Der Beitrag Der Lieferant besteht das Audit – und trotzdem entsteht ein Risiko erschien zuerst auf DGQ Blog.
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98 von 100 Punkten im Lieferantenaudit, keine wesentlichen Abweichungen, Maßnahmen aus vergangenen Audits erfolgreich abgeschlossen. Der Lieferant erfüllt die Anforderungen. Auf den ersten Blick ist das ein Ergebnis, das Sicherheit schafft.
Doch drei Monate später verändert sich die Situation:
Das Risiko war schneller als das nächste Audit. Genau hier beginnt eine zentrale Frage des modernen Lieferantenmanagements: Bewerten wir mit unseren Audits nur die aktuelle Leistungsfähigkeit – oder erkennen wir auch Risiken, die morgen entstehen können?
Lieferantenaudits sind ein wichtiges Instrument im Qualitätsmanagement. Sie schaffen Transparenz. Sie überprüfen Anforderungen. Sie identifizieren Verbesserungspotenziale.
Doch ein Audit bleibt immer eine Momentaufnahme. Es zeigt: Wie ist der Lieferant heute aufgestellt?
Die strategische Frage für Unternehmen lautet jedoch: Wie belastbar ist dieser Lieferant, wenn sich die Rahmenbedingungen verändern?
Denn Risiken entstehen nicht nur durch Abweichungen. Sie entstehen häufig durch Veränderungen. Und Veränderungen beginnen oft lange bevor sie in einem Auditbericht sichtbar werden.
Ein gutes Audit-Ergebnis wird häufig mit einem geringen Risiko gleichgesetzt. Doch diese Gleichung ist nicht immer richtig. Ein Lieferant kann alle Qualitätsanforderungen erfüllen und trotzdem kritisch sein. Warum? Weil Qualität und Risiko unterschiedliche Perspektiven haben.
Ein Beispiel: Ein Lieferant produziert ein wichtiges Bauteil mit hervorragender Qualität. Die Prozesse sind stabil. Das Audit ist erfolgreich. Doch dieses Bauteil wird weltweit nur an diesem einen Standort gefertigt. Qualitativ ist der Lieferant stark. Strategisch besteht eine Abhängigkeit. Das Risiko liegt nicht in der Prozessqualität. Das Risiko liegt in der fehlenden Alternative.
Audits richten den Blick traditionell auf Abweichungen. Das ist notwendig. Aber für zukunftsfähiges Lieferantenmanagement reicht es nicht aus. Die entscheidende Frage wird zunehmend: Was könnte dazu führen, dass dieser Lieferant in zwölf Monaten nicht mehr so leistungsfähig ist wie heute?
Damit verändert sich die Perspektive. Von „Fehler erkennen“ zu „Veränderungen verstehen“, von „Anforderungen prüfen“ zu „Risiken bewerten“.
Ein Audit kann Risiken sichtbar machen. Es kann jedoch nicht die alleinige Grundlage für ein wirksames Lieferantenrisikomanagement sein. Zwischen zwei Auditterminen können wesentliche Veränderungen eintreten:
Deshalb müssen wesentliche Risikothemen bereits in der Zusammenarbeit mit Lieferanten geregelt werden.
Ein professionelles Lieferantenmanagement benötigt klare Vereinbarungen:
Die Verpflichtung zur frühzeitigen Information über relevante Veränderungen sollte Bestandteil der vertraglichen Zusammenarbeit sein. Denn ein wirksames Risikomanagement beginnt mit Transparenz zwischen den Geschäftspartnern.
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Lieferketten stehen nicht still. Neue Risiken können durch externe Ereignisse oder Veränderungen entstehen – lange bevor sie im nächsten Audit sichtbar werden.
Der Fachkreis Audit und Assessment der DGQ betrachtet im Rahmen der Weiterentwicklung moderner Auditansätze, welche Möglichkeiten neue Technologien bieten können, um die kontinuierliche Risikoerkennung im Lieferantenmanagement zu unterstützen. Ein möglicher Ansatz ist der Einsatz künstlicher Intelligenz. Dabei geht es nicht darum, Audits zu ersetzen. Es geht darum, die Wahrnehmung von Veränderungen zwischen Auditterminen zu erweitern.
KI-Anwendungen können beispielsweise Informationen zu:
analysieren und mit bekannten Lieferantenrisiken verknüpfen.
Durch geeignete Datenanalysen, klare Zielsetzungen und gezielte Fragestellungen – beispielsweise durch die Entwicklung geeigneter Prompts – kann KI dabei unterstützen, relevante Hinweise aus großen Informationsmengen herauszufiltern und mögliche Risikosignale frühzeitig sichtbar zu machen.
Aber: Ein erkanntes Signal ist noch keine bewertete Entscheidung.
Ein Unternehmen muss weiterhin beurteilen:
Die eigentliche Kompetenz liegt weiterhin in der fachlichen Bewertung und im Verständnis der Zusammenhänge durch den Menschen.
Diese Ebene bildet die Grundlage: Werden vereinbarte Standards eingehalten? Sind Prozesse wirksam umgesetzt? Sind Qualitätsanforderungen erfüllt? Ohne diese Basis funktioniert kein Lieferantenmanagement. Aber sie allein reicht nicht aus.
Die nächste Frage geht über die reine Erfüllung hinaus. Wie stabil sind die Prozesse? Wie professionell werden Ursachen analysiert? Wie nachhaltig werden Verbesserungen umgesetzt? Ein leistungsfähiger Lieferant erkennt Probleme nicht erst, wenn Kunden sie feststellen. Er arbeitet aktiv an Verbesserung.
Hier liegt die häufig unterschätzte Dimension. Ein Lieferant kann heute hervorragend sein. Aber:
Neben der klassischen Auditfrage „Erfüllt der Lieferant unsere Anforderungen?“ sollten Unternehmen daher weitere Fragen stellen:
Ein Lieferant mit dauerhaft perfekten Auditbewertungen erscheint zunächst unkritisch. Doch auch hier lohnt sich eine zusätzliche Frage: Erkennen wir tatsächlich Stabilität – oder erkennen wir nur keine Abweichungen? Ein Audit ohne Erkenntnisse zur Verbesserung ist nicht automatisch ein Zeichen für Perfektion.
Es kann auch ein Hinweis darauf sein, dass:
Eine weitere wichtige Erkenntnis: Der Lieferant mit den meisten Abweichungen ist nicht automatisch das größte Risiko. Manchmal ist ein Lieferant mit hervorragender Qualität strategisch besonders kritisch.
Zum Beispiel:
Die Frage lautet deshalb nicht nur „Wie gut ist der Lieferant?“, sondern auch „Welche Bedeutung hat dieser Lieferant für unsere eigene Lieferfähigkeit?“
Ein erfolgreiches Lieferantenaudit bleibt ein wichtiger Baustein im Qualitätsmanagement. Aber die Bedeutung eines Audits darf nicht auf die Aussage reduziert werden: „Der Lieferant erfüllt die Anforderungen.“ Die entscheidende Frage für die Zukunft lautet: „Ist dieser Lieferant auch unter veränderten Bedingungen noch leistungsfähig?“
Das Ziel moderner Lieferantenaudits ist deshalb nicht nur, Fehler zu finden. Es ist, bessere Entscheidungen zu ermöglichen. Denn der kritischste Lieferant ist nicht immer der mit der schlechtesten Auditbewertung. Manchmal ist es der, bei dem wir uns zu sicher sind.
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]]>Ob die beabsichtigte Wirkung eintritt, prüfen wir gelegentlich, auch mittels Audits. Ob weitere Wirkungen entstehen, prüfen wir dagegen selten. Genau hier setzt das Nebenfolgenaudit an.
Der Beitrag Nebenfolgen auditieren – weil gute Absichten keine guten Wirkungen garantieren erschien zuerst auf DGQ Blog.
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Organisationen greifen fortlaufend in ihre eigenen Abläufe ein. Sie führen Regeln ein, verändern Prozesse, definieren Kennzahlen, verteilen Verantwortlichkeiten neu oder implementieren digitale Systeme. Jede dieser Interventionen verfolgt einen Zweck: Fehler sollen vermieden, Risiken reduziert, Abläufe beschleunigt oder Anforderungen zuverlässiger erfüllt werden.
Ob die beabsichtigte Wirkung eintritt, prüfen wir gelegentlich, auch mittels Audits. Ob weitere Wirkungen entstehen, prüfen wir dagegen selten. Genau hier setzt das Nebenfolgenaudit an.
Das klassische Qualitätsmanagement folgt häufig einer eingängigen Logik: Wir identifizieren eine Anforderung, übersetzen sie in eine Regel, setzen diese im Prozess um und überprüfen anschließend ihre Einhaltung. Das interne Audit fragt dann, ob die Organisation konform handelt und ob das Managementsystem wirksam ist.
