetisches Öl in mehreren Chargen mit Großhändler-Zertifikaten als 100 % reines ätherisches Öl verkauft wurde. Aus diesem Grund meide ich nun Firmen, die von Großhändlern beziehen.
Und bevor das nach einer Warnung vor kleineren Firmen klingt, die ich deutlich bevorzuge: Es geht um Großhändler und große Firmen. Denn je größer die Firma und ihr Einkaufsvolumen, desto anfälliger wird das System für wirtschaftliche „Optimierung“. Diese führt zu billigeren Teilchen in der Produktion etc.
Phthalate in ätherischen Ölen vermeiden: Praktische Tipps und Präventionsmaßnahmen
Es ist ein wahrer Luxus, kleine Hersteller ätherischer Öle persönlich zu kennen. Man weiß dann genau, wo die Pflanzen wachsen, ob bei der Destillation Plastikschläuche verwendet werden und ob durchgehend in Glas gelagert wird.
Wer selbst Pflanzen anbaut und destilliert, hat nicht nur ein faszinierendes Hobby, sondern behält auch die volle Kontrolle über die Qualität. Susanne Fischer-Rizzi, bei der ich die Kunst des Destillierens auf wunderbare Weise erlernt habe, betont zu Recht: Diese Unabhängigkeit bringt sowohl gesundheitliche als auch politische Vorteile.
Wer diesen Luxus nicht hat und bei Ätherisch-Öl-Händlern einkauft, hat dennoch eine Verbraucherstimme: Fragt gezielt nach den Analysen der ätherischen Öle, die ihr kaufen möchtet oder bereits gekauft habt – natürlich auch nach der Prüfung auf Phthalat-Gehalt. Die Analyse ist nicht nur aus therapeutischer Sicht interessant, sondern zeigt den Herstellern, dass euch Qualität wichtig ist. Fragt freundlich nach; wenn ihr eine ausweichende Antwort bekommt, solltet ihr hellhörig werden. Eine seriöse Firma teilt euer Interesse an Qualität und stellt bereitwillig Analyseergebnisse zur Verfügung. Das habe ich in meinen 15 intensiven Aromajahren immer wieder erlebt.
Ich entwickle derzeit systematisch Methoden, um Qualität mit dem eigenen Körper wahrzunehmen. Diese Techniken integriere ich in meine kommenden Seminare, damit wir alle eine zusätzliche Möglichkeit zur Qualitätsprüfung haben. Vielleicht entwickelt ihr auch eigene Ansätze – experimentiert einfach damit, wie ihr für euch überprüfen könnt, ob ein Öl wirklich gut ist – und bleibt dabei ehrlich mit euch selbst.