


Ebenfalls im Februar erfreute mich ein Artikel in der FAZ unter der Überschrift „Waldversteher“. Erster Satz: „Für unseren berühmten Baumflüsterer Peter Wohlleben kommt es in dieser Woche knüppeldick – so in etwa muss sich Kahlschlag für den Wald anfühlen.“ Im Klartext: vieles, was Wohlleben in seinem Buch über die geheimen Gefühle der Bäume erzählt, ist kompletter Unsinn. In dem kurzen FAZ-Artikel ist von „Kitsch“, „Verniedlichung“ und „Waldmärchen“ die Rede. Holzwissenschaftler aus Kanada (Heimat der Lumberjacks) haben die angeblichen „Kommunikationsnetzwerke“ der Bäume mit den Pilzen im Boden untersucht. Diese Netzwerke sind nicht ganz so verbreitet, wie Wohlleben behauptet. Von 73.300 Baumarten hat man nur bei zwei (!!!) Arten ein solches Netzwerk entdecken können. Bekommt Wohlleben nun seinen Titel als Doktor Wald aberkannt?

Kein Waldversteher, aber ein Bergversteher, besser gesagt – ein Brockenversteher war Benno Schmidt, genannt Brocken Benno. Hochbetagt (Wandern hält fit!) ist Benno Schmidt Ende letzten Jahres (einen Tag vor Heiligabend) von uns gegangen. In der Erinnerung aller Wanderer wird er immer präsent bleiben. An seinem 90. Geburtstag im letzten Jahr hat er es tatsächlich geschafft, zum Neuntausendsten Mal den Brocken zu erwandern. Der Wanderfürst Goethe hat das nur drei Mal geschafft. Was ich gar nicht wusste: Benno Schmidt wurde 1932 in Bochum geboren – Bochum ich komm aus dir! Nach der Wende konnte er dann – startend in seinem zweiten Heimatort Wernigerode – täglich bis zu fünfmal den Brockengipfel erklimmen. Brocken-Benno, ich wünsche dir viel Spaß auf deinen Bergwanderungen im Wanderhimmel.


Ich weiß bis heute nicht, ob ich dieses Lupen-Foto über dem Pissoir lustig, frech oder beleidigend finden soll. Ich habe mich auf jeden Fall ans Becken daneben gestellt, ich lasse mich doch nicht von jungen Damen belästigen.

Ein absolutes Highlight meines Lebens als Familienforscher (siehe auch mein Buch „Von wem habe ich das bloß“) war letztes Jahr mein Vortrag in Flensburg.

Auf einem Kongress für Genealogie traf ich den Deutschen Namenspapst Jürgen Udolph. Vielen Radio-Hörern ist Udolph vielleicht durch seine Sendungen beim RBB oder SWR bekannt. Der Namens-Guru braucht nur zwei Musiktitel, dann hat er die merkwürdigsten Nachnamen der Hörer entschlüsselt. Auf der gelben Tafel präsentierte er einige sehr sehr kuriose Namen und hatte tatsächlich zu jedem dieser Namen eine geniale Geschichte. Hat nur was gedauert, bis er alle Namen abgearbeitet hatte. Udolph war es auch, der meine ursprünglichen Träumen, einen hugenottischen Namen zu haben, den Zahn zog. Dafür hat er sich in Flensburg bei mir entschuldigt. Tatsächlich bin ich nicht Besitzer eines ehemaligen hugenottischen Schlosses an der Loire. Väterlicherseits sind arme sorbische Bauern und Leibeigene meine Ahnen. Zurecht werde ich öfter als Herr Andratsch angesprochen.

Upps! Da bin ich wohl ein wenig zu schnell gewandert. Na ja, kann mal passieren, denn ich bin davon ausgegangen komme, dass ich ganz normal innerorts mit 50 Stundenkilometern gehen darf. Allerdings befand ich mich in einer 30er-Zone und wurde mit 11 Stundenkilometern zu viel (abzüglich der Toleranzgrenze) geblitzt. Ha, aber diese Knöllchen-Abzocker haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Ich habe Widerspruch eingelegt, weil ich ja nicht auf der Straße, sondern am Straßenrand gewandert bin und da darf man so schnell laufen wie man will.