Diese Fragen bleiben wichtig. Sie reichen aber nicht aus. Denn eine Regel kann eingehalten werden und trotzdem unwirksam sein. Sie kann sogar wirksam sein und zugleich erhebliche Schäden anrichten. Sie verhindert vielleicht den einen Fehler, verlängert dafür aber Durchlaufzeiten, erhöht den Dokumentationsaufwand, verschiebt Risiken in einen anderen Prozess oder nimmt Mitarbeitenden die notwendigen Entscheidungsspielräume.
Die Organisation erreicht dann ihr ursprüngliches Ziel – und bezahlt dafür einen Preis, den niemand ermittelt hat: ungewollte Effekte, Nebenfolgen. Nebenfolgen sind alle zusätzlichen Wirkungen einer Intervention, die neben der ausdrücklich angestrebten Hauptwirkung entstehen. Sie können:
Nebenfolgen sind nicht zwangsläufig negativ. Eine neue Regel kann beispielsweise die Produktsicherheit erhöhen und zugleich die Zusammenarbeit zwischen zwei Bereichen verbessern. Auch das ist eine Nebenfolge – eine nützliche.
„Next Gen QM“ beschreibt die Reglementierungsspirale (s. Abbildung): Auf Fehler und Verschwendung reagieren Organisationen mit zusätzlichen oder detaillierteren Regeln. Die wachsende Formalisierung erhöht jedoch die innere Komplexität. Es entstehen Zielkonflikte, Dysfunktionalitäten, Belastungen – und Nebenfolgen. Mitarbeitende entwickeln informale Ausweichbewegungen, umgehen Regeln oder brechen sie. Dadurch entstehen neue Risiken und Fehler – auf die oft genug wiederum mit weiteren Regeln reagiert wird.
Ein gut gemeinter Regelungsimpuls kann also genau die Bedingungen verstärken, die er eigentlich beseitigen sollte.

Abb. 1: Die Reglementierungsspirale (©Sommerhoff/Next Gen QM)
Konformitätsaudits erkennen diesen Zusammenhang nur eingeschränkt. Sie prüfen vor allem, ob Vorgaben vorhanden, bekannt und eingehalten sind. Verbesserungsaudits suchen nach Optimierungsmöglichkeiten. Beide Perspektiven sind sinnvoll, richten ihren Blick aber meist auf den Untersuchungsgegenstand selbst. Die Wirkungen auf angrenzende Prozesse, andere Stakeholder, die Organisationskultur und das informale Handeln werden leicht übersehen.
Besonders kritisch ist die „unbrauchbare Legalität“: Menschen halten eine Regel korrekt ein, erzeugen damit aber unnötige Kosten, erschweren die Wertschöpfung oder verschlechtern die Leistung für Kundinnen und Kunden. Formal ist alles in Ordnung. Funktional ist es das nicht.
Umgekehrt gibt es „brauchbare Illegalität“, kann ein Regelbruch für die Organisation zunächst brauchbar sein. Mitarbeitende umgehen eine untaugliche Vorgabe, damit der Prozess überhaupt funktioniert. Das macht den Regelbruch nicht unbedenklich. Es zeigt aber, dass nicht nur das Verhalten der Menschen, sondern auch die Tauglichkeit der Regel untersucht werden muss. Ein Audit, das ausschließlich fragt, ob Regeln eingehalten werden, kann diese Realität kaum erfassen.
Ein Nebenfolgenaudit untersucht systematisch, welche beabsichtigten und unbeabsichtigten Wirkungen eine organisationale Intervention tatsächlich erzeugt.
Gegenstand können beispielsweise sein:
Das Nebenfolgenaudit fragt nicht nur: „Funktioniert die Intervention?“ Es fragt weiter:
Das Nebenfolgenaudit ist damit keine weitere Variante des Konformitätsaudits. Es prüft nicht Regeleinhaltung. Es untersucht Interventionen.
Für die praktische Durchführung bietet sich eine einfache Wirkungslandkarte an:
| Wirkung | erwartet | nicht erwartet |
|---|---|---|
| nützlich | beabsichtigte Hauptwirkung | positive Nebenfolge |
| schädlich | bewusst in Kauf genommener Nachteil | problematische Nebenfolge |
Die beabsichtigte Hauptwirkung ist der klassische Gegenstand der Wirksamkeitsprüfung. Der positive Beifang umfasst zusätzliche Vorteile, mit denen zuvor niemand gerechnet hat. Bewusst in Kauf genommene Nachteile sind akzeptierte Zielkonflikte. Problematische Nebenfolgen entstehen ungeplant und werden oft erst sichtbar, wenn sich Beschwerden, Umgehungspraktiken, Verzögerungen oder neue Fehler häufen.
Diese vier Felder verhindern eine vorschnelle Bewertung. Eine Intervention ist selten einfach wirksam oder unwirksam. Meist erzeugt sie ein Bündel unterschiedlicher Wirkungen.
Ausgangspunkt ist eine konkrete Intervention. Zunächst werden deren Zweck, erwartete Wirkung und zugrunde lvviegende Annahmen rekonstruiert. Danach wird untersucht, was in der Organisation tatsächlich geschehen ist.
Dazu reichen Dokumentenprüfungen und Interviews allein nicht aus. Erforderlich sind unterschiedliche Zugänge: Prozess- und Felddaten, Beschwerden, Ausnahmefälle, Beobachtungen, Gespräche mit Betroffenen, Retrospektiven sowie die Analyse informaler Praktiken. Besonders aufschlussreich sind häufig die Stellen, an denen Menschen improvisieren, Zusatzlisten führen, Arbeitsschritte überspringen oder offizielle Prozesse durch inoffizielle Absprachen ergänzen.
Das Ergebnis ist keine bloße Abweichungsliste, sondern ein Wirkungsbild. Es beschreibt:
Mögliche Konsequenzen sind, eine Regel beizubehalten, zu vereinfachen, zu verändern oder zurückzunehmen. Manchmal müssen negative Nebenfolgen kompensiert werden. Manchmal zeigt das Audit, dass nicht die Intervention selbst, sondern ihr Zusammenspiel mit anderen Regeln, Kennzahlen oder kulturellen Mustern das Problem verursacht.
Das Nebenfolgenaudit darf nicht selbst Teil jener Überformalisierung werden, die es untersuchen soll. Nicht jede kleine Prozessänderung benötigt ein umfassendes Prüfprogramm.
Sinnvoll ist ein risikobasierter Einsatz, insbesondere bei Interventionen, die:
Auch sollte das Nebenfolgenaudit möglichst in bestehende Prüf-, Analyse- und Lernprozesse integriert werden. Das Qualitätsmanagement braucht nicht noch mehr Audits. Es braucht spezifischere Fragestellungen, passendere Methoden und ein integriertes Lagebild.
Organisationen können die Wirkungen ihrer Interventionen nicht vollständig vorhersagen. Dafür sind ihre sozialen, technischen und kulturellen Zusammenhänge zu komplex. Das ist kein Argument gegen Veränderung. Es ist ein Argument für aufmerksame Beobachtung und Revisionsbereitschaft.
Wer interveniert, muss damit rechnen, überrascht zu werden. Professionelles Management zeigt sich deshalb nicht darin, an einer einmal beschlossenen Maßnahme festzuhalten. Es zeigt sich darin, ihre tatsächlichen Wirkungen zu erkennen und sie bei Bedarf zu korrigieren.
Das Nebenfolgenaudit erweitert den Blick von der Konformität zur Tauglichkeit, von der Absicht zur Wirkung und vom einzelnen Prozess zum organisationalen Zusammenhang. Denn die Qualität einer Intervention bemisst sich nicht nur daran, ob sie ihr Ziel erreicht. Sie bemisst sich auch daran, was sie auf dem Weg dorthin anrichtet – oder unerwartet ermöglicht.
Der Beitrag Nebenfolgen auditieren – weil gute Absichten keine guten Wirkungen garantieren erschien zuerst auf DGQ Blog.
]]>Der Beitrag Der blinde Fleck im Prozessaudit: Wenn ein Prozess perfekt funktioniert – aber die Rahmenbedingungen sich verändern erschien zuerst auf DGQ Blog.
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Ein Prozess ist etabliert. Abläufe sind definiert. Verantwortlichkeiten sind geregelt. Kennzahlen werden überwacht. Interne Audits bestätigen: Die Anforderungen werden erfüllt. Für viele Organisationen ist dies ein Zeichen von Stabilität und Sicherheit. Doch genau hier kann ein blinder Fleck entstehen: Ein Prozess kann heute perfekt funktionieren und trotzdem morgen nicht mehr die richtige Lösung sein.
