Wir sind aber auf einem guten Weg, denn die Internetgemeinschaft ist verknüpft und man hatte (zumindest am anfang) auch bei den Protesten gegen ACTA gesehen, wie wir zusammen hängen. Leider hatte auch dies schnell nachgelassen, aber die Hoffnung stirbt zu letzt.
Hoffen (und handeln) wir, damit es nicht soweit kommt!
Beste Grüße und: Remember Remember the 5th of November…
Wenn das als Ausweis für die neue „Politisierung“ dienen soll, dann gute Nacht. Wenn der G8-Gipfel, wie man auf Seiten der Gipfelgegner im Vorfeld nicht müde wurde zu erklären, sinnlos und inhaltsarm ist, warum verleiht man ihm durch die eigene Anwesenheit soviel Bedeutung, warum lässt man sich auf Spielfeld und Symbolsystem der Staatsmacht ein, warum macht man als telegene Manövriermasse den Gipfel zum „Event“, über dessen Umfeld Medienanstalten dankbar berichten können, statt gezwungen zu sein, über die dünnen Inhalte zu berichten, warum gibt man Sicherheitspolitikern bereitwillig Futter für ihre nächste Argumentationsrunde im Parlament, warum schlussendlich begibt man sich wie die letzten Hinterwäldler als riesige Masse in ein unübersichtliches städtisches Operationsgebiet, welches von der Polizei wochenlang sondiert und analysiert wurde, wo sich bereits ein paar brennende Barrikaden als „Bürgerkrieg“ verkaufen lassen, wo dank Deutungsmacht und Unübersichtlichkeit wunderbar Propaganda betrieben werden kann (siehe falsche Verletztenzahlen), statt die Lage abkühlen und Schäuble dämlich da stehen zu lassen (100 Mio. sind ziemlich viel Schotter, wenn keine Demonstranten kommen) und eine Woche nach Gipfelende in städtischen Gebieten ohne Ausnahmezustand mit Fahrraddemos, Flashmobs sowie spontanen Kundgebungen alles lahmzulegen?
Da wären keine Spezialeinheiten, keine Wasserwerfer, kein juristischer Ausnahme-Modus, unter dessen Deckmantel sich vieles verharmlosen lässt, keine eingeschränkte Bewegungsfreiheit, keine Demoleitung, die freundlicherweise mit den Einsatzkräften zusammenarbeitet. Statt Ungerechtigkeit und Unterdrückung in Open-Air-Festspielen abstrakt und extrem masochistisch zu choreographieren, hätte man die Möglichkeit gehabt, ohne Gewalt und äußerst effizient die „soft spots“, Innenstädte, Kaufhäuser, Straßen und Fußgängerzonen zu nutzen, sich blitzschnell wieder aufzulösen und die Ordnungsfreaks so richtig schön zu ficken. Gut, man kann natürlich auch mit dem Kopf immer wieder gegen die Wand rennen, dabei mit erhobener Faust „Die Internationale“ schmettern und mit Tränen in den Augen verkünden, dass diese Schweine jeden blauen Fleck bitter bereuen werden, wenn erst mal – rumms! rumms! – diese verbrecherische Mauer beseitigt ist, bange machen gilt nicht, sonst haben sie gewonnen.
Jedem das Seine.
Der Zirkus kam mir vor wie eine Schulklasse, die gegen den Lehrer aufbegehren will, sich aber nur so richtig wohl, solidarisch und im Recht fühlt, wenn dieser mit dem Rohrstock austeilt. Dabei ist die größte Leistung, die offene Tür zu übersehen – und die Tatsache, dass längst keine Schulpflicht mehr herrscht. Aber dabei helfen gerne jene Klassenkameraden, die seltsamerweise, obwohl sie doch die größte Klappe haben und lautstark davon reden, dass man für einen besseren Unterricht sorgen wolle, vom Lehrer bevorzugt werden und zu Weihnachten nette Karten bekommen.
Die Tür, so der Vertreter des Schülerkollektivs, sei eine Illusion, aufgemalt von der Schulleitung, um vom Kampf abzulenken.
„Die Kunst ist es, sich nicht provozieren zu lassen. Das können eben viele noch nicht.“ Ach.