In einem Hotel an der Lahn habe ich diese wunderbare Karte entdeckt. Für die Jüngeren: So sah google maps vor mehr als 200 Jahren aus. Man lernt auf diesen alten Landkarten viel über die herrliche deutsche Kleinstaaterei. Oben (gleich nördlich) auf der Karte schlängelt sich die Lahn, darunter orange eingefärbt die Besitztümer der Herren von Katzenelnbogen. Lustiger Ortsname, aber die Herren von Katzenelnbogen waren in dieser Region eine richtig große Nummer. So groß, dass sie sich irgendwann zwischen den Hügeln südlich der Lahn langweilten und eine richtig schöne Fürstenstadt gegründet haben. Die feinen Herren von Katzenellenbogen erfanden Darmstadt und zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Karte gehörte deswegen Katzenellenbogen zu Darmstadt.

Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, wo ich dieses Fachwerkhaus gesehen habe. Auf jeden Fall ist das ein wunderbarer Sinnspruch für alle Wanderer.

Ist das schon der Klimawandel? Ist das der Wüstenplanet Dune? Ist das ein Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang oder beides? Warum ist mein Mund offen? Macht Wandern wirklich Spaß?
]]>Wandern ist natürlich eine geniale Gelegenheit, perlende Anekdoten zum Besten zu geben. Alternativ nicht in der Wanderzeit, sondern beim Après-Wandern, auch Schlusseinkehr genannt.

In der Fielser Stuff in Larochette erzählte Roger:
„Meine Großmutter deutete 1939 die Vorzeichen der schlimmen Zeit richtig, und ahnte, dass es in Europa und damit natürlich auch in Luxemburg Krieg geben würde. Um sich auf die schlechten Zeiten vorzubereiten, beauftragte sie ihren Mann – Rogers Großvater – eine Notration anzulegen. Der Großvater bestellte bei einem Weinhändler 250 Flaschen Bordeaux. Die Großmutter zeigte sich wenig begeistert: „Weißt du eigentlich wie lange schon der erste Weltkrieg gedauert hat? Vier Jahre! Wie sollen wir denn mit 250 Flaschen hinkommen?“

Wie riecht es auf den Wanderwegen rund um Larochette? Stellenweise sehr stark nach Holz, nach frisch gefällten Douglasien. Und wie schnell so eine Robinie wächst, sieht man an den sehr ausgeprägten Jahresringen.
Aufmerksamen Blog-Lesern wird nicht entgangen sein, dass Larochette schon im vorletzten Blog Thema war. Die gleiche Wanderung? Mitnichten! Ich war so begeistert von dem Ort Fels und der felsigen Landschaft, dass ich gestern schon wieder dort war. Bei der Wanderung im Februar waren wir zu zweit, gestern schon zu fünft. Ich sage doch: Auf nach Larochette!


Das erste Exemplar des Walliser Schwarznasenschafs, das ich traf, war durchaus zutraulich. Aber eher am Grasen interessiert, als an dem mit Smartphone fotografierenden Wanderer. Das zweite Schwarznasenschaf hatte gerade Nachwuchs bekommen, eine halbe Stunde alt, die Nabelschnur war noch dran.

Ich bin kein Experte für Walliser Schwarznasenschafe, aber das Neugeborene sah so aus, als hätte es nicht nur eine schwarze Nase. Aber das kann sich ja noch ändern.

Angefangen hatte Klaus mit einem Ziegenprojekt und so präsentierte er auch stolz seine beiden Prachtexemplare Kunigunde (rechts, eher klein und verschmust) und Hector (links, eher so eine Art stolzer Geißbock). Dass ein stattlicher Geißbock den Namen des besten Fußballspielers der Bundeliga trägt, kann kein Zufall sein.

Im Stall hatte Klaus eine Art Kinderkrippe eingerichtet. Unzählige Ziegen standen neben ihren Kindern, und da kann man doch einfach nicht anders als auszurufen: Süüüüß!!!
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Letzte Woche bin ich mal wieder gewandert. In Luxemburg. In und um Larochette – zu deutsch „Die Felslein“. Ich habe gelernt, dass die Bio-Luxemburger gar nicht so sehr das Französische lieben. Sie lernen in der Schule deutsch, sprechen zu Hause Luxemburgisch. Und deswegen nennen die Luxemburger Larochette FIELS – also Felsen. Auf dem Rundweg L4 zunächst sehr viel Asphalt, dann aber jede Menge tolle Felslein.