Die entscheidende Frage eines modernen Prozessaudits lautet deshalb nicht nur „Beherrschen wir diesen Prozess?“, sondern auch „Ist dieser Prozess weiterhin geeignet, die Ziele der Organisation zu unterstützen?“
Organisationen verbessern ihre Prozesse kontinuierlich. Sie reduzieren Fehler. Sie verkürzen Durchlaufzeiten. Sie standardisieren Abläufe. Sie schaffen Transparenz. Diese Verbesserungen sind notwendig. Doch Optimierung setzt voraus, dass der grundsätzliche Weg weiterhin der richtige ist.
Genau darin liegt eine häufig unterschätzte Herausforderung: Wir können einen Prozess immer besser machen – und trotzdem am eigentlichen Bedarf vorbei arbeiten.
Denn Prozesse entstehen immer aus einem bestimmten Kontext:
Verändert sich dieser Kontext, muss die Organisation auch den Prozess neu betrachten. Ein Beispiel: Ein erfolgreicher Prozess wird zum Engpass. Ein Unternehmen verfügt über einen etablierten Entwicklungsfreigabeprozess. Er ist klar geregelt:
Das Audit bestätigt: Der Prozess wird eingehalten. Doch inzwischen hat sich das Umfeld verändert. Kunden erwarten schnellere Reaktionen. Produkte entwickeln sich schneller. Wettbewerber verkürzen ihre Entwicklungszeiten. Der Prozess verhindert keine Fehler. Er erfüllt weiterhin seine Anforderungen. Aber er bremst die Organisation möglicherweise dabei, neue Chancen zu nutzen.
Das Ergebnis: Der Prozess ist beherrscht. Doch ist er noch angemessen?
Ein klassisches Prozessaudit betrachtet wichtige Fragen:
Diese Fragen bleiben notwendig. Doch ein zukunftsorientiertes Audit ergänzt eine weitere Dimension: Wie robust ist ein Prozess gegenüber Veränderungen?
Dazu gehören Fragen wie:
Organisationen messen Prozesse häufig über Kennzahlen:
Diese Informationen sind wertvoll. Sie zeigen, wie ein Prozess arbeitet. Aber sie beantworten nicht automatisch die entscheidende Frage: Erzeugt dieser Prozess weiterhin den richtigen Beitrag für die Organisation?
Ein Prozess kann effizient sein und trotzdem nicht mehr strategisch passend. Ein Prozess kann stabil sein und trotzdem zukünftige Anforderungen nicht erfüllen. Ein Prozess kann alle Vorgaben erfüllen und trotzdem Veränderung benötigen.
Ein Prozess ist nicht automatisch zukunftsfähig, nur weil er heute funktioniert. Es gibt typische Hinweise:
Ein Prozess erreicht zuverlässig seine Ergebnisse. Im Audit zeigt sich jedoch: Bestimmte kritische Entscheidungen beruhen auf Wissen einzelner Mitarbeitender. Die Dokumentation beschreibt den Ablauf. Aber nicht alle wesentlichen Zusammenhänge sind im Prozess verankert.
Eine mögliche Auditfrage lautet: „Wie stellen Sie sicher, dass der Prozess auch bei Veränderungen im Personal oder bei fehlendem Erfahrungswissen wirksam bleibt?“
Ein Prozess wurde über Jahre erweitert. Neue Anforderungen wurden ergänzt. Heute gibt es zahlreiche Sonderregelungen und individuelle Lösungen. Das kann ein Zeichen dafür sein, dass der Prozess an die Realität angepasst wird – aber möglicherweise nicht mehr grundsätzlich überprüft.
Eine mögliche Auditfrage lautet: „Welche Abweichungen vom vorgesehenen Prozess treten regelmäßig auf und welche Erkenntnisse werden daraus gewonnen?“
Ein Prozess erreicht seine bisherigen Ziele. Fehlerquoten sind niedrig. Termine werden eingehalten. Doch das Umfeld verändert sich: Neue Anforderungen entstehen, neue Risiken werden relevant.
Eine mögliche Auditfrage lautet: „Bewerten die aktuellen Kennzahlen weiterhin die Faktoren, die für die Organisation heute entscheidend sind?“
Ein Audit ersetzt keine strategische Entscheidung. Die Aufgabe des Auditors ist nicht, die Zukunft vorherzusagen. Die Aufgabe ist, durch geeignete Fragen Transparenz zu schaffen.
Ein professionelles Prozessaudit macht sichtbar:
Damit entsteht ein Mehrwert über die reine Konformitätsbewertung hinaus.
Nicht nur: „Welche Anforderungen erfüllt er?“ Sondern auch: „Welches Ergebnis soll er für die Organisation ermöglichen?“
Nicht jede Veränderung macht einen Prozess unwirksam. Aber jede relevante Veränderung sollte bewertet werden.
Ein Prozess ist nicht erfolgreich, weil er unverändert bleibt. Er ist erfolgreich, wenn er seinen Zweck weiterhin erfüllt.
Die Qualität eines Prozessaudits zeigt sich nicht nur darin, ob ein Prozess heute funktioniert. Sie zeigt sich auch darin, ob eine Organisation erkennt, wann sich Anforderungen verändern und eine Anpassung notwendig wird. Denn die größte Gefahr liegt nicht immer in schlecht funktionierenden Prozessen. Manchmal liegt sie in Prozessen, die lange erfolgreich waren und deshalb nicht hinterfragt werden.
Ein modernes Audit fragt deshalb nicht nur „Wird der Prozess beherrscht?“, sondern auch „Erkennt die Organisation rechtzeitig, wann dieser Prozess angepasst werden muss?“
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Für die fachspezifische Weiterbildung zum Qualitätsauditor eignen Sie sich im Lehrgang Auditor Qualität – 1st, 2nd, 3rd Party Audits nach ISO 19011 Methoden für die Durchführung von internen Audits und Lieferantenaudits an. Sie erlernen zudem Techniken, um Ihre Auditpartner zu aktivieren, zu motivieren und ihre Leistung wertzuschätzen. Jetzt anmelden »
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Der Beitrag Der blinde Fleck im Prozessaudit: Wenn ein Prozess perfekt funktioniert – aber die Rahmenbedingungen sich verändern erschien zuerst auf DGQ Blog.
]]>Der Beitrag Smart ist eine Frage der Richtung, Teil 3 erschien zuerst auf DGQ Blog.
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Als Leiter des QualityLab der DGQ erforscht Benedikt Sommerhoff, wie sich die Bedingungen für Produktqualität und die Qualitätsfähigkeit von Unternehmen verändern – und sucht nach Lösungsansätzen für das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung. In einer dreiteiligen Serie stellt er acht Richtungswechsel und daraus folgende acht Modernisierungsthesen für das QM vor.
Teil 1 und Teil 2 haben Modernisierungsthesen zu den folgenden Richtungswechseln dargelegt:
Der dritte Teil widmet sich den abschließenden Thesen sechs bis acht.
Standardisierung gehört zum Kern des Qualitätsmanagements. Sie schafft Sicherheit, Wiederholbarkeit, Vergleichbarkeit und Skalierbarkeit. Ohne Standards wären viele Produkte, Dienstleistungen und Infrastrukturen weder zuverlässig noch wirtschaftlich betreibbar.
Doch nicht jede Abweichung ist ein Fehler. In wissensintensiven Dienstleistungen, im Gesundheitswesen, in der Beratung, in der Softwareentwicklung oder bei individualisierten Produkten kann situative Anpassung ein Qualitätsmerkmal sein. Dort entsteht Qualität gerade dadurch, dass Fachkräfte nicht schematisch handeln.
| Modernisierungsthese 6: Modernes Qualitätsmanagement muss Standardisierung und situative Anpassung zugleich beherrschen. |
Es muss differenzierter fragen:
Ein smartes QM bekämpft Varianz nicht pauschal. Es unterscheidet zwischen schädlicher, notwendiger und wertschöpfender Varianz.
Der Richtungswechsel führt von der möglichst vollständigen Vereinheitlichung zur bewussten Gestaltung von Stabilität und Flexibilität.
Zertifizierungen und Audits schaffen Vertrauen. Sie machen sichtbar, dass sich eine Organisation systematisch mit Qualität beschäftigt. Diese Funktion ist wichtig.
Problematisch wird es, wenn der Nachweis des Systems mit dem Nachweis seiner Wirksamkeit verwechselt wird. Eine Organisation kann normkonform dokumentiert sein und dennoch schlechte Produkte liefern, Kunden enttäuschen, Mitarbeitende überfordern oder Risiken zu spät erkennen.