]]>Ich glaube aber nicht, dass es den Clowns um die Demütigung der Beamten ging. Es ging darum die Situation zu konterkarrieren, den Blick auf die Absurdität freizumachen, einen Kanal zu schaffen – auf beiden Seiten.
Ich war leider nicht vor Ort, um das Auftreten der Clowns näher zu beurteilen, aber ich gehe davon aus, dass es sicher den einen oder anderen Beamten gegeben hat, der sich dadurch provoziert gefühlt hat, weil eben nicht jeder die Selbstbeherrschung in Person ist. Das steht aber sicherlich in keiner Relation zu einem steineschmeißenden „Schwarzen Block“, dessen Protestform ich auf’s schärfste veruteile.
Provokation kann durchaus eine Form des kritischen Diskurses sein. Die Kunst ist es, sich nicht provozieren zu lassen. Das können eben viele noch nicht.
]]>Oder, halt! – stell dir vor, die Polizei schickt zur nächsten Großveranstaltung eine verkleidete Einheit, die „Hippiearmee“, komplett mit Dreadlocks und „PACE“-Fahnen, dazu noch ein paar abgestellte Beamte in Kampfmontur, die diese symbolisch niederknüppeln, Lautsprecherdurchsagen wie „Lacht doch mal!“ rundeten das Ganze ab. Wobei da durch die größere Perspektive, die Einbeziehung der eigenen Seite, noch das Element der zynischen Selbstkritik gegeben wäre.
Dieses selbstkritische Element, nicht bezogen auf gewalttätige Teilnehmer der Demos, sondern in Bezug auf die Rolle, die man in diesem Medienzirkus gespielt hat, die Ideale, die man sich angemaßt hat zu vertreten, indem man todesmutig durch Haferfelder stapft, kurz: die Thematisierung der Lächerlichkeit dieses ganzen Unterfangens hat mir irgendwie gefehlt bei Vertretern der Linken. Für die meisten war – wie gesagt, mit Ausnahme der Kritik am „Schwarzen Block“ – ganz klar, wer die „Guten“ sind.
Die Protestformen der „Clownsarmee“ waren legitim, mehr als das: hocheffektiv, wie man an der Gegenpropaganda ablesen konnte – Seifenblasenwasser wurde zur „Chemiewaffe“ -, offensichtlich wusste man nicht recht umzugehen mit einer Gruppierung, die sich bewusst nicht ins Freund/Feind-Schema hat einpassen lassen. Aber es soll mir bitte niemand erzählen, dass man nicht im Traum daran gedacht hat, dass solche Aktionen auch Aggressionen auslösen können. Dafür waren dann doch zu viele Sozialpädagogik-Studenten unter den Verantwortlichen. Den Beamten vor Ort war es im Gegensatz zu den Demonstranten eben nicht möglich, die Situation auf einer Meta-Ebene zu diskutieren, ihr Verhalten zu überdenken – oder einfach zu gehen. Paradoxe Handlungsaufforderung (Vorgesetzte: Um jeden Preis Sperrgebiete sichern; Demonstranten: einfach mal Pause machen, sich nicht so ernst nehmen), Unerfüllbarkeit und Unmöglichkeit, die Situation zu verlassen. Klassisches „double-bind“. Hat natürlich niemand so geplant. Man wollte nur spielen. Und das „Gute“.
