73. Würdest du gerne mehr über Behinderung bloggen?
Ich blogge schon mehr über meine Behinderung auf meinem Schwesterblog. Dort sind schon einige Beiträge zum Thema Behinderung zusammengekommen. Es handelt sich allerdings um einen Mischblog, auf dem ich zu all möglichen Dingen etwas schreibe.
74. Hat deine Behinderung deinen Blick auf Geschichten verändert?
Nein, das kann ich so nicht von mir behaupten.
75. Gibt dir Literatur einen Ort ohne Grenzen?
Definitiv ja. Das gilt aber auch ganz unabhängig von meiner Behinderung. Die Vielfältigkeit der Geschichten ist derart faszinierend, dass ich es kaum verstehen kann, wenn Menschen keine Lust haben, Bücher zu lesen oder zu hören. Es gibt also keinen geografischen oder physischen Ort, der für mich grenzenlos ist, sondern es ist psychischer, mentaler Ort.
76. Welche Bücher helfen dir, Kraft zu schöpfen?
Alle so gut geschriebene Bücher, in denen ich mich verliere. Gemeint im Sinne, dass ich vollkommen von der Geschichte vereinnahmt werde, und in denen ich aufgehen kann. Das sind meist die sehr gut erzählten High-Fantasy-Romane, die mich mit ihrem Umfang sogar anlocken (während andere Leser regelrecht abgeschreckt werden).
77. Gibt es Bücher, die dich wütend gemacht haben wegen falscher Darstellung?
Wütend ist eher das falsche Wort. Wenn bestimmte Dinge falsch oder zu stark vereinfacht dargestellt werden, dann schreibe ich das oftmals unterhalb meines Reviews. Es sei denn, es ist derart falsch und für die Geschichte entscheidend dargestellt, dann gehe ich direkt in meinem Review auf diesen Aspekt ein.
Sehr viel Aufklärungsarbeit meinerseits lösen Bücher aus, die von behinderten Menschen geschrieben wurden, und in denen von einer „Heilung“ gesprochen wird. Es gibt durchaus die Fälle, in denen es Menschen z.B. mit einer inkompletten Querschnittslähmung schaffen, wieder auf die Beine zu kommen. Das war ohne Frage für die betroffenen Personen harte Arbeit, lässt aber nicht den Rückschluss zu, dass dies für alle querschnittsgelähmten Menschen gilt. Hat die Person, wie ich selbst, eine chronische und fortschreitende Erkrankung, trifft dies noch viel weniger zu, denn eine Heilung ist nicht in Sicht.
Dennoch musste ich mir schon oft anhören, dass ich es zu wenig wolle und ich die falsche Einstellung habe, damit ich wieder auf die Beine kommen kann. Das macht mich dann viel eher wütend, als wenn ein Autor das Leben eines Rollstuhlfahrers nicht exakt wiedergibt.
78. Was sollten Autoren über Behinderung wissen?
Es hängt ein wenig davon ab, wie markant eine Figur mit ihrer Behinderung in die Geschichte einfließen soll. Wie bei anderen Recherchen auch, ist es hilfreich, sich mit jemanden in Verbindung zu setzen, der selbst von dieser Behinderung betroffen ist. Wer keine Ahnung hat, wie er an diese Personen gelangen kann, kann sich sicherlich an entsprechende Selbsthilfegruppen wenden.
79. Gibt es Bücher, die du dir als Rollstuhlfahrer früher gewünscht hättest?
Nein, die gibt es nicht.
80. Wie offen bist du auf deinem Blog mit dem Thema Behinderung?
Ich gehe mit meiner Behinderung sehr offen um. Ich informiere mein direktes Umfeld proaktiv, wenn sich etwas an meiner Lebenssituation geändert hat, das gleichzeitig Auswirkungen auf mein Umfeld hat. Auch kann mir jeder jegliche Frage stellen, was ich auch regelmäßig meinem Gegenüber sage. Vor allem Menschen gegenüber, die „panisch“ auf behinderte Mitmenschen reagieren, versuche ich so entgegenzukommen.