Dann entsteht Zertifikatsqualität: Die Organisation gilt als qualitätsfähig, weil sie ein anerkanntes Managementsystem nachweisen kann – unabhängig davon, wie wirksam dieses System tatsächlich ist.
| Modernisierungsthese 7: Qualitätsmanagement muss seine Legitimationsfunktion konsequent von seiner Wirksamkeitsfunktion unterscheiden. |
Managementbewertungen, Audits und Zertifizierungen sollten deshalb stärker danach fragen:
Konformität bleibt eine notwendige Frage. Sie darf aber nicht die letzte sein.
Smartes QM erzeugt nicht nur Vertrauen in ein System. Es macht deutlich, warum dieses Vertrauen gerechtfertigt ist.
Qualität entsteht heute immer seltener innerhalb der Grenzen einer einzelnen Organisation. Produkte und Dienstleistungen beruhen auf komplexen Netzwerken aus Lieferanten, Plattformen, Software, Daten, Sensoren, Algorithmen, KI-Modellen, Regulierern, Kunden und technischen Infrastrukturen.
Ein Qualitätsproblem kann in einer Komponente entstehen und an einer ganz anderen Stelle sichtbar werden. Es kann durch fehlerhafte Daten, unklare Schnittstellen, ungeeignete Algorithmen, widersprüchliche Anreize oder das Zusammenspiel mehrerer für sich genommen funktionierender Elemente verursacht werden.
Die Frage „Wer hat den Fehler gemacht?“ greift dann häufig zu kurz.
| Modernisierungsthese 8: Qualitätsmanagement muss sozio-technisches Netzwerkmanagement werden. |
Ein modernes QM untersucht deshalb nicht nur Prozesse innerhalb der eigenen Organisation:
Je stärker Handlungsmöglichkeiten verteilt sind, desto wichtiger wird die verantwortliche Gestaltung ihres Zusammenspiels.
Die acht Thesen verlangen nicht, das traditionelle Qualitätsmanagement abzuschaffen. Vieles davon bleibt notwendig. Prozesse müssen beherrscht, Risiken begrenzt, Verantwortlichkeiten geklärt und Anforderungen erfüllt werden. Aber das reicht in vielen Unternehmen nicht mehr. Eine notwendige Modernisierung des QM gelingt nicht durch eine weitere Schicht aus Methoden, Software und Dokumentation. Sie beginnt mit einer Veränderung des Blicks:
Nicht jedes Unternehmen muss jede dieser Richtungskomponenten gleichzeitig adressieren. Doch QM- und QS-Verantwortliche sollten im Kontext von Lage, Rahmenbedingungen, Umfelddynamiken des Unternehmens prüfen, an welchen Stellen die bisherige Richtung nicht mehr zu den Herausforderungen der eigenen Organisation passt.
Smartes QM bedeutet nicht, mit mehr Kraft in die bisherige Richtung zu streben. Es bedeutet, zu erkennen, wann eine andere Richtung notwendig ist. Denn wer das QM modernisieren will, braucht nicht mehr Kraft. Er oder sie braucht einen besseren Kompass.
| Bewahren. Beenden. Beginnen. Smarte QM Innovationen. QM funktioniert – und QM funktioniert nicht. Ob es wirkt, entscheidet der Kontext: Organisation, Branche, Risiken, Dynamik. Trotzdem dominiert ein jahrzehntealter Methodenkanon aus der produzierenden Industrie: einst bahnbrechend, heute oft bremsend. Spezielle Rahmenbedingungen besondere Situationen und disruptive Entwicklungen erfordern deshalb zusätzliche, neuartige QM-Lösungen. In seinem Vortrag auf dem 9. DGQ-Qualitätstag am 19. November analysiert Benedikt Sommerhoff, wo und warum etabliertes QM trägt und wo und warum nicht. Er skizziert neuartige Smart-QM-Ansätze, die dem klassischen QM dringend benötigte, kontextspezifische Alternativen zur Seite stellen. Jetzt informieren » |
Der Beitrag Smart ist eine Frage der Richtung, Teil 3 erschien zuerst auf DGQ Blog.
]]>Der Beitrag Der rote Faden zur präzisen Zeichnung erschien zuerst auf DGQ Blog.
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In drei Beiträgen widmet sich Steffen Beutler den Anforderungen an Technische Zeichnungen. Im dritten Teil geht es darum, warum ein strukturierter Prozess bei technischen Zeichnungen alternativlos ist. In Teil 1 der Beitragsreihe erfahren Sie mehr zu unverzichtbaren Pflichtangaben bei Technischen Zeichnungen, während Teil 2 der Beitragsreihe die fünf häufigsten Fehler in technischen Zeichnungen aufzeigt.
Wer ein Buch liest, schlägt nicht wahllos irgendeine Seite auf, liest drei Sätze und springt dann auf eine ganz andere Seite zurück. Um den Sinn zu erfassen, lesen wir es der Buchstruktur folgend von Anfang bis Ende, Seite für Seite, Zeile für Zeile. Bei technischen Zeichnungen ist es nicht anders. Wer Maße und Toleranzen ohne System platziert, erzeugt Chaos statt Klarheit. Eine perfekte Zeichnung ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer strikten Chronologie und der Einhaltung von Normvorgaben.
In der modernen Fertigung hat sich die Rolle der Zeichnung gewandelt. Mit der Einführung von MBD (Model Based Definition) dient das 3D-Modell oft als primäre Datenquelle, während die 2D-Ableitung die funktionskritischen Spezifikationen liefert. Neue Normen wie die ISO 22081 ermöglichen es zudem, Zeichnungen massiv zu „entschlacken“, verlangen aber im Gegenzug eine fehlerfreie methodische Vorgehensweise.
Mit diesem „roten Faden“ erstellen Sie Zeichnungen, die in der Fertigung und Qualitätssicherung eindeutig und frei von Rückfragen sind.
Bevor die erste Geometrie toleriert wird, müssen die rechtlichen und normativen „Hausregeln“, der formale Rahmen, klar sein. Ein vollständiges Schriftfeld nach ISO 7200 ist kein bürokratischer Akt, sondern die juristische Basis Ihres Vertragsdokuments.
Sobald dieser juristische und formale Rahmen steht, können wir uns der physikalischen Geometrie des Werkstücks widmen.
Im nächsten Schritt nehmen wir die funktionale Betrachtung ein. Für jedes Bauteil ist ein referenziertes Koordinatensystem erforderlich, an dem es sich orientiert: das Bezugssystem.
Mit einem stabilen Fundament im Rücken bewerten wir nun systematisch jedes einzelne Funktionselement.
Arbeiten Sie jede relevante Geometrie systematisch anhand dieser 6-Punkte-Checkliste ab. Dadurch werden typische Fehler wie Mehrdeutigkeit von Maßen sowie fehlende Form- und Lagetoleranzen vermieden.
Nachdem die funktionskritischen Bereiche definiert sind, bleibt die Frage, wie mit dem Rest des Bauteils umzugehen ist.
Früher wurden nicht-funktionale Flächen oft mühsam einzeln bemaßt. Im Zeitalter von ISO 22081 ist das vorbei.
| Beitragsreihe zum ISO-GPS-Normensystem Das „ISO-GPS-Normensystem“ ist zurzeit eines der größten Normensysteme der ISO (International Organization for Standardization). Es basiert auf Regeln und Grundsätzen zur eindeutigen und widerspruchsfreien Beschreibung und Spezifikation (Konstruktion) der Mikro- und Makro-Geometrie (Größenmaß, Form, Richtung, Ort, Lauf, Oberfläche, Rauheit) eines Werkstückes. Das Ziel ist es, die funktionalen Anforderungen an Bauteilen und Baugruppen zu erfüllen. In acht aktualisierten Fachartikeln erhalten Sie einen Überblick über das ISO-GPS-System, den aktuellen Normungsstand, die Tolerierungsgrundsätze, das GPS-Matrix-Modell und die Möglichkeiten zur Anwendung. Jetzt informieren » |
Um die Vorgehensweise in vier Schritten greifbar zu machen, schauen wir sie uns nun an einem konkreten Praxisbeispiel, den Lagersitzen an einer Welle, an. Dabei gehen wir Schritt für Schritt vor und sehen, welche Angaben nötig sind, damit die Zeichnung eindeutig, funktional und normgerecht wird.

Abb. 1: Lagersitze an einer Welle (© BeSt Toleranzmanagement)
Anwendung des 4-Schritte-Prozesses:
Eine perfekte Zeichnung beschreibt die Funktion mit so wenigen Angaben wie möglich, aber so vielen wie nötig. Wer dabei konsequent strukturiert vorgeht, vom formalen Rahmen über das Bezugssystem bis zur Checkliste, erstellt Dokumente, die Professionalität ausstrahlen und technische Sicherheit gewährleisten.