Wie gesagt: Hut ab vor dieser Protestform. Davon wird es hoffentlich in Zukunft mehr geben. Allerdings befürchte ich, dass selbst Beteiligte noch Reste des „Wir, die Guten mit den legitimen Zielen – die, Handlanger des unmenschlichen Systems“-Denkens in ihren Hirnen haben. Es geht einzig und allein um den Kampf an der Medienfront. Wer dominiert? Wer demütigt den anderen kameragerecht? Und da ist die Clownsarmee eine schlagkräftige Kampftruppe. Die den immensen Vorteil hat, bei Gegenwehr rehäugige Studentinnen mit Clownsnase und Platzwunde in die Kamera schluchzen lassen zu können: „Aber wir sind doch nur Clowns!“
]]>Da einen kleinen „twist“ reinbekommen, vor allem anfangs nicht zu viel verlangen, keine Bindung, Verantwortung, Gott nein, damit würde man die kosmopolitischen urban teens verschrecken: Einfach nur dieses Solidargefühl ausnutzen, um damit etwas, man scheut sich beinahe es, zu sagen, „Gutes“ zu tun, von mir aus eher symbolisch. Wie das abgehen könnte …
]]>Demos schön und gut, aber besser schon mal einen Platz auf der Galeere sichern
Ich glaube nicht, dass sich alle Kritiker des 1984-Mems insgeheim schon mit dem Überwachungsstaat abgefunden haben, wie es in deinem Kommentar rüber kommt. Sicherlich macht sich bei vielen Aktivisten bereits Resignation breit (ich merke es an mir selbst). Der Gedanke an Exil, der unter den Meinigen im moment noch ein eher humorvoll gehandelter Diskurs ist (Elite sucht Staat via su-shee 2.0), gibt den Blick auf eine tiefe Verzweiflung frei. Man möchte das Land ja nicht verlassen müssen, man möchte darin leben können und dafür lohnt es sich auch zu kämpfen. Die sich drastisch zuspitzende Situation spornt also auch zu mehr/neuer Aktivität an. Denn wer zukünftig so weiterleben möchte wie bisher, der wird handeln müssen, sonst ist es einfach vorbei mit der schönen Zeit.
]]>Die Kinderstube
»Bäh!« sagte die ganze Runde. »Bäh! Caspar, bäh!«
– Und: »Hats weh getan? Hats weh getan? Nu seht euch bloß den Caspar an! Bäh, Caspar, bäh!«
Caspar stand in der Mitte des Kinderkreises und schnitt ein finsteres Gesicht. Er verstand die Welt nicht mehr. Die Sache war so gewesen, daß der Lehrer, ein roher und dummer Patron, die ganze Gesellschaft noch immer mit kurzen Hosen herumlaufen ließ, sie duzte und durchaus wie kleine Kinder behandelte. Sie waren aber schließlich aus den Kinderschuhen heraus, da waren Achtzehnjährige dabei, und einer war sogar schon zwanzig. Aber das ließ man nicht gelten . . .
Und nun hatte Caspar einmal dem Lehrer gehörig seine Meinung gesagt: er könne es nicht länger mit ansehen, wenn immer nur die Keile kriegten, deren Eltern nicht soviel zahlen konnten, wenn Herr Wachtmeister – so hieß der Lehrer – sie alle abkanzelte, als ob sie kleine Jungens wären, wenn er seine Nase in alles steckte . . .
Der Caspar hatte einen glühendroten Kopf bekommen, denn er dachte natürlich, die ganze Mehrheit hinter sich zu haben . . .
»Was!« hatte aber da der Herr Wachtmeister geschrien, »waas?! – So ein rüdiger Lümmel! Los!
Sabojetzky, Lammers, Kammerbach! Haltet den Kerl fest, ich werde ihm das Fell versohlen!«
Und richtig; sie hatten ihn festgehalten, ihn, der doch ihre Freiheit wollte, und dann hatte Herr Wachtmeister seinen Rohrstock hervorgeholt und hatte geschlagen: eins, zwei, drei, vier . . . – bis fünfundzwanzig! – Und sie hatten gelacht, gejohlt, mitgezählt und sich unbändig gefreut . . .
Er hörte noch dieses Lachen, das viel mehr schmerzte als alle Prügel der Welt. Sie hatten gelacht . . . Ja, wußten sie denn nicht, wie alt sie eigentlich waren, wußten sie denn nicht, daß es draußen in den anderen Straßen Jungens im gleichen Alter gab, die lange Hosen anhatten und denen kein Wachtmeister mehr etwas zu befehlen hatte? Wußten sies nicht?
Oder wollten sies nicht wissen?
Denn immerhin: es hatte seine Vorteile, so als kleiner Junge behandelt zu werden. Zum ersten hatte man keine Verantwortung zu tragen, berief sich einfach auf Herrn Wachtmeister, ders so befohlen hatte, und war den ganzen Zimt los. Und dann . . . die Geschichte mit den Reichen . . . Wäre Herr Wachtmeister nicht gewesen, die ärmeren Jungens hätten sich längst zusammengetan und hätten die vier »Reichen« (wie sie allgemein hießen) zusammengehauen. Denn die nahmen den Armen noch ihr Letztes, wenn es so in ihren Kram paßte, sie ließen sich vorn und hinten bedienen und zahlten schlecht und manchmal gar nicht . . .