Mit von der Partie mein Wanderfreund Christian, mit ihm habe ich schon manche Wanderabenteuer in Luxemburg erlebt, seit ich ihn vor 9 Jahren bei Sing by Foot kennengelernt habe. Nachzulesen im ZEIT-Archiv.

Weltberühmt ist ja die Mandrack-Passage in der luxemburgischen Schweiz, in der Nähe von Berdorf – gefürchtet, gemieden, gefeiert. Aber auch der L 4 in Larochette hat einige Passagen zu bieten, bei denen man froh ist, dass für Arsch und Bauch noch kleine Ausbuchtungen in der Felsspalte vorhanden sind.

Auf 12 Kilometern gab es eine Bank und die war eher unbequem – für eine Rückenlehne war der Querbalken zu hoch, für eine Kopfstütze zu niedrig. Außerdem macht die Bank schrecklich dick! Ganz, ganz großes Kino die Schlusseinkehr mittags in der „Fiels Stuff“, also der Felsenstube. Ein original luxemburgisches Speiselokal, geführt von Portugiesen. Köstlich, preiswert, der Knaller. Erstmals lernte ich das portugiesische Amuse-Gueule (Sprachprogramm schlägt „Amish Girl“ vor) kennen: Lass Manna regnen! Zu herrlichem Weißbrot werden kleine Töpfchen mit Sardinen und Thunfischpaste gereicht. Auf nach Larochette!

Ach Spieglein, mich interessiert es einen Driss
wer unter mir Minister iss.
Als Mensch, als Frau, als Silberrücken,
konnt‘ ich schon Düsseldorf entzücken.
Von Kopf bis Fuß ganz formidabel, ohne Zweifel ministrabel.
In jeder Talkshow ein Gewinn, weil ich die Allergeilste bin.
Strack-Zimmermann in stahlgrauen Outfit, die Haare als hätte sie in eine Steckdose gegriffen, widmet sie sich – nachdem sie sich als böse Stiefmutter geoutet hat – den bösen Zwergen aus Bayern und Moskau – dann kriegt Friedrich sein Fett weg
Ihr kennt die Zwerge, die ich meine,
mit ihrem Ego nah der Beine.
Manche dieser Zwergenfritzen
seh‘ ich in diesem Saale sitzen.
Von Bayern schnell ins Sauerland
zum Flugzwerg aus dem Mittelstand.
Den wollte zweimal keiner haben,
weil er nur schwerlich zu ertragen.
Noch so ein alter, weißer Mann,
Der glaubt, dass er es besser kann.
Die Sitten, so moniert er voller Trauer, sind nicht mehr wie bei Adenauer.
Nach außen bürgerlicher Schein,
im Herzen aber voll gemein.
Wer vor Krieg geflohen ist,
verhöhnt er als Sozialtourist.
Heißt ein Junge Ali und nicht Sascha,
beschimpft er ihn als Grundschulpascha
und alle Klimaaktivisten
sind für ihn nur Terroristen.
Grad die, die christlich selbst sich wähnen,
sollten sich für ihn was schämen.
Die gesamte Rede findet sich im Internet und ist meiner Meinung nach recht unterhaltsam. Die Frage ist: „Darf“ man das als Spitzenpolitiker einen anderen Spitzenpolitiker wie Friedrich Merz so angehen? Ich finde: Ja! In einer Veranstaltung, die „Wider den tierischen Ernst“ heißt, sollte man doch alles nicht so tierisch ernst nehmen. Ob es als Politikerin so schlau ist, den Narren zu spielen, sollen die folgenden Generationen entscheiden. Aber zu einer närrischen Spottrede gehört nun mal, dass der Narr den Mächtigen den Spiegel vorhält, unten wird nach oben gekehrt. Ich freue mich schon auf die nächste Büttenrede von Strack Zimmermann.