Informieren Sie sich in den weiteren Teilen der Beitragsreihe über:
| DGQ-Qualitätspodcast Folge 60: ISO GPS – Die gemeinsame Sprache für Fertigung und Qualitätssicherung Moderatorin Natalie Rittgasser spricht mit DGQ-Trainer und ISO-GPS-Experte Steffen Beutler darüber, wie Missverständnisse in technischen Zeichnungen entstehen und wie die ISO-GPS-Normenreihe dabei hilft, sie zu vermeiden. Steffen Beutler zeigt, weshalb technische Zeichnungen heute funktionsgerecht erstellt werden, wie sich grundlegende Regeln und Tolerierungsgrundsätze im Laufe der Zeit verändert haben und wie eine gemeinsame Sprache für Konstruktion, Fertigung und Qualitätssicherung dazu beitragen kann, Zeit und Kosten einzusparen. Zur Podcastfolge » |
Sie arbeiten mit Messmitteln innerhalb der Produktion, direkt im Messraum oder müssen Prüfergebnisse interpretieren? Themen wie Prüfmittelfähigkeitsuntersuchungen, Prüfplanung, Erstmusterprüfungen sowie Form- und Lagetoleranzen begegnen Sie immer wieder in Ihrem Alltag? Dann informieren Sie sich über unsere Weiterbildungsmöglichkeiten in den Bereichen Messtechnik und Längenprüftechnik. Jetzt informieren »
Technische Zeichnungen und CAD-Modelle stellen die gemeinsame Sprache zwischen Entwicklung, Fertigung, Qualität und Einkauf dar und bilden die vertragsrechtliche Grundlage zwischen Abnehmer und Hersteller. In unserem Seminar lernen Sie technische Zeichnungen strukturiert zu lesen, Symbole zu interpretieren und produktrelevante Informationen korrekt abzuleiten. Jetzt anmelden »
Der Beitrag Der rote Faden zur präzisen Zeichnung erschien zuerst auf DGQ Blog.
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Als Leiter des QualityLab der DGQ erforscht Benedikt Sommerhoff, wie sich die Bedingungen für Produktqualität und die Qualitätsfähigkeit von Unternehmen verändern – und sucht nach Lösungsansätzen für das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung. In einer dreiteiligen Serie stellt er acht Richtungswechsel und daraus folgende acht Modernisierungsthesen für das QM vor.
Teil 1 hat Modernisierungsthesen zu den folgenden Richtungswechseln dargelegt:
Der zweite Teil widmet sich den Thesen drei bis fünf.
Audits, Kennzahlen, Freigaben und Nachweise machen Organisationen beobachtbar. Das ist notwendig. Ohne Transparenz lassen sich Fehler, Risiken und Verantwortlichkeiten kaum wirksam bearbeiten.
Doch jedes Kontrollsystem verändert auch das Verhalten der Kontrollierten. (Ich weiß, der Begriff Kontrolle ist im QM verpönt. Ich finde ihn allerdings klärend.) Mitarbeitende können beginnen, für die Formalseite („Vorderbühne“) des QM, zum Beispiel das Audit, statt für den eigentlichen Zweck zu arbeiten. Kennzahlen werden optimiert, während sich die Realität verschlechtert. Abweichungen werden verborgen („Hinterbühne“), weil sie als persönliches Versagen gelten. Dokumentation wird zum Ersatz für fachliches Urteilsvermögen.
QM ist deshalb niemals nur ein neutraler Systemverwalter und Beobachter. Es greift in die Organisation ein.
| Modernisierungsthese 3: Qualitätsmanagement muss seine eigene Macht- und Nebenwirkung systematisch reflektieren. |
Neben der Frage „Ist die Anforderung erfüllt?“ braucht es weitere Fragen:
Smartes QM kontrolliert nicht nur die Organisation. Es beobachtet auch, was seine eigene Kontrolle mit der Organisation macht.
Das traditionelle QM behandelt Information meist als Lösung. Mehr Kennzahlen, mehr Berichte, mehr Dashboards und mehr Risikoanalysen sollen mehr Transparenz schaffen.
In vielen Organisationen ist jedoch nicht der Mangel an Information das Problem. Das Problem ist die knappe Aufmerksamkeit. Mitarbeitende und Führungskräfte erhalten mehr Daten, als sie sinnvoll aufnehmen und verarbeiten können. Die Organisation weiß immer mehr – und erkennt dennoch zu spät, was wirklich wichtig ist.
Künstliche Intelligenz verschärft diese Herausforderung. Sie kann in kürzester Zeit große Mengen an Informationen erzeugen, zusammenfassen und bewerten. Damit steigt aber auch die Gefahr von Scheinpräzision, automatisierter Beliebigkeit und einer neuen Flut plausibel klingender Ergebnisse.
| Modernisierungsthese 4: Qualitätsmanagement muss sich vom Informationsmanagement zum Aufmerksamkeitsmanagement weiterentwickeln. |
Das bedeutet:
Das moderne QM muss nicht alles sichtbar machen. Es muss sichtbar machen, worauf es jetzt für Qualität und Qualitätsfähigkeit ankommt.
Qualitätsmanagement ist traditionell stark darin, bestehende Abläufe zu stabilisieren und schrittweise zu verbessern. Es standardisiert, korrigiert, repliziert und sichert ab. In stabilen Umwelten ist das eine große Stärke.
Unter dynamischen Bedingungen kann dieselbe Stärke zur Schwäche werden. Dann verbessert die Organisation möglicherweise einen Prozess, dessen Nutzen längst schwindet. Sie macht das Bestehende effizienter, obwohl sie etwas anderes tun müsste.
Qualitätskrisen entstehen zudem häufig nicht aus fehlenden Daten, sondern aus falschen Deutungen. Beschwerden werden als Einzelfälle abgetan. Schwache Warnsignale passen nicht zum vorherrschenden Bild. Fachliche Zweifel finden kein Gehör. Die Kennzahlen bleiben grün, während die Wirklichkeit bereits kippt.
| Modernisierungsthese 5: Qualitätsmanagement muss nicht nur Prozesse verbessern, sondern die Lern- und Sinnbildungsfähigkeit der Organisation sichern. |
Dafür braucht es:
Lernen zweiter Ordnung bedeutet: Wir korrigieren nicht nur den Fehler. Wir prüfen auch die Annahmen, die dazu geführt haben, dass wir ihn nicht früher erkannt oder falsch eingeordnet haben.
Manchmal müssen wir Dinge besser machen. Manchmal müssen wir andere Dinge machen.
| Bewahren. Beenden. Beginnen. Smarte QM Innovationen. QM funktioniert – und QM funktioniert nicht. Ob es wirkt, entscheidet der Kontext: Organisation, Branche, Risiken, Dynamik. Trotzdem dominiert ein jahrzehntealter Methodenkanon aus der produzierenden Industrie: einst bahnbrechend, heute oft bremsend. Spezielle Rahmenbedingungen besondere Situationen und disruptive Entwicklungen erfordern deshalb zusätzliche, neuartige QM-Lösungen. In seinem Vortrag auf dem 9. DGQ-Qualitätstag am 19. November analysiert Benedikt Sommerhoff, wo und warum etabliertes QM trägt und wo und warum nicht. Er skizziert neuartige Smart-QM-Ansätze, die dem klassischen QM dringend benötigte, kontextspezifische Alternativen zur Seite stellen. Jetzt informieren » |
In Teil 3 geht es dann weiter mit den Richtungswechseln:
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In drei Beiträgen widmet sich Steffen Beutler den Anforderungen an Technische Zeichnungen. Im zweiten Teil geht es darum, dass Technische Zeichnungen heute anders gelesen werden müssen, als noch vor 20 Jahren. In Teil 1 der Beitragsreihe erfahren Sie mehr zu unverzichtbaren Pflichtangaben bei Technischen Zeichnungen.
Stellen Sie sich vor, Sie fahren auf einer Straße, auf der früher 70 km/h erlaubt waren. Heute gilt dort Tempo 50. Wenn Sie geblitzt werden, hilft der Hinweis auf die frühere Regelung wenig. Entscheidend ist, was aktuell gilt.
Normen sind wie Verkehrsregeln. Sie entwickeln sich weiter. Wer Zeichnungen nach dem Wissensstand von vor 20 Jahren erstellt oder interpretiert, handelt im Reklamationsfall oder bei Sach- beziehungsweise Personenschäden schnell grob fahrlässig.