Einmal hatte man versucht, sich aufzulehnen, aber da war der Herr Wachtmeister dazwischengesprungen, der immerhin an den Eltern der »Reichen« viel verdiente, und hatte den Armen noch eine Tracht Prügel extra gegeben . . .
»Bäh, Caspar, bäh!« schrien sie noch immer. Da raffte sich Caspar auf.
»Kinder«, rief er, »der Wachtmeister hält jetzt seinen Mittagsschlaf. Wir können also nicht gehört werden. Kinder, werft diesen Menschen heraus! Seht ihr nicht, wie er uns alle quält, wie er uns einzwängt, wie er sich der vier ›Reichen‹ gegen die fünfundneunzig Armen annimmt, wie wir nie, nie, nie zu etwas kommen, solange dieser Mensch im Hause ist? Werft ihn heraus, Kinder, wir sind . . . « Aber er konnte nicht weitersprechen. Eine schwere Hand legte sich auf seine Schulter.
»So?« sagte eine fette Stimme, »so? – Und was soll denn aus mir werden?« Es war der Anstaltspfarrer, Herr Kriechkriecher, der heimlich, wie das seine Art war, gelauscht hatte . . .
»Sie müssen auch heraus!« sagte der Junge eifrig.
»Sie sind ebenso schlimm. Sie sind schlimmer, denn Sie umkleiden alles mit einem frommen Spruch!«
»Hülfä! Räbällion! Hülfä!« schrie der Pastor, und sein wehender Rock verschwand durch die Tür.
»Jungens«, rief Caspar, »noch ists Zeit. Wer steht zu mir?«
Sie rührten sich nicht.
Ins Zimmer brachen Herr Wachtmeister und seine Leute. Der Pastor stand im Hintergrund und betete, während die dicken Hiebe der Peitschen auf Caspar klatschten. Er brach zusammen.
*
»Das Bürgertum«, schrieb die »Kreuz-Zeitung« einmal, »hat alle Ursache, diese Wahlniederlage der Roten mit Befriedigung zu begrüßen.«
]]>Wie munter solche Hirnsamen aufgehen können, zeigt ein Interview mit der vergleichsweise doch recht nüchternen Generalbundesanwältin Monika Harms neulich im SPIEGEL (1), die sich zwar auch besorgt über die aktuellen Entwicklungen gibt, aber orakelnd anfügt: „Sie werden die Gesamtentwicklung nicht aufhalten.“ Langsam sollte man vielleicht das Trinkwasser überprüfen, ob nicht – „Batman begins“ lässt grüßen – angstinduzierende Halluzinogene munter in die Leitung gekippt werden.
Aufgehalten werden können vermeintlich unaufhaltsame Dinge nur dann nicht, wenn an ihre Unaufhaltsamkeit geglaubt wird – was genau der Sinn der Propaganda ist. Wie im platonschen Höhlengleichnis werden am Feuer gar schreckliche Dinge vorbei getragen, Jens Riewa liest dazu freundlich vor: „All diese Dinge sind real, haben sich naturgemäß so ergeben, müssen hingenommen werden. Und bezahlt. Und nun zum Wetter.“ Das ist bullshit, der von denjenigen, die sich oben in der Sonne aufhalten und soviel Zeit haben, dass sie damit aasen können (Tucholsky) und deren medialen Helfershelfern in der Höhle inszeniert wird.
Sich dagegen zu wehren, ist schwer: Es heißt zuerst, diese Mechanismen zu erkennen – und danach, wo immer es möglich ist, anders zu handeln, als erwartet und vorgegeben wird. Beispiel Heiligendamm: In der ersten Juniwoche nicht hingehen, sondern massive Flashmobs in deutschen Großstädten abhalten. Im „Kaufhof“ sehen 100 Leute gleich viel lustiger aus als 10000 auf einer Wiese in Ostdeutschland. Beispiel Arbeitsmarkt, speziell Praktika für Uniabgänger: Einfach mal konzertiert – Geld gibt’s ja meist ohnehin keins – mit etlichen anderen, man kennt sich ja, eine Woche blau machen, nachdem man eingearbeitet worden ist und gebraucht wird. Auf das eine Arbeitszeugnis unter vielen kann man pfeifen.
Wie still alle Räder stehen können, wenn genügend Bürger das nur wollen, haben französische Jugendliche vor kurzem mit ihrem Praktikantenstreik wieder deutlich gemacht. In Deutschland hätte man treuherzig Kirchen und Gewerkschaften um Erlaubnis gefragt und wäre unter Glockengebimmel am Sonntagnachmittag durch die Fußgängerzone gewallt. Müll noch weggeräumt, morgen geht’s wieder zur Arbeit. Damit kann umgegangen werden, das wird freundlich in der „Süddeutschen“ gelobt werden als „engagierte Jugend“.
Aber, Dieter, sag‘ das mal deinen Bekannten: Die werden dich ganz entgeistert anschauen – jeder Freund ein Streikbrecher, jeder Kommilitone ein Kollaborateur, jeder kopfschüttelnde Passant ein Sympathisant. Warum so weiter wie bisher? „Weil’s alle machen!“, „Ich muss auch Geld verdienen!“, „Was will man machen …“ Ja eben, was will man machen, wenn man ganz gerne eine andere Gesellschaft hätte, aber doch weiter die Annehmlichkeiten der bisherigen genießt. Viele französische Streikende waren bereit, auf dem Zahnfleisch zu laufen für ihre Belange, runter bis „2000 kcal am Tag und ein Dach über dem Kopf“, um den Staat zu zwingen, der bewusst auf Zeit gespielt hat. Dafür braucht es Unterstützung, Solidarität aus der Bevölkerung. Die kann man nur erlangen, wenn man auf sich aufmerksam macht, aufrüttelt, Sympathie erweckt. Das gelingt nicht im „schwarzen Block“ auf der von Bullen eingekesselten Demo. Auf Dauer werden Veränderungen gesamtgesellschaftlich nur durch Aufklärung möglich sein: In Dreiergruppen durch die Fußgängerzone laufen mit Flugblättern und den Bürgern ein paar Fakten liefern. Es ist nämlich ein Irrglaube, dass jeder kritische Websites liest und politisch gebildet ist. Für die meisten ist schon die „tagesschau“ zu anspruchsvoll. Das sind aber alles Wähler. Und so leicht wie eine Großdemo könnten solche Aktionen auch nicht verboten werden. Frag‘ aber im Bekanntenkreis, wer bereit wäre, mitzumachen – „keine Zeit, sieht so dämlich aus, was bringt das, das gibt bestimmt eine Anzeige, wenn mich mein Arbeitgeber in der Zeitung sieht …“.
Ich setze meine Hoffnung trotzdem weiter in politische Flashmobs, deren Potential anscheinend überhaupt noch nicht erkannt worden ist. Organisierte Demos, wenn nicht gerade Not am Mann ist und es Schlimmeres zu verhindern gilt, sind vergebene Liebesmüh‘. Das wird niemand honorieren. Diese Volksaufzüge, die genau so in Trachten oder Uniformen abgehalten werden könnten, erinnern mich immer an eine Szene aus „Life of Brian“:
„You don’t need to follow anybody. You’re all indidivudals!“
„Yes, we’re all individuals!“
Flashmobs und Arbeitsverweigerung. Vielleicht würde das manche erkennen lassen, dass es nicht ihr Geld ist, das für sie arbeitet. „Hundert-Euro-Scheine, gefüllt mit erlesenem Kleingeld“ dürfte auf Dauer ziemlich fad schmecken.
]]>Aber gerade die Klage wegen derzeitiger Bedingungen und die Angst vor einer weiteren Verschlechterung sind es ja, die einen wie blöde Demos organisieren, Petitionen und Klagen beim BVerfG einreichen, Briefe an Polizeipressesprecher schreiben, Interviews geben und Wahlmaschinen auseinandernehmen lassen. Ich habe mir dahingehend bei Leibe nicht zu wenig Engagement vorzuwerfen. Aber darüber zu berichten paßt thematisch (eigentlich) nicht in dieses Blog, weshalb ich in der Zwickmühle bin. Nicht auch hier darüber zu sprechen, käme einem Schweigen gleich, zu schweigen liegt mir aber völlig fern, weil es nicht meine Art ist, auch nicht um der Kunst willen – daher das Niemöller-Zitat*3. Ich dachte einfach, dass es eine gute Brücke zwischen Poetik und Politik schlagen würde.