Bevor wir die häufigsten Fehler anschauen, ein Blick darauf, warum sich die „Straßenverkehrsordnung“ der Technik so fundamental gewandelt hat und wir Zeichnungen heute anders lesen müssen.
| Beitragsreihe zum ISO-GPS-Normensystem Das „ISO-GPS-Normensystem“ ist zurzeit eines der größten Normensysteme der ISO (International Organization for Standardization). Es basiert auf Regeln und Grundsätzen zur eindeutigen und widerspruchsfreien Beschreibung und Spezifikation (Konstruktion) der Mikro- und Makro-Geometrie (Größenmaß, Form, Richtung, Ort, Lauf, Oberfläche, Rauheit) eines Werkstückes. Das Ziel ist es, die funktionalen Anforderungen an Bauteilen und Baugruppen zu erfüllen. In acht aktualisierten Fachartikeln erhalten Sie einen Überblick über das ISO-GPS-System, den aktuellen Normungsstand, die Tolerierungsgrundsätze, das GPS-Matrix-Modell und die Möglichkeiten zur Anwendung. Jetzt informieren » |
Das sind die fünf häufigsten Fehler, die in der Praxis bei der Erstellung und Interpretation technischer Zeichnungen kostspielig werden können.
Das Problem:
Es wird angenommen, dass die Angabe „Ø20 H7“ automatisch Maß, Form und Lage perfekt definiert.
Die Ursache:
Nach dem heute geltenden Unabhängigkeitsprinzip gilt eine Toleranz nur für das lokale Zweipunktmaß.
Die Konsequenz:
Die Bohrung darf theoretisch „bananenförmig“ oder unrund sein, solange die Messpunkte innerhalb der Toleranz liegen. Für eine präzise Führung reicht dies jedoch oft nicht aus.
Die Lösung:
Nutzen Sie die Hüllbedingung (Symbol Ⓔ) oder ergänzen Sie Formtoleranzen wie die Zylindrizität.
Das Problem:
Funktionsgeometrien, wie Stufenmaße oder Bohrungsabstände, werden wie simple Längenmaße mit ±-Toleranzen versehen.
Die Ursache:
Mit der Einführung der Normenreihe ISO 14405 (2011) sind solche Maße oft mehrdeutig, da keine klaren Messregeln für die Zweipunktmessung existieren.
Die Konsequenz:
Zwei Prüfer messen dasselbe Teil und erhalten mit hoher Wahrscheinlichkeit unterschiedliche Werte. Streitigkeiten in der Qualitätssicherung sind damit vorprogrammiert.
Die Lösung:
Solche „mehrdeutige Maße“ müssen geometrisch über Positions- oder Profiltoleranzen definiert werden.
Das Problem:
Sobald ein komplexer Toleranzrahmen erscheint, wird die Bedeutung oft geschätzt, statt sie präzise zu lesen.
Die Ursache:
Fehlende Routine im Umgang mit dem ISO-GPS-System führt zu Unsicherheit bei den Mitarbeitern aus der Fertigung und Qualitätssicherung.
Die Konsequenz:
Es werden unnötig enge Toleranzen gefertigt oder korrekte Teile fälschlicherweise als Ausschuss deklariert.
Die Lösung:
Zerlegen Sie den Toleranzrahmen methodisch: Was wird toleriert? Wie sieht die Zone aus? Welche Bezüge geben die Richtung vor?
Das Problem:
Man glaubt, dass Maßtoleranz und Formtoleranz sich gegenseitig begrenzen (z. B. Dicke 10 ±0,1 mm und Ebenheit 0,2 mm).
Die Ursache:
Das Unabhängigkeitsprinzip besagt, dass diese Werte getrennt voneinander gelten.
Die Konsequenz:
Ein Bauteil kann lokal maßhaltig sein, aber durch die Formabweichung eine „effektive Hüllgeometrie“ von 10,3 mm erreichen. Es passt nicht in die Baugruppe, obwohl das Messprotokoll „i.O.“ anzeigt.
Die Lösung:
Prüfen Sie die Einbausituation und nutzen Sie gegebenenfalls die Hüllbedingung, um Maß und Form zu koppeln.
Das Problem:
Die Position des Pfeils oder ein fehlendes Durchmesser-Symbol (Ø) verändern die gesamte Bedeutung der Toleranz.
Die Ursache:
Unachtsamkeit bei der Erstellung des Toleranzrahmens oder der Pfeilplatzierung.
Die Konsequenz:
Ein Pfeil auf der Kante toleriert die Oberfläche, ein Pfeil auf den Maßpfeil hingegen die (unsichtbare) Mittelachse. Ein fehlendes Ø-Symbol macht aus einer zylindrischen Toleranzzone plötzlich einen Raum zwischen zwei parallelen Ebenen.
Die Lösung:
Arbeiten Sie präzise nach den Vorgaben der ISO 1101 und stellen Sie sicher, dass jedes Symbol exakt an der richtigen Stelle sitzt.
Technische Zeichnungen sind keine unverbindlichen Skizzen, sondern rechtlich verbindliche Vertragsdokumente. Prüfen Sie daher kritisch, ob Ihre Zeichnungen der aktuellen „Straßenverkehrsordnung“ der Technik entsprechen. Achten Sie darauf, dass alle Personen, die mit Zeichnungen arbeiten, den aktuellen Normenstand kennen und anwenden können. Unwissenheit schützt im Reklamationsfall nicht vor Nacharbeit, Schadensersatz oder Haftung.
Informieren Sie sich in den weiteren Teilen der Beitragsreihe über:
| DGQ-Qualitätspodcast Folge 60: ISO GPS – Die gemeinsame Sprache für Fertigung und Qualitätssicherung Moderatorin Natalie Rittgasser spricht mit DGQ-Trainer und ISO-GPS-Experte Steffen Beutler darüber, wie Missverständnisse in technischen Zeichnungen entstehen und wie die ISO-GPS-Normenreihe dabei hilft, sie zu vermeiden. Steffen Beutler zeigt, weshalb technische Zeichnungen heute funktionsgerecht erstellt werden, wie sich grundlegende Regeln und Tolerierungsgrundsätze im Laufe der Zeit verändert haben und wie eine gemeinsame Sprache für Konstruktion, Fertigung und Qualitätssicherung dazu beitragen kann, Zeit und Kosten einzusparen. Zur Podcastfolge » |
Sie arbeiten mit Messmitteln innerhalb der Produktion, direkt im Messraum oder müssen Prüfergebnisse interpretieren? Themen wie Prüfmittelfähigkeitsuntersuchungen, Prüfplanung, Erstmusterprüfungen sowie Form- und Lagetoleranzen begegnen Sie immer wieder in Ihrem Alltag? Dann informieren Sie sich über unsere Weiterbildungsmöglichkeiten in den Bereichen Messtechnik und Längenprüftechnik. Jetzt informieren »
Technische Zeichnungen und CAD-Modelle stellen die gemeinsame Sprache zwischen Entwicklung, Fertigung, Qualität und Einkauf dar und bilden die vertragsrechtliche Grundlage zwischen Abnehmer und Hersteller. In unserem Seminar lernen Sie technische Zeichnungen strukturiert zu lesen, Symbole zu interpretieren und produktrelevante Informationen korrekt abzuleiten. Jetzt anmelden »
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]]>Der Beitrag Qualifizierung und Validierung für Medizinprodukte: Anforderungen, Phasen und Praxis erschien zuerst auf DGQ Blog.
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Die Sicherheit und Qualität von Medizinprodukten stehen im Fokus von Herstellern, Vertreibern und Lieferanten – und damit auch die sorgfältige Qualifizierung und Validierung von Produktionsprozessen. Gerade im Zuge der Umsetzung der Medical Device Regulation (MDR) sowie durch internationale Standards wie die ISO 13485 geraten diese Anforderungen zunehmend ins Blickfeld der Benannten Stellen und Aufsichtsbehörden wie der FDA. Die Norm fordert explizit, dass Organisationen dokumentierte Verfahren zur Validierung von Prozessen sowie zur Qualifizierung von Equipment etablieren und einhalten. Nur so lässt sich gewährleisten, dass die produzierten Medizinprodukte nicht nur den gesetzlichen Vorgaben entsprechen, sondern auch höchsten Sicherheitsansprüchen genügen.
Bei der Verifizierung geht es um den Nachweis, dass eine festgelegte Anforderung tatsächlich erfüllt wird – und zwar anhand objektiver und nachvollziehbarer Belege. In der Praxis geschieht dies zum Beispiel durch eine 100%-Prüfung mittels Sensoren in einer Produktionslinie oder durch eine vollständige Sichtkontrolle durch Mitarbeitende. So wird sichergestellt, dass jedes einzelne Produkt die festgelegten Qualitätsanforderungen einhält.
Die Validierung verfolgt einen anderen Ansatz: Hier wird objektiv bestätigt, dass ein Prozess oder eine Anwendung für den vorgesehenen Zweck zuverlässig funktioniert. Das bedeutet, Prozesse müssen vor dem Inverkehrbringen eines Medizinprodukts risikobasiert validiert werden. Dies garantiert, dass sie unter realen Bedingungen stabile und sichere Ergebnisse liefern. Ist ein Prozess einmal erfolgreich validiert, genügt in der laufenden Produktion in der Regel eine stichprobenartige Kontrolle, da die Prozesssicherheit nachgewiesen wurde.