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1. Ohne dieses billige Rumgeflame komme ich auch bestens mit deiner Kritik klar, ohne mich aus Selbstschutz zur Ignoranz zwingen zu müssen. Ich mag mich einfach nicht auf unterstes Niveau begeben und du hast das offenbar und erfreulicherweise auch gar nicht nötig. 😉
2. Ich habe meinem Mann bspw. noch nie „Ich liebe dich“ gesagt, obwohl ich genau das tue. Aber der Satz ist einfach so abgegriffen, dass man ihm keinerlei Ernsthaftigkeit oder Wahrheitsgehalt mehr zutrauen würde.
3. Vielleicht kannst du mir den Titanic-Artikel ja mal einscannen und per Mail schicken, damit ich endlich selbst lesen kann, was die dazu meinen.
]]>Sei versichert, dass mir die aktuellen Entwicklungen in der Innenpolitik nicht egal (oder gar unbekannt) sind und dass ich deine Bedenken teile, mehr noch: dass ich politisches Engagement in diesem Augenblick für unerlässlich halte, um zu retten, was nach jahrelanger Ignoranz der Bevölkerung und unheiliger Allianz der „Volksparteien“ vom Rechtsstaat übrig ist – nur: mit welchen Mitteln? Genau darauf hatte ich mich mit meinem ersten Kommentar bezogen:
Dem aufmerksamen Pressebeobachter wird sicher aufgefallen sein, dass gewisse Kräfte in diesem unseren Lande seit Jahren unermüdlich den „konservativen Rollback“ predigen, der nötig, aber – noch wichtiger – schon längst gestartet worden sei: die Assoziation der Unabwendbarkeit. Bemerkenswert oft wird sich in Debatten dabei der Metapher der „schiefen Ebene“ bedient – und zwar auf beiden Seiten: Konservative befürchten Zustände wie bei Hempels unterm Sofa, die sicher eintreten, wenn nicht (wieder) Zucht und Ordnung herrschen – das Leben, ein Kasernenhof (jedenfalls für Kapitalschwache), Bürgerrechtler dagegen kontern mit gar grausigen dystopischen Skizzen, die meist einer Mischung aus „1984“ und der NS-Zeit entsprechen. Das Niemöller-Zitat ist dabei die Literatur gewordene „schiefe Ebene“.
Was dann – jenseits der Talkshows, Feuilleton- und Weblogartikel – passiert, hast du ja neulich erlebt: Gesetze werden ohne Debatten und viel Aufhebens durchgewunken; nicht weil Parlamentarier grundsätzlich ignorant oder von den jeweils aktuellen Wahnvorstellungen besessen wären, sondern weil sie dank Privilegien und der faktischen Unmöglichkeit der Abwahl (jedenfalls bei CDU und SPD – entweder Regierung oder Opposition, aber definitiv nicht macht- und geldlos) in einer „Realitätsblase“ leben: Arbeitslosigkeit, Schikane, Repressalien, Überwachung, Demonstrationsverbot etc. – all das sind Dinge, die auf dem Radar der meisten Parlamentarier gar nicht vorkommen, wovon sie nie betroffen sein werden.
Um nun wirklich etwas an den aktuellen politischen Verhältnissen zu ändern, ist es definitiv wenig hilfreich, bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Schreckgespenst des Nationalsozialismus zu beschwören – der Effekt nutzt sich nämlich ab, im Extremfall so sehr wie beim Jungen, der einmal zu oft „Wolf!“ gerufen hat. Außerdem erweist man damit den Propagandisten des Sicherheitsstaates und deren verzerrter Realitätsvorstellung eine Ehre, die ihnen nicht gebührt: man unterstützt sie, indem man eine eigene diametrale Wahnvorstellung aufbaut. Die Realität ist viel banaler: Wiefelspütz und Zypries machen beim Kacken genau so die Beine krumm und schmieren sich morgens LÄTTA auf’s Brot – und könnten in einer funktionierenden Demokratie, im Idealfall mit imperativem Mandat und Elementen der direkten Demokratie, gleich morgen abgewählt werden.