Die Qualifizierung und Validierung von Produktionsprozessen sind zentrale Bausteine für die Sicherheit und Konformität von Medizinprodukten. Es ist essenziell, die einzelnen Schritte und deren Bedeutung im Gesamtkontext zu verstehen. Nachfolgend geben wir einen strukturierten Überblick über die Phasen der Qualifizierung und Validierung – unverzichtbar für die praktische Umsetzung im regulierten Umfeld.
Die Qualifizierung eines Equipments (zum Beispiel einer Produktionsmaschine) gliedert sich in mehrere Phasen, beginnend mit der Designqualifizierung (Design Qualification, DQ). In dieser Phase werden die Anforderungen an das benötigte Equipment – etwa in Form eines Lastenhefts – präzise definiert. Ziel ist es, sicherzustellen, dass die geplante Anschaffung sowohl die regulatorischen als auch die produktspezifischen Anforderungen erfüllt. Die DQ bildet somit die Grundlage für eine zielgerichtete Beschaffung.
An die DQ schließt sich die Installationsqualifizierung (Installation Qualification, IQ) an. Hier wird überprüft, ob das Equipment nach Lieferung ordnungsgemäß installiert und erfolgreich in den Produktionsprozess integriert wurde. Erst nach einem positiven Abschluss der IQ gilt das Equipment als qualifiziert und ist bereit für die nächsten Schritte.
Nach erfolgreicher Qualifizierung folgt die Validierung, die üblicherweise in zwei Phasen unterteilt wird: Funktionsqualifizierung (Operational Qualification, OQ) und Leistungsqualifizierung (Performance Qualification, PQ).
Die OQ widmet sich der Entwicklung und Optimierung des Prozesses. Ziel ist es, die Prozessgrenzen systematisch zu identifizieren und auf dieser Basis die zulässigen Toleranzbereiche für die Prozessparameter festzulegen. Während dieser Phase werden die Prozessparameter an ihren Toleranzgrenzen – also unter „Worst-Case“-Bedingungen – risikobasiert getestet. So wird sichergestellt, dass der Prozess auch unter Extrembedingungen zuverlässig funktioniert.
Im Anschluss folgt die PQ, in der die Leistungsfähigkeit des Prozesses im Routinebetrieb überprüft wird. Hierbei werden die zuvor festgelegten nominalen Prozessparameter eingesetzt, um zu bestätigen, dass alle Qualitätsanforderungen im realen Produktionsumfeld dauerhaft eingehalten werden. Die Ergebnisse aus OQ und PQ müssen systematisch und statistisch ausgewertet werden, um eine fundierte Aussage über die Prozesssicherheit und -robustheit treffen zu können.
Für Fachleute im Bereich der Medizintechnik bildet dieser strukturierte Ansatz das Rückgrat einer effektiven Qualitätssicherung und Prozessoptimierung. Eine konsequente Umsetzung der einzelnen Phasen trägt maßgeblich zur Einhaltung regulatorischer Vorgaben und zur Minimierung von Risiken im Produktionsalltag bei.
Häufige Fragen aus der Praxis zur Qualifizierung und Validierung für Medizinprodukte
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Begegnen Sie den branchenspezifischen Herausforderungen der Medizintechnik kompetent und sicher und stärken Sie mit unserem Weiterbildungsangebot Ihre Kompetenz und Ihr Fachwissen zu allen wichtigen Normen und Regularien sowie MDR-Themen. Mit unseren Weiterbildungen, z.B. DIN EN ISO 13485 – Qualitätsmanagement für Medizinprodukte oder Prozessvalidierung für Medizinprodukte nach ISO 13485 qualifizieren Sie sich für die spezifischen Anforderungen der Branche. Jetzt informieren »
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Als Leiter des QualityLab der DGQ erforscht Benedikt Sommerhoff, wie sich die Bedingungen für Produktqualität und die Qualitätsfähigkeit von Unternehmen verändern – und sucht nach Lösungsansätzen für das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung. In einer dreiteiligen Serie stellt er acht Richtungswechsel und daraus folgende acht Modernisierungsthesen für das QM vor. Im ersten Teil widmet er sich den ersten beiden Thesen.
Als ich 1994 meine berufliche Tätigkeit im Qualitätsmanagement begann, waren die Rahmenbedingungen deutlich anders als heute. Unternehmen arbeiteten stärker hierarchisch, Wertschöpfungsketten waren überschaubarer, Prozesse stabiler und Veränderungszyklen länger, die Kommunikation viel langsamer. Also waren auch die Herausforderungen für das Qualitätsmanagement anders als heute.
Das heute traditionelle Qualitätsmanagement nach ISO 9001 und verwandten Managementsystemen bot wirksame Antworten auf die Probleme der damaligen Zeit. Es half, Fehler zu vermeiden, Prozesse zu stabilisieren, Verantwortlichkeiten zu klären und verlässliche Ergebnisse zu erzeugen. Diese Leistungen bleiben wichtig.
Doch die Richtung, in die sich Organisationen entwickeln, hat sich verändert. Digitalisierung, künstliche Intelligenz, vernetzte Wertschöpfung, Wissensarbeit, Fachkräftemangel, individualisierte Kundenanforderungen und eine wachsende gesellschaftliche Dynamik verändern die Bedingungen, unter denen Qualität entsteht.
Darauf reagieren viele Organisationen mit mehr vom traditionellem QM: mehr Kennzahlen, mehr Dokumentation, mehr Audits, mehr Risikolisten, mehr Regeln. Doch wer mit mehr Kraft in die bisherige Richtung zieht, kommt nicht zwangsläufig ans Ziel.
Meine Erkenntnis wächst: Wir müssen nicht mit mehr Kraft in die bisherige Richtung streben. Wir müssen klären, wie sich die Richtung verändert und dorthin wirken.

Abb. 1: Wirkung entsteht, wenn wir unsere Kraft in die richtige Richtung lenken (© Benedikt Sommerhoff)
Meine folgenden acht Thesen markieren einen solchen Richtungswechsel.
Das traditionelle QM betrachtet die Organisation vor allem als ein System von Prozessen. Prozesse werden beschrieben, Verantwortlichkeiten zugeordnet, Schnittstellen definiert und Ergebnisse gemessen. Dahinter steht die Erwartung: Wenn die Prozesse beherrscht werden, wird auch die Organisation beherrscht.
In der Praxis zeigt sich jedoch, dass kein Prozessmodell die wirkliche Organisation vollständig abbildet. Menschen müssen Situationen beurteilen, Zielkonflikte austragen, Prioritäten setzen und unter Unsicherheit entscheiden. Selbst der detaillierteste Prozess nimmt ihnen diese Entscheidungen nicht ab.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: „Ist der Prozess eingehalten worden?“ Sie lautet auch: „Hat die Organisation eine angemessene Entscheidung getroffen?“
| Modernisierungsthese 1: Qualitätsmanagement sollte weniger als Prozesssteuerung und stärker als Gestaltung organisationaler Entscheidungsfähigkeit verstanden werden. |
Ein modernes QM identifiziert qualitätskritische Entscheidungen und untersucht, wie sie zustande kommen:
Prozesse bleiben wichtig. Aber sie sind Mittel, nicht Mittelpunkt. Smartes QM gestaltet Bedingungen, unter denen gute Entscheidungen wahrscheinlicher werden.
Viele Qualitätsprobleme entstehen nicht, weil eine Vorgabe fehlt. Sie entstehen, weil Beteiligte unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was gebraucht wird, was möglich ist oder was als gutes Ergebnis gelten soll.
Der Vertrieb verspricht etwas, das die Entwicklung anders versteht. Die Entwicklung spezifiziert etwas, das die Produktion nicht zuverlässig herstellen kann. Eine Führungskraft formuliert Erwartungen, die Mitarbeitende anders interpretieren. Kunden beschreiben Lösungen, obwohl zunächst ihr eigentliches Problem verstanden werden müsste.