Auf dem Weg dorthin braucht es aber vor allem eines: Augenmaß. Und einen kühlen Kopf. Kurzfristige Ausrichtung an dem, was machbar ist (Demos, Petitionen, Aktionen), langfristige Orientierung an dem, was machbar sein könnte (vor allem bei der nächsten Bundestagswahl). Alles andere spielt den Architekten des „starken Staates“ in die Hände, deren Vertreter bienenfleißig in den Ministerien arbeiten – ungestört von der Bühnenshow, die Clowns wie Wiefelspütz und Konsorten abziehen.
Sela, Psalmenende.
]]>Wer sich nicht zu schade ist, […] sollte sich genau das vielleicht wirklich einmal ernsthaft fragen.
Genau so ist es und dies gilt nicht nur für dich und mich, sondern auch für den Rest der braven Bürger. In welcher Form diese Auseinandersetzung passiert, ist mir (im Ggs. zu dir offenbar) weitgehend egal, aber dass etwas geschehen muß, damit sich gewisse historische Ereignisse nicht einfach wiederholen, halte ich für unausweichlich.
Jüngst berichtete mir eine meiner engsten Freundinnen von der Durchsuchung ihrer Wohnung und vorgestern Nacht saß ich im Bundestag als ohne jede Diskussion [!] ein mehr als fraglicher Gesetzesentwurf durchgewinkt wurde, der mich und meinen Verein über Nacht kriminalisiert und sogar mit Paragraph 129a in Verbindung bringt, während wir von 6 extra für uns bereit gestellten Sicherheitsbeamten beschützt wurden. Ich weiß nicht, ob du fern von Knut und Doping-Skandal im Bilde der aktuellen Tagespolitik stehst, deshalb laß dir sagen: Die Kacke ist am dampfen! Und deine kindischen Provokationsversuche à la „Teenie-Inflektiven“ sind angesichts dessen nur noch als naiv und weltfremd zu bezeichnen.
Da ich selbst kein politisches Blog führen wollte/will und mein Beitrag tatsächlich nur ein blasses „me too“ war, verweise ich alle interessierten Leser an dieser Stelle auf Andreas, Fefe und Marcus, die kritische Kommentatoren der derzeiten politischen Lage sind und deren Meinung ich nur voll unterstreichen kann.
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ps.: Solltest du dich zukünftig wieder durch infantile Beleidigungen gegenüber mir oder meinen Lesern derart disqualifizieren, werde ich deine Kommentare komplett ignorieren und evtl. sogar aus meinem Blog entfernen.
Und apropos TITANIC: Gerade die stellen mit satirischen Mitteln lustvoll etablierte moralische Reiz-Reaktionsmuster in Frage, um die Reaktionen der Betroffenheitsbürger ausführlich zu dokumentieren. Einfach mal wieder reinlesen!
Man hätte – um’s kurz zu machen – auch schreiben können: „Mit Kanonen auf Spatzen geschossen!“ Wer sich nicht zu schade ist, einem äußerst dünnen „me too“-Blogeintrag, der so ähnlich in tausenden anderen Blogs zu finden war, ein hoch dramatisches Zitat voran zu stellen, dessen Hautgout und moralische Unantastbarkeit das folgende Potpourri aus Heise-Schnipseln zu veredeln verspricht und das ganze noch dazu mit der Frage „Wann kommen sie und holen mich?“ verklammert, sollte sich genau das vielleicht wirklich einmal ernsthaft fragen.
Und genau darum ging’s in diesem Fall auch der TITANIC.
„Als sie kamen, um die Sahnejoghurts zu verbieten, schwieg ich, weil ich keinen Sahnejoghurt mochte. Als sie kamen, um den fetten Käse zu verbieten, schwieg ich, weil ich kein Käseliebhaber war. Als sie kamen, um die Butter zu verbieten, schwieg ich, weil ich lieber LÄTTA mag. Dann, als sie kamen, um mich zu holen, gab es keinen mehr, der sich für mich hätte erheben können (alle zu schwach wegen Fettmangel!).“
Yeah!
]]>Morgen früh um 8.
Die TITANIC hatte mal einen netten Text zur Niemöller-Seuche im Internet:
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