Das klassische QM reagiert darauf häufig mit zusätzlicher Dokumentation. Doch ein Dokument kann Verständigung unterstützen – es kann sie nicht ersetzen.
| Modernisierungsthese 2: Qualitätsmanagement muss kommunikative Qualität als eigenständige Qualitätsdimension behandeln. |
Dazu gehört die Qualität von:
Ein modernes Audit sollte deshalb nicht nur prüfen, ob eine Besprechung vorgesehen und protokolliert wurde. Es sollte auch danach fragen, ob dort die relevanten Unterschiede sichtbar und bearbeitbar wurden. Qualität entsteht nicht allein auf dem Papier. Sie entsteht in der Interaktion zwischen Menschen.
| Bewahren. Beenden. Beginnen. Smarte QM Innovationen. QM funktioniert – und QM funktioniert nicht. Ob es wirkt, entscheidet der Kontext: Organisation, Branche, Risiken, Dynamik. Trotzdem dominiert ein jahrzehntealter Methodenkanon aus der produzierenden Industrie: einst bahnbrechend, heute oft bremsend. Spezielle Rahmenbedingungen besondere Situationen und disruptive Entwicklungen erfordern deshalb zusätzliche, neuartige QM-Lösungen. In seinem Vortrag auf dem 9. DGQ-Qualitätstag am 19. November analysiert Benedikt Sommerhoff, wo und warum etabliertes QM trägt und wo und warum nicht. Er skizziert neuartige Smart-QM-Ansätze, die dem klassischen QM dringend benötigte, kontextspezifische Alternativen zur Seite stellen. Jetzt informieren » |
In Teil 2 geht es weiter mit den Richtungswechseln:
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In drei Beiträgen widmet sich Steffen Beutler den Anforderungen an Technische Zeichnungen. Im ersten Teil geht es um unverzichtbare Pflichtangaben.
Technische Zeichnungen sind weit mehr als nur Linien auf Papier. Sie sind die Sprache der Ingenieure und das zentrale Verständigungsmittel zwischen Konstruktion, Produktion und der Qualitätssicherung. Wie jede Sprache folgt auch die technische Kommunikation auf einer Zeichnung einer strengen Grammatik und einem festen Wortschatz. Wer technische Zeichnungen nicht nur oberflächlich verstehen, sondern „fließend lesen“ möchte, muss die zugrunde liegenden Regeln dieser Sprache beherrschen. Nur so kommt die Spezifikation eines Bauteils beim Empfänger in der Fertigung exakt so an, wie sie vom Konstrukteur gemeint war.
Fehlt das richtige „Vokabular“ oder wird die „Grammatik“ missachtet, entstehen Missverständnisse, die in der Produktion schnell zu Nacharbeit, teurem Ausschuss oder zu Haftungsfragen führen können. Im Kern lassen sich die essenziellen Pflichtangaben in zwei Bereiche gliedern: der formale Rahmen und der technische Inhalt.
Im B2B-Bereich ist eine technische Zeichnung ein rechtsverbindliches Dokument, dessen formale Angaben die „Hausregeln“ der Kommunikation festlegen.
Die ISO 128-1 (Allgemeine Grundlagen der Darstellung) bildet dabei das tragende Fundament. Sie definiert die fünf Grundprinzipien für jede Zeichnung: Eindeutigkeit, Vollständigkeit, Maßstäblichkeit, Reproduzierbarkeit und, besonders wichtig für die internationale Zusammenarbeit, die Sprachunabhängigkeit durch Symbole.
Ein normgerechtes Schriftfeld nach ISO 7200 (Datenfelder in Schriftfeldern und Dokumentenstammdaten) ist Pflicht, damit eine technische Zeichnung eindeutig identifiziert werden kann. Es enthält neben dem Namen des rechtlichen Eigentümers und der Sachnummer auch administrative Daten wie das Ausgabedatum und das Vier-Augen-Prinzip durch die namentliche Nennung von Ersteller und Prüfer.
Nachdem die Identität des Bauteils durch das Schriftfeld geklärt ist, muss die „Perspektive“ der Erzählung festgelegt werden. Die ISO 5455 schreibt hierfür den Maßstab vor, während die ISO 5456-2 die Projektionsmethode definiert. Ohne das Symbol für die europäische Projektionsmethode 1 im Schriftfeld besteht die Gefahr, dass Bauteile spiegelverkehrt gefertigt werden. Abgerundet wird dieser formale Teil durch Schutzvermerke nach ISO 16016 und die klare Definition der Einheiten (in der Regel Millimeter) nach ISO 14405-1.
| Beitragsreihe zum ISO-GPS-Normensystem Das „ISO-GPS-Normensystem“ ist zurzeit eines der größten Normensysteme der ISO (International Organization for Standardization). Es basiert auf Regeln und Grundsätzen zur eindeutigen und widerspruchsfreien Beschreibung und Spezifikation (Konstruktion) der Mikro- und Makro-Geometrie (Größenmaß, Form, Richtung, Ort, Lauf, Oberfläche, Rauheit) eines Werkstückes. Das Ziel ist es, die funktionalen Anforderungen an Bauteilen und Baugruppen zu erfüllen. In acht aktualisierten Fachartikeln erhalten Sie einen Überblick über das ISO-GPS-System, den aktuellen Normungsstand, die Tolerierungsgrundsätze, das GPS-Matrix-Modell und die Möglichkeiten zur Anwendung. Jetzt informieren » |
Sobald der formale Rahmen die Regeln der Konversation festgelegt hat, geht es weiter mit dem eigentlichen Inhalt: der funktionalen Beschreibung des Bauteils.
Ein entscheidender Satz auf jeder modernen Zeichnung lautet: „Linear size ISO 14405“. Diese Angabe wirkt, wie das Schild „Ladendiebstahl wird zur Anzeige gebracht“ im Supermarkt. Auch ohne das Schild wissen wir, das diese Handlung untersagt ist. Und ebenso schafft der Normenhinweis auf der technischen Zeichnung absolute Klarheit darüber, dass das Unabhängigkeitsprinzip aktiviert ist. Maß, Form und Lage werden hierbei getrennt betrachtet, was die Unsicherheiten veralteter Standards eliminiert.
Kein Konstrukteur kann und sollte jedes Detail einzeln bemaßen. Hier greifen Allgemeintoleranzen als „Auffangnetz der Grammatik“. Die Wahl der richtigen Norm aus der DIN 30630 ist entscheidend: Entweder verfahrensabhängig (zum Beispiel ISO 13920 für Schweißkonstruktionen) oder verfahrensunabhängig nach der modernen ISO 22081. Letztere löst in der Praxis die veraltete ISO 2768 ab und sorgt für Eindeutigkeit bei nicht explizit bemaßten Geometrien.
Die Funktion eines Bauteils wird auch durch seine Haptik und Beschaffenheit bestimmt. Man könnte sagen, dies sind die „Feinheiten der Aussprache“. Die ISO 21920 regelt hierbei die Anforderungen an die Oberflächenbeschaffenheit. Den Abschluss bilden die Angaben zu Kantenübergängen nach ISO 13715 (oder ISO 21204), die klären, ob Kanten scharfkantig, verrundet oder gratfrei sein müssen.
Wer das „Vokabular“ und die „Grammatik“ der technischen Zeichnung sicher beherrscht, vermeidet Fehlinterpretationen und damit Mehraufwand und Kosten. Die formalen Mussangaben (ISO 128, ISO 7200 etc.) gewährleisten die rechtssichere Einordnung, während die inhaltlichen Angaben (ISO 14405, ISO 22081 etc.) dafür sorgen, dass das Bauteil funktional eindeutig beschrieben ist. So wird sichergestellt, dass Theorie und Praxis in der Produktion perfekt zusammenpassen.
Informieren Sie sich in den weiteren Teilen der Beitragsreihe über:
| DGQ-Qualitätspodcast Folge 60: ISO GPS – Die gemeinsame Sprache für Fertigung und Qualitätssicherung Moderatorin Natalie Rittgasser spricht mit DGQ-Trainer und ISO-GPS-Experte Steffen Beutler darüber, wie Missverständnisse in technischen Zeichnungen entstehen und wie die ISO-GPS-Normenreihe dabei hilft, sie zu vermeiden. Steffen Beutler zeigt, weshalb technische Zeichnungen heute funktionsgerecht erstellt werden, wie sich grundlegende Regeln und Tolerierungsgrundsätze im Laufe der Zeit verändert haben und wie eine gemeinsame Sprache für Konstruktion, Fertigung und Qualitätssicherung dazu beitragen kann, Zeit und Kosten einzusparen. Zur Podcastfolge » |
Sie arbeiten mit Messmitteln innerhalb der Produktion, direkt im Messraum oder müssen Prüfergebnisse interpretieren? Themen wie Prüfmittelfähigkeitsuntersuchungen, Prüfplanung, Erstmusterprüfungen sowie Form- und Lagetoleranzen begegnen Sie immer wieder in Ihrem Alltag? Dann informieren Sie sich über unsere Weiterbildungsmöglichkeiten in den Bereichen Messtechnik und Längenprüftechnik. Jetzt informieren »
Technische Zeichnungen und CAD-Modelle stellen die gemeinsame Sprache zwischen Entwicklung, Fertigung, Qualität und Einkauf dar und bilden die vertragsrechtliche Grundlage zwischen Abnehmer und Hersteller. In unserem Seminar lernen Sie technische Zeichnungen strukturiert zu lesen, Symbole zu interpretieren und produktrelevante Informationen korrekt abzuleiten. Jetzt anmelden »
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